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Full text of "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen"

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ZEITSCHRIFT 



FÜR 



VERGLEICHENDE 



SPRACHFORSCHUNG 



AUF DEM GEBIETE DER 



INDOGERMANISCHEN SPRACHEN. 



BEGRÜNDET 

VON 

A. KÜHN. 



HERAUSGEGEBEN 

VON 

E. KÜHN Din> J. SCHMIDT. 



BAND XXVI. 
NEUE FOLGE BAND VI. 



BERLIN 

FERD. DÜMMLERS VERLAGSBUCHHANDLUNG 

HARRWITZ UND GOSSMANN 
1883. 



Weimar. "— Hof-Bachdraoksrei. 



Inhalt. 



Adalbert Kuhn 

Die Vertreter von urapr. äv. Ob m den germanischen sprachen. 

Johannes Schmidt 

Die germanischen präpositionen und das auslaut^esetz. Von 

Johannes Schmidt 

Vedische Studien. Von B. Roth 

Zur altgermanischen Sprachgeschichte. Von F. Kluge .... 

Präkrtische miscellen. Von Siegfr. Goldschmidt 

Latein und griechisch in einigen ihrer nichtigsten lautunteiscliiec 

Von A. F. Pott 

Materialien zur lateinischen nCrterbildungsgeschicble. III. Die ue 

frequentatiua. IV. Die nerba denominatiua auf -are. Von 

C. von Paucter 

Urspr. dn In cn im lateinischen. Von Budotf Thurneysen . 
Noch einmal das präkritische quantitfitsgesetz. Von H. Jacobi 

Entgegnung. Von J. Hoffory 

zd. mry. zd. hazdyä4. Von H. Hfihschmann 

Xxia/iat „ich freie". Von H. Osthoff 

Pr&krtische miscellen. 13. faht. H. nibbhara; bharia. Von Sie| 

Goldschmidt 

Zu zs. XXVI, 70 fr. Verbalpartikeln in der Zusammensetzung. Vo 

F. Kluge 

Das Suffix des parlicipium perfecti acttvi. Das primäre compara 

sufHx. Von Johannes Schmidt 

Eicurs. Heterokli tische nominalive singularis auf -ä$ in den arisc 

sprachen. Von Johannes Schmidt 

Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. Anhar^ zu 

und IV. Von a v. Paucker 

E^n angebliches „italo-keltisches" lautgesetz. Von H. Zimmer > 
Tb« Breton Glosses at Orleans. By Whitley Stokes .... 



IV InhalL 

8Mt» 
Th« Irisb Faasages in the Stowe Missal. By Whitley Stokes . . 487 

im. /f. Von Th. Aufrecht 590 

Zqt w^rdifnng der Pahlavl-glossare und ihrer erklärung durch die 

Parsen. Von J. Olshausen fiSl 

Ueber den futurgebrauch griechischer praesentia. Von G. Mahlow • 570 

Iranica. 1. skr. lopä^a und zd. koArkasa. ± Zm^^ctQ^q. 3. Suffix 
«IUI and %a. 4. zd. Vouruka.^. 5. zd. bibda. 6. idg. eti du 
bist. 7. zd. gada. 8. Der vogel rärayna. Von H. HQbschmann 603 

Miscellanea. Ueber das vediscbe anutta. Zu Rr. L 36, 17. Rv. X, 

34. 5. Zu XXVI, 530. Von Th. Aufrecht 610 

Sach' and Wortregister. Von Alois Vani'Sek 614 



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Adalbert Kuhn 

geboren den 19. november 1812 zu Königsberg in der Neumark, 
gestorben den 5. mai 1881 zu Berlin. 



Wiederum hat der tod unsere reihen gelichtet und einen 
der besten dahingerafft. Der mann, welcher diese Zeitschrift 
begründet und fast drei Jahrzehnte geleitet hat, ist zur ewigen 
ruhe gegangen. Reiche kenntnisse, scharfer blick, unbestechliches 
artheil, verbunden mit milde und wohlwollen befähigten ihn wie 
wenige andere, ein organ zu schaffen und zu leiten, in welchem 
die verschiedenen richtungen der Sprachforschung zu worte ge- 
kommen sind und würdigen ausgleich gefunden haben. In den 
fünfundzwanzig bänden der Zeitschrift und den acht bänden der 
beitrage, welche unter seinem namen hinausgegangen sind, spiegeln 
sich dreissig jähre der geschichte unserer Wissenschaft. Alle 
fortschritte dieser zeit sind in ihnen theils zuerst an das licht 
getreten, theils berichtend erwähnt oder berichtigend weiterge- 
führt. Im mittelpunkte aller steht der herausgeber, überall ein- 
greifend und fordernd, so dass schon dadurch sein name untrenn- 
bar mit der geschichte der indogermanischen Sprachwissenschaft 
verbunden ist. 

Kuhns wissenschaftliche thätigkeit hat sich vornehmlich auf 
den beiden anscheinend weit auseinanderliegenden von ihm in 
organische Verbindung gebrachten gebieten der vedischen litteratur 
und der deutschen volkssagen bewegt. Kuhn war unter den 
ersten, welche das verständniss der veden sprachlich und sachlich 
erschlossen haben. Dem hingebenden fleisse und den scharf- 
sinnigen divinationen dieser männer vermag die jetzige generation, 
welche auf der von ihnen mühsam gebrochenen bahn mühelos 
dahinschreitet, beim besten willen kaum gerecht zu werden. Eifrig 
hat Kuhn mitgewirkt, die ältesten denkmale indogermanischer 
spräche und anschauungswcise zu beleuchten und von ihnen 
wieder licht für die sprachen und Vorstellungen der verwandten 
Völker zu gewiimen. Der vedischen textgeschichte ist sein aofsatz 
über die Vrhaddevatä (Webers ind. stud. I) gewidmet. Der- 
selbe gegenständ hat ihn in den letzten lebensjahren wieder be- 
schäftigt. Tief einschneidend waren seine „sprachlichen resultate 
aus der vedischen metrik^ (beitrage lU. lY). Seine zahlreichen 
aufsätze in dieser Zeitschrift haben der Sprachforschung, welche 
noch in den vierziger jähren fast nur auf dem späteren sanskrit 

Zeitschrift für vorgl. Spracht N. F. VI. 1. « 



VI 

fusste, aas den veden eine fülle neuer anregangen Zugeführt. 
Seine scharfsinnige erklArang der medialeDdungen aus doppelten 
pronominalsuffixen (de conjugatione in fc/, Berolini 1837, p. 24) 
hat lange zeit ungetheilte anerkennung gefunden. Werth volle 
beitrage zur lautlehre brachten seine aufs&tze über das alte $ 
(zeitschr. I — IV). So wäre noch manches zu erw&hnen, wenn 
es uns hier um aufz&hlung aller Verdienste im einzelnen zu 
thun wäre. 

Doch nicht diese arbeiten sind die hauptstutzen seines grossen 
rufes. Denn die sprachliche form und deren entwickelung waren 
ihm selten endzweck der forschung, sondern galten ihm meist 
nur als mittel um die ältesten Vorstellungen und damit den 
ältesten culturstand unseres volkstammes zu gewinnen. Wenn 
man so sagen darf, nicht die reine, sondern die angewandte 
Sprachwissenschaft war sein hauptziel. Ja die letztere ist über- 
haupt erst durch ihn geschaffen. Jakob Grimm erklärt in der 
vorrede zur geschieh te der deutschen spräche: „Sprachforschung, 
der ich anhänge und von der ich ausgehe, hat mich doch nie in 
der weise befriedigen können, dass ich nicht immer gern von 
den Wörtern zu den Sachen gelangt wäre; ich woUte nicht blos 
häuser bauen, sondern auch darin wohnen, mir kam es ver- 
suchenswerth vor, ob nicht der geschichte unsers volks das bett 
von der spräche her stärker aul^eschüttelt werden könnte, und 
wie bei etymologien manchmal laienkenntniss fruchtet, umgekehrt 
auch die geschichte aus dem unschuldigeren Standpunkt der spräche 
gewinn entnehmen sollte^. Kuhns streben lässt sich kaum 
treffender charakterisieren als mit diesem Selbstbekenntnisse des 
altmeisters vaterländischer Wissenschaft. So ist er der begründer 
der vergleichenden cultui^eschichte und vergleichenden mythologie 
geworden. Seine 1845 erschienene, dann im ersten bände von 
Webers indischen Studien erweitert wiederholte schrill „zur 
ältesten geschichte der indogermanischen Völker^ bildete den 
keim, aus welchem die sprachliche paläontologie erwachsen ist. 

Mit besonderer Vorliebe gieng er den religiösen Vorstellungen 
der Indogermanen nach. Angeregt durch J. Grimms deutsche 
mythologie sammelte er, unterstützt von seinem Schwager 
Schwartz, aus volkesmunde, was spuren vorchristlicher an- 
schauung enthalten konnte, in den abhandlungen über das ver- 
hältniss märkischer sagen und gebrauche zur altdeutschen mytho- 
logie (märkische forschungen I. 1841, s. 115 f.), über einen 
fastnachtsgebrauch im dorfe Stralow bei Berlin (ebend. s. 294 f.), 
in seinen märkischen sagen und mährchen (1843), norddeutschen 



VII 

sagen, mShrchen und gebrauchen (1848 zusammen mit Schwartz), 
sagen, gebrauchen und mährchen aus Westfalen (1859). Indem 
er zu gleicher zeit die sagen, gebrauche und den cultus der übri- 
gen indogermanischen Völker durchforschte, fand er überall die- 
selben züge und theilweise auch dieselben göttemamen. Diesen 
sprachlichen Übereinstimmungen als leitstemen folgend enthüllte 
er mit kühner und glänzender combination die geschichte der 
göttergestalten bis in die indogermanische vorzeit hinauf und 
wies nach, wie sie aus den Vorstellungen erwachsen sind, welche 
donner und blitz, der Wechsel von tag und nacht, von winter 
und sommer bei unseren urvätem hervorriefen. Seine letzte 
Schrift „über entwicklungsstufen der mythenbildung'* (abhandlun- 
gen der Berliner akademie auis dem jähre 1873) entwirft in 
grossen zügen eine methodologie der sagenforschung. „Die grund- 
lage der mythen ist auf sprachlichem gebiete zu suchen, polyo- 
nymie und homonymie sind die wesentlichsten factoren dersel- 
ben.'* Poetische Übertragung „giebt zweien, mit oft nur einer 
gleichen eigenschaft ausgestatteten gegenständen dieselbe bezeich- 
nung, die ursprünglich nur einem derselben zukam, so wenn z. b. 
die strahlen zügel, finger, bände, kühe u. s. w. heissen'*. Dadurch 
wird das ursprünglich allen verständliche allmählich dem Ver- 
ständnisse entrückt. „Das mehr und mehr sich entwickelnde 
religiöse bewusstsein der Völker verleiht dem einfachen prosa- 
ischen oder poetischen ausdruck för die Vorgänge in der natur, 
dadurch dass es in ihnen die Wirkungen bald freundlicher bald 
feindlicher mächte sieht, einen ganz veränderten Charakter, der 
wesentlich das bisher verständliche verschwinden und zum räthsel 
werden lässt. Wenn z. b., um einen allen Indogermanen gemein- 
samen ausdruck zu wählen, es hiess, das tageslicht ist ver- 
schwunden, die nacht ist gekommen, und man dann mit poeti- 
scher Übertragung sagte, die kühe sind verschwunden, die nacht 
ist da, und dann in weiterer entwicklung gesagt wurde, die kühe 
sind verschwunden, der finstere nachtgeist hat sie geraubt, so 
musste dadurch das ursprünglich klare Verständnis des ausdrucks 
getrübt werden und allmählich der mythische ausdruck eintreten.** 
„Die mythenbildung tritt erst ein, sobald die folgende periode 
das Verständnis für die spräche der je früheren verloren hat^, 
welche ihrerseits durch die culturstufe des volkes bedingt ist. 
„Jede stufe der socialen und politischen entwicklung hat ihren 
mehr oder minder eigenthümlichen mythologischen Charakter und 
das neben- und durcheinanderliegen solcher, so zu sagen mytho- 
logischer schichten erschwert die lösung der mythologischen 



VIII 

r&thsel oft nicht wenig. Die Honderung solcher eutwicldungs- 
stufen müsste daher das verHtändnis der mythologischen gestal- 
tung erheblich zu fordern im stände sein.^ Kuhn zeigt dann, 
wie die Vorstellung des wechseis von tag und nacht auf den 
verschiedenen culturstufen verschiedenen ausdruck gewinnt, je 
nachdem das volk von der jagd lebt. Viehzucht treibt oder den 
acker bestellt, und wie die auf uns gekommenen mythen zuge 
aller drei culturstufen erhalten haben, so dass eine and dieselbe 
naturerscheinung in den verschiedensten gotterthaten dargestellt 
wird. Wegen der grossen locken, welche in der Überlieferung 
der mythenentwickelung unausgefullt bleiben, und wegen der viel- 
fachen Übertragungen von zügen einer mythischen gestalt auf 
eine andere sind in der vergleichenden mvthologie viel weitere 
klüfte durch vermuthungen zu überbrücken als in der verglei- 
chenden Sprachforschung, daher die einzelnen ergebnisse in 
gleichem masse unsicherer. Dass die von Kuhn eingeschlagene 
bahn der mythenerklärung die richtige ist, hat der beifall und 
die nachfolge der auf diesem gebiete arbeitenden bewiesen. AU 
muster mythologischer forschung ist seine „herabkunft des feuers 
und des göttertranks^ anerkannt. Eine ausfuhrliche Würdigung 
derselben und der zahlreichen mythologischen Untersuchungen 
in dieser Zeitschrift sowie in denen von Haupt (Bd. II — VI), 
Wolf-Mannhardt (Bd. III), Zacher -Höpfher (Bd. I) müssen wir 
uns hier versagen. Sie haben seinem namen ein bleibendes 
gedächtniss gesichert. 

Alles dies hat er in der spärlich bemessenen mussexeit, 
welche ihm sein schulamt Hess, geschaffen. Vor wenigen wochen 
trat er, durch schweres leiden gezwungen, in den wohlverdienten 
ruhestand. Als die krafte sich wieder hoben, hoffte er, voll von 
entwürfen neuer arbeiten, noch den abend seines lebens aus- 
schliesslich dem dienste der Wissenschaft widmen zu können. 
Diese hoffnung hat ein sanfter tod plötzlich abgeschnitten. 

Wer das glück gehabt hat, dem verstorbenen persönlich 
naher zu treten, dem wird der milde und wohlwollende mann, 
welcher sich auch in angesehener Stellung schlichte anspruchs- 
losigkeit bewahrt hatte, unvergesslich sein. 

Johannes Sobmidt« 



Die Vertreter von urspr. m;^ ot; in den 
germanischen sprachen. 

Die vocaldififerenz von as. äö, ahd. cJitw und anord kgr, 
ags. cü ist ztschr. XXV, 17 aus einer alten flexion nom. *küi, 
got. *kaui, gen. *kdjös = skr. gavt, gavyas durch das von 
A. Kirchhoflf d. got. runenalphabet^ s. 55 gefundene gesetz 
erklärt, dass urgerm. öv vor vocalen zu got. au, in den übrigen 
germanischen sprachen zu ü, vor consonanten in allen ger- 
manischen sprachen zu ö geworden ist. Sievers hat dann noch 
einige belege für das gesetz gegeben (Paul u. Braune beitr. VI, 
564 f.)f Paul aber das ganze gesetz für die aussergotischen 
sprachen in frage gestellt (ebenda VII, 152 f.). Es wird daher 
nicht überflüssig sein hier darauf zurück zu kommen. 

Eine quelle der Verwirrung ist zunächst die gotische Ortho- 
graphie geworden. Wenn wir von einer und derselben wurzel . 
neben einander haben taujan tavida und töjis taui, so ist klar, [ 
dass das au, welches vor vocalen in av übergeht und das au,\ 
welches im gegentheil gerade vor vocalen seine stelle hat, ur-\ 
sprünglich zwei ganz verschiedene laute gewesen sind. Dem 
au vor vocalen entspricht in den übrigen germanischen sprachen 
ü : hauan = an. hüa, ags. as. ahd. büan, und so in allen 
fallen, wo die alten Verhältnisse nicht durch einseitige aus- 
gleichung verschoben sind. Kirchhoflf hat dies schon i. j. 1854 
vollkommen richtig dargelegt. Daraus ergiebt sich, dass die 
identification von ahd. stouuita mit got. stauida (Mahlow die 
langen vocale A E s. 19. 21, Paul 160) irrig ist, um so mehr 
als in stüa-fa^o Musp. 55 : got. staua-stöls die regelrechte ent- 
sprechung vorliegt. Ahd. stouuan stouuita, mhd. stöuwen klagen 
verhalten sich also zu got. staua stauida stöjan richten wie 

Zeitschrift £Ur vergl. Sprachf. N. P. VI. 1. 1 






J. Schmidt, 

ahd. zouuüun (Graff V, 713), mhd. jsöuwen zu got. taui, töjis, 
anord. tceja, d. h. sie würden in gotischer form *staujan *stavida 
lauten ^). 

Doch Paul erkennt die Identität von got. au vor vocalen 
und dem entsprechenden ü der übrigen germanischen sprachen 
überhaupt nicht an. Got. bauan ist ihm nicht gleich ahd. hüan, 
»Die einfache lösung der Schwierigkeit wird vielmehr die sein, 
dass wir für das urgermanische den ablaut ü-au ansetzen, wie 
in lüka4auk, und also das got. au im praes. aus einer an- 
gleichung an das praet. erklären. Zwingt uns doch dazu schon 
die consequenz des Systems, da wir wissen, dass durch die 
reduplication der ablaut nicht ausgeschlossen ist« (s. 155). 
Diese einfache lösung verstösst nur leider gegen ein elementar- 
gesetz des gotischen. Das au von *baibau würde, wenn es 
kurzes a enthalten hätte und ins praes. übertragen wäre, ein 
praes. *bava, nicht baua ergeben haben. Vergl. naus navcis, 
faursnau faursnivan u. s. w. L. Meyer got. spr. s. 387. Die 
Identität des got. au vor vocalen mit dem aussergotischen ü 
bleibt also unerschüttert. Da für die au vor vocalen, neben 
welchen sich ö vor j findet (stauida stöjan) auch Paul öv als 
grundlage anerkennt (s. 156), ist es unmethodisch die gleiche 
eridänmg für die au vor vocalen, neben welchen zufallig kein 
ö aus dem gotischen überliefert ist, zu bekämpfen, zumal andere 
germanische sprachen mehrfach das nebenliegende ö oder 
aussergermanische sprachen die lautgesetzlichen Vertreter des 
zu gründe liegenden öv wirklich haben, so bei bauan, bncman, 
sauü s. u. 

Die erklärungen, welche man für das got. au an stelle von 
ü der übrigen germanischen sprachen versucht hat, sind sämmt- 
lich unhaltbar. Dietrich ausspr. 20 nimmt, gestützt auf Banaui 
= Bavovi, eine lautneigung an, ü vor vocalen in au diphthonge- 
scieren zu lassen. Er hätte noch Bagauis = Bayovi anführen 



*) Das bei Graff VI 727 siebenmal ausglossen des 10.— 11. jh. belegte 
gtouuitüf welches durch die bewahning des % auf ursprünglich kurzen 
vocal schliessen lässt, vermag Paul s. 160 nicht zu erklären, er setzt es 
daher in klammern und hält sich an das nur aus Rg. 1 und der Über- 
setzung des Boetius je einmal belegte stouta, welches er mittels west- 
germanischer syncope Sius*8tömda herleitet. Warum ist dann ö nicht zu 
110 geworden? Die richtige auffassung findet sich in den von Paul be- 
kämpften aufsätzen ztschr. XXV, 18, Kluge beilr. VI, 382, Sievers ebenda 567. 



Die Vertreter von iirspr. at>, av in den germanischen sprachen. 3 

können. Aber alle übrigen eigennamen widerlegen ihn: lesuis, 
Fanudis, Aidduins (^hdovd), Odueiins Cilöovia). Holtzmann 
altd. gr. 14 f. will iaüan u. s. w. lesen. Er unterscheidet dabei 
die aw, neben welchen zufällig kein got. ö erhalten ist, von 
denen, neben welchen im gotischen ö hegt. Erstere seien aus 
ü verkürzt, sein beweis ist das einzige Banaui Dietrichs, gegen 
welches die zahlreicheren falle, in welchen ov vor vocalen durch 
u wiedergegeben ist »nichts beweisen können«. Die anderen 
seien aus ö verkürzt wie die au von Tratiadai (Tgcodöt), Nauel 
(Ntüs), Lauidjai (Acotdt); ö stehe nicht vor vocalen, entweder 
werde es aü oder es werde h eingeschoben: Johannes. Diese 
behauptung ist für gotische wie für fremde worte falsch, vergl. 
vaivöun, lailöun, ailöe (sXcoiJ, löanan, Silöamis, Endlich Kluges 
behauptung, au vor vocalen habe in der ausspräche »mitten 
zwischen öw und üw gelegen«, das w sei »bloss graphisch nicht 
vorhanden« (beitr. VI 382 f.) ist von Sievers (ebenda 568) ge- 
nügend beleucTitet, dem »Holtzmanns hypothese jetzt in einem 
etwas weniger zweifelhaften lichte erscheint als früher«. Mit 
den heute zu geböte stehenden hilfsmitteln kommen wir nicht 
über die feststellung der thatsache hinaus, dass v hinter ö 
anders behandelt ist als hinter a, e, i, u, und zwar vor vocalen 
im gotischen anders als in den übrigen germanischen sprachen. 
Ob got. au vor vocalen aus ü oder umgekehrt das ü der 
übrigen sprachen aus dem im gotischen mit au bezeichneten 
laute oder beide auf verschiedenem wege aus dem noch ur- 
germanischen öv entstanden, und wie dies au gesprochen sei, 
darüber weiss ich nichts begründetes zu sagen. ^) 

Die gesetzmässige vertheilung von ü, got. au einerseits und 
gemeingermanischem ö andererseits hat sehr früh stattgefunden, 
daher finden sich in historischer zeit schon vielfache aus- 
gleichungen des nicht mehr verstandenen wechseis. Das 



*) Das einzige Beispiel, in welchem ausserdem got. au aussergotischem 
ü gegenübersteht, sauls = an. as. ahd. stU^ bringt man nicht zum vortheil 
der Sache in Verbindung mit den hier behandelten au, Dass kein laut- 
gesetz besteht, welches got. ü vor l unmöglich machte, lehrt fawrmuljan. 
Dasselbe wort verbietet sauls als suis auszusprechen wie Kluge will (beitr. 
VI, 381). Vermuthlich liegt ein nach entgegengesetzten richtungen aus- 
geglichener alter ablaut, hochton au, tiefton ü, zu gründe, so dass sich 
sauls zu sul verhält wie old-aq : ahd. xUar, skr. udhar, lit. üä^rUti (zu er- 
klären wie nnttQ : yakrt rtschr. XXV, 23). 



4 J. Sdunidt, 

gotische, welches die differenz von sU^a und stamda aufrecht 
erhielt, hat die einander näher liegenden st^ja und *staueis, 
*8taueip zu stöja, stöjis, stöjip uniformiert, ebenso ffdla^, ubür 
töjis statt *4aueis. Ich glaube nicht, dass jemand auf grund 
der letzteren die gesetzmässigkeit des wechseis zwischen au und 
ö in frage stellen wird. Um so mehr muss man in den noch 
äbrigen germanischen sprachen auf ausgleichungen gefasst sein. 
Nach diesen Vorbemerkungen gebe ich die mir bekannten 
beispiele des lautwandels, indem ich mit 1 11 III der reihe nach 
die vocale des typus got. taujan, taui, töjis bezeichne. Das 
verhältniss von I zu II und HI ist dasselbe wie von a zu ö. 

1. I got. taujan, tavida, run. taundo, ahd. eouuitun exer- 
cebant, mhd. söuwen, ndd. towen; 11 got. taui, anord. I^äa 
half; III got. tüjis, ftdUUöjis, norw.-lapp. duögje, schwed.-lapp. 
tuoje, enare-lapp. työje (Thomsen 51. 177.), anord. toeja helfen, 
anord. ags. töl Werkzeug (Sievers beitr. VI, 566 f.). Im nordi- 
schen ist die alte flexion tosja, praet. tyäa ausgeglichen, so 
dass im inf. sowohl tcsja als tyja, im praet. sowohl tyäa als 
tcßäa vorkömmt, ebenso in den übrigen verbalformen. Vgl. 
hyr, beer, gen. byjar, bosjar aus hyr = büir, gen. hcejar. Paul 
s. 153 findet in taui unlösbare Schwierigkeiten. >Setzt man 
als grundform *töu-jo an, so stünde öu vor consonant, folglich 
ergäbe sich urgerm. *U^o. Wie soll daraus got. taui abgeleitet 
werden? Setzt man aber *töu-i^ an, wie es von dem öu statt 
öw abgesehen das einzig richtige ist, so stände öu vor vocal, 
folglich ergäbe sich westnordisch *tüi, womit, wie Sievers selbst 
bemerkt, weder das lappische duögje etc. zu vereinigen ist 
noch das verbum tc^a€. Daraus folgt doch nur, dass unmittel- 
bar, bevor öv oder öu vor vocalen eine andere behandlung erfuhr 
als vor consonanten, weder *töjo noch *töuio oder *töuno bestand, 
sondern *tövi pl. *tövja, denom. *tövjan. Dann ist alles in Ordnung, 
und es ergiebt sich, dass ü, got. au an stelle von öv erst ein- 
getreten ist, als auslautendes -jam, -^iam bereits zu i geworden war, 
was in urgermanischer zeit geschehen sein kann, da alle germ. 
sprachen dies i haben oder hatten. Läpp, duögje enthält den 
ursprünglich nur den casus obliqui zukommenden stajnm; den 
nom. auch für das nordische vor der umlautperiode als *tüi 
anzusetzen hindert nichts. 

2. I ahd. stouuan pf. stouuita conqueri, increpare, objur- 
gare, irstoutum repellere, anfränk. stouungon, stouuuingan incrc 



Die Vertreter von urspr. äv, öv in den germanischen sprachen. 5 

patione gl. Lips. ; II got. staua gericht, staua richter, ahd. siüch 
tago Musp. 55, stüen büssen Musp. 25, zi stuuanne conqueren- 
dum Gh. 4, das ü mit Paul beitr. VII, 160 als contraction von 
HO zu erklären ist für den dialekt des Muspilli nicht möglich, 
da er tio vor vocalen unverändert lässt {kittwe v. 20). III Got 
stöjan, ahd. arstuota expendit, stuoot queritur Gc. 3 (Graflf VI 727), 
auch un^irstuomi gehört vielleicht dazu (vgl. aber Id-stemet 
compescit Graflf VI 681). Die wurzelformen II und III erscheinen 
wieder im slawischen staviti stellen, hemmen, einen angriff zum 
stehen bringen, lit. stoviü stehen (Pott wzwtb. I 358), wegen 
der bedeutung vergl. noch abulg. pristavU beamter, ustqjati 
herrschen. Paul beitr. VII, 157 ohne die hochdeutschen formen, 
auf welche ztschr. XXV, 18 hingewiesen war, zu berücksichtigen 
fragt: »wie wäre ags. stöw denkbar, da aus urgerm. *8töwo etc. 
durchgängig *stauo etc. geworden sein müsste? Und ahd, 
ruauua etc.Pc Die antwort auf beide fragen hatte bereits Mahlow 
(die langen vocale A E 32. 142) gegeben: stöv, an. eld-stö 
entspricht abulg. staja und ags. röv, an. rö, ahd. ruotma ist 
das fem. zu abulg. raj, keinem von beiden liegt also urgerm. 
öv zu gründe. Ihr v ist durch denselben process entstanden 
wie in ags. savan = got. saian u. a., deren v nach Paul s. 158 
eine besondere, von ihm leider nicht gegebene erklärung fordert. 

3. I got. daups, daupus, an. deyja, as. döian, ahd. touuan; 
II got. af^auips erschöpft, abulg. davüi erwürgen, lit. dövyti 
quälen. 

4. II got af-mauips e|*müdet; III ahd. fnuoan, pf. muota 
agitare, fatigare, an. mö^, as. rnöfhi, ahd. muodi nicht identisch 
mit got -mauips. Im ahd. finden sich verbalformen auch mit 
u statt uo geschrieben (s. Graflf n, 6(X) f.) , die ältesten denk- 
mäler haben aber nur ö, oa, uo^ z. b. armoUe Pa, irmoüe gl. K., 
armote Ra p. HO, 35 Steinm.-Siev., armoade Pa, kemocUhe, 
irmoade gl. E. p. 156, 11, so dass u als aus uo vor folgendem 
vocale entstanden, nicht dem got. au gleich, gelten muss, 
Otfrids muent, tnuen neben irmuaü fatigatus sind ebenso zu 
beurtheilen, vergl. bluen, duen u. a. Uebrigens ist zu bemerken, 
dass die aussergotischen worte nicht nothwendig ein v verloren 
haben müssen, vergl. russ. majct^ ermüden, fjuSlog, lat. möles 
Pott e. f. in ^ 995 f. Die stufe I erscheint in lit. maurdä sorge, 
mühe, apmaudyja es bereitet verdruss (Fick III 225). Im ger- 
manischen sucht sie Mahlow (21. 33) in anord. mä mOda, 



5 J. Schmidt, 

welches er auf got. *maujan '^mavida zurückfuhrt wie sira sMUta 
auf strat^an dravida, doch erweckt die bedeutung zweifei, denn 
mü bedeutet 1) etwas geschriebenes verwischen, 2) abnutzen, 
stumpf machen (s. Cleasby), gehört also vielleicht zu lit. tm- 
mduH abstreifen, maükti streifen. 

5. n got. bauan, an. büa, ags. as. ahd. büan; III an. byr 
boar, gen. byjar boejar durch ausgleichung aus bgr = *bü/ir, 
gen. boßjar. Die hergehörigkeit von an. böl und mhd. buode 
(äievers beitr. VI, 506) ist zweifelhaft. Das von böl abgeleitete 
baii lager, nest von thieren kann mit dem gleichbedeutenden 
^ptfiUa^ identisch sein (Fick Bezz. I, 333), wegen der vocale 
vgL flödus : nJLwvdg nr. 9. Doch kann böl auch = as. bodlos 
pL sein (vgl. ncU = as. nadla, got nBpla) ; im nnl. liegen boedd 
und bod besitzthum neben einander (afries. bodd oder bödd? 
bewegliche habe). Ags. böl dormitorium, von Ettmüller ohne 
beleg gegeben, ist vielleicht nordisches lehnwort, die zugehörig- 
k^t von mhd. buoU geliebter, verwandter (Ettm., Zimmer die 
nominafaniff. a und a s. 216, d. h. zu demselben böl gehöriger) 
zweifelhaft. Mhd. buode, nnl. boed, engl booth unterliegen dem 
verdachte slawischer entlehnung (cech. bouda, poln. buda, russ. 
bmUca). Dafür spricht der mangel des wortes im ahd. und der 
unedle sinn, welcher unnöthigen lehnworten so oft anhaftet. 
Die wurzelform II hatte durch ihre alleinherrschaft im verbum 
von vornherein das übergewicht über III, daher ist sie schon 
früh in das mittels -^ä gebildete nomen übertragen: an. ags. 
ahd. bür, as. g^iür. Paul beitr. VII, 155 hält an der alten gleich- 
setzong von bcma mit qw(a fest, den irrthum erweist schön aeol. 
iffvita. Wie saltan von scM, valdan von an. vald, ahd. gitoalt 
(beweis die vocale von lit. vilsti erlangen, pa-veld'iti erben), 
gaggain von gaggs (beweis lit. zengti), falpan von ahd. fald 
plica = abulg. pMA geflecht (vgl. skr. putor- falte aus *purktr; 
fMnm^ plecto, ßäUu sind unverwandt) u. a., so ist bauan, büan 
denominativum des in allen germanischen sprachen ausser der 
gotischen erhaltenen bü, dessen entstehung aus *bövcMn durch 
daw. M'bava verweilen, beschäftigung, hinderniss u. s. w. er- 
wiesen wird. Vgl. statsa : stamti, af-damps : damti. 

6. I got. troMsH vertrag, an. traust zutrauen, ahd. tröst; 
H got. troman, an. trüa, as. ^rö^, ahd. trUM — preuss. druwis 
glaube, skr. dhruod, abulg. s0rdravü aus -doravU, 



Die Vertreter von urspr. äv, öv in den germanischen sprachen. 7 

7. I ahd. trouuen puplscere, crescere Ra p. 232, 25 St.*S., 
Graflf V 471 (über aleni. t = urspr. p s. Weinhold alem. gr. 
s. 133), nhd. thüring. dröen, drohen wachsen, gedeihen, wohl 
anschlagen (Regel ztschr. X, 137); II slu. prüdr stark, bezeich- 
nung Odhins, aus *prüiär (vgl. lüär zerquetscht aus Imär u. a« 
bei Wimmer -Sievers § 149); III mhd. druo frucht, wohl wie 
ktio zu erklären (d. h. got. *draui, *dröjös)^ schweizer, trüehaft 
nahrhaft, ti^üehen gedeihen, an. pröask (Regel a. a. o.), ahd. 
druos geschwulst. Regel vergleicht lat. turgere, man kann 
andererseits an slaw. trava gras, kraut denken. Einer drei- 
fachen deutung fähig ist mhd. üfgedrotmen erwachsen, 1) kann 
es part. zu ahd. *drüan (vgl. an. prüär) sein wie genouioen zu 
nüan, got. hnaaan, wie gebouwen zu büan, got. bauan, 2) kann es 
part. zu ahd. triuuit excellet, pollet, floret Ra (Graflf V, 471) 
sein wie gekouwen zu kimoen ^) , endlich 3) kann es part. zu 
ahd. trautien sein wie an. däinn zu deyja. 

8. I an. preyja prüäa sich sehnen, geduldig ertragen, pr(ir 
trotzig, ags. pred drangsal, pred-veorc = as. thr(lH4?erk (as. a 
= germ. au Holtzmann altd. gr. 140), ahd. dröa passio, onus 
aus *prauja wie frö = frauja , döanta tepens (glacies) Graff 
V, 233 = an. pet/janda; III ahd. druoan, drtwen pati, 3igs.prövir 
gean, dessen v wie in savan u. s. w. hygterogen ist, grundform 
*pröjön, welche sich zu ahd. druoan, pf. thru>otun verhält wie 
got. hausjön, supjön, beistjön zu hausjan, supjan, gabeistjan. — 
Poln. trwac ausdauern oder passivum intransitivum zu tQwn, 
skr. türvämi überwältige; in letzterem falle verhalten sich ags. 
pred : prövigean : rgdw : türvämi wie frauja : ahd. fruo : 
TSQwt : pürva^ 

9. I an. fley = nkotov, flaust schiflT, ahd. flödar, mhd. 
vlöder das fliessen, ahd. fleuuan lavare, arflauuen eluere, mbd. 
vlimoen spülen, waschen, sich im wasser hin und her bewegen; 
II an. flüd low skerries or reefs flooded by the sea (aus *flüiäj ; 
m got. flödus, an. flöd, ags. as. flöd, ahd. fluot, an. floedr fluth 
im gegensatz zur ebbe, flöi meerbusen, sumpf, flöa, ags. flövan 
fleov (got. "^flöjan) fliessen. Die Zusammenstellung von flödus 
mit nlfi^iq u. s. w. (Amelung ztschr. f. d. a. XVIII, 193, 



^) Dies triuuit steht zu den hier behandelten worten in demselben 
Verhältnisse wie got. divans zu nro. 3, triggva zu nro. 6, snivan zu nro. 14, 
ahd. muuit ztt nro. 15, ags. beö zu oro. 5. 



8 J. Schmidt, 

Brugman morph. unters. I, 45) scheitert an der qualität der 
vocale. Es verhalten sich an. fley : flöa, fUiä = nXolov : niMm, 
nlüotog = abulg. plovq : plavü, plaviti, plavati. Mahlow s. 34 
meint, eine grundform *flövdus oder *flaudus für fUidus sei gegen 
alle regeln der Wortbildung, ich verweise auf ahd. nwA no. 15 
und ruoäe no. 19. 

10. I an. maust gebäude, in welchem die schiffe unter dach 
gebracht werden (vocal wie in hora. vavtpi)\ III m^ schiff = 
hom. vfvg, skr. ndius (s. ztschr. XXV, 20). nör ist erst nach 
Wandlung von ^ vor consonanten zu 9 in die a*declination 
übergetreten, sonst würde es ü haben, vgl. hü ntr. 

11. I ahd. ccmmm palatum Rb, nhd. gaumen; VI ahd. 
guomo guttur, palatum, faux, ags. gfhnüf an. g(Hnr, Die vocal- 
differenz erklärt sich wie bei no. 10 aus altem declinations- 
ablaute : nom. ahd. guomo, gen. goumin^ vergl. mhd. vamke neben 
vunke, ahd. funcho (urspr. nom. fancho^ gen. funchin), an. kona, 
gen. pl. kvenna (urspr. nom. kvena, cas. obl. kona- wie air. ben, 
gen. mnd ztschr. XXV, 129), ävad^t^^a : x^ifia, skr. ddman^ dm- 
diiika : xQijdsfAVov, (ft^fia, (ftijfAnv : <ftd(kvoq u. a. Eine dritte 
form ist dän. nhd. gumme m. (Hildebrand deutsches wtb. IV, 
1, 1576), ahd. commono faucium Ra. Sie ist aus *gumn-^ ent- 
standen wie stimma Ra. aus stimna, alem. nemman (z. b. Eero 
p. 119 H. dreimal) aus namnjan und geht auf eine secundär- 
ableitung von guomo goumin mittels suff. -ä zurück, welche in 
die schwache declination übergetreten ist. Ahd. commo verhält 
sich also zu *gumnr€i^ und guomo ähnlich wie an. tiara theer 
zu lit. dervä und skr. däru. Die betonungsgesetze, aus welchen 
sich die dreifache vocalisation erklärt, sind ztschr^ XXV, 21 — 59 
erörtert. Eine fast vollständige parallele zu guomo : goumin : 
gommo ist das verhältniss von Xe&fkcSv : lti*ivog : UfAVfi^ vergl. 
auch as. liomo, ags. leima, an. Ii6mi, lat. lumen : got. laühmuni, 
ahd. gllzemo : got. glümfmjan. Dass die n-stämme noch im 
sonderleben des germanischen die starken und die schwachen 
casus verschieden betonten, lehren die consonantenwechsel von 
an. h&ri, ahd. hehera : an. hegri, mhd. heger (Leffler nord. tidskr., 
ny rsekke IV, 286), mhd. fnahen : mOge, magen {fA^xcavj abulg. 
mdkü : lett. mägone, lit. aguna mit zugehörigem ablaute), got. 
ausö : an. eyra, ags. edre, as. ahd. öra, ahd. haso : ags. hara, 
an. heri aus *hain, (der umlaut durch r = bewirkt, s. Bugge 

..tidskr. VIII, 320, Steffensen ebenda ny rsekke II, 71), aus 



Die Vertreter von urspr. äv, öv in den germanischen sprachen. 9 

welchen sich auf gotischer lautstufe eine flexion *A?5a, *ha0ins 
ergiebt; wegen der vocale vergl. leta : lats, ahd. bOan : bad, 
chraan : chreia (gräcuius), tOan : got. daddjan, mäan, mad : fränk. 
maday alem. mata (in Ortsnamen nachgewiesen von MüUenhoff 
ztschr. f. d. a. XXIII, 6), mhd. mate, ags. meadu, Lit. gomur^s 
gaumen, rächen, lett gämitrs luflröhre ist entweder eine alte 
entlehnung aus dem germanischen oder klingt nur zufallig an 
göma, guomo an, denn bei Verwandtschaft wäre au (wie in 
sdide : an. söl) oder & (wie in ugis : dugti, gudytis : gausti, 
häpä : kadpas) als wurzelvocal zu erwarten. 

12. Vergleicht man got. sauil, ^iX^og^ kret. dßiXiog mit 
anord. ags. söl, lat. söZ, lit. sdule, cymr. corn. hetd sonne (Ebel 
beitr. II, 165), air. süil, gen. süla äuge nach Windisch (Curt.* 
s. 552) aus *savali-, so ergiebt sich als grundlage ein alter 
consonantischer stamm stark savd^ schwach savl. Die Weiter- 
bildungen mittels ä und ia haben ursprünglich nur die schwache 
form gehabt, die starke erst durch Übertragung aus dem primi- 
tivum erhalten, got. sauil und an. ags. söl, auch im abeced. 
nordmann., sind die lautgesetzlichen Vertreter beider (Mahlow 
die langen vocale 32). Wie gotischem bauan, gatrauan angel- 
sächsisches büan und bügan, getrüvian und getrügian entspricht 
(Holtzmann altd. gr. 212), so sauil : sügil (markomann, runen, 
got. aiphabet der Wiener hs.), d. i. süjil, ags. mit umlaut 
fsygii, slgd. Das wort ward früh unverständlich und schon in 
der angelsächsischen erklärung der runennamen auf segel, segl 
velum umgedeutet, in folge dessen ward es auch segl Andr. 50, 
sägl Andr. 89. 1456 geschrieben. Alles dies hat A. Kirchhoff 
got. runenalphabet* 1854, 33 f. bereits dargelegt. Dennoch 
sieht Paul beitr. VII, 154 keine möglichkeit sigd mit sauü zu 
vereinigen. 

13. Die benennungen der kuh an. kyr^ ags. cü, Sis. kö, 
ahd. chuo habe ich ztschr. XXV, 17 aus einer alten flexion 
got, *kaui, köjös == skr. gävt, gävyäs erklärt; an. kyr aus 
*küir : *kaui = mter aus *mavir : mavi. Paul a. a. o. 155 
wendet gegen diese »gewaltsame construction« ein, i bewirke 
»niemals« umlaut eines unmittelbar vorhergehenden vocals. 
Dass an. byr = *büir = got. bauis sei, wird wohl niemand 
bestreiten, die herleitung von kyr aus *küir = got. *kaui ist 
also lautlich unanfechtbar. Dem skr. gdus kann kyr nicht 
gleich sein, denn wie ndus zu nör wäre gdus zu *kör oder etwa 



10 J. Sfhmidt, 

^rch das r umgelautet ^hosr geworden. Es ist unmöglich die 
vorliegende flexion durch rein lautgesetzliche Umgestaltungen 
aus der indogermanischen, welche im sanskrit erhalten ist, her- 
zuleiten. Die im ags. und anord. herrschende Stammform M, 
kann nur entweder im nom. sg. fem. ^Izüir, kyr = gavf oder 
im nom. pl. m. *küir, an. kyr, ags. cy = skr. gdvas (vgl. fcetry 
mgss, sgr = pddas, müshas, veg) entstanden sein, in alle übrigen 
casus ist sie erst übertragen. Ich habe mich für *Jcüir = gävi 
entschieden 1) wegen der hochdeutschen flexion, 2) wegen der 
Übereinstimmung des lett. guws und 3) weil das wort in allen 
germanischen sprachen wie im lettischen nur das weibliche 
thier bezeichnet. Paul meint, »wir haben keine andere grund- 
form nöthig als [nom. sg.] *A:tl54c. Als ob diese ohne »gewalt- 
same construction« zu erlangen wäre. 

14. I got. sna/u perf. zu snivan eilen, an. snöggr schnell; 

11 an. snüa wenden, drehen; III sncelda spindel (Sievers beitr. 
VI, 568), got. snörjö flechtwerk, an. snceri, ahd. snuor, abaktr. 
(nOvare, skr. sndvan- ntr. sehne. Wie bei nro. 4 ist aber 
möglich, dass das ö der unter HI genannten worte nicht aus 
äv entstanden ist, sondern urspr. a vertritt, vgl. air. sndthe 
fllum, lett. maju mat locker zusammendrehen. An. snüär das 
drehen, ags. snüd Schnelligkeit, adj. schnell haben das ü von 
mma Übertragen. 

15. n got. bnauan zerreiben, an. bnüa (bneri belegt Bugge 
tidskrifl for philol. og peedagogik VIII, 169), gnüa, nüa, ahd. 
nüan (Graflf IV, 1125); III ahd. nöü, nüoü runcina, mhd. nü^el 
(aus *nöjü), ahd. mhd. nuot fuge, nöen gl. K., kmöen Ra 
(Steinmeyer-Sie vers I, 137, 26. 27), mhd. nü^m durch schaben 
glätten, zusammenfügen, hnoe Ra, neo gl. K. rimis (Steinm.-S. 
I, 241, 30), nuoha, ntmi incastratura (ob das daneben vorkom- 
mende nua Graf 11, 998 aus ntwa entstanden oder mit diesem 
zusammen auf ein altes (h)nam gen. (b)nöjö8 führt, kann erst 
eine genaue Untersuchung der glossen entscheiden). Ueber das 
verhältniss von ahd. niuuU retundit Prud. 1 (Graflf IV, 1125), 
famumumaz tunsum (Steinm.-S. I, 287, 35), mhd. niuwe nou zu 
den vorhergenannten s. no. 7. Auswärtige verwandte: xv6og^ 
jfvotJ? abschabsei (^vcfiog Hesych.), lat. novacula, lit. glaumas 
was beim schleifen vom stein abgeht (l ans n wie in gündas 
abulg. gmda?) s. Pott wzwtb. I, 673 f. ; auch skr. ksh^, kahi^^duti 
reiben, wetzen kann dazu gehören {ksh wie in ksham, xd'tor)- 



Die Vertreter von urspr. av, &v in den germanischen sprachen. \\ 

16. II an. lüifm abgenutzt, erschöpft, lüi m. n-st. müdig- 
keit, tlija lüäa weich schlagen, durch schlagen matt machen 
(lyja zu erklären wie tyja no. 1); III mhd. lüenie matt, sanft, 
milde, lüemen ermatten, erschlaffen. Mhd. geliuwen durch kauen 
zermalmen Mart. (Lexer wtb. I, 1945 vermuthet geniuwen) ver- 
hält sich dazu entweder wie hiuwen zu hüu\en oder wie niv/wen 
zu an. gnüa nüa. — Lit. liduju höre auf. Grimm gr. II, 41 f. 
571 stellt lüeme zu tom, dann gehört es zu abulg. lomiti preuss. 
linUwey brechen.^) 

17. I got. frauja; II ahd. frtw diluculo, fruojer matutinus, 
griech. ngoat^ skr. purva-, 

18. an. r^a rüäa rüiär rüär abrupfen, den schafen die 
wolle abrupfen, lit. rduju röviau rdiäi raufen, jäten. Sicher 
lässt sich die entstehung des nord. ü aus öv freilich nicht be- 
haupten, da abulg. ryjq ryti graben auch ein urgerm. *rüja = 
ryjq anzusetzen ermöglicht. 

19. ahd. ruode rugitui, mhd. rüeden lärmen, ahd. ruota 
rugiebat, ruhet rugit N. (aus ruoii) können sich zu ags. ryä 
rugit (= abulg. rwePi), ryn rugitus (aus "^1^^11(1)8 wie hysen 
praeceptum = got andbu^sns) verhalten wie ahd. nuot zu 
niuuit no. 15; Mahlow 29 stellt sie zu lit. rajott unruhig 
krähen, lett. räju rat schelten, abulg. raru sonitus, russ. rajcM 
sonare. 

20. Das 'öS der 1. pers. du. in got. galeipös, gataujös lässt 
sich nur aus *'övs, *-öws, vor dem auslautsgesetze *-o-ves, erklären. 
Unmöglich ist die herleitung aus -avasi oder -ovesi, dessen vocale 
nach ausfall des trennenden v zu ö zusammengezogen seien, 
denn v zwischen vocalen schwindet nicht. Ausserdem beruht 
der ansatz eines auslautenden i nur auf dem einmaligen abaktr. 
w^aÄf . Da das skr. nur -vds, kein -vcm kennt, ist anzunehmen, 
dass abaktr. -vaAl das i von "inahl übernommen hat. Auch 



*) Wohl ganz unverwandt mit lüetne sind die von Grimm dazu ge- 
stellten ags. gdöme, ahd. kÜömo frequenter, ahd. gastluomi hospitalis, 
suhtlwmi corruptus aer, scatuluomi opacus, scazluomi utilis, commodus, 
sUdviuamtr locupletajtus, ags. löma^ anälöma, gdöma suppellex, instrum^i- 
tum. Sie scheinen verwandt mit lit. luma Schicksal, zustand, art, gattung 
(Ness. 373, Geitler 95), lett. lömigs erfolgreich, wonach Nesselmanns loma 
bestimmtes ziel (s. 356) in luma zu ändern ist, lett. laimigs glücklich, 
preufis. loma reich, lit. paiaima glück, lemti das Schicksal bestimmen 
(ffioe. a, 406). 



IS J. Schmidt, 

argiv. äymY&i * äywfMV Hesych weist, falls es wirklich 1. du. ist 
(Baunack stud. X, 60) auf -ves, nicht -vesi, doch lasse ich diese 
form wegen ihrer Vereinzelung und der Unsicherheit ihrer 
deutung aus dem spiele, vigös und vdhavas genügen voll- 
kommen um -vas (die qualität des vocals ist, wenn wir von 
aY^yig absehen, unbestimmbar), nicht -vasi als primärendung 
der Ursprache zu erweisen. Beide stimmen auch in der länge 
des dem v vorhergehenden vocals überein. Andererseits haben 
lit. vezii^a, abulg. vezo-vS aor. (praes. vesfe-vö hat wie vejse-mü 
den vocal von veze4e u. s. w. angenommen) übereinstimmend 
kurzen vocal. Entweder ist also im slavolettischen ein ur- 
sprünglich langer vocal durch einwirkung der 1. pl. vezama, 
aor. vezomü verkürzt oder die länge von vigös und vdhavas 
ist unursprünglich, vdhavas könnte wie vdhamas sein a 
aus der 1. sg. übernommen haben (ztschr. XXV, 7), für vigös 
weiss ich dann aber keine erklärung, denn dass es aus dem 
conjunctiv in den indicativ gedrungen sei, ist nicht anzu- 
nehmen, da in der 1. pL umgekehrt die conjunctivform durch 
den indicativ verdrängt ist: afslaham dnoxrsivwfAsv u. s. w. 
bei Gabelentz Lobe gr. s. 88. Somit spricht die grössere Wahr- 
scheinlichkeit dafür, dass die stamme auf a-d ihre 1. du. ur- 
sprünglich auf -ävds oder -^väs bildeten. Ob wir diese form 
erklären können, ist für die constatienmg ihres Vorhandenseins 
ganz gleichgiltig. Die übrigen stamme legen kein hindemiss 
in den weg, denn die ä-{!-stämme haben auch in der S. 3. du. 
med., über deren ursprüngliche bildung nur die arischen spra- 
chen aufschluss geben können, ein anderes suffix als die anders 
auslautenden stamme : ith^ ite oder tths itB u. s. w. gegen Othe 
atS, atham atam (Schleicher comp. § 286). Begründet ist diese 
differenz in der betonung: dthe u. s. w. stehen überall da, wo 
die personalendung betont ist, tthe wo der tempusstamm betont 
ist: vdMthE = vdha4the^ drmhete = drtnhd-dte, i oder l ist 
also ersichtlich durch den tieflon veranlasste Schwächung von a.^) 
Wie sich hier die o-stämme von den nicht-o-stämmen scheiden, 
so können sie auch in der 1. du. act. eine von dem -vas der 
letzteren verschiedene vocalisch anlautende endung gehabt haben. 



^) Die optatiyformen der a-stämme wie hhä/rey-äiham, bhdrlSy'ätäm 
widersprechen dieser regel, sie scheinen unursprQngliche analogiebildungen, 
der RV. kennt sie nach Delbrücks Sammlungen (verb. s. 47. 7S) noch nicht 



Die Vertreter von urspr. äv^ öv in den germanischen sprachen. 13 

welche mit dem stammyocale zu ävas oder ävas verschmolz. Diese 
endung, in arischer form -avas, verhielte sich zu -vas der übrigen 
stamme ähnlich wie 2. 3. du. perf. skr. -athur, -aiur, abaktr. 
-atare (J. Darmesteter mem. soc. lingu. III, 99) zu den sonstigen 
dualendungen -thcLS, -tos, nur dass jene sich nach den verbal- 
stämmen, diese sich nach den tempora unterscheiden. Beachtet 
man, dass -äthur, -ättir den vor dem dental stehenden vocal be- 
tonen, während -thäs, -tos, 'tarn, -täm den hinter demselben 
stehenden betonen, so ergiebt sich als möglichkeit, dass jede 
dieser endungen ursprünglich in doppelter gestalt vorhanden 
war je nach der betonung: -(Uhas und -thds u. s. w., die je 
zweite aus der ersten nach bekanntem gesetze entstanden. 
Machen wir dieselbe Voraussetzung für die 1. du., so erklärt 
sich der im indischen vorliegende thatbestand. Alle diejenigen 
tempora, welche die personalendung betonen oder einst betonten, 
haben -vas, -vef, während alle diejenigen^ welche den tempus- 
stamm betonen, -avaSj -ava haben vdha-dvas = vdhavas, tudd- 
^vas = tuddvas. Ob wir für den opt. der auf -a auslautenden 
tempusstämme den hauptton ursprünglich auf der personal- 
endung, also urspr. -vd annehmen dürfen, wird sich schwer 
entscheiden lassen, nöthig ist es nicht, denn vdheva, vigaiva 
lassen sich eventuell auch aus vä'hä-l-ava erklären mittels con- 
traction von -lava zu -*i;a, vgl. hhdrantl, got. frijöndi : (piQov(fa. 
Uebrigens konnte die spräche durch s^ds u. s. w. bald dahin 
geführt werden auch vdhär'oas zu theilen und -ras, -va überall 
dahin zu verpflanzen, wo kein a den tempusstamm schloss. 
Näheres zu ermitteln bin ich bei der spärlichen erhaltung von 
dualformen in Europa ausser stände. Dass der durch v£havas, 
vigös erwiesene anlautende vocal der endung -^tvas mit dem 
des skr. ävdm, avdm zusammenhängen werde, ist eine nahe- 
liegende vermuthung. 

Von den genannten beispielen, welche altes öv oder öu zu 
ü (got. au) oder ö umgestaltet haben, wird vielleicht das eine 
oder andere noch zu streichen sein; sollten auch keine weiteren 
hinzu gefunden werden, wie zu erwarten steht, so ist das gesetz 
doch in anbetracht der geringen zahl von Worten, welche über- 
haupt die Verbindung öv gehabt haben können, so fest begründet 
wie wenige der in den letzten jähren behaupteten gesetze. Paul 
freilich sagt (beitr. VII, 153): »Diesem gesetze wird von vorn- 
herein der boden entzogen durch die bemerkung, dass ein 



14 J. Schmidt, 

urgermanisches öu weder vor consonanten noch vor vocalen 
existiert haben kann. Was das öu vor consonanten betriflft, 
so wird der beweis für meine behauptung demnächst von 
Osthoff erbracht werden.« Dag^en erkennt er für die fälle, 
in welchen got. au vor vocalen mit ö vor j wechselt (sümida : 
stöjan) öv als grundlage an (s. 156). Ein streit, ob öu oder öv 
zu gründe liegt, ist gegenstandslos, da u und v in allen spra- 
chen je nach dem folgenden laute mit einander wechseln, öu 
und öv also ganz gleichwerthig sind. Welches von beiden die 
unmittelbare Vorstufe von germ. o sei, lässt sich gar nicht ent- 
scheiden. Weder u noch v ist im gotischen irgendwo sonst 
hinter vocalen geschwunden. Die analogie der übrigen vocale 
in Verbindung mit u, v giebt auch keinen anhält, da v hinter 
ihnen nicht gleichmässig behandelt ist. Wurde öv wie av be- 
handelt, dann fuhren straujan, taujan, gaujis, haujis auf *stöur 
Jan, wurde es dagegen vne ev behandelt, dann führen fralevjan, 
skevjan, auf *stövjan. Folgt ein vocal, dann steht durchweg 
v, gleichgiltig welcher vocal voraufgeht. Für ü, got. au in 
dieser läge wird daher öv als unmittelbare Vorstufe sehr wahr- 
scheinlich. Dass diese ü (au) aber schon urgermanisch nicht 
mehr in ein v ausliefen, ist zweifellos (s. Sievers beitr. V, 569). 
Will man von hier aus rückwärts schliessen, dass wo nicht ü, 
got. au erscheint auch nicht öv directe Vorstufe ist, dann ge- 
langt man vor consonanten zu öu, *stöujan. Zwingend ist 
dieser schluss aber nicht, ö für öv oder öu will Paul nur vor 
j anerkennen und zwar nur für got. und ahd. »Aber dieser 
ausfall des w [im ahd.] ist gewiss unabhängig von dem im 
gotischen, da er erst eingetreten sein kann, nachdem das da- 
hinter stehende i consonantisch geworden ist« (s. 160). Der 
Übergang von öv, öu in ö findet aber nicht nur vor j, sondern 
vor allen consonanten statt und ist urgermanisch, das lehren 
gemeingerm. flödus, göma, got. bairös, ags. an. töl, söl, an. nör, 
ahd. nuot (zweifelhaft sind got. snörjö, an. snodda, ahd. ruode, 
mhd. buode, lüeme). Er zeigt sich ebenso in allen sprachen 
vor^. Daraus ist zu schliessen, dass er hier ebenfalls urgerma- 
nisch ist, das j also schon urgermanisch eine spirans, nicht i 
oder ij war. 

Endlich fragt es sich, wie öv im wortauslaute behandelt 
sei. Ist der wandel von öv, öu vor consonanten zu ö urgerma- 
nisch, so werden die worte, welche ursprünglich hinter öv einen 



Die Vertreter von urspr. äVj 9» m den germanischen sprachen. 15 

vocal hatten, der erst durch die auslautsgesetze der einzel- 
sprachen getilgt ist, ü haben, dagegen diejenigen, welche schon 
gemeingermanisch den folgenden vocal verloren hatten, werden 
ö haben, da die Stellung im auslaute für vocal -f ^ dieselbe 
bedingung schaffl. wie folgender consonant (gasnau, triu wie 
ta/y^any gaqiujan). Das gotische hat kein beispiel der art, aber 
die der übrigen germanischen sprachen stimmen sammt und 
sonders hierzu, am im nom. acc. sg. der a-stämme war ur- 
germanisch noch nicht geschwunden (vgl. run. horna, staina), 
als urgerm. ist also anzusetzen *böva oder *bövä, dessen regel- 
rechte Vertretung jn an. ags. as. ahd. hü vorli^; ebenso an. 
frür aus *trövar (vgl. HoUingar, haäinar u. a.). 

Früher als das a im nom. acc. der a-stämme sind die 
suffixalen vocale der 1. 3. sg. perf. geschwunden (s. Heinzel 
endsilben der anord. spr. s. 30, Sievers beitr. V, 120). Setzen 
wir ihren Schwund in die germanische zeit, woran nichts 
hindert, dann sind an. dö, gö (perf. zu deyja, geyja) = urgerm. 
dö, gö gerechtfertigt, haben also ihr v früher verloren als das 
part. dainn. In plur. und opt. wäre nach der regel ü zu er- 
warten, das des sg. hat sich aber nach analogie der übrigen 
verba mit constantem ö in allen perfectformen an dessen stelle 
gedrängt : dö, gö aus *döw, "^göu (mit hiatus wie got. vaivöun, 
laüöun)^ opt. dm, gm. Bei den reduplicierten, welche dieser 
analogie etwas ferner standen, haben sich die regelrechten 
formen erhalten: *6e6o = an. Jnö, pl. *bebüun, dann wegen 
betonung der ersten silbe verkürzt ^bebutm, *bebuvun = 
an. biuggu, ahd. biruun, biruuuts Otfr. IV, 4, 59. II, 7, 18 
(über das r s. ztschr. XXV, 598). Ebenso sind *hehö, pl. *hehüun, 
welche sich zum praes. an. höggva verhalten wie an. trüa zu 
^y99^9 ^wa snoßlda zu snöggr, regelrecht vertreten in an. hiö, 
ahd. for-heo Br. Mo Tat., plur. an. hmggu; das v von ags. 
hedv, heövon ist aus dem praes. he(wan übertragen und kommt 
für das urgermanische ebensowenig in betracht wie das von 
sedv = got. saisö. 

Ahd. fruo = nQtat erweist hiemach urgerm. frö und ur- 
germanischen Schwund eines im unmittelbaren auslaute stehen- 
den i. Dies steht im Widerspruche mit den neuesten theorien 
und erfordert daher eine prüfung derselben. Vorher gestatte 
man noch einen excurs. 



16 i. Schmidt, 

Got. fön funins, nahts nahtam. 

Da beispiele des quantitativ zweifachen ablauts, welcher 
sich in ahd. guamo : gowmm : gcmmo zeigt (s. 8), im ger- 
manischen wie in anderen sprachen nicht aHzu häufig sind, 
möge hier noch eins angeführt werden. Got. fön, funins sind 
die beiden äusseren glieder eines solchen. Fick ztschr. XVm, 
416 verbindet fiH^ richtig mit preuss. panno feuer, panti-staclan 
feuerstahl, irrig mit näv6g. Letzteres ist ganz unverwandt, 
erstens wegen des ä, für welches dann att. 17 zu erwarten wäre 
— ndvoq findet sich bei Aeschylus Ag. 284 im dialoge — , 
zweitens wegen der bedeutung. Es bezeichnet ein als fackel 
dienendes reisigbündel, dicikti »Xi^fkatidav erklärt es PhoL lex. ; 
dass navoq an sich den sinn des feurigen nicht hat, lehrt auch 
der Zusatz 7ivQiq>3i€XTog Eurip. Ion 195 (eine andere lautlich 
ebenfalls unhaltbare deutung von navog giebt Röscher stud. I, 
2, 72). Der fem. a-stamm preuss. panno hat, wie das nn be- 
weist (Pauli beitr. VI, 442), kurzen wurzelvocal, bietet also das 
im germanischen verlorene mittelglied zwischen ßn imd funins. 
Wie preuss. menso, abulg. m^o, got. mimg aus urspr. *mams 
= skr. nom. mäs (vgl. tds aus ^tams), wie lit. dervä aus skr. 
ddru, wie got. kniu = ^genthä-m aus skr. Jänu (ztschr. XXV, 
50), wie skr. padd-fn aus pdd u. a., so kann panno aus einem 
urspr. neutr. ^pün abgeleitet sein. Ob der wurzelvocal ur- 
sprünglich 0, oder ö, a war, ist nicht zu entscheiden, ftin 
kann aus *panam entstanden sein, welches sich hinsichtlich 
des genus zu dem fem. panno verhielte, wie mimz, triu zu 
lit. mesä, dervä, die länge wäre dann aus dem zu gründe liegen- 
den pan wieder eingedrungen wie in skr. mamsdrfn^ lit. mesh 
(aus *mensa, nicht *mensa welches *mesa ergeben hätte) gegen 
mimz, abulg. mqso mit ursprünglicher kürze. 

Möglich ist aber noch eine andere erklärung. Die Ursprache 
hat in ziemlich weitem umfange ein suffix i dem nom. acc. sg. 
wie dem nom. acc. pl. der neutra angefügt, dasselbe welches 
im skr. im plural überall zur regel geworden ist. In singulari- 
scher Verwendung findet es sich z. b. in skr. ydd4 = ydd, mdhri 
nom. neutr. zu mdJi-, hrdrl und hdrd4 nom. zu hrd, dhartdr-^ 
(s. Grassm. wlb. z. RV. s. v. und unter sthätf), vär-i neben 
vdr, dkshr4 neben aksh^ welches vorliegt im nom. m. an-4k 
RV. n, 15, 7, gen. du. akshris AV. V, 4, 10, nom. du. akshri 



Die Vertreter von urspr. av, öv in den germanischen sprachen. 17 

RV. , WO der accent lehrt, dass der stamm aJcsh ist. €tksh4 
deckt sich mit abulg. oc-i wie wdmn-*, ved. ndman-t, nabhas-f 
mit imen^, nebes4; neutrale i-stämme, nach deren analogie 
Schleicher comp. § 248 die slawischen duale gebildet sein lässt, 
hat das slawische gar nicht. Dass sich oö-i und aksh4 decken, 
wird besonders klar durch den aus dem nom, gebildeten dat. 
ved. akshibhyäm = ocima (gegen pqMma mit i). Mit ahsh4^ 
oi-i deckt sich weiter oaas^ welches lehrt, dass iä die ursprüng- 
liche dualendung der neutra war, die in allen sprachen ausser 
dem griech. zu * geworden ist wie das *a der fem., fpiqovaa 
gegen bhdrantty abulg. berqsti, lit. sükanü, got. frijöndi. Ur- 
sprünglich auf den nom. acc. beschränkt war auch das i von 
skr. dsthi, der stamm (isth- liegt vor in abaktr. gen. aQtckQ-ca 
(de Saussure mem. s. le syst. prim. des voyelles p. 226 note), 
instr. azdelns (Mahlow die langen vocale 80), lat. ossa. Aus 
den europäischen sprachen erwähne ich, um die singularische 
Verwendung und zugleich die ursprüngliche quantität des i zu 
constatieren das lit. ta4 und die nur adverbial gebrauchten 
alten neutra kai, jai (vgl. skr. y6d-4). 

Das ursprünglich nur auf den nom. acc. beschränkte i 
wird dann bisweilen zum stamme gezogen, und es entstehen 
unursprüngliche i-stämme: lit. szirdi-s, abulg. sr%(K'Ce aus skr. 
hrd-i; lit. akl-s, got. and-^ugi-ba, ahd. augi-ms publice Ra 224, 
37 St.-S. (ein aif^gi-zoraht steckt wohl in auuizoraht anuezoraht 
Ra = aukamraht, atikuzorath gl. K. 224, 36. 233, 11, oder ist 
awi' = got. avi' in avi4iud?), griech. ^Qi-oxti-g aus skr. äksh-i; 
lit, ausi-s, lat. atfri-s aus nom. *ai4s4, stamm aus-, der erhalten 
ist in lat. aus-cuitare, au(s)'dire, abulg. ws-i (vgl. oc-i), air. 6 
(Zeuss 2 33 = *J5, *aw5 wie mi mensis = fjbsig^ skr. mäs; griech. 
ovQ aber ist nach ausweis des dor. w^, altatt. 02 C. I. A. I, 
322a, 93 aus "^oiaog = abulg. ticho contrahiert). Im skr. dringt 
das i vom äkshi, dsthi, dddhi, sdkthi bekanntlich nur vor con- 
sonantisch anlautende suffixe, bei vdri in alle casus. 

Neutrale nicht-w-stämme werden in den casus obliqui oft 
z, — "otämmen: skr. dos döshnds, yAs yüshnds, ds äsnäs, giras 
(trshnds = xQäzog (*xQa<faz6g), ddru drünas = doitgatog u. a. 
Die letztgenannten zeigen, dass diese stamm erweiterung schon 
in der Ursprache vorhanden war. Sie tritt ebenso ein bei 
denen , welche im nom. acc. i anfügen : dkshi akshnds = got. 

Zeitschrift für vcrgl. Sprachf. N. F. VI. 1. 2 



ig J. Sehmidi, 

augins, asthnds, dadhnds, sakthnds. Auch diese er Weiterung 
verbreitet sich über ihren ursprünglichen bereich, got. augö, 
au8ö, hairtö sind auf diese weise ganz zu n^stämmen geworden, 
während das litauische die alten nominative aki, ausi, seirdi 
durch alle casus hindurch geführt hat. 

So bestand auch ein altes neutrum st. näht- = wx%'^ got. 
nijiii-, nom. "^naht^, gen. ^fi&kinäs. Das geschlecht ist bewahrt 
zunächst in skr. ndktctrmy welches sich zu einem neutr. *nakt- 
verhält wie manisd-'m zu mds. Die «»^flexion der casus obliqui 
und das neutrale geschlecht wird durch das nur so erklärbare 
skr. ndktäbhis = got. nahtam erwiesen, welche sich zu einander 
verhalten genau wie dkshdbhis zu augam. Ahd. nahtum K. ist 
enti^eder die ganz »organische« Vertretung von naktdbhis, wie 
got. tigum = dagdbhis oder von dem einfachen alten naJU- gebildet 
wie brmtum von brüst. Der n-stamm erscheint auch in got. 
nähta-mafs (vgl. augordaurö), ahd. nahta-gala Ra 217, 28 St.-S. 
(vgl. augor-tora). Zu ihm hat sich im griech. und lat. ein neuer 
neutraler nom. acc. riW«»^ (= vdmQ : uddbhis), lat. noctur-^nus) 
gesellt. Andererseits entwickelte sich aus dem alten neutralen 
nom. *naM'i der fem. i-stamm skr. ndktls nom. pl., lat. nodi^im 
(wie aurium), lit. nakü-s (wie ausis), abulg. nosft. Ueber diesen 
zwischen neutr. und fem. vielfach bemerkbaren genuswechsel, 
welcher in unserem falle durch die in den Veden so nahe be- 
Ziehung von näkti zu ushds begünstigt sein mag, wird an 
anderem orte zu reden sein. In den germanischen sprachen 
zeigen den i-stamn^ ahd. as. nahti-gala Ra 93, 27 St.-S., Strassb. 
gl. 73. 74 (Heyne kl. andd. denkm.^ 93) und das ags., dessen 
von Grein angeführte composita sämmtlich in allen quellen mit 
nüU-f d. i. nahti-, anlauten. Auch in der ganzen flexion herrscht 
der Umlaut, Grein belegt von unumgelauteten formen nur den 
nom. neaht und gen. sinneahtes je einmal. Dass hier nicht bloss 
formübertragung aus dem gen. dat. sg, nom. acc. pl. den um- 
laut verbreitet hat, lehrt eine vergleichung mit bürg- ^ welches 
als erstes glied von compositen stets bürg- lautet und byrig 
auf den gen. dat. sg. nom. acc. pl. beschränkt gelassen ^ ha t. 
Dies nahti- verhält sich also zu got. nahtam und ahd. wPfc- 
-gala genau wie ahd. augi-wis zu got. augam, atiga-daurö, ahd. 
ai*ga4ora. 

Kehren wir nun zu fdn zurück , so wird die annähme ge- 
stattet sein, der alte stamm pän- sei wie aJcsh-, naht- u. s. w. 



Die Vertreter von urspr. at\ ov in den germanischen sprachen. 19 

flectiert. Dann ergiebt sich für die Ursprache nom. pdn4^\ 
gen. pann-äs, instr. pl. pananbhis (vgl. jdnu : *y6vj:(Sv^ ysvvüSv : 
abaktr. sshnuby^, ztschr. XXV, 51), wekhe im gotischen zu lauten 
hätten fön, gen. */aw5, (wie mans\ dat. pl. "^ furtum (wie tigum 
= dagdbhis). Indem die casus obliqui die hier nicht weiter zu 
verfolgende Umgestaltung erlitten, welche bei den n-stämmen 
mit wenigen ausnahmen durchgeführt ist, und ihr ablaut aus- 
geglichen ward, entstanden funins, funam (pl. nicht belegt). 
Dem ablaute fön : funins entspricht der des ahd, nefo : nift 
= skr. ndpät : naptts, abgesehen davon, dass zwischen anlauten- 
dem p und n der vocal nicht ganz schwinden sondern nur re- 
duciert werden konnte wie in ahd. dunni ==. tanu- u. a. Die 
kürze des u wird durch das metrisch als kurz gesicherte anord. 
funi bewiesen (Sievers beitr. VI, 564). Das verhältniss von 
fön : preuss. panno : funins entspricht demnach hinsichtlich der 
Yocalquantität und der stammbildung dem von skr. ddru : lit. 
dervä : gen. skr. drürias. Sollte aber fön aus *panäm ent- 
standen sein, was ja möglich ist, dann bleibt alles übrige be- 
stehen, wir haben nur ein mittelglied mehr anzunehmen. *pöw- ; 
"^pandm, fön : funins verhalten sich dann wie skr. aksh- : akshdm : 
akshnds, verg). auch ngoaconov : ngoadnact. Der nordische 
nom. funi ist, vom gepus abgesehen, wie auga aus den cas. 
obl. neu gebildet. Mahlow (die langen vocale 140) will fön 
aus *panany d. h. einem alten mit funins ursprünglich gleich- 
stämmigen nom., gebildet wie nänm, ovofAa, nomen herleiten. 
Ich halte dies nicht für wahrscheinlich, weil dann nicht abzu- 
sehen ist, weshalb nicht *fonö eingetreten ist wie namö, vcUö^ 
augö u. s. w. Die diflferenz von fön, funins und 7iamö, namins 
weist aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine uralte anomalie. 
Vielleicht ist auch hön (ahd. huon) : hanins zu beurtheilen 
wie fön : funins und der nom. hana, an. hani m. neugebildet 
wie an. funi m. mit demselben genuswechsel. Wie oben fön : 
*fans : *funum wäre dann als alte flexion hön : '^hans : *hunum 
anzusetzen, und hanins hätte den wurzelvocal der mittleren 
casus. Indess ist auch eine andere erklärung möglich. 

^) Einen nom. auf i nimmt auch Kluges übrigens ganz verfehlte er- 
klärung an (Paul u. Braune beitr. VI, 378). 



20 J* Schmidt, 



Die germanischen präpositionen und das 

auslautsgesetz. 

Sievers hat als regel aufgestellt, dass ursprünglich aus- 
lautende unbetonte i, a, e bereits in der germanischen grund- 
spräche abgefallen, betonte aber bewahrt seien (beitr. V, 111. 121). 
Die thatsachen, auf welche er seine regel baut, sind folgende. 

Aus dem umlaut in dativen wie an. ags. menn schliesst er, 
dass das einst auslautende i noch im urgermanischen vorhanden 
gewesen sei. Der schluss ist aber durchaus nicht zwingend. 
Im litauischen und in slawischen sprachen hinterlässt ein im 
auslaute schwindendes i eine seinen Schwund lange überdauernde 
mouillierung. Nehmen wir dem entsprechend an, aus *manni 
sei zunächst urgerm.mafm mit mouilliertem ww geworden, welches 
im an. und ags. die mouillierung bis zur umlautsperiode be- 
wahrte, im ahd. und as. aber, welche den umlaut erst später 
erlitten, vor derselben verlor, dann erklären sich an. ags. menn, 
as. ahd. man, got. mann in Übereinstimmung mit den bisher 
angenommenen auslautsgesetzen. 

Ferner glaubt Sievers, ahd. as. timbi, ags. ymbe haben das 
i von dfjKpi, ahhi im auslaute bewahrt. Die differenz zwischen 
umbiy ymbe und an. timb, um erklärt er durch die annähme, 
dass umbi als präposition durch die enclise seinen accent ver- 
loren und dann durch das auslautsgesetz sein i eingebüsst, da- 
gegen als adverbium noch zur zeit des auslautsgesetzes den 
accent auf dem i gehabt und dadurch dies i bis in historische 
zeit gerettet habe. Von der doppelform urgerm. umb präp. und 
umbi adv. sei dann in historischer zeit je eine ausser gebrauch 
gekommen, hi gleicher weise habe das urgermanische als präp. 
und adv. neben einander gehabt ab aid, an and, ui uid^ miä 
midi, for ford, für furi, und es ergiebt sich, dass auch betontes 
ursprünglich auslautendes a noch urgermanisch nach Wirkung 
des auslautsgesetzes erhalten war. Daraufhin hat Paul beitr. 
VI, 124 f. jedes gemeingermanische auslautsgesetz geleugnet. 

Zunächst besteht ein auffallender Widerspruch zwischen 
Sievers' beiden belegen für erhaltenes i, den locativen sg. ein- 
silbiger consonantischer stamme und den präpositionen. Hätten 
die in betonung und quantität völlig gleichen von Sievers an- 



Die germanischen präpositionen und das auslau Isgesetz. 21 

genommenen manni und unibi im urgerm. bestanden, dann 
würden beide in den historisch überlieferten sprachen je gleiche 
Umgestaltungen erlitten haben, das ist aber in keiner einzigen 
der fall. Lassen wir an. umb, um vorläufig bei seite , so folgt 
aus der diflferenz von ags. menn und ymbe, as. ahd. man und 
umbi, dass entweder manni oder umbi für das urgerm. falsch 
angesetzt ist, wenn nicht beide. Ferner verbietet das von 
Sievers selbst beitr, V, 104 f. als westgermanisch anerkannte 
gesetz, demzufolge nach langer silbe ursprünglich kurze selbst 
oxytonierte (a. a. o. 116) vocale geschwunden sind, in ahd. 
as. umbi, ags. ymbe die erhaltung eines auslautenden i anzu- 
nehmen. Ist es irgend glaublich, dass umbi, ymbe ein unmittel- 
bar auslautendes i erhalten habe, während urspr. dheUs, dhetim 
(abulg. d^) das durch consonanten gedeckte i verloren haben : 
ahd. tat, as. dad, ags. dced? Dass ferner die ursprüngliche 
oxytonierung an der erhaltung des i von umbi unschuldig ist, 
lehrt das ahd. ubari, ubiri adv., an. yfir = skr. updri, griech. 
vnsQy vnig. Richtig hat Sievers das i von umbi mit dem a 
von ahd. oba auf gleiche stufe gestellt. Sollte seine erklärung 
des letzteren sich als falsch ergeben, so würde damit auch die 
des ersteren fallen, und so ist es. Sievers behauptet, aba, oba 
seien ursprünglich, d. h. indog., oxytona gewesen, wie auch 
speciell ihr 6 an stelle von urspr. p beweise. Beides ist irrig. 
Das b beweist nur negativ, dass es nicht in formen entstanden 
ist, welche dpa, üpa betont waren. Eine betonung apd, upd 
positiv zu erweisen ist es ebenso unfähig als etwa die d von 
püsundi, bairand, haitanda im stände sind eine von russ. t^sjaca, 
lit. tukstantis, skr. bhdranti, bhdrante abweichende germanische 
oxytonierung zu erweisen. Zu der behauptung, dass apa, upa 
ursprünglich oxytona waren, ist Sievers wohl durch das 
griechische verleitet worden. Benfey hat aber erwiesen, dass 
die griechischen präpositionen ihren ursprünglichen accent nur 
dann bewahrt haben, wenn sie hinter dem zugehörigen casus 
(in der anastrophe) oder adverbiell ohne zugehörigen casus 
stehen: äno, vno, im, hSqi = skr. dpa, üpa, dpi, pari. Werden 
sie vor einen zugehörigen casus gesetzt, so verlieren sie pro- 
klitisch ihren ton ganz und gar: ix xaxoSv gegen xaxiSv 1$. 
Zweisilbige atona ertrug das griechische nicht, sondern gab 
ihnen, wo wie in diesem falle kein tonanschluss an das vorher- 
gehende wort möglich war, einen unursprünglichen accent auf 



22 .1. Schniidt. 

die letzte silbe: dno, vno wie nrog^ iaxi (Benfey nachr. v, d. 
Götting. ges. d. w. 1878 s. 176 ff.) Also Sievei-s* urgemianische 
äiki, fjiid entbehren jedes anhalts. Aus skr. dpa, üpa, griech. 
ano, ino aber können ahd. aba, öba nicht hergeleitet werden 
wegen des h. So bleibt nur eine möglichkeit: sie sind in Zu- 
sammensetzungen, welche das zweite glied betonten, entstanden 
oder sind selbst Zusammensetzungen zweier präpositionen. Und 
damit haben wir den festen punkt, von dem aus sich alles 
erklären und das Westphalsche gesetz, soweit es die ursprüng- 
lich auslautenden kurzen vocale betrifft, wieder völlig zu ehren 
bringen lässt. 

Wenn durch irgend ein lautgesetz der stamm eines Wortes 
in verschiedenen flexionsformen verschiedene gestalten gewonnen 
hat, so gewährt die Verschiedenheit der suffixe und der an 
ihnen haftenden beziehungen, welche beispielsweise zwischen 
nom. und gen., zwischen 1. pers. sg. und plur. besteht, der 
verschiedenen stammgestalt einen gewissen, auf die dauer aller- 
dings auch nicht ausreichenden schütz gegen den ausgleichungs- 
trieb, welcher sofort nach ablauf des betreffenden lautgesetzes 
in der spräche aufsteigt. Ein indeclinabeles wort aber, welches 
in verschiedenen lagen verschieden gestaltet wird, entbehrt 
dieses Schutzes. Der ausgleichungstrieb erreicht daher durch 
zurückdrängung oder Vernichtung einer der beiden ganz gleich- 
bedeutenden formen sein ziel. Solchen lautgesetzen , welche 
jedem Worte eine doppelte gestalt gaben, sind die germanischen 
Präpositionen in ihrem leben zweimal unterworfen gewesen, 
einmal in der Ursprache den Wirkungen des hochtones, zum 
zweiten den germanischen auslautsgesetzen. Ihre historisch 
überlieferten formen sind also das ergebniss doppelter differen- 
zierungen und darauf folgender doppelter aui^leichungen. 
Wenn wir die consonanten mit berücksichtigen, haben wir 
beide processe sogar dreifach vollzogen. 

Im Sanskrit ist das verbum finitum nach bekannten ge- 
setzen, welche wir zufolge J. Wackernagels Untersuchung (ztschr. 
XXIII, 457 f.) als indogermanisch anzunehmen haben, Iheils 
betont theils enklitisch unbetont. Ist es betont, dann verliert 
eine unmittelbar vorhergehende zugehörige präposition ihren 
accent, ist es unbetont, dann behält sie ihn, z. b. paripäsi RV. 
I, 121, 9, aber pdri yosi IX, 83, 5. Ebenso erscheinen die 
Präpositionen in nominalcompositionen und in ableitungen theils 



Die germaDischeu präposiiionen und dsm auslautsgesetz. ;23 

betont theils unbetont. Ihre gestalt ist in den durch denkniale 
bezeugten sprachperioden meist unverändert, mögen sie den 
hoehton haben oder proklitisch an das folgende wort an- 
gelehnt sein. In der Ursprache war es aber nicht so, wie zahl- 
reiche spuren verrathen. Nachvedlsch »verlieren api, adhi, ava 
in Verbindung mit gewissen wurzeln ihren anlautenden vocal, 
nämlich api mit nah und dhü^ adhi mit stha, ava mit gah<i 
Whitney gramra. § 1087 a. Der Verlust des vocals kann nicht 
durch irgend welche eigenschaften gerade dieser wurzeln be- 
dingt sein, denn vedisch finden sich auch vor ihnen die vollen 
Präpositionen. Er ist auch nicht im sonderleben des indischen 
eingetreten, denn ein compositum mit pi lässt sich schon für 
die Ursprache erweisen. Bereits Pott e. f. P, 248 hat Orpldar 
kränz und plddydmi drücke als composita von api -\- sad 
erklärt und püddyami mit niil^(0 verbunden, vergl. noch tüa- 
'pfda- ölmüller, trna-ptda- das zusammendrucken wie gras, be- 
zeichnung einer art von handgemenge BR. Mit pish zermalmen, 
von welchem Flck P, 146 und Gurtius verbum P, 350 diese 
Worte herleiten, haben sie begrifflich gar nichts gemein. Wie 
nldd-j lat. nidus, nest von Pott a. a. o. schon richtig aus 
ni-sd^j WZ. sad erklärt ist (Fick P, 129 giebt statt dessen 
eine gegen die lautgesetze verstossende etymologie), so ist der 
im indischen vorliegende stamm ptda- aus *pi'Sd'd- entstanden 
und daraus der verbalstamm pfddya- abgeleitet wie ntddya- 
aus nldd-. Folgte auf das d der wurzel ein consonant, so 
konnte der nun vor doppelconsonanz stehende wurzelvocal auch 
in tieftonigster silbe nicht schwinden, nur reduciert werden, 
daher ms^w, dor.' mä^w = pi-sadjd. Die formen, welche 
volles dpi in Verbindung mit sad enthielten, verloren sich so 
frühzeitig, dass schon vedisch pid als wurzelbestandtheil be- 
trachtet und ein perf. pipid^ gebildet wurde. Ferner findet sich 
pi im litauischen als postposition, im lettischen gedehnt pi, 
dialektisch pi (Bielenstein § 554) als präposition. Das gotische 
endlich hatte wie das sanskrit beide formen hi = skr. pi und 
*if = d^i, int, zu erschliessen aus iftuma, welches aus "^if ge- 
bildet ist wie aftuma aus af (Pott e. f. P, 452). Hiernach 
kann wohl nicht bezweifelt werden, dass |die Ursprache Jrwei 
formen der präposition halte d'pi und pi^, und dass die alleih- 
herrschaft je einer von beiden formen in den einzelsprachen 
erst durch ausgleichung herbeigeführt ist. Ebenso erklären sich 



24 J- Schmidt, 

6va : va (vergl. noch vcUamsa- = avatathsa-) ; ddhi : dhi^; evt : 
skr. ni^; lat. abs : skr. poQ-cd, lit. pas-kui, lat. pas-fcjtid-^a, osk. 
po8-niam, pöne aus ^pos-ne; skr. dpa, a/ro ; niS-fj^atog, ahd. 
/o-wa, as. /a-w; skr. awtt, ags. da bis = urgerm. *an/> ; got. 
nnä (= indog. antV), ahd. «n^ in tin^-oj?, unzi = ww^ ri; skr. 
pari, niQi, got. /air-, ahd. ßri-wizi : got. fri-sdhts; got. />airÄ ; 
westgerm. /mrÄ; got. fra4iusan : ags. for-leösan, ahd. /br-, /ar- 
fir-leosan^ SLhd.frd-was anathema (Grimm gr. 11,732) ; fir-wämn; 
frd-tat scelus : fir-ttion, fir-tdn sceleratus ^) ; ahd. as. ano, an. 
ön, an : got. inu (der ablaut wie in got. her : hiri, vaia [d. i. 
*veja] : vinds, ahd. taan : iila u. a.); as. ags. tu, ahd. zuo : as. 
tCy ahd. ;8fa ze zi, got. dw, slaw. do; Ht. ope : apppeneti; abulg. 
2>ri, lit. 2>r^ : lit. pri-vesti; lit. pö-sunis, abulg. |)a-syntiiÄ ; lit. 
jpa-ves^i, abulg. po-vesti; abulg. p^-a-baba, lit. i>rd .* abulg. |)ro- 
-i<i, lit. pra-eiti; abulg. w«, lit. nw ; nu-eiti; abulg. sq-logü: sü- 
"lezati = foY. sän-dora : su-dereti = skr. 5(im .* sa. Das sind 
wohl anzeichen genug, um für alle präpositionen der Ursprache 
die entsprechende doppelheit der formen zu sichern und die 
unveränderlichkeit derselben in historischer zeit als das resultat 
frühzeitiger ausgleichung zu erweisen. 

Durch das vocalische auslautsgesetz erhielt jede mehrsilbige 
Präposition als selbständiges wort eine andere gestalt als in den 
zu dieser zeit bestehenden compositionen , z. b. avra, lit. anta 
(Bezzenberger z. gesch. d. lit. spr. 71. 243) ward einerseits got. 
and, andererseits bewahrte es seinen vocal in anda-vaurdi^). 
Mit verbalformen sind präpositionen erst sehr viel später als 

*) Dem ahd. fra- : for- far- fir- entspricht j^iech. tiqo : TiQV'jaytSy 
ngv'liig, dtango : (fiangviftog. Die schon aus historischen gründen un- 
wahrscheinliche vermuthung von Curtius g. e.* 435, dass ngvraytg aeolisches 
Ursprungs sei, ist unzulässig, da das wort im aeolischen gar nicht ngirayts 
sondern nQotavts lautete, G. I. 6. 2166, 33, Ahrens dial. I, 84. II, 507, 
Gonze taf. XII B 29. tt^v- würde skr. *pf- entsprechen, vgl. ^vya» = skr. 
bhfjjdmiy rgvl^ : tfXQyayoy voc. II, 337. Ob lesb. nqoxay^g die hoch tonige 
form enthält, ist zweifelhaft, da sein qo wie in tnqorayfü, ßgoxitog, &Qo<fia}g 
(Ahrens I, 76) eine andere form des skr. r sein kann, in diesem falle 
würde sich n^oTaytg zu TtQvraytg ähnlich verhalten wie ruQyayoy zu rgv^. 
Endlich ist die tieftonige form vielleicht auch in dem zweimaligen böot. 
nognovJUddog G. I. G. 1569c z. 14. 45, welches Meister Bezz. V, 219 als 
nQonvXiadog deutet, enthalten. Boot, oq kann att. oq = skr. r entsprechen 
wie in tfTQorogy noQyotp. 

*) Ursprünglich wechselte es, je nachdem es selbst betont oder unbe- 
tont, respective proclitisch dem folgenden worte angeschlossen war, zwischen 



Die germanischen präpositionen und das auslau tsgesetz. 25 

mit nominalformen in ein wort verwachsen. In den Veden 
und bei Homer ist die unlösbare Vereinigung unter einen 
hauptaccent noch nicht ganz vollzogen, im germanischen geschah 
sie erst nach Wirkung des auslautsgesetzes. Das beweist eben 
die Vertretung von ävta im gotischen: andor- in nominalzu- 
sammensetzungen , and- in verbalzusammenrückungen wie als 
selbständiges wort. Vergl. anda-bcit : and-beitmi, anda-hafts : 
andrhafjan, anda-hait : and-haitan, anda-numts : and-niman, 
anda-sets ; and-siüm, anda-stafijis : and-standan, anda-pahts : 
andrpaghjan u. a. Diese Unterscheidung der verbal- und 
nominalcomposita war dem Sprachgefühle so fest eingeprägt, 
dass selbst dem von andavaurdi abgeleiteten verbum, obwohl 
es kein compositum sondern ein decompositum ist, die den 
verbalcomposita zukommende gestalt der präposition verliehen 
worden ist: andvaurdjan. Einer späteren zeit aber konnte die 
Unterscheidung zweier formen für jede präposition leicht lästig 
werden. Welche von beiden dann aufgegeben wurde, hieng 
von umständen ab, welche nicht überall die selben waren und 
weder bei der selben präposition in verschiedenen sprachen 
noch bei allen präpositionen in einer und der selben spräche zu 
durchweg gleichen resultaten geführt haben, ganz entsprechend 
dem, was sich eben für die ausgleichung der indogermanischen 
doppelformen ergeben hat. So beginnt in got. andvairps, 
andvairpi gegenwart, andvairpi preis ^) die Verdrängung von 
andor, welche in den nominalcomposita aller übrigen germani- 
schen sprachen schon vorhistorisch vollzogen ist. Auch skr. 
pari, gr. niqi^ ubqI hatte einst zwei formen. Die den nominal- 
composita von rechts wegen zukommende firi- ist nur in as. 
ßri^t, ahd. firi-^izi curiosus, viri-wiezi portenta gerettet^), 
sonst überall durch das ursprünglich nur verbale got. fair-, 
ahd. /?r- verdrängt, welch letzteres mit der tieftonigen form 
von fra und mit got. faur zu unauflöslichem knäuel verwirrt 



anpa-j anp = an. atm-^ ags. öd und anda-j and = an. and-, ags. and-, 
and- (Braune beilr. VI, 199). 

^) andbahts ist mit Wackernagel und Diefenbach (Kuhn u. Schleicher 
beitr. I, 471 f.) als volksetymologische Umgestaltung des gall. anibactus 
zu betrachten. 

*) Die alten alem. glossare haben firi schon fast ganz verloren firi- 
melih Ra., firwizlih gl. K. 210, 34 St.-S., firwizlihher Pa. gl. K. 100, 13, 
firwizi Pa. gl. K., firuuuizi Ra p. 138, 7, firwizlih gl. K. Ra. S02, 31, 



36 J* Sehmidt, 

ist. Für £vi, ivi und dwi^ skr. dnti ist die form der nominal- 
composition nirgends mehr erhalten, wobei zu beachten ist, 
dass got. und in keiner nominalcomposition vorliegt, ebenso 
wenig das in seinem verhältniss zu und oben erklärte ags. öd 
bei Grein {üd-genge evadens, discedens, caducus und üi-vita 
sapiens enthalten got. unpor, nicht und% s. Grimm zu Andr. 
1106). 

In anderen fällen hat die form der nominalen composition 
den sieg davon getragen, indem sie zunächst in die zwischen 
Domen und verbura vermittelnden infinitive und participien, 
von da aus dann in das verbum finitum drang. Da die verbal- 
Präposition mit der selbständigen präposition gleiche gestalt 
hatte, so überwucherte die nominale form, wenn sie die verbale 
erdruckte, auch leicht die selbständige präposition, und zwar 
erst die der verbalcomposition zunächst liegende adverbiale 
ohne nominalen casus stehende, dann bisweilen auch die mit 
einem casus verbundene. Nur bei präpositionen war eine rück- 
wirkung des compositum auf das simpIex möglich, weil nur bei 
diesen, nicht bei den nomina, das compositionselement mit dem 
Simplex von anfang an identisch war, und weil sich nur bei 
Präpositionen die zwischen simplex und compositum vermittehide 
sogenannte trennbare Zusammensetzung sowie das nebenein- 
ander von verbum compositum und verbum simplex mit nach- 
folgender einen nominalcasus »r^ierender« präposition findet. 
Von er al iz umbithahta Otfr. II, 11, 51 zu mit ihm thekent sie 
nan umbi IV, 29, 12 oder von umbig^ent fh^ Tat. 116, 6 zu 
äün gab umbi inan Tat. 124, 1 war nur ein kleiner schritt, 
ebenso von so thisu wort thö gahun ihen huning anaquämun 
(so accentuiert V.) Otfr. I, 17, 29 zu farhta unde bibenot chamen 
mih ana Nps. 54, 6, von thiu man iuuih furisezze Tat. 44, 7 
zn zi sezenne furi then heilant Tat. 54, 2, von wazzer öbesiänt 
die berga Nps. 103, 6 zu unz her quementi stwmt oba thar (hie 
hneht was Tat. 8, 5, von mitikangun pedissequae Rd. p. 289, 
17 St.-S. zu üu gant io mite Org. (Grafif, IV, 91) u. s. w. Auf 
diesem wege sind alle die vom auslautsgesetze scheinbar ver- 
schont gebliebenen selbständigen präpositionsformen ausser aha 



*) unpa-pUuhan intpivyHv hat natürlich mit und-rimian hinzu laufen, 
vnd'greipan imXa/ußiptg&at, avXXttfißavHffy und-rMan besorgen, gewähren 
gar nichts gemein. 



Die germanischen präpositionen und das auslautsgesetz. ^7 

entstanden. Beweisend dafür ist, dass die selbständigen mit 
einem nominalcasus verbundenen ahd. an, mitj obar, as. far 
in grösserer oder geringerer ausdehnung noch die nach dem 
auslautsgeseize zu erwartende regelrechte gestalt zeigen, während 
die zugehörigen den Verbalzusammensetzungen näher liegenden 
präpositionaladverbia aus diesen schon durchweg die formen 
ana, müi, ubari, ftm übernommen haben. Ausser got. ana und 
ags. ymbe finden sich die volleren formen selbständig nur im 
ahd. und anord. 

In der erörterung der einzelnen fälle ist es nöthig, die 
zweisilbigen mit erster kurzer silbe von denen mit langer und 
den mehrsilbigen zu scheiden, da ausserhalb des gotischen die 
verschiedene quantität verschiedene behandlung des folgenden 
vocals in compositen bedingte. 

an, ana. Im as. herrscht als präp. und adv. durchweg an 
(s. Heynes glossare), dagegen haben die drei erhaltenen nominal- 
composita ana : ana-fangas Essener beichte MSD. LXXI, 28 
(als präp. zwölfmal an z. 30 — 47), ana-wOni gl Prud. 85, an 
themu anaginne Hei. 3593 Siev. Mon., anginne Gott., anginnea 
1034 M. anginne C. Das schwanken des letztgenannten braucht 
nicht durch eindringen der selbständigen form an in die com- 
posita erklärt zu werden. Das a kann syncopiert sein, da die 
nominalstämme In der composition den vocal auch schon fast 
alle verloren haben ; erhalten ist er nur in wenigen kurzsilbigen 
haga-stald, wara-lfco 4352 C. {war4ico M., 300 G. M.), baral%co 
1424, 5193 G. {bar-lfco M.), ala-, alo-mahtig, alo-toaldo (G. aber 
auch al-mahtig, al-waldo) u. a. mit ala-^ dage-thingo induciarum 
gl. Prud. 588, hova-warde cane ib. 139, ge-wono-hsd Bed. 13; 
alle übrigen kurzsilbigen und langsilbigen haben das a schon 
.vörloren : dag-werk, dd-möd, hof-ward, lof-salig, sak-toaldand, skap- 
ivard, wanskefti, tprak-slä, halrlöc caepe gl. Prud. 259, cluf-löc 
260, juk^ac juk-ruoda Werd. heber., juc-tam Freck., ebenso die 
adv. hin-fard, tvel4if, Vcrbalcomposita sind nur zwei erhalten: 
an-thengean, anorwerpan 3871. 3941. 3946, anwerpan G. überall. 
Sievers schreibt ana werpan getrennt, es wäre der einzige fall 
von selbständigem ana. Da ausserdem anawerpan mit doppeltem 
acc. (u>dd%m ina sten anawerpen) sich von an werpan c. dat. 
pers. acc. rei {thetnu toibe gedorsti sten an werpen 3877 M. C.) 
in der construction scheidet, so ist mit Heyne anawerpan, aber 
<m fverpa!^ zu schreiben (mit doppeltem acc. anwerpan). Eni- 



28 J. Schmidt, 

sprechend liegen die Verhältnisse in den altniederfränkischen 
psalmen: als präp. und adv. durchweg an, dagegen in comp. 
anorgen^ ana-^enni, ancnileida induti (aber an-fluz, afirvanmnst, 
an-fresa, an^eheiti)^ verbal anchfallU^ ana-fehUmde, ana4iepon, 
atMstandunt (aber an-drodan). Die alleinherrschafl des ags. 
an, on, auch in comp, kann durch syncope des a entstanden 
sein (vgl. däg-veorc, äl-mihtig, hägsteald, god-fyrht, man-drytäen), 
die des nordischen a aber nicht, da das n dann geblieben wäre 
wie in vin-skapr, dyn-bjalla, aptan-stjarra u. a.; ürgangr, (l-egg- 
Jan u. s. w. haben die form des isolierten a = urgerm. an 
übernommen. Im hochdeutschen dagegen, welches ana in comp, 
seinen syncopierungsgesetzen zu folge intact bewahrte, herrscht 
ana in nominal- und verbal -comp, und als adv. überall, als 
präp. aber unter den grösseren Sprachdenkmälern nur bei 
Otfried. Tatian hat als präp. nur das mit sich selbst zusammen- 
gesetzte an-an und unz^n, aus Rb. giebt Graflf I, 277 drei 
belege der präp. als an, und Notker gebraucht als präp. nur an. 
Daher ist auf Keros ana ambahti propter officium p. 117 H., 
die einzige stelle, an welcher K. das einfache wort als präpo- 
sition hat, nichts zu geben, zumal in unzan p. 68. 99 das regel- 
rechte an steht. Notkers regel veranschaulichen legeti mjna Imni 
an die ps. 80, 14; du legetest mili ana dlna hant 138, 5; a7U(, 
legeta 103, 1; analegi indumentum 103, 1. Williram hat als 
präp. auch noch an neben ane, anne, als adv. ana, ane, in comp. 
ana-, Isid. und hymn. haben weder an noch ana als präp., 
die alten alemannischen glossare haben, so viel ich bei der 
durchsieht bemerkt habe, das wort nur einmal als präp., ana 
wän pim gl. K. Pa. 62, 15 Siev. {an sUhit gl. K. 198, 24 S. 
ist Schreibfehler für arslahit Ra.), in comp, und vor dem verbum 
steht durchweg ana, s. 88, 31. 92, 35. 118, 28. 40. 120, 5. 134, 40. 
41. 148,23. 174,26.27.31. 178, 36 ff., 186, 2flf. u. a. Hier- 
nach ist nicht zu bezweifeln, dass ana nur aus der composition, 
welche es übereinstimmend in allen germanischen sprachen 
ausser dem nordischen hat, durch die adverbiale Verwendung 
hindurch als selbständiges wort an stelle des im ags. as. anfr. 
alem. erhaltenen an getreten ist. Zwischen dem anfr. welches 
als präp. und adv. an und Otfr., welcher in beiden functionen 
ana hat, liegt Notker mit an als präp., ana als adv. in der 
mitte. Das gotische aber hat wie Otfrid ana in allen functionen. 
Nach dem, was and : andor lehrt, sind auf grund der zuge- 



Die germanischen präpositionen und das auslautsgesetz. 29 

hörigen ävd, avm drei erklärungen möglich. 1) anapräp. und 
adv. ist = ttvta^ ana- in comp, ist = «vo, 2) nach Wirkung 
des auslautsgesetzes ist ana = ävo) in die composita übertragen. 
Nimmt man eine dieser erklärungen an, so muss man ahd. ana 
von got. ana trennen, da ävo) == abulg. na, lit. nu, nu- (Pott 
e. f. I * 308, Mahlow 87) im ahd. nur *awo, *anu lauten könnte, 
vgl. hiru, biro = (pigut, lit. beru; worto, wortii = lit. vardü, lat. 
modo, cito (Mahlow s.. 85 flf.); nefo = nepos. Da man sich 
schwer enlschliessen wird got. ana von ahd. ana zu trennen, 
so bleibt als dritte möglichkeit, dass ebenso wie im ahd. awo- 
= dvd aus den comp, an stelle des selbständigen *aw = 
urgerm. an getreten ist. Der übertritt kann an zwei punkten 
stattgefunden haben, erstens in Verbindungen wie anaiimridai 
ana grunduvaddjau Eph. 2, 20; veitvod gup anahaita ana meinai 
saivalai II Cor. 1, 23; ancAunibei ana pamrna aftumistin stada 
Luc. 14, 10; anaaukan anavahstu seinana Matth. 6, 27; zweitens 
aus zusammengesetzten verben, neben welchen das simplex mit 
folgender präposltion oder präpositionaladverb gebräuchlich ist, 
z. b. ainhvarjammeh ize handuns analagjands Luc. 4, 40 neben 
lagjands handuns ana po Mc. 10, 16; galagidedun ana (adv.) 
vastjos seinos Mc. 11, 7; anaqam ins Luc. 2, 9 neben qimand 
dagos ana pus Luc. 19, 43; in aldim paim anagaggandeim Eph. 
2, 7 neben pamma gaggandin ana sik Luc. 14, 31 ; anatimridai 
ana grunduvaddjau Eph. 2, 20 neben ana pammei so baurgs 
ize gaUmrida vas Luc. 4, 29 ; anamdjan Luc. 2, 5 neben game- 
lida izvis ana pizai aipistaulein I Cor. 5, 9. In allen übrigen 
fallen hat das gotische die ausgleichung zwischen den beiden 
formen der präpositionen in dem ahd. entgegengesetzter rich- 
tung vollzogen, so dass die isolierte form auch in die composita 
kam. Sollte hier die Verdrängung von *an vorgezogen sein, 
weil es der fragepartikel an gleich lautete? Mahlow 67 will 
got. ahd. ana aus ana mit angefügtem an = skr. a, derselben 
Partikel, welche in got. pan-a, pat-a angewachsen ist, erklären. 
Abgesehen davon, dass ein "^anän nirgend ausserhalb nach- 
gewiesen ist und die übrigen präpositionen, in welchen Mahlow 
-an sucht sich nicht so erklären lassen (s. u.), begreift sich 
nicht, wie dies emphatisch verstärkte *awÄn im as. nur in der 
composition erscheinen kann, warum kein selbständiges *ana 
wie fhana und im ags. nirgend *ön^ wie pone erscheint. 



:K) j. soiiiiiidi. 

Urgerm. mi4, comp, midi-, daraus got. überall mip, da- 
gegen im ahd. noch der ursprünglichen vertheüung näher als 
präp. nur mit, in comp, miti-^ daraus übertragen adv. nur 
müi (Grimm gr. II, 762; 895; Graff 11, 659). Von den comp. 
schwankt nur müiwareetn Kero p. 38 H. mitkoarii p. 124, 
müirware gl. K. 84, 24 St.-S. (andere Graflf I, 918), mUwOre 
Pa. mitwari Pa. gl. K. Ra. 8, 10 St.^., mOwanm Isid. p. 73, 
19 H., mhd. mitewiere. müi- behielt in comp. geaetzmäsBig 
sein i wie pugi-hafto Pa. 19, 11 St.-S., siki-noami 54, 20, sigi* 
-nomo 152, 5, maszi-mös 100, 32, slagi-fedherom 17, 21, tinrp-wari 
194, 40, scriü^meis, stetirgot u. a. Grimm gr. II, 419, Sievers 
beitr. V, 108. As. im Mon. nur mid präp. und adv. thor mid 
675, im Gott, aber neben mid auch midi als präp. und adv. 
Ags. mid präp., adv.; midrmst hat die form des selbständigen 
wüjies in die composition übertragen, denn ahd. mite-mst N. 
wüi^dc iautgesetzlich ags. *nHde-vist entsprechen, da kurzsilbige 
i-stämme in der composition ihren vocal bewahren : hyge-cräft, 
mete-leäs, sele-veard, stede-vang, sige-leds, hete-nld. An. med ist 
von diesen formen zu trennen, denn urgermanisches aus *miti 
entstandenes md würde auch im nordischen *m«f lauten, vgl. 
mik, l, vist. Also ist tned = futa, ebenso as. med Freck. 97. 
233 {mid 171). 

ürgerm. for, comp, furi- (o durch folgendes i zu u ge- 
wandelt, s. Leffler bidrag til läran om *-omljudet 102 f.) ist 
locativ zu dem instr. skr. ptird, gen. abl. purds. Pauls gleich- 
setzung von furi mit negi (beitr. VI, 207) ist lautlich und be- 
grilBflich verfehlt (s. o. s. 24. 25). Die feststellung des 
materials ist mit Schwierigkeiten verbunden, da for auch die 
tieflonige form zu got. fra ist (s. 24). Ahd. furi- behielt in 
comp, sein / wie miti- : fürirbuH, furi-pringan usw. Grimm 
gr. II, 728. 896, Lachmann betonung kl. schi*. I, 372, furi 
hat in allen älteren denkmälern die herrschaft auch als 
selbständige präp. gewonnen, für, vur soll nach Graff 111,616 
in folgenden vor dem X jh. geschriebenen denkmälern neben 
ftm erscheinen: K. Pa. Tat. Ic. Rc. Gc.3. Ich habe K. Pa. 
gl. K. Ra. darauf hin durchmustert. In der Benedictinerregel 
findet sich das wort als präp. überhaupt nicht, nur in nominal- 
nnd verbal-zusammensetzungen oder zusammenrückungen mit 
Verben und lautet stets furi (an 20 stellen) ausser in fur-iursti 
praesumptione p. 102 H. (wegen der Übersetzung vergl. erpcddet 



Die germaDischen präpositioiien und das auslautsgesetz. 31 

praesumpserit p. 117; das wort fehlt bei Graff V, 443). 
Ebenso in den glossen durchweg furi {f(m gl. K. 44, 19. 21 
Sl.-S. = furi Pa. Ra.) mit nur zwei ausnahmen, als präp. 
furi propter Pa. 152, 28, fm^i durfii pre inopia Ra. 228, 14 
und in zahlreichen comp, furipiutit Pa. 26, 5 (got. faurUudip), 
furislahit 34, 9, fv/ripuntan 52, 1, furi sih provide 76, 6, furi 
kisantero paralipominon Ra. 226, 1, furi sez&iu propono gl. K. 
233, 33, furichuiti Ra. 226, 20; für nur zwei mal: fwr Mit 
gl. K. = furi erlidit Pa. furi lidit Ra. 44, 20 und fwfaru 
propter eode gl. K. 220, 12 (vorher geht fora propter); zwei- 
mal /br, aber an stelle von /ar- /?r- ; fordampsit Pa, = 
firthemphit gl. :K., firdemfit Ra. sufTocatio 130, 37; so ent- 
spricht auch forquidit abdicat Pa. 22, 22, da gl. K. und Ra. 
farchuidhitj farchuU haben, wohl dem got. fraqipark c. acc. rei, 
nicht faurqipan c. dat. rei (über die Vermischung von far- fir- 
mit furi s. Grimm* gr. II, 858. 896, Grafif III, 608, vgl. auch 
furiperanti Pa., firperandi gl. K., farperanti Ra. frugalitas 148, 8). 
Auch Tatian hat nach Sievers' glossar nur furi, nicht für (für- 
ferit praeteribit 25, 5 ist = vor-ferit praeteribit 146, 3 d. h. 
enthält die dem alem. fa/r-, fir- entsprechende präp.). furi 
werden wir demnach als die alleinige form der selbständigen 
Präposition zu betrachten haben, welche in nominalcompositen 
ihren ursprünglichen sitz hatte, sich dann auf die verbal- 
composita erstreckte und durch die trennbare composition zum 
selbständigen adv. und präp. ward. Dass sich einige alte 
verbalcomposita mit for der Übertragung des i durch unter- 
schlüpfen bei far-, fir- entzogen haben, ist wahrscheinlich. 
Anfränk. durchweg furi, nur einmal für als präp., für nietvehte 
pro nihilo ps. 55, 8, comp, furirtekin wie sigi-märL Asächs. 
als präp. for (far, für), furi, in comp, nur furi, einziges beispiel 
furi-sago Gott. 928. 1429 {fara-sago M.), in Verbindung mit 
Verben nur fmi wurdi 596 M. C. Das i ist in der composition 
bewahrt wie in firi-wU, heti-lfk. hugi-skaft, meti-lösi, sdi-hüs, 
stedi'haft, sigirdrdhtin , wini-^ewa, wrisirllk, Ags. überall for 
wie got. faur (fore ist got. faura), in den comp, hat for auch 
die Vertretung von got. fair-, fror übernommen (Grimm gr. II, 
726, 852); for ist die form des selbständigen Wortes, denn 
urgerm. fu/ti- wäre zu fyre- geworden, vgl. gryre-Uk u. a. (s. 
unter miS), 



o^ .1. Schill i«ll. 

Im iiordiirchcn inusslc urjrenn. fw bleiben und ist als 
-r^rlb^^tänditros wort im (lili). erlialton« im an. aber nur in comp., 
wo t- von i\ov lieltoni^'en form des got. fra und von goL 
faura nidit vm soheidon ist. fifri- aber musste sein % ohne 
unilaul vorlioren wie die kurzsilbigen präterita z. b. hutda 
(^jyljaj und die kurzsilbigen /-slämnio in der composition, z. b. 
mufi^ligr, huif-hlandr , mar-bakki u. s. w. *fur ist aber durch 
/'yr und die neubildung /'yrir verdrängt, /y/* mit Paul beitr. 
VI, 2^i8 auf >organi.schein'«: wege aus urgerm. furi zu erklären 
ist unmöglidi, denn aucli als selbständiges wort musste furi zu 
Y'ur werden, wie die kurzsilbigen V-slämme barr, munr, httgr, 
frulr letiren (vergl. Leffler om V-omljudet 107 = tidskr. f. filol. 
(j{/^ fiir-dag. ny rarkke II, :283; Sievers beitr. V, 112). Der um- 
laut in /'yr ist vermutlilich durch Vermischung mit dem com- 
paraliv /'yrr (gebild<4 wie f'remr == goL framis, vgl. auch ahd. 
f'uriro) entstanden, llebrigens scheint nicht unmöglich, dass 
da, wo man jetzt f'yr (ediert, früher für gestanden hat, da nach 
Vi|/fiisson a. a. o. in den handschriften dafür gewöhnlich eine 
abbreviatiu' und für' für fyrir steht. 

Uiyeiin. uf\ comp, uta-, Got. überall ufy präp. uf unter, 
nfkun7uin, uf-knnp^i. Dagegen an. of über präp., adv. und in 
comp, i^l aus lAa- entstanden, dessen a in comp, gesetzniässig 
schwand (ofa-fti übermässiges geld, ofa-mikill übergross ent- 
halten den ;(en. pl. eines femininen /7-stammes, vgl. das 
schwache fem. ofaj. Ags. bei Grein nur ufe-veard aufwärts 
l'h. 2'Mi mit erhaltenem vocale wie ijodc-gyld idolumPs. 105, 17, 
n ungetirochen wie in ufan von oben, ufcra posterior, hife gen. 
lufun liirbe. As. nur ofsitiieii llel. ViW* M. besitzen (also von 
i'anl iieitr. VI, 101 mit unrecht zu got. a/^ gezogen), of4iges 
oblie^eidielt Kreck. Ahd. präp. und adv. oba, opa in den alten 
denkmäiern, aißa stv.inv super p(*lram K. p. 33 H., obe N., Graff 
führt nh, op an aus hib. 1. ± (X. jh.) Bib. 5. (XL jh.) und 
der SalzbuiKer hs. der iMonseer ^Mossen, leider ohne anzugeben, 
(»b es präp. oder adv. ist. Nominalcomp.: opa fehtun ex- 
pugnationes Pa., olnt klfvhtnm gl. K. 4S, 12 St.-S., obdach gl. 
Mons. (IX. Jh.), tihtsrrifi , ultvsUff, tibcsUhf/ N.: verbalcomp. : 
ojkihlhu^f i»X(ellet, fisff oImi lUjcninn piscem superpositum Tal. 
i237, 1, o}Hi(/iwinanfl proventu Pa. 70, II St.-S., ofxi suuepsnii 
Ist cüorta est l*a. 71-, i!, ofm s^avparnuti praenatans Prud. 1, 
ofHitvisit iinminet VA. VI, tUKl, r>/*^*s7«7w/ dir benia super montes 



Die germanischen präpositionen und das auslautsgesetz. 33 

stabunt N. ps. 103, 6, du obesehest mih u. a. Notk. Eine regel 
ist hieraus nicht zu erkennen. Einige comp, mit ob enthalten 
nicht got. uf sondern af s. MSD. s. 458 und im verfolg unter aba. 

Bei spondeischen oder tribrachyschen präpositionen liegen 
die Verhältnisse insofern anders, als die volle form in der com- 
position durch die syncopierungsgesetze der einzelsprachen ihren 
auslautenden vocal verlor, während ihn das adv. , welchem er 
erst aus der composition übertragen ist, bewahrte. So steht 
dann die volle form nur noch als adverb, und es gewinnt den 
anschein, als ob das adv. durch anfügung eines i aus der präp. 
entstanden sei. 

Dem skr. updri entspricht ahd. als adv. ubari, vbiri, als 
präp. theils vba/r, tibir, theils obar, obir (s. Grafif I, 83). tibar 
und obar können nicht aus derselben urgermanischen form 
hervorgegangen sein, wie die Verschiedenheit ihres anlautes 
lehrt. Von d^ grösseren denkmälern hat nur Tat. beide und 
zwar in folgender vertheilung: als präp. ubar und obar gleich- 
bedeutend, beide mit dat. und acc, aber in allen nominalen 
und verbalen composita nur ubar mit einziger ausnähme von 
obarqueme, obarquimit unmittelbar hinter einander 146, 4 (in 
demselben verse noch obo/r als präp. und die comp, in ubar- 
azze intin übartrunke), als adv. nur ubiri (aus ubari assimiliert 
wie fvmidirit neben fornidarit). Hieraus ergiebt sich folgender 
hergang: wjpdri ward als selbständiges wort zu urgerm. w6ar = 
Tat. obar, in composition zu ubari-, dessen i sich wie die vocale 
von ana, miti, furi auf das adv. fortpflanzte, in der composition 
aber später durch das hochdeutsche syncopierungsgesetz getilgt 
wurde. *ubari4runk musste zu ubartrunk w^erden, wie asani- 
zu aran-y^iänöt y aran-scarti, miluki- zu milih-char, miHch-fais, 
vgl. die praeterita und part. watartin jubilarent, gimagarie 
attenuati, ginidarta, ginidirta, capittarte amaricati, mdhalta, na- 
galta, nibultön, gisidalta^ bisigilta, ant-adaltaz, gaganta, chra- 
damta fremuit, bilidta, irropfezta, gireztön, dahhazta, slagaztun, 
ungivaroiaz (fariuuit tingit), kisalota decoloravit, scatotön (sca- 
teuuet). ubartrunk und ubari^ ubiri stehen zu einander in genau 
demselben Verhältnisse wie bilidbuoh und biladi, bilidi. Nur so 
erklärt sich das ungebrochene u und das mhd. w. Das erst im 
hochdeutschen syncopierte i der composita hatte zu der zeit, 
als u durch folgendes a zu o ward, das vorhergehende a schon 
so weit nach i hin gefärbt, dass es unfähig war brechung zu 

Zeitschrift für vergl. Spraolif. N. F. VI. 1. 3 



34 h Schmidt, 

bewirken; geschrieben ward es trotzdem noch mita, weil dieser 
vocal m unbetonten silben namentlich vor r beliebt war. Als 
das i dann schwand, hinterliess es eine mouillierung des r, durch 
welche die klangfarbe des a so weit verwischt ward, dass um- 
lädt des u emtreten konnte, die schrift hielt trotzdem noch eine 
weile an ihm fest : yparmuotemo Bib. 1 (X. jh.). In der selb- 
ständigen Präposition aber hinterliess das durch das auslauts- 
gesetz viel früher getilgte i keinerlei spur, so dass das a mit 
voller krafl wirken und obar entstehen musste. Die meisten 
denkmäler haben dies durch das vibar der composita verdrängt. 
Umgekehrt ist anfränk. over, ovir präp. adv. in die composita 
übertragen : ovir-mtiodi, ovir-havan wirihit, ebenso as. ofcor präp., 
oftor-iwöd, verbal oikir-hördi, oifar-sehan, cikur-fangan, ags. als präp. 
adv. und in allen comp, nur ofer, got, nur ufar. Das nordische 
hat ofr nur als adv. in der bedeutung »nimis« und in nominal- 
comp., wo es fast stets durch >nimis« zu übersetzen ist (ausser 
ofrborä), dagegen yfir als präp. adv. und in nominal- und 
verbalcomp. mit der bedeutung super, supra, auf der inschrift 
von Vamum aber noch übar als präp.; ofr, ubar = ahd. o6ar, 
yfir = ahd. ^ibar^, tibiri, tibar-. Das f des got. tdfar erklärt 
sich aus der betonung des selbständigen vnsQ. Das ahd. b 
Hesse sich aus der des skr. updri herleiten, wenn es nicht 
misslich wäre zwei verschiedene betonungen desselben Wortes 
im urgerm. anzunehmen. Daher ist wahrscheinlicher, dass es 
aus compositen mit betontem zweitem gliede stammt wie skr. 
uparisprg. 

Genau entsprechend sind die Verhältnisse bei ahd. untar 
präp. = abaktr. adhairi, in comp, untar- aus germ. ^undari-, 
daraus als adv. untari, uniiri K., undere N., welches den vocal 
bewahrte. As. tmdar präp. und adv., in comp. undar4henkian, 
undar-werpmi gl. Prud., ags, utider präp., adv., nominal- und 
verbal-comp. ebenso an. überall undir dem ahd. untar ent- 
sprechend (untari, untar(i)' würde *yndir geworden sein, vgl. 
yfi^Jf got. undar^ undar-leija wie ufar, ufar-gudja. 

Ebenso ahd. widar präp., in comp, widar- aus ^undari-^ 
daraus als adv. undari, widwi. ubar und wntar sind mit verben 
nur untrennbar zusammengesetzt, widar geht aber auch die 
sogenannte trennbare Zusammensetzung ein (Lachmann betonung, 
kl. sehr. I, 370). Hier erwartet man undari und dies findet 
sich auch: widari khmntanaz rctortum Ib. Rd., Steinm.-S. 



Die germanischen präpositionen und das auslautsgesetz. 35 

p. 290, 3. 293, 42, widari sehante respicientes p. 290, 1, tvidri 
Santa remiserat p. 289, 62, sehr begreiflich dringt aber auch 
hier widar ein: giwanta sih tmdar Tat. 221, 3, fuarun toidar 
12, 3, tmdarfiwr 17, 8 ^). As. toidar präp., undar-möd, wider- 
siandan, imdar-werpan. Ags. vider präp., v^ider-gyld, mder- 
'habhan. An. durchweg vidr. Ein comp, wie mdr-mceli ist aus 
^mpri-mteli entstanden wie ßdr-varinn aus fidri. Die mangelnde 
brechung erklärt sich aus der grundform ^vipri-^ vipr. Got. 
vipra verhält sich dazu wie Uta zu üt, inna zu inn, iv/pa zu 
iup; wie diesen ags. üte^ inne, uppe, ahd. üee, iwne, üfe ent- 
sprechen, so ist vipra = ags. tö-vidre, tö-videre, anfränk. withere 
(vgl. inne)^ ahd. widare K. p. 77 H. 

Ebenso ahd. nidar, nider als simplex, in comp, nidar- aus 
*nidari', daraus als selbständiges adv. nidiri Otfr. II, 14, 83 
(bei Graff II, 987 steht verdruckt II, 24, 83, ebenso bei Paul 
beitr. IV, 469^), as. nidar adv., ags. nider, nyder, nydor, niodor 
adv. und in nominalcomp. , an. nidr. Alle diese formen be- 
deuten »nach unten«. Davon zu trennen ist ahd. nidare Otfr., 
welches überall nur »unten« bedeutet, also von Graff und Paul 
nicht hätte mit nidari zusammengeworfen werden sollen. Vergl. 
stuant er fhar tho nidare, huäb thiu ougun uf ei himUe III, 24, 89, 
aber ffiae sih liae thiu sin diwri mit otnmati so nidiri II, 14, 83. 
Dem ahd. nidare entsprechen as. nidara M., nithare G. 2421, 
ags. nidre, an. nidri unten. Diese verhalten sich zu ahd. nidiri^ 
nidar^ as. nidar, ags. nider, an. nidr wie ahd. widare, ags. tö- 
-vidre, got. vipra zu ahd. toidar, widari, as. vidar, ags. vider 
oder wie ahd. inne^ as. inna, inne, ags. inne, an, inni, got. inna 
zu ahd. inni (? s. u.), ags. an. got. inn. Der mangel der 
brechung erklärt sich bei nidiri wie bei ubiri, allen verwandten 
formen, welche hinter dem r urgerm. a oder o hatten, kommt 
von rechtswegen brechung zu (vgl. ahd. obaro : ubiri), sie ist 
aber nur im an. erhalten, nedri inferior, nedan gegen ahd. 
nidaro, nidana. 

Ein germ. aftari- ergiebt sich aus an. eptir (vgl. yfi^r = 
iSari) präp. adv. und in comp. Als selbständige präp. lautete 

^) Dasselbe schwanken zeigen die barbarischen Übersetzungen der 
Benedictin erregel in den der wirklichen spräche unmöglichen untiri sin 
kefolget subsecuntur p. 53 H., untari ist kefolgeet subsequitur p. 54, untar 
sin kafolget subsequantur p. 58, untar sihi folget subsequatur p. 59, si untar- 

folget subsequatur p. 60. 62. 

3* 



36 J* Schmidt, 

es ursprünglich aftar, wie die inschrifllichen öfter (Tune), afatR 
(Istaby) bezeugen, ebenso als adv., wie die in der Schriftsprache 
erhaltene nur adverbielle nebenform aptr (auch in comp.) be- 
weist. Das verhältniss von aptr zu eptir entspricht genau dem 
von ofr zu yfir. Die übrigen sprachen haben nur urgerm. aftar 
erhalten: ags. äfter präp., adv., nominalcomp., as. aftar ^ öfter 
präp., adv., nom. und verb. comp, (after-bier, aftar-warödun), 
ahd. aftar, öfter präp., adv., nom. verb. comp. Kein gewicht 
ist zu legen auf anfränk. aftri-thinsinde detrahentes ps. 70, 13 
wegen des mangelnden Umlautes und weil das i von *afteri in 
comp, syncopiert werden musste, vgl. undirthüdig, tvüherstrldunt. 
Es wird für aftir- verschrieben sein, die gl. Lips. verzeichnen 
aus ps. 70, 13 afterthinsindi und aus ps. 37, 21 afterthtmsun. 
Grot. aftra verhält sich dazu wie vißra zu tcidar. 

Ahd. gagan, ingagan präp. wie obar, in comp, gagan- aus 
*gagani-, z. b. *gagani-wertcr ward gaganwerter wie praet. *gagar 
nita zu gaganta. Echte untrennbare Verbalzusammensetzung ist 
selten wcus wirt dir gdgenstellet^ oik, ps. 119, 3, ingaganspröchan 
wirdit gl. Mons. 378 (Lachmann betonung, kl. sehr. I, 371). 
Ehe das i in den comp, schwand, pflanzte es sich durch die 
verbalcomp. auf das adv. fort, so entstand das nur adverbial, 
nicht als präp. gebrauchte gagani, ingagani wie iihari^ z. b. in 
den hymnen präp. cagan chumfti obviam adventui 1, 8, 2, comp. 
Jcaganlön 8, 5, 3, kagan pliuuanti obtundens 4, 2, 3, adv. kakan 
lauffem Jcagani occurramus obviam 1, 10, 4. Aus gagani, gagaü- 
ward dann ingegini O. , geginwerti 0., genginsacho T. u. s. w. 
Wie das alte obar = urgerm. utar durch ubar, mhd. über = 
urgerm. utari- mehr und mehr verdrängt ward , so geschah es 
auch dem alten gagan durch die umgelautete form. Anfränk. 
an^gegin präp., gegin-loup, gegin-wirdi, gen-wert, gen-werde gl. 
Lips. 417 aus *ga>gani-, eine spur von gagan ist vielleicht in 
gaienwerde, gaienweierde gl. Lips. 373. 374 erhalten. As. nur 
angegin präp. und adv., geginward (auch tegegnes, gegnungo 
mit Umlaut). Ags. hat beide formen: gea^gn, gean = urgerm. 
gagn (vgl. geaf, ongeat, geat porta) und gegn, gen = urgerm. 
gagni-^ ein unterschied in der Verwendung beider ist nicht 
mehr bemerklich: he Mm gean pingode Gen. 1009, aber Judas 
hire ongen pingode El. 609. 667, mlnum gceste ongegn Hy. 4, 59, 
geag^ievide El. 525, aber gencvidas 594, gegncvida Beov. 367. 
ongedn steht im Beov. als adv. und als präp., in der Elene 



Die germanischen präpositionen und das auslautsgeseiz. 37 

lautet die präp. ongean und ongSn. Als adv. in der bedeutung 
>noch« überall gen, gena. In anderen verwandten formen das- 
selbe schwanken : tögeänes Beov. gewöhnlich, aber tögenes 3115. 
Der Umlaut hat sich auch in gegnum, gegnunga, genunga ein- 
genistet, für welche Grein kein ea belegt; vgl. as. tegegnes^ geg- 
nungo. Die beiden formen geagn, gean und gegn, gen sind nur 
begreiflich, wenn ersteres die durch das auslaulsgesetz verkürzte, 
letzteres die durch Zusammensetzung geschützte form des alten 
gagni ist. Langsilbige i-stämme als erstes glied von compositen 
haben ihren auslautenden vocal nach eintritt des Umlautes ver- 
loren: bryd-guma, dryhUbeam, dcedrfruma, sp^-llce, gest-sele u.s.w. 
Ebenso ist gegn-evida aus *gagnir entstanden, und dies die 
quelle der umgelauteten form. Im nordischen haben langsilbige 
i-stämme, welche nicht in die ^*a-decl. übergetreten sind, als 
erstes glied von comp, das i ohne umlaut verloren hrüä-gumi, 
hüä-fat, dröU'tnegir, söU-dauär, däd-framr, kvan-fang, krapiniuäugr, 
sauSrfe u. s. w. Es mag dies auf einwirkung der declination dieser 
stamme, welche nirgends mehr umlaut hat, beruhen, da diejenigen, 
welche in die analogie der^'a-declination übergeschlagen sind und 
flectiert durchweg umlaut haben (Schlüter die mit dem sufif. 3a 
gebildeten deutschen nomina s. 213 f., Sievers beitr. V, 112 f.) 
auch in comp, umlaut zeigen: belg-bera, hehk-klcedi , gest-risinn, 
drykk'lauss u. s. w. Auf jeden fall bietet die behandlung der 
unumgelauteten i-stämme in der composition ein völliges ana- 
logon dazu, dass dem selbständigen *gagn = ahd. gagan, ags. 
geagn auch in den comp, durchweg gagn- zur seite steht, z. b. 
gagn-vert. Das selbständige "^gagn ist später verloren gegangen 
und durch das dem ahd. gagani, ingagani entsprechende gegn, l 
gegn als präp. und adv. verdrängt, gagn verhält sich zu gegn 
wie o/r- zu yfir. Das adj. gegn, adv. gegnt wird ein aller jor 
stamm sein, von welchem aus gegnum an stelle des alten durch 
reim gesicherten gögnum (Vigfusson s. v.) trat, gögn = gegn 
adv. führt Vigfusson an, ohne es zu belegen. 

Umbi = dfiipl, skr. abhi hat in allen westgermanischen 
sprachen nach Wirkung der auslautsgesetze sein i aus der Zu- 
sammensetzung auf das selbständige wort wieder übertragen. 
Spondeische i- und ^o-stämme als erste glieder von composita 
sind im ahd. nicht consequent behandelt. Einerseits finden 
sich prüt-lmfti Pa. 160, 19 St.-S., naoUhaft 82, 33, munt-poro 
26, 11, kanuM-sami 64, 31, canuht-sam 100, 38, liut-stam 144, 15. 



38 J- Schmidt, 

214, 29, hrain-haft 66^ 4, tiur-lHihes 48, 31, andererseits mit 
bewahrtem i brüti-gomo, truhti-gomo Aldh,, mundi-burd (Grafif 
III, 166), missUat, sami-^uech Pa. gl. K. 82, 17, Tat. 128, 7. 
sämi-lml Ra. Rf., samirwlz Ib. Rd. samiAöto Sg. 242, naMi- 
gaia R. 93, 27 St.-S., chimii-heini , chinni-bahhon K. p. 54 H., 
misi-poum, endirdago, anti-prurti Pa. 50, 14, arpi-nomo 68, 25, 
slengistain 70, 39, wasti^jparn 72, 15, lOchhitv^n 150, 40, 
wmni-samöndi gl. K. 218, 24, himi-polla Ra. 228, 7. Wie 
letztere konnte umbi sein i in der Zusammensetzung bewahren, 
was zur folge hatte, dass die volle form wie bei ana (Otfr.), 
oba, fwri auch für die selbständige präposition hergestellt wurde, 
deren lautgesetzliche form wmfe, um das nordische erhalten hat. 
Ebenso steht es im as. Hier hat die mehrzahl der langsilbigen 
i- und ja-stämme ihr i in comp, schon unterdrückt druht^dÜCy 
ga8t-(gest-)seli y grisUgrimmo ^ liud-fölk^ mund-btird, nöd-röf, 
röh-fai, stdJU-beddi, sam-quik, ja^t : bll34lk, diwr-Uk, heU-dor, 
sllä-mödy spah'ltk, (hrisUmüd, %Dun(n)'Sam. Aber andere haben 
es noch bewahrt: brüdi-gumo, hüdi-scalk, liudi-bam, umräi- 
-giskapu, -^iskefti, noMi-gala Strassb. gl. Heyne kl. denkm. s. 93, 
73. 74, ja-st.: eldi-barn, endi-lös^ erbinvard, helli-gethmng, -grund, 
-Witt, rlki-döm, suiidi-lös und mit letzteren steht umbi-hwarf, 
aus welchem sich selbständiges umbi entwickelte wie furi, auf 
gleicher stufe. Das ags. hat ymbe und ymb beide als präp. 
adv. und in comp. Nehmen wir an, es habe in allen diesen 
Verwendungen früher wie im as. ahd. umbi bestanden, so ist 
ymb gerechtigt. Langsilbige i-stämme als erste glieder von 
comp, haben ihren auslautenden vocal nach eintritt des umlauts 
verloren: brgd-guma, dryJU-beam, dted-fruma, gest-sele u. s. w., 
ebenso entstanden ymb-hvyrft, ymb-hveorfe u. s. w. (Grein hat 
nur 7 belege für ymbe- in comp., zahlreiche für ymb-). Das 
selbständige ymb erklärt sich wie gegn, die lautgesetzliche ent- 
wickelung hätte nur "^umb ergeben wie gefign, vgl. an. umb, um. 
Die zweite form ymbe vermag ich lautlich nicht zu rechtfertigen. 
Dass an erhaltung eines ursprünglich auslautenden i gar nicht 
zu denken ist, wurde oben (s. 21) bemerkt. Wollte man an- 
nehmen, ymbe sei aus den composita erwachsen, ehe diese den 
zweiten vocal syncopiert hatten, so geriethe man in Widerspruch 
mit gegn = *gagni. Ich sehe daher keinen ausweg, als dass 
nach der analogie von viSer : tövidre, niäer : niäre, üt : iUe, 
inn : inne, upp : uppe im ags. ymbe zu ymb neu gebildet sei. 



Die germanischen präpasitioxien und das auslautsgesetz. 39 

Das nordische hat durchstehend umb,tmi, welches überall laut- 
gesetzlich entwickelt ist, da comp, wie um-hvarf, timh-hverfis 
sich zu ahd. umpi-werf Ra. 167, 14 St.-S., umpi-hwerft Pa. 48, 
20 verhalten wie brüä-gumi, drött-megir zu ahd. brüti-^omo, 
truhti-gomo; vgl. gagn-. 

Für ahd. tm hinaus, welches bei Graff I, 532 fehlt, habe 
ich nur einen beleg Isid. p. 67, 5 H. Inan dhuo dJmnan uzsi 
dJiurah geilm arworpanan ni arsluoc got, oh wrehJmn chifnimida 
lizs fma paradises hliidhnissu, übrigens durchweg üz als präp., 
adv., comp, wie got. an. ags. as. fiL Zu bemerken ist, dass 
zwar ahd. üz- in comp, rein lautlich aus üzi entstanden sein 
kann üz-kaiic aus *üzi-kanc, vgl. tat-rahha, prüt-petti, prüU 
chanhara, cast-luami Gr. II, 420, dagegen ags. üt nur urgerm. üt, 
nicht urgerm. rUi- entsprechen kann, aus Hiti-gang wäre ^yt- 
gang geworden, nicht tltgang, es hat also wie bei on, ofer u. a. 
das selbständige wort die composita überwuchert. Von diesen 
die richtung »hinaus« bezeichnenden Worten zu trennen ist das 
den ruheort »draussen« bezeichnende ahd. üze K, 0. T. fg. th. 
= as. Ute, Uta, ags. ütCj an. üti, got. Uta. 

Ob ein ahd. inni in denkmälern, welche die unbetonten 
vocale noch zuverlässig scheiden, überhaupt sicher steht, ist 
mir zweifelhaft. Es könnte nur dem got. an. ags. inn ent- 
sprechen, dies bedeutet nur »hinein«. An seine stelle ist im 
hd. bekanntlich in, In getreten. Neben inn liegen got. inna, 
an. inni, ags. inne, as. inne, inna sämmtlich »darin« bedeutend, 
ihnen entspricht ahd. inne Otfr. inna Pa. 188, 30 St.-S., und 
was Graff I, 295 anführt, gehört begrifflich alles, formell bis 
auf zwei ausnahmen zu got. inna. Die ausnahmen sind inni 
des interea Vg. (X.-XI. jh.), Ep. can. 1. 3. 4 (X. jh.) und inni- 
herder Gc. 5 (VIII. jh.), welchen begrifflich entschieden inne = 
got. inna zukommt, vgl. inna-pureo intestinum Pa. gl. K. 192, 16 
St.-S., got. inna-huyids. Die belege sind sämmtlich bairisch, 
ich vermuthe daher, dass ihr i, falls es sicher steht, erst aus e 
entstanden ist wie zweifellos inni mir Otloh MSD. LXXXII, 5 
aus inne entstanden ist (vgl. die dative dlnemo dionosti z. 9. 18, 
cUtari 17, gibeti 50). 

Wie bair. inni = Otfr. inne, so ist das von Graff I, 169 
nur aus Gh. 3 (X. jh., bair.) belegte üffi = üfe Otfr. II, 1, 22, 
entspricht also dem got. iupa, an. ujypi, ags. uppe, as. uppe, 
uppa »oben«, nicht dem got. iup, an. upp, ags. upp, up, as. np 



40 J. Schmidt, 

»hinauf«. Von dem ursprünglich auslautenden vocale des letz- 
teren hat sich nirgend eine spur erhalten, auch als selbständiges 
adv. lautet es nur üf, z. b, Musp, 13. 

Von zwiegestaltigen präpositionen bekanntes Ursprungs ist 
nur eine, deren vollere form sich nicht in gleicher weise er- 
klären lässt, ahd. aha, anfränk. ava. Vergleichen wir ab, aha 
mit an, ana, so zeigt sich ein fast vollständiger gegensatz beider. 
Das anfränk. hat als präp. an, in comp, ana-, dagegen als 
präp. ava thi abs te ps. 72, 27, in comp, afgetal, afgrundi, 
aflät. Im as. haben die comp, anor, aber ausnahmslos af- : 
afgrundi, afgod Bed., gl. Prud., avunst Essener beichte, afgehan, 
afhehbian, afheldian, afstandan, afstoä, aftüian. Ganz dasselbe 
verhältniss bestand einst im ahd. In nominalcompositionen 
herrscht ah (Grimm gr. II, 708). Von den bei GraflF I, 72 
verzeichneten erscheinen nur mit oft: ahanst, ahunst, abläz, 
ahldzi, ahlid, ahkezzal, ahgot, ahcrunti, ahsneitach. aha findet sich 
nur in ahawartemo Sb. Bib. 1, ahawarte Sg. 70 (766, 39 St.-S.), 
indes ist die form ohne a belegt aus K. p. 125 H., gl. Mons., 
Boet., ahwertaz 0. und ist zu berücksichtigen, dass der stimm- 
ton des w bisweilen ein a entwickelt, z. b. hiscatawita T., 
zesawa T. 0., zawei gl. Teg. u. a. Grimm gr. P 146. 141, 
Weinhold al. s. 24, bair. s. 16. ahageiz bessert Graff IV, 287 
in ahageiz, -»ahamurus murus muro additus, contremur gl. Car- 
pentier.« Graff II, 841 ist durch seine latinisierte form un- 
brauchbar. So bleibt nur ahedrunniger Sg. 292 neben ahdrun- 
niger in derselben hs., deren glossen Graff in das IX. jh. setzt. 
Entweder ist die glosse von späterer band, da verbalcomp. im 
IX. jh. noch durchweg aha haben, oder das e ist ein zwischen 
h und d entwickelter irrationaler laut, nicht identisch mit dem 
a von aha. Auch die verbalcompositionen hatten einst wie im 
as, die einsilbige form, aber nur noch in geringen spuren er- 
halten: dbfuor Tat. 228, 4, ohlaz, ohlazem Sang, patern. MSD. 
LVII, 3, oblipun destituerunt gl. ,K. Ra. 112, 24 St.-S. {opali- 
pum Pa.), oh kidänemu abacta gl. K. Ra. 46, 32 St.-S. {oba 
kitanemu Pa., s. MSD. s. 458), ahzivirscuManne Gh. 3 (X. jh.), 
ahscinte Bib. 5 (XI.-XII. jh.). Das selbständige adv. lautet 
stets aba, und diese form ist schon in fast alle verbalcomp. 
gedrungen (Grimm gr. II, 894), in echter untrennbarer Zu- 
sammensetzung ist es selten: apakepan destitutus gl. Hrab. 
175, 24 St.-S., dhasnüine praecisi N. ps. 95, 13 (Lachmann 



Die germanischen präpositionen und das auslau isgeseiz. 41 

betonung, kl. sehr. I, 373), dagegen ala sl farsnitan amputetur 
K. p, 108 H. Als selbständige präp. findet sich das wort nach 
Grafif, sprachsch. I, 72, präpos. 213 f. nur einmal bei Isid. 
m%na mütnissa ni nitnu ih ab imu p. 83, 20 H., zweimal bei 
Williram hdbo daz stuppe dbe mir geftdzzet 78, 9 Seem., ab öbana 
121, 6, häufig bei Notker in den formen ab, aba, abe. Hier- 
nach ist zweifellos aba nicht mit Sievers und Paul beitr. VI, 
190 einfach = skr. dpa, äno, dno zu setzen, da in der nominal- 
composition, welche allein die vom auslautsgesetze verschonten 
formen bewahren konnte (got. anda- nominal, and- verbal), 
keine einzige germanische spräche die zweisilbige form hat. 
aha ist vielmehr eine alte Verschmelzung zweier bedeutungs- 
verwandter Präpositionen wie an-^n, unt-ajs, unzi = unt-zi. 
Das zweite element bildet die selbständig nicht mehr gebrauchte, 
aber in nominal-zusammensetzungen erhaltene präp. ä. Gleich- 
bedeutend liegen neben einander a-kezzal oblitus gl. K., ab- 
kezzal oblivione gl. K. 221, 23 St.-S. ; a-snita, a-sneitaha, ab- 
sneitach sarmentorum Bib. 4; ä-wertero absentium Ic, ab-wertaz 
0.; nominales ä- neben verbalem c^: a-scröta assumentum, 
äba-scrötan praecidere; a-werf abjectio, örwerfo abjice, apon 
farworfan^r excussus; d-scorunga lanugo, aborsceran rädere. 
Grimm gr. P, 91; ü, 705; 791 leitet dies a aus ar- oder as- 
und identificiert es mit dem as. ags. ä-, welches nur in verbal- 
zusammensetzungen erscheint, beides irrig. Gegen die herleitung 
von a aus ar bemerkt schon Graff I, 16 mit recht, dass ä nur 
in nominalzusammensetzungen steht, welche gar nicht ar, son- 
dern nur wr- gehabt haben könnten (I, 394), und hebt begriflfs- 
diflferenzen wie ateüo expers: wrteü Judicium, Ockösunga delira- 
mentum : urchösi elucidum hervor. Das as. ags. ö- vor verben 
ist allerdings aus *aje? = ahd. ar- entstanden (vgl. as. mlda, 
ags. fn€d, got. mizdö; as. linön, ags. Unan [? Grein sprachsch. 
unter linan], leomian)^ aber nicht dem ahd. d vor nomina 
gleich zu setzen. Denn wie im ahd. t^- nom., ar- verb., ä- 
nom. von einander geschieden sind, so scheidet das ags. or- 
nom., ä- verb., tß- nom., das as. or-, ur- nom., ä- verb. 
(nominalcomp. mit «- = ags. ce- sind nicht überliefert). Bei- 
spiele 1) ags. or-Zögr, Bis.or-lag, ähd.ur-lag; 2) ags. O-biddan, as. 
ä-biddian, ahd. ar-pittan, ags. a-belgan, ahd. ar-belgan; 3) ags. 
te-bylg = ahd. a-btdgi, ts-svic = ahd. a-steih scandalum. Die 
beschränkung von a- auf verba, cc- auf nomina ist in den ags. 



42 J. Schmidt, 

poetischen denkmälern streng inne gehalten, nur ganz vereinzelt 
überträgt sich das Or vom verbum auf nebenliegende abstracta : 
abylgnes, äbyligd, alysif^, dlysnes. Diese differenz von ags. ^c- 
= ahd. ä- und ags. ö- = ahd. ar- sichert als gemeinsam west- 
germ. a- (älter e) vor nomina und erweist, dass dies a- nicht 
aus (iT', der unbetonten form zu hochtonigem ur-, xiz- entstanden 
ist. Ursprünglich identisch mit ö- ist ahd. uo-, ags. ö-, eben- 
falls nur in Zusammensetzungen enthalten: CHnad neben mhd. 
üe-met nachmad, a-waJist, u<jrtvahst incremen tum Graff I, 687, 
ags. ö'Västm, ahd. lUhchalawEr recalvaster, ua-qhuefno posterus 
u. a. bei Grimm gr. II, 784, Graff I, 69. Das verhältniss von 
ö- ; tuh ist dasselbe wie von rawa : ruoiva, gitan : tuon; worauf 
dieser ablaut beruht, für welchen Mahlow s. 137 f. 140 f. 
material gesammelt hat, kann hier nicht untersucht werden. 
Ausserhalb des germanischen erscheint die präposition in lat. a, 
dessen herleitung aus ab (Corssen P, 153 ff., Curtius g. e.* 77) 
den lautgesetzen widerspricht, und in ved, ä, welches hinter 
dem ablativ die richtung »von — her« bezeichnet. Zwischen 
ahd. a-vicgi und dem es glossierenden lat. a-vium besteht dasselbe 
lautliche verhältniss wie zwischen ahd. släfan, plat, stast, plao, 
grao, mogo und lat. labi, flatus, stas, flavus, ravtis, dor. ^axtav. 
Kein einziger der am Schlüsse von präpositionen oder ad- 
verbien stehenden vocale nöthigt uns also zu der annähme, 
dass ursprünglich auslautende a, o, e, i in der germanischen 
Ursprache noch bewahrt seien. 

Die Vertretung der ursprünglich auslautenden 

oi und ai im gotischen. 

Noch einen satz des Westphalschen auslautsgesetzes , den 
manche jetzt für beseitigt halten, vertheidigen die präpositional- 
adverbia. Man überblicke die folgende Zusammenstellung: 

got. an. ags. as. ahd. 

inna inni inne inne {inna C. 3337) inne {inna Pa. 188, 30 

St.-S.) 

Uta üU Ute Ute {Uta M. 388. 553) üze 

iupa uppi uppe uppe {uppa 1605 M., üfe (üffa Rb.) 

2421 M., 4382 G.M.) 

nidri niäre nithareC.jnideraiiL^i21 nidare (oben s. 35.) 

vipra tö-viäere widare K. p. 77 H. 

anfr. unthere 



Die Vertretung der ursprünglich auslautenden oi u. ai im got 43 

Hier zeigt sich eine ganz regelmässige entsprecbung von 
got. -a, an. -i, welches keinen umlaut bewirkt, und westgerm. e, 
welches im as. und ahd. nach a hin schwankt. Bei dieser 
regelmässigkeit ist der gedanke, dass ein glied dieser reihen 
durch falsche analogie an seine stelle gekommen sei, von vorn- 
herein ausgeschlossen. Genau dasselbe verhältniss haben wir 
aber im dat. sg. der männlichen «-stamme: 

got. an. ags. as. ahd. 

mdfa tUfi vulfe wulte, -a wolfe, -a. 

Damit fallen die versuche in vulfa einen anderen casus als 
in lUfi u. s. w. zu suchen (Braune beitr. II, 161 f., Paul beitr. 
II, 339, Mahlow die langen vocale s. 100). Die genannten 
adverbia inna u. s. w. sind ruhelocative, also sind vulfa u. s. w, 
die Vertreter von skr. vfk^, griech. -oi. Dass ursprünglich aus- 
lautendes oi und ai nicht nur in dritter silbe, wie Braune will, 
sondern, wie Westphal lehrt, auch in zweiter zu got. a wird, 
hat Mahlow s. 98 durch die schlagend richtige erklärung von 
tva pusundja als dual. fem. = abulg. dv^ tysqSti gestützt. 
tva folgt hier der analogie der mehrsilbigen nomina gerade wie 
im ntr. pl. tva, welches zu blinda, nicht zu pö stimmt. Es 
gab noch einen beleg. 

Wie kommt die gotische 3. sg. med. dazu die 1. sg. zu 
vertreten, und wie kommt sie nebst der zweiten sg. zu dem 
vorletzten a : -ada, -aza gegen griech. -crai, ''B(a)at? Sievers 
beitr. VI, 563 meint, die 3. pl. Imitanda habe ihr a zunächst 
auf die 3. sg. übertragen. Glaubhaft ist das nicht, da im act. 
haitis, haiHp nicht den vocal von haitand übernommen haben. 
Die einzig mögliche lösung, welche die beiden eben aufgeworfenen 
fragen beantwortet und zugleich den Schlüssel für die geltung 
der formen auf -anda als 1. und 2. pl. giebt, scheint mir die 
zu sein, dass die 1. sg. med. einmal *haita gelautet hat. Sievers 
a. a. 0. hat richtig erkannt, was ich schon vorher in meinen 
Vorlesungen ausgesprochen habe, dass axi, heUi eine 1. sg. med. 
wie skr. hhärS ist. Wie an, tUfi = got. vulfa, inni = inna u. s. w., 
so entsprach im gotischen *haita. Dies fiel mit der 1. sg. act. 
haita zusammen. Um beide zu scheiden, fügte man der 1. sg. 
med. das da der dritten an und gewann damit zunächst 1. -^ida, 
3. *ida, welche sich dann ganz zu ada ausglichen und das a 
auf die 2. sg. übertragen. Also drei entwickelungsstufen ; 



44 •)• Schmidt, 

*haita^ daraus haitada, endlich haituda 
*haüim *haüiea haitaza 

*haUida *haitida luiitada 

Das ags. hatte 1. 3. sg. ist genau wie das gotische haiiada 
zu erklären, auch hier fiel die alte 1. sg. med. in der form 
^hate mit der 1. sg. act. zusammen und ward von ihr wie im 
gotischen geschieden. Auf das einmalige haette 1. sg. wage ich 
ebenso wenig wie Sievers zu bauen. 

Als alte pluralflexion werden wir nach den arischen formen 
ansetzen dürfen got. Viaitamida, *haitidva, haitanda. Als im 
sg. die 1. pers. der dritten gleich geworden war, trat auch im 
plur. die 3. pers. an stelle der ersten und erdrückte dann weiter 
noch die zweite, was bei dem ihnen gemeinsamen d leichter 
war als im act. Nach der Brauneschen fassung des auslauts- 
gesetzes hätte dem an. heiti ein gotisches *haHai zu entsprechen. 
Man begreift nicht, wie dies durch haitada verdrängt werden 
konnte. 

Der einzige fall, in welchem urspr. oi mit kurzem o und i, 
hinter welchem kein consonant steht oder stand, in mehr als 
einsilbigen gotischen worten diphthongisch bewahrt zu sein 
scheint, ist der nom. pl. m. der unbestimmten adjectiva: blindai. 
Der schein erweist sich aber leicht als trügerisch. Im gotischen 
haben pai und blindai gleiche endung, dagegen im ags. foa 
und blinde und im an. *pei und *blindi, aus welchen durch 
Übertragung des r der nomina peir und blindir entstanden, 
verschiedene. Wie den ags. vulfe, an, ülfi gotisches vü^a, 
nicht *vulfai entspricht, so kann den ags. blinde, an. bUndi(r) 
nur got. *blinda, nicht blindai entsprochen haben. Dies fiel 
mit dem neutr. pl. zusammen und erhielt zur Scheidung von 
demselben wieder die volle endung von pai. Im ags. und 
anord. aber fielen ursp. -oi und -ä nicht lautgesetzlich zusam- 
men: ags. m. blinde, ntr. blind, hvcUu, an. m, bli^ndifr), ntr. 
blind, hvöt, daher blieben die adj, masc. blinde, blindir in ur- 
sprünglicher weise von den einsilbigen pronomina pa, peir 
geschieden. Wie im gotischen hat vielleicht auch im ahd. eine 
rückwirkung der einsilbigen pronominalform auf die mehr- 
silbigen adjectiva stattgefunden. Falls nämlich auf das zwei- 
malige andree der Benedictinerregel p. 60. 61 H. etwas zu 
geben ist (s. Braune beitr. 11, 139), kann dies an stelle des 



Die Vertretung der ursprünglich auslautenden o» u. ai im got. 45 

lautgesetzlichen andre nur durch einwirkung von de = got. pai 
gekommen sein. 

Also oi und ai im ursprünglichen wortauslaute sind, wie 
Westphal lehrte, überall zu got. a geworden. Die Vertretung 
dieser diphthonge in consonantisch schliessenden silben sowie 
die behandlung der diphthonge von drei moren zu untersuchen 
ist hier nicht der ort. 

Berlin, Ostern 1880. 

Johannes Schmidt. 



Vedische Studien. 

I. Von Pada und Samhitä. 

Nach Vollendung seines Wörterbuchs zum Rigveda schrieb 
mir Grassmann in den ersten tagen des jahrs 1873, dass Qin 
gelehrter freund sich tadelnd — und seiner sache sehr gewiss — 
gegen ihn ausgesprochen habe, weil er nicht überall genau 
an die Zerlegungen des Padapätha sich gehalten hätte. 
>Wenn nichts anderes«, sagt Grassmann darüber, »als dies 
an meinem Wörterbuch zu tadeln wäre, so könnte ich sehr 
beruhigt sein. Seine schwäche liegt an einem ganz andern 
fleck, nämlich dem mangel einer scharfen auffassung des Sinnes 
der einzelnen stellen, wie sehr ich mich auch abgemüht habe 
denselben zu treffen.« Und derselbe seufzer klingt ja drei jähre 
später auch durch die vorrede zu seiner Übersetzung. 

Was Grassmann die scharfe auffassung des sinnes 
nennt ist nichts anderes als die richtige erklärung gegenüber 
den hundert halbrichtigen und unrichtigen erklärungen alten 
und neuen datums, bei welchen man sich so oft beruhigt, der 
eine, weil sie ihm gut genug sind, der andere, weil er im 
augenblick nichts besseres zu finden vermag, jener ohne ernst- 
lichen widerstand, dieser gezwungen. Wie aber jeder ernst- 
hafte autor dafür angesehen werden muss in seine worte einen 
vernünftigen und für andere, mindestens für seine zuhörer, ver- 
standlichen sinn gelegt zu haben, so auch die Rishi des Veda 



46 R* Roth, 

Sinnloses oder absurdes dürfen wir nicht voraussetzen. Liefern 
unsere Übersetzungen das eine oder andere — und wie oft 
thun sie das! — so ist das ihre schuld und müssen andere 
erklärungen versucht werden. Nur zweierlei falle giebt es, wo 
das nicht zu ändern ist: wenn entweder der lext unheilbar 
verdorben ist, wir also die worte des autors gar nicht kennen, 
oder wo dieser selbst seine gedanken in das künstliche dunkel 
bildlicher rede hüllt. In welchem fall seine zeit- und bildungs- 
genossen eher noch einen Schimmer von verständniss mögen 
gehabt haben als wir, falls es uns nicht gelingt irgendwo finger- 
zeige aufzufinden, die auf die spur leiten. 

Diese beiden falle sind aber in den texten lange nicht so 
häufig, als die unverständlichen stellen in den Übersetzungen 
sind. Eine solche erapfindung hat Grassmann auch von seiner 
arbeit gehabt, welche übrigens wie jede Übersetzung des ganzen 
Veda als eine muthige that anzuerkennen und deren streben 
nach klarheif und, wo es anging, geschmackvoller form noch 
besonderen lobes werth ist. Und diesem eindruck gegenüber 
erschien ihm die ausstcllung eines vergebens gegen den Pada 
so unbedeutend, dass er die berechtigung derselben ganz dahin 
gestellt sein lässt. Indessen hängen beide mängel, der wirk- 
liche und dieser vermeintliche an vielen punkten zusammen. 

Die frage des Padapätha, an welcher ich im folgenden 
eine seile zu beleuchten suche, die frage, ob die im Pada auf- 
gestellte wortform für unsere auffassung des textes bindend sei 
oder nicht, ist für die exegese sehr wichtig. Denn oft liegt 
das einzige mittel zu einem sinn des textes zu gelangen für 
den erklärer darin, dass er anders analysiert als der Pada« 
Soll ihm dieser weg verschlossen sein, weil der Verfasser des 
Pada ihn verbietet? Grassmann ist es wie manchen andern 
vor ihm und mit ihm ergangen, dass er im verlauf seiner 
arbeit erst deutlich sah, der kanonische werth jenes Pätha sei 
nur ein exegetisches dogma. Er hat sich davon frei zu machen 
gesucht, aber lange nicht genug. Hat er dabei im einzelnen 
geirrt, so ist das sein fehler, nicht der des prinzips. 

Obgleich Bo Mensen durch seine scharfeinnige ausführung 
in Orient und Occident II. 1864 s. 457 flF. jenes dogma erschüt- 
tert hatte, so blieb und bleibt noch die an Wendung der ge- 
wonnenen einsieht auf gegebene falle schwierig und hat noch 
nicht alle fruchte gebracht, welche sie bringen muss. Aber 



Vedische Studien. 47 

unser verständniss der texte ist wesentlich gewachsen, und ich 
glaube sagen zu können, dass zahlreiche missgriflfe unserem 
Wörterbuch erspart geblieben wären, wenn ich den Charakter 
des Padapätha vor dreissig jähren ebenso beurtheilt hätte wie 
heute. Dass unsere ansieht sich in dieser weise geändert hat, 
ist nicht zu verwundern. Eher haben wir uns vorzuwerfen, so 
spät klug geworden zu sein. Was ist denn der Pada anders 
als eine erklärung, und welchen grund haben wir, derselben 
eine fehler losigkeit zuzuschreiben, die wir an keinem anderen 
ähnlichen literaturwerk durch erfahrung kennen? Man kann 
sagen, dass die zum glück verklungene Streitfrage über die be- 
rechtigung der anspräche der kommentatoren sich hier in 
zweiter instanz wiederhole. Denn die Pada -gelehrten sind 
auch nichts anderes als erklärer eines nicht von ihnen ver- 
fassten, nicht einmal von ihnen redigierten textes. Stehen sie 
diesem text der zeit nach, ohne zweifei auch dem verständniss 
nach, viel näher als die kommentatoren, so sind sie doch noch 
immer durch eine ungeheure kluft von den Verfassern der texte 
getrennt und es lag ihnen so wenig als den gelehrten Brah- 
manen des mittelalters eine authentische Interpretation vor, son- 
dern sie mussten das verständniss suchen wie Säyana und die 
seinigen. 

Die entscheidung des prozesses wird also in dieser instanz 
nicht anders ausfallen können als in der ersten. Auch diese 
erklärung kann nicht das verständniss selbst sein, sondern nur 
ein hilfsmittel für das verständniss des textes; allerdings, wie 
man zugeben muss, ein in der regel zuverlässiges hilfsmittel, 
das da und dort eine kenntniss der spräche verräth, welche die 
späteren schwerlich ebenso besassen. 

Was mit diesem lob gemeint ist, dürfte sich beispielsweise 
an der stelle Rv. 3, 57, 3 deutlich machen lassen : yä' jämdyo 
vfshna ichänti ^Jctim, Der vers enthält eine jener allegorien, 
welche als die eigentliche plage der Vedenerklärer bezeichnet 
werden können und das ebensogut vor Jahrtausenden gewesen 
sind wie heute. Sie haben häufig die eigenschaften eines 
schlechten räthsels, dessen Verfasser sich etwas darauf zu gute 
thut, dass niemand es zu lösen weiss. Alltägliche Vorgänge in 
der natur oder beim opfer, die mit dem wahren namen genannt 
geringfügig erscheinen, werden als heilige dinge in gesuchte, 
dazu unvollkommene und verschwimmende bild^ gekleidet, 



48 H. Roth, 

welche die einbildungskraft des hörers reizen und ihn tiefe 
gedanken des priesterlichen dichters ahnen lassen. Sie sind 
nicht dichterischer mythus, sondern spielende kunst des dichters. 

Der vers, auf dessen ersten Päda ich mich einschränke, 
um nicht zu weit abzukommen, hat nach meiner ansieht Agni 
zum gegenständ, wie auch aus v. 4 erhellt, nicht Indra oder 
die sonne, wie Säyana meint. Nun \vürde in den ausgehobenen 
Worten jeder leser, der die wähl hätte, gewiss in vrshna, das 
nur von foÄWm abhängen kann, einen genitiv suchen. Grass- 
mann übersetzt geradezu: die des stieres kraft suchen. Der 
Pada liest aber vrshne, nicht vrshndh. Und wenn wir weiter 
wissen, dass \on ich nicht wohl ein dativ abhängen kann als 
etwa fanve = atmane oder ein ähnlicher, weil es bedeutet: 
für sich haben wollen, nicht aber einem andern oder für einen 
andern wünschen — weshalb des kommentators und Lud\vigs 
auffassung nicht zulässig ist — so fragen wir uns, ob denn der 
Verfasser des Pada den dativ von gaktim abhängig gedacht habe. 

Und allerdings hat er uns damit auf den rechten weg ge- 
wiesen. Wenn es in ^Br. 14, 5, 4, 7 heisst: nd gdbdäü chak- 
nuydd grahanaya er vermag nicht die töne zu greifen, oder 
wenn in TS. 1, 1, 4, 1 die opfersprüche lauten: karmane vom \ 
devebhyah gakeyam \ vesMya tvd \ möge ich auf die götler etwas 
vermögen, so schliessen wir, auch das nomen gdkti werde das 
Objekt, auf welches das bewältigende vermögen ausgeübt wird, 
im dativ bei sich haben können. Und zum glück findet sich 
eine stelle, die das bestätigt, in VS. 11, 2 svargyaya gdkiyä, 
mit der vollmacht über das was zum himmel führt ^). 

Jetzt fügen sich die angeführten worte des Rv. ohne 
Schwierigkeit so, dass wir verstehen: während die verschwister- 
ten (finger, die bände) macht über den vrshan zu bekommen, 
ihn in ihre gewalt zu bringen, nämlich das feuer zu erzeugen 
suchen, merken oder entdecken sie den keim d. i. den ersten 
glimmenden funken. Der grosse oder gewaltige (vrshan) ist 
Agni, von einem stier ist keine rede. Und der Vorgang ist die 
reibung der hölzer, um Agni auf die feuerstelle bringen zu 
können. Im folgenden vers ist schon von emporschlagenden 
flammen die rede. 



*) Die v. 1. der TS. 4, 1, 1, 1 suvargeyäya gaktyai enthält eine ver- 
fehlte Zerlegung. 



Vedische Studien. 49 

Fälle wie dieser enthalten ein so günstiges zeugniss für die 
Wissenschaft des Padamachers, dass wir nicht zaudern sollten, 
uns dieser kundigen führung zu überlassen. Aber wie kommt 
es, dass derselbe erklärer daneben proben fast unbegreiflicher 
kurzsichtigkeit gibt imd damit unsere gute meinung wieder 
zerstört ? Wie konnte er z. b. Rv. 5, 12, 6 sah \ päti setzen, 
während ihm v. 2 desselben lieds das richtige sapäti in 
der gleichen Verbindung zeigt? wie mochte er 4, 17, 2 dycm- 
rejat in dyavi} \ rejcxt statt in dyauh \ ejat theilen? während rej 
nur medial so gebraucht wird und ein hhüniir ejati aus 5, 59, 2 
einem Vedawisser dieses schlags im gedächtniss sein musste. 
Wie konnte es ihm entgehen, dass 3, 30, 5 avado nicht durch 
avadah, sondern nach seiner art zu schreiben durch ava | dcJi 
wiederzugeben war? War es nicht noth wendig, das Qukra in 
2, 34, 2 durch gukraJi, nicht aber durch guJcre zu erklären? 

In dieser weise Hesse sich eine reiche Sammlung machen. 
Es sind ja auch von den verschiedensten selten schon solche 
klagen gegen ihn erhoben worden, namentlich aus anlass der 
zahlreichen verfehlt scheinenden auflösungen von kontraktionen 
und elisionen, durch welche er allerdings am meisten Ver- 
wirrung in unserer exegese angerichtet hat. Es ist aber billig 
sogleich zu bekennen, dass hinsichtlich der letzteren falle eine 
vorsichtigere betrachtung uns hätte abhalten sollen, seine auf- 
lösungen für baare münze zu nehmen, während sie allem an- 
schein nach nur eine grammatische Aktion sind, wie ich weiter 
hin zeigen werde. Und in betreff der übrigen missgriffe wird 
die Prüfung ergeben, dass sie meist nicht ihm, dem gelehrten 
grammatiker — nennen wir ihn nach Durga's angäbe Qäkalya — 
sondern seiner vorläge, dem text, also den Sammlern und be- 
arbeitern des Veda zur last fallen, während ihm die berichtigung 
selbst greifbarer fehler durch die ehrfurcht vor dem buch- 
staben verboten war. 

^äkalya kann z. b. die soeben zu 3, 30, 5 gemachte aus- 
stellung mit grund von sich abweisen: der text hätte müssen 
dvado betonen, wenn die theilung dva \ ddh \ von dar erlaubt 
sein sollte. Zu dieser änderung habe ihm kein recht zugestanden, 
also müsse, obschon unverständlich, avadah stehen bleiben. 
Desgleichen bei vielen uns anstössigen auflösungen des un- 
regelmässigen sandhi. Wenn er 10, 68, 4 das udniva 
in udnä' iva auflöst, während nur udndh iva grammatisch 

Zeitschrift für yergl. Sprachf. N. F. VI. 1. 4 



50 R. Roth* 

richtig ist, so darf er den tadler auf 8, 19, 14 verweisen, wo 
die Samhitä selbst udnd iva schreibt, wenn gleich die metrische 
ausspräche hier wie dort udneva an die band gab. ^Akalya 
kann also entgegnen, die Samhita selbst habe einen unterschied 
gemacht, sie hatte auch 10, 68, 4 udm iva schreiben müsseni 
um ihn zu der verlangten auflösung zu berechtigen. 

Der Verfasser des Pada fasst also seine aufgäbe in einem 
beschränkteren sinn und weit mechanischer auf, als wir anzn- 
nehmen geneigt waren. Er hält sich keineswegs für verpflichtet 
alle durch Wirkung der lautlichen Vorgänge der kontraktion, 
elision u. s. w. entstandenen alterationen vollständig auCsulösen, 
d. h. die organischen formen an der band der gangbaren gram- 
matik herzustellen, sondern er bleibt in allen fallen, die über 
seine nächste lautregel hinausgehen, auf halbem 
weg stehen, bei der mechanischen Zerlegung des 
durch mischung irgend einer art entstandenen vokals, der in 
der Samhitä vorliegt. 

So ist für den Pada z. b. vigv& immer vigvä \ ü, obgleich 
es folgende granmaalische werthe haben kann: 

1. der regel nach vigvd \ it; 

2. vigväJ} \it 1,92,3. 2,13,19; 

3. vigvdn \ it 8, 19, 14; 

4. vi^e I U 10, 20, 8. 

Ebenso würde aber auch aufgelöst, wenn es stände für 

5. vigväh \ it vgl. vrshabheva 6, 46, 4; apaseva 67, 3; 

6. vigvam | it vgl. cand/reva 3, 61, 7; dvareva 8, 5, 21 (auch 
im AV. 7, 78, 2; 18, 3, 4 drdmnehä); 

7. vigväm | it vgl. kevcUendrah 4, 25, 6. 

Für die fälle 2 bis 7 Hessen sich ohne mühe die gegen- 
beispiele geben, d. h. es Hesse sich nachweisen, dass in der 
Samhitä nach den regeln des sandhi geschrieben wird auch 
da, wo nur jene unregelmässige behandlung richtig ist, 
nämlich das metrisch gesprochene wort wiedergiebt ^). Sechs 
dieser falle sind also nur zerlegt, nicht grammatisch erklärt. 
Und durchaus ähnlich verfahrt der Pada bei analogen Ver- 
schmelzungen anderer vocale, welche hier nicht aufgezählt 
werden soUen. 

Es mögen davon nur zwei beispiele ausgehoben werden, 



1) A. Kuhn beitr. 4, 199. 



Vedische Studien. 51 

um zugleich zu zeigen, wie die erklärer, die einen gram ma- 
lischen Pada voraussetzen, fehlgreifen mussten. In der alle- 
gorischen stelle 1, 164, 7 lassen, mit Säyana, M. Hang und 
Ludwig ohne bedenken die kühe »mit dem fusse« wasser trinken, 
indem sie, nach dem Pada, paMpuh in paM \ apuh auflösen. 
Das ist doch zu stark selbst für einen vedischen allegoriker. 
Die abgeschmacktheit hebt sich aber einfach, wenn wir paddh \ 
apuh grammatisch zerlegen und padah zu dem vorangehenden 
glrshndh in gegensatz stellen so viel als von oben — von unten. 
Vielleicht ist das aber dem liebhaber des erhabenen imver- 
ständlichen zu einfach und klar. Und mit dem gleichen kunst- 
stück gewinnen wir dem vers 1, 51, 11 statt eines ungeschickten 
ausdrucks, wonach Indra »die raschen, raschasten rosse« be- 
steige (Benfey und Grassmann) oder die »weit herumschweifen- 
den« (Ludwig) einen befriedigenden und lexikalisch allein rich- 
tigen sinn ab, wenn wir vankütaa-adhi grammatisch nicht in 
^tara \ adhi, sondern in HaraJ} \ adhi zerlegen, wie vorhin 
jpaddpuh, und übersetzen : wenn Indra (sammt seinem gespann) 
sich am Soma gütlich gethan, so besteigt er die taumelnden 
rosse, selbst noch taumelnder. Desgleichen ist gviyadM 5, 61, 12 
als Qriydh \ ddhi zu verstehen. 

Wir werden uns also daran gewöhnen müssen den Pada 
darauf anzusehen, ob er uns eine wirkliche grammatische 
lösung, oder nur einen nothbehelf, eine mechanische vocal- 
zerlegung giebt. Es ist leicht sich durch probe zu überzeugen, 
dass durch systematische anwendung dieser erkenntniss hundert 
kleine und grosse steine des anstosses sich wegräumen lassen. 

Im besonderen soll bei diesem kapitel die behandlung des 
wörtchens iva erwähnt werden, weil Bollensen Orient und Occi- 
dent 2, 470, um anstösse dieser art zu beseitigen, auf den 
gedanken gekommen ist neben iva ein verstümmeltes va anzu- 
nehmen. A. Kuhn in den beitragen 4, 198 und Grassmann im 
Wörterbuch sind ihm darin allzu rasch gefolgt. Wer die bei- 
spiele durchgeht, welche bei diesem für ein das metrum 
störendes iva gesammelt sind, wird finden, dass sie sämmtlich 
durch eine der obigen formen von krasis einzurichten sind, 
dass also die Verfasser der Samhitä — die Überarbeiter — 
in diesen fällen grammatisch richtig anstatt metrisch richtig 
geschrieben, also gethan haben, was eigentlich nicht ihre sache, 
sondern die eines erklärers, etwa auch eines Padamachers, 

4* 



52 R. Roth, 

gewesen wäre, wenn dieser seine aufgäbe etwas weniger skla- 
visch hätte auffassen wollen. Es ist also nicht blos überflüssig, 
sondern es ist unzulässig für iva eine besondere regel zu sta- 
tuieren. Denn es wirkt ebenso und ist ebenso behandelt wie 
das obige it oder jedes andere mit i anlautende wort und hat 
die ihm zugedachte capitis deminutio nicht verdient. 

Hiemach ist der Padapätha an zahlreichen mangeln un- 
schuldig, die ihm von der Samhitä aufgedrängt sind. Deren 
fehler und insbesondere ihre inkonsequenz in der behandlung 
des Sandhi spiegeln sich im Pada wieder. Der hauptvorwurf, 
den wir ihm zu machen haben, seine blinde Unterwerfung 
unter den buchstaben, wäre in ^äkalya's obren ein lob. Wir 
fordern von ihm was er nicht erfüllen konnte und wollte. 
Aber eben deshalb ist er nichts weniger als ein unfehlbarer 
rathgeber des exegeten und darf nicht als zeuge gegen eine sonst 
tadellose herstellung oder erklärung des textes aufgeführt werden. 

Es steht uns aber frei den mann für besser zu halten als 
sein werk und anzunehmen, dass er als grammatiker fehler 
erkannte, die er als exeget eines unantastbaren textes nicht 
abschaffen durfte. 

Aus all diesem sehen wir, dass für unsere exegese nur 
der text selbst, auf welchen wir immer wieder zurückgewiesen 
werden, das objekt ist, mit welchem sie sich zurechtzufinden 
hat. Aber auch dieser text, die Samhitä, ist noch immer nicht 
das letzte ziel, das wir suchen. Denn er ist nur und nennt 
sich ja eine Sammlung von erzeugnissen der verschiedensten 
Verfasser, nicht von diesen, sondern von anderen, weit späteren 
personen, die wir nicht kennen, so zusammengestellt und so 
verzeichnet. Wir aber möchten gern wissen, nicht was die 
Sammler etwa für worte der Verfasser gehalten haben, sondern 
was wirklich die worte der Verfasser gewesen sind oder sein 
könnten. 

Unsere Untersuchung der Samhitä muss drei fragen zu 
beantworten suchen. Die nächste ist die Vorfrage, ob der text, 
den wir in bänden haben, in allen theilen der von den Samm- 
lern festgestellte sei. Könnte dieselbe bejaht werden, so erhebt 
sich die zweite frage, ob die sammler das wort ihrer gewährs- 
männer treu wiedergeben, und endlich die dritte, ob jene ge- 
währsmänner das mittheilten und mittheilen konnten, was die 
Verfasser gesprochen hatten. 



Vedische Studien. 53 

Es ist aber kaum möglich auch nur die fragen genau zu 
stellen, ohne dass man sich für eine von zwei dabei möglichen 
Voraussetzungen entschieden hat: fär oder gegen die a n Wen- 
dung der schrift. Im ersten fall ist der Vorgang des sam- 
melns eine uns bekannte und verständliche sache, im zweiten 
dagegen ein in unserer erfahrung nicht vorkommendes ver- 
fahren: das zusammenlernen eines auch für das stärkste ge- 
dächtniss gewaltigen Stoffes, um zunächst in einer person zu 
vereinigen, was bis dahin in mehreren zerstreut war, dann zu 
ordnen und zu sichten — alles nur durch innere Vorgänge — 
und endlich durch mündliche lehre weiterzugeben. Wiss- 
begierige müssen wieder durch ein Studium von jähren er- 
werben, was jener allein besass, und da auch das treueste 
gedächtniss nicht unfehlbar ist, hätte der besitz durch wieder- 
holte durchsieht, also durch abhörproben der wissenden unter 
sich von zeit zu zeit erneuert und gereinigt werden müssen, 
bis endlich eine spätere zeit in den besitz der schrift kommt, 
oder auch, wenn diese kunst früher vorhanden nur nicht ange- 
wandt war, man sich entschliesst den schätz des gedächtnisses 
in buchstaben niederzulegen. 

Mir scheint, ohne dass ich auf die frage nach alter und 
gebrauch der schrift in Indien in diesem Zusammenhang ein- 
gehen könnte, dass schon die verständige erwägung des mög- 
lichen und unmöglichen uns zur Überzeugung führen muss, die 
Sammlung könne nur eine wirkliche aufzeichnung gewesen sein ^). 

*) Eine Übersicht der ansichten bei A. Weber Indische Literatur- 
geschichte 24. Der scheinbarste einwand gegen eine schriftliche behand- 
lung des Veda ist davon hergenommen, dass alle ausdrücke, die sich auf 
das Studium desselben beziehen, nur auf sprechen oder hersagen lauten. 
Ganz ebenso müssten die schulausdrücke der Druiden gelautet haben, auf 
deren analoge methode man mit recht hinweist, wShrend die schrift sonst 
bei ihnen gebräuchlich ist. Nur der Unterricht ist mündlich, hier wie 
dort. Ob nicht auch in Gallien der lehrer zu seiner eigenen Sicherheit 
geschriebenes gehabt habe, das konnte Cäsar nicht wissen. Uebrigens 
giebt es ausser den schulen der Druiden noch ein zweites wie mir scheint 
wenig bekanntes beispiel umfassender mündlicher Überlieferung, mit welchem 
uns J. A. Moerenhout, ein intelligenter kaufmann, der viele jähre auf 
den inseln der Südsee lebte, bekannt macht, in seinen Voyages aux lies 
du grand Oc^an Paris 1837, I, 506, nämlich die recitationen der Harepo, 
der träger der religiösen Überlieferung auf den gesellschaftsinseln: Rien de 
plus ^tonnant, que la memoire de ces hommes, r^citant mot pour mot des 
nuits enti^es ces antiques toaditions, dont la traduction pour ce qui en 



54 R. Boih. 

(}d:iz anders iirlheill einer Jor ?r'":r:d:icl*iten kennen des 
V^iia. Benfoy. von dessen Veiiir/ranirüa-ii wir über viele In 
die:?er be<^»i"eoliung nur berührte fragen voil^tlndige lösung ei-^ 
•vart^?!. In einer besonderen d^üi Sdiiihiiätext gewidmeten 
abhard ui-;: im 19. band der Abb. d. k. Gt:=. d. WW. zu Göl- 
tini?»en IS74. wo übrigens mehr von tbrtptlar.zuiig der »dias- 
ieuase-c. also der einmal horgeric bieten Sammlung als Ton ihr 
selbst «ind ihrer entslehung die rede ist. nimmt Benfey an, 
diese Tind «lie anderen Sammlungen, die ich beiseite lasse, seien 
>n\.\:b lar.ge zeit< nach ihrer ersten Vereinigung »einzig aus den) 
•j;h»Jd*:hKrAss vorgetragen und sicherlich erst verhältnissmässig 
spät -rchrirtiich fixiert worden«. Ja er gelangt im verlauf seiner 
bew*iisfiihrung sogar zu der übei*zeugung. dass die indische arl 
der mündlichen Überlieferung bedeutend sicherer gewesen 
äön durfte als eine schriftliche. Diese wohl manchem paradox 
klingende Zuversicht gründet sich namentlich auf die verschie- 
denen Pätha. die sogenannten Kramalesungen u. dergl., über 
welche, wie ich bekennen muss, meine ansieht vielmehr dahm 
geht, dass sie als ein um einen geschriebenen text errichteter 
zäun beirreir'lich sind, als stützen eines ungetreuen gedächtnisses 
sich aber kaum denken lassen. Sie waren nicht bloss die ent- 
setziiehste plai^re für jeden Scholaren, sogar für jene ausdauernden 
beritsmässigen nichtsthuer. sondern es ist auch anzunehmen, 
dass. wer die Samhitä nicht mehr wusste, um so gewisser den 
Krama als das schwierigere, weil sinnlose, vergessen hatte. 
Jeder remitierende wilrde überhaupt den Krama nicht sowohl 
auswendig gelernt als vielmehr an der band seiner Samhitä in 
jedem augenblick sich zurecht gemacht haben. 

Es ist oben von einem summier ges^^rochen worden nur 
in rücksicht auf die bypothese des einlernens. Denn nur dann 
ist ja diese art von Sammlung wirklich, wenn das ganze in 
einem iiedachtniss beisammen liegt. Andernfalls hätte man 
ebensogut die kenner einzelner theile, z. b. je eines der zehn 
bücher des RJgveda. neben einamler stellen, diese decemTim 



r^ste car ^lle» s<:iit Aniounihji !a plv.s j\irl iiicompletes et tronquees) 
•lemunderait ui -ravail a<!^i<iM Je plusieiirs aniiees. Vnd zwar musste. wie 
beim iniHsciieii ritiial. 'i\n reci'jtioii ^nz genau ^in: sonst wurde die 
^axize •»ninonie ab^brocben. Der berichter»tatter meint, dass diejenigen, 
weiche an entslehung un>i tortpdauzuu^ der homerisvheu gedichte ohne 
■«chrift nicht glauben wollen. ?ich viert belehren k<^nnten. 



Vediflchö Studien. 55 

als Samhitä ansehen und tu ihnen der reihe nach wissbegierige 
Brahmanen in die schule schicken können. Benfey spricht abcsr 
in der regel von einer mehrzahl von »diaskeuasten«, muss also, 
wenn diese kein Schreibzeug haben, entweder an ein solches 
kollegium denken, dessen tnitglieder nur theile der Samhitä 
sind, oder annehmen, dass diese mehrzahl von personen zu 
den quellen der Überlieferung umherreiste oder auch die ge- 
eigneten männer zu sich berief, gemeinsam memorierte und 
sich über zweifelhafte dinge, an denen es nicht fehlen konnte, 
schlüssig machte. Was ja am ende des geschäfts wenigstens 
den vortheil gehabt hätte, dass sofort mehrere exemplare der 
Samhitä vorhanden waren. 

Man wird aber nicht blos ein solches verfahren höchst 
unwahrscheinlich finden, sondern auch schon daran anstoss 
nehmen, dass überhaupt jemand auf den gedanken gekommen 
sein soll eine Sammlung für andere — sie sollte ja den 
wichtigsten zwecken der religiösen gemeinde dienen — nur in 
seinem gedächtniss zu machen. 

Hieran schliessen sich die folgenden erwägungen. 

Man begreift wie ein erzählendes gedieht, selbst bedeutenden 
umfangs wie etwa die homerischen, sei es aus dem munde 
eines, sei es mehrerer Verfasser oder bearbeiter einzelner theile 
in ein fremdes gedächtniss aufgenommen, vielleicht in dem- 
selben zum ersten mal vereinigt werden konnte, und man ver- 
steht, dass ein solcher besitz zu bestimmten zwecken gesucht 
sein mochte. Jenes war thunlich, weil ein verknüpfender faden 
durchläuft, der die theile zummenhält, die handlung; dieses war 
natürlich, weil ein solcher besitz den persönlichen zwecken des 
rhapsoden, barden, oder wie wir sonst bei verschiedenen 
Völkern diese sammler nennen, dienen sollte. 

Wie ganz anders die Samhitä des Rigveda ! Tausend lieder 
durch kein band aneinander geheftet, nicht sachlich zusammen- 
gestellt, wie sie etwa in A. Ludwigs anordnung erscheinen, also 
nicht etwa für die praxis des priesters bequem, sonderniin ganz 
eigenthümlicher Ordnung nach ihrem wirklichen oder vermeinten 
Ursprung in mehrere gruppen gebracht, diese wiederum sachlich 
geordnet, mit einem wort eine gelehrt zu nennende anordnung — 
wie soll diese memoriter gemacht sein ! Hat etwa der satnmler, 
nachdem er die einzelnen lieder sich eingeprägt — und ohne 
zweifei doch auch in bestimmter folge, wenn er sie behalten 



56 H. Roth, 

wollte — sie hintennach in seinem gedächlniss hin und her 
geschoben und an eine andere stelle gebracht wie kartenblätter ? 

Und zu welchem zweck ist die Sammlung wirklich gemacht? 
Es lässt sich darauf leichter negativ als positiv antworten: 
weder für das bedürfniss des einzelnen, noch auch nur für den 
ritus. Eine Sammlung, die wie diese den ganzen schätz über- 
lieferter lieder, auch solche, die in keiner art für den gottes- 
dienst verwendet werden, in sich begreifen sollte, dient nicht 
dem bedürfniss des am altar handelnden, singenden oder 
sprechenden priesters, noch viel weniger eines seine häuslichen 
cerimonien besorgenden familienhaupts, sondern einem all- 
gemeineren und idealeren zweck. 

Wir können uns vorstellen, dass zu einer gegebenen zeit, 
nehmen wir an etwa im 7. jahrhimdert, nachdenkende brah- 
manen, einer oder mehrere, selbst besitzer heiliger traditionen 
und des engen Zusammenhangs der Weisheit und des gottes- 
dienstes ihrer zeit mit jener tradition sich bewusst, für gut ge- 
funden haben alles was acht schien zu sammeln und zu ordnen, 
um es nicht blos vor weiterem verlust und verderbniss zu 
sichern, sondern auch dem Studium zugänglich zu machen. 
Einem solchen plan entspräche die Sammlung, die uns vorliegt. 
Den plan selbst aber wird niemand entwerfen, der das mittel 
zu seiner ausführung nicht hat, die schrifl. Ja noch mehr: 
niemand, dem nicht ähnliche anfange vorliegen, die ihn dazu 
einladen und anleiten, kleinere Sammlungen derselben art, eben- 
falls geschrieben. Diese auffassung giebt uns der Rigveda selbst 
an die band mit seinen zehn büchern^). 

Zu diesen allgemeinen erwägungen, welche geeignet sein 
dürften, das an sich unwahrscheinliche als unmöglich erscheinen 
zu lassen, und mit denen ich mich vielleicht schon zu lang 
aufgehalten habe, könnten aber noch besondere eigenheiten 
imserer Samhitä namhaft gemacht werden, die blos einem 
geschriebenen werk zukommen. Zunächst die Zusammen- 
stellung von liedern, nach der anzahl der verse, also nach 
äusserem umfang. Im Atharvan das vornehmste prinzip herrscht 
es auch vielfach im Rik. Wie sollte ein memorierender dazu 
gekommen sein diesen leitfaden zu wählen? Wogegen leicht zu 
verstehen ist, wie der die vorliegenden blätter sortierende und 



^) A. Ludwig Rigveda III, 46. 



Vedische Studien. 57 

nach belieben verschiebende durch eine äussere gleichförmigkeit 
seiner arbeit das ansehen einer gewissen Ordnung geben will. 

Insbesondere aber ist hinzuweisen auf die zahlreichen Inter- 
polationen namentlich die anhängsei an lieder. Es ist ja be- 
kannt, wie an vollkommen abgerundete, auf deutliche schluss- 
verse ausgehende lieder ein vers oder mehrere, oft sogar durch 
das metrum verschieden, angehängt werden. Und zwar stücke, 
die durchaus nicht den Charakter später entstehung oder nach- 
bildung an sich tragen, im gegentheil nicht selten eigenthüm- 
liche oder in irgend einer art pikante verse. Grassmann hat 
solche stücke in seiner Übersetzung abgetrennt. Meist ist die 
anklebung durch den zusammenklang eines oder etlicher Wörter 
in lied und zuthat veranlasst, und es entsteht der eindruck, als 
ob der compilator das bruchstück, das er in der band hatte, 
weil es zu selbständiger Stellung nicht taugte, irgendwo ange- 
flickt hätte, um es nicht gänzlich verloren gehen zu lassen. 
Konnte das etwa auch memoriter geschehen? 

Und ganz ähnlich steht es mit den in die mitte der lieder 
gebrachten Interpolationen. Weder der Wechsel des metrums 
noch die Störung des Zusammenhangs hielten den sammler ab 
einen solchen eindringling dazwischen zu schieben, wenn sich 
die handhabe bot. Oder sollten wir gar schon an randglossen 
denken ? 

Ein beispiel möge für diese jedem leser des Rigveda be- 
kannte erscheinung genügen, das zugleich gelegenheit zu einer 
beobachtung über die behandlung des accents durch die redak- 
toren bietet. In das Trishtubhlied 10, 131 findet sich an vierter 
stelle eine Anushtubh eingeschaltet, welche die worte sur^inafh, 
vipipand' enthält, wie v. 5 ydt surämam vydpibah. Vers 4 ist nur 
eine parallele zu 5 und vipipänd' in vipipändm zu ändern, wie 
der Inhalt beider verse lehrt. In v. 5 ist indrcLvatuh zu lesen 
und grammatisch aufzulösen indrdm avatuh. Es zeigt sich zu- 
gleich, dass der bearbeiter des textes, weil er indra irrig für 
Vokativ ansah, nach seiner grammatischen regel das unmittelbar 
folgende verbum betonte, dem in der that kein- ton gebührt. 
Die betonung, welcher Benfey eine besondere beständigkeit bei- 
messen möchte, erweist sich also als mit dem worte, d. h. je 
nach der grammatischen auffassung des redaktors 
wandelbar. Und das ist auch das allein natürliche, 



58 R. Roth, 

In den versen selbst wird erzählt, dass Indra bei Namuci 
in einem starken trank sich übernommen habe, die A^vin aber 
ihm in seinen geschäfte, mit welchen er wolii nicht richtig zu 
stand kam, an die band gegangen seien, mid v. 5 fügt hinzu, 
dass Sarasvati ihn von den lästigen folgen des trunks kuriert 
habe, was ja nach rationalistischer auffassung sich von der 
heilkrafl des wassers bei solchen leiden verstehen Hesse. 

Das wort suriTma lässt der Pada hier wie auch VS. 10, 
33. 34. 20. 76 ungetheilt ^). Die richtige erklärung ist ange* 
deutet vom kommentator zu TBr. 1 , 4, S, 1 surayd sampdditam 
rasavii^esluim ein mit surä bereiteteter trank und wird Yon 
Mahidhara sowohl für surö^nui VS. 20, 76, als für das gleich* 
bedeutende suramam 21, 42 vorgeschlagen, nämlich »urävcaU, 
surwuiaya, also sürd mit den suffixen nui und man. Als ana- 
loge bildungen wären etwa zu nennen rgnia imd chanäomd, 
dieses mit der bedeutung: dem versmass ähnlich, entsprechend, 
wofür der kommentator zu Täncjiya 19, 9, 3 zu vergleichen isL 
surama und surämany substantivisch gebraucht, ist also ein 
branntweinähnlicher, d. i. starkberauschender trank. Man er- 
wartet oxytonierung des worts, und vielleicht beruht die be- 
tonung in unserem text schon auf der falschen auffassung 9^ 
-rdma etwa nach analogie von su^Vnia, SHshtinia. Doch ist in 
Sachen des accents selten sicher zu entscheiden. 

Nach dem gesagten gehe ich also von der Voraussetzung 
aus, dass die Sammlung miserer Samhitd nicht anders möglich 
war als auf dem weg der schrift, indem ich diese entstehungs- 
art durch den Charakter des buchs selbst, durch seine Vorzüge 
und mängel bezeugt finde. 

Ueber die Vorfrage, ob unser text wirklich der der sammler 
sei. also durch Jahrhunderte und Jahrtausende keine wesentliche 
einbusse erlitten habe, kann ich kurz weggehen, da es nicht 
viel auf sich hat, wenn da und dort die bewahrer desselben 
sich kleine eingriffe, Verbesserungen oder ergänzungen gestattet 
hätten. Wie weit das etwa gehen konnte, sehen wir aus den 
Varianten, welche in verschiedenen Sammlungen, auch recensionen 
(<^hä) aufbewahrte identische texte aufweisen. Das greift ge- 
wöhnlich nicht tief. Im grossen und ganzen aber kann man 
als höchst wahrscheinlich zugeben, dass von dem Zeitpunkt an, 

^j Garbe in dieser Zeitschrift 23, 47ö. 



Vedische Studien. 59 

wo die erklärungsschriften , zuerst die Pätha und Präti^äkfaya, 
sich wie ein gitter um die texte gestellt hatten, diesen kaum 
mehr beizukommen war. Wenn das geschah, wie lang oder 
kurz nach der ersten Sammlung, wissen wir nicht. Da es aber 
von jeder Sammlung eine anzahl besonderer, wenn auch nur 
wenig unter sich abweichender recensionen giebt und weit 
mehr einst gegeben hat, sogenannte ^äkhäs, die, was wohl zu 
bemerken ist, nicht besondere Sammlungen, sondern nur die 
ramifikationen , d. i. Variationen jedesmal derselben grund- 
sammlung sind, so muss man den nöthigen Spielraum setzen, 
um diese pedanterie und rechthaberei sich ausbilden zu lassen. 
Denn diese produkte werden nicht von den schulen erzeugt, 
sondern die subtilen lehrer erzeugen jene Variationen und damit 
die schulen. Und dazu bedarf es doch einer ganzen zahl von 
generationen. 

Wir sehen also, dass wir auch mit einem seit Jahrtausenden 
so treu als möglich erhaltenen text, ohne dass nach anschauung 
unserer gläubigen auch nur itSta §v ^ fjtia xsgaia verloren 
gegangen wäre, noch lange nicht beim ersten sammler und 
noch weniger beim Verfasser angelangt sind. 

Nehmen wir aber gleichwohl an, dass auf dem langen 
weg von dem sammler bis zu uns entstellung oder verlust, wie 
es auch wahrscheinlich ist, höchst unbedeutend gewesen sei — 
wiä steht nun der sammler zu demjenigen, was er gesammelt hat? 

Haben wir Sammlung auf schriftlichem weg im äuge, so 
hindert uns nichts eine mehrzahl von Sammlern vorauszusetzen. 
Es ist ja überhaupt wahrscheinlich, dass unserer Samhitä theil- 
sammlungen zu grund liegen, dass sie nichts anderes ist als 
eine Vereinigung und Zurichtung specieller älterer bücher, die 
bei ihrer Verbindung etwa durch buch 9 und 10 vervollständigt 
wurden und eine einheitliche redaction erhielten. Schieben wir 
also die frage gleich weiter auf die sammler jener einzelbücher, 
so versteht sich und ist unbestritten, dass sie so schrieben und 
schreiben mussten, wie man sie in der schule gelehrt hatte, 
wie die grammatik der schule, die uns bekannte nicht auf der 
Vedensprache aufgebaute, es verlangte. Diese schrieb nun z. b. 
sv€M^, während man für den Veda nur suvar (oder wie andere 
meinen stiar) brauchen kann, schrieb die dualendungen ete äte 
und äihe, während in der regel nur ate, athe möglich sind, 
sprach und schrieb träsUMm rasathäm, wo die alte zeit trän 



^ R. Boui. 

Mthäni rd^häm sprach und so w^iitei'^-. Na4± diesem Oäus 
ichrieben also die sammlcr. Site verrathec 'ins aber ihr ver- 
fahr pn daduTch, dass sie da und diji't iHjer^fehen haben leit- 
^mäss zu ändern und ausnahn^iweis^ V'^ti.s«:!! richtig schreiben» 
ißomate statt yannU 7. 37. 3. p*is^«ju:^, miz pacyete 3. 58. 8. 
Ebenso führen sie überall ihr plpd^i ein. wiiirend nur pipäjfa 
gestanden haben kann, mache:: ;ar a^is patnika ein pötaka 
und dergleichen. Bei A. Kuhn, Grosauann. ^le in unserem 
Wörterbuch sind weitere belege lu rinden. Weil sie nun ge- 
wöhnlich in dieser weise redigiert, d. h. nioderniisiert haben, 
so sind die falle einer korrekten, mit der übüchea Orthographie 
nicht stimmenden aufzeichnung selten und cur uns rathsdfaaft 
geworden. Wir haben nicht erwartet einem ard-ca für arrd, 
üiarl für strU tarasanii für tni^anti, i^htsJcrtd r'ür ishtrid und 
unzähligen aya und iya für ya zu begegnen iind darum hat es 
einige zeit gebraucht, bis uns die äugen autgingen. Wir hattm 
namentlich nicht erwartet, dass sie den sandhi, von welchem oben 
die rede war, so ganz inkonsequent behandein« so oft sich dem 
verdacht ihre texte nicht zu verstehen aussetzen würden. 

Hieraus soll ihnen kein Vorwurf erwachsen, ab^ es sollen 
die thatsachen in das rechte licht gestellt werden, welche laut 
gegen diejenigen sprechen, die uns an die unfehlbariLeit joier 
männer, an ihre unerreichte treue glauben machen möchten. 
Wie steht es denn unter diesen umständen mit jener treoe? 

Man wird sagen können: es ist sicher, dass sie die texte 
keineswegs genau so aufzeichneten, wie sie dieselben recitieren 
hörten. Das sagen uns so viele verrätherische Inkonsequenzen. 
Bei metrischen stücken, die durch eine ganze reihe von gedächt- 
nissen hindurch fortgepflanzt werden, wird das dauerhafteste 
der rhythmus sein, nach welchem die w"ortmasse — nicht mehr 
in allen theilen verständlich — sich abhaspelt. Man kann 
heute an volksthümlichen versen sehen, wie innerhalb d» 
metrischen form der haare unsinn sicher fortgepflanzt wird. 
Und wie das kind in der schule sein lied im takte hersagt, um 
^u}inem gedächtniss an den krücken des tonfalls und reiras 
sicher fortzuhelfen, so wird auch damals der rhythmische sing- 



<} A Kulm helLr. 3. 1:25. 455. 4(>3 ff., wo eine reiche Sammlung von 
iMIen gttfjeben j.^l, die unter diesen gesichtspunkt fallen. 



Vedische Studien. 61 

sang, der ohnedies in der liturgie üblich war, der richtige leit- 
faden gewesen sein. 

Die den Sammlern aufsagenden gewährsmänner haben also 
z. b. sicherlich nicht nach dem grammatischen gegen das vers- 
niass sich sperrenden, sondern nach dem rhythmischen Sandhi, 
überall womöglich nach dem metrum gesprochen. Der auf- 
zeichner aber als geschulter grammatiker ist dabei nicht stehen 
geblieben, sondern hat gesucht die Sachen zurecht zu rücken, 
aber nicht durchgreifend, sondern wohl nur wo er seiner sache 
sicher zu sein glaubte. Er hat z. b. wenn ihm vorgesungen 
wurde: sa nah sindhviva nävayä korrekt grammatisch geschrieben 
sindhum iva 1, 97, 8, ohne sich durch den Verstoss gegen das 
metrum, den er schrieb, beirren zu lassen. Der redaktor des 
Atharvan war sogar noch klüger und schrieb, nach seiner 
meinung auch metrisch richtig, sindhum iva nävä AV. 4, 33, 8. 
Ihm war die silbenzahl wichtiger als der rhythmus^). 

So steht es also mit der buchstäblichen, peinlichen genauig- 
keit der sammler. Es ist möglich, aber nicht zum voraus 
anzunehmen, dass sie in gewissen grammatischen feinheilen 
untergeordneter art, die ja ihre eigentliche starke sein mussten, 
genauer und konsequenter erfunden werden. 

Die letzte und wichtigste frage endlich, ob imd wie weit 
die gewährsmänner selbst, die Vertreter der mündlichen 
tradition im besitz eines authentischen textes, d. h. desjenigen 
wortgefüges waren, welches die Verfasser ihren liedem gegeben 
hatten, ist durch die bisherigen arbeiten über den Veda hinläng- 
lich beantwortet. Alle bestrebungen mussten sich ja von anfang 
an auf diesen punkt richten, und von jedem erklärer des Veda 
sind belege für diese oder jene mängel des textes herbeigeschafft 
worden. Wer alles sammelte, was schon jetzt für bewiesen zu 
erachten ist, der würde ein ansehnliches register erhalten. Und 
doch ist das nur der anfang, der sich mehren wird, je ver- 
trauter wir mit spräche und Inhalt des Veda werden. Das 
fallt zum allergrössesten theil auf die rechnung jener gewährs- 
männer. Am entschiedendsten wird derjenige so urtheilen müssen, 
der von der genauigkeit der sammler und der tradition der 
bücher einen hohen begriff hat. 



*) Die Paippaläda-recension schreibt hier wie Rigveda, ist aber sonst 
konservativer gegenüber der rhythmischen form als die vulgata. 



63 H hi^u. 

Wo fehler voikommen wie va/fram» füi vraymm 4, 20, fi, 
^ira für cakra i, 39. 2. »Mif^/asri f^ü mananö oflers. rrsMcffoA 
für rshtdyah i, 34. i!. gojHi'jüiraFya ^tja &:iiiiici!' für pifßi' jikm dBj fa 
3, 3b, 9, 5M»kjrt für .^fif^rt fi. 1. li uiia vjeie axjdere, also alle 
arten von Verwechslungen nach orJü ^ebör aiid onverbessert 
durch kritisches verständniss. da $c>l] oei ttnaarer 
sein und so oft dem text ein ^ena^eziünr s'mri man^cjü. 
ob nicht eine verderbniss vorlit-ire und irje dieselbe zu 
oder zu heben sei. 

Es ist ja nicht zu verwiindeiD. dasf- die dinge so Ik 
Noitiwendig waren die lieder auf dem ersten theU ihres 
zu uns, von niund zu uiuud ge^-ben. schutiios den meisten 
gefahren ausgesetzt. IVn einraa] t-ing^edrangeneD fehler zu 
bessern, hatte man kein mittel, wa^rti:- es vielieicht gai nidit 
auf eij^enc liand. Es ist alsi> nicht schwer sich Torzustdlen, 
wie inj laufe von genorationen die Zerrüttung lorlschritle machep 
mussle, bis diu worto vom sclireJU-nden Stammler — wenn auch 
iji seiiK^r weise — lixierl und von da sji wenigstens in 
liauptsacho geschützt waren. 

l>iei>e heiligen Überlieferungen, obschon Ton elDem 
punkt an in jeder arl gepflegt, haben also das geschick jeder 
Überlieferung get heilt und i's wäre ülvrilussig. das zu behauptoi 
und zu beweisen, wenn wir nicht mit ihn^i und namentlich 
mit der um sie her aulgelniuflon erklärenden literatur auch 
einen tlieii dim indischen aL>eivliUibons übernommen hätten, der 
sie umsponnen hal. 



II. pur iah tu 

Man üfAWi* glauben, dass die vedischen Wörter, die im 
gebruurij dt^r spätereri spräche sich erhalten haben, onaerem 
vef>t.üti<Jniss kein<^ Schwierigkeit machen, dass man aus der 
späte] (;ij l«'i<;|jt auf «'ini' ältere beiloutung schliessen könne. 
JJah i^fisjiiel von jmrtshn zeigt uns. wie dieso operati€Xi nicht 
injmer einfach ist, und enlhalt zugleich eine wamung gegen 
die nfj^i^hiiiitiUi Iraditioii. 

E:- lj.-j1 njir jjiiMuals einleuchten wollen, dass dassdbe wart, 
v\<rl<:Jiivr jiij iii/<'r«*in.s(imm(>n(lfii gebrauch namentlich der medi- 
/Jiiej «iic konsistenten auHsi'.heiilungen des körpers, die ffficesi 
iijj /iij^i'naiih gegen die llüsbigen, iMfMrci harn, bezeichnet^ im 



Vedische Studien. g3 

Veda geradezu flussigkeit, w asser bedeutet haben soll. Ueber 
diese letzte bedeutung sind aber alle indische erklärer von den 
Nighantavas an unter sich einig, die etymologie bot keine 
sichere handhabe, so blieb es bei dem hergebrachten und man 
suchte sich damit zu helfen, dass man unter jpwns7*a den die 
lufl füllenden dunst sich vorstellte, dem etwa auch eine gewisse 
konsistenz zugeschrieben werden konnte. Daran hielten sich 
die Übersetzer : Grassmann schlägt sich auf die seite des dunsts 
und nebeis, Ludwig bleibt beim einfachen wasser, für welches 
wir wahrlich schon genug benennungen haben. Eine wieder- 
holte befragung der texte führt nun aber zu einem ganz andern 
ergebniss: purisha bedeutet nicht wasser und flüssiges, 
sondern land und erdiges gerade im gegensatz zum wasser. 

1. Die stellen Rv. 1, 163, 1 und 4, 21, 3, wo sich samtidrd't 
und pirishät, 6, 49, 6 wo pürisMni und dpyäni gegegenüber- 
stehen, gewinnen nur dann einen richtigen sinn, wenn dem 
feuchten das trockene, das land gegenüber gestellt wird. Und 
das bestätigt sich durch 5, 45, 6 dhiyam ydyä vmig . vankür 
apa pürisham »das gebet durch dessen Wirkung der handels- 
mann taumelnd das festland erreichte«, also aus wassersgefahr 
sich rettete. Die nicht weiter bekannte fabel ist sichtbar eine 
andere als die von 1, 112, 11, auf welche Säyana hier verweist. 
Auch 10, 27, 23 dvä' hfbüham vähatah pürisham, wo wir für 
das unbekannte bfbüka auf Ngh. 1, 12 und ebend. barbiMra 
angewiesen sind, würde sich befriedigend erklären: »zwei (götter 
oder naturmächte, etwa Parjanya-Väta) führen das rieselnde 
(regen oder dgl.) aufs trockene land.« 

2. Land erscheint aber auch als gebiet, in dem etwas 
schwierigeren Zusammenhang 10, 27, 21 aydmyö vdjrah pmudkd' 
vivrUo 'vdh sü'ryasya hrhatdh purishät, wo Ludwig einen hohen 
wasserraum, Grassmann einen dunstkreis der hohen sonne finden, 
während sie über dünsten und wasseraum steht. Ich übersetze: 
»jener blitzstrahl — er zuckt oft und viel unterhalb des er- 
habenen gebiets der sonne: eine andere bahn ist jenseits, die 
durchlaufen sie ohne durch hinföUigkeit zu fall zu kommen.« 
Damit will gesagt werden, dass unter der sonne allerlei Un- 
heil, von den höheren mächten unversehens gesandt, also mit 
dem bild des blitzes ausgedrückt, den menschen treffe, wäh- 
rend jenseits im himmel kein leid mehr sein freies ergehen 
hemme. 



ß4 " •trrtr. 

Damit iliid >li:^:-»:>: f*. -^ :>- rJr^tf3& enedi^ mit aas- 
iiahine von 1«.». 1«^.. ' . :;«Lr ,:: ri.*.r.;t':i :»s:ifien£ laaae, weil 
sich nicht sagen i^-^.. ^£> i^' i-=s-jzl ^.Lc ens: gemesDt und 
was hokuspoku? i?:. Wei.: zlaj:. ^hzz kssjeriicL betrachtend, 
in den vier versen ö : > "^ i-üI-* vtcirt:: Li? fünfnDdyjcmgmal 
das r und sechsniä. ö:Lf f< -eiit ji# zLLh . ?; nas man ver- 
muthen, dass es nur ^-z: -.■.: >::MiLr-t?r nnz ziusien abgesdien 
gewesen sei. Einen sir.r. r. ?ü:iHr: . v: r.K eiD«" war, das 
können wir uns sparer.. 

3. Von }*74ridM komrje:: ca z^Miez. ad^iecnre jmnAga mid 
jnmshin, jenes nur einmÄ^ :r. R^. iv ^ 4 ;)«r«sk9S«> afmdjfäl^ 
prävanebhih sajct$lH\saJt häunfer £i»t?r ir Väjaäaneyi Samhitft 
gebrauchl. Gemeint ist dor. das ituer im erdboden neben 
dem fcuer in klüfien oder ab^rürjden. Der Padapätha adit 
mit unrecht in der erster >:*.'rit' dt^ j»rävai*a eine metrische 
dehnung. Meine erklünmir ertirbi sich nicht blos aus der 
obigen best immuner von jmr'tsita. sondern wird auch so klar 
al» möglich bestätigt durch die worte der TS. 5. 5. 7, 5 jfe 
9^^y<^fj purishffYdi priirishtäl ^wikirfm änv >die bodaifeu«', 
die in der erde umher sich befindenc und durch VS.1 1,9 »ans 
der frdo lier l)ring das bodenfeuer«. Hiemach muss die 
hlffheride scholiastondeutung, wonach es soviel als po^ocya, »dar 
ti'r<rrde dienlich« heissen soll, das feld räumen. Man kann sich 
erklären, wie dieselbe aufkam. Sie beruht nicht blos auf 
einigen stellen der Bnihmana. die es ja mit identifikationan 
nicht schwer nehmen, und auf der unten zu besprechenden 
Verbindung ixirnw ptmshiiiam Rv. 10, 48. 4, sondern wohl aach 
auf der ispäler geläufigen bedeutung von pwriska als mist, dünger, 
indem die scholiastcn ohne mühe von stercorarius auf pecuarins 
übei-gingen. Daneben ist aber noch ein bemerkenswerther 
gebrauch des worts auszuheben, den das ^Br. 2, 1, 1, 7 als 
eine volk^fthümliche redeweise erwähnt, dass man den reich- 
gewordenen jfßur'tshya nenne. Die bezeichnung hat eine etwas 
abschätzige färbung: der bodenreiche, wenn man sich er- 
Innei't. da-^fs in dieser zeit purtsha auch schutt und abraum also 
einen wert h losen boden bedeuten kann. Uebrigens ist es darin 
dem lat. locuples ähnlich, dem wohl auch eine levis nota 
anhäfjgt, da es nur die ausdehnung oder strecke, also den räum 
überhaupt, nicht aber acker oder landgut benennt, wie Gorssen 
nachlr. 253 annimmt. 



Vedische sludien. ß5 

4. Uebrigens scheint, was ich deshalb hier vorwegnehme, 
auch die andere adjektivform purishin in demselben sinn im 
AV. 11, 1, 32^) gebraucht zu sein, wenn die zum genuss des 
brahmaudana — eines sehr wichtig genommenen reisgerichtes, 
das nur Brahmanen zusteht — berechtigten drsheyäs, d. h. 
männer korrekter priesterlicher abkunft ak ptmshinah pratha- 
mdnäh pt4rastät bezeichnet werden. Da prathamänäh purastat 
nichts anderes aussagt als »sich vorwärts oder vor sich hin, 
d. h. überhaupt weiter oder immer weiter sich ausbreitend«, 
wie die vergleichung von AV. 12, 1,55. 3,37 zeigt, so heisst 
das: »grundbesitzer über weite strecken hin«. Wir lernen also 
in diesem ausdruck die reichen der zeit, die herren ausgedehnter 
triften und äcker kennen. 

Dieser specielleren, auf den besitz gehenden bedeutung tritt 
aber die allgemeinere voran: land oder boden habend soviel 
als darauf befindlich, darüber sich ausbreitend. Da- 
mit löst sich ungezwungen Rv. 10, 48, 4 ahdm etdm gavydm 
agvyam pagum purUhmath sayakenä hiranyäyam \ purü sahdsrä 
ni gigämi dägüshe, wo Ludwig »die wasser der luft und gold«, 
Grassmann »reichversehnen goldnen schätz« (beides mit dem 
masc. unverträglich) finden, in folgender weise : »ich verschaffe, 
spricht Indra, durch mein geschoss meinem Verehrer heerden 
von rindern und rossen, das land überziehende, goldene 2) zu 
vielen tausenden.« Dafür dass die gewaltigen viehstände, die 
wir im Veda erwähnt finden, auf weite räume sich verbreiten 
mussten, ist der ausdruck ganz bezeichnend. Und in demselben 
suin kann er vom wind und gewitterst urm gebraucht werden 
10, 65, 9 parjdnyävatä vrshabhä' pt^tshind, 5, 55, 5 tid iraycUhd 
martäah samvdrato yüya/ni vrshtim varshayafhä purishmah. 
Läge nicht eine gewisse Verwandtschaft dieser beiden stellen 
vor, so würde ich für die zweite gern die änderung annehmen, 
welche der commentator zu TS. 2, 4, 8, 2 macht, indem er 
purtshinah voraussetzt und — freilich unrichtig — übersetzt : das 
trockene land, pänsuyuktdn hhüpradegän. Zu übersetzen wäre 
vielmehr: »ihr Marut treibet auf aus dem reich der wasser (nicht 



^) Es ist zu bemerken, dass im AV. sonst weder pwrisha noch eine 
ableitung von demselben vorkommt. 

*) Nil pulcrius auro. Warum sollte das zärtliche äuge des Inders nicht 
seiner heerde die färbe des goldes leihen', wie andere dichter andern ge- 
liebten dingen? 

Zeitschrift für vergl. Sprachf. N. F. VI. 1. 5 



f\f\ H. Huth, 

aus ili'iii iiiciT in uiiscmti siiiiic) ik'ii ic^l'H und lassel ihn strömen 
aul' tliti bowohnor ilos lroi.kfiieii landt-s.« Das gäbe einen rich- 
til^ori i^t'^tMisiit/. iiu siutif doi oIk-u untt-r 1. iUigreführten stellen. 

WtMiii wciliT iUm- lUb-s Sarayu in 5. 53. 'J als purtshini 
hvmt:\iuv\ \vii\l inul diese? nach dem bisherigen nicht als 
»wuss('rn?i('li« verstanden werden dari". so liegt am nächsten es 
von iMiieni wasser /.n verstolieii. das erdiges mit sich führt, 
niso >4andi;; oder lelunig i<t. Das sehliesst sith an die den 
sdioliastrii j^eläulige bedeutung an: 2furl<haf;abdeHa pänrur^pä 
mril nrjutt: /.. b. Mahidluua ai VS. 11, 44. 

."i. Mehl eben so einfaeh war der werth des Wortes in 
rior nncli übrigen stelle 1. Uti. 12 zu erkennen: pducapädam 
pUnram dvndai^ukrtiih dicä itJmh ^^:«*t äntht' ptiHshiHam \ dthemi 
nnya lifuirr rirakshamim :k%ptiU'akrt ^hiilara tihnr ärpitam. Bei 
K'^nnurr brlnulitung des s;it/.es wird deutlich, dass die erste 
7^mI«? finr iinsirlil tMn7.elner ausspricht, von welcher nach der 
/weiten tlie ansieht anderer r(iiiiy<i äkuhß abweicht. Also ist 
nolliweiiflig, dass fi/xiiv im /weiten theil dasselbe ding be- 
/i*if'linrn niuss. das im ersten mit /^cirr bezeichnet wird, nicht 
Mb#ir, wir jdle iibersel7.er annahmen, ein anderes*). Die «it- 
((otfriicIi^iliiiiK halte ja keinen sinn, wenn es sich um zweieiiei 
nbjiw li< liiindrile. KiMteutet nun jHini das obere, so kann npara 
nwht Kul dit*i<i('lbe aussagiM), denn es heisst das hintere; der 
von ilri rrde un»^ gedachte hintere theil des himmels ist aber 
iiiifh «In iibiTr. l'nd als g*v^*ns;it/. stellt sieh heraus, dass die 
»>in««n iiIt fHinnifutiiii , dvdiUt^Cdrti mul jHtn^tn ansehen, was 
din Mnilnti hir sitfittuttktii , .«/«lAini und v'.tiikskiiHn erklären. 
N«.|i#»ii iliii /nlilallrKorien, die lur uns wonig bedeutwi, liegt 
iiUi dri biiii|ilK<*K('ii'*<d/ in nvtiksHittM , das ich nach 9, 86, 35 

'; Dil- iUMiiqi-.l<uiih! liMiIrt liri M. Mac.^ s;;^uufsb^rioi;te der k. b. ak. 
|u/ I, i/ii Mihi 4i|||| , lim- t'ühlhlvsi^o i\\ol('^t^<SAlsx^« viiter $^L aasä in der 
ffliiMii liHlffi. , iiliri iiiiiliiiii «u^ji'ii, i!,ivt kWv jkiU^ i.:rv:£L>chaueniie in der 
■ tiiii>Mi IM i-iiiiii >'ti>liiniiii«li i|siMi •.«•!• hvspt'u-ln^k'u w A^vt: t:«<?tit sei. Grass- 
Ml lim l</iiilhi>i'ii|!, oti(}iwi itr. MM \W\ sw.»l!!hi«:!;^ vA'.er. der an feuchtig- 
l»«t» II. II In- iitii iinUi-t Ulm iiiuiui* il**«» hüu:i:f'>. wv.Ji, diese aiiJem »agen, 
-ii-i "iiiiiMiji.Hi liiiiiiiiii jni ,111 am \iMt('i'ti s-.etk'i'-Jiv.irr^er.. <ecks?peichigen 
i'tiit«'h)i«t liiiiln-l|<- \iUiii MiMnuMi ^ir a*.\ kU"* hiiv.'.v.eis ;erj«eiti^er hälfte, 
•I' !• .111. i iiitii ii.iit-.ii lii>iiiii||iiiiilrit, \\\*\ swMf dv.tlii** hl'.. \.ler wa*«rreiche; 
fl.i I li. liii...||M.ii. iitihniii, hiMiiiiMk \l(Mt Vii-Ai-iLMv.A V er«:liii1 igen) als aur 
hin iiiMiMiili lycii ii'i li I >|iri« l((|',iMi iirtuMul M-i»! <'v^^ «^.isa- es hier noch 

I' I i>l llillM l-llll I 



Vedische Studien. 67 

(Soma = mond) und 10, 11, 4 {drapsa, der wirkliche Soma) 
mit hell, klar erkläre, und purishin, welches somit das un- 
durchsichtige, feste, körperliche bezeichnen muss, wie 
ja sonst puris/ia das feste bröckelige gegenüber dem flüssigen 
ist. Der sinn, den ich in diesem scheinbar dunklen vers 
finde, ist also, dass nach den einen der himmel — dessen Um- 
schwung das jähr mit seinen fünf zelten und zwölf monaten 
bildet — im hintergrund konsistent sei, ein firmament; wo- 
gegen andere sagen, auch dort hinten, wohin die menschen 
nicht sehen könnnen, sei der räum durchsichtig, d. h. luftartig. 
Jene denken sich eine feste grenze der weit, diese nicht. Der 
Spruch hat also einen tieferen sinn, als man auf den ersten 
blick annimmt. Die abweichung in den zahlen kann hier auf 
sich beruhen bleiben. 

6. Was endlich den gebrauch von purisha in den Bräh- 
mana und den analogen theilen der Väjasaneyi Samhitä betrifft, 
so ist die bedeutung deutlich, wenn auch unsere Schriftsprache 
kein wort hat, das genügte. Lebte das mhd. molte noch, so 
würde es meist zutreffen. Es geht von einer anderen grund- 
vorstellung aus, durchläuft aber ziemlich dieselbe reihe von 
bedeutungen: staub, erde, erdboden bei Lexer^). purtsha ist 
hier der lose bröckelige boden, nicht sowohl staub als beweg- 
liche erde, schutt, geröll etwa was lat. agger und darum kann 
in ^Br. 2, 1, 1, 7 karisha das was der maulwurf auswirft, 
also molte, geradezu damit gleichgesetzt werden, nimmt auch 
weiterhin wie purisha die bedeutung koth an, jenes mehr vom 
mist, dieses von menschlichen excrementen gesagt. 

7. Bei der etymologie des Nirukta 2, 22 purisham ppaMer vä 
pArayater vä sind alle spätem stehen geblieben, einzelne versuche 
mit pushyati und p^'tnaycUi abgerechnet. Wir werden nicht 
daran denken die Vorstellung des wassers auf den begriff 
des füllens zurückzuführen; für die commentatoren mag es 
genügt haben, dass man wasser überall hineinfüllen kann. 
Dagegen passt das füllen als anhäufen gedacht für die nach- 
gewiesenen bedeutungen von purtsha, und seine Verwandtschaft 



^) Den doppelsinn des wortes, ganz wie purisha, beleuchtet hübsch 
die erzählung von Gonstantin in der kaiserchronik , a. v. Diemer s. 321: 
er bieg si inainen wert uarn und bieg den feiere betragen mit romifcher 
m Alten alfe H. dar nach fweren i'olten dag die beide g^te ftf romifcher 
erde fLunden. 



5* 



mit iHirrata parcan uiul pur ist iloiillicli %u erkennen. Fick, 
wörterbucii 1, 1I>S. Siii liat ilio ziistininien.slellung richtig ge- 
macht, ohne sich durch ilun »dinist« ablialten zn lassen, der 
nun wohl für ininicr zerstreut ist. 

R. Roth. 



Zur altger manischen Sprachgeschichte. 

i. Vcrhalparlikcln in der Zusammensetzung. 

1. hn altindisehen gilt die regcl, dass verbalnomina mit 
Huflix 'li, die von zusammengesetzten verben abgeleitet sind, 
auf d(nn präfix betont werden, während die gleiche abstract- 
bildung vom simplox auf dem suffix betont ist; cf. abhimäH^ 
gesell mdfis, prdtistuii'ii gegen stufis, ahln^asti-s gegen gasits, 
prtin'ifi'S gingen n1t(-s, jn'äbhrti-s gegen bhrti-s. Dieses princip 
muKH idg. sein und denmach auch im urgerm. gegolten haben. 
I)as in historiscIuT zeit herrschende princip, das Lachmann in 
winer (grundlegenden abhandlung für das ahd. und as. erschloss, 
JHt ja genau dasselbe: verbalabstracta zu componirten verben 
werilen auf ilem prfilix l)otont, und zwar sämmtliche verbal- 
ahslrac.tn, nicht bloss wie im ind. die mit sufiix -ti gebildeten. 
|eh gebe einige lautlich interessante belege für das princip. 

a-'. hihf'f, ae. hi'of, got. biltaif (Faul beitr. Vll, 122), aber 
ae. hcluVinn st. v. tJrein I, 8tJ: ae. neben hcot auch hdid'L 

\%i}. uiulHtraru, ne. unswcr, as. dmlsicor: das st. v. wäre got. 
*an(lHHuirjan st, v. 

af. thitlipt iutellec.tus zu inuiUan intelligere. 

ni\ amiHttr repugiuitio zu onsiican repugnare. 

i\t\ tVwfi'Hfm incremen tum zu ti-ict'ti.ran crescere («, <Jr = ti^ 
Paul beitr. VI, äOM). 

at'. ntjumv ingeiiium zu fV-/)f'i*<w« excogitare. 

iK-, tr/lfinna Iias>4 zu ofl^pimn displicero. 

a«'. ^u/ffffmtf evasio (cf. lY/njnuje) zu of^jiwgan M evadere. 

*} |f-li m«l/n lOi* iliiH hiKh(M'i);o oft uiibodenklicli kürze öß; denn 
ilif liviintUnihu'Ut* nvwWyiwim, i*s svi ilns got. un^a, reicht allein nicht 
iifr-, 'lii> |rMi(n< /ii fiiwiMMiMi: H. iiff/A/ifi Mti/NM/m. gcofföfi tLiisjugunP; 



Zur altgermaiiischeii Sprachgeschichte. 69 

ahd. zürgmig defectio zu zirgdngan deficere. 

ahd. äbläz Vergebung zu öblä'isisan vergeben (PBbeitr. VI, 191). 
Ich habe absichtlich bloss solche beispiele gewählt, in 
denen neben metrischen kriterien das lautliche zufolge Pauls 
werthvollen Untersuchungen über proklitische wortformen PBbeitr. 
VI, 179 — 209 für die betonung zeugt. Ein paar weitergehende 
beobachtungen in derselben richtung mögen hier mitgetheilt 
werden. Für got. at bringt Paul ibid. p. 191 aus dem altengl. 
belege für die volltonige und proklitische lautgestalt bei: ot ist 
in den altnordhumbr. psalmen die proklitische form zu voll- 
tonigem (Bt; cf. oteawan = westsächs. aet^'toan. Für das ahd. 
und as. wäre zu bedenken, ob nicht ^, hd. z unter bestimmten 
umständen, etwa vor vocalen, die proklitische form wäre; got. 
cU-augjan ist as. t-ogian, ahd. z-ougen^ mhd. zeugen. Auch 
wird man sich unser nhd. zagen, ahd. zogen wohl kaum anders 
als aus einem schwachen verbalstamm at-^gai- erklären können; 
dgair- als verbalstamm liegt auch in got. unagands »sich nicht 
fürchtend« vor; für zagen fehlte bisher ein etymon; der an- 
schluss an die weitverbreitete wz. ogf (got. agis, 6g u. s. w.), idg. 
agh == sich fürchten wird vollkommen befriedigen. Aehnlich 
ist auch wohl unser schöpfen^ ahd. seephen = as. sce^ppian — 
der bedeutung wegen — nicht mit scapjan schaffen identisch, 
sondern ist lautlich entstanden aus einem us'kapjan= tisskapjan; 
in der untergegangenen präposition lag ein wesentlicher theil 
des begrififes (nhd. schöpfen aus us-kapjan zu ßantco zu deuten 
wäre zu gekünstelt). Vielleicht ist auch ahd. smelzan nicht 
direct mit ae. meltan, sondern mit einem got. *usmiltan zu 
vergleichen; deren wurzel ist altind. mrd, gr. fiiXöa> erweiche, 
wozu ßkadaQog = mldrö^ weich, locker, schwammig, altind. 
mrdü gehören. Doch gerate ich damit schon auf die frage, 
wie sich wz. teg (tego) zu steg (gr. (TTiyw) u. s. w. verhält, worauf 
einzugehen ich diesmal unterlasse; man wird leicht sehen, dass 
hier eine reihe auffälliger erscheinungen im weiteren kreise der 
idg. spräche beleuchtet werden, wie das verhältniss von got. 
hamjan hören zu auso ohr, crxoc/o) zu ovq u. s. w. (vgl. E. Kuhn 
zs. XXIV, 99). 



tip ist gesetzlich die unbetonte, proklitische wie die nebentonige form för 
unp\ cf. p. 72 f. das über ae. frac^p bemerkte. Für got. tts? = ae. or vgl. 
auch got. üiita krippe und me. oret^ ne. ort abfalle des viehfutters am 
rande der krippe, mndd. ortj mndl. ortBte. 



70 y- Klugo. 

Das princip jener abstractbildungen hinsichtlich der be- 
tonung entspricht genau ;dem jener ind. nomina. Holtzmann 
AdGr. I, 2, 55 fahrt nach dailegung der Lachmann'schen regeln 
für das got. (wonach hUnait, bL^ingq, frdwaurhts u. s. w. gelte) 
folgendennassen fort: »nur g<i- scheint eine ausnähme zu 
machen; es ist aber nicht abzusehen, warum nicht gdtils, gdr 
gups, gdhlaiba, gdrcunia betont wurde; aber die vergleichbaren 
ahd. Worte führen überall auf gagüps, gardztia u. s. w.« Auch 
Lachmann kennt ga nur als proklitikon. Aber Holtzmanns 
suchen nach Zusammensetzungen mit betontem ga war wohl 
berechtigt, und ein paar reste dieser betonung sind in der that 
noch nachzuweisen. 

Das aussergot wort gdman n. (aus gawan-^n) freude, 
jubel ist genau got. gaman xo$pwvia, gemeinschaft; ähnlich ist 
ae. dream, as. dröm jubel von der bedeutung schaar aus- 
gegangen; es ist draumo- für drauymo-^), also mit draüktSj 
ae. dryht, ahd. trust für tru/ist urverwandt ; »geselliges Zusammen- 
sein« ist die grundbedeutung auch von gorman, dessen zweiter 
compositionsteil das ^nana- von manorsSps menschheit ist, wie 
die got nebenbedeutung mitmensch zeigt. Dieser composition 
mit einem collectivpräfix setzt das an. mit einman (got ^aina- 
man) n. = einsamkeit eine composition entgegen, die von der 
rein numeralen bedeutung aus gleichfalls zur moralischen ge- 
langt ist; adj. einmam = einsam, with the notion of a desolate 
orphan state^). 

ae. ganwl (as. g-igd^ncUod) = an. gamall alt erkläre ich 
aus got. *gdmels bezeitet, cf. lat. vetustus bejahrt = alt 

Neben fesa = spreu, migma, quisquiliae hat das ahd. eine 
collectivbildung gdvissa, gdbissa; die betonung steht fest durch 



*) Aehnlich hat Grassmaim zs. XII, 133 hd. tratitn = ne. dream aus 
WZ. dhrugh für drauymö- trügen, träum also = trugbild, zäum = taumo- 
aus tau/ymö' zu ziehen hergeleitet; vergl. noch ahd. zeinen = zeigen för 
taiynjan zu vrz.dik; mhd. AaZme handhabe, aihd.jiofihalmo z\i TiaUiftrahalf- 
ier, ae. hielf = ne. helve handhabe für hcUßmö-. Zu trust = ae. dryht 
vgl. hd. lastar = ae. leafUor, got. waürstwja = ae. toyrhta, mhd. würhU 
arbeiter. 

*) Fick III, 101 denkt für gaman an eine der obigen verwandte er- 
klärung aus ga -f- wz. tnan denken. Mir ist diese dcutung deshalb zweifel- 
haft, weil gamunan (prät-präs.) im altgerm. nur »sich erinnern, eingedenk 
sein« heisst und weil ein simplex man nirgends vorliegt. Die obige deu-. 
tung stützt sich wesentlich auf an. einman ]iach form und bedeutung. , . 



Zur altgerinahisclien Sprachgeschichte. 71 

Otfr. I, 27, 66 sowie durch das allgemein ahd. ga (nicht gi) 
der Vorsilbe; über das h von gabissa handle ich kurz p. 83. 
Der accent, der, wie das b von gdbissa zeigt, ursprunglich 
nicht auf der vorsilbe stand, gerieth durch die germ. accent- 
verschiebung von der Stammsilbe auf ga. Aehnlich war ja 
(dm =) tuz im urgerm. nach QF. 32, 132 stets unbetont, 
wie das auslautende z = idg. s zeigt; und doch hat im ahd. 
jsur- durchweg den ton: z. b. eürwdni suspiciosus, zür^wöm 
verdacht'). Die accentverschiebung von '^gablsjö zu *g(ibisj6 
konnte um so eher eintreten, als der Zusammenhang mit *ßs6 
durch die Verschiedenheit der entwicklung des alten p gerissen 
war. Die Verschiebung traf plsä und ^ghajAsjä und daraus 
entstand *fisd und *gabisjd — *gdbisjd. Ein anderes ahd. wort 
für quisquiliae, gasoff'o m. und gasoffa f., hat ganz das gleiche 
aussehen wie gdbissa; es ist aber nur aus glossen belegt, und 
erst eine eingehende betrachtung der betr. kann lehren, ob 
gasoffa zu betonen ist ; es gehört zu got. supon. — Beachte ae. 
feormunga quisquiliae aus got. ^fizino-, ksl. ptseno. 

Got. gabaur, n. = Steuer, tribut, collecte (gr. loyia, ipoQoq; 
gabaur eigtl. collectiv = das zusammengebrachte), als paroxy- 
tonon betont, klingt zu sehr an das gleichbedeutende ae. gafcl 
n. an, als dass man beide von einander trennen wollte *); nur 
wäre g(ä>ai4r im ae. *gdfor, Uebrigens braucht man nicht 
*gdbur im got. zu erwai'ten ; denn in u^idaumi' und unduwaima 
liegt auch in nicht haupttoniger silbe brechung vor r vor. — 
ae. gdgol = lascivus kenne ich nur aus den Wörterbüchern; 
es kann zu gäl neutr. == lascivitas gehören. 

2. Gleiche betonung mit den oben angeführten verbal* 
abstracten des ind. zeigen die zugehörigen passivparticipien 
auf ta und na: während im simplex die regel suffixbetonung 
A^erlangt, gilt betonung des präfixes für das componirte particip ; 



^) Das präfix ist nicht ganz klar. Es ist nur nominalpräfix im 
ar. und gr., sowie im got. und nord., im westgerm. aber auch verbal- 
partikel, was jedenfalls jüngere eutwiekelung ist. An eine Vermischung 
von tuz mit der verbalparlikel dia (got.) kann des anlauts wegen nicht 
gedacht werden. Ich möchte glauben, dass die begrifÜiche Verwandtschaft 
von tuz mit uz dahin führte; letzteres war nominal- und verbalpräfix, 
ersteres nur nominalpräfix ; so wurde tuz dann auch verbalpräfix. Vgl. 
ahd. zurlust'Urlust = fastidium, zurwäni-ürwäni = suspiciosus. 

*) Das f wäre dem von weofod altar = got. *weihabadi zu vergleichen. 



72 F. Kliiire, 

cf. bhrtds, aber prdbhrUis vibhrtas prdtihhrtas; bhütds, aber 
vlbhütas u. s. w. Bisher hat man diese regel, die Schröder 
zs. 24, 121 im gr. wiederfand, im germ. noch nicht gesucht. 
Allerdings ist es ziemlich früh regel gewesen, dass die betonung 
des passivparticips in der composition streng unter dem einfluss 
des Simplex stand. Aber Lachmann belegt in seiner abhand- 
lung mehrere ahd. participia, die auf dem präfix betont sind; 
doch sind ihm das »wunderbare fehler«, die er sich nicht er- 
klären kann. Wie sie zu erklären sind, ergiebt sich aus der 
folgenden etymologischen erörterung. Grein im ags. Sprach- 
schatz bemerkt zu ae. fracop verachtet, es sei den übrigen 
dialecten fremd. Möller zs. 24, 460 deutet es mit lat. spurcas 
aus idg. sparko- u. ae. fracepu soll genau lat. sptifrdties sein: 
aber die lautlichen bedenken dagegen sind doch zu gross. 
Ettmüller lex. ags. p. 365 deutet zwei möglichkeiten der ab- 
leitung an: vocem fracop hie (i. e. sub free) posui quamquam 
voces boreales cum fra compositas privativam notionem habere 
non nego et ex fra + cüp originem ducere possit. Die letztere 
deutung befriedigt allein^), nur bedarf sie einer kleinen modi- 
ficirung: fracop ist nicht sowohl selber componirt als vielmehr 
part. zu einem componirten fraJcunnan. Bosworth giebt ein 
ae./brcwnwaw mit der bedeutung totempt? temnere? ohne beleg. 
Aber der bedeutung wegen liegen weit näher ahd, firchunnan = 
misstrauen, bezweifeln Graff IV, 411 und vor allem got. fror 
künnan = verachten, zu dem das part. frdJcunps — diese be- 
tonung ergiebt sich aus der von ae. fracop — aus Mc. 9, 12 
(ei frakunps waurpei = Iva i^ovdsviod^^) und II. Kor. 10, 10 
(waurd frakunp = Xoyoq i^ovdsv^fjiivog) belegt ist. fra als pro- 
klitikon wird im westgerm. fr nach den von Paul behandelten 
analogien, und fra ist auch im westgerm. die voUtonige form 
des got. fra. Die betonung ist es auch, die aus frdkunpog 
durch frdkäp hindurch die endsilbe unkenntlich gemacht hat; 
cf. ae. geogop, nigofHi p. 68 anm. und auch ae. norpeme für 
norprSni aus norpromz, ahd. nordröni. fracop hat noch eine 
weitere geschichte von interesse. In der Zusammensetzung mit 
fin privativum musste dies den ganzen compositionsaccent über- 
nehmen, nach einer idg. wie urgerm. accenti-egel; cf. altind. 



^) Nebenher bemerke ich, dass die erklärung von hatte aus haiiada 
vor Grein von Ettmüller p. 475. 447 gegeben wurde. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 73 

dprahitay dpravUa, dprayuta u. s. w. Wir haben also dem got. 
fräkunps ein ünfrakunps zur seile zu stellen und dürfen die 
bedeutung »unverachtet = geehrt, honestus« annehmen; über 
diese positivische, eigentlich oppositionelle bedeutung von tm 
privativum vgl. Benfey Ved. und linguist. p. 185 ; jene bedeutung 
hat ae. ünforcüp, also mit deutlichem cüp = *Jctmpojs, was 
darauf hinweist, dass auf cüp der nebenton lag: *ünfrahünpoz, 
und fra weil unbetont wurde hier regelrecht for (aus fr). 
Diese Stellung des nebentones zeigt sich grade so noch in einem 
andern compositum. Unser nhd. hider ist ahd. biderbi (wz. parh), 
aber die zugehörige negirte form war *ünbipärbi, wofür aus 
metrischen gründen auch *ünbipdrbi erscheint: ae. ünbipyffe, 
ae. umbithdrbi; unser »eferft«, ahd. hiderbi ist erst eine folgerung 
aus dieser negierten wortform. Aehnlich folgerte man auch 
aus ünforcüp ein forcu'p = as. forcü'th verachtet, fracop kommt 
nach Grein in den poetischen denkmälern etwa 20 mal vor, 
forcüp ist nur aus der prosa zu belegen (cf. Grein sub unforc&p). 
Zu erwähnen bleibt noch, dass für fracop etwa viermal frcLcod 
vorkommt ; es ist seiner bedeutung despectus wegen an die part. 
der schw. ß-verba angelehnt. 

Ich habe noch etwas länger bei ae. fracop zu verweilen, 
da ich die ältere — Lachmann'sche — ansieht verbreitet weiss, 
wonach weder far noch ga im ahd. betont würden. Allerdings 
wird fary fir im ahd. nie betont. Aber man übersieht, dass 
auch int nie betont wird, ant : int = v/r : ir = ae. üp : 6p 
= ahd. ab : ob = ae. bi : be; an diese reihe schliesst sich 
noch das verhältniss von fra : for an. Man übersieht ferner, 
dass im ahd. und ae. mehrere belege für das volltonige /ra zu 
finden sind, und diese habe icTi hier zur stütze von Ettmüllers 
erklärung des ae. fracop zusammenzustellen. 

Dem got. frdwav/rkts sünde entspricht ahd. frdlat (got. 
*frdd^ps) verbrechen; firtä'n = ae. fordon part. ist got. /Vo- 
vHiwrkts Sünder, über dessen betonung weiter unten ; ahd. firtüon 
= got. frawdurhjan^). 



^) Beachtenswerth ist dahei, dass im ae. nur die coinposita mänfor- 
wyrhtf mänfordced belegt sind; sie sind nach dem muster von ünforcüp 
zu erklären; leider ist im ae. frcedc^d = ahd. frdtdt nicht nachgewiesen, 
aber ebensowenig ein fordad; erst im me. zeigt sich zu fordon ein for- 
dede = previous deed. — Einige recht interessante parallelen über laut- 
veränderungen zweiter compositionsglieder bringt Paul FBbeitr. VII, 121 



74 F. Kluge, 

Das ae. hat selber eine reihe worle mit bctontein frm in 
der bcdeutung von prae = übermässig. Ettmüller p. 371 ver- 
zeichnet nach den älteren Wörterbüchern fr€e-biior}Uy -mdre = 
praeclarus, frafätt = praepinguis, frtehradCy -ofestlice valde 
celeriter, frtemicd pennagnus. Da zu fracop die nebenform 
frcdcop bei Grein belegt ist, so wird jenes /r« wohl sicher ^ 
haben, also got. fra sein: vielfach wird ohne grund fr& an- 
gesetzt. In einem etymologisch freilich dunkeln worte haben 
das ae. und ahd. übereinstimmend präfix fra : ahd. fravoit =^ 
ae. frcefele verwegen. Schon Graflf III, 823 muthmaasst für 
das adj. eine yiz.fal, und auch das DWb. IV, 171 hält an präfix 
frii- fest, obwohl der zweite compositionstheil, der gelegentlich 
auch mit b anlautet — dieses h fallt unter die gesichtspunkie, 
die der folgende aufsatz aufdeckt — aus germ. mittein kaum 
zu deuten ist^). 

In anderen ahd. bildungen hat man bereits präfix fra wahiv 
scheinlich gemacht : freht verdienst wäre nach Möller zs. 24, 447 
got. *frarailUs wie ahd. fr'ezean fra-^tan sei, cf. auch Holtz- 
mann AdGr. p. 240; ahd. freidi = profugus ist nach DWb. 
IV, 102 fmaipeiZy cf. ne. outlato = ae. utlag. 

Wichtiger sind aber wohl nächst frdtdt zu firtüon folgende 
ahd. residua, die nach form und bedeutung meist durchsichtig 
sind. Zu ahd. hold (= got. halps) kühn gehört ahd. frdhaUL 
übermässig kühn, verwegen, also mit der bedeutung des ae. 
präfixes free; ahd. frdbaldt f. Verwegenheit: GrafF III, 111. 
Dass man im ahd. fra und fir als correlate wie ant und int fühlte, 
zeigen die zwillingsformen frdscz und fersejs, die Notk. ps. 77, 
46 bezeugt {unde fersezse i, frdsezse gab er iro wuochera = 
et dedit erugini i. rubigini fructus eorum; v. 48 ibid. gebraucht 
Notker frdsez; Hattemer II, 278); sie verhalten sich genau wie 
frätät zu firtüon. Ausserdem finden sich in den ältesten ahd. 
glossen noch 4 an. Xsy. von Worten mit präfigiertem fra; ihre 
alterthümlichkeit kann nach dem bisher bemerkten kaum an- 
.-Äezweifelt werden. Zu far-, firwäzzan belegt Graff 1, 1089 aus 
den Gl. Jun. die abstractbildung fraxuxz, d. h. frdwäz = ana- 
thema, wofür sonst immer mit anderer ableitung, vom part., 



auch auä dem allengl. bei; seine unzweifelhaft richtige und feine deutung 
von ae. heoi neben hthat aus got hihaii wurde oben p. 68 mitget heilt 
^) Zur erklärung des wertes s. ztschr. XXII, 325. — D, red. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 75 

far-, firwazzant = anathema gesagt wird; cf. got. fraU'tan, 
aber fräUts und der bedeutung wegen got. fraqipan verfluchen 
mit fehlendem frdqiss. Das aus Gl. Hrab. einmal bezeugte 
frafildi (in frauüdim = in campestribus Braunes ahd. leseb. 
p. 5, 38) bezeichnet Braune im glossar als fraglich; allerdings 
zeigt das präfix keine klare bedeutung. Zu fatmanon con- 
temnere gehört das aus Gl. Hrab. bezeugte nomen agentis /Va- 
ntano (proparoxytonon) mit der nebenform farmano (paroxyt.) 
= contemptor; dass nom. agent. im ahd. und überhaupt germ. 
auf dem verbalpräfix betont werden, zeigen z. b. ahd. urchundo 
zeuge, ae. andsaca gegner (zu onsacan). Das letzte an. Xsf. 
des ahd. führt uns wieder zur betonung der part. zurück. 
Graflf VI, 542 giebt aus Gl. Pa. frascurgit = praeceps zu 
firscurigen; es ist, wenn der Schreibung zu trauen, proparoxy- 
tonon wie got. frdkunps und ae. frdcöp paroxytona sind. 

Doch ehe ich zum accent der part. zurückkehre, habe ich 
noch zwei schwierige ae. worte zu deuten, die hier vielleicht 
eine richtige erklärung finden. Ae. geatwe und frcetwe bieten 
lautlich gleiche Schwierigkeiten. Ich gehe zur erklärung von 
geatwe — trotz Greins abweichender ansieht I, 495 — von der 
gleichbedeutenden nebenform getätce aus: täwa, getäwa = instru- 
menta (me. tätve instrumentum bei Stratmann* 557 **) ist durch 
belege aus der prosa gut gesichert. Die poetischen denkmäler 
zeigen auch getäwa; im Beow. erscheinen zwei sichere belege 
im compositum: vAggetäwum 368, güpgetäwa 2636; ausserdem 
395 noch güpgeatatoum , wo der Schreiber zwischen geateumm 
und getätomn geschwankt haben mag. Heyne in seiner Beow.- 
ausgabe beseitigt mit allerdings leichter und naheliegender 
änderung diese Schreibungen, geaiewum lesend. Grein behält 
sie aber mit vollem rechte bei auf ginind der belege für getäwa 
innerhalb der prosa ; wegen der quantität von getäwa cf. Holtz- 
mann AdGr. p. 223 und got. t^a f. Ordnung, mhd. gezäwe, 
zäwe, gezouwe f. n. = geräth, Werkzeug, rüstung; ae. />is syndon 
pä getäwa, pe mon mceg heofona rice mid begitan; mid pyssum 
wapnum etc. bei Grein. Die bedeutung von geatwe, geatewe 
und getätce stimmt vollkommen überein; ich identificiere sie, 
got. *gätSw6s und *gatS^w6s voraussetzend. Wichtig ist dabei, 
dass die ältesten belege für getäwe die Beow.-composita wtg-, 
güpgetäwa sind; wir denken zurück bji frdkunpoz : ünfrakünpoz, 
hiparhi : ünbipärbi; gdt^woz und günpgathooz hätten also weitere 



76 F. Klug*^. 

parallelen. Zu dieser erklärung von fjeaiicc isl hinzuzufügen, 
dass der initlel vokal als geaiawe ein paar mal erhalten blieb; 
seine synkope ist auffällig^), aber auch die synkope eines kurzen 
mittel vokales könnte nicht auffälliger sein, denn die tonsilbe 
ist kuiz. Ein niittelvokal niuss aber urgerm. vorhanden ge- 
wesen sein/ weil die lautgruppe tw im westgerm. nicht bleiben 
durfte. Auch das ae. wort für sehne zeigt ähnliche erschei- 
nungen. ne. sineio ist ae. sinew' als Stammform; daneben aber 
sind belegt n. s^inu, seonu, dat. pl. simcum, seonotoum; die got- 
wortform wäre wohl miSwa^). 

Mit dieser erklärung von geatwc gewinnen wir auch eine 
deutung von ae. frcefwe schmuck; auch im as. erscheint das 
wort. Im glossar zu Pipers ad. leseb. finde ich T^frcdahl? 
schnitzwerk, schmuck«; soviel ich sehe, steht es in seinem 
leseb. nur p. 162 (Hei. 380): 

fliö ina thiu modar nam 
hiicand ina mid tcädiu tclbo sconiost 
fagaron fratalmn. 

Was eine Übersetzung »schnitzwerk« hier soll, ist schwer zu 
erkennen; und jedenfalls fehlt jeder weitere anhält sie anzu- 
nehmen: »schmuck« bedeutet das as. und ae. wort. Das ae. 
wort macht dieselben lautlichen Schwierigkeiten wie getätce, 
geatewe; neben frcetwe besteht auch frcetewe, und dasas. kennt 
nur formen mit mittel vokal; belegt sind gen. pl. fratoho, fratoo, 
dat. pl. fraidhuiiy fratohun, fratoun. Das ae. w von frtßttce, 
frcetewe beweist, dass das as. ä für w steht, cf. Holtzmann 
AdGr. p. 152. Man hat an got. fratwjan an. ksy. = klug 
machen dies frcetwe anzuschliessen gedacht; das ist der be- 
deutung wegen unmöglich und weil das dem as. und ae. zu 
gründe liegende wort von haus aus mittelvokal gehabt haben 
muss; zudem ist usfrcUwjan wohl verschrieben für usfrcistwjan, 
da das wort zweifellos zu fra^jan, frops gehört. Ich vermuthe 



^) Hat aber im altengl. ganz sichere analoga. orbp, orup athem aus 
oranp, uzanp steht für öröp nach den im text gegebenen parallelen; da- 
neben aber kommt die form orp mit synkope vor; auch orpian athmen 
aus got. *üzanpdn neben epian athmen = anpjan (cf. Paul PBbeitr. VI, 122 
anm.) zeigt aufläliige synkope eines eigentlich langen vokals nach kurzer 
silbe. Beaclite auch ae. hwylc aus hwilikoz, ylc aus ilikoz. 

2) Anders ztschr. XXIII, 27«. — D. red. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 77 

ein got. ^frätewos fem. plur. Der bedeutung wegen vgl, noch 
ae. cd'tcdw onmino bonus, excellens, good, entire. — So er- 
halten die beiden fast ungerm. aussehenden ae. werte geatwe 
und frcetwe eine gut germ. gestalt, beider lautform ist conform 
und ihre bedeutungen berühren sich nahe genug. 

Nachdem ich so alle mir klaren worte mit volltonigem 
präfix fra und ga behandelt habe, kehre ich nun zur betonung 
componierter participia zurück, ae. frdcop = got. frdkunps 
sowie ahd. fräscurgit sind bereits besprochen, und ich kann 
nun die von Lachmann aus dem ahd. nachgewiesenen fälle von 
betontem verbalpräfix im part. mit mehr beweiskrafl anführen; 
jedenfalls sind es keine »wunderbaren fehler«, sondern schöne 
reste einer altindogerm. accentregel. Lachmann bietet folgendes 
gesichtetes material: 

Die betonung unseres -»Untertans ist bereits ahd., üntartdn; 
dünihnaht, düriAhnoht vollkommen, perfectus part, zu durviir 
nügan (got. *pairhnduhan) p. 369; missilungen zu missüingan 
p. 374; üntarskeidan zu untarskeidan p. 368. Hierher gehören 
auch ahd. antchund expertus, uralt = ae. oreald grandaevus; 
und vgl. got. andapahts p. 81; frascm-git oben p. 75 würde 
hier eine erklärung finden. Ahd. üntartän und ae. frdcop 
sind die beweiskräftigsten Zeugnisse; sie berechtigen uns, für 
das got. die betonung von frdkunps — mit vollster Sicher- 
heit wenigstens — für diejenigen part. anzunehmen, die sich 
begrifflich vom zugehörigen verb losgelöst oder entfernt haben: 
ich nehme unbedenklich üswaurhts gerecht, frdwaurhts sündig, 
üswiss eitel, üskunps offenbar an. Grenzen, innerhalb deren 
man diese betonung gebrauchen darf, werden sich wohl kaum 
bestimmen lassen. 

Jene betonung /r(iw;a«*rÄfe setzen auch einige ae. stellen voraus; 
Sal. 620 hat man aus einem verse zwei gemacht, er lautete 
ponne stondaä pä ßrworhtan, pä pe fimedon. 

Sal. 76 hat man förworht weil reimwort in forJU ge- 
ändert; forworJU = afflictus passt recht gut: 
eß reordade oäre siäe 
feonda aidor, wces pä fdncorht agen, 
seoääan he pces uAtes wom geßlde. 

Dabei wäre nur beachtenswerth , dass in ffirworht (für 
frdworht, cf. ahd. frdtät) partielle anlehnung an foruyyrcan 
vorliegt. 



78 F. Kluge, 

3. Es erübrigt die frage, wie sich der gcrni. verbalaccent 
in der composition aus dem idg., wie ihn das ind. zeigt, ent- 
wickelt hat. Das gerni. zeigt eine Unterscheidung von un- 
eigentlicher und eigentlicher verbalcoinposition. Diese Unter- 
scheidung, wie wir sie etwa zwischen niftgehen, ausgehen, 
iibersetjsen einerseits und Über stehen, beschneiden, ertragen ander- 
seits haben, kennt das altind. nicht. Gemeinschaftlich ist 
beiden compositionsarten, dass das prätlx eigentlich präpositkn 
ist; dasselbe gilt von der Zusammensetzung im ind.; während 
aber im ind. alle gesetze für alle verbalpartikeln gelten, zeigt 
das germ. eine eigenthum liehe behandlung derselben, einige 
Präpositionen gehen nie eigentliche composition ein; mip, M 
sind im got. immer adverbial beim verb gebraucht, sie finden 
sich nie untrennbar mit einem verb componiert; mip gaggam, 
mip gcUeipan, fä gal^iipan: fram g(iggan weiter gehen. Sobald 
die oben behandelten nomina actionis von solchen unechten 
compositis gebildet werden, tritt echte composition ein; zu mip 
wiian mit wissen gehört mfpwiss^ gewissen, zu främ gaggtm 
frdnigilhts. Vergleichen wir das nhd. nur flüchtig mit einer 
älteren sprachstufe wie dem got., so springt in die äugen, dass 
das nhd. die uneigentliche composition m weit grösserem um- 
fange besitzt als das got. oder ahd.; im got. zeigt sich ufair 
nur in untrennbarer Verbindung mit dem verb, das nhd. besitzt 
über in beiden arten der Zusammensetzung; bi bei ist hd., das 
got. kennt nur proklitisches bi in verbaler composition. Schon 
das ahd. zeigt bedeutende abweichungen gegen das got.; im 
ahd. (ef. Lachmanns Untersuchung) werden •> int ssi (ent- 
sprechend den got. %iZy atid, *ti = du) nur proklitisch gebraucht; 
ubar unt<ir durah gehen wie im nhd. trennbare und untrenn- 
bare Zusammensetzung ein. Lachmann allerdings behauptet, 
»sie würden im ahd. noch nie trennbar vor verba gestellte; 
er hätte sagen sollen — selten. Denn wenn er — um seinen 
eignen ausdruck zu gebrauchen — im Otf. »sich den accent 
von V. übar fuär (III, 7, 20) nicht gefallen lässt, weil P. richtig 
ubarf'iiar habec , so werden wir die von Lachmann gering 
geschätzte Übereinstimmung von PV. in zwei andern stellen 
(V, 17, 25. 35) übarfuar, nbarfuari doch für die richtigkeit jenes 
üba}fuar in V. geltend machen müssen. Jedenfalls herrscht im 
ahd. ubatfAran (= ae. oferf'dran; im ae. wird ofer nur un- 
trennbar comi)onierf) mit der seltneren gleichbedeutenden neben- 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 79 

form ubarfuran. Während got. fnürh nur proklilisch gebraucht 
wird, finden sich im ahd. und ae. duruh, purh auch, aber 
selten, in trennbarer composition, ohne dass die bedeutung ab- 
wiche von der im proklitischen gebrauch; Notk. düre skiejsen, 
ae. purh feailan, purh wlitan; aber auch ae. purhwddan, got. 
pairhsdihwan , pairhgdggan. Auch umbi geht composition 
beiderlei art ein ; nur ist volltoniges umbi hinlänglich oft belegt. 
Man höre Lachmanns regel p. 369: >vor einfachen verben sind 
umbi uridar hintar gegin ingegin proklitisch, wenn der aus- 
gedrückte oder gedachte acc. resp. dat. nicht durch das verb 
an sich bedingt ist, sondern nur durch die präposition; im 
entgegengesetzten falle stehen sie adverbial oder wenn man 
lieber sagen will sind mit dem verbo trennbar zusammengesetzt, 
also betont; es liegt schon in der regel selbst, dass nach ver- 
schiedener ansieht hier beides zugleich richtig sein 
kann«; die Otfr. hhdd. schwanken auch hier in der angäbe 
der accente zuweilen: umbirttan; ümbiscouwönY,, umHscöuwdn 
PY,; umbitM'htaPFV.; ümbithekken; umbihwerban; umbigürten: 
ümbisehan; ümbikSren- umbizerbefi PF.; ünibisserben V. Dies 
alles lehrt wie Lachmanns worte, dass die grenzen zwischen 
eigentlicher und uneigentlicher composition für das ahd. ganz 
schwankend sind und sich aus ahd. Sprachmitteln nicht er-" 
klären lassen. Das wird auch durch Lachmanns nachweise 
über widar bestätigt. In der bedeutung contra ist es pro- 
klitisch, in der bedeutung re^o volltonig, aber gelegentlich 
auch proklitisch. Im got. zeigt ana beide arten der compo- 
sition: Luk. 4, 40 handuns analag jands = Mc. 8, 23 atlagjands 
ana (für anorotl.) handuns. Aehnlich faur, cf. Marc. 8, 6 atgaf 
hlmbans siponjam seinaim ei atlagidedeina faur, aber Luc. 9, 16 
gaf hlaibans siponjam seinaim du faurlagjan pizai mana^gein 
und Luk. 10, 8. Daraus dürfen wir schliessen, dass eigentliche 
und uneigentliche composition von verben mit präpositionen 
urgerm. sind und dass sich kein bedeutungsunterschied an die 
doppelheit knüpft. Wie dies zu erklären sei, dafür giebt uns 
das altind. eine vermuthung an die band. Auch das altind. 
kennt die doppelheit der accentuation ; die verbalpartikeln sind 
auch im altind. proklitisch oder volltonig, letzleres im haupt- 
satz, dessen verb der regel nach unbetont bleibt, ersteres 
überall, wo das verb betont ist. Eigentlich geht das ind. verb 
aber gar keine untrennbare composition ein; die verbalpartikel 



8() P. Klut'f, 

kann beliebig weit vom verb stehen, und wenn sie unmittelbar 
vor dem verb steht, gilt sie als selbständiges wort ; nur in den 
zugehörigen nominalbildungen (nom. und part.) ist untrennbare 
composition. Im gcrm. wie im gr. entwickelte sich aus der 
proklitischcn Stellung der pailikel die eigentliche composition, 
während jene volltonige accentuatiop der urgrund der hd. un- 
eigentlichen composition ist. 

Dass der name eigentliclie composition schlecht gewählt 
ist, hat man bereits erkannt: das got. zeigt, dass auch sie 
durch einfügung und einschiebung aufgelöst werden kann; bes. 
tili = ssk. m trennt die sonst untrennbare composition. 

Im altind. gilt mit einer einzigen ausnähme das gesetz 
(cf. Grassmann Rkwb.), dass ca = und nur nach betontem 
Worte steht und dass bei verben, zu denen eine verbalpartikel 
gehört, ca als satzverknüpfung stets unmittelbar hinter der 
Partikel steht. Die letztere regel repräsentiert das got. in 
schönster Übereinstimmung mit dem ind.: djkjt ca tiSthtUi = 
»und er ist abtrünnig« und got. ahulistaiidip »und er fallt ab€ ^). 
Es fragt sich, ob wir auch jene erstere regel auf das germ. 
ausdehnen dürfen und also äbuJhStandip, üzuliqam, dieuhscU be- 
tonen UHJssen oder können. Dafür könnten falle sprechen wie 
Mc. lü, 8 dizuhpansat zu dissitan. Weit außalliger ist Mc 8, 23: 
gatüucasehivi =^ ob er etwas sähe : die mit uh gleich behandelte 
fragepartikel u ist eingeschoben und noch ein hioa = etwas. 
Diese Stellung, die ganz ungerm. scheint, ist alter rest aus der 
Vorzeit. Ich möchte die aufgeworfene frage dahin beantworten, 
dass Partikeln, die eigentlich nur untrennbare composition im 
germ. eingehen und daher eigentlich proklitisch sind, durch 
einfügung von nh, u und nu volltonig werden müssen, d. h. den 
aus der idg. zeit überkommenen accent in dieser Verbindung 
behalten, während er sonst stets auf das verb übergegangen ist. 

Untrennbare composition geht im germ. atid ein, das zu- 
gehörige verb hat also stets den ton. Nun beachte man die 
bildung der zugehörigen nomina actionis im got.: andbetUm- 

*) Diese ind. accentregel beweist, dass Sonne mit unrecht got. uh auf 
ein unniögliclies u ca des altind. zurfickführte; uh muss auf grund jener 
accentregel unmittelbar aus ca erklärt werden. Uebrigens erscheint im 
got. auch »ttt enklitisch: Luk. 20, ifö us-nu-gibi/t /to kaisans kaistwa etc.; 
hierin hat das ^^ot. gleiches princi]» wie das gr. mit seinem enklitischen 
yv ; altind. »iti ist volltonig. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. gl 

dndaheit; andhdfjmi-ändaJiafts; andhäitcmrä'iiddliait; andniman- 
dndanumts u. s. w. Also die verbalpartikel ist um eine silbe 
länger in der nominalcomposition als in der verbalen. Das 
kann nur folge des accentes sein; ända- in der nominalcompo- 
sition ist vorgerm. antd; proklitisch erscheint dafür and, Dass 
wir zu andpdgkjan sich bedenken, sich erinnern, dndapäkts be- 
dächtig, vernünftig als part. mit der vollen, also betonten ge- 
stalt des präfixes finden, darf nicht mehr befremden, nachdem 
die betonung frdkunps zu frakti/nnan erwiesen ist. Dass das 
got. andwairps gegenwärtig ursprünglich das proklitische präfix 
hatte, steht mit der p. 84 berührten form des suffixes wairpa- 
in Zusammenhang. 

Von hier aus gewinnt Holtzmannsvermuthung (AdGr.1,2,55) 
einige Wahrscheinlichkeit, wonach das fehlen oder setzen des 
stammhaften a oder i im ersten compositionstheile durch 
den idg. compositionsaccent zu erklären wäre. Weiter könnte 
für diese vermuthung folgendes sprechen. Im altind. werden 
bahuvrihicomposita auf dem vorderglied accentuiert; im got. 
bewahren die Vorderglieder im bah. -comp, gern den stamm- 
auslaut: wairaieiks, ibnaleiks, samaleihs, juggalaups^ satnalaups, 
aljakuns, mmakands, *mükam6ds, IcK/gamöds, dwalawaurds, 
hrainjahairts. Im ind. accentuieren die determinativa , deren 
zweites glied ein passives part., das vorderglied: got godakunds, 
himinakunds. Beachtenswerth wäre auch, dass vor suffix düpir 
im got. der stammauslautende vocai unterdrückt wird : gamain- 
düp8, mikilMpSy ajtikdüps; ursprüngliche betonung des suffix tüti 
(täti?) schemt zweifellos. 

Der ausgangspunkt dieser Untersuchung war für mich 
die oben angegebene deutung von ae. fracop, die ich unab- 
hängig von Ettmüller fand, und die feststellung der ur- 
sprünglichen betonung zusammengesetzter participia ist ihr 
wesentlichstes resultat. 

Zum schluss sei es mir gestattet, hier mitzutheilen , wie 
zwei fachgenossen, denen ich diese deutung von fracop ge- 
sprächsweise vortrug, dieselbe aufnahmen. Der eine gelehrte, 
welcher meinen erklärungsversuch mehr vom standpunct der 
germanischen grammatik aus beurtheilte, wünschte erst den 
nachweis geführt, dass componierte participia die voraus- 
gesetzte betonung hätten, wenn die deutung von ae. fracop 
annehmbar sein solle. Der andre gelehrte dagegen hatte — 

Zeitschrift für ver|{l. SprHchf. N. F. VI. 1. ^ 



S:2 K. KUiijo. 

als ^(imchvurgleicher — in hiiiblick uuf die g;r. und ind. be- 
luiiungsvcrliäUnisse nie bo/weit'clt, ditxs im ^oi.frdkunps zu be^ 
tonen sei. kli thcilo dies niil, damit man dos resullat dieser 
nntersuchung nicht als selbstverständlich hinnimmt. Was 
Lachmann in seiner werthvollen abhandlung als »wunderbare 
fehlere hinstellte, war bisher von denen nicht beachtet, die 
germanische Spracherscheinungen mit aussergermanischen ver- 
gleichen. Und so darf ich diese Untersuchung als eine er- 
gan/ung zu Lachmanns aufsatz bezeichnen. 



II. Lautverschiebung in zusammengesetzten Worten. 

Bereits in meiner erstlingsschrift QF. 32 und nachher in 
einem in PBbeitr. VI gedruckten aufsatz p. 394—399 habe ich 
den lauterscheinungen in zusammengesetzten Wörtern, soweit 
sie dem Verner'schen geselze unterstehen, aufmerksamkeit ge- 
schenkt, lils handelte sich in den dort besprochenen flUlen 
um solche erscheinungen, die ich unmittelbar aus den altind. 
accentuationsgesetzen ableiten konnte. Nachdem nun dieser 
versuch wie es scheint allgemein gebilligt ist, darf ich dasselbe 
princip auch auf solche falle ausdehnen, in denen uns die alt- 
ind. gesetze über den compositionsaccent (Garbe zs. 23, 500) 
im stich lassen. 

Das werthvollste beispiel für den accent in zusammen- 
»"Izungen liefert unser hd. nwsser: wer das bei Weigand 
gegt^bene material durchsieht, dem wird das problem bald 
klar si'in. Im altengl. heissl das messer metescaxy was im got. 
♦mw/»-mAj! erpt^bon würde. Dem entsprechend hat auch das 
as, der FriHrkonh. heberolle \^yl (cf. Heyne kl. andd. denkm. 
p. \VX\ vwjMS für 9ii/7-sa.N\ mii-sahs. Dagegen lialte man die 
ältesten ahd. formen wi«^mis. me^irahs und me^isahs; wir 
werden Si>mit durch die beiden erstgenannten formen auf ein 
got. ^iHati'Cahs geführt. Nun lässt sich kein grund einsehen, 
weshalb alti^ s in ^ntatisahs im hd. zu r hätte werden können; 
ilagiyt^n konnte aus ältcnnn *wati'j:<ihs(m auf allen sprach- 
g^^bieten miiti-AiJison worden, indem das simplex "^sahso-n = 
kleinem schwort mit seinem tonlosen anlaut einwirkte. Somit ist 
*»Hii/f-r<?7»\»fi die ilUoiv germ. form und *wirt//-Aifooti die jüngere. 

DiosiM' lall untoivoheidot sich wesentlich von denen, die ich 
iVülior hevvotvezogiMi \\i\W\ bei ihnen handelte es sicii um die 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 83 

Verschiebungsverhaltnisse im wortinnern: idg. Jcetür als flec- 
tierender stamm hat im urgerm. zufolge got, fidur sufßx- 
betonung gehabt; idg. Jcäur- oder wohl besser mit Wacker- 
nagel zs. 25, 283 ^) Jcetrur hat als erstes compositionsglied auch 
im urgerm. stammbetonung gehabt nach ausweis des ae. feoßor. 
Das eben vorgeführte compositum ist beweis dafür, dass auch 
der wortanlaut im compositum Verschiebung erleiden kann; 
das altind. war uns dabei von keinem werth, weil beide com- 
positionsglieder dieser spräche fehlen. Das hd. liefert noch ein 
paar hierhergehörige falle derselben art; nur einer derselben 
ist mit der gleichen Sicherheit wie messer zu beurtheilen. 

Ich habe bereits oben p. 70 ahd. gdbissa spreu, abfall, 
quisquiliae besprochen und im anschluss an GrafiflV, 177 ety- 
mologisch gedeutet; gdbissa schreibt und accentuiert Otfrid 
I, 27, 66; die belege aus den bibelglossen bei Graff haben für 
das b Otfrids durchgängig v. Wir haben also die doppel- 
formen gdbissa und gdvissa^ und diese verhalten sich genau 
wie die ahd. doppelformen me^giras und m^^j^scihs. Denn der 
zweite compositionstheil ist ahd. fesa spreu, quisquiliae; ga ist 
das collectivpräfix , das accentuiert wird wie in den oben be- 
handelten got. gama/n, gäbaur u. s. w.; der bedeutung wegen 
vergl. auch noch etwa got. gasköki == ein paar schuhe. Hier 
interessiert der grammatische Wechsel von gdbissa und gavissa, 
der schon Holtzmann AdGr. p. 303 aufgefallen ist. ßsa ahd. 
ist vorgerm. *plsä, und gdbissorgdvissa ist vorgerm. *ghaplßjä, 
aus welcher form sich lautlich nur gdbissa entwickeln durfte; 
gavissa beruht auf neuer anlehnung an das uncomponierte 
wort, wie matisaJis für matizahs auf anlehnung an das ein- 
fache sahs. 

Weiterhin fallt hierher ahd. frdbdli'fravaii = frevelhaft; 
der grammatische Wechsel ist kaum anders zu beurtheilen als 



*) Dieser aufsatz wird fflr das germ. wichtig, weil er zur erklärung 
der genetivform der verwandtschaftsnamen im altnord. verhilft An. mopUTy 
föpur u. s. w. kann weder aus germ. modroz, fad/raz noch aus germ. 
modriz, fadriz erklärt werden (cf. /utitQog = lat. matris, nargog = lat 
patHs); in beiden fällen hätte man im nord. rr zu erwarten, möpur, 
fÖPur sind urgerm. modur fadur^ und diese grundformen decken sich gut 
mit ssk. pitwr, wdiur. Im altengl. können die genetive modor, brößor 
genau ebenso erklärt werden; fOr die seltene nebenform meder hätte man 
die erklärung des lat. matris anzunehmen. 

6* 



S1 F. Kliipf. 

iior von ffahlssa-4javism, es sei denn, dass man f'rabali aus an- 
gliMi'liuii^ an das oben p. 74 behandelte gleichbedeutende ahd. 
/'f»i/>r//f/ iMklären wollte: dann wäre /'rarä// die berechtigte form. 

Aul* /woi etymologisch ^än/Jich dunkle worte kann ich 
hier nur hinweisen, ich vermuthe bloss, dass es composita 
sind, tinde aber keine irgend befriedigende deutung. Ahd. 
Irftüiha ■ ^ ae. Idtct'rce, aber nordfries. läsk (mit s gegen 
hd. engl, r) weisen auf ein gemeinweslgerm. wort für lerche, 
dossiMi laut^H'stalt etwa gel. als *laitvazak6 darzustellen wäre — 
un«i das k(")nnte fuglich nur comi)ositum sein. Das schwierige 
ai\ fUiH\nio (inmtf ^= |)aradies), dessen bisherige deutungen kaum 
lvfrii\)ii:on . scheint nn'r ein compositum zu sein; an ae. neo 
{ ^ot. w«iin-) --= der todte könnte es sich anschliessen. 

Kin verstecktes compositum, das auch wegen der lautveiv 
!5*"liiobuiig von inloresse ist, sehe ich mit Zacher in mhd. eimere^ 
;\\ui, rimutiia, ae. tcmtjriv, an ,cimyrja glühende asche. Schade 
wIk ;ioiit t^ zu an. rimr dampf, rauch; da aber an eine ab- 
UMtuti^anf urja nicht /.u denken ist, wird man darin ein dem mhd. 
ftk^:?. ^s<ir] funke, aschenstaubchcn verwandtes sehen müssen, das 
5« der verbreiloton w/. hs = brennen gehört cf. ae. ysle? ^de? 
au. f»>\>. Auch wäre ja aus nord. cimr allein die bedeutung 
dtv i'»fAyr\% \\w\\{ :\\ bogroifon: die annähme eines goL ^aim-tc^ 
^Tklärt un\\\ und lunloutung jener worte am besten. 

l\^s u;vi>>"iu» Ih\s;iss unstTc suflixe -^'(Utiii und -tcärfig in den 
7>\^'.;rjrst\^vmen rtuS>- : fahU)- und trcrfH>- : icet'do', teardo-, 
"vW.N) V.<v« )i^) ^^^'- vor, f'iiltiti- im nord. und hd. : auf dem 
^^vy<\; j:vb;oJ *ios jivrm. ist i^ nur als suftix gebräuchlich, und 
i«Är^ V^v.v.Jo <'i\\a ,-^n einen wivhs^M //r*/ii//H>-. fVpurf'aldo- nach 
rUNvtv \ K :n*A^ derAon, w cim es nii ht näher läge an einfluss 
*<<'*< ^' > *'.»J.\>«»^ ■'■,f',»;,f«*« präl, pl. ..u denken. Ausgeschlossen 
rs^ ,\N' jtr.vl-.e A';vr.,thnu* ixiv das sutViX wf^i*-. irenfo-; die 
i^;v;.- \'\'." >; ^x <v.*v v;:r vi;;ivh ^i.^s jro:. IvriUirt, im westgerm. 
^■.".i «/ifW.. «/'/jf/'.?,. N;ii':i vit'm p, Sl iWi.erkteii wäre für got 
/rti»///w. ' SS o v* ::^^\^;r4; ÄC>vr.:i'.Atio:^. i?»K.>\3-**vr« >.• wohl denkbar *). 

v-.s-.; /wv.. H.i.-$ o;;rks;vj:;;:ia: \erV':r.i?c- -oh mit Vinpa- 

^■«. \ •».t,''i-. 1.-V 'V>.%"q^ '. ■•• ,• frv V. -•,■...- V vv>r ■;■■ .■ .v-r/. ar!f!nreit«rt€ni 

•■ 1 ■■ '■ 'v- j,-.' ■♦^» SV- -.v,-. ■ : V . t" Aw ,v ;<.-■■ .-."..i^ .-u: y.rif.\ "ä*>. meist 

i. *.■.■■.<.•..•.-■..%*. ■,■ »,v'-^ -. .* .■.■?^. ^ jr/'i v.tTiw*j#. ahd. 
■^."•11 ■" f I». ('i-i 



Zur altgerm aniseben Sprachgeschichte. g5 

lied in Hupareis sänger; der bedeutung wegen erinnere ich an 
siggwan = singen und lesen; »Ked« bezeichnete vielleicht jede 
form gehobener rede. 



III. hd. hebend) 

Das e des Wortes ist erst nhd.; die älteren wortformen 
weisen auf idg. i in der Stammsilbe hin: mhd. biben, ahd. 
Üben, as. biton, ae. beofian, an. bifa. Der germ. verbalstamm 
ist demnach bibai-. Als nächsten verwandten betrachtet man 
gr. (pSßofAcct^ wogegen vocalismus und consonantismus zugleich 
sprechen; Ficks europ. bhebh hat weder am germ. noch am 
gr. eine stütze. Ahd. bibem, bibes, bibet sind urgerm. bibaind 
bibaizi bibaidi = idg. bhibhaimi bhibJiaisi bhtbhaiti; diese grund- 
formen enthalten bhi- als reduplication und bhai- als Stamm- 
silbe, die der im ssk. und lett.-slav. verbreiteten wz. bhi sich 
fürchten entspricht. Im altind. des Rk sind nach Grassmanns 
wb. folgende formen der 3. conjugationsclasse belegt: bibhij/dt, 
bibhUnna, obibMt, Mbhyat, Die starke wurzelform 6A^ ist also 
nur durch das imperfect abibhSt bezeugt; aber bibMmi bibhMi 
bibhSti sind nach aller analogie vorauszusetzen. Das e des ind. 
kann sowohl ei als ai und oi sein; ei ist der slav.-lett. verwandten 
wegen unmöglich, diese scheinen vielmehr bhai (at) als st. 
wurzelform zu erweisen. ^Der Übergang des alten st. v. bM- 
bhaimi bhibhaisi bhibhaiti in die a»-conjugation (bibein bibSs hibH) 
begreift sich also nur aus den starken formen. Auf die Über- 
einstimmung von ahd. bibem mit altind. *bibhemi ist freilich 
wenig gewicht zu legen; man hält ja das m der 1. sg. in der 
schw. conjugation für unursprünglich — wobei man freilich zu 
zeigen vergisst, warum grade zwei schwache conjugations- 
classen beeinflussung von der starken wi-conjugation erfahren 
haben. Dass auch die schw. vocalstufe der \vz. bht vorhanden 
war, lehrt das ahd. bibinon beben, das von einem reduplicierten 
particip bibfno = bhibMno abgeleitet ist, cf. ai. dattd- zu da 
für 'Ud-, jagdhä' zu wz. glws (cf. gr. oxpov = *ghjsöm). Die 
erhaltung der reduplication im germ. erklärt sich aus frühem 
übertritt des st. v. in die schw. conjugation. Wir hätten 



^) Nähere bcgründung des artikels »beben« in meinem etymologischen 
Wörterbuch des neuhochdeutschen. 



86 F. Kluge. 

somit — entgegen Joh. Schmidts abweichender ansieht zs. 35, 
74 — auch im europ. ein redupl. präsens von einer t-wurzel 
mit erhaltener reduplication. 



IV. Etymologica.*) 

1. Die von Curtius grdz. p. 366 besprochene gruppe Jid%v^ 
==^ lat. läna, vorhistorisch laghnä, hat auch innerhalb des germ. 
einen sicheren angehörigen: altnord. lagpr m. a lock of wool; 
I^P'fiV^'f -Q^pr adj. = with fine fleece, of sheep. 

2. Gr. eiUoveg, Curtius grdz. p. 173, hat falls wirklich aus 
ishovsg contrahiert ein ganz genaues correlat an altnord. soUi 
a brother - in - la w , pl. svüar the husbands of two »sters; 
got *swäja, pl. *swiljans; eiJUopeg und swUjans aus 9wdi4me^ 
Vi'gfüsson vergleicht dem nord. wort das jedenfalls auch ver- 
wandte gr. dSXto&; unsere Zusammenstellung empfiehlt sich der 
formellen gleichheit der worte wegen. 

3. Für hd. hanker = Stengelkrankheit der nelken denk^i 
Weigand und DWb. s. v. an entlehnung aus lat. cancer^ cancrem; 
auffällig ist bei dieser annähme, einmal dass die entlehnung 
schon im ahd. stattgefunden haben müsste — ahd. cancur ist 
belegt — und dann dass im lat. Cancer als gewächs- oder 
baumkrankheit nicht nachzuweisen ist. Es liegt überhaupt kein 
gnind vor, der uns zwingt in kanker ein lehnwort zu sehen. 
Fassen wir es als gut heimisches wort, urgerm. kankroß, ao 
liegt nichts näher als es mit gr. yoyYQog auswuchs an bäumen 
zu identificieren ; bcdeutung und laut passen gut. Wegen des 
mitteldeutsch, kanker = spinne, das man früher auch aus laL 
Cancer deutete, vgl. Hildebrands feine und überzeugende dar- 
legung im DWb. 

4. Falls man an der geläufigen Zusammenstellung von ae. 
hyse mit gr. xdctg festhalten will, hat man das ae. wort mit 
ff anzusetzen. Diese vermuthung wird durch die form des 
nom. sg. zur gewissheit gehoben ; denn da das wort als jci-stamm 
flectiort, cf. pl. hyssas, so hätte der nom. sg. *hpss zu lauten; hfise, 
hysBos sind got. *hunseis, hunsjSs; das a von xac^^ ist daher 
nasaüs sonans. 



*) Vorläufige verwerthung einiger resultate meines etymolog. wb. 
dmi nhd. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. g7 

5. Mit as. heian, ae. hcofon himmel steht as. g^an, ae. 
geofon meer genau parallel; im got. hätte man nach himins 
ein *gimins zu erwarten, und dies giebt uns eine erklärung für 
das dunkle geofon an die hand. Im altnord. heisst das meer 
geimi, was zu dem gemuthmassten gimins deutlich in ablauts- 
verhältniss steht. Falls geofon ursprünglich w-stamm ist, wären 
gaimen : gimen die st. und schw. Stammform. 

6. Hd. steiss aus mhd. süu^, stiu^, ahd. stiu^ für stitvuT;; 
ich vermuthe ein got. steiwats und dies wäre eine ableilung von 
einem sttwa = lat. süva pflugsterz. 

7. Zu germ. gaizo^ neutr. = speer (an. geir beweist, dass 
das r von ae. gär, ahd. g^r ein altgerm. z ist) und lat.-gall. 
gaesum — grundform ghaiso-m, cf. altind. MSas n. geschoss — 
stimmt gr. x^^^^ hirtenstab; die bedeutungsdiflferenz innerhalb 
der gruppe weist auf eine grundbedeutung »stab zum werfenc. 
Wegen des ausfalls des s vgl. ausser den geläufigen beispielen 
noch ^o/viy speise für d^oa^vf} = ssk. dhäsi nahrung, dovlog 
aus doffolog zu altind. ddsd sklave; TgavXog lispelnd (cf. davXog 
dicht) für trsu-Us zu altind. trS-td heiser. 

8. In einem excurs (s. unten) gebe ich eine liste von Worten, in 
denen ablaut nach art von ind. sünus : germ. sünuz, germ. hMie 
haut (ae. hyd) : lat. (Mis vorliegt. Dahin gehört auch die diiSFe- 
renz von altgerm. Müdö^ laut, zA.srütd- und ssk. QrUta^ xlikS-. 
Wie nun im ahd. doppelformen andlidti und ancdüti (Notk. anch 
liute Holtzmann AdGr. p, 257) bestehen, so hat auch hlüdo- inner- 
halb des germ. eine nebenform mit U; sie blieb erhalten nur in 
den eigennamen Luäung und Lothar, ahd. Hludowig und Hlota- 
hart, ae. Hlopung und Hlophere; got. *Hlupaweigs und "^Hludor 
harjis (Hlupaharjis), Man kann schwanken, ob das part. hier 
dem gr. xlvrog, ind. grtUas in der bedeutung (also etwa = KXso- 
fiaxog, KlsoffTQaTog) entspricht, oder ob es wie tdüdö- laut be- 
deutet, so dass die beiden eigennamen als bahuvrihicomposita 
= >lautkampf, lautheer« zu fassen wären. Das letztere erscheint 
mir wahrscheinlicher: lauter lärm ist ein wesentliches moment 
in den altgerm. kämpfen nach dem zeugniss unserer allitterations- 
poesie. 



S8 y- Kji:j:«'. 

V. Die idg. tcnucs ad?iiiratae im germ. 

Vielfach finde ich die ansieht ausgesprochen, dass die idg. 
lenues adspiratae im germ. durch reine tenues verlrelen würden. 
Da gegen diese altere annähme noch nicht einspräche erhoboi 
ist und auch gründliche kenner des germ. sie theilen, darf ich 
meine abweichende ansieht der envagung empfehlen, für die 
ich eine reihe sicherer und beweisender beispiele beibringen kann. 

Bedenkt man, dass die idg. mediae adspiratae im germ. 
/.unachst zu tönenden Spiranten und weiterhin erst in histori- 
scher zeit thcilweise zu medien geworden sind, so hat man 
auch für die alten tenues adspiratae Übergang in die zugehörige, 
d. h. tonlose spirans zu gewärtigen. Waren aber th ph kh 
so zu ^ X 9* geworden, so mussten sie mit den aus reinen 
tenues entstandenen spiranten ^ (f> x^ P f ^ zusammenfallen, 
und mit diesen dem von Vemer entdeckten Verschiebungsgesetze 
unterstehen: d. h. die idg. tenues adspiratae erscheinen im 
im germ. als p f h oder ä t y je nach der Stellung des 
accentes. Folgende belege bestätigen diese a priori gemachte 
construction, die auf der herrschenden theorie der lautverschie- 
bung basiert. 

liorm. /ki?wi- sw. verbalslamm = haben ist lat. AaU-; 
kJH^Iihai- ist die vorhistorische lautform des Stammes; das k 
dts laL Wortes kann nicht auf gh beruhen des germ. verbs 
w«Vi^n. Du die Verwandtschaft von habere -haben doch wohl 
kaum anzuzweifeln ist, bleibt die annähme einer grundform 
IJhiMfff- die einzij:o mi)glichkeit der erklärung. Das gleiche 
irill vom pn^nominalstanun germ. hi- = lat. hi-; k^hi ist die idg. 
stanuuform. 

lioL fi/Ni»i(i aussorgot. fujano (an. ögn), gr. a^vf , laL 
fWi«»; dio got. form beweist, dass an idg. media adspirata 
«i^oiff» uichl ;.u denken ist : akJkuu) (mit wechselnder betonung 
cf. \y \K^) ist idg. an/.usot/on. 

IM. Mi»ik/. alhi. iifff/d/. ae. furtil und ssk. fiakha beruhen 
tioullioh iriMuiK «nf idg. nokho-, und gr. o-t^vx-^ kann so gut 
#♦,^<^ MMU wio IjU. ♦i«i/##ts fiir foi^nc. Das a des germ. Wortes 
lvn»h( iUif ^uftKbolouung. Aohnlich beurtheile ich das vei> 
hAlhU'.-- \»>u ai\ y/\ ahd. fii)«/ifi wogi^ i-u lat. fim^ci: ae. j(^, got. 
wolil »/•«>>. >;ou. ♦«♦♦/^lis. i^l Hiiihu lal, eiwJii isl ww^ci. unthä. 



. ^ 



Zur altgermanischeu Sprachgeschichte. 89 

Mhd. hinken = ssk. wz. kJuinj sind idg. kheng; hd. huf, 
ahd. huof, altgerm. Mfo- == altind, gaphd-, zd. sa/a huf, erweisen 
ein idg. käpho- mit wechselnder betonung. Zu ssk. manthd drehholz 
gehört an. möndM m. drehholz; das d des nord. Wortes deutet 
auf Suffixbetonung; die volltonige Stammform wäre manp. an. 
meipr m. stange und ssk. methi-s opferpfosten beruhen auf idg. 
maithis. Zd. zafan mund = g^apJhan ist ae. ceafl kiefer. Lat. 
femina und ae. fcemne (got. *faimind)^ as. /*^mwa lassen sich 
bei einer grundform phaiminä als identisch ansehen. Aehnlich 
entspricht ae. fäm, ahd. /bim schäum dem ssk. phSna; der 
suffixwechsel »wo .• no zeigt sich in ahd. bodam, boden = ssk. 
Imdhna; lat. spüma durfte doch wohl auf si^öma cf. ahd. scüm 
= schäum beruhen. Zu ssk. prthü, zd. prd^ breit stimmt 
ausser gr. nXd^avov platte, auf der kuchen gebacken wird 
gut das p von ahd. flado, mhd. vlade, nhd. fladen = breiter, 
dünner kuchen. Auf die Zusammenstellung von nhd. funke, 
ahd. fanco mit gr. (pifr^^v (also wz. pheng?) ist kein gewicht 
zu legen. Gr. Xda^ii spott, schmach, falls mit hd. lasier, ae. 
Jmktor, an. Ws^ fehler, laster verwandt, steht für *Aax(^r^, 
cf. naaxca = nad^(fxco ^), und beweist, dass ahd. lalian, ae. lean 
tadeln, schmähen auf einer wz. lakh beruht. 

Schwierig ist das verhältniss von ifäXatva^ (palij walfisch 
zu ae. hwcel der vocale wegen zu beurtheilen ^) ; wz. k%tml? 
WZ. panth gehen liegt vor in ind. path = zd. pai^ weg , dazu 
gehört ahd. fanden eilen (got. *funpjan) und ahd. fendeo, ae. 
ßpa, got. "^fanpja fussgänger. Ssk. rdtha, zd. rad^a und germ. 
rap(h vereinigen sich unter ein idg. rötho-; und es Hesse sich 
denken, dass germ. herton herz mit ssk. hrd auf ein idg. kherd, 
khrd hinwiese, erhüben nicht die übrigen idg. dialecte bedenken. 
Das gleiche gilt vom suffix der Ordinalzahlen: ssk. tha und 
germ. do, po (QF. 32, 132) können ebensogut idg. tho sein als 
germ. do, po und gr. to, lat. to sich unter ein idg. to ver- 
einigen lassen. 

Somit bestätigen eine reihe werthvoller und überzeugender 
beispiele die vermuthung, dass die idg. tenues adspiratae im 



*) Aus *lax(fTti hätte lautgesetzlich nur Haxrri oder *lax^ werden 
können, vgl. ttnogf ixTag, mv/^cn. — J. S. 

•) Nach J. Schmidt voc. II, 347 sind sie mit einander gar nicht ver- 
wandt. 



•M) F K li' 

pTiii. iliinth .s|iiraiit»-ii prll« '">'.-: ". vi.-:%iM:„ l_^ bislierige an- 
imliini', / sei der vertrettr \o:, !i*r. :*. =j:ütztf sich wesentlich 
nur /.woi belego aus den i-.-rK-i.ilirifijirr: . die ich behandle, 
«»lif» ic'li ilio soristife'en einzelner: fkl-r. a jf denen die ältere an- 
nahmt Inisierf, beleuchte. 

Das 'ts von got. hatrat^. fnrai^ i, dual. prä«. soll deni 
s>k. fhas (Mitsprechen: das Hesse ^ich sich wohl denken, wenn 
doni ssk. hhdratha der i. pl. nur auch *l»a!nt und nicht bairip 
onlspräclie; thatsache ist. dass im ind. /Aa.« für die 2. dual., 
//mi filr die i. pj. gilt, während das gr. qtgetovj qffcvs in 
boi(l('n falh^n reine tenuis zeigt: nur das germ. hat im dual 
einen aiulein dental als im plur. Das ist den anhängem der 
Alleren theoric unwesentlich. Aehnlich ist auch das oben un- 
luMürksichligt gelassene verhältniss von ar. j>rthü breit zu gr. 
Ttiatrc un«l an. /latr^). 

Der '/weile fall, für den man germ. t = idg. th im sufBx 

M In (lios4Mn fallo winl die zusainmenstelluni^ des nord. vocales 
ui't:t*n iinsirliiM': dem r des griecli. la, ai entspricht im germ. oZ; für 
f>f' tiuiiot sich nllertlinirs gelegentlich ar, aber nie ra. Daher bleibt die 
oIm|!o 7iis:unnit>nstonung problematisch. Ueber ar als Vertreter von f 
t>;ibrn wir \on nndoror soite aufschluss zu hoffen. Hier nur einige winke, 
ob or odor ro als jr«»si't7.1icluM* Vertreter von r zu gelten hat. Osthoff hat 
jiln^st jiltnoril. stro/tin», das auflBlIige part. zu serpa, hervorgezogen, um 
«»ino niH'hmnIiiro prilfimir der fra^'e zu empfehlen. Zunächst ist die autorit&t 
ihrvri rmou m^rd. form wonig überzeugend, weil r zuweilen im nord. 
mpt.-)lbovi\ orIfMdon kann: cf. ra$a :~= o^o;, ars und ragr = arg und 
mnoibalb doi riMiju^.i(ion muss freta ---- fvrtan iti^^Hv beachtet werden. 
7)i<)nn ^p^i^t'biMi oino iran;o voihe isolierter formen für wr, or als verteter 
xon i«)^ f lind 's\\;\x formen, in donon die annähme analogischer beein- 
llu^Mui^ f.-»«* An!K|rovrhlosson ist. hrrdo- : bordo- = brett sind Zwillings- 
toviuni. dir i«h r.i>t*ii nw-ihnc; j\\ wi.fir^k^'prvk^ fragen (cf. /raiAiuifi goL, 
fhv,e*'n üh*\.) ^rhc\\\ tho al^liMtnug ftirako -• frage fflr forhsko = pfk^tka 
^t-A f v.->*rtV d'.o im tr\l unton iH^bandolton zwillingswörter hurfit- : kmrdi 
Ui .'«Vff^v vir.d A\w\\ birr \\rrtb\o]|; oIhmiso alt gor m. Aor«ito* = schnell 
{nwA y,h.\ ^fK'V./^ lu ar %v,?,jV. hrA'Mu^r «vleritor: horsko- ist ftrf«to-. Auf- 
<'.^)h^vi ^^■4>)«r or.{v)^vwM .im) g<M, />-if>i»4) das ae. formte a5. /ormo. f&r die 
An ir.r.t^viv nNriAih<^»^.-«> v.:«hs '/.) drnVon i^' . ^M'Mi'- ist grundfonn, cf. den 
MifiV.Ant» .1 1^^\v.■,^;iVÄ^,^ ^-vj, . y^ »'rn ü\\> fvjA - ; jCt, !(»*«•> macht wahf- 
ciho.i"i*ii, li oa-^ ^vi •'••»»•j^ Awi ari>br,;;nif Ar. riTjo sUrko vocalstufe be» 
\vA'i\ >-«?/» it< ,i?r lA;i^^t^oJ>h*-br f»>ni^. S^Mi^-il ist .■«•, w auch reHreter 
v,%v. \,s •.•*". .;,■■. r,^ •1,*-^ viA\V»^\ vi;-. ff fv od^r Vi TS*, l>ani kckmmt. di 

V-,": fT^h; <?^'"»/ W'V'^* "... r^ a'J«' x-rviiv^i<^i xv.""*. ' v»*r^ini weisen ist. 



Zur aliger manischen Sprachgeschichte. 91 

statuierte, ist das suffix der 2. sg. perf.; gr. ^oe, altind. tha 
sehen wir hier in guter Übereinstimmung, tha hat allerdings 
als idg. suffix zu gelten; aber im got. nord. entspricht t. Nun 
bedenke man, dass der bei weitem grösste theil der wurzeln 
auf s oder einen verschlusslaut endigt, somit st, ht, fl, pt in 
ihnen beim antreten des suffixes nothwendig wurde; denn kfh, 
gth, ghth konnten nichts anders ergeben als x^, ht. Nach einer 
ungefähren rechnung stehen die verbalstämme auf s und auf 
verschlusslaute zu denen auf l m n r und vocale etwa im ver- 
hältniss von 8:3; ich nehme daher an, dass von wz. bher die 
2. sg. prät eigentlich harp hätte lauten sollen, aber nach dem 
muster von last zu lisan, sloht zu slahan, hlaft zu hlifan u. s. w* 
zu bort umgewandelt wurde. 

Weiterhin kommen nach Grassmanns aufsatz zs. XII p. 106 
noch einzelfälle in betracht, die ich freilich nicht alle beseitigen 
kann. Grassmann fuhrt ausser den beiden besprochenen noch 
10 belege an zum beweise für die jetzt herrschende Iheorie, 
wonach den idg. tenues adspiratae im germ. reine tenues 
entsprechen. Davon wurde die gleichung an. flair = prthü-s 
des vocalismus der Stammsilbe wegen p. 90 als problematisch 
bezeichnet. Got. wairpan mit gr. ^7q) (Qln) zu identificieren 
und unter ein vorgerm. unrph zu vereinigen verbietet auch der 
vocalismus der Wurzelsilbe. Bei y^iipog (tQtnog) netz und got. 
greipan widerspricht der anlaut der Zusammenstellung; gr. y 
wäre germ. h. Germ, skipo- schiff hat bereits Paul PBbeitr. 
VI, 83 anm. auf grund des urgerm. i von gr. (fxd<pog getrennt. 
Die ssk. wz. meth auf einander stossen aus mamath zu deuten 
und zu got. mötjan zu ziehen, liegt kein genügender grund vor. 
Die deutung von an. hvatr scharf aus einer vn. ktoath hat an 
ssk. hUhöra scharf und kuthdra axt keine stütze, da sie das 
verlangte kw nicht zeigen. Ahd. chalo, ae. cedlo kahl hält 
man mit mehr recht für ein lat. lehnwort ^), denn für correlate 
zu ssk. khalati, khälväta kahlköpfig. Gr. dtxo/iat mit got. tSka 
auf ein idg. cßkhd zurückzuführen, got. mSkeis seh wert zu gr. 
fAcixatQa^ wz. makh ((idxofAai), zu stellen, würde ich für mög- 
lich halten. Aber auch machen ahd. tnähhon aus einer wz. 
fiuikh abzuleiten zwingt uns nichts, da gr. fi^x^^ I^X^W 



') Es ist echt deutsch und entspricht abulg. golü. — J. S., s. ztschr. 
XXV, 77. 



'j'2 ^ Kv. 

('lii'iiMf;;iil. ifiiL '/tA. aii«]. i/c/w ^ vi.-iiii.ir'- ^*inu verwandt sein 

kann. 

Von (irussuiaiiri'^ Jisle biicii'/U -ouii! nur zwei falle als 
sliil/.rii iUiv iil\iii'(*ti lliooiif- übri;.': nuni könnte — was meines 
wissrns aliiT liislu-r nicht ^'frf-ch».4i».'U i^t — noch folgende zwei 
Wfilrn» lällo ln.Mljrin;:(.'n: ahd. .«/'rr. sY«rr nach Fick III, 346 
/u ifr. tsi6(fl}oi zacke, ao. ///></ kiesol zu pr. nkivi^og: Fick 
liriitrl in liridon Hillon das ^ des ;:r. als entstellung aus d = 
^'ri'iii. /. nlnir ^^f^nü^rctidcn ^Tund: auch an idg. th wird nun 
niclit nirlir m diMik^^n sein. Grassmann giebi übrigens p. 108 
si'll)«T zu, dass di<» ar. tonues adspiratae im germ. zuweilen wie 
riMUt* Irnurs JK^liandoll wurden. Die obige liste von etwa 90 
brlf^rn besonders ans dem ari>chen und lateinischen beweist, 
iIums diese bebandinng die gesetzliche ist; und dazu kommt, 
da^s die Iheorii* der Vorschiebung der mcdiae adspiratae zu 
s|iiranlen (hese beliaiidhuig a priori erwarten lässt. 



\*l. .\eeenl Wechsel in der nominalflexion. 

Iin ^vv\\\, \(\AA es oine reihe nomina, in denen die einzelnen 
ilialecle abweichend»» verlreler idg. tenues zeigen. Dieselben 
hat mau neuerdiii^*^ angefangen zu i^animeln. Norreen hat 
jün^.-.t in Paul nnil Urauiu^s beitr. VU und Leßler in der Tid- 
?»kult n*Mie l'ol^'e l\\ JSf» mehrere tallo bo?:onder? aus den nord. 
^pidcheu an*, licht ^'c/o^'en, eii\zelncs sonst ist bereits von 
autlein lithti^ gedeutet worden; diH'h sind schon manche wei- 
Icieu bci-ipiele nach/usunnieln. 

hie beuvliti^jun^ , iteu acceiit zur erklärung der ange- 
de\U\>(eu diüeuMiau 'iKu/ielien, iriobt vor allem die consonan- 
li^he deihnalioM Pie \iK*iihs\h aus^'ehendon stumme zeigen 
im atlind. um \\\\\\ velten in der tlo\ion accent Wechsel; zu 
wKOMi 1 inv"ii-\!i heiv.l Jei' Uv. 'miw^i <&. abor daneben auch 

w.vt'/'.>, d^n: bilvlet den i!i-.tr. «tVfv// ■. 5:^-!i. dnhk.l.<: ähnlich 

■'■'i*.. Ulli dem \\\ v. **,v.' doM ii'^t-. <n".H,r. ci". Schmidt zs. 
\\\. »l *H' li.i! >fi// iiti i;ei». vf-wviis. ?r;j irstr. ^nijßCC mid 
••>'■>'' 11'^ h o -..: *i.' V«'. x *;e^;e'i 't. [.•: •■•.■•I«' >. Auf einzelne 
< i'iuiu- ul\v! t»i i'i-'i i'U"? J\' :v d..'?' '.•.•j^V'tOrij^cr. aJj. nicht im 
IV. .lü .L=iMMi.!». }• 'i hj..i" /.".K-^ lv'e::< !T"i;v\\:esf-ii: j^^imanas 



Zur altgerm<anischen Sprachgeschichte. 93 

sanimen; der abl. von sä^ia-s alt ist sanat = von alters; cf. 
üttara-s und uttarat, dpäkorS und ajmM't u. s. w. ^) 

Diesen accentvveehsel dürfen wir für alle declinationsclassen 
der idg. grundsprache voraussetzen, und aus ihm können wir 
begreifen, warum im germ. einzelne dialectformen in der Ver- 
tretung alter tenues und tenues aspiratae nicht übereinstimmen. 
Besteht doch schon — worauf bereits Verner zs. XXIII, 119 
aufmerksam machte — in einigen fallen differenz der ind. und 
der urgerm. betonung; ssk. meid widder = an.meiss; an. hvel 
aus hweliwlo-n ist hekro-m (cf. xvxXoq) gegen altind. cakrd-m, vgl. 
Bechtel zs. f. d. a. nf. IX, 225. In diesen und ähnlichen fallen 
darf man wohl jenen vorausgesetzten accentwechsel zuziehen 
um die differenz innerhalb der idg. dialecte zu erklären. Das- 
selbe princip wenden — und mit recht — LeflFler u. a. an um 
die differenzen in der Vertretung der idg. tenues zu erklären. 
Ehe ich die einzelnen fälle derart sammle, habe ich proble- 
matische punkte zu erörtern. 

a. Gotisches. 

Wir haben heute nicht mehr das zutrauen zum got., das 
man ihm früher schenkte. Aber gleichwohl war es ein metho- 
discher fehler, wenn ich QF. XXXII, 22 den satz äusserte, 
wenn eine got. wortform von ihren aussergot. correlaten ab- 
weiche, müsse man den letzteren den Vorzug grösserer alter- 
thümlichkeit geben. Allerdings stehen wir jetzt got. formen 
oft rathlos gegenüber und wissen sie nicht zu erklären. Aber 
das got. hat den vorzug der anciennität vor den übrigen dia- 



^) Mit dem accentwechsel ist zuweilen auch ablaut verbunden; das 
ind. hat in der bedeutung heilbringend, hold nebeneinander gtva- und givd-, 
analog dem verhältniss von daru- : dru-. Innerhalb der einzelnen idg. 
dialecte bestehen oft differenzen in der weise, dass die eine spräche bloss 
die form des typus geva, eine andere bloss die form des typus givä hat; 
nur lässt sich nicht immer auch ein gleiches accentverhältniss nachweisen, 
obwohl der accent auch in diesen fällen die letzte Ursache der formen- 
doppelheit gewesen sein wird. Nicht bloss zwischen den übrigen idg. 
sprachen einerseits und dem germ. anderseits, sondern auch innerhalb des 
germ. bestehen derartige differenzen, und da wahrscheinlich der »accent- 
wechsel in der nominalflexion« damit im zusammenhange steht, lasse icli 
eine Sammlung aus dem germ. ui der form eines excurses diesem aufsatze 
folgen. 



M F- Kluge. 

ler:t<!ii, und vielleicht sleckt hinter dieser oder jener dunkeln 
laud'orin doch etwas von bedeutun^'. Dies bestimmt mich die 
abweichungen des got. von den übrigen dialecten, soweit sie 
unter (las gesetz der Verschiebung fallen, hier besonders und 
vüllslundig aufzuzahlen. 

Kot. €u$ans = ahd. aran. 

gol, ausö = ahd. 6ra. 

got. rawior = ahd. ror; mndl. ros bei Weigand existiert nicht. 

Xol. hasi e=r ahd. here. 

;^'ot. kcLsa- = ahd. kar. 

Kot. fairena = ahd. fersaiia. 

I((>1. /hiutsus = aussergot. /mrzuss (an. fmrr). 

g(it. Iwai hat gegen ahd. bere = ae. bcrje eine schöne 
l>e«i(iUiKunK ^^n einigen dialectformen, die Weigand anfuhrt: 
r!(*v. /m'-m! neben ffcre, neuniederländ. bes; Heyne kl. gramm. 
drr aitgirni. dialecte p. 119 führt ein mir unauffmdbares ae. 
Ihiso b(H*r(^ an. Jedenfalls ist die got. lautform gut begründet; 
für das r von Imtc wäre zu beachten, dass das wort in den 
allKcriii. sprachen als zweites composition^lied beliebt war 
{üHhuilHisi u. s. w.). Für die übrigen s des got. gegen ausser- 
Kol. r ft^hll (^ine ähnliche bestätigung; nur kann für got. aaans 
an <lir iilMTrinslinunung von got. asfieis mit ae. esne und ahd. 
nsni - • ariu'itiT erinnert werden. Für ausö wäre zu dem 
untrii luigeihMitelen noch auf nlul. ose hinzuweisen: im mhd. 
bnliMürt un\ or sowohl ohr als nadelör und henkel, handhabe 
und in Irl/teron bedoulungen gilt auch die nebenform äse; auch 
n<\ rill' und ^v, «i\* htHteuten ohr und ör, henkel. 

Mi#/M»/m ((Sal. :i, ;i) neben horrsi*hendeni froda- cf. Holtzmann 
AtKir. I». *J7 und Hrauue got. gramm. § 70« anm. 4. 

s/iii/ii Kr.stadi* (./fiiNis >7(m/*s : - fiV t« ntffav Mark. 4, 35; cf. 
<lii*iijn Taulk. Uijdr. I, IIH)) neben gewöhnlichem stapa-; 
iA\'i\\\\ will Nfii/*iN srhroilHMK diKh ist Cosijns deutung nicht 
^win^rnd. 

i|mN» (n. \A. i/m/»ii umi ijHf^tskaHm^) neben gewöhnlichem j^fidle»- 
li. Ilolli-iuann \k 4*J und Uraune a. a. o. 

^knh mlrr sUh{m ^x'^^i'n ae. slif\- -- ahd. slidig schädlich; 
li't'.liMv M'hliiv<<iiM) sich vielleicht an ^\. drif^^. sieipjan nn. 

./.Mf.\i (odi niv*»* ^iMurin^oiMu. i/iin«/«^- of. Vernor zs. 23, 123. 



Zur altgermaniscbeu Sprachgeschichte. 95 

imup^ir got. gegen aussorgot. navdi-; im got. ist naudir erstes 

glied in der Zusammensetzung, cf. Schmidt anzeiger f. d, a. 

VI, 126 1). 

falpa-, wairpa- gegenüber den westgerm. formen mit d: als 

simplicia sind beide adj. ausgestorben, die suffixfunction 

übernommen haben; ich denke zur erklärung der dental- 

Verschiedenheit an Wechsel des accents je nach der com- 

position; cf. p. 84. 

hlöpor im Simplex und im compositum, gegen westgerm. blddch; 

im ahd, erscheint sehr selten hltcoth; hhläto-m grundform? 

büh^^us (aus hührtis) = aussergot. htmgnis hunger (cf. dazu got. 

htygrjan), 
ganöha- (mit den ableilungen ganohnan, ganohjan) = aussergot. 
ganogo-; die got. lautform kann auf einfluss von gandh, 
ganauhum beruhen ; cf. jedoch ae. geneahhe adv. = genug, 
allerdings mit auffälliger geminirung und ablaut a. 
ahana spreu = aussergot. agano; grdf. akhanä nach p. 88. 
wrdhi- anklage = ahd. ruog. 

Wie viel von diesen got. Wörtern zur annähme von urgerm. 
accentverschiedenheiten zu verwerthen ist, lässt sich nicht ent- 
scheiden. Zum theil haben wir es mit an. X^y. resp. einmaliger 
Schreibung zu thun, und so müssen wir diese falle aufzuzählen 
uns begnügen. 

b. Altengliscbes und Althochdeutsches. 

Die frage, ob ae. nddl mit media gegenüber dem got. 
nSpla eine urgerm. form nSdld erweist und ob in ae. mdppum" 
mddmas zwillingsformen von urgerm. alter vorliegen, kann nur 
in weiterem zusammenhange erörtert werden. Sievers hat in 
seinem aufsatz über das nominalsuffix tra im germ., PBbeitr. V, 
einzelne punkte behandelt ohne freilich alle Schwierigkeiten za 
entfernen. Ich bemühe mich hier möglichst das raaterial zu 
sammeln, zumal das was bisher in der frage nicht beachtet ist ; 
ich ziehe nothwendig manches mit in die Untersuchung, was 
abzuliegen scheint vom eigentlichen theraa; die frage ist so 



^) Schmidt hält naupi- für die gesetzliche form des simpIex und naudi- 
(etwa wie fadi = ssk. pati) für die gesetzliche form im compositum ; dann 
hätte das westgerm. die letztere form ungehöriger weise für das simplex 
verwendet. 



Ori K. Klujre. 

coinplicicrl und so verächicdene ersclieinuiigen gehören zu- 
sammen, dass CS unmöglich scheint klarheil in die scheinbare 
regellosigiceit zu bringen. Was in dieser hinsieht sicheres zu 
gewinnen war, hat Osthoff Plibeitr. VII eruiert: ein über das 
von ihm gebotene hinaa«;gchender versuch, den ich selber an- 
gestellt habe, hat mir gezeigt, dass wir in vielen fällen nicht 
auf beweisbare regeln gelangen können. 

1. Grein hrdt im ags. Sprachschatz das ae. seid für einen 
verwandten von got. salipicös: sonst wurde er ihm nicht die 
grundbedeutung aula gegeben haben; aber in einer dem gel. 
salipicos entsprechenden form hätte der mittelvocal, Sievers' 
regeln zufolge, kaum ausfallen dürfen. Ferner, was wesent- 
hcher ist, ae. seid heisst fast überall sedes domicilium thronus; 
letztere bedeutung ist die herrschende; zumal in Zusammen- 
setzungen wie hcaJiseUI: dazu kommt nie. seid = sedes Strat- 
mann* 49i. seid ist identisch mit seil (ne. settle), in der 
bedeutung wie in den lauten: vgl. des lautlichen wegen vor- 
läulig bold-hotl. Für seld-sttl findet sich als erstes compositions- 
conipositionsglied einmal sepel = ahd. 5wfa/. Ahd. s'e^s^d, goL 
sith. ae. sctl können aber ebenso wenig von ae. sepel = ahd. 
scdal und von ae. seid als von einander getrennt werden: eine 
grundform sttlo- steht für sammtliche formen wegen der ab- 
ableitung von sitzen (wz. scd) fest. Also muss tl unter um- 
ständen zu pl verschoben werden, und dieses kann wie altes 
/>/ melathesis zu W (für Ip) erfahren. Dass pl noch andre be- 
handUing erfahren kann, zeigt ae. nuelan aus nuüiljan = got. 
HMpIjan und ao. mafHiian (aus fnapltm): zu ae. stapci funda- 
mentum = an. shil (cf. Sievers a. a. o.) gehört ae. sttSlan 
(cf. frrhjy' ic icillc sttrhui) wie mapol, mcpel zu maJan, Die 
annähme, ae. stttlnyrpe wcrthvoll, trefTlich bedeute eigentlich 
stehlenswerth. wird man auch als nothbehelf nicht gelten lassen 
können: schon Sweet im glossar zu seinem ags. reader ver- 
gleicht richtig das ae. sfcdeftrst, Leo übersetzt »passend zum 
platz nehmen«, und worauf Körner ags. K^eb. p. 319 hinweist 
eine lidschr. der ohronik hat zum jähre 89i> für sMtcyrpe die 
Variante sciluyrjw im nie. (Ancr. R, :273) tindet sich einmal 
sfahfhtyr]^. und so kann man kaum zweifeln, dass stapto- der 
erste tlieil der znsannnensetzung .«//r/trj/r/v ist, die ich daher 
mit rr siMuvibe. 



Zur allgermanischen Sprachgeschichte. 97 

Entstehung von pl aus gönn, tl = idg. dl, wie sie in ahd. 
sedal = ae. sepel, seid vorliegt, darf wahrscheinlich auch für 
folgendes wort vermuthet werden, wo aber mehr möglichkeiten 
der erklärung vorliegen. Sievers lässt ae. ^päll a. a. o. aus spaidUh 
entstehen, übersieht dabei aber ae. spdtan (= spaUjan; ein 
spaiwcUjan ihm zu gründe zu legen geht nicht an), was auf eine 
germ. wz. spait weist; auch ist Sievers' grundform spai-dlo- 
aus WZ. s^nw nicht zu begreifen. Man könnte an ahd. spekhal 
(aus spaiklo- für spaitlo-) denken; speichcd : spdtl = fnaJud : 
niapoL Uebrigens ist späld Elene 300 nicht zu übersehen, wo 
Grimm und seine nachfolger jetzt spädl schreiben, für das mir 
aber ein beleg fehlt. Metathesis nach langem stammvocal liegt 
auch in *n(eld vor, das durch me. nild und ne. dial. neeld als 
nebenform zu nddl vorausgesetzt wird. Bemerkenswerth ist 
noch der acc. nom. pl. spMlu in Aelfrics Hom. II, 248. 

Die Zwillingsformen botl-bold sind sicher anderen Ursprungs 
als sctUseld; im ersteren falle liegt nach Sievers germ. badlo- 
zu gründe. Nach dem von ihm a. a. o. p. 529 aufgestellten 
gesetze hätte er im an. hold zu erwarten. Aber das entsprechende 
nord. wort ist ohne frage hol, das Sievers beitr. VI, 566 aus 
germ. höulo- ableitet, was mir andere erwägungen unwahr- 
scheinlich machen, hol : hopl = stdl : stapl = ndl : näpl; 
p wurde in diesen fällen vor Izuh wie in ahd. maJial = ^napl. 

Dasselbe lautverhältniss waltet auch zwischen ae. midi und 
an. mel = gebiss am zäume; Grein sub midi etymologisiert 
mit seiner Übersetzung »mittelstück«, wozu die bcrechtigung 
fehlt. Wahrscheinlich gebührt dem ae. worte i, und im an. 
wurde ip zu ih und dies zu eh wie lettr aus Uhtr und weiterhin 
lihtjif entstand. Also miplo- oder midlo- ist grundform. ae. widl 
schmutz ist wohl mit i anzusetzen, daneben erscheint im com- 
positum wUbec wie stdl in stSlwyrpe neben stapoL Wie die frage 
sich entscheiden lässt, ob urgerm. pl oder dl in den letzteren 
fallen zu gründe liegt, sehe ich nicht ; man hat nddl = got. nipla 
zu erwägen und weiterhin auch ae. wcedl dürftigkeit = ahd. 
wadal; Sie.toepd f. = armuth zeigt gleiche dentalstufe mit dem 
hd. Worte. Stratmann* belegt me. wtelde (= ae. wcedl) aus 
Laj. 1002; wcedl fehlt im me.; aber das schw. v. wtedlien kommt 
vor; einmal dafür auch wceüien. 

Weiterhin käme hier noch in betracht, dass auch b eigtl. 
S vor l eine Verschiebung zu /*, v im ahd. erfährt; die übrigen 

Zoitschrift fttr yorgl. SprAchf. N. F. VI. 1. 7 



98 P. Kluge. 

dialekte kommen dabei iiichl in betracliL Hollzmann AdGr. 
p. 306 bietet das material aus dem ahd.: so gebort ahd. weval 
stamen zu weben, wz. tcebh (ssk. vabh, gr. i/y = ubh); got wäre 
demnach ivibla-. nhd. Schaufel, ahd. scnvala, das zu ae. seeVl = 
sküfla, skübla in ablautsverhaltniss steht, cf. p. 102, gehOrt zu 
scJiicben, wäre somit wahrscheinlich germ. skifblo. Dem got. 
swiblc^ Schwefel entspricht im ahd. stceval und swänd. Diese 
Verschiebung von media resp. tönender spirans zur tonlosen 
Spirans hat das beste analogon an ahd. bodam = germ. hiidno- 
boden, auf die ich gleich zu sprechen komme; in allen derartigen 
fallen liegt kein grund vor, idg. tenuis anzunehmen um die 
dialectischen doppelformen aus altem accentwechsel in der 
flexion zu erklären. 

Ich fasse die besprochenen Schwierigkeiten zusammen. 
In ein paar fallen erscheint im ae. dl für altes pl, in andern 
tritt metathesis ein zu Id (für //?), ausserdem kann pl zu hl und 
weiterhin l mit vorhergehender dehnung werden; dann zeigt 
sich eine Verschiebung von tl zu pl, doch bleibt die ältere laut- 
form mit tl erhalten. Die frage, ob niMl gegenüber dem got. 
n^pla auf eine urgerm. grundform nedid- geht, lässt sich in 
keiner weise sicher entscheiden, und daher hat man nddl mit 
got. n&pla zu identificieren. 

2. Eine gleiche fülle von Schwierigkeiten zeigt sich, wenn 
einem dental t d p ein m folgt. Auch in diesem falle ist die 
entscheidung unmöglich, ob urgerm. accentverhältnisse die 
differenzen innerhalb der dialecte erzeugt haben. 

Dem gr. nvd-fujp sollte germ. bödme und westgerm. bodm 
entsprechen; dafür erscheint ae. botm, ahd. bodam sowie as. 
dat. bodnie, bhudhnö-, bhudhmö- als idg. grundform steht fest; 
an eine grundform mit tenuis adspirata des ahd. bodcmh wegen 
zu denken macht das ind. budhnd unmöglich. Das t des ae. 
botm steht dem von botl durchaus parallel, ebenso das d von 
as. bödme dem von as. bodlos. Ahd. bodam weist auf bopmn^ 
welche lautform auch das me. kennt; vor m (oder vor i» vocale?) 
trat wahrscheinlich eine Verschiebung von d zu p ein. Ein wei- 
teres beispiel dafür ist das westgermanische wort für athem ; bei 
Isidor wechseln ddiim und ädhmdn, und grade so verhält sich ahd. 
{itum zu as. ääofn, ae. tepm; altind. ättna masc. lässt ein ur- 
germ. edmo', daraus urwestgerm. Sdmu, edm erwarten; Isidors 
dh, das ae. p und das as. ä sind Verschiebungen dieses d vor m. 



ZuT altgermanischen Sprachgeschichte. 99 

Die entstehung von ae. sepel und seid, sowie ahd. sedal 
aus seU(h hat folgende parallele. Ahd. widatno = dos, braut- 
gäbe (nihd. tvidem) ist ae. weotuina; das lautliche verhältniss 
ist das von ahd. bodam zu ae. batm: nur scheint ae. t4?eotuma 
urgerm. t zu haben, wenn wenigstens gr. höpa für jiöva zu 
vergleichen ist; wUma wäre als got. form zu vermuthen; die 
diflferenz von germ. w = gr. v erinnert an ahd. hodam zu ai. 
budhnd. Ae. wapum fluctus und die nebenform wapema schw. 
m. sind entweder dem plur. wado gewässer verwandt oder zu 
an. vcUn (cf. hd. boden = an. botn) gehörig; in beiden fallen 
wäre p jüngere Verschiebung. 

Eine andre Verschiebung liegt vor in der flexion von ae. 
mäppum kleinod, dessen p durch got. maiptns geschenk als 
urgerm. erwiesen wird. Die dehnung des p ist regel im nom. 
acc. sg. und in der Zusammensetzung wie mäppumgifu u. s. w. 
Vor unmittelbar folgendem. m erscheint wohl nie dehnung des 
p, sondern nur p und d und zwar erscheint zufolge Greins ags. 
Sprachschatz im -nom. acc. pl. 10 mal mäpfiuis und 7 mal 
madmas, im gen. pl. 11 mal mäpma und 4 mal mädma, im 
dat. pl. 8 mal mdpmum und 1 mal mädmum. Vielleicht galt 
einmal die regel, dass pp vor m vocale^), d vor m consonans 
stand; jedenfalls ist mäppunhmädmas die wahrscheinliche flexion, 
cf. as. mSdam Hei. C. 1200, aber mSdmas Hei. C. 1198. Die 
gleiche doppelheit wie mäpmas-mädmas zeigt auch ae. eapmdd- 
eadmöd = as. öämödi-odmodi, Isidors 6dhmuotig-diiA. otmuotig. 
Hier finden wohl auch Isidors üh-nium und anthrlutti einige 
beleuchtung; auch sie haben eine aus d entstandene spirans. 

Resultat : alle fälle, in denen dentalstörungen vor m und l 
eingetreten sind, lassen sich für den Wechsel der betonung in 
demselben stamme nicht verwerthen. 

c. Zerstreute formen. 

Ahd. liaso hase = ae. hara, ne. hare, Ihr verhältniss ist 

ziemlich gleichzeitig von mehreren dahin gedeutet, dass die 

form mit 8 ursprünglich den starken, die mit r == j? den 

schwachen casus zukam; an. heri muss aus etymologischen 



^) Vgl. auch ae. iMdor, gen. tüdres; der nom. tuddar ist etwa 12 mal, 
der nom. tAdor etwa 2 mal bei Grein belegt. 



7* 



100 F. Kluge, 

gründen c haben, e wäre unbegreiflich. — Ueber an. heri-hegri 
= h(l. lieher, ae. higora handelt Lefller Tidskrifl neue folge IV, 
p. 28ß. Dem an. lofji m. ihinnnc entspricht mhd. Iahe m. aus 
ahd. *loho; lukofi- mit wechselndem accent ist der zu gründe 
liegende vorgerm. stamm. Diese drei iiille haben das mit 
einander gemein, dass in — wahrscheinlich alten — n^tänimen 
verschiedene stufen in der Vertretung der verschiebbaren con- 
sonanlcn auftreten; zur erklarung darf der accent Wechsel in 
der consonantischcn dechnation zugezogen werden. Hier findet 
auch die diflerenz zwischen got. aiisö und aussergot. auzö die 
einzig mögliche erkläi'ung. 

Die oben zugezogenen sporadischen beispiele von accent- 
Wechsel in der altind. t«-deciination erklären die diffcrenz 
zwischen got. tagr (aus tagni wie kaum aus hrnu?) und ahd. 
isdliar, ae. tear; das idg. dak^m hatte accent Wechsel in der 
flexion. Äehnlich hat das got. und gemeingerm. grundun im 
an. die nebcnform grunnr = meeresgrund aus grunptiz. Ein 
hergehöriger i-stamm ist got. haürdi- = thür (eigtl. geflecht «= 
lat. crätes, wz. krt altind. = flechten) und ahd. hurd (für hurpiry 
Im ac. scheint hgrd Genes. 2095 vorzukommen: 

slppan nie (Abraham) sc hälga (godj of hyrde frean 
fader mines fyrn aUedde 

wo Grein die lautlichen bedenken Übersicht, die seine erkläning 
vonhyrd als heord macht; hyrd bedeutet hier thür wie im got., 
mit dem es in der media haiirdi- übereinkäme gegen die ton- 
lose Spirans, die das ahd. hurd voraussetzt; ein vorhistorisches 
kfti' mit accentwechsel ist vorauszusetzen. 

Ahd. ädiira adcr = a«:. dära ist im ae. tedr, ddre, tSddre 
(Sievers PBbeitr. V, 520); zu gründe liegt eträ^, iträn-- mit 
wc»chselndem accent. 

Ahd. ruova-nwha Holtzmann AdGr. p. 303 numerus setzt 
ein idg. rdpd mit accentwechsel voraus; hierher gehört wohl 
auch ae, ruf in Rui. 27 

swyli call fbmom secgrof wera 
wo Grein fragend aber wohl verkehrt secgrof als fortitudo giebt. 

Ind. cakrd: gr. xvxlo- haben im germ. doppelformen ; 
rakrti ist hwcuh)- für hwegwlo-^ an. hj6l = ae. htvcci (cf. an. s^&t 
--- ae. stcutot), xi'x^o- ist hwehvlih, ae. hivcoliol, hiveci, an. hvä; 
der ansatz (^inos an. hvH ist nach einer freundlichen mit- 



Zur altgermaTiischen Sprachgeschichte. 101 

Iheilung von Dr. HofTory ohne jede berechtigung, da das Stockh.- 
Honiil. p. 4P® die länge von hvel zu erweisen genüge^). 

Auf an. reyrr tuniulus {ey wegen ^er-umlauts) : altnorw. ros 
macht Holtzmann AdGr. p. 123 aufmerksam; räuso, nmssd sind 
die urgerm. Stammformen. In der bedeutung receptaculum 
hat das ae. heapor und heador; es scheint zu hydan = ne. to 
hide zu gehören; ea ist wohl germ. au. Falls aber hea-por, 
heordar zu trennen ist, hat man suffixwechsel anzunehmen, cf. 
ahd. cwartar, cortar : ae. corpor herde, got. sktüds : ahd. 
skuld. — Wegen germ. hlada-blapa blatt cf. Möller beitr. 7, 351. 

Got. amlitida' danksagung zu liupa^ lied? cf. p. 84. 

Auch bei adjectiven finden sich doppelformen nach gS'vor 
fivd im ind. Dem ahd. scelah = ae. sceol (für sceolh) in sceoU 
Sged scheeläugig entspricht im an. sJcjälgr, was auf ein vorgerm. 
skdko' mit accentwechsel hinweist. Ahd. eivar : eihar amarus 
hat Holtzmann AdGr. p. 305 zugezogen; ae. äfor stark, bitter ist 
doppeldeutig ; dass adj. auf ro- gelegentlich auch die Stamm- 
silbe betonen dürfen, zeigen die ssk. dhtra weise, vij)ra weise, 
grdlira gierig u. s. w.*). 

*) Bei dieser gelegenheit will ich auf zwei andre nord, Worte auf- 
merksam machen, deren lautverhältnisse nicht immer richtig beurtheilt 
sind. Dr. HofTory wies mich hin auf zwei stellen von Soederbergs Forn- 
gutnisk Ljudlaera: p. 11, anm. 2 wird gezeigt, dass an. rugr, nicht rügr 
gilt; fOr das ae. sichert die von Zupitza anz. f. d. a. VI, p. 30 belegte 
nominativform ryge kurzes y. — p. 13, anm. 3 von Soederbergs buch 
wird gezeigt, dass an. örr (= altind. arus wunde) vielmehr 9rr zu schreiben, 
d. h. dass e der germ. vocal der würze! ist. 

') In der form eines excurses theile ich mit, was ich an einzelnen 
fällen von ablaut im nomen mir gesammelt habe; vielleicht ist die Samm- 
lung geeignet in der zwischen Schmidt und Brugman bestehenden düTerenz 
in der erklärung von fällen wie do/^og-dämas einige für Brugman günstige 
momente abzugeben. Ich gebe in allen zu erwähnenden fällen nur andeu- 
tungen. Es handelt sich um entsprechungen wie ind. sünuSt got. günua; 
ind. vtraSj got. wair; lat cutis, sAigerm, hüdis (haut, ae. hyd); ahd. toeüa, 
ksl. vluna; tSiitni, got. alina (anz. f. d. a. VI, 200). Derartige differenzen 
bestehen zwischen dem germ. und den übrigen idg. dialecten in sehr 
vielen fäUen. Mir kommt es darauf an, die etwas versteckter Hegenden 
fälle innerhalb des germ. zu sammeln. Grerm. nasö-noaö nase (ae. nösu 
Sievers PBbeitr. 1, 488). Ae. rador-rodor (rador nur in der Elene?), as. rador. 
Ae. scolu-scealu schaar. Altnord, prötttr rand aus pramuz — ahd. drum 
säum aus prumus, Gemeingerm, bredo-n neutr. brett (ae. bred, ahd. bret) 
— bordo-n neutr. brett (goL baürd, an. borß, ae. bord u. s. w.). Got. 
winja f. weide, futter, altnord. vin — ahd. tounnia weide; ae. gefea freude 



102 F. Kluge. 

Nachträgliches. 

1. Ich hätte |). 75 nicht unerwähnt lassen sollen, dass 
schon Rieger bei Zacher III, 38G die Beowulfcomposita fdgtfe- 
täwe und (jüpifctäwc bespricht und das letzte glied der Zusammen- 
setzung getatce (so setzt er an) als identisch mit geahoe auffasst; 
gcatice soll eine »transpositionc von getatce sein, »wofür sich 
innerhalb des deutschen parallelen finden lassen wordene Zo 
einer lautlichen begründung der identität von geaiwe und getäwe 
habe ich nirgends ausätze gefunden. 

2. Zu den bemerkungen p. 82 f. über den altgerm. com- 
positionsaccent fuge ich eine neue bestätigung aus dem nord. 
und engl. Altnord, fimhul- mighty, great findet sich nur in 
einigen wenigen (6) compositis wie fimbtiUtyr the mighty god, 
fiwbul^etr riesenwinter (unmittelbar vor dem weltende). Dafür 
erscheint einmal — Völuspä 51 — Pfl- in fiflmegir pl. monster 
men, fiends. Von hier aus ergiebt sich eine lautliche dcutung 
des bisher noch nicht genügend erklärten fimbul-j das bereits 



aus gafdha- — ahd. gifeho freude. Mlid. baat-buost hast. Ahd. waUwuöl 
strages. Ahd. balco, as. bako •— an. bjalki, dän. bjäUee balken. As. s&mo 
lectus —- ae. scaltna. Got. malma — ahd. as. milm. An. dkhr — ahd. Um. 
Ahd. stirz, ae. aieari — ahd. siarz, Ahd. analnUi-analüH (Notk. tmäHmte) 
aniliüc Ahd. scüvala — ae. scofl (5 = ii) sdiaufel. Ahd. ^'M — an^g^ß; 
uhä. chivar ^ Sie, ceafor: ae.ceor/, kerl —• an.ürcrW, ahd. cAoroI; ae.cecjjfC~ 
mhd. kivel: diese vier fälle deutet Möller zs. 24, 461 wohl mit unredit 
anders. hlüdO' laut — IlliSbdovng, Hlotahari Lothar aus Hlüdo-j BVkpO'^ 
xlffro-, Ahd. scinco schinken — ae. aceoncGf seeanca, ne. shank — ndd. 
strassburg. achunke, Ahd. räwa-mowa. Ae. weoa, mhd. wUea mos — ahd. 
mhd. moa. An. dia — ae. idea für idta (also nord. mit abfall des e wie 
ssk. amda-i^/uir), Ahd. kreta-hrota kröte. Ahd. brarUbrori, ae. hrtordrbrard 
rand aus bratdo- : brozdo^. Dunkel sind ae. gowMn^ ahd. gwomo — ahd. 
goumo gaumen ; hd. ratfm-rdm — an. rjömi rahm ; ae. heap, ahd. häuf — an. 
höpr; got. scnüa — ahd. aä/; mhd. s/foum-s/rinn. — Hierher gehören audi 
einige adjectiva, cf. z. b. ssk. gohhxrd-gcmMSifd tief, geva-^vd hold, heil- 
hringend u. s. w. ahd. raak-roak = alacer, mhd. raach-roach bu rado 
schnell, also fQr ratako- (cf. an. harakr zu ae. hradüce und löakr schlaff 
für ladahh zu lass lässig); an. vanr ^ ahd. giwon (aber asUtDenüw). 
Got. dwaU — ae. dol^ ahd. toi (ablaut wa-u). Got. hardus — «^af^. 
raudO' : reudO' (an. rjöpr, ae. reod) roth. An. mjükr — ^oi. müka? wt&ka9 
— - Got. tioeihnai — ahd. zioene (= itoaihnai); got. -wairfia — ae. «ocord!, 
ahd. wart und wert. Got galufa-galaufa kostbar, ahd. gilob, GoL 6aifr« : 
bitter = germ. haidro-heiter : ssk. citrd Möller engl. stud. III, 157. An. 
bljügr schwach — ahd. blügo adv. = zaghaft. 



Zur altgermanischen Sprachgeschichte. 103 

Jac. Grimm und Holtzmann fragend an ae. fvfd' anknüpften. 
Ar], fifl als simplex hat die bedeutung narr, thor angenommen, 
zu gründe liegt die bedeutung riese, ungeheuer, was man längst 
allgemein aus ae. fifd ungeheuer — nicht speciell seeunge- 
heuer — geschlossen hat ; vgl. auch nord. JywrB a glant, a dull 
fellow. Daher ergiebt sich für die bedeutung von fimbtd^^ dass 
es unserm riesen (= riesenhaft) in der Zusammensetzung ent- 
spricht — eine weitere analogie wäre das altgerm. ragin (an. 
regin, as. regin), als erstes compositionsglied = ungeheuerlich, 
riesig, gegen an. regin pl. götter. Für die lautgeschichte ist 
werthvoli, dass im uncomponierten worte die betonung fimflo- 
galt, während im componierten Substantiv eine vom simplex 
abweichende betonung galt nach ausweis von an. fimbul «=> 
germ. fimblo-. Für das einmalige fifl- der Völuspä könnte 
man die ae. composita wie fifd-stream, pfd-w&g zuziehen und 
annehmen, dass einige urgerm. composita das erste glied wie 
im simplex betonten; vielleicht ist aber fifl-, fifdr hier nichts 
als die in das compositum gedrungene form des simplex. Zu- 
letzt verdient erwägung, ob die beiden angeführten ae. com- 
posita wirklich die bedeutung »flut, woge der seeungeheuer« 
haben oder ob sie nicht vielmehr des an. fimbtü- wegen mit 
riesenflut, d. h. riesenhafte flut, also unmittelbar mit oceanus 
wiederzugeben sind; ich halte letzteres für das richtige: Ficks 
germ. i^femfla m. n. seekalb, tölpeU III, 185 ist jedenfalls mehr 
als problematisch. 

Strassburg, 25. October 1880. 

F. Kluge. 



Präkrtische miscellen. 

8. viddavia ciddavia. 

Wir lesen Päiyalacchl ed. Bühler vs. 188, und daher auch 
im index, dddaviya = vindsiyaya »destroyed«. Beide codd. 
haben vi% aber der herausgeber (s. einleitung p. 17) ist — 
mit gutem gründe, wie es zunächst scheint — diesmal von den 
mss. abgewichen, weil dddaviya die Schreibung von Henu's 



104 ^' ^'<'^^'^clllIlilit. 

De<,-f(;aljclasaiiigrulia ist, in dem wegen rmikm* alphabetischen 
anorcinung die sonst so häufige Verwechslung von v mit c un- 
möglich schien. 

Im Setu (s. index s. v. dru) findet sich das wort viermal: 
4, 60 heisst es, dass Vibhfshanas gutes urtheil von seinen 
genossen, den Rakshasas, uiclit verdorben (aviddaviafn)^) 
worden sei, so wenig wie das amrta im mecre durch die gifl- 
schlangen; 8, 104, dass das aflfenheer das meer mit unver- 
sehrter kraft (amldavia ^ i - vikhamam) überschritten habe; 
15,7, dass die äffen unter Ravana'sangrifif einen schwanken- 
den tritt (viddiivia^)-pac) angenommen liallen; 15, 71, dass 
selbst durch den Ravaiia*s stirn durchbohrenden pfeil ihr 
zorniges runzeln nicht vertrieben (viddaviä)*) worden sei. — 
Mit ausnähme vielleicht der dritten stelle — wo das wort, 
ganz wie vidnäa vidravifa, einfach »fliehende heissen mag — 
fallt, wie man sieht, die bedeutung von viddavia überall in die 
kalegorie von vinä^iia und wird daher auch von den scholl 
theils mit diesem worte, theils mit nahezu synonymen para- 
phrasiert; ganz dasselbe gilt von Hdla 88 (»vertriebene). — 
Nach der, vielleicht*) richtigen, etymologie der scholl. — die 
vidriUa vidravita vidrävita übersetzen — kommt viddavia von 
mdru: der anlaut v steht also nicht nur durch den consensos 
codicum (auch der bengalischen und telingischen, in denen v 
und c nicht verwechselt werden können), sondern auch durch 
die traditionelle etymologie fest. 

Schwerlich wird, um dem gegenüber Hem/s credit auf- 
recht zu halten, einer den muth haben viddavia und ciddavia 
für zwei verschiedene und gleich richtige Wörter zu erklären. 

*) na vipldvitam^ na vuiä^tam. Scholl. 

') akhamlüa, anupahatüf Scholl. 

') visatnshthula, skhalita^ Scholl. 

*) txjdjifd, R. 

^) Möglich ist es nuiiilicli auch, dass viddavia, mit der vor dem caus.- 
charaktor paya schon im Saipskyt erschcinendon und im Prakrt ganz ge- 
wöhnlichen kürzung des d, von vidddi kommt, das die Scholl, auf drä »kuUäe 
gamane€ (cf. Dhp. ^2-1,40) zurückfühi-en und daher mit kutsito bhavaii xmd 
vipadyatc erkhiren, und tur das sich aus Setu -i. 29. 32 mit evidenz die 
hedcutung »zu schänden werden, versagen« ergiht. — Wie leicht die, ur- 
sprfinghch so difTerenlen, hedeutnngen von vidrii und vidrä ineinander 
fihergelien können, ersielit man aus der erstaunhchen etymologie Heiii.*8 
(I, 107) vidddo = vidrutaU! 



Präkrtische miscellen. 105 

Wir sehen vielmehr hier — aufs neue, kann ich im sinne der 
kenner dieses grammatikers sagen — , dass Hem., obgleich er 
als Jaina ohne zweifei eine gehörige praxis des Präkrt besessen 
haben muss, nicht im stände war aus der lebendigen kenntniss 
der spräche zufälligen mangeln seiner mss. nachzuhelfen, son- 
dern gelegentlich ganz gemeine schreib- und lesefehler für bare 
münze nahm. So kommt es z. b. auch, dass er für den 
Wechsel zwischen cea : ccea, da : ccia — den er fälschlich für 
einen willkürlichen ansah — II, 99 als belege so da und tarn 
ccea anführt, was doch nichts als schlechte Schreibungen statt 
so ccia und tarn cea sind ! Cf. Prdkrtica p. 24 f. 



9. nakkhat. 

Präkrtica p. 7 und 9 habe ich gezeigt , dass das im Dhätu- 
pdtha überlieferte verbum nakhayati »vemichtenc — wie so 
viele verba dieser Verzeichnisse — samskrtisiertes Präkrt ist, 
nämlich das denominativ xon'^ndkTclia {A\xvQ\i*n(h)akka)=na^hta. 
Diese aufstellung hat seitdem zwei schlagende bestätigungen 
gefunden. Zunächst ist ihr fundament, der von Paul Gold- 
schmidt entdeckte Übergang von sM (durch kht) in Mä, den 
ich bereits damals durch das sichere beispiel adakkhu = 
adafthu = adrshtvä erhärtet hatte, inzwischen (oben 25, 439) 
auch von Jacobi durch das ebenso unzweifelhafte dkkhai = 
tishthati weiter befestigt worden. Zweitens hat Hoernle ^) die 
früher hypothetische mittelform nukkJia nunmehr in hindi 
nakkhai »vemichtenc bei Cand wirklich nachgewiesen. 

Demselben inhaltreichen aufsatz verdanke ich das hindi 
verbum krakkhai — oder nach dem reim zu schliessen kri- 
kkhai — »ziehenc. Da im Hindi bekanntlich ra ri eine sehr 
übliche Schreibung für den r-vocal ist^) (cf. krami kritni = 
krmi u. dgl.), der im Präkrt a etc. wird, so ist krakkhai 
kfi^ der treue reflex von präkrt kakkhat = *kr$htati. Sub- 
stituieren wir für die gewöhnliche präkrtform kaddhm ihre 

1) A Gollection of Hindi Roots, J. A. S. Beng. 49 (1880), p. 35. 39. 

') Diese tbatsache scheint Hoernle, ein so guter kenner der modernen 
sprachen er ist, übersehen zu haben, da er aus krakkhai sofort auf krakshyati 
und sogar auf ein apabhr. krakkhai zuruckschliesst. Durch sie fällt aber 
das einzige handfeste argument für diese auffassung von krakkhai dahin. 



mit siclHM'liril crschlüssrnff vorslulV* *katthnt, so verhalten sich: 
H'rshtnti : Hafthm : kakkhai -- tishtlmti : rittha'i : cikkhai, = 
fidrs/ttva : üdfiUhu : adakkliu, = w^iW«/« ; inittha : ihakkha. = 
Inshta :lnftha ^):Iakk}m'^). — Nebenbei bemerkt, erschcinl vielleicht 
maiiciioin durch diese analogicn die »ganz verfehlte, kühne und 
falsche«'^) ctymologie »////aA-A'/ki/ »begehrenc (ahhilaskaii übss.) 
aus *nhhiUuihUiti genügend fundiert, um nicht durch ein blosses 
au>rufnng$/eichen umgeworfen zu werden. 

Hoernlc selbst, wie ich nicht verschweigen darf, erklärt 
dii' von ihm ans licht gezogenen formen ganz anders, nämlich 
an^ naiikiihijati und krak^hyaii, also als fälle des »change of 
len>e'< und als jiarallelen zu dekkhai, das er mit Childcrs-Pischel 
-- ilraks/it/afi setzt. Wer die obige auseinandersetzung billigt 
mul mit Paul Goldschmidt und mir dekkhai von *drshtaii ab- 
K'itot, muss natürlich diesen versuch a limine abweisen; aber 
ich fürchte, dass er selbst bei denen kein glück machen wird, 
die in bezug auf dekkhai der futur-hypothese anhängen. Für 
dieses vorbum empflehlt sie sich durch mehrere sehr scheinbare 
gründe: durch die, in der bedeutung des verbums begründete, 
haullpkoit des futurs drakshyaii, durch die verführerische ana- 
logio von pali dakkhati, welches in der that präsens und futur 
rugloioh istf endlich durch die Wahrscheinlichkeit, dass die eines 
alten prasons entbehrende wz. dart; zu seiner bildung einen 
excoplionoUen weg einschlage. Nichts hiervon trifft bei jenen 
vovbon 7X\\ wie ungeläuflg sind die formen krakshyati und 



M S. iii()ic(^ 7\\ Kaipas.. I'aiyal. etc. 

M S. iiuicx 7\\ Selu. Prakrtica p. 9. 

*) S. PimMioI. tJg.V. K*^\ :ur>. — Nach ihm wäre ahilakkhät vielmehr 
-- .1." ?>*M)l.<^,i.t.)'ft. woli'hos vorhum aher (s. PW.) die gänzlich abliegenden 
!vi1t",;i'.;nfrn »oihliokon* (.so nitMstonsiK »hozeiclinen«. »berichten« hat 
Pisr!',«*- tivilirli mriiit MiVsc boilciitunjjsilifferonz »spielend vermittelnc ni 
ki^mii^i. iMilnm IT. srhoinbar auf die Autorität des PW.. dem samskft 
\TtlMnii dio l>edeu(ung *soiii au|;onmerk auf etwas richten« im sinne von 
»ptwas wüu**^h»M'.« j.i^oliivjM. Hatte er sich die einzige stelle, wo das PW. 
;fvr •.■',lvr«<»ts'ur|? ^ibt . angosrhrn ^cino glossi^ Säyana's nämlich: abkisa" 
n/i-H^ ■■- nr hfhil fhfi'i piii*f\ ♦ointrtMeu ru einem opfer heisst ein- 
i^-M^r: 'TA liinMiik auf oin op!W*V so wilrde er erkannt haben, dass sie 
r.7<V,i .Vi» ipuv rüi<»\ handhabe (\\y jene unnu'V liehe Vermittlung bietet. 
W V VJiMin wohl die sohoU. nne >o ;hand^ reifliche et\molO|pie verfehlen 
i.Vv.^".. w5iv «ie riohi dunMi die iH^hMilungsdiiTeren» absolut 



Präkj tische miscellen. 107 

iiankshyaii, und für letzteres muss Hoernle, ausser dem vertust 
der futuren, aucti nocli Zuwachs der causalen Function an- 
nelimen. 

Mit recht nimmt bei dieser gelegenheit Hoernle die schon 
1872 von Beamcs ausgesprochene ansieht wieder auf, dass der 
vocal in dekJcha aus dem einfluss von pekkha (peccha) erklärt 
werden muss. In der that, zu welcher der aufgestellten er- 
klärungen von dekkhaz man sich auch bekenne, und obgleich 
bei allen dreien die entwicklung des e aus r resp. a allenfalls 
hingenommen werden kann, das verhältniss von dekkhdi zu 
seinem causativ dakkhuvat ist so auffallend, dass man noth- 
wendig für die entstehung des e nach einem speciellen 
gründe suchen muss. Nun kann drshta lautgesetzlich so gut 
dakhha als dikkha werden (cf, dhattha und dhittha = dhfshfa etc.): 
von ersterem ist dakkhavat das reguläre causativ, während 
dikkha'i und dekkhai rein orthographische Varianten sind, die 
sich für das Sprachgefühl zu einander verhalten m^pikkhm 
und pekkhai. 

10. acchijja'i. 

Wenige Wörter haben mir bei der bearbeitung des Selu 
soviel kopfbrechens gemacht wie das passiv acchijjat 14, 7: 
»Fortwährend liegt der pfeil des Raghuherrn auf der sehne, 
und fortwährend ist sein bogen gekrümmt, acchijjat a sarähach 
sal^palhaUhant<i-r<xkkhasa'Sirehi maJii, >und mit den von pfeilen 
getroffen fortwährend fliegenden Räkshasaköpfen bedeckt sich 
der boden.« — Da einerseits die bedeutung »wird bedeckt« 
durch den klaren Zusammenhang und die einstimmige tradition 
feststand, anderseits keine der zwei möglichen analysen (ä-chijjat, 
acch'ijjai) diese bedeutung ergab, beschränkte ich mich im 
index darauf, der form einfach die ermittelte bedeutung beizu- 
fügen, aber keine etymologie ; vielmehr markierte ich das verbum 
acchat, unter das ich sie noth wendig einordnen musste, durch 
ein ? als unbekannt und zweifelhaft. 

Zu dieser .vorsieht habe ich allen grund mir glück zu 
wünschen, seitdem ich den wahren Sachverhalt erkannt habe. — 
Wie nämlich die übs. astiryate^) zeigt, war die echte lesart 



^) So, ausser KS, auch Kulanätha (Ku.), dessen überaus seltenen com- 
mentar zum Setu Dr. R. Mitra neuerdings entdeckt (Proceedings A. S. Beng. 



ms S. GoMächmidt. 

ftiihijin'i, was Ijokanntlich in alioii iJevaiu'ig. ni.ss. von aochi* 
iiiclit zu uiiiLM-.sc'hüidün i.sl *). .So all iiiul so i*cci|»icrt ist aber 
in ilicst'ni falle der lesefehlcr //■// für ffh, dass einerseits die 
zwei reccnsioiicn U und C darin iibereinslimmen, anderseits 
schon die übs. der einen chayä acchulyatv nur ein misslungener 
versuch ist, zwischen der entstellten form und dem feststehenden 
sinn nach inöglichkeit zu vermitteln. — Diese stelle ist also Setii 
oinloihmg p. X bei den gemeinsamen Verderbnissen von RC 
hinzuzufügen, acch im index zu streichen, und dafür atthyjcA 
s. V. star zu stellen. 

Ich darf nicht verschweigen, dass Pischel, GgA. 1880 331, 
die mir so lange unbesiegbare Schwierigkeit auf den ersten 
blick, und noch weit einfacher, zu lösen vermocht hat. Er 
erkannte sofort in acchijjai das passiv von acchai >sitzenc ; hin- 



Jitly l.v^)) Ulli] inii der (^rOsstcii bcreitwilligkeit mir verschafTl hat. — 
Piesos i<t niirijroiis keine n:anz neue quelle, ila Ku. die von der S über- 
sol/to rortMi>ion mumicntiert hat. 

*) Per ronfusion von cch und Wi verdanken fast in jeder ausgäbe 
i'inos Pkrttoxlos ein paar imaginäre formen ihren Ursprung. So z. b. lies 
r.»iyal. ü:X\ ntViUf'hmn für "itham, cf. Setu 12, 67, Hem. II, 21; daselbst 78 
Iio< t'nr ftulUucvhatfnm mit A ^tthayam = HaUlävastrteun, also nicht »sport- 
iu^ in iho wntor«. sondern »von wasser betleckt«, denn dieses ist, wie 
7;)lilr«Mii)«* stolliMi des Setu zeigen (s. index s. v. pabbäia), die bedeutung 
\on p<irr«i^4/. rf. auch Hern. I\\ 21. 4-1. — Kalak. (ed. Jacobi ZDMG. 34, 
417 IT.) vs. U'» leM'n wir htirti'vU'.-ucchahia-vaccha'yalo »die brüst be- 
di't'kt mit |>orlonsrhnuron« . und MCc/inVf/a wird im index erklärt mit uccha- 
•!i.'(i. UMS \^oh1 iMu Yorsohon für ucchtidita ist. Des sinnes halber mQsste 
iiundo>^(rn« ijriu\-htuiit*i ühorsot/t werden, aber auch diese erkläning be- 
frirtii;;t durchaus nii*ht. «la chilia aus chidita nnl>ekannt ist. Nun könnte 
lu.m sioh fiviluh auf \\\o in <lon commentar zu Hem. II, 17 so sonderbar 
hinoitt^f^i'hrioitt uoti; borufon. dass für tfkua {sihajfita) manchmal ekata 
>W\w w.\ro o*i nur nirht ;i1I.-u wahrsobetnlich. dass diese notiz selbst 
Awi ;rtw i-v^rf;;H;o]i rwisibon dh und tth l>eruht. Berücksichtigen wir 
iMin. i^«s^ t'ii^ui \inii otiHtiM ^ranr ^rleidibedeutend sind und dass R im 
S't'.i r^.'Vii.} si^.^r u.rbrLirli mit riiMsf.rfii übersetzt, also als Weiterbildung 
^on W.-Vm An«-.rb' (<. indo\ s v. sihno, uote ri zu 4. 3S übers.K und ver- 
^b^-b«-:A WM tVn'i^; vvr oh\^c\\ stoUo dos Kalak. die ganz ähnliche Kaipas. 
lA \'fV'^Vu;i i'U' i\u\h.- *io bleibt kaum oin /weifel. dass auch oben 

■ 

«i»?rvv<>.? '.;r ;,%s4*v. \<. - \V;r stüvk die mss. dos Hom. zwischen ecM und tth 
^sVw.ivV."-. ':o^»:1 .bo \l. Ivi ri*ii'bol: moistons bat der horausgeber im text 
,'ji« •. :«i-v^i,i ^v*<v;Vop. ro».j\ oin;obTo iVh^riiTo ^l'f. i. b. FYäkrtica p. 1 ni 
Iv'* U. i'i' -.'v. 5w.'lor. tt-.o^l lvji\btij:l : wor.n .»Ivr IV. 17-4 seine lesart 
v-^fii.' tvVi i^'i wrt* w\\ flautv , muv« natCniich auch lY. 3äß mit 



Pnikrtische miscellen. 109 

sichtlich des bedeutungsübcrgangs >wird gesessen« zu »wird 
bedeckt« findet er bloss, dass derselbe >von interesse« ist. 



11. attai. 

• • 

Aus Hem. IV, 230 lernen wir den äkrtigana gakadi kennen, 
solche wurzeln enthaltend, die im Pkrt den auslautenden con- 
sonanten verdoppeln. Die mehrzahl derselben bietet kein be- 
sonderes interesse: die Verdopplung entspringt einfach aus der 
assimilation des consonanti!fechen präsenscharakters (meistens y, 
in sakka'i vielleicht w), des suffixes des ppp. (laggai von lagga), 
oder ist ersatz für die nasalierung (maggat^) = mangate); für 
einige (sdkkai, naitat) bieten sich mehrere gleich mögliche er- 
klärungen *). — Zwei der aufgeführten verba aber, paloUai und 
pariattai, fallen zunächst dadurch auf, dass Hem. sie nur in 
der composition mit präpositionen kennt : ein simplex lottat oder 
aftai(= atati) gab es also nicht. DapaloUai uns hier nicht 
speciell angeht, begnüge ich mich hinsichtlich dieses verbums 
zu constatieren, dass es in der literatur häufig, und zwar bis jetzt 
ausschliesslich in dieser Zusammensetzung, vorkommt, dass der 
präsensstamm mit dem ppp. gleichlautend, also ein denominativ 
desselben ist, endlich dass, nach der mannigfaltigkeit seiner 
bedeutungen zu schliessen (»vorquellen, herumgewirbelt werden, 
umherliegen, zurückkehren«, s. note 6 zu Setu 5, 46 übers.), 
mehrere verben darin zusammengeflossen sind. 

Ich wende mich zu pariattai, Dass es hierzu kein simplex 
attai gibt, sahen wir eben; atati musste vielmehr im Pkrt ada? 
lauten, was zum überfluss Hem. I, 195 direct bezeugt, indem 
er atai als unregelmässige Schreibung für a4(^^ überliefert. 
Nach Hem. scheinen also simplex und compositum verschiedenen 
conjugationen zu folgen, was bekanntlich auch für manche 
andern verba, z. b. für rudhy vesht etc., gelehrt wird; hieran 
also wäre kein anstoss zu nehmen. — Um so grössern aber 
nehme ich an der seltsamen phonetischen behandlung von pary 
vor o. Nur aus dem Jainapkrt — wo bekanntlich viprakarsha 



*) Wenn Hem.'s ableilung dieses verbums von wz. mag überhaupt 
richtig ist. 

*) $iückai = qahioti, oder = gakyati, oder von sakka; natta'i = *fiariatfy 
oder von nafta. 



1 10 S. Goldichmidt 

statt «issiiiiilalioii viel häutiger ist n\? im ciassisehen , s. Jacobi 
oben t23, 594 — sind ein paar beispielo^) dafür bekannt, dasB 
IHU'i/' nach der analogie von lleni. 11, 107 zu pariy- statt Pßjj' 
wird. Nichts derart kommt in der classischen spräche vor; 
ilie grammatikcr beschränken diesen vifirakarsha ausdrücklich 
auf die mit rya auslautenden Wörter (wie caurtfa etc.), UDd 
gegenüber den zahlreichen beispielen von assiniilation wie 
IHijjatta, iKijjanta, xHijjavas(i\m^ pojjäa, ixijjai'da, pajjuväsaya etc. 
(und anderseits wie pallahka, ])allcUtha, jhiIIihm) ist kein zweifei, 
ilai^s skrt jiaryaU in der Mähär. pajjaU (oder allenfalls paUat-) 
lauten musste '^). Der hiatus in parirattai ist das deutlichste 
zeugniss für einen geschwundenen consonanten, und darum 
gibt es dazu kein simplex attdi: Ilem/s etymologie ist also 
falsch. — Die richtige liegt nahe genug: pariatfai ist = pari- 
vartaie; die sonne heisst Kaipas. 39 Meru-giri-pariaftaya = 
IHirivurtaka *) >den Meruberg umwandelnd«, und in Bhagav. II 
p. iijl samsdra-kanturam uniipanyattdi >er durchstreift die 
wildniss des sawjsära« haben wir nicht mit Weber (p. 270^*) 
yat oder at zu suchen, sondern einfach anuparivartate. — Das 
verbum atfa'i »umherschweifen« sind wir nun, denke ich, 
gründlich los. 

Dagegen habe ich im Setu- index ein verbum atfat »ver- 
Irocknon*), .schwinden« nachgewiesen*); beiläufig bemerkt, wird 
dasselbe von K zweimal mit {-^iishyati und kvathati erklärt: es 
ist also nach der ansieht der tradition identisch mit dem von 
lleni. l\\ 119 überlieferten attai »sieden«, und in der tliat ist 
die bodeulun^^sent Wickelung »sieden (intrans.), durch hitze ver- 
gehen, schwinden« durchaus glaublich®). 

'^ l%tnyaHUu$umyi'uiiyiu,panythja.panyavaJJa'i^ s. iiidices zu E. Mflller 
JliUnrt|>k't. J;uvM Ka1i>;is. 

*) Niilurlirli win! »luroh ilios*«» orwil^iin); auch die Pkrtica p. 14 von 
mir «otbsl ^i;<^b«?no .iMoitunir von parMthi aus pari t <^^o erschüttert. 
OaiuaN 9\^oifo)to ich oIhmi nooli nicht an Heni/s erkhlrung von pariatiaa. 

M S« richtig; Jacohi im tmlcx. 

*^ «ifffi *(rookon« hat so);.ir oingunir hi ilio Modini i^ofunden, s. PW. 

M \^xkynh, kshf{^*itf Scholl. Lot.rtorc< i::t die c\Mistante Obers. Ku/s; 
l»^Mdmvh i«! der lotyto res! dt^^ 5h^Iu \\ Itt -i ausgesprochenen zweifeis 
hr«rili|:<. ol« Ihm K t:^ :W in dt«m outstoUton pratika adiUumti = kMjfomie 
x\nVhrh iifM^ff <tivkt. 

*^ Vt:l 9 h. A-tMfA>i*<iM.iNiiA *\««r»ohiion hcrzons:« Har?hac. 142, 14w 
- |Mtilhn(;k u.Mtoih l*\%ik 



Präkrtische misceilen. 111 

Setu 13, 32 lesen wir*) in einer lebhaften Schilderung der 
wechselnden Chancen einer schlacht : »Bald nicht stand haltend, 
theilwelse geschlagen, zurückgedrängt und entmuthigt, bald 
wieder den feind durchbrechend und verjagend — so attanti 
die beere«, üeber den sinn von attanti, der sich aus dem 
Zusammenhang durchaus nicht ergibt, bestand, wie man aus 
meiner note ad loc. sieht, keine feste tradition: atyate balam 
der S ist nichts als eine mechanische transcription ins Skrt 
unter verzieht auf jede erklärung; R's ävartante^) ist ein ver- 
zweifelter versuch, attanti als Verstümmlung von äattanti auf- 
zufassen; E's hshiyante endlich »so reiben sich die beere auf« 
ist zwar eine durchaus wissenschaftliche, und wie ich glaube 
die richtige, erklärung, — da aber die andern nichts von ihr 
wissen, kann auch sie nur für den guten einfall eines einzelnen 
scholiasten gelten und hat nicht das gewicht einer alten tra- 
dition. — Gewissenhafter weise musste ich daher im index 
attanti an dieser stelle als dunkel bezeichnen. 

Dem Scharfsinn Pischel's dagegen gelang es, auch diesen 
knoten glatt zu durchhauen, s. a. a. o. 331: -/^attanti 13, 32 
bedeutet »sie schweifen umher« und gehört zu wz. a^, cfr. Hemac. 
IV, 230«. 

12. WZ. hud. 

doda (in äodiyaya = tädita Päiyal. 184) und dhoda (= täday 
Hem. IV, 27) verhalten sich zueinander entweder wie j^diaffa 
(Setu 6, 31) zu parihatta, apabhr. bhanai^) »sprich« (Urv. 
vs. 99) zu bhanahi, padiodana^) (Setu 9, 58 vi.) zu pariholana, 
viadia (10, 10 vi.) zu vihadia, ahiad (15, 18 vi.) zu ahihad, etc. — 
oder .aber wie chdä zu chdhd ^hi, dura zu cihura, siara zu 
gthara, osianta zu osihanta (Setu 1, 40), sunaa dhaniaa *phaiia 
zu sunaha dhaniaha (Kälak. vs. 82) phdliha, iarä (Setu 11, 26) 
ZH iharä, viasaaiti zu apabhr. vihasanti (Hem. IV, 365), atsarfulhia 



^) Nach den lesarten und erklärungen R's. 

*) partisparam upary upari patanttty arthah. 

*) So lies mit allen mss. 

*) Von gholat; die vermulhung eines Zusammenhangs zwischen padi- 
odana und äodana (s. Setu index s. vv.) nehme ich zurück. — Was den 
Übergang 2 in ^ in padiodana und in unzähligen andern fällen betriflt, 
so sind diese zwei zeichen zwischen vocalen gleichwertig und wechsehi in 
den mss. beliebig und nach beiden seilen, cf. Setu ein], p. XIX; PischePs 
entgegenstehende behauptung (GgA. 1880 p. 324. 335 oben) halte ich für 
einen radicalen irrthum. — Dagegen ist es, trotz doana = locana (s. Pischel 
in Bezzenb. beitr. 6, 89), sehr zweifelhaft, ob auch anlautend d für 1 ein- 
treten kann. 



IIJ S. irji'i-«:.(iiiii\ F/.ii;*..-4-i.»^ ra*.-?4'»»il»'n. 

/M (titi'* (---/£/<" S*;lii Ik »J^ '.f'.i :* :.im. t-ti_. M: d. h. entweder 
hat ufM/a oiii A vliIoi»,!). ij-i.. 'Ll- '. jLi 'lJ¥j'la ist parasitisch. 
Knlsclu'iclcn lils.il <'u:\i *{[*•<*: j..' ..i./^i'.- :. ir JurL-h die etymologie 
des vitIuiiiis, /u «Il'Ixti aul;!i. Im: .^ v !:■ zLiiiriclist statt der all- 
;,M'iiH'iiU'n kalejroiie ^srlilau'- :: ^ -» i-ir- iüdlviduelie bcdcutuiig 
kniiu'M iiiiisseii. 

SiiUiUJi lifissL LS. ilä-fs «k-i r^i.iv.la. flnirui el et an tcnp losten^) 
^'h»i rl I , vajja-m uluujfiatai ^ )-ftha rüi'tii/:hitnjßt.tnf » durch das drauf- 
srhla^'cii iniL dem (loiinei-kcil uiitji-54.hQt lorlich festgestellt ist«. 
Nai'li der Inidilioii, bc.-oinlL'is IVs*). bedeutet also audd »fest- 
srlila;;cMi«, und os ir?l klar, das.s R mit .-•eiMer Übersetzung tiko- 
Unut (von hda sfutiltofau Dhp. 3J, 1:!) zugleich eine etymologie 
im au^'e liattti — wie mir scheint, die richtige. Alsdann aber 
kann von tiiMla, sccundür ähuila, die handgreiflich pkilische 
w/. liuda sanujhntc Dlip. :!8, lOii niclil j^elremit werden: der 
Dlip. hat das j^^anz und gar pkrtisdie vurbum mit haut und 
liaartMi auf^'cnonnncn, und die wz. hud aus ahotlai steht auf 
^ItMchcr lini(' mit solchen missbildungcn wie ruksha {slsiii vrksha) 
ans nikkhn, wie khai (stall styai) aus sanikM'i, wie die famose 
w/. ^sthak »stehen« aus thakkai, etc. Wem fallen da nicht die 
kiii'lirnlaltinischcn tbrmen des miltelalters ein, mcstiagium statt 
Mtfimiomdirmn, rtiiiirc statt cotisture, etc.? 

M PisrlH-Ts iitMioriMi v»»rsiirlien (Bezzeiib. beitr. 3, !i46. 6,91 IT.), sowohl 
ilrii iiusi'cill ,ils iliMi i'iiisrhiih von h zwischen vocalen überhaupt zu leugnen, 
^hiiiiMp irli nhlil bri. ob^loicb ii'h von ileu neuen ableitungen, die er für 
niiir tili. -:i hl iii<<lirr auf (lir.MMii wo^ro iTklurtcr formen vorschlägt, einige fQr 
nii^itliib b.illi\ /m (iii>MM) hin^liobcn abloituni^en rechne ich nicht die 
\(iii riAiif-.i />Aii/i/iii sihtira, \\i\ dio prolutypen *cikhura etc. canz und gar 
r:tiiici«li>;rb Mfiil : tuirb nicht ilio xon sunaha , da päli ^uftaX'Aa nicht für 
riiio ;iUii runii. sdiidrrn ITn* rini' rtymolo^izin^ corruption (st. Trenckner 
l*:ih iiii^i. :»s-) .11 lutltrn i^t. Da V, es undenkbar fuidet (ti, 93), dass 
iMiii-, •^niK.l drii biiiliiN iM riMi^^rude, .Sprache Wni (gelegentlich durch conso- 
iMtif»-ni:iii-i-biib «H'der <niflielu\ erhniere ich an franz. ^ra^iiVf — grair — 
b/i .»«■•# . f# .i,fi-i f tr,nf triihu\ eto. : an pkrt sioka — thoa — thova^ araka^ — 
»•.•v. i'i-'vi, rlr. .\\u\\ mit diT ♦vcr^rri^be^unJr« des h hat Paul Gold- 
'.vbiiiiiU <:(biin ls;i di'u iia^i'l auf den kopt* getrotVen; wäre, wie Pis^el 
iiit'iiii, Aa. i'f* III K{.'-Y:«.i piiniiu'. so li.'itte es nach einem sehr bekannten 
,:i-'.i'io IM dri ^hi*ii(^rii Mjb.'ir. h utM-iIen nnlssen. >Skrt< f7bhara (st) für 
••tM' dr- \\A\ ^, AM«di Kill. sl. 'ir.» note) isl vom sell>en caliber wfe 

" ' V'.u-M riM i*{i«>.ti*u wird diiivh dnuitW blasen mit knfittehi fest- 
" i^':a"..h.% €• tl»V.;..A. .».'.. 'w.tr.'v.;. Kii. \vr,\ /in^pielui!^ auf die Iiekannte 

Siojrfr. tioldschmidt. 



Latein und griechisch in einigen ihrer 
wichtigsten lautunterschiede. 

Gewohnt, bei vorgleichung von sprachen zunächst auf das- 
jenige seine aufmorksamkeit zu richten, worin sie mit einander 
übereinkommen, übersieht man nur zu leicht die oft gar tief 
gehenden unterschiede zwischen ihnen, auch selbst sonst nah 
verwandten. Es ist nun meine absieht, im folgenden einige 
der wichtigeren falle hervorzuheben, wo jedes von dem classi- 
schen schwesterpaar in lautlicher hinsieht eigenthümlichkeiten 
zeigt, durch welche es von dem anderen part beträchtlich ab- 
weicht. 

Inzwischen will ich doch flüchtig ein paar besonderheiten 
vorausschicken, wodurch sich im gebiete der flexi on zwischen 
beide ein nicht unwesentlicher unterschied hineinstellt, oft durch 
conservatives festhalten am alt überkommenen dort, und in 
folge Verlustes von einstigem oder durch neuschöpfung hier, 
herbeigeführt. 

Zuerst nun vom nomen. 

a) Den numerus anlangend, hat, wissen wir, gleich den 
Aeoliern das latein den an sich schönen, wenn schon verstandes- 
mässig nicht geforderten, und daher in den jüngeren sprachen 
wieder aufgegebenen dual so gut wie ganz landes verwiesen. 
Gerettet sind ja nur ein paar kümmerliche reste, wie einige 
casus von duo und anibo meist neben pluralen; vielleicht octo, 
dafem ursprünglich zwei tetraden bedeutend; endlich n6~s und 
v6-8 als aus vto und tfgxa pluralisiert. 

b) im gebiete der relationen, d. h. Verhältnisse, und somit 
casus, haben gleichfalls bedeutende Veränderungen stattgefunden. 

Zeitechrift für rergl. Sprachf. N. F. VI. 2. 8 



1 14 A. F. Polt. 

Xelinu'ii wir zuvörder.4 den vnraliv. In dual und plural hat 
ov im giur/Am indogermanischen .stannno überhaupt keine ver- 
IreUiiiij durch eint' bescmderr form, und eben so wenig, als 
recht eigentlich per^ünhcher und individueller natur, einige 
spärliche ITdlo im sskr. abgereclmet, beim neutrum. Kein 
wunder, dass alsdann, im fall des bedarfs, durch den ersten 
casus rectus dessen rolle mit übernommen wird. Allein auch 
im sg. sexual geformter nomina hat schon das griechische 
ebenfalls oft zum nominativ seine Zuflucht genommen und end- 
lich das lalein sich lediglich auf einen vocativ für das masc. 
in decl. II, z. b. hone serve salve , durch contr. mi filt (st. TÄ) 
boschrankt. — Dem Griechen ist der ablativ abhanden ge- 
kommen, d. h. als casus, indem ihm für den sg. nur der ad?. 
gebrauch in wg, lat. od, s. wf, also wohl neutral verblieb, und 
das -^i in advv. avxoifi, rav(pi u. s. w. sich zwar mit der präp. 
ablii im lat. i-hi, nambii^s dgl. berührt, ohne sich jedoch, weil 
mehr adverbial, damit zu decken. Dagegen blüht nun jener 
casus im latein und zcnd, während selbst das sskr. im sg. einen 
abl. nur bei der a-decl. kennt, und dessen function sonst durch 
den genitiv ausüben lässt. Also, wie im griech. z. b. äno und iS 
den genitiv erfordern zum ausdrucke des woher, an stelle des 
lat. abl. Wo aber das latein den abl. auch zur bezeichnung 
eines instrumentalen womit (im sskr. durch einen eigenen 
instr. vertix^ten) verwendet, gleichsam als ur sachliches woraus, 
da l)edienl sich der (irieche, wie bekannt, meistens seines 
sog. dativs, welcher indess, wo der form nach cig. locativ, z. b. 
X(i^i\ d. i. in der band, die Ursache einer thätigkeit als darin 
betindlioh darstellt, gegen: manu, von der band aus. — Weiter 
hat das sskr. zur anzeige des ruhigen wo (mitunter auch des 
erst dem ziele zustrebenden wohin gls. unter vorwegnähme 
des künftigen wo. collocare in mensa), ferner in der zeitsphäre 
wann, seinen besonderen casus, den locativ. Dem begegnen 
wir nun im lat. fast nur in der einschränkung von städtenamen 
(Eoma^^ jyraCf xafiai, rnai : AgiigentL humt. domi; Cknrihagmi, 
TilmrK fwt: hek, wi: Am), während der sog. dat im griech. 
auf kurzes -§ (aus ir st. it\ vgl. s. ta-^nn-in)^ sowie auch wohl 
das ]^1nr. -ai dorn sskr. loc. gleichkommen, was von 7 und m 
in l. 11. i^vgl. oiVfw, lat. WaI == sskr. dat. fYJ(v#j/a, aber •««•« =a 
l<v. tvf') niohl gilt. I\i muss dann, wie z. b. ir ra o7m der 
wirkliche dativ (als l>ethciligung) neben dem loc. cV x^'f*» ün 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 115 

lat. auch wieder oft zur bezeichnung des wo und wann (gls. 
von welchem Standpunkte aus) der ablativ: lioc loco, hoc anno, 
in hoc urhe^ Ms mensibas aushülfe leisten. Vgl. Max Rüge, 
De ablativi in veteribus Unguis Italicis forma et usu locali, in 
Gurt. Stud. X, 382 sqq. 

Jetzt nur noch ein wort, betreffs qualitativer bestimmung 
der nomiha m'ttelst genus. Vorweg sei daran erinnert: das 
latein lässt in deminutiven mit wenigen ausnahmen das 
gleiche geschlecht fortbestehen wie im jedesmaligen primitiv. 
An sich ändert ja auch der grössenunterschied nichts am ge- 
schlecht. Herabsetzung des deminutivs in das bereich des 
geschlechtslosen, welche im griechischen und deutschen 
so häufig, ist ihm fremd. — Im sskr. wird in der o-decl. das 
fem. einmal durch symbolische Verstärkung der in a-s m., a-wi n. 
waltenden kürze und zweitens, wie desgl. t, durch abwesenheit 
eines s, als üblichen sexual -Zeichens im nom. sg., vom masc. 
und neutr. unterschieden. Niemals aber werden nomina mit the- 
matischem a als fem., noch je solche mit ä (höchstens solche, 
wie ganichadhnä neben dhnia) als masc. gebraucht. Um so auf- 
fallender erscheint das beiderseitige gegentheil im latein und 
griechischen. In den nachtragen zu meinem Humboldt ausg. 2 
ist der fall a-g, ij-g, lat. a m. als auf contr. von ao-g beruhend 
beseitigt, und auch für das weibliche geschlecht von baumnamen 
auf o-g, lat. ths, zu einem nicht kleinen theile nach IV., in 
einer, auf späterer mythologischer verweiblichung beruhenden 
anomalie die erklärung gesucht. Seltsam aber bleibt, nament- 
lich gegenüber dem latein, welches sich doch, ausser namen 
von bäumen, nur wenige fem. auf ti-s II. gestattet, nicht bloss 
die, obschon im gründe abenteuerliche, doch ziemlich häufige 
Verwendung von subst. auf o-g noch anderer art im griech. als 
fem., sondern auch die menge von adjj. auf og, ov. Man hat 
hiebei also nur am gegensatze zwischen sexualem und ge- 
schlcchtlosem festgehalten, unbekümmert um den Zwiespalt 
innerhalb des sexus selbst. Man denke sich nun aber einmal 
ein lat adj. auf as, bezc^en auf ein fem. Wie entsetzlich 
würden sich darob die ludimagistri empört fühlen, und schreien: 
welche unsinnige zumuthung! Und gleichwohl nimmt der Römer, 
einzig den acc. sg. sowie n. und a. pl. ausgenommen, an ver- 
Avischung sogar jedes gonus-untei*schiedes, z. b. im pari, legens 

anstatt kSyt^y^ ovaa, oy^ oder felix, audax, nicht den geringsten 

8* 



110 A. F. P.ptt. 

ansfo-s, der colossakfii vorirrun? ins gesiclit hinein, dass in 
«liefern fallen ä, wio son.st nirgends, al- noulralo5 casus-zeichen 
im nom., allein nielit minder im ckc. \\) >g., dienen miiss. Tic- 
triria arma etwa nafii 11, wie iKisforivius'i^ Es käme darauf an, 
ob / vor c in Wahrheit lang ist. Dagegen nun besitzt das 
latoin eine menge von adjectiven auf is mf.. v (st. T) n., und 
zwar massenweis als possessiv-compp., in denen sich der the- 
matische vocal des suhst. zu / abschwächte. Imberbis (barba), 
imMlis (h'lUnn), exanimis (anima), cnormis u. s. w. Das ist 
jedoch minder auffällig , weil sich kur/es / in betreff des ge- 
schlechts ziemlich indifferent zeigt, und daher schwankt z. b. 
skr. ons mf., lat. ot75 f., aber a(/»i5, Xntignisxn. Ausserdem ver- 
dient eine besondere erinneiung, dass die adjj. auf « im sskr. = 
j:r. V durch ansetzen von i im lat. der IV., wohin sie sonst 
gehörten, gänzlich verloren gegangen. Also tenn-d-s (s. iann-^, 
im fem. tami-s, tanvi, gr. sTa, und, verm. mit f? aus vi, (anAs); 
diifris. ykvxvg, äsvxog ohne X; brevis, ßga^vq mit Verlust von 
A u. s. w. Vgl. Whitney, ind. gramm. § 344. — Auch in der 
wähl der zweierlei arten von steigerungstufen zeigt sieh 
ein merkwürdiger unterschied. Was nämlich im sskr. als tara, 
superl. iama, im griech. «^o, aber im superl. xaxo^ die regel 
bildet, wird im lat., z. b. dc^-fer, de.v-timuSf dl-ter, exteri und 
deutschen itu-<hrr, vor-dcre, af-fer, dnoitfQog, goth. af-tunia nur 
mehr ausnahmsweise gefunden. Umgekehrt haben die im sskr. 
und grioch. nur auf einen engeren kreis beschränkten iy€i(n)s, 
ish'flia, \:\\ ioy(cK itr-ro, im goth. im (-er), ists (-este) und im lat. 
ior. iif.<. superl. nicht mit dem ordinalsuff. tlia, sondern mit dem 
indisrhon Uwm hinter dem zu k< verschrumpften compar. is-simo 
(."^N< <t. s-/) jene!i kreis durchbrochen und weitaus überwiegend 
die mohiTahl an sich gerissen. — Im lat. kein artikel. 

\unniehr zum verbum. Da hat also a) das latein nir- 
jjxMuls mehr ein gegenslück zu griech. imperativen auf -^«, 
«. ittf (/jf). Selbst f's. iss, was Benfey als einziges Überbleibsel 
—- s. ad-dhf beansprucht, miVhte versagen, b) medium 
und pi^ssiv, wolehes im griei^h. rücksichllich der endungen zum 
s<kr. stimmt, hat der Homer als tinitum eingebüsst, und, wie 
\\\v \\\\}i\ durch rellexiv-formen fr aus »V; ersetzt. Dann sind 
cw.u" Optativ -formen, die mit griciinschen und indischen 
\|s^Sv\?lalis) »itinnnen. vorhanden, allein in der anwendung ver- 
«^hitNten. ANo .Wm» aus .f*Vw. fv/if», rt/wM, auch in I. amem. 



Latein u. griecb. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 117 

werden syntaktisch völlig wie wahre conjj. legam, legäs, Xiyao, 
tjg gebraucht. Und der möglichkeitsmodus leges = Xiyoig mit 
gefolge verstieg sich in das futurum, als tempus auch der 
möglichkeit. Von etwaigen »unächtenc conjj. des sskr. im 
griech. und lat., hier z. b. angeblich ero trotz u in erunt, anders 
als legerint, bei Brugman, morph. unters. III schweige ich. — 
c) finden sich nicht minder auf dem gebiete der tempora be- 
deutende ab weichungen. Das latein entbehrt nicht der redupli- 
cation im verbum, wiewohl nur noch in massigem umfange, 
allein die augmentirten tempora gehen ihm ab. Als im- 
perfect sind nur zwei formen in Latium vorhanden. Nämlich 
Sram und in III. (legjibam. In letzterm suche ich, unter ab- 
weis von itvffx^fjv u. dgl, woran andere denken, das sskr. 
gunirle imperf. a-bTuiv-am, das sich etwa mit dem e von leg-e 
verband und so noch vielleicht durch contraction verstecktes 
augment enthält. Das lange a in legebas, legebämus u. s. w. 
aber könnte sehr wohl folge der zusammenziehung sein, nach 
ausfall von v, wie in amarunt u. dgl. Schwieriger wäre ^ram, das 
sein augment eingebüsst haben könnte, allein rücksichtlich des 
langen a in er äs, erämus aus aller analogie herausfallt. Am 
nächsten käme wohl stiv 1.; etwa faq ion. 2.; bijv^ auch ^tjv 
(v ephelk. f. erat) und ttsav st. iitsav, erant. Jedoch ist in li^v 
selbst das tj hinter vermuthlich ausgefallenem a nicht leicht zu 
verstehen. Dem indischen imperf. äsa^n entspräche wohl am 
besten lov^ wo nicht, vor der üblichen Wandlung des a vor nasal 
in ö, ^v. Aber ^a, ia sehen aus, wie s. perf. äsa, zu welchen 
dann ijsv sich verhielte, wie yiyQafs : yi^gatfa. Rein äusserlich 
genommen fiele eram, er äs ab, wie der conj. legam ^ äs, oder 
von 1. sg. abgesehen, amäs u. s. w. — Vom aorist finden 
sich im latein nur spuren. Curtius stud. V, 429. Das sigmatische 
perf. darf meines erachtens nicht mit dem sigmatischen aor 
im griech. in vergleich kommen ausser dem umstände, dass 
natürlich beide präterital - formen des verb. subst. ihr dasein 
verdanken. Im latein hat das perfect die rolle des fehlenden 
aorists, d. h. erzählenden tempus, mit übernommen. In unserm 
deutsch aber ist merkwürdiger weise der syntaktische gebrauch 
des einfachen prät.', d. h. der form nach perf, solchergestalt 
verschoben, dass es, unter ausschluss gerade des erst wieder 
durch Umschreibung neugewonnenen perf., des griech. imperf. 
und aor. stelle vertritt. 



Hb A. F. Füll, 

Noch sei eines grossen vui'zugi*s gedacht, dessen sich 
das griechische zu berühinen hat, wogegen sich seine italische 
Schwester in bedeutendem nachtheil beHndet. Das ist, wie über- 
haupt in der Wortbildung die grosse gewandtheit und fülle, 
wodurch die Griechensprache sich auszeichnet, so im besonderen 
ihr reich thum an schönen compositen, noch abgesehen von 
präpositionalen , gegen die dürfligkeil des lateins in dieser hin- 
sieht und die zu äberschwenglichc jagd nach sesquipedalia verba 
(coniposita) im sskr. 

Allein jetzt ohne zögern zu dem in der uberschrifl ver- 
kündeten thema. 

Bekannte sache ist, dass mit nichlcn in allen sprachen das 
inventar ansprachlauten sich überein zeigt. Vielmehr besitzt 
deren die eine spräche in ihrem alphabete, welche (und so 
verhält es sich manchmal mit sonst ziemlich landläufigen, wie 
l, r, f) der andern ganz und gar fehlen oder doch nur an 
gewissen stellen des Wortes geduldet werden. Und gilt das 
nämliche ja von lautgruppen, gegen deren einige sich dieses 
oder jenes idiom, oft bis zu völligem verschmähen, spröde er- 
wxist, wähi'end hinwiederum andere die gleichen, vielleicht selbst 
mit grosser Vorliebe, verwenden. Man nehme beispiels halber 
im engl, lg am wortende zu ow auseinander gezogen: hMows^ 
bälge, al)er io hellotv, blöken (niederd. bölken); hiUow (nd. frtil^e); 
faUotv (fclgc%\)\ follow und dazu wohl fdlcto {ygl gefolge); gaU 
lows; willotc {mhA. wilgc). Und für r^: borrow, marraw, wrrow^ 
aber auch farrow ferkel, fwratc furche (porca). Wahrscheinlich 
-mittelst eines Überganges von gutt. zu lab., vgl. sparraw, goth. 
sparva: inlliHc, pfühl, aus lai. 2>idV'intiS, als culcita plumea, 
durch metath. und v für m, aus pluma, ilaum ; faUow falb, frz. 
fhuve. Wif^ow, etwa wind-auge trotz eye? Wenigstens s. gar 
vaksha ein rundes fenster, wie oetiil-de-hocuf. 

Sogar aber sonst eng verwandte sprachen, wie das clas- 
sische scinvcsternpaar, offenbaren in diesem allen, bei mancherlei 
sonstigem traulichen zusammengehen, nicht wenige entzwöungen 
unter sich, zumal im gegensatz zu anderen idiomen. Lat. kein v, (• 
Und anderseits erhallen z. b. die griechischen mundarten durch 
lautbesonderheiten eine eigenthümliche farbung, und namentlich 
bei zeitweilig kunstvoller Verwendung in der poesie ein wohl 
zu beachtendes timbre, was, zumal in ihrer gesammtheit, zur 
zeit, wo jene vom munde lebender erklangen, noch einen ganz 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 119 

anderen reiz und eindruck auf ohr und geinüth der hörer ge- 
macht haben muss, als von uns, bei bloss schriftlicher Über- 
lieferung, gefühlt werden kann. Gedenken wir nur hiebe! der 
in unserem eignen deutschen Sprachgebiete üblichen volks- 
mundarten. 

Wohl lohnt es der mühe, sich einmal dergleichen durch 
einige beispiele zu klarem bewusstsein zu bringen. Ist ja durch 
die elgenthümlichkeit der laulgeslaltung, welche natürlich nicht 
mit dem blossen lau tbest an de und statistischen verhält- 
niss der einzellaute in einem sprachidiom (etwa überwiegen 
von a gegen i, u im sskr.; oder glelchmacherischer itakismus 
der heutigen Griechen) allein erschöpft ist, dessen Charakter, 
das heisst zumeist, indess nicht ausschliesslich von der ästheti- 
schen Seite, jedenfalls nicht unwesentlich mit bedingt. Es 
leuchtet unschwer sein: auch die Stellung der laute gegen 
einander und ihre Verbindungen in ihm verdienen die gründ- 
lichste beachtung. 

Schicken wir aber, bevor zu unserem eigentlichen vorhaben 
geschritten wird, ein paar, Friedr. Müller, grundriss der sprach- 
wiss., bd. II zu anfange entnommene bemerkungen voraus. 
Ihm zufolge nämlich »kommen in den polynesischen spra- 
chen diphthonge nicht vor; es ist also bei zwei auf einander 
folgenden vocalen jeder vocal getrennt von anderen zu sprechen«. 
Nicht zu reden von diphthongen und triphthongen im auslaut, 
z. b. tönend KA2f, gesteigert KIAN; dumpf KU AN, gesteigert 
KlUAN^ Endlicher gramm. § 78, welcherlei das chinesische 
genug zählt, entsinne man sich nur der schönen, und durch 
farbenreiche abwechselung wohlthuenden menge altgriechiscber 
diphthonge, welche, zum theil auch im älteren latein vorhanden, 
später darin allmählich wie mit dem schwämme weggewischt 
worden. 

Ja noch um vieles schlimmer hat mit dem reichthum des 
vocalismus ihrer hellenischen vorfahren die 'Fcofia'ix^ gewirth- 
schaftet, indem sie nicht nur i^ und t;, sondern auch die vor- 
maligen diphthongen £^, o$, vt zu eintönigem t nivellirte, nicht 
zu reden von anderen neuerungen in der ausspräche. Wäre 
nicht ein, freilich übelverstandener Patriotismus mit im spiele: 
da müsste man sich höchlich wundern, wie noch jüngst 
(Leipzig 1881) in einer schrift: »die ausspräche des griechischen« 
ein gelehrter solchen ranges, wie hr. Ran gäbe, dem längst. 



120 A. F. Polt, 

und zwar mit recht, niedergestreckten Reuchlinisnius wieder 
auf die beinc zu helfen den versuch machen konnte. Dieser ist 
denn auch, was für jeden unbefangenen vorauszusehen, niiss- 
lungen, und in so ungläcklicher weise misslungen, dass der zu 
gunsten seines dienten angetretene beweis, auf den wahren werlh 
zurückgeführt, fast ohne ausnähme zum vortheil des gegners aus- 
schlägt. Es ist hier nicht der ort, auf viele einzelnheiten wider- 
legend einzugehen, was sonst nicht allzu viel Schwierigkeit machte. 
Wie kann man aber allen ernstes glauben, im jetzigen griechisch 
habe sich noch auch nur die etwa vor zweitausend jähren bei 
den Griechen gültige ausspräche unverändert erhalten? Das 
hiesse also ungefähr so viel, als wenn die Italiener uns, gegen 
alle Sprachgeschichte, einreden wollten, ihr gegenwärtiges idioni 
unterscheide sich in laut und sonst von der spräche, wenn auch 
ein wenig der des Romulus und Remus, doch so gut wie nichts 
des Cicero. Ausserdem, um nur bei allgemeinheiten stehen zu 
bleiben : wie ist es menschenmöglich sich einzubilden, in Wider- 
spruch mit der alten, natürlich doch nicht auf bloss graphischer 
narrethci beruhenden Vielfältigkeit der Schreibung, sei damit 
doch immer das eine # gemeint — der ausspräche nach! Es 
scheint, hr. R. habe von der Sprachvergleichung nicht die 
geringste kenntniss genommen. Die hätte ihm allerdings auf 
schritt und tritt unbequem werden müssen. So steht er noch 
auf dem paradisisch unschuldigen Standpunkte, als hätten die 
Römer durch >entlehnung« ihr idiom aus dem aeolischen ge- 
schöpft (vgl. s. 11. 12. 24. 31), so dass das verhältniss der 
beiden classischen sprachen zu einander aus einem schwester- 
lichen, was es in Wahrheit ist, zu einem des Hellenenthums 
als angeblich mutter vom latein verdreht wird. Daher dann 
das misskennen der Unmöglichkeit, als hätten von uralters her 
die endvocale z. b. in /Jyst, tj, oi überein gelautet der doch so 
noth wendigen modal -Unterscheidung (lat. legit^ at und fut. et, 
alle drei vocale gekürzt aus sskr. a4i, äti, S4) zum trotz. Auch 
überkommt hrn. R. selbst doch s. 23 ein bedenken in betreff 
des nicht bloss >unbequemen€, nein widersinnigen »gleichlautesc, 
welcher den alten pronominen ^ftstq und vfABlg, also imis, an- 
gedichtet wird. Als ob diese nicht in sskr. asniat, yuskmat 
wurzelten und darin ihre erklärung fanden, wonach jenen durch 
assimilation entstandene formen, wie äfAfAsg, infA€g'{\eizieres indess 
nach aeolischer weise ohne asper), zum gründe liegen. Hieraus 



Latein u. griech. in eini|^en ihrer wichtigsten lautunterschiede. \^l 

erhellet genugsam, dem 17 in ^fisig gehe dor. a (nicht umgekehrt!) 
voraus, etwa wie nach jetziger ausspräche von a in engl. are. 
Dass aber langes a und 17 unmittelbar in einander übergehen 
könnten, bloss aus mundartlicher laune, urspränglichkeit der 
ausspräche von ij als i vorausgesetzt, — credat Jadaeus Apella. 
Aber der asper in v(A€tg (nicht so der ihm bloss nachgeahmte 
in ^fjisig) hat als Stellvertreter des cons. jot, wie andere male 
eines digamma oder er, etymologischen werth, und, wenn jetzt 
die schon im acolischen vorkommende psilose sich allgemein 
geltend gemacht hat, so vergleicht sich das dem verstummen 
des doch im latein nicht für die langeweile dastehenden anfangs-A 
in den meisten französischen Wörtern. — Weiter wird an unseren 
glauben die harte zumuthung gestellt, die hinten mit v ge- 
schriebenen diphthonge av, €v, fjv seien schon im alterthum 
eben keine diphthonge gewesen, sondern av, ev, iv und vor 
harten conss. mit f gesprochen. Der name des apostels Jlavlog 
wird uns freilich schon von Ulfilas als PavltAS, wie russ. Pdwd\ 
überliefert. Ob jener aber schon bei lebzeiten so hiess, ist nach 
dem lat. paulus, paucus (sicherlich doch nicht pafkus) ganz 
ausserordentlich zu bezweifeln. Und mit welchem rechte stände 
dann z. b. in vsvqov der circumflex, wenn nevron gesprochen? 
NsßQÖg wie vsaQog mit ß (sprich b) aus s. nava. Des digamma, 
sicherlich doch wo nicht völlig, doch nahezu von gleichem laute 
mit lat. Vau (eig. wau), das man ehemals so wenig als jot von 
den entsprechenden vocalen U und I in der schrift unterschied, 
gedenkt hr. R. kaum, und doch hat dieses, ehe man im griechi- 
schen dem hiatus thor und und thür öffnete, als hemmniss 
gegen diesen, also zwischen vocalen, eine grosse rolle ge- 
spielt. Vor consonanten erhielt sich der diphthong, wie auch 
im auslaute. Also z. b. vavg (s. näus), vt^vg, vavüi (s. nmsku\ 
vijvifij Zbv, wogegen vor vocalen eine dem lat. nävis = sskr. 
gen. näv-ctö entsprechende, nachmals durch wegfall des conso- 
nantischen elements getrübte Veränderung eintrat. Wann 
damit angefangen sei, vavg und ^171;; ^^s und nifs, wie 
jetzt, zu sprechen: weiss ich nicht. Schwerlich aber hörte der- 
gleichen das athenische volk schon vor der redebühne eines 
Demosthenes aus dessen munde. Auch sprach dieser zuver- 
lässig noch nicht ß wie deutsch w aus, was nicht nur das Vor- 
handensein von digamma daneben, sondern seine stelle in dem 
von Phönicien überkommenen aiphabet (nicht toitä) mehr als 



iii A. F. Polt, 

nöthig beweist. Gr. JT als ursprunglicher 17-laut vertrat auch 
bei cer, t^v^ av^ ja ov (was gewiss auch mehr diphth. war, als 
lediglich langes u) um so naturgemässer den zweiten platz im 
gemisch, als noch das gefühl dafür lebendig war, das vau, 
hebr. i, sei eben die consonantische seile vom 17, welche sich 
noch gelegentlich zwischen vocalen als digamma behaupte. 

Ich breche hier ab. Mir schien es bloss gerathen, später- 
hin, wo vom griech. vocalismus die rede ist, vor angriffen sicher 
gestellt zu sein, die man etwa dem itakismus entnähme. Viel- 
leicht leiste ich auch denjenigen einen kleinen dienst, welche 
neuerdings den griechischen vocalismus, d. h. nach erasmischer 
ausspräche, zu dem ursprünglichen unseres Stammes zu erheben 
den muth haben. Mit letzteren mich hier auseinander zu selxen, 
bedürfte es eines weitaus breiteren raumes, als ich mir zu 
meinem gegenwärtigen zwecke gestatten dürfte. 

Dann femer, welche übertriebene duldsamkeit gegen hiaten 
im polynesischen, derart, dass zum öfteren fast nur aus vocalen 
bestehende Wörter, dergleichen hooiaiaia, »beglaubigte, sich fast 
wie die ersten, noch unsicher tastenden sprachversuche des 
kindcs ausnehmen! Uebrigens eher ein dem zahnlosen alter 
vergleichbarer zustand, durch allzu trägen ausfall von conao- 
nanten aus dem wortinnern herbeigeführt, durch welchnlei 
sorglose Verunstaltungen viele Wörter, offenbar nicht in be- 
neidenswerthestcr weise (man denke auch hier wieder an das 
diinesische) zu schwer begrifflich auseinander zu hallenden 
homonymen herabsinken, — dem allerverschiedensten Ur- 
sprünge zum trotz und ungeachtet des entlegensten sinnes. — 
Und dagegen nun das sanskrit, welches in nach vedischer zeit 
nur äusserst spärliche beispiele von vocalen in unmittelbarer 
reihenfolge, auch selbst nicht in dem Intervall eines vocalischen 
Wortschlusses und eines derartigen Wortbeginnes dahinter, ge- 
stattet. Denn dem indischen olu*e erklangen da hiaten so über 
die manssen widerwärtig, dass man sie fast ausnahmslos, sei es 
durch cHsion, contraction und krase, oder durch Umbildung Ton 
vcKalon zu entsprechenden mitlautern (jot aus t, S, di; vau 
aus fi, ti, tfu) beseitigte. Uas letztere, auch den classisch ^rä- 
chen zuständige nuttel (z. b. lat. diluviumy fiuüius, alt fwd; iäs, 
bi^vis, moirth m4(us: criroo, caufH^: favor. fanstus und sonst) ist 
aber grösslontheils wieder verscherzt, z. b. pctü^ adieratf und 
contr. fkimiM. Zumal im griechischen, welches leichtsinniger 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. ]23 

weise, gleichwie durch niederrelssen zwischen vocalen auf- 
gerichteter Scheidewände (jot, digamma und signia), erst wieder 
hiatcn schuf, und so, wenn man nicht die in folge hievon ent- 
standene kluft aufs neue mittelst contraction schloss, einander 
oft, namentlich im lonismus, vocalc folgen, ohne dass dies 
scheint sonderliches missfallen erregt zu haben. Ich nenne bei- 
spiels halber nlita mit ausfall von digamma, aber fut. nXevao" 
fia^j sskr. plavämi^ und nXoog, nXovg, plava-s. Lavarc, Xovto, 
koiöfSat. \4xoij von dxova, das, wie dxQoäo/iatj eine beziehung 
zu *ovg haben möchte. Etwa »spitzen die obren, sie scharf 
worauf richtenc, vgl. äxij, ax^og, lat. ja auch aus-^ultare hin- 
ten mit intens, von duere. Affig zu dnoXavta^ goth. laun lohn, 
lat. lucrum, Jit, s. divL "Aidog, des ungesehenen, lat. ini>isus. 
Auch aoixog; erst später, wo das dem subst. olxog^ sskr. vega, 
lat. v^icus gebührende digamma nicht mehr gefühlt wurde, 
wieder äv-otxog. "O'i-g, oig, oviSy s. avl-Sy gen. 6'iogy olog, ovüs 
(i durch verschrumpfung, wie nqip neben pr-ius), s. fem. avy-äs? 
rivog, gen. s^S-og, ovg, lat. geii-er-is, s. Janas, os-os. 

Dann wieder erfahren wir bei Müller von den Idiomen 
Polynesiens: »Die silbe kann entweder mit einem consonanten 
oder mit einem vocale beginnen und muss nothwendig auf 
einen vocal auslauten. Häufung von consonanten, sei es 
im an-, in- oder auslaute eines Wortes, ist vollkommen aus- 
geschlossen.c Weil hier demnach nur offene sylben vor- 
kommen, würde sich zu wiedergäbe dieser sprachen recht wohl 
eine Silbenschrift eignen, wie bei ähnlichem lautlichen verhalten 
(s. zu Humb. s. CCCLXXV.) eine solche für Tschiroki in Amerika 
und Vei in Afrika erfunden worden. Auch das übliche chi- 
nesische hat ja nur vocalischen ausgang der Wörter, wovon 
die schluss- nasale als gewissermaassen blosse affectionen des 
Yoraufgehenden vocals, ist man streng, kaiun eine ausnähme 
machen. Derlei enthaltsamkeit aber von consonanten-gruppen 
(z. b. auch im finnischen und esthnischen zu anfange) steht 
dann bei den Polynesien! in unverkennbarem cinklang mit 
ihrem hiaten- schwindet, obschon letzterer im gründe von zu 
häufiger und gewaltsamer consonantensperre keinen gerade 
allzu beneidenswerthen gegensalz bildet. Man irrt nämlich 
vielleicht nicht, wenn man sich so im übermass verweich- 
lichende sprachen euier gewissen unmännlichen Charakterlosig- 
keit zeiht, wenn ich gleich nicht unbedingt hieraus auch für 



124 A. F. Polt, 

die Völker, welche sich ihi'cr bedienen, den schluss auf grosse 
schlafHieit und geistesträgheit ziehen möchte. Es enveist sich 
indess auch jener etwas ärmliche lautstand zum thcil als nicht 
ursprünglich, sondern erst im verlaufe der zeit geworden. 
Wie ja auch anderwärts in den sprachen vieles erst jüngerem 
datum angehört, was natürlich, da keine spräche, so lange sie 
lebt, ohne mancherlei Wechsel in gleichsam stagnirendem zu- 
stande verharrt, auch nicht im geringsten zu verwundem. Man 
nehme etwa im ital. e für egli, er, es, e* mipare es dankt mich. 
Dann e (wie ä) aus lat. est, und c (vor voc. noch ed) st. lat. eL 
Ferner hat man aus mundarten und verwandten sprachen den 
beweis geführt, die schon oben berührte beschränkung des 
chinesischen rücksichtlich des auslauts, wodurch viele lästige 
homonyme erzeugt werden, finde ihre erklärung in vielfacher 
einbusse einst vorhanden gewesener consonanten am wort- 
schlusse. S. meine anz. von Edkins in den Gott. gel. anz. 1877 
und Eitel 1878. Und so zeigt Fr. Müller, auch vielen jetzt 
vocalisch auslautenden Wörtern im polynesischen müsse vor 
Zeiten ein noch in verwandten Wörtern malayischer spräche 
nachweisbarer consonant angehaftet haben. Vgl. v. d. Gabe- 
lentz, Dajak-sprache s. 6 wegfall von end-conss. Sonst kommen 
auch nur ausnahmsweise »im Tonga-tabu die tönenden explo- 
siven g, d, h, die anderwäits fehlen, sowie auch die gequetschten 
dentale tS, dz vor ; und mangeln im tahitischen die laute Jt, l, s.€ 
Hiebei sei noch erinnert, dass dem Esthen in seinem finnischen 
idiom gleichfalls, jedoch lediglich im anlaute, g, d, b abp^eh^i. 
Nach diesem zweiten präludium endlich zur sache. 



I. Consonanten. 

Und zwar sehen wir uns 1. ein wenig näher die auslauts- 
gesetze an, von welchen latein und griechisch beherrscht 
werden. Jedoch, um der kürze willen, meist ohne auf die ge- 
schichtlich früheren zustände zurückzugreifen. In den sprachen 
indogermanischen Stammes hat eine menge von Verstümmelungen, 
wodurch namentlich die flexions-endungen betroffen, theils in 
einem gewissen natürlichen, oft vom accent abhängigen streben 
nach kürze des geflügelten Wortes, zum anderen theile aber 
darin seinen grund, dass man allmählich am wortende gewisse 
laute oder laut Verbindungen missliebig fand, und hiedurch die 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 1^ 

ursprünglich doch grammalisch so tief bedeutsamen und noth- 
wendigen schluss- anhänge, wo nicht, was übrigens auch der 
fall, gänzlich zu gründe gingen, doch vielfach schweren schaden 
erlitten. Hierauf zu achten und besonderes gewicht zu legen, 
hat zuerst Westphal in seinem höchst beachtenswerthen auf- 
satze: »Das auslautsgesetz im gothischenc in Kuhn's 
ztschr. IL (1853) s. 161 — 190 den anstoss gegeben. Ueber 
die irischen auslautsgesetze handelte seitdem Windisch 
in Paul und Braunes beitr. bd. IV. Von 6. Curtius (studien 
X. s. 205 — 223) wird unter der aufschrifl »Zu den auslauts- 
gesetzen des griech.c hauptsächlich nur der fall besprochen, 
wo in den mundarten der Hellenensprache, in einer dem indi- 
schen sandhi analogen weise, vermöge assimilirender einwirkung 
abseilen anlautes in einem nachfolgenden worte auf den aus- 
laut eines voraufgehenden sich am ende noch zuweilen andere 
consonanten vorfinden, als die sonst dort für gewöhnlich 
üblichen. 

Gedacht werde hier auch noch kurz des italienischen. 
Wer weiss nicht, dass es vocalischen, mithin mehr ge- 
tragenen und gewissermassen weiblich milden ausgang der 
Wörter und wortformen liebt, und den jäheren consonantischen 
abslurz oft genug meidet ? Eben diesem umstände aber, in ge- 
meinschaft mit der menge volltönender vocale, überdies bei 
abglättung und ausgleich gewisser etwas eckiger consonanten- 
gruppcn verdankt besagtes idiom, auch selbst einigen andern 
romanischen sprachen voraus, seinen mit recht gepriesenen 
Wohllaut und seinen ^hen grad von sangbarkeit. £s leuchtet 
jedoch ein, ersterer vorzug, wie wohlthuend er, zugleich mit der 
die ursprünglichen wortgestalten verdunkelnden gleichmacherei 
von consonanten (z. b. atto aus acttis und aptus)^ ästhetisch 
und gleichsam musikalisch auf das gefühl wirke, sei doch zu 
einem nicht geringen theil durch mannigfache arge Verletzung 
des intellectuellen princips der spräche etwas theuer erkauft. 
Man nehme nur beispielsweise das so ziemlich durchweg ein- 
getretene hinschwinden der lateinischen casus. Vgl. Ascoli, 
Krit. Stud. s. 51—84: »Das romanische Nomenc 

Stellen wir aber einmal dem italienischen mit bezug auf 
Wohllaut überhaupt, insbesondere aber auf die wortenden unser 
heutiges deutsch gegenüber: da begriffe sich unschwer, wenn 
dem bewohner der transalpinischen halbinsel, oder auch dem 



126 A. F. Pott, 

menschen romanischer zunge überhaupt, dasselbe, obzwar auch 
kruflig und naehdrucksvoli, ducli gar hart und unbehaglich 
in seinem anders gewöhnlen ohre erklingen mag, und ihn da- 
bei ein gewisses grauen überkommt, etwa wie uns Deutsche bei 
der befremdlichen fülle von ziscliern und quetschlauten der 
Slaven, namentlich im polnischen, die zum öflern auf dem 
papier (z. b. sscz = seh mit isch, z. b. 8zrzupak^ Hecht; russ. 
nach unserer Schreibweise m^cJUschiscMschdt" beschützen) noch 
schUmmer aussieht, als, zum theil mehr weil uns fremd, ins 
gehör Tällt. Während aber der Gothe sich in andern fällen 
keineswegs unempfindlich ^Qgen wohllaul erweist, duldet er 
doch im auslaute Verbindungen von drei, ja vier consonanten 
so anscheinend barbarischer art, dass, wie Westphal nicht ganz 
mit unrecht sagt, kaum eine andere spräche dergleichen auf- 
zuweisen hat. Man müsste denn freilich dabei vergessen, wie es 
mit sprachen aussieht, welche von bewohnern des Kaukasus 
gesprochen werden, — bis zum äussersten gewaltsam wild und 
rauh, wie dessen berge, welche auch vielleicht an diesem, ver- 
muthlich zum theil nicht primitiven zustande die schuld tragen. 
Man höre nur Schiefner, Versuch über die Thusch- 
Sprache. 1856. §42 ff.: »Der Consonantenreichthum dieser 
Sprache in ihrem jetzigen Zustande steht in dem grössten Miaa- 
verhältniss zu den Vocalen.c Sie besitzt die üblichen 5 vocale 
a, e, i, 0, u, freilich ausserdem eine menge daraus gebildeter 
gruppen als diphthonge § 18. Hiegegen 31 consonanten, da- 
runter mehrere schon in ihrer einfachheit nicht allzu liebliche, 
8 gutturale und 10 Zischlaute. An Verbindungen zweier conso- 
nanten sodann zählt Schiefner, mit einschluss derer in fremd- 
Wörtern, ungefähr 400. Namentlich in Zusammensetzungen, 
wobei indess häufig der die ausspräche natürlich erleicht^nde 
umstand eintritt, dass sich zwei silben in die consonantengruppe 
theilen, kommt auch die häufung dreier consonanten vor. Und 
zwar »sind von den mehr als hundert fallen ungefähr ein viertel 
der art, dass sie nicht einen der flüssigen consonanten l, m, n, 
r oder mehrere derselben oder die halbvocale j und w in sich 
schlössenc. Aus der grossen menge wahrhaft zahn brecherischer 
gruppen nur ein paar, ohne die sonst erforderlichen typ^i dar- 
stellbare beispiele: ztq, rnk, rcx {x von der ausspräche unseres 
cA), lüi, hsf, xkd, (IIb, hnUy xl-r, sxw u. s. w. Vier consonanten 
zusammen, wie bstr (vgl. etwa engl. u?eb8ter), rcxn, mtwr; ^ibl 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 1^7 

fünf rcxion. Sielit man von freiudwörtern ab, auf deren rech- 
nung ein grosser theil solcher schwer vereinbarer gruppen 
kommt, ermässigt sich allerdings deren sunmie in acht ein- 
heimischen Wörtern der Thusch -spräche um vieles. Insbeson- 
dere gilt das, — und thut es noth, dies nicht ausser acht zu 
lassen, zumal im gegensatze zum hinterende der Wörter, — vorn 
an deren köpf. Drei consonanten sind an dieser stelle, was 
doch im gr. nichts ungewöhnliches, nicht in gebrauch mit 
ausnähme von bstu, weib, und bstu, ochse. Ihrer zwei freilich 
daselbst nicht selten. Man beachte aber, »dass die verbal- 
wurzeln fast alle mit einem einfachen consonanten beginnen. 
Eine einzige wurzel beginnt mit st, nämlich stex, warten, und 
zwei mit thx€. Von den 55 fallen zweiconsonantigen aus- 
lautes bei nominal- und verbalstämmen kommen 28 auf die 
ersleren und 26 auf die zweiten, während nur 10 beiden ge- 
meinsam sind.c 

Sieht man sich die WestphaFsche liste von gothi sehen 
laut-ungethümen (vgl. auch v. d. Gab. Gramm. § 54) mit drei 
oder vier consonanten am wortschlusse an: da ergiebt sich 
freilich alsbald, so widerwärtige art von zusammenstössen, und 
zwar auf das nomen beschränkt, habe ihren grund bei den 
neutren in wegfall der endung (s. a-m, lat. ti-m), z. b. smair41ir 
(mittel zum schmieren, lat. sufif. 4rum). Vaurstv (wohl selbst mit 
ausfall von h, vgl. handuvaurh-ts, mit der band bereitet), werk, 
gegen die seh w. masc. vaurstva und sogar mit 5 consonanten vaursU 
vja^ arbeifer. Taihsvo (die rechte) wohl auch mit zusatz von v, 
vgl. d£$Mx. Sköhsl^ Scheusal, und smimsl, auch svumfsl, teich, gis. 
schwemmsal. — Die geschlectitlichen mit s im nom. sg. hinten 
haben (so weit nachweisbar) ausstoss der thematischen vocale 
a, i vor dem zischer erlitten, z. b. decl. I vitids = lat. ventus, 
aber II gasts = hostis (fremdling), während das dunkle u, z. b. 
in maüishis, mist, handas, band, sich nicht verdrängen Hess. 
In Gabelentz, Gramm. § 63 wird an stelle der Grimnrschen 
bezeichnung starker und schwacher declination die benennung 
vocalischer und consonantischer gesetzt. So viel ist dabei 
gewiss: mit ausnähme der durch zusatz von n erweiterten sog. 
schwachen declination und etwa von verwandtschaftsnamen 
wie brothar, besitzen die germanischen sprachen, wie sehr der 
schein bei jetziger zahllosen menge im nom. consonantisch aus- 
lautender Wörter trüge, keine wahrhaft mit cons. endende 



128 A. l\ Pott. 

Ihemen gleich denen in skr. decl. VI, und in der gr. und 
lat. ni ziemlich unverstandig von den grammatikem mit voca- 
lischen untermengt. Ueberführung von hause aus consonan- 
tischer themen in die bahn vocalischer declinationen, wie 
opulens : opulentas; elephas : dephantus; liUuienta aus nlaxovg 
(o^Bvt) neben lucuns, yXvxueig; formdstis mit der schreibang 
fomionstis Schneider, Gramm. II 457, mofittiosus aus s. vant, gr. 
o-€vr (vgl. fem. pamphyl. mit dig. xiiiafstsa Bezz. beitr. V 332: 
fishtoBöaa^ fieXitovTTa, nwllosa und ^sJuvovciog neben -ot;i^r»o() 
schon bei mir Et. F. P 612, Corssen ausspr. P 98; vaikiv^^ aber 
noch ep. dat. v(ffiiv-$; ysQOvtoTg; poeniatis im pl., wie Tra^f/tcr- 
%oig^ taeda aus öatg und vv. aa. , so namentlich im neu- 
griechischen, ist eine nichts weniger als seltene erscheinung. 
Auch Übergang von einer vocalklasse in die andere, wie Saiur^ 
naliorum, ddxQvoy, datsov (e st. tt) aus s. asthi. Erklärlich 
erst eres — um besserer erhaltung des consonanten oder um 
sonst bequemerer handhabung willen. In solchem maasse je- 
doch durchgeführt, wie im germanischen, das gothische an der 
spitze, wüsste ich kein zweites beispiel zu nennen. Um so ver- 
wunderlicher ist, dass der Gothe dann den ursprünglichen oder 
auch erst erworbenen vocal vor dem nominativischen 8 fahren 
liess. Konnte doch durch dessen beibehaltung der schroffe za- 
sammenstoss von cons., tnaithms, anabnzns, sogar bis zu 4, wie 
in hrunsts, bairhts, haifsts, spaiskuldrs, rohs7is, wenn schon nicht 
gänzlich verhindert, doch gar sehr gemildert werden. Es will 
mich fast bedünken, als habe der Gothe hartnäckig am zischer 
als grammatischem kennzeichen des erstwichtigen aller casus 
festgehalten, wie viel lautlicher Überwindung dies seinen sprach- 
werkzeugen kostete. Dadurch wurde einerseits der gegensalz 
zum neutrum gewahrt, als welchem kein s als nominativzeichen 
gebührt, und anderseits der in andern germanischen sprachen, 
durch Wegfall von s im nom. , und von m im acc. herbeige- 
führte Synkretismus verhütet. Ohnedies vermied man durch 
die Synkope im nom. etwaiges zusammenfallen mit dem gen. s. 
(nom. fisk'S, altn. fisk-r, als ob lat. piscis hinten u-s IL, gen. 
fiskis, altn. fisks, skr. -asya; halgs, haigr, gen. hdlgiSy baigj-ar 
wie im skr. f. nuUy-äs). 

Allein wie doch? Hat nicht sogar der seines os rotundum 
wegen gerühmte Grieche, — trotzdem dass er von einfachen 
consonanten am ende, ausser den, schon mehr den selbstlautem 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 129 

zuneigenden q und v (nicht aber l und fi) sowie seinem scharfen <; 
keinen (denn die proklitischen ix und ovx sind nicht zu rech- 
nen) duldet, — sich gleichwohl weniger mädchenhaft schüch- 
tern 5 und }p, d. i. dem laute nach ks, ps (jedoch kein ts, wie 
überhaupt nicht) gefallen lassen? Und überdies, damit nicht 
das sexuale thema nackt und ohne sein würdevolles abzeichen 
im nominativ umherlaufe, — ohne scheu vor triconsonanz mit 
liquida davor! So ö*«^?, xog, ich weiss nicht ob vergleichbar 
mit s. dsra-ja (aus blut entstehend), fleisch. Sonst wüsste ich 
nur noch die übrigens nicht gerade seltenen formen auf y§ (vgl. 
deutsch rings, links im gen.) aus yy ^^^ «> h oder v vorauf 
zu nennen : 0älay^. 2vQty^, ctQiy^^ ^V^Y^i M^^Y^f (fntvd'äQtY^ 
(yy) und *? ($y)' ''ivY^^ Hqvy^^ ^tiQvyS^ an^Xvy^ (yy, aber 
spdunca), Ivy^t Xvyxog ausser Xvyyog, Als Seltenheiten noch 
äXg, bei Alkman fjuixagg. Tiqvv(^)g. Ti^iv(t)g mundartlich 
neben v&d'sig. Fetische acc. pl., welche noch den aus dem accu- 
sativischen v st. m mit g als pluralzeichen entstandenen urlaut 
-yg retteten. Ebenso, nur noch etwas mannigfaltiger im latein, 
dreiconsonantig arx; cälx, fdUc; lanx^ quincunx, deren themata 
sämmtlich in c ausgehen. Wohl keins mit g, wie einfach rex, 
lex. Ferner stirps, und, wie ich vermuthe, mit etymologischer 
Schreibung trotz harter ausspräche i*rhs, wie desgl. trabs, cadebs, 
abs, wie ätp. Und mit ausstoss von vielleicht durch synkope 
mit dem gutt. vereinten r; «vag. T sammt einstigem i (vgl. 
skr. und lith. nc^tirS, lat. nodi^m) ist in nox, vv^ eingebüsst, 
woneben sich das % (st. xt?) in ndvvvxcc, vv%i,og u. s. w. be- 
fremdlich ausnimmt. Natürlich hülfe das in unserem »nachte, 
schon got. nahts (also mit drei conss.), enthaltene ch in der 
widerspänstigen und für gr. und lat. unerhörten Verbindung 
mit t keinenfalls zur aufklärung. Ferner fehlt t in den besitz- 
lichen compp. mit caput: anceps, -cipitis, praeceps, biceps gegen 
princeps (gls. primum locum capiens), terticeps, wozu neutr. 
deinceps^ municeps. Siremps hinten gekürzt aus -pse. Nach 
Corssen Ausspr. IP 604. 847 aus si (sie) und rem (so der 
Sache nach). Nicht vielleicht reduplicirtes s. sama (similis, r 
für s)? Die Schreibung von ehs im deutschen bedeutet jetzt 
in der ausspräche meist nichts anderes als x, wie fucJis = e. 
fox; luchs; sechs (got. saihs) = lat. sex. Unser kux (portion 
d'une mine) wohl aus qtwte, was ich auch in mhd. ktUe (pen- 
sum), ein kawte flachs suche. Anders z. b. in spornstreichs, 

Ztiltoehrift flir yergl. Spnichf. N. F. VI. 2. ^ 



130 A. F. Polt, 

wie höheren flugs, untenvags, stracks mit beibehalten des lautes 
noch ohne s. Ausserdem besitzt ja das latein, hierin uneins mit 
dem gr., genug singular-nominalive auf s mit liq. davor, allein 
stets unter aufgeben eines d oder t dazwischen. Ls (puls); rs (ars, 
socors); ns (frmis, Ims, ^/,9und dis; libripens, pendo); mens; das 
part. priis. IIieni(x))s. Ul-s, vielleicht nach weise von eis aus 
ollus, als ausnähme. Qmtiens dgl., als neutr. acc, bilden keine, 
wegen gleichbildung mit s. ii/ant. 

Das latein hingegen verfügt ausserdem über einen weit- 
aus grösseren reichthum von consonanten im auslaut als das 
griechische. Es lässt also ausser s (x, 2)s) sämmtliche liqq. l, 
m, n^ r an dieser stelle zu. Von gutturalen c, allein g und h 
nicht. Proh, vermuthc ich aus der interj. oh mit per, in verbb. 
wie per tuam fidem, Dent. /, d. Von lab. duldet es nur fr, 
wenigstens der schrift nach, kein 2^ (volup apok.^ und f. Auch 
nicht V, j. — Hiebei ist aber wieder zu beachten: ausser den 
erwähnten Verbindungen mit s kommen nur noch einige wenige 
falle von zwei schlussconsonanten vor. Nämlich in folge Ver- 
lustes von e aus -ce (ecce): nun-c, tun-^; A«n-c, hanrc; hin^ 
Und gleichfalls vermöge abbisses von einstigem t in 3. sg, fert, 
vuU, das doppelte es4 = iati und es4 (edit) = s. (xt-ti, sowie 
in 3. pl. sunt, amant u. s. w. Auch ast (aus (U mit sed^ und 
post.^) 



") Dies wäre zufolge Corssen, Ausspr. I ^ 337 II, 62 und II * 821 nebst 
poste, poSj umbr. pust, pus ein um d gekürzter abl. (vgl. posHäea, onM- 
dea). Wohl nicht allzu sicher, da man vielleicht mit mehr gnind in letzt- 
genannten compp. das von post^ ante abhängige pron. id suchte, mit eä 
(sc. via), Ante, s. dnti, avxi (aus ana mit ti st. ati^ auf der andern seite, 
wie nqo-rt) musste ein adj., wie «iTiof, adv. crvrioi', vgl. got andeis^ ende, 
s. anta. aus sicli erzeugt haben, um einen abl. *a}iiid zu ermöglichen. 
Woher aber pos. das selbst (doch vgl. os. ossis aus s. asthi) Ursprung- 
lidier sein könnte als post und poste? Ich denke, s. pa^ca (poBterior) 
zeigt uns den weg. Dies entspringt, gleichwie apänc, zd. apetna, der letzte, 
von apa^ aus einem noch in apas-kara (excremeute) mit s schliessenden 
adv. (vgl. lat. ab-s), das auch wohl in dem des zd. apo verborgen liegt 
Dem könnten pos, umbr. pus, und p6-ne wie sine zu se, infeme (gls, ab- 
gekehrt) recht wohl entsprechen, wie intus, subtus dem skr. a-tas, von 
da, u. s. w., zumal a etwa unter assimilirendem einflusse von |) zu wurde. 
Weiter haben wir im skr. apa-shthu (entgegengesetzt) aus apa mit sthä^ 
so dass poste, falls sein -te dem in ante ungleich, etwa als adv. auf e gls. 
abstehend, ihoaradoy^ besagte. Vgl. praesto. Oder liegt darin ein anver- 
wandter von sitiis, mit synkope wie postiis? Osk. post mit abl. (gls. Ton 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 131 

Was will aber dies alles sagen, wenn wir das beer con- 
sonantiscber ausgänge aus unserer muttersprache zum ver- 
gleicb heranführen? Es weiss jeder von uns, wir lassen so 
zienilicb alle einfachen consonanten (nur nicht v, u?, j) am ende 
zu und eine menge composita davon. Nur möchte ich fragen, 
ob nicht die media, mit kürze davor gesprochen, auch phone- 
tische und nicht bloss etymologische berechtigung haben. Vgl. 
mhd. lop, löbc8; rat, rades; tac (bei uns täch, wie dach lau- 
tend), tages. Ein Wechsel, der auf einem natürlichen gründe 
beruhen muss. Wird doch auch im provenzalischen zufolge 
Diez, Gr. P 251 der weiche cons. des inlauts auslautend zum 
harten desselben organs, z. b. Idba, lop; servaar, serf u. s. w. 
Uad im skr. fordert ja gleichfalls die regel, dass in der satz- 
pause, wo mithin einfluss von dem anlaute eines folgenden 
Wortes ausgeschlossen ist, harte conss. gefordert sind, — was 
mich wiederum an die oxytonirung am satzende im gr. er- 
innert P (z. b. Jcnapp); t (th; hat, satt; that); h (geschmack, 
Bchredc)* Damit in Widerspruch etwa lug und trug, die prätt. 
{ogf, log und der apok. imper. leg, lieg, lug^ vergleichbar den 
englischen Wörtern bog, heg, big, bog^ bug. Femer f und das 
dem hd. eigenthümliche pf, auch eh. — Nun aber, welche fluth 
äierdem von consonantengruppen! Liqq. hinter einander: Im 
(heim); rm (arm); In (selten, z. b. Cälv), aber oft m (stem, 
harn). Karl, kerl, quirl. — Man durchmustere aber in betreff 
anderweitiger Verbindungen namentlich den nom. sg. mit den 
ihm gleich gewordenen casus; die dritte person im verbum. 
Auch (fie zweite, wegen ihres st^ dessen^ der dieser pers. 
Euständigen endung s, falls nicht rein schmarotzerhafter Zu- 
wachs, ein nochmaliges d u , gleichwie zu schärferer bekräftigung 
anfügt 

Also nf (hanf); mpf (kämpf aus lat. campus), hramj^ und 
das auch vom beschwerte strumpf. Bf (scharf)^ If (echilf, lat. 
sdrpus). Rb {herb ^), eru?erb, korb, stirb). Lb (haib, kalb, gelb); 



dnem punkte ans, wie a tergo). Aber postin mit acc trotz etwaigen über- 
dnkommens mit exin, dein? Oder hinten präp. t» mit acc.? 

^) Herb mit b st. to im ahd. haretoer s. Grimm Wb. grenzt äusserlich 
nahe genug an acerbua. Ob aber innere Verwandtschaft zwischen ihnen 
bestehe, ist doch sehr fraglich. Das lat. wort sieht wie Weiterbildung von 
aeer aus. Cacumen, wenn anders nicht zu kahud, gipfel im s., könnte aus 
aeumen rednplicirt sein , wie dxmx^. Auch würde ich in cu-^ides lieber 

9* 



132 A. F. Pott, 

Iji) (alp), Mp (himp, klump, plump aus lat. plumbeus?); mb in 
c. laml (mhd. lamp), lamm; cotnh (mhd. hamp)^ kämm. 

Mt (amt, sammt, sammt, DC. i^dfinov, nimmt, kommt). Bt 
(schwert, wort^ liart, aber a lg. in arf); U (alt, weit, edt, zahlt). 
Nd (band, rind, rund). Itd (liecrd, bord, wird); Id (feld, gdd, 
scJiild). Selbst: hcmd (mhd. hemcde)^ fremd (mhd. vrepnede aus 
vram, e. f'rom, von auswärts her). Xk (krank, schlank, sanAr, flink, 
prunk); ng (fiang, sfremf, ring). Rk (sturk, werk, aber tcerg), 
Ik (schalle, welk, volk), Rg (sarg, barg, bürg); lg (talg, balg); 
rch (storch); Ich (molch, welch). 

Ausserdem mit / hinten: beleht, erbt, schreibt, schrift, litft, 
kauft, kraft, saß, sanft, hilft, werft, damjyft, kämpft, hlcpfl, 
haupt. Es stäubt, aber er wird gestäupt. Es klappt nicht. 
Si^gt, 'neigt, pflügt, säugt, bringt, angestrcfigt. Nackt, aber nacht 
wie wacht. Wagt^ ^^figt; strikt, wogegen singH; sMingt , gegen 
sdimcckt; senkt, prunkt; sptickt, verrückt. Auch magd, jägd 
gegen jiigt. Dann aber mit dtt, was an sich, ebenso wie gt, 
bt, ft, mt für griechische und römische obren wegen ungleich- 
artigkeit der beidei*seitigen conss. eine unerträgliche Verbindung 
wäre, wacht neben weckt, acht, sa^cht, pflicht, reclU (lat. reciHs)^ 
aber regt, sucht und flucht (von fliehen) gegen die länge in 
sacht, flAdU. — Schreibungen wie vericandt, gls. einander jsu- 
gewendet, mhd. näcliwendcc nah verwandt, angeunrndt st. ange- 
toendct, todt, brodt bedeuten für das ohr nichts. Wohlberech- 
tigl aber sind die häufigen wortschlüsse mit st, auch ssi, selbst 
mit noch einem cons., ja zweien davor. Ast; fast, aber fasst, 
ist, nhcr isst wie wisst; geniest, aber getiicsst. Preist. Kost und 
liebkost Frost gegen trdst. Mist, got. mailistus, wie lat. mis4us 
st. mixttis, während nur textus, indess it. testOj wie destra an 
stelle des träubleins mit 4 conss. in lat. dextra. Dagegen laL 
paS'tus mit beibehaltung des s von sc in widerspiel mit tiosct- 
turus. Last mit Unterdrückung von d in laden, sowie auch 
%virst. Vgl. auch erhcil(t)st, sowie hast, hat mit einbusse von h. 
Sonst labst, liebst, reibst: strcrfst, raffst^ rufst, triffst, und selbst 
mit 4 conss. am ende stirbst^ erbst, hilfst, darfst, tappst. Es 
bemerkt aber Struve conjug. s. 227 mit bezug auf d^pstum: 
»wohl das einzige lat. wort, wo 3 conss. zusammenstossen, ohne 
dass der erste oder letzte eine liq. ist.« Bist, willst, fäUst, wärst, 

ein verstflinmeltes acus mit unserem spitze, als com- suchen. Acupediu» 
eher ohvnodtif wie accipiter iJxvnn^g, 



Latein u. griecb. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 133 

nimmst, kannst. — Axt, hackst, nickst. Neigst, lügst, trägst, 
legst. Chs in wächst wird wie x gesprochen. Nicht so in dem- 
nächstj lachst, wachst neben weckst, streckst; streichst. Mit 
4 conss. horchst und borgst, wie desgl. schmilzt (z aus ts) und 
angst, hängst, längst, hengst. Sengst gegen senkst, welches letz- 
tere wie lenkst, winkst sich verhält. — Warbst ^ gespenst, einst, 
sonst, inbrunst, gunst, kunst und selbst mit 2 liqq. vor st: ernst. 
Wtdst. Zuerst, zuvörderst, barst, forst. 

Femer mit s, und z, dem laute nach ts. Gans und ganz; 
hals, als, fels, weis. Kaum noch rs, wie besonders. Aber barsch 
(frz. perche; fisch, got. fisk-s), barsch. Hirsch (mhd, hirz, wo- 
her vermuthlich egn. Hirzel), unwirscli. Klapps, schnaps, knirps. 
Krebs, gröbs (kerngehäuse). Ich übergehe Wörter mit blossem 
schluss-xr, wie geiz, reiz, oder hinter kürzen, um doppelung an- 
zuzeigen, mit tz, wie satz, sitz. Behält man aber im äuge, dass 
Griechen und Römer überhaupt kein t-s zulassen, da wird man 
zumal anhäufungen von liqq. mit z bei uns nicht allzu leicht 
und bequem finden. Lz: salz, Pfalz (palatium), schmalz, schmelz, 
pelz (pellicium), pilz (aus boletus)^ filz, holz. Auch rz: harz, 
schuHirz^ erz, herz^ schmerz, scherz, kurz (aus ctirtus) und dazu 
scht/MTZ (it. scortalo, abgekürzt), März. Femer nz: glänz, kränz, 
tanz, schwänz. Hinz und Kunz, wie eine menge hypokoristische 
abkfirzungen von egn. : Götz, Fritz u. s. w. In der Schreibung 
ist ts beibehalten in abwärts, höheren orts, takts, jenseits, bereits, 
und nach etymologischen rücksichten ds in zusehends^ abends, 
femer nachts wie sonntags, nichts, rechts. In jetzt, zuletzt, 
strotzt will tz bloss kürze bemerklich machen. Anders in arzt 
(mhd. arzat aus archiater mit wegfall des zweiten r, wie in 
Christoph und lat. inff. auf -ri aus -rier; nicht aus artista)^ be- 
herzt, gefalzt, welche, das z zu ts aufgelöst, 4, sage vier end- 
consonanten, darunter zweimaliges t enthalten. 

Durch solch einen, auch nur oberflächlichen überblick von 
den consonantischen endlauten im deutschen, gegenüber der un- 
endlich kleineren minderzahl derer, welche die beiden classischen 
sprachen sich gestatteten, allein schon stellt sich ein wahrlich 
nicht gering zu achtender, vielmehr tiefeingreifender unterschied 
heraus zwischen diesseits und jenseits. Und trotzdem, dass so 
gut wie ganz davon abgesehen wurde, wie die einen oder an- 
deren sprachen je im einzelnen falle, oder nach bestimmten 
regeln, rücksichtlich der Wortschlüsse zu diesem zustande im 



134 A. F. Polt. 

verlaufe der zeit gelangten, da er nur späi'lich sieh als der ur- 
sprunglichc erweisen lässt. 

Es schiesst mir aber, wie von selbst, durch den köpf ein 
gedanke* der, wie anspruchslos er sei, doch einer kurzen er- 
wägung nicht ganz unwerth sein möchte. Wie, meint man 
wohl, würde sich die poesic der Griechen und Römer, auch 
selbst unter beibehaltung ihres quantitativen princips, mit den 
bei uns üblichen end reimen ausnehmen? Oder, besser ge- 
sagt, bis zu welchem grade wäre ihr gebrauch dort in wirkungs- 
voller und wohlthuender weise möglich gewesen? Wie mir 
scheinen will, in einem äusserst massigen. Namentlich, um 
kräftige männliche reime hätte der griechische dichter sich doch 
in beständiger Verlegenheit befinden müssen. Angesichts des 
Überflusses im deutschen an Wörtern mit mannigfaltigster ab- 
wechselung in consonantischen ausgängen, welche armuth da- 
ran in seinem mutteridiom, das ihm mit bi- und triconsonanz 
nur und allein solche mit s, dazu, von einigen adverbien auf ]f, 
oder äyj, fMip, abgesehen^ lediglich im sexualen nom. sg. (etwa 
wirklich im gr. als weisser sperling neutral %d owvQoi?) zu 
bieten hätte! Woher femer sollen wohl in griechisch oder 
latein dem dichterischen reime gleichsam vorspukende laut- 
und zugleich sinnvolle begriffs-vermählungen genommen werden, 
welcher art massenweis bei uns im volksmund umlaufen? Als: 
AU und kaU. Knall und fcM (wie beim schusse). Handel und 
wandd. Auf schritt und tritt. Sdilecht und recht. Lug und trug. 
Aus rund und band (wie eine auseinander gegangene tonne). Zu 
Schutz und trutz. Ohn' rast, aber ohn' hast. Eile mit imle. 
Ohne soft und kraft. Ohne sang und klang. Träume schäume. 
Schöne lippcn sind — Hippen. Ueber stock und block. Mit sadt 
und pack. Heil un deü (ganz und theilweise) Reuter, Gamellen 
V 63, wie alliterir^id sammt und sonders. Heute roä%, morgen 
todt. Aufgeschoben, nicht aufgehoben. Mit gegangen, mit ge^ 
hangen. Schalten und undten, ersteres wohl zu ahd. sooMtm 
(dueere navem), mhd. sdkoUen (fortstossen), also im sinne von 
gubemare. Der anklang an sollen, got. skulan, präs. skal, wdt- 
len mithin aller Wahrscheinlichkeit nach bloss zufallig. BaÜien 
und fhaten. Scheide^i und meiden. Hangen und bangen. 
Was auf erden kreucht und fleugt Wer die wohl hat, hat die 
quäl. — Nicht zu reden von blossen andeutungen des rdmes, 
wie Hina und Kuna. Mit hand und mufid. Mit haut und haar. 



Lateiii u. griecfa. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 135 

Mit mann und tnaus. Er schofU weder freund noch feind. Freud 
und leid. 

Alliterationen, ja über solche konnte man im alterthum 
auch verfügen, und hat auch gelegentlich davon gebrauch ge- 
macht. S. meine doppelung s. 79. Nur ein paar beispiele: 
^qov fMd^ta^a^ ^ /it/i€i<T'd'a$. Ilcc^^fiaTa (jKxi^ijfAaja. Beim 
Theokr. XV 89 in nachahmung des weibergeschwätzes, als 
wäre es schwalbengezwitscher, mit dreimaligem t& und zwei- 
mal €«; 

— — tl ds riv, ei K(OTiXa& sif^iQ^ 

^t*J (vgl. nvy-fA^^ pug-nus) Kai Xd^ {Xaxtil^ca, verwandt mit 
calx pedis, calcare, calcUrare, sodass vor X das eine x gewichen) 
klingen mit einer gewissen absichtlichkeit im $ an. Manibus 
pedibtisque dafür bei Terenz. Ich suche aber in derlei advv., 
wie auch y^tJJ (wohl ein mit yovar-i^fa^ vgl. auch yvv-nsxoq^ 
in der endung stimmendes verbum voraussetzend), o^Xdl^, in$%a^, 
intfiilS verstümmelte dat. auf ^# (vgl. Td^&g, inifjuStg). — Purus 
putus. Sanus salvus. Bei Plaut. Amphitr. 3, 2, 23 : Si sis sanus, 
aui rnpias satis. Sarta tecta und sane sarteque. Non semel, 
sed saepius Munchener Sitz. 1880, s. 411. — Auch bei alten 
lateinischen dichtem: 

Pacuvius Pcriboca : Lapü cor cwra, aerumna corpus conficU. 
Lucilius: Vis est vita, vides, vis nos facere cogit. 

Und bei Ennius nach citat bei Cicero, ungerechnet die drei- 
malige Wiederholung eines gewichtigen tonabfalls, fünfmal mit 
m: haec omnia vidi inflamma/ri, Priamo vi vitam evitari 
(gls. ausgelebt?), Jotris aram sanguine turpari. Derselbe von 
sich: völito vimf per ora virum. Ferner: Quem mea cominus 
madMera, atque Imsta hostivit e manu. In den Ann. I 154: 

Äccipe daque fidem foedusque feri bene fimium. 

Ja zwölfmal t Ann. I 151 nicht ohne einige Spielerei: 

Tite, tute, Tati tibi tanta tyranne tulisti. 

Woraus denn wenigstens der dem menschen einwohnende 
drang nach reim auch bei den alten erhellet. Freilich kam der 
anwendung des vollreims hinten bei uns der nicht zu über- 
sehende günstige umstand zu statten, dass nach deutschem be- 
tonuDgssystem der accent stets auf die, in lexikalem sinne ge- 
wichtigste, d. h. die Wurzelsilbe fallt, und gerade diese bei 
maiiBJgfacher wortkürzung häufig genug ans ende gerieth. 



136 A. F. Polt, 

Als ein interessantes beispiel übrigens, wie sich der grie- 
chische sprachgcist gegen fremd Wörter mit consonantischem 
ausgang benahm, kann die benennung von buchstaben dienen, 
welche man mit der schrift von den Phöniciem überkam. Ich 
meine namentlich die, welche er in a, gleich neutren auf a(%)^ 
z. b. aiyiia (eig. gezisch), ausgehen Hess. Und zwar ausser ai4pa^ 
IdfAßda, YdfAfAa (dies unter wcgfall von X in ginid, trotz gamal, 
xafAylog)j xdnna und selbst xonnat-iag von xonna (vgl. {fa§ir 
(fOQag) noch mehrere auf t« wie ß^ta u. s. w. 

2. Gegenüber nun aber der grossen engherzigkeit, welcher der 
Grieche rücksichtlich des auslautes sich schuldig macht, sehen 
wir ihn nichts weniger als allzu wählerisch und peinlich in 
betreff des wortbeginns. Er stösst also an dieser stelle 
keinen einfachen consonanten seiner spräche zurück, nur dass 
digamma, jot und sigma, wie auch inlautend, nicht immer stand 
hielten, während latein und germanisch diese getreuer bewahren. 
Dann aber besitzt das Hellenen -idiom im anlaute seinerseits 
nicht wenige consonanten- häufungen, von welchen die beiden 
eben genannten nichts wissen. Im latein muss das verzeichniss 
mehrerer derartiger wortanfange schon um deswillen etwas 
anders ausfallen als bei den Griechen, weil dort die indischen 
und griechischen aspiratä (denn f und h sind bloss Spiranten) 
aufgegeben worden. Und natürlich, der lautverschiebung halber, 
desgleichen im gothischen. Man denke nur an das jetzt wieder 
abgestreifte h statt A;, in hl, hr, hn, hv. Im sskr. eben diese 
und hm, hy in hya^, x^H. Auch mangeln $ (daher insipere, 
dissipare st. sskr. kship, werfen) und ifj bei jenen, wie oft sie 
da auch in der mitte und am schluss gehört werden. Die 
indischen palatalen (doch ngr. t?, z. b. TXitJ^fig, d. i. lat. 
caecus) ausser jot, und cerebralen, ausser r, fallen natürlich 
ebenfalls fort. Ts ist vielleicht in adstim, ad&ideo vor der assim. 
SS gesprochen, sicherlich aber erst spät an stelle von lat. c vor 
hellen vocalen, und für ti assibiliert, wenn ein anderer 
vocal folgt, wie patior neben patüur; natio, it. noßume. 

a) mit gutt.: xq, er (selbst, obschon kein axQ, scribo, das 
am nächsten zu auseinandergezogenem axägitpaofiai steht), xq9 
xXj d, %X (auch goth. lü). 2x, sc (deutsch seh, daher die Schrei- 
bung mit dl, obschon auch z. b. sehlafen aus goth. sl^^n)^ tfuL 
Kein cy (wohl wegen härte von er, doch fiicfw). Kft (kein xi»)» 
^^} X^ (x^^Vi xvavoi). Goth. hnaivan, uXivstv^ vgl. cannivare, 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 137 

nicere, nidus. Ahd. hnigan neigen, und daher lat. gnioms, was, 
meines bedünkens, falschlich auf genu (Corssen ausspr. I, 43) 
zurückgeführt wird. Goth. hnuto, knute. -3%, z. b. (rx*f», aber 
scindo, s. chinadmi (wohl vorn aus sk, wo nicht steh). Kein (Tx^, 
^XQf ^X^ (aber, s. sogleich, axv) trotz aiaxQog^ yllaxgeg, ßifj- 
XQog u. s. w.; ia%v6q. — 2xyin6g, wie xvlnog^ auch vielleicht 
(Sxvlifoq nebst Fviipcav, knauserig, knickerig (diese auch mit iw), 
sowie (fxvinrm, kneipen, zwicken, das, wenn axsvinTco^ (Tx^v/tttc» 
grund haben, fast als mit umgestelltem i^ componiert aussieht. 
Jedoch poln., ohne w, szczypac. — Ausserdem eine reihe von Wör- 
tern, eben so dunkel in ihrer mannigfaltigkeit, als was sie be- 
zeichnen. 2icvtq>6g wie xv^ifög, dunkel, und axvtipog s. v. a. 
xviifag^ doch seltsam wegen ihres i. — S. nablias n. nebel, ge- 
wölk, vi(pog, nebula, und wenn man auch etwa nicere (der 
dunkle laut herbeigeführt durch 6?) hinzunimmt, entbehren 
sämmtlich eines Zusatzes vorn. Darf man aber etwa in Wörtern 
mit derlei zusatz verwitterte präpp. suchen? Kviffag erinnerte 
etwa wegen JvV, xo^vog (y st. |i*, wie in x^^Jv, und » aus sufT. 
io übergetreten) an lat. cowr. Es stellen sich aber, noch ab- 
gesehen von dem anklingenden lat. cr&pusculum, daneben yvo^fog 
und dvoipog (etwa mit da- im sinne von d*a, sehr), allein nicht 
minder (J^a- mit Unterdrückung von v?) io^pog sammt tiifwqog 
und lith., wie in der neunzahl, mit d st. n, debesis. Vgl. Benfey, 
Vedica s. 54. — Kt (lat. nur inlautend). A'^ mit müssigem & 
in x^-dv^ wie 7i%6hg, In d^x^d neben d#x« möglicher weise 
auch so. Wahrscheinlicher ersteres aus dem zweiten gebildet, 
vgl. s. dvidhä, auch adj. dvirvidha, zweifach, rdovnog. Ngr. 
ydi^to ich ziehe die haut ab, was vielleicht dafür spräche, 
YVfAvog^ wie Giese vermuthete, stehe für iy-dv-fAivog (exuttis), 
vgl. ixdvfka^ i*dt!fjb€v. Fq^ gr, Crrä'tt4S als part. von x^^Q^ 
mit metath. aus hr = x^^^^^g. TU, gl. Kein yf* vom, wie oft 
auch Inlautend. Fv, gn mit oftmaligem wegfall des gutt., wie 
vovg^ nasco, auch engl, k in know stumm. NcUas. NaevtAS als 
angeborenes muttermaal, mit gleichem suff. als nat4vtis, und daher 
Naevius. Anders, und wahrscheinlich als yrija^og im gegensatz 
zu Spurius gemeint, auf der Scipionen-inschrift, Gnaivod p(xtre(d) 
progncUus, und On., d. i. Cnaem, zu sprechen mit g. 

Von dem qu (kw) des latein ßndet sich im griech. keine 
spur. Es begreift sich aber leicht, wenn qu mit p wechselt, 
wie in mehreren sprachen der fall ist. So oskisch ; im welschen 



138 A. F. Polt, 

p st. gult. im irischen^ vgl. petoritum; walachisch z. b. pairu 
(quatuar); aeol. niavQsg. Das ist näinlich ohne zweifei so zu 
versieben, dass der gutt. zuerst den wciclien laut v zu sich 
heraufzieht, dann aber dem n (st. xn) zum opfer fallt, wie 
ähnlicher weise lat. bis (st. db) aus s. dvis wurde. Daher dann 
nicht seltene begegnungen von qu mit griech. n, wie sogleich 
in dem pronominalst, no (vgl. osk. piipit f. quidquid)^ got. huL 
Seqtior, insa^a* entsprechen beide dem sskr. sac, woher scJornan 
Umgang, verkehr, und nicht dem begrifflich seitab liegenden «ip. 
Woher nun aber die beimischung des lippen-elements, wäre 
eine andere frage. 

b) mit dental: iq, tr, ^Qj %k (lat. latus aus tXfftvq)^ i^X, 
x^p. Jq, Hingegen von acht lateinischen Wörtern kein beispiel. 
Selbst Drusus wäre, so heisst es, zuerst von einem Livier wegen 
ermordung des gallischen fcldherrn I>rausus angenommener 
narne. Mithin wie T. Manlius den beinamen Torgtuitus erhielt, 
weil er einem Gallier die halskette (bei den alten Britten ferfe 
nach Owens Welsh Dict. ehrenschmuck des kriegers) im Zwei- 
kampfe wegnahm. Doch z. b. quadrans und, mit de, dodnxns. 
Tf», aber kein rv, wie auch kein <rT/i», atv. Aber crr, st^ ütq^ 
str. — 2^, wie oft inlautend, sogar iad'fiog, doch vom nur in 
dem einzigen aO^iyo) mit zubehör vertreten. Ich wShne: 
durch zusannnenrücken (vgl. armen, sater aus atat^g) Yoa 
<t(Ta)x^ in cta^sQog, evataO^ijg, feststehend, goth. a^iasio^an 
(anfangen, gleichsam zu einem geschäft aufstehen). Auch sonst 
ist ja aus wohllautsgi*ünden ein t weggeblieben. In aestas (st. 
aestu -\- tat, wie oUvitas u. aa.) und fastvdium aus fastus mit 
taedium, umgelautet wie in pertisum. Und bildete man nicht 
mUrix geradenwegs aus niUrio trotz nutrUor? Eine ähnliche 
syncope liegt vor in exta, vgl. prosedum. Ferner noc^ aus 
adrhi (s. sadhana\ mag nun auch niog, aniog, s. pasas n. (lat. 
pS-nis) darin enthalten sein oder eine präposition (etwa nQ6 
umgestellt und so q erloschen; s. prasädJiana, zuwege bringend). 
Letzteres ist der fall in dem, übrigens höchstens sinnverwandten 
indischen upa-sfha, dessen sfh ja ein av entsprechen müsste. 
Oder darf man für lotai^og einen irreg. superi. auf -»avo (vgl. 
%iQnv$aTog) von Xo$n6g voraussetzen, wie (Haaq^tiftog nach weise 
von ßXa^lifQ(i$v gekürztes ßXdtfßtg enthält? Das v in a&ivm wird 
erweiterung sein wie in t^/uv«, <paivm dgl. 2^ipQg aber könnte 
der analogie nicht seltener neutra auf -^g folgen, welche 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 139 

diesem das -vo im sinne eines part. prät. pass. vorauEschickten. 
So xT^vog (erworbenes), wie lat. fadnus, fenus, pignus, üinera 
von itare. Vultms, dafern aus vdlo, iXxog, und ohne Verwandt- 
schaft mit s. vra/^ (aus vy-ar, auseinandergehen, mit sufif. ana?). 
Auch %ifA€vog, wozu, als auch abschnitte, templum z. b. der 
auguren, und daher contemplari (gls. Vogelschau halten) und 
tempus, ex tempore, und aus dem dem. extempulo, auch 
extemplo, mit mp st. mn, wie in contemptus? — Das fehlende 
a&X wenigstens im wortinnern: iax^Xog, dor. iaXogy vielleicht 
unser edel. 'IfAdad^Xf^ doch wohl mit ähnlichem sufif., wie in 
ix^Xfi, und etwa erklärlich aus ifAdötfco, fut. ifiäöca. Oiifi^Xa, 
womit Bezzenb. btr. V, 327. pamphyl. äysd^Xa, als vermuthlich 
opfergeräthe zu ay#o$, vergleicht. Ersteres, weil geräthe zur 
Bacchusfeier, natürlich zu d^ve&r. Seltsam ist es sowohl des 
zweimaligen ^ wegen als auch röcksichtlich c;^, das doch 
schwerlich in x^aat sl. %^vtddeg, bacchantinnen, entschuldigung 
flndet. &ifA€d^lov, grundlage, auch mit zweifachem ^, und 
-d-sfAsiltov >vie xsifAi^hov, etwa mit themen auf /ao oder gAtj da- 
zwischen. Fsviy^Xfi, Ursprung. S. noch -^qop neben tqov sp. — 
S%X (c%XsYYig, strigilis). Das lat. hat früheres stt durch wegwerfen 
von st beseitigt. So suis st. lis, und demnach wahrscheinlich mhd. 
sMt, streit. In stlocus für locus erblicke ich eine Weiterbildung von 
sthäla, wie unser stelle, platz, ort, also Standort. Vgl. hiulcus. Süop- 
pus oder sdoppm, Corssen beitr. s. 17, naturlaut beim schlagen auf 
die backe, und daher ital. stioppo, oder schioppo^ flinte (sclopetum). 
Pedibus stlembus vielleicht wie azQeßXog, aTdsßXoTtovg. Auch 
SÜata genus navigii latitm magis quam altum verräth unstreitig 
— für die latüudo, wonach es benannt wäre, mit — entstehen aus 
strdtus, hmgestreckt, ausgebreitet. Bliebe nur noch stritavus alt 
für Mtavus, was dem gr. rgnonaTniQ nachgebildet scheint, 
ohne für sein s eine entschuldigung zu bieten. 

Sdsvg doch wohl mit weichem <r, mundartlich umgedreht 
aus Zevg (s. dyäus, vgl. lat. juglans, Mog ßdXavog). Dessen C 
kommt nicht unserem z, d. i. ts gleich, wie wir falsch »zonec st. 
iliv^ sprechen. Am wahrscheinlichsten lautete es wie frz. de. 
Grerade das im dorismus so häufige ad an stelle des üblichen 
C spricht nachdrücklich dafür, es sei nicht bloss dem einfachen 
frz. (d. h. weichem s) gleich, wie Rangabe, ausspr. s. 16 will. 
Vgl. den analogen fall il^ig^ viscum. — Dor. axl^pog st. l^iipog. 
Ihm entsprechend finden sich (und auf der einen oder andern 



140 A. P- Po». 

Seite entlehnt) arab. ssaif anä kopt. ssacfc, sscteß, auch stoiAe 
(gladius; canna, calainus), was lebliaft an frz. sahre, säbel (doch 
s. Diefenb. völkerk. 11, 351) erinnert. 

c) mit labial: nq, pr, ßg, hr, tfq, fr; ^ß z. b. in ^^p'k/m, 
wrack, e. torecks, in welcher spräche w von ar ebenso ver- 
slummt, wie im griech. Dazu auch wohl, wenn schon (vgl. 
8. vragc, lacerare) mit x; ^äxo^, zerrissenes kleid; ^ÜKtlof, ab- 
gerissen, schroff, rauh. Zu s,barh ^äxoi, jedes abgerissene stück. 
Aaxi?, lacero. Nur als durch r verstärktes s. hiumj , dem sich 
schwesterlich hhuj, biegen, anschliesst, halten frango, goth. 
brikan, brechen, den allgemeinen lypus damit inne. Wwb. 
nr. 1057. So auch digammirtes äyvviit Ahrens H, 45 und 
^^fWftt. Wegen nleus s. sp. Einige male indess ßg für ßf. 
So ßQmffiq, devoratio, vgl. würgen, rahd. wü-ge. 'P6dov st ß^ö- 
ätv mit lab. in orientalischen sprachen, z. b. kopt vert, ottrt 
(rosa), Abel, kopt. unters. I, 208, vgl. vert, roth, p. 20. Aus^ 
führliches darüber in meinen kurd. Studien (Lassen ztschr. VII, 
s. 118). Rasa ist den Griechen abgeborgtes ^odia, mit asaibilie- 
rung, wie Clausus si. Claudius; it. orxo, frz. orge (hordeum). — 
NeßQÖg, vißqai wie viaiS, wohl aus vtagig. Das ß aus v im 
sskr. »ava. Etwa pamphylisch gen. Nfj:onö3Lsit Bezzenb. beitr. 
V, 327. 335, der jedoch s. 331 die möglichkeit lässl, dass es 
kein griech. name sei, — HX, ßl, qX, pl, M, fl. Ilyia, wz. rtw, 
gemildert in nAev'/i«»' und umgestellt pulmones. /Ztvtföc wahr- 
scheinlich durch einschub auseinandergezerrt, wie piiuUa aus 
mvta. Auch qvfi, interj. von schnaubenden rossen, worin sich, 
desgl. in mhd.j3/n»Äc (Spiro) und nvifia, die vereinte thätigkeit 
von lippen und nase mall. Kein ti/*, ^ft oder jS/*, ßv. Mv in 
nv^fta, im inlaut z. b. aifiy6g zu gißtad-au Auch st pn mit 
nasal vor nasal, also einigermassen assimiliert, lat som-nws, 
s. svap-na, vnvog, sopor, — Ausser ip auch aß, an, sp, apr 
(kein anq), atrJL, sß (splendeo), atp, a<pQ. Aus der neupers. 
Schreibung ssipehr (sphaera, orbis coelestis) für, den Griechen 
abgeborgtes e^aiga (im lat auch ^era und im gael. speur sf. 
himmel) Vullers H, 214 folgt, man habe darin wirklich ein mehr 
auseinandergezogenes ph gehört, und nicht blosses f, wie im ngr. 
Sonst giebt pers. freilich aän^t^og durch ssaftr oder ssa^tr ib. 
302, also 9> durch f, wieder. S. auch kurz zuvor arab. ssa^. — 
.2 in aß verm., wie auch in c/t, weich, llt. Lat nur inlautend, 
atOus Hi7l. m. Ot». RS (SSällu. SSim. lat. tAdo U. s. W.>. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 141 

d) Liq. vor muta ist vom anlaute ausgeschlossen. Also 
kein mp, nib; nt, nd; nr, nl, oder r, l mit t, d u. s. w. Man 
würde aber sehr irren, hielte man sämmtliche Verbindungen 
dieser art im anlaut für etwas unerhörtes, ja unmögliches. Es 
giebl deren mitunter in anderen sprachen. Z. b. im Yoruba 
mit rhinismus Mbeh To be, to eanst, to live. Nkan A thing, 
something. Nhung, ohung A thing, Ntori Became. Der 
imper. nsho Proceed, go on. Nwhin To borrow, Ng-ng No. 
Nla-nla durch doppelung den begriff verstärkend : Very great, 
very large. — Im ngr. hat der nasal in vt und [An achtes d 
und b, als gleichsam herabminderungen von r imd n, zu be- 
zeichnen, weil d^) und ß jetzt dort einen andern lautwerth 
haben. Beispiele so beginnender fremdwörter bietet DC. — 
Sonderbar im pamphylischen (Bezz. beilr. V, 330) ist >die an 
den cyprischen dialect erinnernde beseitigung von v vor d und 
T und die gleichzeitige Verwandlung des letzteren in d«, z. b. 
aÖQl' dvÖQi, nsdsxaidexa. Ich weiss nicht, ob mit mehr als 
aufgeben der nasalirung bloss in der schrifl. 

Mv in fjkv^iAa u. s. w. hat sich erhalten. Allein ^aq und 
[kl haben für das ik ein ß eingetauscht, wie sich in der mitte 
ß zwischen ia und q leichtern Übergangs wegen, z. b. fAsai^fAßgia 
(wie frz. nombre), in analogie mit d zwischen v — q (avdgeg^ frz. 
gendre) einschob. Bqotoq, mortdlis. BXciax(o mit ca in folge 
der metath. aus gAolstv. So auch wohl ßXd^, ßXäxog zu fAaXa" 
xoq (etwa tnarceo, mukeo?\ ßXf^xQog, falls nicht (s. ob. unter a) 
mit suflf. xQo^ sondern x unter etwaigem einflusse von ^, oder 
wohl gar verwandt mit lith. biogas, schlecht, gering, schwach. 
Biit%(o aus iiiXi(T)j aber ßXltov aus melde, ahd. melda, mdUa 
(atriplex) Unverträglichkeit im vocal halber fraglich. Dagegen 
hibemus unzweifelhaft aus br st. mr, vgl. xs^ihSQtvoq^ und eon- 
sobrini mit entwickelung von b aus o nach ausfall des einen r 
von soror. Fkayog zu diiilyco ohne den präp. Vorschlag, milch, 
und zwar yX st. ßXj wie lat. quinque mit zweimaligem q. Mo- 
Xißog, lAoXvßog, [AoXvßöog lässt sich doch kaum von plumbum, 
mhd. bli, g. bltioes blei (etwa auch Uvens plumbum Virg. dazu ?) 

>) Dies und ^ gelispelt, wie im engl, das zweifache (weiche und harte) 
ih. Bei den Dacoromanen wird d zu weichem z, jedoch nur vor den 
feinen vocalen, z. b. eieu (deua), zece (decem). Auch im Basbreton wan- 
delt sich d m Zj wie im ahd. z (es wäre die frage, ob direkt oder erst 
durch die mittelstufe des goth. t) sich aus d herabgesunken zeigt. 



142 • A. F. Pott, 

trennen. Ich weiss nicht, ob mit rein zufälligem anklänge in- 
bazkisch umiila, blci, zinn, Klapr. As. Polygl. s. 172. 180. — 
Desgl. fonntca (als ob, jedoch entgegen dem lat compositions- 
gesetze, ferens micas) aus ßoQfAa^, ^r^/iiyj, engl, pismire, welsch 
fnor, ir. moirb, auch pers. wiÄr. S. Wwb. unter nr. 659, so 
auch in Lassens ztschr. IV, s. 37. Diefenb. Völkerk. II, 350. 
Der versuch Bugge's Kz. 20, 24, es aus Umstellung von s. ram-ra 
zu deuten, leuchtet mir nicht ein. 

e) Zischlaute, s. z. th. schon früher. iSim griech. und 
lat. hat man, ebenso wie im sskr., wohl so ziemlich durchweg 
als das harte oder dumpfe zu betrachten, wesshalb denn vor 
dessen allzu grosser häufung, dem aiYt^aTiöfAogj in der rede ge- 
warnt worden. Also nicht gleich unserem weichen 5, z. b. in 
singen und sagen (etwa gegen scharfes end-s in saus und hraus)^ 
wo es dem frz. z, nicht aber dem s z. b. in son, sa, entspricht 
Möglich jedoch, dass es inlautend, wo von hause aus allein 
stehend, und nicht erst aus anderen lauten erwachsen, wie 
z. b. in tlatg^ fftjai {a aus t wegen i), lat. mtsi, vtsus, je zu- 
weilen eine dem goth. z (d. h. da f = weichem s), z. b. in hai-4eo, 
bess-er, analoge milderung erfuhr. Wie dort das e dem nach- 
maligen r, so zu sagen, den weg ebnete, so vielleicht auch im 
latein. Erfolgte doch hier ein im anlaut nie vorkommender 
Umtausch von s und r. Indess sehr begreiflich, nur zwischen 
vocalen (z. b. dir-üno), als selbst, wie r, tönenden buchstaben, 
dem erst später, wohl durch die macht der analogie auch ein 
r im nom. (ho7ior, arhor, minor) nachfolgte. Warum aber wider^ 
stand der zischer solchem Wechsel vor t, c? Natürlich schützten 
sie den dumpfen zischer vermöge ihrer gleichartigen eigenschaft 
als surdae. Daher onustus, aber oneratus; arhus-tum, arboretum, 
arbusctila; masculus, rusculum, mollusca (mollius), Etrus-d, JPo- 
lis-ci u. s. w. Aus gleichem gründe werden äbs und sus (subs) 
nur vor tenues gesetzt. Vor media weicht lieber s, z. b. in 
jüdea:, aber jtiridicus (jur-gare wegen synk., nebst liHgare^ pur- 
gare, navigare wie remigare von reniex aus agere), dt-duco. Der 
Grieche stiess seinerseits inneres s nicht selten aus, wie auch 
c vom zuweilen durch blossen spiritus Vertretung fand. P kommt 
mundartlich am ende für g vor. Beispiele solchen wechseis für 
in- und anlaut giebt es ein paar, jedoch ziemlich verdächtiger 
art. Ueber gr. f, was dem Lateiner abgeht, s. vorher. 



Latein n. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 143 

2vj or^, ak fehlen, obschon die ersten beiden das sskr. 
besitzt, und agi auch das griech. nicht verschmäht. Unseren 
sdm, scM, schm ging noch im mhd. ein sn, sl, sm voraus, wäli- 
rend nur seh (früher sk) vorkommt. Auch hier zeigt sich 
zwischen den beiden alten sprachen ein nicht unbedeutender 
unterschied in behandlung dieser combinationen , sowie ander- 
seits der im sskr. vorkommenden von sy {s mit jot) und sv im 
anlaute. Sm, sn sind sämmtlich im lat. verwirkt, griech. nur 
theilweise. 2fAvx^j schmauchen, mhd. smouch, rauch, e. smöke. 
Mtrus, aber auch /ii€id#av, mhd. smide, sniiere, e. smile, zu s. 
sm, wie wie-wör, viell. fkSQ'ii^Qil^cii^ sorgenvoll hin und her denken, 
zu smar. Auch in unserem schnidssen, e. to sniite spiegelt sich 
wieder lat. mittere, Wwb. nr. 1882, d. h. wohl t4 aus d mit 
t als präsential- Zusätze; vgl. adgret-tus, wofür sonst aggres-sus 
durch assim. von s4 aus d-t. Vgl. noch Kz. VII, 127. O. Keller 
NJhb. 1873 s. 601 und frz. meUre Schwartze, Die Wörterbb. der 
frz. Spr. s. 26. Zu s. smAshä, mhd. snur, gehört nunis, wog 
und ivwog, merkwürdiger weise mit männlicher endung, allein 
wohl nur, um doppeltem w, wie in lat. nurus nach IV, auszu- 
weichen. Armen, nu Diefenb. Völkerk. II, 350. Soll etwa die 
prosth. von b vor doppel-f einem früheren i-av gleich gelten? 
Indess ja auch ivvia^ und, als ob reduplicirt, ivsvfjt^ovTa. 
Imperf. iwsov von vioa^ vBvaofAaij s. snu, flüssigkeit entlassen, 
womit sich viell. goth. snivan, snau, fortgehen, sniumja, eile, 
und mit sl: mhd. sliwme^ sliune, schleunig, berühren. — Aber 
nix, fiitves, ningü (g st. gu?) s. M. Müller, Kz. XIX, 42, 
goth. noch mit sn: snaivs, mhd. sniwe, snte, schneien. M<pa 
(nivem) u. s. w. muthmasslich mit Verhärtung von vau zu y, 
aber xiQv^ßov. Sskr. ndus, vavgy navis^ also sämmtlich ohne 
B, sind doch schwerlich gleichen Ursprungs mit snava (von snu) 
= srofoa, das triefen. Auch ist ausstoss von v in nare, trotz 
vj», schwimmen, s. ob., und vdta^ angeblich aeol. ratfo), fut. 
vdism^ fiiessen, nicht ohne bedenken. Man muss also vielleicht 
rfidLsichtlich letzterer auf sna zurückgreifen, ungeachtet der 
sinn (sich baden) nur ungefähr zutriflFt. — S. snwoan, band, 
sehne, auch snayu, und snävwa^ sehnig, spiegeln sich einmal in 
ahd. senua (chorda), seneioe (nervus), engl, sinew (ich weiss 
nicht, ob IvBq zu s. si, binden) sowie zweitens in snur, mhd. 
swumr, schnür, aber auch nord. snara (laqueus). Vgl. dann 
aber auch vsvqov, dessen q der abloitung angehört. Dass nervus 



144 A. F. Pott, 

durch mctath. hieraus entstanden, bedünkt mich nicht allzu 
gewiss. Lassen wir in ihm r für s gelten, was kaum Schwierig- 
keit macht, du bietet sich uns s. unasä, band, sehne, ungesucht 
dar. — Eingebüsst ist ferner a vor ^ia = s. sravämi. Desgl. 
in ^o^ia, wälirend dessen Verluste im lat. durch umstellui^ 
sorbeo, im letl. durch den vermittelnden einscbub von t in 
ßreltht vorgebeugt %vurde. Wwb. nr, 2225. 

Wie grausam aber ist das griechische mit se und sy 
des sskr. umgesprungen , so dass aus ihm selbst fast nie 
mehr diese, jedoch von aussen her unzweifelhaft gemachte Ver- 
bindungen erkennbar geblieben! Der Lateiner richtete unter 
ihnen keine solche Verheerung an, indem er sie fast nur^ durch 
vocalisierung des zweiten cons. umänderte. Daher ey&s, ifft 
(mit bcibehaltung des c von i;), siSs und ^, wie fut. n^«^im 
im dor. = s. -sj/ämi. Sv bestand im griech. nirgends. In der 
r^el, ausser mundartlich, wo j: oder auch ß (ßaSvg) ihr dasein 
fristeten, musstc für das lautpaar asper, oder wohl gar blosse 
lenis, schwachen ersalz bieten. Ganz besondere aufmerksamfceit 
verlangt st^ieich das reflexiv-pron. S. meinen aufs, über das 
indog. pron. in DMZ. XXXIII, s. C3. S. svmf-ani mit fidtoi; tr^wc 
(also mit aq) trotz «os, ög, suus, s. sva-3. Sacsco (sich zu eigen 
machen) nebst soleo. Auch tifa>, itm&a, gewohnt sein, wahr- 
scheinlich mit refl. und wz, ^, gis. zum seitiigcn gemacht 
haben, vgl. assttefieri. Goth. sidus, mit ^do^ übersetzt, dessen 
^ nicht recht sicher, gehört, wie unser sittc, mhd. süe, vemi. 
gleichfalls dazu. Der mangel des v findet sich ja auch in got. su 
(sibi), sik, sich. Aber svikimOis, offenbar, etwa gls. sich selbst 
kund gebend. Sves n. eigenthum, als adj. Mto;, otKcio;. Nicht aber 
auch mittelst «o von ^&o^ abgeleitet ^^sloq, als »trauter genossec, 
wie oixeiös xtvi (familiaris)? Daher ja auch als zu den sm, 
seinigen, gehörigschwester (s. svasar\ schwäher {iva^ra, das 
erste s dem zweiten assimiliert) undschwager. Kret. /foc^xiafrf c ' 
awi^ijßos, gls. stioe aetatis. Kaum södes, indem ein persönliches 
wort mit solcher enduog, vollends als vocativ, im lat. ganz allein 
stände, und von soddlis durch die länge sich abtrennt. Eher also 
verbal, f. st audies bei Freund, vgl. Clodius st. Claudiua, als h5f- 
lichkeitsformel. Dagegen allerdings, meine ich, sodtdis nicht sowohl 
von s. sa (mit) als zu sva (sutis), und zwar so, dass d eig. ablaÜT 
sein möchte, wie in sed. Nämlich dies als adversativ -partikel 
(gK wie sich die sachc an sich, in walirhcit, verum, vero, d. h. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 145 

von irrigem gesondert, vgl. sondern) verhalt, und das iso- 
lirende se in secemere, auch mit nachklang von v in socor» 
neben secm-us, solvo (zu Xvat), Auch solus, getrennt von anderen. 
Zweifelhaft mhd. swnder mit comparativ-endung, viell. jedoch 
zu engl, some, einige. 

Sva setzte der Römer, sich hierin conservativer erweisend, 
meistens in su oder so um. Vgl. jetzt Gorssen, Ausspr. IP, 64. 
Jedoch Siutvis (wie die nom. gruis und suis) und suudeo (u wohl 
cons.), gls. süss machen, entsprechend einem sskr. nom. svädus, 
fem. svadv4, ^dsia, goth. sutis (also nur u, vgl. s. süd) süss, 
gegen ßädv^ aJr, ^dv. Su-surrus reduplicirt s. svar Wwb. 
nr. 552, unser schwirren und surren nebst dem Schwann, wo- 
durch man lebhaft an vqov, bienenstock, erinnert wird. Aber 
auch avQiCco und als pfeifende nagethiere vga^ und sarex, frz. 
souris. Svana, lat. somis, — "Ogxo^, wenn anders nicht dabei 
die dadurch eingegangene Verbindlichkeit (vgl. oQxdvtj) das 
massgebende war, etwa zu schwur, goth. svaran, schwören^). — 
Sur-di^s wohl nicht, worauf absurdum neben absonus führen 
könnte, vom ohrenbrausen (vgl. susurrus) , sondern wie gravida 
dgl., schwerhörig, vgl. goth. svare 1. vergebens, ohne grund, 
si»^ 2. ohne Wirkung, iiazt^v. Goth. svers, geachtet, wahrsch., 
nach analogie von gravis, elg. schwer. Letzteres zu lett. fswehrt, 
wägen, Wwb. nr. 554, das seinerseits an avQoa nr. 556, wenig- 
stens im sinne von »ziehen«, unter berücksichtigung, dass ilxsi^v 
von der waage gebraucht wird, erinnert. 2vQ(fs%6q^ tSvQipoq^ 
goth. afsvairban^ wegwischen. — ^^yäv^ schweigen, aber lat. 
sHere ohne v. — Soror, s. svasar, goth. svistar, wie socer, txvQog, 
goth. svaihra, s. gvagura (das vordere g st. 5?). Doch gvan, 
xvmv^ im lat. canis mit ausfall von v. — Got. svamms, dän. 
svamp, altn. svamp^*, schwamm, anoyyog. Kaum doch, vgl. 
fungus, das v unter einfluss von s (vgl. zd. agpa aus agva, equus, 



*) Ahrens billigt, Namen des Campus Martius der alten Franken s. 30, 
eine beziehung zu ags. sver (columna), mhd. swir, uferpfahl, als sei es 
>auf den vorgehaltenen pfähl geloben«, was doch wohl, ungeachtet nach 
Aristoteles 6 de oQxog ijv 6x^nT()ov inavuraa^g^ suhtilius qiiam verius, 
Svaran ist ja, als stark, unmöglich ein derivat, wie: den eid staben. 
Bei den Römern schwur man beim Jupiter Lapis, vgl. stein und ])ein 
(reliquien) schwören. Preller, Rom. myth. s. 221. Vgl. auch verbenae 
t. e. herbae purae bei den Fetialen a. a. o. s. 219, wozu auffallend chrene- 
cruda (reines kraut) der lex Salica stimmt. 

Zeitschrift fSr vergl. Sprarhf. N. F. VI. 2. 10 



14f> A. F. Pott, 

tnnag) verhärtet, und ng durch disani. an stelle von fnp in 
aofufvg, schwammig. — Somniis, vnvoq, svapna. — Sordea, gotfa. 
svarls, schwäre. — Uebor söl, f<lioc, golh. sauil und ihre 
etwaigen bezfigc zu s. smr, himmcl, s. Wwb, nr. Ö58. — X^at. 
sulfur und goth. svibls fügen sicli vielieicht zu einander. Im 
s. ^v&ri entlehnt? 

In sddare hat der Lateiner, wie durch s. svid-yti-mt = tSi», 
schwitzen, zur genüge bestätigt wird, eine contraction von vi 
zu fJ vollzogen. Umgekehrt ist i in nachfolgendem « untere 
gegangen in dtt-d«»» aus din, biduum, vgl. nu-diws-tertius, sc. est, 
und stdtis st. si vultis. Dagegen von vcrto, vorto: seorsum, 
dorsum (mit de, die abgewendete, d. h. rßckseite). iVoso (mit 
einbusse des z^veiten r) und prorsa (d. h. die ohne unterbrechang 
fortschreitende) ac v&rsa f'ucundia. Biirsus wie prorsus, kaum 
doch männliche nomm. des part. Etwa acc. pl. nach IV., oder, 
wie comimis, eminus (Ennius s. 135: emanu), die fast auf einen loc. 
pl. =^ s. -s«, gr. ff( rathen liessen. Msa^yvg, auch ohne ? (letzteres 
etwa dat. sg. st. tii?) und iy-yv-Q, walirsch. dat. pl. gekörzt 
(vgl. ix&^'-ai) von einer körzcrn form zu fviov, also eigentlich 
dicht an den gliedern, am leibe, wie iyxwi eig. auf der haut. 
Vielleicht rtf>t aus vnö, von unten. Sursiim, susfu», mit stät, 
d. h. von unten nach aufwärts wie in stiMmtttö, aurgo. Ausser- 
dem sttrpuit, sumo (stibrailcmo). So dann durch analoge assi- 
milation, vermeine ich, sürus und sein dem. surctdus aus suborior, 
vgl. suboles. Wer sulciis einfach dem olxög gleichstellt, müsste 
die erklärung von tXxa aus lith. loilkti, Wwb. nr. t048, ziehen, 
preisgeben. Falls ags. sulh einheimisch, sonst hinderte nichts 
daran, in sulcus fibeidem sub zu suchen, wie in vfilta? 
Sp. sombra (aus stib tinibra) schalten. Anders ulcus, H*og aus 
zd. vrac, s. irofc zerreissen, nr. 1057, wobei man auch etwa 
an veUere (II st. Ic? oder fiXXat • xiXat), viilstis und vtdnvs 
(als zerreissung, s. ob. s. 139. 140) dächte. Ja süra erinnert 
stark an s. lir», schenkel, und sollte nicht die wade im lat. 
danach benannt sein, dass sie sich an der hinteren, gls. unleren, 
seile von letzterem befindet? Auch besagt der Spitzname SuUa 
schwerlich etwas anderes, als »kleine wade«. Umsonst dichtete 
man ihm um der griocli. schreibtuig iVAia? willen, welche 
doch nicht massgebend sein kann , eine märchenhafte ent- 
stelumgs-gpschichlo aus ^ißriXa an. Srhuoidor, Lat. Gramm. 1,47. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 147 

Nach dem muster von sMa/rc (gr. SiSaxfi st. d'viattti) giebt 
es aber noch eine menge ähnlicher coniractionen. Aufgelöst 
blieb gcnutniis, nach weise von ingmumus, was zu einem 
inge^iuus gehört, d. h. einem, der — als freier — i n der familie 
geboren ist^ yervatog, kein ctdtdtermiis noch libertimts. Dagegen 
genuini dentes, nicht von genae, sondern zu y^vr^, s. hanu, welchem 
auch gingiva (das zweite g st. gv aus u?) zufällt. — Ingenuilis 
aufrichtig, offen, gegen servüis. Gratmtus, adv. mit o, und 
fofiuitus, abl. -Äo, itu, setzen subst. auf 4w nach IV (vgl. /br- 
tuna Corssen, Äusspr. P, s. 11), voraus, wie astutus von astus, 
allein mit vocal wie tuitus neben tütus, statütus. Patruelis von 
painms (dagegen na^gvog, naTQVtog Stiefvater) und danach spät 
frairudis. Auch carduelis von Carduus. Sonst nur noch fiddis, 
famelicus wegen fides, fames, allein doch aedilis, sedüe von 
ciedes, sedes; und ohne gleichen anlass crudelis. Aus crüdus^ 
vgl. visddus von viscum, also denominativ. Cruor und sskr. 
hra/oya rohes fleisch; Tcqiaq nebst i/^ra a) wund, saucius (aus 
safs^is mit suflf. -idus?) b) grausam, hart, setzen wohl ein 
kürzeres wort für blut voraus. Hingegen meist von lebenden 
wesen, und gleichwie durch % von dem allgemeineren älis sich 
charakteristisch abgrenzend Uis: civilis, senilis, virüis, von 
stallen equile u. s. w., frz. chenil. Von der analogie überwältigt 
anUis ohne u und gleichfalls mit Verwischung des u im langen 
i von liticen, wie tibiccn (aus ii oder ic, wegen tibia) neben 
tubicenj comicen, obschon mit tuha, comu. Dann aber tribülis 
und tribd/nus beide mit te wegen contr. mit i^ vgl. vidnus; 
%Qif>vXog, was mit iribtis gleichstämmig, wie auch rgifpri^g, 
Idulis Ovis. Ob curtdis mit currtdis identisch seiner herkunft 
nach, macht mir dessen einfaches r bedenklich. Fasciac crurcdes 
pedidesque und pcddie, it. pedtdc, sohle (aber pedale, mensura 
pedis) wüsste ich nur aus got. fotus^ fuss, dessen o jedoch 
lang, zu deuten. Eher jedoch mit Uis, als wie manuälis. Im 
s. haben wir pädü beide male mit länge und pädtiku, schuh, 
pantoffel. Der beinamo Pedüccums wird einen, auch vom fusse 
hergenommenen sinn haben, wie Pedo, ampliativ: mit grossem 
fusse. Ital. pidocdiio schliesst sich dem lat. peduclus an , einer 
andern form für pediculus, das dem. zu 2>«(fcs, lause. Auch 
fuhrt ital. ginocchio wegen o auf eine form mit n, welche 
neben geniculum berechtigt, wie ferner conocchia, kunkel, ver- 
möge diseimilation aus dem. von cölus nach IV. hervorging. — 

to* 




148 A. F. Pott. 

Anders dürfte es sich mit edülis verhalten. Ich suche darin 
nämlich eine zusammenziehung der beiden verbalsiiffixe nus 
und 7lls. Das eine wie das andere hat passiven oder intransi- 
tiven Charakter, wie z. b. pascuiiS, hibilis, sorbilis, und so dann 
auch edulis, essbar. Befremden kann aber auch nicht die hau- 
fung der suffixe, indem ja -büis (wie vom fut. auf -bo) und 
4üis (z. b. altAlis vom part. prät.) gleichfalls zwiespältig sind. 
Vgl. anntudis aus annuus, st. annalis; aber dorsuaiis vielleicht 
wie usualis, wenn dorstis als m., etwa wie versus, nach IV gehend 
zu betrachten. Gemialia. — Der name der göttin Vacüna lehnt 
sich auch an vacuus^ vacivtis, wie subscdvtis u. s. f. Pecunia aus 
t^hius, wie vitulinus. Pecidimn. Vcruiiia. — Opportünus, wipar- 
tünus von portus, wie perfnarinus von niare, PortUor, der zoU- 
einnehmer (versch. von portitor, der fahrende), aus portus; mit 
tutor, allein der drei t wegen gekürzt ? So erkläil Corssen, beitr. 
s. 307, janitos, wie aedituus, wesshalb es nicht mit notos (i. e. 
notor) hie advenisfi, Liscr. Orelh nr. 4957 in vergleich käme, 
dessen .s, wenn richtig, etwa auf einen nom. noto(r)s hinwiese. 
Janltor (doch wohl mit überspringung des u von janaa, wie 
etwa hidusfriiis zu instriio, und vitüpero von vithwi) wohl gar, 
wie die nominal -abll. olitor, oUvitor, ficitor, vinitor, woher 
Winzer? — Cadücus neben cadlviis, occiduus, etwa wie atnicus. 
Caduceus aus xfjQvxstov mit d st. q. Wie es sich mit fidücia, 
mandücus von mandere, und Edusa (göttin des essens? Nach 
Preller, Rom. Myth. s. 579 Educa von edaeare, im sinne von 
ntärire) verhalte, weiss ich nicht. Ist in ihnen einfach ein suflF. 
üco zu suchen? Carrtica zu carrtis 11 , laettica aus Ute; Verruca 
mit d. warze (eig. gewächs, wie würz?), dessen dent. assimiiirt; 
eruea, festuea und fistuca räthselhaft. — Solutus wohl nicht mit 
u aus viy sondern weil solvo eig. se -{- Ivca, und völüto wohl 
von volvo, wie siXvfa. Auch salnto, wie mir scheinen will, nicht 
von Salus, sondern als intensivform aus salvere a) unversehrt 
erhalten, b) grüssen, wie jubeo te scdvum esse und vielleicht als: 
»oft salve zurufen« gedacht. Salus selbst scheint eher verbal- 
ableitung aus salveo mit suflf. ti, als etwa gekürzt aus tiU (wie 
servitus) aus saivus. — Brmui i. e. brevissima dies, jedoch mit 
küi-zerer superlativ-endung, aus brevis, ßqaxvq. Prudens, Jütw, 
Jupiter, vgl. sskr. Dydus, Zsvq, Junior aus juvenis. Nundinae 
aus novcfn. Nomis; denuo, viell. gls. umgestelltes veo&sv; nuper. 

Auch wohl nmintins, n.qph nnrcson Rpitr Qft .ins *«n»-fi-n^t«ff. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 149 

also etwa »voll neuigkeilenc , vgl. o-spt. Sollte nuticius rich- 
tigere Schreibung sein, da rietlie man zur noth auf einen bezug 
zu ivfyxelv, Unna, gr. ovqbXv von ssk. vär, väri, wasser, zd. 
Vitra regen. 

Ferner sehe ich meine alte erklärung von curia durch 
Corssens unsichere behauptung, es liege dessen r älteres s zum 
gründe, mit nichtcn widerlegt. Ich suche nämlich darin eine 
Verbindung von co(m) mit mr, als männerverein, wie coetm. 
Der gleiche ausgang wäre in deeUria, cefitUria zu suchen, nur 
dass sich vi von vir in ü umsetzte ohne contr. Y gl. s^)t€nwiri, 
sexvir, triunwir, ein mann von den dreien. Vgl. cur, qfwr, d. i. 
cui, quoi rei, zu welchem ende. Aber cüra, alt coira^ wenn 
anders (s. Wwb. II, 594) aus co(m) mit «^a, vgl. goth. varei, 
behutsamkeit, list. — Weitere contraclionen : thus entlehnt aus 
^voq; pus, vgl. nvor, s. päya; jus aus s. yu, verbinden. Etwa 
rus als umgestürzter ackcr zu ruere, oder, wie arvum, zu arare? 
Beides für den gegensatz von land zur stadt nicht allzu gewiss. 

Vor allem aberwäre die vierte declination in betracht 
zu ziehen. Die lateinischen grammatiker shid mit derjenigen 
decL, welche bei ihnen so eben erwähnte stelle einnimmt, 
nicht sehr wissenschaftlich verfahren. Wenn sie die formen 
mit i nach griechischem vorgange in der III., d. h. derjenigen 
beliessen, in welche der strenge nach nur consonantisch 
schliessende themen sollten eingestellt werden, warum Hessen 
sie dann nicht auch die Wörter der IV. darin, wie doch gr. 
v^gj V neben den, mit ihnen parallel gehenden auf t-g, ir ihren 
platz behaupten? So etwa noüiig^ wovon sich nohg, wenn der 
itakismus recht hätte, nur durch die verschiedene tonstelle 
trennte. Im sskr. sind puri, stadt , und purü, viel , nicht nur 
gleichen Stammes, sondern beide oxytonirt. Am besten thäte 
man freilich, wenn man diese wie jene aus III aussonderte, 
und, wie im sskr. mit III, IV geschieht, in einer besondem 
decl. zusammenfasste und behandelte, während die lat. V, das 
is in den beiden nomm. (vgl. indess z. b. den osk. pl. scriftas, 
lat. scriptae Corssen, Ausspr. II S 146) und e st. d in abzug ge- 
bracht, wesentlich sich in nichts von I unterscheidet. Vgl. gr. 
i|^ s=: a in I. Nur hat die attische mundart beibehaltung von 
a gerade hinter « als m festgehalten, während im lat. durch 
assimilirenden einfluss die V iSs liebt. RSs = s. ras, wie 
rgbus = rdbhyas, aber ris n. a. pl. räy-as wie im gen. sg. 



150 A. F. Pott, 

mit ^-lallt. — Man muss nur hicbci im äuge behalten : in decl. 
IV hat sich die spätere spräche (s. (1. Ausspr. P, s. 11. IP, 
s. 143 fl.) mancher contractionen schuldig gemacht ; und ersähe 
man dies sogleich sehr gut, sobald man sus, arg^ ig und grus 
in ihr an die spitze stellte, weil diese als einsilbler verschont 
blieben von dem zusammenschnurren. Im nom. sg. hat das 
M, z. b. von fruciü-s (anders obige einsilbler im n., und ix^g^ 
i'xd-i'r), ich weiss nicht ob auch comu u. s. w., kurze. Dagegen 
länge im g. fmctüs, mit apex parUis, statüs, weil früher fruch^, 
seiiatU'is und noch älter senatu-08, vgl. su-is, v-og. Auch 
conius, mit verlust von s: comu. Dat. t*-i und ü, vgl- s^ri, 
frtictu-i, comu-l und cornti, tisu, casu, anu, und so doch unslr. 
auch der abl. Im pl. n. fnwMs, vgl. ix^v-sg, su-is; aber auch 
im acc. scfistis, castis, neben ixi^v-ag, su-es. So kommt es, dass 
in den hieher fallenden neutra, falls sie nicht etwa im n. und 
acc. sg. kürze haben, alle casus des sg. überein lauten. Mit ihnen 
vergliche sich z. b. aorri;, nur dass in diesem bei aaxsmg u. s. w. 
durch abreissen des v von der gunirung sv der grundlaut ent- 
stellt worden. Vgl. Freund Wß. Vorr. III. 

Was nun aber die i-flcxion anbelangt: da kann, berück- 
sichtigt man also z. b. igni-s (s. agni-s) gegen Imhu-s, yevv^^ 
oder om-s, oi-g, gegen s. avi-s (s. die flexion Wwb. n. 205) und 
im neutrum, mit wandelung des kurzen i in e, leve : levis, 
iÖQ^-g^ gen. tögt-og (att. IdQe-wg), und noXt-g, nach ion. flexion 
noXt'og u. s. w., niare gegen n^ntgij ion. i-og, s. väri und tdlu, 
doch keinen augenblick zweifei aufkonmien über den parallelis- 
mus, welcher zwischen der i- und w-flexion besteht. Auch in 
ersterer sind die vocale der flexions-endung vielfach mit dem 
thematischen i verschmolzen, und hat man überdem nicht 
mehrere andere eigenthümlichkeiten zu übersehen, welche sie 
vor der abwandlung acht consonanlischer themen voraus hat. 
Da würden also zweckmässig z. b. ig^tü-s mit dem gleich- 
bedeutenden agni'S im sskr. und fk^zi^-g (lat. mens st. fnenti-s) 
mit s. m<üi'S f. zusammengehalten. Der gen. is lautet mit dem 
nom. gleich. Dies wahrsch., nicht sowohl, dass agnis, rnaUs 
in ihnen gekürzt wäre, sondern dass sich i-us (gr. /mi^vi-o^, wie 
ja noh-og auch zweisilbig vorkommt, aber (Aiitstag mehr wie 
maty-ns) kürate, wie nuig-is neben mä-jus. Ignt und /*iJt# aus 
(kffTi't, aber sskr. gunirt agnay-ey also jene analog dem dat. 
auf ü. Im abl. %, wiewohl auch theilweise e, was denn auch 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 151 

von dem acc. e-m gegenüber dem regelrechteren auf i-m 
(resti-^m, ft^t^-v) dgl. gilt. Mithin auch wie ü, tdr^n, ciJy, vv^ 
ixih)v. Weiter im n. und acc. plur. fifieSy levis, levira, mari-a 
gerade wie sw-es, fructüs, coniu-a. Das tritt aber noch deut- 
licher hervor im acc. von der art wie omneis (vgl. noXsig st. 
n6h'ag\ otnnis. Im s. nom. m. f. ay-as, z. b. tray-as m. (lat. zu 
is in iris contrah.), aber acc. m (st. i-ns) m. Noch weniger 
kann uns der gen. auf iruin in fini-um, Icvi-um, mari-um be- 
fremden angesichts von frudu-tim, caniurum. Einzelne längen 
noch mit öm, um = oav (sti-um, v-tov) und s. dm weist C, Ausspr. 
IS 367 nach. Im d. und abl. pl. hat sich das u meist zu i 
verdünnt, z. b. noch artübus, aber frudi-bus scheinbar wie 
fini^bus. 

Zu der weitaus grösseren zahl von femininen auf ü in 
decl. III Whitney 355 c. 1179, wie ich vermuthe, aus u mit 
fem. d und i erwachsen, z. b. gva^rüs (durch Umstellung des 
u von dvof^ura), bietet das lat. socnis (auch einmal a socru smo), 
desgl. etwa anus, als ahnin, und zu bhrü-s, braue, gr. otp^vg 
ein gegenstück. 

Auch die zahbeichen subst. auf sv-g im giiech. würden 
rechtmässig hier untergebracht, wenn sie, worin ich nicht zu 
irren glaube, lithauischen auf -jus, z. b. steg-jus, entsprechen, 
was mir mit bezug auf sufl'. u mit jot davor im sskr. (Whitney 
§ 1178 g. Ä.) etwas bedenklicher vorkommt. S. Wwb. II, 1. 
s. 987. II, 2. s. 1237 f. Das sv hätte dann den werth von «t;, 
freilich in anderer weise, wo es sich mit iu im goth. als guna 
von u = s.o (a-u) begegnet : z. b. Uu/iath, licht, gi*. Xevxog dgl. 

Vom paiatal-zischer^, welchem die classischen sprachen 
k gegenüberstellen, wird man in betreff ^v abweichende be- 
handlung nicht unerwartet finden. In xvap xvvog, canis, s. gvä, 
ffunäs haben wir im lat. wcgfall von v, und im griech., wie 
schon im sskr., vocalisierung von va, wie sonst oft, zu m ver- 
möge samprasarana. Dann aber findet im zend hcranzichung 
des tönenden v absciten des dumpfen q zu seiner höhe als p 
statt, nom. gpä, g. gäno. Vgl. (ry., ijj im reflexivpron. st. sv. 
Dasselbe hinten in den egn. s. YuktdQva^ zd. Yukhiägpa mit 
pari. prät. und Zsv^tnnog mit nom. abstr. Also Innog st. equus, 
d. b. mit bewältigung des h (st. g) durch das schwächere und 
an jenem erst (zu n) erstarkte /. So erklärt sich dann auch 
gr« no (eben so p im osk.; als stamm des fragpronomens. 



152 A. F. Pott, 

Spielt doch in qiU, quae, (juod, sowie verschoben goth. hvas, 
hvo, hva, jetzt wer (oline leni.)^ was^ noch e. who, what^ eine 
grosse rolle die conibination ko. Vielleicht unter engerem an- 
schluss an den, z. b. ni Jtm, wo, vertretenen skr. stamm hu, 
wofür ha (ohne v) das übliche. Lat. querar, qucstus doch wohl 
zu s. Qvas, blasen, zischen, sausen, aber auch aufseufzen. 

Analoge Umwandlungen treffen wir auch sonst. So bei 
uns pipps^ ahd. phiphk, glossirt pittiita, morbus in orc gallp- 
iiarum, it. piinta, sp. pcpiUi, frz. 2>epi(^- Also p aus tv, und das 
lat. wort angelehnt an mvo), nvri^oa^ woher entlehnt pytisso. 
Schweiz, öppcr (ctwer), go2>2x^l (gotwd). — Dass andere male 
das V hinter t sich auflöste, z. b. lat. tuus wie stius^ xvv-ri aus 
s. tv-am, oder spurlos schwand, z. b. te, (fi, hingegen im zend 
z. b. thwa st. s. tva (tum), und einige male im sskr. (so in 
endungen 2. pers. tha st. tva, und als ordinal -suffix -tha, lat. 
'tu^, toq aus tva, anderer) aspirierend auf t einwirkte : sei hier 
nur kurz erwähnt. — Eine solche aspiration (vgl. odd-iv neben 
oväiy wegen iv) muss man auch wohl trotz d in s. dvdr, acc. 
pl. düras, voraussetzen bei ^vga, fores, und selbst im zd. dvara 
(nicht mit h vorn), goth. daur, etwa mit Umstellung von tw, d. 
thor, thür gegen ^ivei. Möglich, dass hiebei auch r nicht ohne 
allen einfluss gewesen. 

Dann aber findet sich namentlich bei der zweizahl die 
bunteste mannigfaltigkeit in der Vertretung des ursprünglichen 
dv. Also z. b. geht v oder, wenn man lieber will, j: verloren 
in dcodsxaj s. dvädagan; doioL (dvo mit suff. «o, vgl. nolog), 
s. dvaya, paar. Dann aber cJix«, wie xqix'^t dXXajpv. Aber 
auch wieder dtTtax(Sg == dixiSg. Hieraus diiro?, diatyog, tQi(f(f6g, 
vgl. auch TTSQiaaög, unstreitig wie y^Qiaaog, a st. %Qixiag. Auch 
vBoaaoq^ vsotTog, vgl. vsoxfiog. Benfey's erklärung (zahlw. zwei 
s. 11) aus zd. thrishva (etwa aus loc. pl.) ein drittel, s. vifva 
(zu gvi, wachsen) all, trifft meines bedünkens das rechte nicht. 
Weiter dig und, gleichmässig im zd. wie im lat., bis st. skr. 
dvis, und verm. nicht minder (r für s) mhd. zieir, zwire, ahd. 
mit suff. zwiro; zwirne, drehe, e. twi^ie, twist. Vgl. ztaälich, 
difMog^ und drell (drillich), lat. trilix. Lett. trinnihts zu 
nihtes, gezwirnt wcbergeräth, anscheinend zu lat. nere s. 169. 
E. twixt st. betwixt, unser zwisclien, Zw^ie, e. twain, aber distr. 
got. tveihnai, wie lat. bmi; und das Ä darin, wie in s. dvika, aus 
zweien bestehend) ävixog^ und, der gabelung wegen, auch 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. ][53 

mhd. auHc, e. twig. Zd. hUya = s. dvUiya, zweite, wahr- 
scheinlich dort nach voraufgehen von dh, trotz dva, zwei, indem 
ja auch zh sich einstellt für s. hv in jsbarj sich krümmen, s. 
hvar (indcss auch dhvar!)^ und ishd, rufen, st. hvä, weil h im 
zd. durch vertreten wird. Indess auch in ihm hijsva, s. jiJiva, 
pers., wie mit aphärese, zahan, lat. alt dingua, zunge, got. mit 
u tuggo, e. tongue. Lingua kann jetzt wohl nur als »leckende« 
gemeint sein. Allein das scheint blosse umdeutung von dingtui, 
worin d ebenso ursprünglich sein wird, als in dacrima des gr. 
wegen voraus vor l. S. jihva wäre, wenn von hvä, rufen, ab- 
geleitet, eine regelrechte reduplication , indem das palatale ^' 
wohl für ursprüngliches g steht. Sollte dann nicht aber d (und 
dafür wieder germ. ^, z) schon früh dissimilationslialber an dessen 
stelle getreten sein ? Vgl. auch Bezzenb. beitr. III 135. — Ungeachtet 
mangels von v, vielleicht zur Unterscheidung von his, alt duis, 
ebenfalls hieher lat. dis% z. b. in dis-carrfia (Uneinigkeit der hei-zen) 
im ggs. zu der einigkeit, sowie nicht minder vorn in mYi^.zer- 
sdr, zerrissen, got. tairan, und did (näheres hierüber meine 
präpp. s. 731 ff.), auch dmvdtxa. Das cingebüsste v verblieb 
in got. tvisstandan, sich trennen von j. mit dat., unotdaaBad^ai. 
Vgl. zwist, Zwietracht gegen eintracht. Beüum aus duellum 
(wie alt duonoro st. bonorum), wohl als deminutiv-form von 
dem distr. Uni, vgl. gemellus und unser Zwilling aus mhd. 
zurindinc, e. tum, lett. dwihnis, pl. dwihni (vgl. lat. hmi). Gr. 
dldv/Aog, didvfjkvog (als ob participial), worin meines bedünkens 
ausser dem dt-, wie in dlyafiog dgl., noch ein derivat steckt 
von dvoj nach weise von nQOfiog, zw. ngdfiyog. Mit seltsamem 
anklänge hat der Lette jummis, doppelfrucht, als eine doppelte 
nuss, eme zwiefache ähre; im abc der diphthong. Indess der 
schein möchte trügen trotz frz. jumeaux neben gemeaux (gemelli). 
Will man es nicht gar mit s. yu (verbinden) zusammenbringen : 
da möchte es sein u dem einflusse des labials verdanken, an- 
statt a in s. yama, zd. yenia, dem man etwa geminus und yaiAog 
anzuschliessen geneigt wäre, fänden sich anderweite beweise 
von eintausch eines g für jot. — Dvipad, dinovg, hipes, zwei- 
füssig, sind wesentlich gleich; zd. hizatlgra stimmt wenigstens 
im ersten gliede. Dagegen ist z. b. s. vigiras, kopflos, obschon 
vi, der trennung halber, auch der zweizahl entsprossen. Im zd. 

^) Fr. Miklosich, Le Präfixe Roman Dis en Albanais. Extr. de la 
Revue de Ling. et de Philol. compar^. Paris 1871. 



154 A. F. Potl. 

vi, auch vis (also im sinne vcrsch. von bis)^ adv., auseinander, 
fort, gegen. Z. b. mdaSva, gegner der Daevas (s. videva, wider- 
göttlich), vidmj, der Drukhs feindlich. Negirend vidpa, und, 
als ob grösseren nachdruckes wegen reduplicirt, vhäp, Wasser- 
mangel (vgl. das zweite v st. y in mvaozayüti Justi s. :^ als 
caus. von yaojsaüi). Dag. s. dvtpa (eig. mit zwei wassern, rechts 
und links) insel, wie das Du-db als zwischen zwei Aussen belegen, 
also wie Mesopotamien, Inkra/inna. Zu zd. trita, getrennt, gesellt 
sich, darf man glauben, ahd. mhd. toU, weit, ^) wenn anders 
diesem nicht eine comp, wie s. vUa, vei^angen, geschwunden, 
gewichen, als part. von vi mit i (auseinandergehen), vtti, Schei- 
dung, zum gründe liegt. Daher unstreitig nicht minder lat. 
vUare, wo nicht vi mit dem intens, üare. InvUare aliguem, 
wohl eig. jemanden von dessen orte zur einkehr bei sich ver- 
mögen. Oder zu s. vi, verlangend aufsuchen? Sollten nidii 
aber auch eixo), j:t^at' %iAQ^aah i. e. st^ai Ahrens II 55, und 
toeicheti die nämliche präp. in sich schliessen, so gut wie lat 
dUi^idere, was jedoch bei idus, eidus seine bedenken hätte» 
zu s. vi'dä, zerstückeln, zerkleinem, abtrennen, day, datofUJUg 
gehört, und selbst wissen und lat. videre, der Unterscheidung 
(»qiiS$g^ cerncre octdis, discemere) wegen, auf gleichen Ursprung 
hinweisen. Und auch etwa, weil man im kämpfe auseinander 
und wider einander geht, mhd. wlge, streite, kämpfe. — Ich 
weiss wohl, man zeiht mich nicht erst seit gestern allzu unbe- 
dachtsamer kühnheit in annähme von präpositionalverbindungen 
selbst schon in wurzeln und in verben, die man für einfach 
hinnimmt. Das geschieht dann meist mit einer miene, als sei 
es ein selbstverständliches, keines beweises bedürftiges axiom, 
zugesellungen von präpositionen zu verb» in festerer weise, als 
gleichsam nm* in der tmesis, seien für die. proethnische zeit 
unseres Stammes eine — Unmöglichkeit. Bis jetzt warte ich 
vergebens auf einen solchen beweis. Und, wer es besser weiss, 
was im gr. anscheinend zweisilbige wurzeln, wie i-^$iq9b und 
d-YsiQia\ ä'fAvvta und d'fAiXym neben munire, mtdgere, zu sagen 
haben, wenn sie nicht mit verschlissenen resten von präpp. 



^) Wohl gar, des auseinandergeheiis, des Zwischenraums wegen, aus 
dva, zwei, etwa mit ar, gehen, wo nicht zu urü, tvQvst zd..und s. däroj 
Bkr. sogar vidüra gesteigert: weit, entfernt; vi-bhu, weit reichend, ausge- 
U-eitet. Selbst düta, bete? Der compar. zu urü ist noch voller im s. 
vdriyans. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 155 

(meine meinung) verwachsen sein sollen, der enthalte dies doch 
nicht der wissbegierigen weit vor. Der aus weg, sie für rein 
massige prothesen auszugeben, und ohne lautlichen anlass, etwa 
wie bei s impurum im romanischen, ist eben keiner, und späht 
Diez, Gr. I ^ 262 für vocalischen Vorschlag vor einfachen conss., 
selbst in dem jüngeren sprachgeschlecht der romaninnen, nach 
grammatisch bedeutsamer erklärung. 

In zd. n&U — vttarem, nicht weiter, dagegen lügt letzteres, 
weil in weü-er das r aus Zischlaut entstanden, nur den schein 
der gleichheit mit diesem, da vi-tara zum comparativsufüx -ta/ra 
hat. Letzterem steht aber nahe got. vUhra, local: gegenüber, 
und wider, gegen, in freundlichem wie feindlichem sinne. 
Mhd. wider auch: zurück (in entgegengesetzter richtung), wie- 
derum. Mhd. zwitam, zwidom (hinten etwa wie alternus\ 
Zwitter, bastard. So gewinnen wir denn auch für das lat. vitricus 
als durch wiederheirath der mutter erhaltenen zweiten vater 
(dsvT€Qog mit sv st. vi, vgl. s. dvi-Üya?), Es heisst ja auch 
im skr. die Stiefmutter vimätar (vi- wohl nicht gerade mit 
tadelndem nebenbegriflf), und lat. hiviras (frauen eines zweiten 
mannes) guas ustis viduas (s. vidhavä) appellat. Vgl. Pseudo- 
phocyl« 168 fj^jQvi^g — devrega Ximqa yov^og, Mater -tera 
(matris soror) enthält, gls. als andere mutter, den in i-terum 
dem lat. verbliebenen comparativ. Etwa ar-biter nicht von 
dem fremdartigen bOere (als hinzutretender?), sondern als 
dritter, zu (ar-) den zwei parteien, dfiffotegoi, die ihm, als ob- 
mann gegenüber auch dtvtsQoi^. So scheint ja auch ad-ulier 
ein solchei^, qui adit alterius (u wohl umlaut, und nicht zu 
oUus, iMra) conjugem. — Die zweiheit liegt ferner in zd. dvaidi, 
zweifelhaftes, a^dvoo^ zweifellos, aber vhnanohya (gls. mit aus- 
einandergehendem sinne), zum zweifei gehörig. Got. tveißs, 
mhd. emvd etwa mit ahd. fal (casus)? Aber auch got. 
twH)erjan, zweifeln, diaxQivsts&m (man beachte auch hierin 
d«r), viell. nicht wesentlich unterschieden von tvis in obigem 
UriS'Skindan. jAOrd^eo, öixo&raaia. Disiantia. Auch etwa zivilst 
zu stehen, wie anscheinend juxta, juxtim im lat. aus juge, wo 
nicht mit sOms, mit einem derivat von stare? Buhius, ver- 
meine ich, nicht wie bivius, noch sonst componirt, wie mit 
hdbeo Corssen, Ausspr. I 1027, oder nach Benfeys meinung mit 
6 st. db aus s. dvidJia, oder auch allenfalls ditpviog. Vielmehr 
h nur für sonstiges v, das sich, nach weise z. b. von düuvium, 



156 A. F. Pott. 

aus u zu entwickeln pllegt. So ja auch subare, tfvßag; röbur 
veriH. zu geiyvvfii. Joi^, äoid^co, JvdCstp (auch eVrf.) zwei- 
fehi, med. sich paaren (zu lat. 2>ar), Vgl. diß,ifi,gß^%€lv. Got. 
tvai'tigjas^ pl. m., zwanzig (n etwa nach ziveen; im s. dvidaga^ 
eig. die summe von 2 X 10) und 200 tva-hunda pl. n. süid eig. 
blosse zusammenrückungen von 2 eikosadon, 2 hundcrtcn. Dem 
beibehalten der dent. in der ersten, ohnedies neugebildcten zahl 
gegenüber ist uns der ausdruck dafür aus unvordenklicher zeit 
her so überliefert, dass ihm sein d spurlos abliandcn gekom- 
men, wie auch im zd. bei Vieieii» formen sonst von dva. Selbst 
uye = duye, beide, doppelt. Justi s. 164. Daher denn auch 
wohl (s. Wwb. nr. 2143) das m in zd. übe fem. du., beide, 
s. ubhdu (äfi<f.(o, amho, nur im schluss stinmiend). Jedoch nach 
dem Pwb. von wz. uhhj zusammenhalten. Vgl. meine schrifl: 
»die spr. Europas, in ihrem untersch. an den zahlw.« s. 27. 
S. vin^ati, zd. vi^iti, alt j:ixa%i st. tixoai^ vigifUi. Dagegen zd. 
duye gait€, s. dvigaUim n. sg. (die summe von zwei hunderten), 
aber adjectivisch lat. ducenti, diax6(f&o& (a st. t wegen », auch 
mit ii st. ä) nach weise von XQtaxodioi (300 ausmachend) 
u. s. w., und nicht etwa mit der, übrigens des »entzwei, durch« 
wegen verwandten präp. did (plur., wie xqia). — So nicht 
minder duplus mit u gegen dmXöog, dmkog Auch bipiex f. 
duplex. — Vielleicht Hesse sich mit grund lat. tfttium hieher 
ziehen als abweichung vom rechten. Körperlich, Schiefheit, 
verkrüppelung Cic. Tusc. 4, 13, 29. Vgl. Wölflflin, Münch. 
Sitzungsber. 1880, s. 388 bei späteren f. niorbus. Man müsste 
alsdann in ihm das präf. m suchen mit dem üblichen pro- 
nominalsuff. -tya (der) im skr., z. b. apchtya, abkömmling , upa- 
tya, darunter gelegen, wie desgl. gr. vn-tiog (supinus) aus vno. 
Aehnliches muss man vermuthen von russ. vind, schuld, aber 
auch Ursache, veranlassung, ksl. causa, accusatio; allein lett. 
u^aifia, als ob zu wai, wehe, tvaida, Jammer. S. vinä (vgl lat. 
den schluss in sine, pronus dgl.) ist : ohne, mit ausnähme von, * 
bis auf (excl.), woher vindkar, trennen von, berauben; vindbhü, 
getrennt werden. — Ob lat. ve- (vae-) in adjj. gleichen Ursprungs 
mit s. vi" sei, macht dessen länge zweifelhaft. BegrifTHch passte 
es sonst zu letzterem, indem dieses auch bald privativ steht, 
bald, ausbreilung nach zwei selten oder mehr hervorhebend, 
den begriff (also gewissermassen in entgegengesetzter richtung) 
verstärkt. Derart vitnula, fleckenlos, aber vinwhant, überaus 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 157 

gross. Audi ve- zielt ja auf etwas, was nicht das übliche 
maass, sei es drunter oder drüber, hat. Also vegrandis (nicht 
genügend gross; sehr klein); vecors (ohne den richtigen ver- 
stand), vesantis wie male sanus, aber vepallidm, sehr (im über- 
maass) blass. Hiebei an die inlerj. vae, dem 7nale parallel, zu 
denken, wäre doch wohl zu kühn. 

Im zd. haben wir dvaetha f., schrecken, aber auch, was 
auf ein verbum thwi, mit wahrsch. Vorgänger t, hinwiese, thtvya, 
furcht, thioyant als part., erschreckend, furchtbar. Daraus er- 
klärt sich dann wohl der diphth. in öeidia, dsidoixa neben 
didm didohxa^ desgleichen im redupl. präs. ÖBidw^ sowie das 
doppel-d (st. df) in idäs^aa^ vnoddslaag, M(o, sich fürch- 
ten, d^aixoß etwa wie dXixo), aber äsi/AÖg, dsifia, furcht, dsMg 
furchtsam, passivisch dstpog (zu fürchten), furchtbar. Jiog, 
ads^g mit ausfall von *. — Dagegen s. vermuthlich mit zusatz 
hinten dvish, Widerwillen empfinden, hassen, seinen hass aus- 
lassen gegen j., dveshas, abneigung, anfeindung, hass, finden 
ihr gegenblld in zd. dvish, 1. perf. didhvaesha, peinigen, ohne 
d va^sho n. leiden, pein, und zufolge Justi, s. 138, wieder mit 
besonderem präfix tbish, peinigen. Gr. mit o (st. s. ava?) 
odaidvfStM, zürnen, grollen, hassen, odvffad/jkspog pass., verhasst, 
verfeindet. — Jedoch zu s. tvish, in heftiger bewegung, erregt 
sein; sowohl leidenschaftlich aufgeregt als bestürzt sein, tvesha, 
ungestüm, hastig, gesellt sich zd. thwueslia, furcht, schreckniss. 
— S. dmh (s. Pwb.) verderben, schlecht werden, zu gründe 
gehen, dushta, verdorben, und in compp., als gegens. zu su-, 
zd. Ätt-, SV, übeles anzuzeigen, dmh-, dm- (vor weichen lauten 
dfir-), zd. dus-, duzh-, dvg-. Z. b. dusmananh^ übeldenkend, 
dusmainyu, feind, nps. dushman, s. durmanas, dvg/jtevijg. Duzhäpa, 
schwer zu erlangen, duzhüa, schwer zugänglich, aber von dush: 
dushiti, elend. Kaum hiezu, mit etwaigem ausfall von a, dvti, 
Unglück, elend, jammer, indem div, in jammer versetzen, pari. 
dyü-na näher liegt. Wwb. nr. 276. 

Auch dy, wie nicht minder jot, haben sich mannigfachen 
änderungen unterwerfen müssen. Bekanntlich verdankt letzte- 
rem gr. f *) häufig seinen Ursprung. Das kann uns aber um 
so weniger wunder nehmen, als wir ja auch in neueren sprachen 

*) Ja, im eleischen dialekt (Daniel p. 33) kommen viele C st. <f vor, 
und zwar nicht bloss vor dünnen vocalen, wie i, f: Zi st. Ji:i\ Jifi; C^J^ata: 
C<, 9^(4, Ci*a, CSfioVf jH^tos. Dies also parallel mit dem harten zischer tf 



158 A. R Pott. 

ähnlichen Umwandlungen in nicht geringer zahl begegnen. Also 
z. b. aus lat. diumum (sc. ictnpus) ward ital. giomo, frz. jour. 
Vgl. s. dyn-nir, tag und nacht. Also wenig anders als Zwg 
aus s. dyms (durch Verstärkung von dyu st. div\ lat. (Dijovis, 
Jupiter, osk. Diov<n. X^i^og aus x^ig (s. hyas) mit rffa 
kretisch f. dies. Demnach sein f aus a-Sio, aber * wohl noch 
als nachwirkung von jot, wo nicht durch überspringen von hin- 
terem t in das primitiv. — Ils^og^ zu fuss, s. päd^ya, auf den 
fuss bezüglich. Ferner Ca-, auch da- st. d&a, verstärkend, wie 
oben vimaJhant. Docli nicht etwa lat. jacio mit Verlust von d 
zu diX€Xv? — Hicher fällt die menge dem lat. fremder und 
vielleicht auf das gr. beschränkter verben auf *C«, aC« (vgl. 
adj. und subst. auf «d und ad\ auch t»?« (sQnvj^w), aQfAoC*» wie 
zu aQfAodiog, aber dor. fut. ägfio^oS wie zu aQfjtoy^^ (fw^w. "OC«, 
dor. offdfa^ lat. odar; mlid. ireJjsrc (";? st. d), sodass wohl jenen 
V vor dem, unter seinem einflusse entstandenen o abhanden 
gekommen. Mithin f wohl aus d-i oder auch y-* nach weise 
von lat. ctqno (s. kupyämi)^ capio, fugio, im s. cl. IV. Auch 
im s. kommt vereinzelt j (ausspräche von j in e. John, it. gi) 
st. y (unser jot) vor, und dtafASTQov geben die Inder mit yämüru 
(also unter weglassen von d) oder jdmitra wieder. — So denn 
aber auch für einfaches jot, an stelle von yuj im s. und zd., 
j^evyvvfAij während lat. jungo, jtyum und unser jo(^ den alten 
cons. bewahren. It. dafür gi^igticre, {vz.joindre, wie giusto, frz. 
jiiste. E. judgc f. judex, frz. jugc. — Ausserdem im s. ein dop- 
peltes yu; s. Benfej' 1871, Jubeo und seine verwandte, und 
mein Wwb. nr. 324. Also 1. verbinden, und daher mit neutral- 
suffix, das doppelte lat. jus (recht als Verbindlichkeit; jurare, 
sich durch einen eid binden, dass man etwas thue, die Wahr- 
heit sage) und jus (brühe als gemisch), wozu jussuienius (etwa 
an jtisctdnm streifend) si. jurul<mtiis. S.yAsiha und jüsha; auch 
ayavaym, rührlöffel. Vgl. gr. foiriy mit s. yüna, band, schnür 
und ^ojfAoc, falls letzteres nicht zu f^w. Nicht auch dazaJHvarß, 
adjMus? Wenigstens im sinne des förderns von einer zweiten, 
mit den eigentlichen thätcrn zur hülfe sich verbindenden 
person aus oder absciten eines gegenständes passte das nicht 
übel. Von seiner, doch vcrm. erst secundären bedeutung >er- 

aus »*> anderwrirts, und <s sl. t hrmrig vor *. Hieraus scheint sich zu er- 
gel>en, (T und «> hahen. wouifir^lens mundartlich schon fn1h, eine lispelnde 
ausspräche gehabt. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede« 159 

freuen, ergötzen«, vgl. jücundus, liegt s. div, spielen, scherzen, 
tändeln, am ende eines comp, dyü, spielend, zu weit ab. Wie 
aber? Llesse sich nicht bei s.puvan, jung, an herkunft hieraus 
denken, wie umgekehrt nai^uv nach den naldet; geschaffen ist? 
— 2. Ein zweites yu, fern halten von, abwehren, im s. findet 
sich zu ffuöä%y zd. yifdy kämpfen, erweitert nieder in v<spivii 
(a st #•;). Also mit ersetzen von jot durch asper, wie desgl. in 
•ifMlg, s. yiAshmcU. 

Ziehen wir hieraus das schlussfacit, da ergiebt sich: wie 
zartfühlend der Grieche sich, mit ausnähme von J, tp, zu bei- 
behaltung welcher härten intellectuelle gründe überwogen, gegen 
consonantische wortenden verhalte, in deren beginn übt er, von 
den minder widerstandsfähigen lauten w und jot, auch zu- 
weilen s, absehen genommen, eine solche duldsamkeit im ge- 
biete der mitlauter, dass deren nicht immer allzu bequem 
sprechbarer reichthum an dieser stelle auffällig absticht von 
der weitaus eingeschränkteren anzahl solcher wortanfänge in 
der spräche des Römers. 

3. Palatale besitzen gr. und lat., auch got. keine, einzig 
jot, als consonantischen t-laut abgerechnet. Dies also in Wider- 
spruch mit skr., slavischem, italienischem, englischem, wo sie, 
obschon verhältnismässig erst nachgeborne Spätlinge, blühen. 
Also hierin stimmen die beiden classischen sprachen uberein; 
nur dass doch jot im griechischen höchstens spurweise ver- 
blieben. 

Wir wollen aber hier nur noch einen wichtigen unter- 
schied berühren, wodurch sich im berciche der consonanten 
das latein vom griechischen entfernt. Letzteres stellt sein {p 
(ph, nicht f) dem indischen bh sowie ^ (th) dem dh, endlich % 
(th, und viell. nicht ganz wie deutsches ch) dem h {gh ist selten, 
und dass h stets aus älterem gh entstanden, wie man neuer- 
dmgs bloss heischweise behauptet, ist unerwiesene fabel) gegen- 
über, und vertauscht sonach die tönenden aspiratä mit dumpfen 
(surdae). Das armenische (s. Hübschmann, Entgegnung an 
De Lagarde hinter Dmz. XKXIV, lieft IV, s. 2) hat, also wie 
das gotische, den indischen aspirirten media den hauch ge- 
raubt, derart dass 6ä, ghy dh m b, g, d wurden. Der umge- 
kehrte fail von dem, welcher gelegentlich im s. vorkommt, 
wenn von jenen aspiratä nach auskemung nichts als h übrig 
bleibt. In acht lateinischen Wörtern (sonderbar ist th in Ofho) 



160 A. F. Potl, 

giel)l es kein i/, noch % (eigenth, Gracchus; brackinm; s^uUAntm, 
puUJiey liüclistcits spüt unter usitir. eiiilluäs von r). Auch ent- 
spricht f, wie sclioii aus dem bekannten beispiele (Fandanius) 
bei Cicero {s, C, Ausspr. 1*, 137, 173) hervorgeht, der aus- 
spräche nacli mit nicliten dem gr. tf, wenn schon dies Rangabe 
a. a. o. s. 17, auf die jetzige ausspräche sich berufend, zuver- 
sichtlich behauptet. Streng genoinuien besitzt also das latein 
keine aspiratä, sondern nur die Spiranten /' und h, welche 
ihrerseits dem gr. abgehen. Ich pflichte nämlich Corssen voll- 
kommen bei, wcim er K/.. 19, 190 f. Ascoli's hypothese von 
angeblich uritalischen tenuisaspiraten für die uns zugängliche 
zeit verwirft. Der gr. asper im anlaute, oder auch mundartlich 
inlautend, ist stets, wo uicht hyslerogen als blosse Verstärkung 
des lenis (z. b. Innog, vois^og, s. uttara), an stelle anderer 
laute, w, jot und sigma, auch sv getreten. Nur in von dort 
nach Italien herübergenonnneiien Ichnwörtern b^egnet sich h 
mit asper, wie z. b. in liUaris, ila^ög. Falsch wäi-e aber etwa 
herleitung von kiems, dessen /* dem im s. kmia, schnee, und x 
in x"/**"*" etymologisch gleichkommt, aus ve^p, wie man sie 
wohl ehemals versuchte. — In der mitte zwischen vocalen, 
also tönenden lauten, was das alte s nicht ist, später auch 
am ende, sehen wir dagegen den Lateiner häufig r, weil tönen- 
den vocalen näher gerückt, für s anwenden, was auch in ger- 
manischen mundarten oft genug vorkommt, häufig unter darauf 
vorbereitender Vermittlung eines e, d, h. weichen ziscbers, im 
gotischen. Der Grieche, nur am ende sich mundartlich ein q sI. 
S gestattend, zog vor, in ähnlichen fallen eine lücke zu lassen 
trol2 des hieraus entstehenden hiatus. Beispiele: uro mit d 
st. 6 in skr. osMmi, gr. tvat mit asper, der wohl als Stellver- 
treter von a in der mitte nach vorn sprang. Der zischer hat 
sich unter dem schütze des harten t erhallen in ustus, und gr. 
mit anderem diphth. nr(tava-i^g, die sich im feuer verbrennende 
lichtmutte. Auch m'Qcivyov, kohtenpfannc, ohne a. Mtats, 
fi<6£s, bei uns noch mause. Auris, ohr, got. auso, ov-a^ 
Aliärum, diXä-wv, s. anpäsäm. Der elische dialect hat hier 
äv, z. b. TÜf, tiftäv, noinäf. Opus, cris, s. dpas, asas; genus, 
tvis, yivoi;, f2-og. — Wälirend aber meist v in c untergeht, 
hat doch das gr. im sigmatischen aor. hinter liqq. in der späte- 
ren Sprache ff, zuerst durch assimilation, verloren, wofür sich 
dann längung in der Wurzelsilbe an die stelle setzte. Lat., als 



[Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 161 

hinter blossem n, sehr vereinsamt im perf. man-si, während gr. 
aor. sfisiva. Vgl. auch s. amansi aor. med. von man, denken. 
F aber hat nicht nur indisches bh und sein gr. gegenbild q> 
(z. b. fui, (pvta, s. bhü) etymologisch zu vertreten, sondern muss 
(s. Corssen, Ausspr.), wie dienstwilligste aushülfe, noch andere 
rollen mit übernehmen. Nicht genug, dass es, wie der Spanier 
eine menge von h hat für lat,/*(z. b. hijo = filius; walach. han, 
kirche, aus fanum; auch frz. hors = foris), s. Diez, P 184 flf., 
zuweilen umgekehrt mit h wechselt, sehen wir es auch gar 
nicht selten, in das gebiet der dentale hinübergreifend, an stelle 
des zwar nicht homorganen, doch homogenen s. dh, gr. ^ treten. 
So f sLh in fedus st. fioMm, dem die ursprünglichkeit des gult. 
durch unser geiss, e. goat an die stirn geschrieben ist. Ferner 
nach Festus helus et helusa (also noch mit s) dicehant, quod 
nunc holus et holera. Somit, allem vermuthen nach, wie auch 
ölesco (gls. grün werden? und virgo zu vireo, vgl. adolescens?) 
gleichstämmig mit x^^V^ s» ^^^^^ (übrigens auch hliarüa\ grün. 
Zu letzterem verhielte sich nun lat. fei, fellis nicht anders wie 
mel, mellis (tt aus U) zu (iiXi(Tj, trotzdem dass x^^ und galle 
mit gutt. daneben stehen. Eine andere form aber ist folus und 
ohne köpf olus, wie unser das h von s. hansa, %viv (ohne er), 
unserem gans, nicht mehr besitzt. — Auch scheint odium, wo 
nicht Ä selbst, doch einen gutt. eingebüsst zu haben. Auf- 
fallend wäre h, wenn unverschoben (vgl. jedoch hairto, s. hrd, 
und trotzdem xaqdia, cor\ in, doch unstreitig verwandtem got. 
hatjan, hassen. Wenn ex^ofim, wiese dessen x^ etwa auf em 
früheres x^ Wn', welches freilich dadurch in eine bedenkliche 
nähe zu s. had und xodog rückte. In fundo, part. fons, vgl. 
Xitovj fidüis u. s. w. ist gr. x (s- Wwb. nr. 257) verborgen, 
vgl. got. giiäan, giessen. Aber hümeo zu x^f*^^ o^^^ üvens? — 
Es mag zweifelhaft sein, ob man in nihüum (nicht ein faser- 
chen) oder filum den früheren laut vor sich habe. In herba 
zur Seite von qiiQßw, (poqß^ (denn forbea ist kaum etwas an- 
deres als den Griechen abgeborgtes (poQßsid) hat sich h einge- 
stellt, gleichwie in Jiaba, ebenso im span., statt des üblicheren 
fäba, poln. bob. Ofifenbar zur ausbeuge vor lästiger Wiederkehr 
zweier labiale. Anderseits viell. ßrus, ßra neben x^^q, aber 
auch 0^Q. Nur scheinbar unser thier, altschwed. diur, weil 
deren r aus 8 im got. neutr. dius, d. pl. diumm, hervorgegangen, 
welches sich fast wie eine erweiterung von ksl. ditM, wild, aus- 

ZeUschrift f&r vorgl. Spraclif. X. F. VI. 2. 1 1 



163 A. F. Pott, 

nimmt. MikL lex. bringt unbedonklich ksl. evjer" mit *^f zusam- 
men, was, auch wenn man e aus h entstanden glaubt, nicht sehr 
einleuchtend. Ben. s. Iü3 stellt mhd. her, bar, mit fera zu- 
sammen. (Diicttio's st. ©eiraAös Bbelfr. V 325 auf böot. in^ 
Schriften, falls richtig gelesen. Auch spricht man ja im russ. 
vulg. Märfa f. Märflia und FHor st. TJteodiir. Fhilophei, auch 
mit th, ist umgedreht s. v. a. TlieopitW. Der general Fadejeto 
doch wohl aus Tiiaddäm. Schon aus dem j. 944 kennt Thomsen, 
Urspr. d. russ. Sf , s. 143 den altn. egn. Thorstein in russ. Fur'sUiv 
umgewandelt. — Ferner sei erwähnt aus Neumann, Gescb. d. 
engi.-cliin. Kriegs s. 191: »Die verwandten laute H und F 
.liverden auch im chinesischen mit einander verwechselt. Im 
Kantoner dialekte wird Humen oder tigerpforte (d. i. mündung 
des Tschukiang oder perlen-, auch Pckiang, nordfluss) F\imein 
ausgesprochen.« Kein wunder, dass auch gh Im e. etwugh f 
lautet, obschon unser gemtg. Haben wir ja gleichfalls nd. 
schadif, woher schadttel/ialm, st. schert (ax^ntgov, seapHS), hol), 
sgagt, wie (fragi neben graft, graben. 

Nun ist es aber eine eigenthümlichkeit des latein, dass in 
ihm — nur muss man compp, , wie offerre, st^erre, ttifimtas, 
-fer, -ßctts, -/'acere, nicht mitzählen, — inlautend gar weQige 
/"vorkommen. Rufus; sißare {frz. sifßer) neben milderem 
sä>iiare; bufo mit lauten, welche das aufblähen der kröte nach- 
ahmen; vafer (zu poln. toabic, anlocken?); offa. Das rührt 
daher: /", welchen Ursprung es auch habe, verweichlichte sich 
an dieser stelle zu h. — So mit sskr. abhi, bei, und nicht trotz 
n69t dgl. adki (ad, also mit ff st. dh durch fortlassen des 
hauches), lat. i-bi, urabr. noch i-fe, vgl. avtöipf. Desgl. tibi 
(das vordere i durch assim. st. «), umbr. lefe, s. tvbh^m. In 
merkwürdigem einverständniss aber »tiAt, wie s. mahy-am mit 
h, um der häufung von labialen aus dem wege zu gehen. 
Somit hier auskernung der aspirata zu blossem hauche, wie 
auch sonst öfters im sskr., z. b. hita, von ä/i(j, ein imper. hi 
sL dAi, gr. nur Ü-t. So erklären sich nun rufta und ruber als 
blosse Varianten von dlt in s. rttdhira, blut, allein rokita (A st dh), 
roth, iQMv&io, iQv&QÖg, goth. rands Wwb. nr. 1468. Allein, 
hat man den muth, nttüus (wie pumilus, vgl. nvyfuiTog; mutilM, 
nubiltis, sibilus, tgoxtios, noiitiXog, bei Grimm fech, bunt, lat. 
pieus, pica, s. pS^a, verziert) und rnssas (aus d -\- t) trotz 
ihres dent. davon zu trennen? Ich dächte vielmehr, selbst ein 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 16S 

des hanches beraubtes dh in gestalt von hartem i lässt sich 
für das lat, übrigens nur inlautend, nicht ganz hinwegläugnen, 
obschon dieser Wechsel hier befremdlicher ist, als bei der gr. 
geltung von ^, d. i. th, trotz herkunft aus dh im sskr. jittvif 
unstreitig doch, seines % ungeachtet, von ald^on, wie auch Lemnos 
soll als vulkanische insel jiix^äX^ benannt sein. Auch ^iTTfj, 
woher entlehnt Latona, ward nicht uneben, bedünkt mich, — 
vielleicht in mundartlicher abwelchung von der heerstrasse, — 
»verbergerin« , nämlich als die urnacht geheissen, aus deren 
schoosse naturgemäss der himmel, das ist ja buchstäblich Zeus, 
das geschwisterpaar, sonne und mond, hervorgehen liess. Licht 
und finsterniss sind feinde, was sich in dem indischen mythus 
von Rähu kund giebt. Auch er stellt die finsterniss (etwa als 
der einsame, geheime, von rah, und nicht von rdbh, ergreifen?) 
vor, welche durch den Unsterblichkeitstrank ewig zu werden 
drohte. Daran durch die beiden hauptgestirne gehindert rächt 
er sich von zeit zu zeit an deren Verfinsterung. Dass ihn das 
epos zum söhne des Vipracitti (als adj. scharfsinnig) und der 
Sinhikä (d. i. löwin) macht, soll ihn, vermuthe ich, als ein mit 
Weisheit (die im verborgenen ruht) und kraft ausgestattetes 
wesen hinstellen, welches in prometheischem übermuth mit den 
göttem des lichtes den kämpf aufnehmen möchte. Stellt sich doch 
unweigerlich lateo zu Xa&^ Xf]&fiy äXfj&'^q^ und patior zu na&. 
Grassmanns argumentationen dagegen Ez. XII, 86. 120 haben 
nichts zwingendes. Gleichstellung von offendere, anstossen, und 
defendere, abschlagen, gegen infensus (aus s. han Wwb. nr. 579 
mit Zusatz, wie ten-dere) mit hadh halte ich für verfehlt. S. s. 171. 
Weniger einleuchtend cutis, mhd. Mi, iyxvzi (in ctUe) als schwer- 
lich zu «ct^» (lat. daher cauda? Doch s. sskr. gtM) gehörig, sondern 
zu coKoeo, als schwesterform zu s. sku, woher axvtog^ acutum. — 
Auch in put6re (Wwb^ nr. 298) ist t nicht aus dem zusätzlichen 
d in nv%^sa^a$ zu deuten, sondern participial. Vgl. armen. 
pkut (faul, mhd. vül, verdorben) und daher phtü, faulen. Or. 
und Occ. ni, 81. Der see Püitika (der stinkende) zufolge Justi, 
Btr. z. allen Geogr. Persiens s. 9. Also nicht der reinigende? 
Päiare hat auch mit s. budh, nv& nichts gemein. Es bezeichnet 
ja ög. reinigen (z. b. von allem unnützen holz). Amputare. 

Die lat. tempp. amdbam (mit hinten angehängtem indischöi 
impert a-iJia'iMJim) und fut. amdbo (mit präs. zu s. hhü, vgl 

ifioim^ wachsen, werden) entstammen der ssk. wz. IM, 

11* 



164 A. F. PoU, 

lat. /u (bei mir n. 310). Von dieser schlechthin wohlbegrOn- 
deten meinung abzugehen, fühle ich mich nicht durch die 
neuerdings aufgebrachte ansiebt bewogen, als steckten darin 
bildungen aus s. dhä, jiiHvai, im sinne unseres tkun. Also 
analog mit dfivva^ov, eTv<f^>jv, rtX^ita dgl. im griech., oder mit 
dem germ. schw. prät., welches indess Begemann eigenlhüm- 
licher lautverhältnisse halber zum part. prät. bringen will. Ich 
läugne das schon aus dem gründe, weil dJui im lat. in abdere u, s. w., 
s. sp., dureh d vertreten wird. Uelwrdies bedenke man den 
ausdrücklich futuralen gebrauch von ags. beo, auch beom 
(s. bkavämi, ich bin), gegenüber dem präs. eom (sum, stfti) 
Grimm I, 909. 1051. au^. 2. Ausserdem liegt ja in der wz. 
6ÄÄ nicht sowohl der begriff des starren seins als vielmehr 
des beweglichen und lebendigen werdens. Desgl. sieht zufolge 
Hoernle, Gaudian languages 1880, p. 361, note 2 das prät. 
hhail oder hhayal nicht als reines aux., sondern bed. He hecame, 
um den mtfang einer handlung zu bezeichnen. SJahat boj/td 
He begau saying. Das ist ohne zweifei s, bhavüast bhavya, 
gegenwärtig, allein auch >im begriiT stehend zu werden«. Vgl. als 
gewächs ksl. biW (Jterba, olus) von imti, ytrvtaifat, stvat. Im 
zd. paiii-pcregeinnd bva (part. mit 1. sg. aor., wie Justi ei^ 
klärt) bei ihm s. 186. 215. 401 nr. 607 s. V. a. Ich werde 
fragen. 

Auch ist die italische perfect-bildung secundärer art mit 
-PI, -n» aus fuvi (s. Wwb. I, 1197) unbestreitbar. Vergebens 
sträubt sich Tafel, A review of some points in Bopp's Comp. 
Gr. 1861 p. 40 dagegen. Es sollen die oskischen formen 
aamana-ffed, aikäa-fcd Mommsen, U. Dial. s. 234 und umbr. 
pihafei (piavi), anibrefurent bloss v za f verhärtet haben. Und 
wolier dann v und u, falls nicht aus fuvi, später fui, welches 
im osk. den weicheren, im lat. den härteren labial, beide male 
um der dissimilation willen aufgab? Mit rein wllkürlichem 
einschub zur Vermeidung des hiatus ist es nicht getlian, F^toi 
selbst, ßuvius dgl., entwickeln diesen cons. eben nur aus « und 
verwandten lippenvocalen, wie z. b. boi-es. Dafür zeugt, auss^ 
den bekannten sanskrit- regeln , u. aa. auch das magyarische. 
Man sagt hierin also z. b. lovak, pferde, von lo, aber lavat, 
teiche, von tö. Fävek gräser, v. fit, BSvebb, weiter, von W. 
F^rok, präs. v. ftini, blasen. — Nur kurz für jetzt: wie »schia- 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 165 

1871 des letzleren theorien über die genannten lat. tempp. er- 
scheinen, ich vermag sie durchaus nicht für wahr zu halten 
ungeachtet eines gewissen Scheines von niöglichkeit. Dasselbe 
gilt von Studio glottologico del prof. dott. F. 6. Fumi sulla 
formazione lat. del pret. e fut. imperfetti in II R. Liceo Chiabrera 
in Savona. Milano 1875. Joh. Schmidt, La formation des futures 
cet., der p. 36 mit mir die bildung des fut aus wz. fu anerkennt, 
nur dass er, was ich wegen conj. fuam bezweifele, eine mit (fvito 
stimmende form (etwa fio?) verlangt, von mirWwb. III, s. 12 
für unnöthig erachtet. — Auch probus (gls. pro re, sachgemäss 
seiend, vgl. prodesse) und superhus halte ich mit fu, unter ver- 
wischen von dessen u vor dem suff., zusammengesetzt. Nach 
meinem dafürhalten steht aber letzteres dem vn€()(pv^g nähert 
als demjenigen worte, womit es üblicher weise in Verbindung 
gebracht wird. 'Ynigßiog als mit ßia comp. Hesse im lat 
ausser i auch ein v (wegen vis) erwarten. 

An das fut. auf -bo schliessen sich, und, ich glaube hierin 
nicht zu irren, in überaus passender weise, die adjectiv-suffixe 
Ihüis und b-undtts an. (Ueber -bulum und -brum, letzteres zu 
ferre s. zu Humb. I, 434.). Dem b4lis liegt das einfache -iZis 
zum gründe, welches bequem nur an starke verba (doch z. b. 
docUis s. u.; viell. manälis neben nianaMlis) sich anschliesst. 
Die flüchtige natur dieses Ui aber, sei es nun in betreff des 
kinderhaft verkleinernden l, vgl. ob. iltis, oder des zwei- 
fachen, mittelst raschester tonschwingung hervorgebrachten i 
wegen hat etwas malerisches an sich. Durch beides zusammen 
mvd treffend die leichtigkeit, andere male auch die unbezweifel- 
bare Würdigkeit, eines geschehens, und zwar in passivform, 
unserm gefühle veranschaulicht. Agilis, facilis, fragüis, tMis, 
aber auch täibüis, nubilis u. s. w. Diese im gegensatze, und 
zwar symbolischem, mit adj. auf -tUus, schon wegen dessen 
dumpfem u, das ein achtes, kein secundäres aus der o-familie, 
sein möchte, und begrifflicherseits , weil die mittelst seiner ge- 
bildeten Wörter activ-bedeutung haben. Z. b. bibtdtts, anders 
bibilis; credulus gegen credibilis; convolvtdus (sich zusammen- 
wickelnd), nicht wie volubäis; sSdtdm, wie asstduus, aber deses 
(vgl. desinere)^ und ganz verschiedener art sessilis. Figulus^ 
fictilis, wovon weit entfernt das späte fingibüis. Cramdus, por 
tulus, pendidus neben pensilis, stridulus, tremulus, tumulus. 
Von deminutiven auf ulus, ula oder tdum (vgl. gr. viJuav^ also 



166 A- f- Polt, 

14 vor { vielleicht urspr.) sind die obigen Wörter schon durch 
ihre herkunft aus vcrbcn unterschieden. Ebenso von denomi- 
nativen, wie kurnüis, %9analöi, und similis, 6pai.6t, nebst parilis. 
Auch nebenformen pumilis und sterüam st. et». 'O^aXif, q>v- 
ttakif. Vgl. s. baJiala, bahula, dicht, dick, von haAh; naxviii. 
Yasula hypokor. von Vasudatta, Da alwr unser suff. üi auf 
etwas hinweist, nicht was ist oder schon ^var, sondan auf 
etwas, was eventuell geschehen kann, nicht, wie das genin- 
divum, soll oder muss, wird man seinen häufigen an- 
schluss an das fut., als tempus der noch unverwirklichten 
möglichkeit, voUkomnien in der Ordnung finden. Zumal 
dies, weil durch jenes futurale b in vielen lallen dergleichen 
bildung, wo nicht erst ermöglicht, doch sehr erleichtert wird. 
So von I, stabilis, ttteabäis, IL flebilis, itidelebilis. Indess auch, 
wie dodus, habittta keinesweges S hewahven, horrütilis, terribiiis; 
äocibilis, ja ohne h: docilis (leicht zu beiehren). Habüis (leicht 
gehandhabt), ggs. debilis, was demnach kaum mvaUdus und 
zu s. hala, kraft. Das de wie in deses gegen sedvius. — Dass 
die ni, und IV. für gewöhnlich kein fut. auf -bo besitzen (doch 
z. b. reddibo wie dabo; Ao), darf uns nicht beirren. Daher 
dann, der grossen heerde folgend, incredibilis, patibüis; sei- 
bÜis u. s. f. Mö-bäis, vgl. mö-tus, und n6-iäis, d. i. aoeiy 
fcemienswerth, ansehnlich, wie mnabüis, Solübüis wie volubili$ 
mit u an stelle des v im pr&s. Solutüis jenem glcichzueteilen, 
wie versucht worden, sämmtliche formen auf 4äis, z. b. edtäia, 
volaiäis, mit denen auf -biHa etymologisch zu identificiren , ist 
ein eiteles bemühen. Viele dieser bildungen gehören, wie be- 
kannt, erst der periode sinkender latinität an, und so auch 
possibilis. Visibüis zeigt ein gesteht, als enthalte es mit hftu- 
fung der suff. nicht nur s (st. t) und b vor ilis. Oder sollte es 
von viso, genau besehen, kommen? Man beachte übrigens auch 
mdivisibilis, wie von indivisus, freilich mit einem gewissen 
Widerspruche zwischen perf. und fut. Ganz entschieden vom 
part. pensüia, aessilis. Auch aupelledilis zu supellex, aus leehia, 
was sich übereinander sammeln, wo nicht legen? lässt. üten- 
säia, etwa >den «tentea genehm« und durch abirrung in das 
gebiet derer auf -tüis (-siiis)? Ignitabvlum besitzt t verm. kraft 
eines vorweggenommenen freq, von ignire nach weise von 
mtabidwa, susdtahulum , wog^^en das / von aeeMmlum aus 
1 stammt. 



I^leio u- griMh. in einiF«n ihrer iridiUfsUn laukiatenc biede. |S7 



In ähnlicher weise stellt sich nun such neben da« penin* 
diruin. jedoch ohne beiinischiing passlrcn und nöthjgunfr aus- 
drückenden ?inQt$. z. b. orimMdKS, sonie. ficicLfails von einem 
dep. aufgehend. m^iri^Mit/ius , im fterben begriffen . — somit 
fulural! Tn-mui/tauiHs . zitternd, freaubundus, rauEcliend. ^emr>- 
btaiAt$. SaiafjtuiHus. ^ofan-immesd . aber natobüit und tioto- 
titis i'nie nJatilif, uad. als ginge es von eirA-in vcii^ nach I. 
aus, fitiriaiijifu wa~ schwimmen kann. Pud\Mtndut. riäiiUmAm. 
UfegibtmdMf auffallend wegen i. Nicht seilen aber ferner mit 
Vorschub eines r.- jjütvndus: fäfvndu». rubkmndtie, rtreamäms. 
C Aus^T. P. 294. Mir unwahrscheinlich, dies c sei «doh 
▼erbum enlfftrossen. Ich rathe auf einen zusalz. wie z. b. io 
aOntarc, fodioare. vdiitan. 

Auf den efslen blick sonderbarer und in scbeinbarem 
Widerspruche mit dem ginne von Uif. ais möglithlieJt aoaeigend, 
stellt 9ch dessen rerblndung von i oder f vor sich dar. wa« 
doch, am naiüriidislen auf dae pajl. prät. im pase. zurück- 
fBfübrl. danach aiif etwa: schon abgethanee eidi bezi«4d. 
' ~ fcwiDdet. sobald irir, und ich dächte. 

I parL etjmotoKJsch fkucbkucuueode 
D« bat ja ifti^ii aicM 
<kr -'r t^äMAt, sondfra sudi irtHMTafagi. 
wenleo. Bdbst ^esBlrt, «r «Mte «• 
im i&tein z. b. imvidimt. ufibeeie^ 
Man zleät. so oi sagen, vor der 
I BciüusE auf gleichen forl^^ang in 
es der eprache gewie« nur mt 
• paeFivität an bei der wtdit dee 
, cimediiee den io jenem liegenden 
tietap. tcjJta.'ia, viUtie; 




aber fittüis EU 



i'oti film 
T|;L auliU 

lllint. 

tiiiev inneren g. Ut. ^ zü b 
w'if ja auch im germ. Uiw 

VOM inaticbeui unübarief 
iger gururdttrl wird, 
üd. an ölt'tli' von In 





168 A. F. Polt, 

sal) entgegengcselzlcr Wechsel erscheint doch unstreitig nalur- 
gemässer, als etwa der Umtausch von gh mit e, Z. b. zd. ga- 
renia, warm, s. gharma, aber sitna, lat. hienis, s. hima, schnee. 
Gaosha (auris, ohr) von gtish, hören, goth. Juiusjan; s. ghtisli, 
ertönen. GJina, wie im sskr., schlagend, aber ^'aw^* st. sskr. 
hatUi, wogegen im part. perf. jagJmväo, s. jaghuivas. Ist es da 
so gewiss, gJuin mit gh, wie man neuerdings behauptet, sei 
durchweg das ursprüngliche, und nicht, wie die indischen 
grammatiker wollen, bloss ausnahmsweise das gh secundär für 
h? Ersteres mag für den gegebenen fall seine richtigkeit haben, 
wiewohl auch hier, s. bald, Schwierigkeiten nicht fehlen. Für 
imerhörte kühnheit erachte ich dagegen ein erdichtetes *agham 
für s. äham = zd. azefn, ksl. jaz\ Man hat aber jene falsche 
münze, wie viele andere, so oft von band zu band gegeben, 
dass es für selbstverständlich gilt, sie als acht hinzunehmen. 
Das g in iYcip, ego, goth. iJc, bedarf keiner in solchem maasse 
zweifelhaften stütze. Als ob nicht auch gelegentlich im griech. 
eine milderung von h zu g habe eintreten können, wie in 
unserem ga7is st. s. hansa, worin keine spur von gh! Uebrigens 
behaupte ich vor wie nach, ah-iim ist verbalen Ursprungs, und 
bedeutet: Ich jener (vgl. awm), welcher da spricht. Aus aha, 
lat. ait (mit ausfall von h, wie in mih, lat. niejo)^ ^. Vgl. fjx^, ^x«- 
So wird auch in Bunsen, Three diss. p. 298, chin. ^igb (I) und 
ngb BecUe, sjyeak, speaMng zusammengehalten. Weitere bei- 
spiele: dXJLaY^vat, aber dXXaxovj und m. dgl. im aor. 2. pass. 
JtoQvy^j das verm. später als dto^vx^» Ov^dtt^Q st. duliüar, 
mit hauch - Umstellung dort. Besonders aber im lat. ein ng, 
welches zuweilen einfachem 7* ohne nasal gegenübersteht, so dass 
dieser sich möglicher weise erst nachträglich einschlich. Lingo, 
iU^xo», s. lih, Mingo, mejo (st. h oder g mit i dahinter, wie 
Ciip-io?), dfjux^a^ s. mih. Ängo, «yx», ayx*> d- ^Hf^- -^Wjrttis, 
«XK, s. o/m. — Unguis, ovvx^g, s. nakha (also iA), nagel, Kz, 
XII, s. 85, als ob zu rrcrcrai, vv»x^^^^ Wx/u« und vvy^a, — Mit 
gleicher Umstellung und h für asp. lab. umhilictis, ofi^falog habet, 
s. fiähhi, ebenfalls nahe. Frz. lunhenj (nmbilicus) Thurot, Exlr. 
p. 530, also verm. wie frz. nomhril, d. h. derart, dass l (nach- 
mals durch n abgelöst) den aitikel vorstellt. Vielleicht auch umbo, 
buckel des Schildes, als dessen mitte. Dafern jedoch äfAßwv 
dessen erhöhter rand, hiesse dieser passender so von ävd oder 
d/Mpi mit ßd, gehend. Etwa auch umbra zu nubo und vvfAtp^ 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 169 

trotz nebtila, veipiXij? — Longus, unser lang, wenn etwa d ab- 
gestossen (vgl. lith. ilgas) und einverstanden mit d6h%og^ s. 
dirgha, wozu dräghiman, länge, ^aycig, im fall zu s. langh, 
springen auf; überschreiten. Kirste s. 62. Die alten wollten 
den l^us zu einem leichtfuss machen, was freilich die form 
verbietet. Sonst erinnert das griech. wort einigermaassen an 
laghü, woher iXaxvg, levis mit ausfall des gutt. — Auch steht 
ysvvg^ kinn, gegenüber dem s. hanu, Neo entbehrt das 7t, 
wie vSdOy vr^ta, was doch in nedOy und s. 'nah, vorhanden, 
wovon freilich das fut. natsyati lautet, als ob \onnadh. Dtico, 
wenn zu s. daJi Wwb. nr. 1428. Traho. Velio^ wie s. vah. 
Äugeo, wachsen, s. vaksh, zd. vakhsh, av^dvo), auch lat. auxilitim 
(aus einem adj. auf -ili, wie coficümm, wenn letzteres nicht zu 
xaXstv) gls. als Vermehrung, lassen den ursprünglichen cons. 
vor der Steigerung nicht erkennen. Wwb. II, 1. s. 589. 

Weiter: oq^pog, orbus; äXtfog^ albus, Sorheo, gocpio). 1^fA(p(a, 
ambo; ä(A(piy ambi-, deutsch um st. unib, lifi^ogsvg mit meiden 
des einen y neben a(i(p$(fOQ€vg^ vgl. dfAy)(oijgj und dl(fQog (zwei 
tragender sitz), aber ahd. zui-bar^ mhd. züber, gefäss mit zwei 
griffen, gegen eimber, einbe7' (eimer), nur an einem getragen, 
Ben. I 142, vgl. mamibrium hinten und ää. zu Humb. — S. lubh, 
lat. liibei, Übet, und lieben. Lambo, labium, labrum, lippe, Xdntna, 
Xilufpa, aber auch la(pv(sa<a, gierig fressen. Kvnxta^ xixvffa, 
sich bücken, xryog, etwa gebogen (kaum gibbus) und dazu 
wohl cumbere, cvibare. — Glübere und glü-nia (mit Verlust von 
6, vgl. rä-mtis neben radivs, ^ddt^^ ruthe), und xslitpfi, schale, 
auch kahn, vgl. canna, etwa als nussschale zu xaqvov. K vorn 
viell., um wieder mit dem dumpfen y ins gleichgewicht zu 
kommen. Dies also nicht vom bedecken (xalvßij, obdach, laube, 
ahd. louba), xalvnxca^ das freilich wie auseinander gezerrtes 
xQvntfA, xQvg)&og sich ausnimmt; aber auch an occulere, und 
verhüllen anklingt, deren u indess blosser umlaut ist vom ahd. 
helan. Vielmehr als ausgeschältes zu yliffca, wie glaber zu 
ylaquA. Bloss damit verschwisterte formen sind scul^w, scalpo. 
2xoXvmi»y stutzen, abschneiden. Allein auch abschälen, ab- 
bauten, wie deglübere, und daher, weil zugespitzt, (Sxoloxp, pfähl, 
und aus diesem, ihres langen schnabcls wegen, axoXond^^ 
Schnepfe. Wiederum schaben nebst lat. scabo; scöbis, was beim 
schaben abfallt. Sxdmao^ graben, und daher (fxd(f>og, das graben; 
der graben, grübe, nachen, scapim. Mhd. durch r verstärkt und 



170 A. F. Pott. 

rauher gemacht schriffe, sehraf, rcisse, ritze, kratze, und daher 
sehrapfe, kratze, schrappe. Ben. s. 216. Dazu aber nicht nur 
lat. scrobis, grübe, und als wüblondc sau scrofa, sondern auch 
einfacheres graben nebst YCl*f^? Kirstc s. 73 und — f^dtp». 
Dem gr. ^«7^, qdXatva, latinisirl balacna begegnen mhd. toal, 
toalvisch, allein ags. hval, an. hvalr, merkwürdiger weise indess 
auch pers. wdl A whale. Cetus. Gast. Lex. p. 517. 

Lat. /"an stelle von s. d/i, gr. *, allein auch wieder im 
Inlaut zu i gemildert. Z. b. Wwb. nr. 283 fmnus. Vgl, itvf*a, 
räucherwerk, thts bloss aus Ovog entlehnt. Ich weiss nicht, 
ob fiintis als leichenverbrennung bieher, da möglicher weise 
auch, wie b-tis-tum, fus-a(s (brandfa^big) , mit Verlust von s 
(i^l, prüna) aus einem comp, von uro, s. itshna. Auch etwa 
mit i, wovor u unterdrückt, sufßre, fimus, foetere, viel!, über- 
tragen foe-dus. Vielleicht auch ittXov (mit verlust von r st. ew vor 
»?), Schwefel. Ahrens, Dial. Dor, p. 122. Mhd. («im, dunst, 
duft (alle vorn mit dent), got. dauns, dunst, geruch. S. dhOma 
und dhiipa, räucherwerk. — Siiffl&mcn, der hemmschuh, natür- 
lich nicht zu sufflare, blasen. Vielmehr aus ^läa, ion. st. 
i>läa, wie eine lesart ^Xißm st. i/lißm, drücken, pressen, be- 
drängen, was leichthin an got. drciban, treiben, erinnert. Von 
lat, ßigo, affligo, confligo (mit langem ?, wie in iflißa) könnte 
man meinen, es spiegele sich, unter Voraussetzung eintausches 
von g für ß, der dissimilation zu liebe, in dem gr, \vorte. Je- 
doch erheben viell. got. lUggvan, schlagen, und threikan, &lißstv 
hiegcgen einsprach. — &Qavt», zerbrechen, 5-gai'tf/ia , bruch- 
stück, if^avardg, zerbrochen, doch wohl la.1. frustwn, und etwa 
auch fratis, dis, als gis. jemandem angethaner abbruch? — Eine 
gewisse ähnliche bedrängniss empfindet man bei der wähl 
zwischen iHgm, erhitzen, itißog, sommer, ^egpoe und ]at.formu8, 
sowie ivarm, got. varmjan, 9-älL7ttiv, wohl gar lat. veru, auf der 
andern seite. •) Vollends unter hinzunahme von s. gfiarmei, 
gluth, wärme, aus ghar, leuchten, mit seinen entschiedenen an- 
verwandten im slawischen, gorjeti (ardere), (;jy'e;j'{calefacere). Von 
formus lassen sich doch füglich nicht ftimtis, fomax (kaum wie 

■) Auch tfBQv/tof toi/itiQÖ; und äifBQVftos' Siolftes will Schtnalfeld in 
Fleckeiaen, Jhb. 1876 or. 3 s. 306, des fervena animiu wegen, lu 9tgiu 
bringen, freilich ^^ttais ^ s. dkräii fSlschlich einmetigend. Sollte abn 
oiäovuoc nicht zu feruK. ferox aetittmn? 



lAtein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 171 

ob. fus-cus) trennen. Dann aber wieder fervco, auch ferbeo 
(etwa von einem adj. auf -vo, vgl. furvus, curvtis dgl.) und 
febris, das sich allenfalls zu dor. x^tßQog (ßq aus (aq) st. y^sQ^og 
halten Hesse? Und wenigstens an sie erinnernd unser brennen und 
braten. — Für offendo (woran stossen) und defendo (abschlagend 
vertheidigen) bieten sich auch verschiedene möglichkeiten der 
anknüpfung, s. Wwb. nr. 579. An nasalirung von s. badhy 
ags. beado, nord. böd (pugna), Grafif III 61, oder gar e. baUle, 
frz. baUre zu laL batuere, dächte ich zuletzt. Vielmehr deutet 
alles auf einen zusatz, wie den in ten^. Sonst aber könnte 
man wählen, etwa zwischen inetpvov, den qtovoq als todtschlag 
gedacht, oder ^sivta. Corssen, beitr. s. 185. Am natürlichsten 
bedankt mich aber zusammenhalten mit s. /^an, schlagen, tödt- 
lich treffen; apa-han, wegschlagen, wegstossen; abtreiben, ab- 
wehren; abhirhany treffen mit schlag oder wurf; gJiana, keule. 
Pers. täbar-0ad (s. hata), mit dem beil zerschlagen, als name 
harten zuckers, Dmz. XXIII 192. Auch, zurückweisend auf ghan 
mit gh, ir. ni gom (non vulnerat u. s. w.) Stokes, Kbeitr. VII 
61 vgl 63. — Fremo verträgt sich viell. besser mit xQeiASxilifo 
als mit ß^ifiea. — Fleo doch wohl eher nebenform von fltM, 
als mit x)^i(», vom lauten weinen. — Fingere, figtdiis, figura, 
vom formen zunächst wohl aus weicher masse. Mhd. teic, 
weich, teic, got. daigs, teig, schickte sich doch nicht übel zu 
got deigan^ bilden, gadikis, gen.? nldaf^a, S. Wwb. nr. 1177. 
Dazu auch etwa %ei%og und vot^oq, des zu ihrer hcrstellung ver- 
wendeten lehmes oder mörtels wegen. Vgl s. dehi aufwurf, 
dämm, wall, aus dih, bestreichen, verstreichen, verkitten, salben, 
nr. 1427, das freilich, wäre Tiyt^ nicht, sich enger an tingo 
aiUEUsehmiegen scheinen könnte. &iYYav(a steht, als blosses be- 
rühren, verm. zu weit ab. üebrigens müsste man in fingere, 
deigan, falls sie mit s. dih zusammengehen, durch Umstellung 
des hauchs ans vorderende gedrängtes dh voraussetzen, was 
auch bei ähnlichem vorgange in d^v^ax^q^ got. daühtar, st. s. 
dUkitar keinen schlagenden einwand hergäbe. Selbst r, und 
nicht d, in totxog u. s. w. fände seinerseits entschuldigung in 
dem häufigen streben, durch Verhärtung der media eine an- 
näherung herzustellen an die später kommende sog. dumpfe 
aspirata. — Man denke aber an fores st. ^vga^ got. daur, 
kd. ife'V" (aber dvor% aula, domus) schon oben, gegenüber dem 
sogar im zd. unaspirirten dv zum trotz, im s. dvär, dur Wwb. II 



172 A.»P. Pott, 

1 s. 16. Dessen Ursprung übrigens hielte ich, selbst mit hin- 
blick nach bifores vulvae, nicht f. gls. zweigängig, aus dva und 
ar gehen. Mit mehr muth verfiele ich auf eine durch aphä- 
rese entstandene bildung aus tid-var, weit öfifnen, aufreissen die 
äugen. Auffallend ohne d, das doch kaum weggefallen, umbr. 
piis, pre veres, hinter, vor dem thor (etwa lat, vcUvcie)^ AK., 
Umbr. Sprd. I 155. Auch sieht es nicht ganz unwahrschein- 
lich aus, lat. a2)erio gehöre zu s. apa-var, aufdecken, enthüllen, 
ölTnen, aber operhis zu upävrfa, verdeckt, ohne dessen zweite 
präp. ä. Es müsste das v hinter noch erhaltenem alterthüm- 
lichen p der präpp., nach voraufgegangener progressiver assim«, 
geschwunden sein. Vielleicht jedoch thun mehrere von Struve, 
Conjug., unter pario vereinte verba hiegegen einspruch. Be- 
perio (re-pperi mit synk. redupl. wie re-Utdi aus tetuU) hätte 
als red mit v höchstens b-h gegeben. Es lässt seinerseits, wie 
vollends cmiperio, experior, auf eine andere herkunft sinnen. 
Vielleicht als caus. zu pareo, erscheine, das etwa, der gegenwart 
wegen, zu nagd. — Firmtis des i ungeachtet von s. dhar, 
halten. Allein fere und superl. ferme, nicht wie unser fest, fast, 
sondern wie heinahe (s. äbhüas, nebenbei) zu s. abhi, dessen hh 
ja auch zu b gemildert in i-bi und den plural-endungen -bis, 
-bm. — "Afiai^oq und ipccfjiad^og (indess auch ä/jtogj äfAfjkog etwa 
mit fAfA st. ^?) stimmt vielleicht zu unserem safid, ahd. sant 
{tp, wennschon räthselhaft, mit etwa präp. beimischung?). 
Nicht aber auch mit beiden, obgleich ohne den, wohl im 6 st. 
fAd^ mitvertretenen nasal, lat. sabulum, woher sdbtUo, grober 
sand, während frz. sablon umgekehrt als dem. feiner? Säburra 
als schiflfssand, etwa mit verrere. 

Merkwürdig genug aber, dass inlautendes dh im laL sich 
ein b gegenüber sieht. Ein solcher sprung wäre unmöglich 
oluie hindurchgang durch einstiges f, welches sich dann seiner- 
seits wieder zur media herabsenkte. Als unläugbares beispiel 
längst bekannt ist tiber, ovO^ag (bcmerkenswerth ov, und nicht, 
wie sonst v st. s. ü) euter, ags. nder, s. üdhar (üdhas), üdhan. 
Sollten nicht diese Wörter auf dhä (präs. freilich dfiay-a-ti^ an 
etwas saugen, d^aai^ x^r^lfj zurückgehen? Und zwar, da als 
adj. vd-dlmya erwähnt wird, mit der präp. ud, der wir ja auch 
im lat. ut-ems = s. ud-ara, eig. in die höhe gehend, begegnen ? 
Die länge zum ersatz für ausfall von d, wo nicht verschrumpftes 
ava darin steckt. Fellare dagegen stellt sich viell. zu ßddXlu 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 173 

und ßdiXXa. Femina hat man wegen &^lvg^ riT&tj, T&d'ijv^ 
nicht uneben auch hier untergebracht. Es wäre indess die 
frage, ob diese deponentiale participialform nicht vielmehr, 
wegen foetus, effeta, als »fähig zum gebären« zu verstehen sei. — 
Verbum ist völlig gleich dem apok. got. vatird, wort; lett. wahrds, 
Umbr. verfale s. Wwb. IV 804. Und harha, mhd. hart, sl. mit 
d (st. dh) brada. — Auch lumhus {u der lab. wegen) finde ich 
wieder in ahd. lenti (rien), acc. pl. le^iti (lumbos), lende, alts. 
lendi; aber versch. lancha im ahd. Lendes, nisse, dagegen aus 
x6v$dsg gleichen Ursprungs mit xvidti und xW^o). 

Wie nun als allerwelts-aushülfe im lat. f das amt bald für 
s. bh, gr. y, bald für dh, &, vereinzelt für h, % übernimmt, in- 
lautend aber sich wieder in geschwächter gestalt durch b ver- 
treten lässt: so begegnen uns doch im lat. einige d an stelle 
von dky ^, wie, sahen wir, selbst ein paar mal t für & sich 
einschlich, und wie an stelle von s. th im gr. meist und lat. nur i 
erscheint. Für den anlaut wüsste ich indess ein solches vor- 
kommen nur bei wz. dhä, %^ij, überdies bloss in compp. zu 
nennen. Und zwar sonderte sich mit ausdrücklicher Unter- 
scheidung auch des vocales im gr. von s. da, äta, lat. dare das 
gr. ^ij == s. dhä ab. Auch ksl. dati, dajati, geben, allein djeH 
(ponere; auferre), djejati, noutv^ nqdtxsiv^ djei (actus). — 
Das zd. liess, wegen aufgeben des hauches in letzterem, mehr 
oder weniger beide als da zusammenrinnen. Es besitzt aber 
sowohl im sinne des gebens als des machens eine nebenform 
du, die lebhaft an lat. duim (oder = dolffv?) und creduam er- 
innert Dum, ihr schuft, freilich wohl nur wie s. adhadhvam. 
Gfot. taujan, thun, seinerseits jedoch könnte, obwohl begrifflich 
zu zd. du, inf. ddwi stehend, keineswegs mit diesem sich decken, 
weil sein t ein achtes d, wie in du, geben, heischte. Wohl 
aber gehört got. gadeds, that, handlung, und sunive gadeds als 
äbers. des nahverwandten viod^sala zu mhd. tuon (uo aus ä), 
e. to do. So entspricht mhd. toate, wate, auch schreite einher, 
dem lat. vado, und tmt lat. vadum. Sie setzen dfi voraus, und 
scheitert der vergleich mit ßädog, ßadi^ta. Ohnedies, als zu sßfiv 
= s. agäm gehörend, steht ihr ß für g. — Auch im latein sind 
obige zwei verba in ihren gekürzten und hiedurch in conj. III 
gerathenen compp., vermöge erlöschens des hauches von dhä 
und sonst, derart zusammengefallen, dass man nicht alle mehr 
mit Sicherheit zu unterscheiden vermag. Ausser allen zweifei 



174 A. P. Pott, 

gestellt ist aber als comp, mit dhä das alt-überkommene crS^ 
= grad-dadhämi. Kein quasi cretum do trotz u in ereduamj 
was viell. dem duim erst nachgebildet worden. Wir dürfen 
nun aber, hierauf und auf die unfügsamkcit des sinnes »gebenc 
fussend, getrost dieselbe wz. in abdere, d. h. beiseit legen (nicht 
weggeben), anoti^f^fit, sowie in abscandere, suchen. Hat doch 
schon das skr. apa-dli4, versteck, verschluss. Desgl. in condere, 
d. h. zusammenlegen, gründen. Zweifelhafter wäre, ob indo 
mit ipdldoofii leiblich eins sei, oder als hineint hun mit ipti^^fu. 
Nicht minder, ob z. b. reddere fdicem, glücklich machen, mit 
dem sinne der \viedergabe zu thun habe. Vgl. im s. vi-dhä, 
machen zu, mit acc. Pwb. III 923. Das re- hat dabei un- 
streitig, im einen wie im andern falle, versetzen in einen, dem 
früheren entgegengesetzten zustand (vgl. recludo, wieder auf- 
schliessen, allein auch: verschliessen) auszudrücken. Dass tevhdo, 
aus s. tan, wie viele mittelst des general-begriflfes ^fj (machen) 
verlängerte verba nkfj^ca^ <f^^co u. s. w. zu beurtheilen sei, ist 
nicht mehr zweifelhaft. Auch rechne ich defendo, aus s. Jum, 
s. früher, dahin, während fundo wegen t in goth. gitäan sich 
dem vergleiche entzieht. — Claudere, schliessen, macht mir 
einige sorge. Mit ahd. sliuzan, sloz, schloss, hat es schwerlich 
zu thun, denn in sclusa (schleuse, frz. icluse) der 1. Sal. hat)en 
wir ein lehnwort vor uns aus exclusa, sc. aqtM. Allein auch das 
ableitungs-suff. td in xXf^tg, weil dem lat. fremd, führt uns nicht 
zum ziele. »Den Schlüssel hineint hun«, erhielten wir aber auch 
höchstens aus davem mit einem comp, indere. Es bleibt dem- 
nach kaum etwas übrig, als ein gegenstück zu xX^tw, xXijm, 
xXsica mit angefügtem d, wie in cudo. Wwb. nr. 208, Kz. 19, 
148. 413. Altn. höggva, hauen, ags. heavan u. s. w. Zimmer, 
Ost- u. Westg., s. 13. — Per-do ist gewiss comp., vne per-eo 
(vgl. inieritus). Ob auch niQ&(Oy und mit welcher präp., ist 
schwerer zu sagen. Vcn-do neben veneo und venumdare wäre 
schicklicher: kaufweise hingeben, als: zum verkauf auslegen. 
Manda/re, als »einhändigen« und commendare »jemandes bänden 
anvertrauen, es in seine bände legen« gehen verm. als denomm. 
von einem adj. auf -dus (sei es nun »gebend« oder »legend«) 
aus. Wegen mandavi u. s. w. kann es nicht füglich direct mit 
dare verbunden sein. Gegensätzlich zum promus ist candius der, 
welcher geschirr und speisen wieder an ihren ort setzt, eomUt, 
und aufbewahrt. Alhda (aquam dans) ist bez. der wdke im s., 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 175 

aber (ähdhi (wasser in sich enthaltend) see, teich. — Beachtens- 
werth sind aber auch im zd. einige fortbildungen von wurzeln 
mit da (thun), wie gnad, waschen; t^ud, fliessen lassen. Auch 
im ksl. (Dobr. Inst. p. 350) präs. idou (inf. iti), im goth. verm. 
prät. iddja zu gaggan. Fut. houdou (ero) zu hü-ti. 

Ich nehme hienach keinen anstand, in dem häufigen adj.- 
suff. der Lateiner -ättö einen abkömmling von dhd zu erblicken, 
im sinne von »thuend«, nach weise von dem freilich mehr de- 
nominativ gebrauchten -ficus (s. mich zu Humb. I s. 436). Ein 
glaube, der in mir noch besonders durch den umstand verstärkt 
wird, dass leicht weitaus der überwiegendste theil solcher adjj. 
von intransitiven, und desshalb vorzugsweise in conj. II aus- 
geht. Albidus, candidus, pallidus; flavidus, aber, wohl des vor- 
aufgehenden i wegen viridis; floridtis; flacddiis; placidus; sordi- 
duSj splendidus, lucidas, fulgidus; liorridus. Avidus, woher 
audeOj aust4>s; acidm; ccUlidus; uvidus, udus; timidi4S, vgl. Ume- 
f actus (erst zu fürchten gemacht); foetidm, frcwidas; turgidus; 
validus. Freilich auch z. b. fluidtis, fordus, tardus, von trdho, 
cupidus, sapidus; ohne verbum lepidus, luridtis, solidtis; gelidus 
(nur gelare), wie algidus, frigidus; formidus; stolidus; hispidus; 
sucidt4S. Diese Wörter besagen freilich vielmehr, dass sich eine 
eigenschaft woran äussert, als dass sie selbige erst recht 
eigentlich hervorbringend bezeichneten. Kein wunder übri- 
gens, wenn sich nun wieder aus ihnen transitive verba erzeugen. 
Diese laufen dann denominativen, wie -ficare (aedificare, nidp- 
ficare, ludificare, -4; purificare; nigrificare, nigridiiis; nullificare; 
terrificHS, -ficare; frz. ghr^ier u. s. w.), desgl. -igare (remigare 
von remex, na/vigare, aber auch levigare^ purgare) parallel, und 
wechseln mit Zusammensetzungen auf -facere, -fieri, auch aus 
conj. II und mit dessen characteristicum S davor. So stupidus, 
stitpidare, stupefacere; lividus, lividare. Madidare, iepidare f. 
made^, tepefacere. Trepidus, trepidare. Torridus, -dare, torrer 
facere. Limpidus, -dare, Marddat, Nitidus, nitidare, nite- 
facere. lAguidus, putridus, rigidus, tmnidus ebenfalls mit verben 
auf -facere. Olidus, ölfacere. S. die weitere ausführung bei 
Wölfflin, Münch. Sitzungsber, 1880, s. 421 flf. Gnarigavit, clari- 
gare einigerm. entsprechend unserem : unr thun hietnit kund und 
0u wissen. Zu ago. Man vgl. die mit kr, machen, und hhü, sein 
(vgl. die lat. adjj. auf -hüis) im skr. componirten verba, welche zum 
theü das eigenthüm liehe haben, die beiden glieder durch « zu 



17C A. F. Pott.. 

verhindGn. Also z. b. mit prädus (etwa zu pradvdr, platz vor 
der lliiir): prMuät-kr offenbar machen, prädur-^M, offenbar 
sein. An -dyHS (tags) in compp. zu denken, als wäre »ein an 
den tag bringen« gemeint, verbietet mangel von y. ^uklikr, 
weiss maclien, lagfmkr, leicht machen, u. aa. m. 

Mir auch nicht unwahrscheinlich, das gerundivum auf e»- 
difs (von I. andtts), undus enthalte vorn eine mit unserem inf. 
(s, -ana n.) stimmende form in sich, wie dtagl. das part. auf 
en-t, z. b. scribcns, s. v. a. mit dem schreiben-der, d. i. 
schreiben-d. Scrihendtim est aber hat man sich zu denken als 
etwas, das zum thun bereit sein muss, ein zuthuendes, wie 
(^is est, als ein (vorzunehmendes) werk; oiv tqyov ievi. 

^It<li^4g, schon bei Homer, findet sich in höchst merk- 
würdiger Übereinstimmung sowohl mit goth. mkdo als mit zd. 
nnslida, lohn, u. s. w., Justi, Hdb. s. 233. Windischmann habe 
darin ein derivat von s. dha hinter nuts, messen, oder mish, 
besprengen, gesucht. Frölulc (Bbeitr. V, 270) vergleicht, über 
das etymon sich nicht äussernd, s, mtdka, natürlich in dem 
sinne von kämpf, wettkampf, was freilich auch in dem von 
Grassmann gemuthniasstcn sinne von kampfpreis nicht allzu 
geschickt herauskäme. Ausserdem ist unklar, wie sich dies 
subst. zu dem part. m'tdlia (mkttis, mindus) verhalte. Ai^e- 
nommen aber auch, mtdhvans, freigebig, gut befruchtend, als 
von iHÜi in dem allgemeinen sinne wohlthätigen regens herge- 
nommen, erklärte nimmermehr den zischer im gr., goth. und zd. 
Einen solchen zeigen freilich auch ahd. micla, mhd.miete, jede 
gäbe, sei sie verdienter lohn, bezahlung, oder eine captatio 
benevolentiae, alts. mcda neben ags. meorda mit r sL s, nicht, 
obgleich man sie doch ungern ganz von letzterem trennte. 
Sollte das wort durch söldoer und miethssoldaten umher ge- 
kommen und mehrfach entstellt sein? Merces mit r aus s wfire 
vor c ungewöhnlich, und herkunft aus nicrcri fraglich. 

Sonst nun aber auch vidva, s. vidJuivä, wiLtwe, nach den 
angaben indischer grammatiker »ohne mann«, was sadfuwä 
(noch mit einem mann) bestätigen würde, hätte man dies nicht 
für blosse erfindung von ihnen zu halten. Das PWB. leitet 
vidhava und vidhura, vereinsamt, von dem selbst nicht ganz 
zweifelfreien vidh (vindhatc), leer werden von. Lat. viduus, das 
seinerseits an ittäividnus (jedoch zu s. da, schneiden: suff. -«tw) 
lebhaß erinnert, entschiede nichts. Sein irrundliefFriff brauchte 



LAteii) u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautanterschiede. 177 

nicht »leer« zu sein. Es könnte ja eine Übertragung von »mann- 
beraubt« auf andere beraubungen stattgefunden haben, wie bei 
orbus, verwaist. Von der präp. vi wird man so wie so nicht 
loskommen. ^Htd-sog, von Fröhde BBtr. V, 294 hinzugenommen, 
machte nur in betreff des ^ Schwierigkeit. Etwa: noch (^-d^, 
adhuc) ledig? — Umgekehrt lässt uns unser deutsches mit, 
goth. nvUh (vgl. zd. mat, mit, sammt, nebst, vgl. skr. smat, 
zusammen) neben mitte, mittel (wie remedium, wenn anders in 
mederi d für dh steht) für tnediuSj s. madhya, zd. maidliya, 
goth. midja (i durch assim.), gr. fjiiaaog {a(f durch assim. von 
dh durch i), aber osk. mefiai (mcdiae) sogar mit f, auf die 
Zusammenlegung (dh zu dM, legen, und y wie i im part. hita?) 
zweier hälften (daher di-midiits in dem auseinander) rathen. — 
Castus verm. gleichstämmig mit xuO^agog. — Adhikarana^ als 
die beziehung des lokativs anzeigend, enthält also adhi = lat. 
€ul, wodurch also zweckmässig ein wo angezeigt wird. Daher 
dann n6-&$^ dfio^t (zu e. sonie)^ irgendwo, äXXod-t dgl. Sollte 
nun nicht adhi mit s. ä-dhi, Standort, läge, wurzel-gemeinschaft 
(d&a legen) haben? — Anders das suff. -i^s, -d^sv, womit wohl 
das lat. -de, dem freilich stets n voraufgeht, übereinkommt. 
Il6%^€v, unde, älicunde. "EpToad'Sj umgekehrt deinttts; txtoads, 
vgl. exinde. ^^inod^ev^ lat. mit zweimaligem de: ddnde. !^Aio- 
^€V, aliunde, dor. und aeol. äXXo&ay wie vnai^a^ vgl. subinde, 
ÜQÖü&s und ähnlich 2>^aiw(fe. Adverbia und präpositionen , na- 
mentlich örtliche, enthalten ja, so gut wie oblique casus, die 
bezeichnung von Verhältnissen in sich. Hieraus erklärt sich 
wie von selbst, einmal, dass erstere ja in vielen fallen nichts 
sind als verknöcherte casus, und zweitens, dass mitunter Wörter 
mit adverbialen oder präpositionalen suffixen gewissermassen 
als casus fungiren. Daher ja z. b. in finnischen sprachen die 
grosse menge sog. casus, welche nur dadurch herauskommt, 
dass, was anderwärts abgetrennte präpositionen sind, hier (man 
muss sich schon den widerspruchsvollen zusatz der terminologie 
gefallen lassen) als »präpositionale« postpositionen hinten, 
jedoch nicht, wie in ^necutn, vohiscum, einem bereits fertigen casus, 
sondern der forma cruda, dem thema, des nomens sich anfügen. 
So als casuell und zur bezeichnung des woher t^ev, tfxsx^sv s. 
sp. Zeitlich ^cSd'e wie d^^s. NeoOsv, wie dernu), ix viov, 
aber veto&svy vs^d-i, vsiatQa (wie itatQog) nebst vigd^e, svsQ^e, 
ivtqok, wie zu skr. ni und deutsch nieder, hienieden. Mit präp. 

ZeltoflhrlA fOr Tergl. Bprachf. N. F. VI. 2. 12 



178 A. F. Pott, 

c| ot^avüd'ey, wie ja auch bei advv, auf -9». Alle derartige 
Wörter maclien den eindruck, als lioge ihnen lat. di zum gründe, 
welches ja ausdrücklich ein woher, und zwar »von oben herabc 
(v^l. selbst dcinde), bezeichnet. Man könnte selbst auf den 
gedanken gerathen, dos ablativische -d ini lat., sowie der dental 
gleicher function im zd. und skr. sei mit jenem de und -9» 
wesentlich eins und nur apokopirt. Vgl. z. b. ^ctf^cv (divini~ 
üis), im s. abl. devät (de6 , alt mit d). Ich bin jedoch anderer 
meinung. Mir gilt der ablative dental, der keine spur von 
aspiration an sich tri^t, für gekürztes adverbial-sufF. s. -few, lat. 
-4us, gr. -tos (tittog), das zu ts synkopirt früh den zischer fallen 
liess, wie z. b. s. pat im nom. (pes) das nominativ -zeichen $ 
aufgab. Lat. stib besitzt in surgo, sursum, susHneo dgl. einen 
scheinbar mit sich in Widerspruch gerathenen sinn »nach oben«, 
womit aber die Vorstellung eines »von unten« in bestem Ein- 
klang steht, wie gr. vnö mit gen. und desub ein worunter hei^ 
vor bezeichnen. Daher auch trotz des gegensatzes elym. Zu- 
sammenhang von super (sunwws) mit sub nicht befremden dart 
Dies lässt mich glauben, dass, wenn s. adhi und lat. ad eher 
eine adsecnsio bezeichnen, darum das di mit der descensio nicht 
nothwendig ohne Verwandtschaft mit dem s. adv. adhas, untn*, 
zu sein brauche. Ohnehin bedarf es, um etwas wohin (also 
auf etwas) legen zu können, zugleich einer unterläge, sodass 
eine etymologische beziehung zu dhd legen auch für adiias 
nicht unmöglich schiene. Anderseits wird sich nicht füglich 
anschluss von a^ias, adhara an deutsch imien, goth. tmdar vni, 
und, trotz /", inferi, infra, inferior in abrede stellen lassen. Nur 
macht mir der nasal in diesen, wie gleichfalls in unde, inde 
u. s. w., gegenüber dem fehlen im gr. vor ~t^e, sowie auch 
dein u. s. w., hinc, extrinsecus, forinsecus einigen kummer. Dem 
adhas vorn rhinismus anzudichten ist kaum misslicher, als lässt 
man ihn sich, ohne comp., in ttnten erzeugen. Dann aber, das 
m von ilUm, isHm, utrimque, welches mir freilich verdächtig 
vorkommt, wenigstens da, wo keine assimilation im spiele, also 
wie in exin, dein u. s. w., ohne sonstiges Vorbild in n ver- 
wandelt zu glauben wage ich kaum. Oder sollen die genannten 
formen, wie frz. en aus inde, nach vorhergegangener assim., 
nn sf. nd, aus den längeren hervorgegangen sein? Cors^n, 
Ausspr. I ', 67 sucht in illim, istim Verkürzungen aus *-fim = 3. 
A>hyam. Dadurch orhielle man aber doch höchstens ein wo, 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 179 

wie in iJn, ubi aus s. dbhi, allein doch kein woher, wenn iüinrc 
wirklich üUm zur grundlage hat. 

Grassmann (üeber die Aspiraten und ihr gleichzeitiges Vor- 
handensein im An- und Auslaute der Wurzeta. Kz. XII. S. 81) 
erblickt in nebeliger urzeit unseres Stammes, in welche man ja 
leicht vieles hineindichtet, wurzeln mit aspiraten zu beiden 
enden. Obwohl ernstlich von mir (ebenda XIX. S. 16—42. 
Die Umstellung des Hauches) bekämpft, hat diese theorie dennoch 
gläubige nachbeter gefunden. Neuerdings regt sich doch em- 
mal wieder das gewissen gegen eine, den frühesten vorfahren 
indogermanischer sippe angesonnene Widerwärtigkeit in unter- 
brochener Wiederkehr solcher laute. Der allbekannte umstand, 
dass skr. und griech. — und die könnten ja im gründe allein 
hiebe! in frage kommen — solchen übellaut aufs ängstlichste 
meiden, und nur gleichwie in fällen der noth, z. b. in der com- 
position, idulden, hätte doch die Skepsis ein wenig wach erhalten 
sollen. Man sehe: Kirste, Die constitutionelle Verschiedenheit 
der Verschluss-Laute im Indog. Graz 1881. S. 63 fgg. geht er 
auf die frage ein, mit gründen, die ich allerdings nur theilweise 
zu den memigen machen kann. Man wird auch mit Interesse 
hinzunehmen As coli 's Abh. (Stud. S. 225): »Die Umstellung 
der Lautgruppe h -f- Cons. und ihre Folgen auf Indischem 
Gebiete.c 

Dass &y ff und %^ entgegengesetzt ihren »tönenden« vorältem 
iky hh und h, auch gh, harte laute, d. h. aspirirte tenues sind, 
tyffenbart sich schon dadurch, dass sie in der reduplikation 
ittcbt, wie sie sonst jnüssten, eine media, sondern r, n und x 
heraussetzen. Dadliämi, aber zli^f/fii trotz didoofn sL dadämi, 
JUipvxa, s. habhüva. Kix^xa, während das skr., seinem brauche 
gemäss, gutturale in der reduplikation durch palatale zu ver- 
unähnlichen, h durch palatales j ersetzt. Selbst ausnahmsweise 
im perf. jabhdra (tuli), wofür erst später das regelrechte 6a- 
tMra, allein im präs. bibharti (fert). Der Grieche hat, jener 
'wohlbegrfindeten dissimilation gegenüber, zum öftern ein ent- 
g^engesetztes verfahren, eine art assimilation, eingeschlagen. 
Jedoch nicht, wo es sich um reduplikation handelt. Mehrmals 
nämUch, wo im skr. die wz. mit einer von obigen weichen 
aspiraten schliesst und mit einer media beginnt, wandelt das 
griechische beide um, damit nicht durch einseitige Verhärtung der 
aspirate die bestandene homogeneität aufgehoben wird. Indem 

12* 



180 A, P. Polt, 

so die aspirate auch die der media entsprechende tenuis^) 
nach sich zieht, wird eine gewisse gleichmässigkeit wieder 
hergestellt. So gestaltet sich biidli zu nvd^ nr. 1872. Hin- 
gegen steht nsid-o), niaxig u. s. w. nr. 1871 ohne zweifei 
mit ursprünglichem n. Auch selbst, wenn es (wie übrigens 
nicht unglaubhaft) kein comp, sein sollte = s. pi- oder 
api'dhdy hineinstecken, darreichen, hingeben; die Über- 
redung wie eine art »zuseUen jemandemc vorgestellt. Man vgl. 
aber credo s. 174 und nsi^ofjim mit viell. gleichem zusatze von 
dhd und als sinnverwandt. Nur dass letzterem der mehr passive 
sinn des Vertrauens und glaubens einwohnt, wie in den lat. 
fido, pldes^ foedus. Diese übrigens erfuhren hauchumstellung, 
was ja auch sonst nichts ungewöhnliches. S. demnächst f ödere, 
fundus. ni'd'og ist doch auch, wie zu vermuthen, eig. zuge- 
decktes mittelst inlx^^fia^ s. pidhana, deckel, decke. Femer 
Bipi^liq^ deckel, mit ders. präp. Auch wieder mit Umsetzung 
tat. fidelia daher, wie (piddxvti st. m&dxvtj^ lak. ntadxvii 
(a st. &). Schwerlich, wie Buttmann wollte, zu tfiddq^ q>€id6g, 
sparsam, das eher vom spalten, findere, ausgegagen. Xtvciv, 
ion. xiO^civ. XvTQa, ion. xv'd^ga aus x^i giessen, allein xvr^ 
wie zu XV CO. KaXxfiödv = ÄaXxi^dcov. Udd^vij gem. für q^TVi/. 
Ich halte letzteres unter einfluss von (payslv erst aus nadvii 
entstanden, das sich an naz^ofiai. anschliessen mag. Zeigt sich 
doch öfters eine asp. vor v. JIqöxpv. KvXixvii (st. xvUx-vii\ 
noXi%vfiy als ob mit suff. ^xoq. Tix'^ijy vgl. tixTcov^ s. taksh. 
Ich weiss nicht, ob mit hinschielen nach tsvxoo. Dag. rixvov 
von WZ. t€x. ndxvfi, Ivxvoq. "ixvog? Desgl. mit % vor f*: 
icoxiiog, i(ox^. JlXoxfAÖg^ ^^X/*^''^* Nsoxfiog, adj. wie viog, und 
avxfAog neben avog scheinen gar erst % eingeschoben zu haben. 
Woher nun jener anscheinend, weil nicht in der wz. ent- 
halten, unmotivirte und doch häufige einschub von &, auch tf 
und wohl gar ö*^, vor suffixen, die mit /u beginnen? Also z. b. 
atäd'fjLi^, axad-fAog^ doch verm. mit demselben ^ wie in tfta&sQog^ 
aber atafiiv. Bad^fiog; Xd-^ia und eigid^fii^; noQ&fjtog. ^Aq&fkog 
band, bund, imd so auch vielleicht trotz # aQ^gAog^ zahl (lat. 
rortio, reor dazu?). 'Pv^fiog, ion. Qvaiiog^ als sanftes dahin- 



1) nXadaqog, nass, aber auch mit gewisser ausgleichung der conss. 
ßXadaQof. Freilich nicht minder ohne eine solche nitucof und ßXmif^ 
neben einander. Jedoch c auch hart. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 181 

fliessen? Ts^fAog dor. statt des verm. erst jüngeren ^stSfudg. 
Diese übrigens nicht aus redupl. ^fj^ meine ich, sondern wie 
dvd^fk^ dor. st. dvcffj^. JeafAog^ diafjia neben dSfia, Kvfjx^fAog, 
xv^tSfjLog von xvf^&fo, was selbst erweiterung aus xy««. So nun 
auch ivfi9(i6g, fivxi^'d^fiog , ßgvxfj'd^fiog Ahrens II, 82. Kavx^fAogj 
xlavl^fiog, iavx^fiog^ als ob ^ ihnen eigen, wie xevd^-fjtög 
von xBvd'd). M^vid-fiog. Jllaafia^ vgl. ^ in xoQonXad^oc, allein 
z. b. %&ov6nXa(Sxoc, JlkdO^co st. neldCfo. Adna&ov eine den 
leib öfl&iende ampferart, wesshalb wohl zu Xandl^ai. ^nacffAog, 
(fndtffjia allem anscheine nach von einem verbum andtca^ vgl. 
anaduiv, vnoanadtaTog^ wie ICfia zu t^fiOj XCfASV st. Idfisv. 2ni' 
d^afA^ von einem aniC(o' ixrsivco, ^nid^g etwa seines # un- 
geachtet von andio mit ableitendem d, wie in ardd&og? KocffAog 
u. mm. dgl. — Dann iad^fiog, hals, Schlund, wie eigi^fif^ mit 
Übertragung von * auf die präp. Mit Verwischung des wurzel- 
haflen <f aus s. vctsman, decke, vasana, kleidung, slf^a mit 
diphth. st. ig, wie in etfAivog, aber assimilirt iv-vv-fii. Selbst 
dann mit blossem « l-fiat-iov. ^^ia^fia^ vgl. dia&w, aber dvTfA^, 
wie iqiSTfjL^, dessen r jedoch vielleicht durch dissim. für ^ steht. 
*A(ps<fgA6g, 

Wenn mir recht ist, thäte man solchem 9 oder statt seiner 
tf unrecht, sie zu rein müssiger zuthat herabzusetzen. Vielmehr 
dienen sie aller Wahrscheinlichkeit nach dazu, eine anzahl von 
verbalformen hinten mit der wurzel &ii im allgemeineren sinne 
unseres damit verwandten thuns (ich thue schreiben, e. ^ do) zu 
bekleiden. Vgl. auch statt nemög, coctuSy auffallend genug ein 
iip&og^ das sich rücksichtlich ^ an den aor. pass. auf -^fjv, part. 
'^sig anlehnt. Der asper wohl als ersatz für tt, wie in tnvafuxt^ 
obschon er nicht, wie als Stellvertreter von a in tar^in^ gerecht- 
fertigt ist. Sogar ohne scheu vor zweifacher aspirata: q)ai^(io, 
^Xeyi&fiOj if^ivv&co, (t%^&(a. Dann ßißda^aov wohl zunächst zu 
ßtßdCdo. JaQ&dva^ s. drä, lat. dor-mio. TsU&w, d(Awd&(a, 
iQYd9(a, ata^dpw zu dt<o. ^Hl^gAog Wwb. nr. 1834. Illijafia^ 
nXnifAfjkfi, auch nkij-fii^ zu nXii&fo^ also wie nviffia. Etwa plehs 
st. t)- in nXijd-vgj aus nlt^ in nifjknXi^iJn? Ueber nXid^Qov mit 
suff. '9Qoy s. sp. — Zu s. bandh, goth. bindan (6 der gleichförmig- 
keit mit d wegen un verschoben , ohne dass man thörichter 
weise zu einem bhandh greifen müsste!) gehört handhu, ver- 
wandter. Demnach glaubhaft nicht minder nev^sgog. Kaum aber 
n^XtSfka (b^ 3t.9v)j und eher zu neU^ofAat, als »gehorsam« vom 



182 A. F. Polt, 

schiff erzwingend. Lässt sich aber gleich n st. |3 in neviftQ^f 
füglich annehmen, da entzichtsich doch, 30 bcdünkt mich, na^;9^vo( 
einer etwaigen eikläiiing aus s. vardfiana, zunehmend, wachsend. 
Das V in ietztemi wiese eher nach ßkactäva, svßlaeTos (a aus it) 
Wwb. IV, 807 hin. Auch erlaubt kret. näHx"? st. aeol. Slxo^ 
= 0x^05 keinen sichern schluss auf gcmeinschafl mit vulgus, 
das sich besser zu s. varga stellt. 11q).xo% ist wohl an Tioüvg 
angelehnt, wozu ja auch unser volk gehört samnit redupl. po- 
ptduB (vgl. nifinltKu). '0%la^ i\1e s. ögha (aus vah) flutb, 
menge. 

Ueber lat. fodcre ist nachzusehen Wwb. nr. 1868. Auch 
hier ist die aspiration von ßöi^eos, ßaHq u. s. w. im lat. auf 
das vorderende übertragen. Denn für das griech., namentlich 
auch unter berücksichtigung von n in nvitft^y neben ßv9of, 
ßvaaös (wie fiiaaog st. s. madfipa), wenig glaubhaft wäre der 
umgekehrte w(^. Fovea, wie cavea, aiveus von alvus, hat 
verm. d vor ableitendem w oder « (vgl. resi^um) eingebüsst 
wie in suavis. Nach Oehler, de simplicibus cons. p. 22 auch 
dor. (Jöffffaund ß^aaa, waldschluchl, was sich wegen profuiidae 
süvae Lucr. 5, 42 und ßiydta vÄijg sehr wohl hören lässt. 
Die länge, wie in Irjiffi, und ßaaoiov dor. compar. st. ßaitittv. 
Schwerlich aber pcssunäaro Wwb. nr. 1566 nach weise von 
>zu gründe riclitenc — Ktvita scheint s. gub (/i aus dhf) 
Wwb. nr. 1413, Die ungarischen Zigeuner haben khudinav, 
ich decke, Miklosich, Beitr. 1874 s. 29. Also mit grosser 
Wahrscheinlichkeit ist, wie sonst oft in deren idlom, der hauch 
umgcslellL Der fall ist von besonderer Wichtigkeit, weil sich 
hieraus naturgemass der nainc gottes, als »der verborgene, 
UDsichlbarcf , goth. guth, pl. guda dürfte entwickelt haben. — 
Goth. daubs, taub, verstockt, ahd. tottber (surdus, absurdus, 
hebes, stolidus) bringt Kirste s. 68 mit tief, also goth. diups, 
zusammen, woher auch dattpjan, taufen, tauchen, welches eich 
aber den lautvorhältnissen nach von Svnzot zu sehr entfernt. 
Ich rechne zu jenem vielmehr goth. dumbs, gtumin, xtarpög, ahd. 
der htnAo (brutus, stultus, hebes, mutus), tumlth (absurdus), mhd. 
dumb, dumm, unverständig, und als nicht unberechtigten dritten 
im bunde vvffXög (vgl. gael. dubh, d. i. ater, tcnebrosus, Iristis, 
lugubris). Tv<flöt ist ja nicht bloss »blind< , sondern kommt 
auch auf die übrigen änne übertragen vor. Sogar tv^uUc tä 

*'^<-„ tA., t. »i>.T» r»' ^' £....„,» fi Wwh n>- 19A>;i>ni1 41A7_ 



Latein u." griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 183 

WO zwischen ^dfißog, i:äq>oq staunen (ähnlich s. stabh, gelähmt — , 
gehemmt werden) und TvfpoD räuchern (des augenbeizenden 
rauchs wegen), woher xhvipig, tsTVfpcofjbiyiog , thörichter weise, 
geschwankt wird. Baier. tubeln, qualmen, vgl. mhd. tühele und 
tuft, duft, dunst. Ostfris. bei Koolmann hcdummeln (aus 
dumm?)j betäuben, verwirren, auch des taumeis und schwindeis 
(vertigo) wegen mhd. tünie, sich im kreise drehen, ags. mit 6 
tunibian. Bedüpcn, anführen, übervortheilen, will K. nicht mit 
»dupiren« gleichstellen. In notariellen Urkunden früherer zeit 
sei es mit hetiefen wiedergegeben, was es buchstäblich allerdings 
sei. Mir trotz unseres >zugrunderichten« nicht allzu einfeuch- 
tend, da es eine bloss volksmässige anpassung sein könnte an 
das frz. wort. — Dass sich t nach dem y in TvipXog gerichtet 
habe, wie xslvip^ (indess auch xvQijßior) dem (p aus ghiho, und 
eigentlich d vertrete, welches in dauhs der gleichmässigkeit von 
d — b zu liebe unverschoben geblieben, wäre möglich, steht aber 
kaum zu beweisen. Es könnte auch Umstellung des hauches 
mit im spiele sein. 

Beispiele von media, hinten A: naxvg aus bahu, sowie 
vielleicht ndyxv^ da im sskr. die Steigerungsstufen, z. b. banhiyans, 
nasalirt sind. Daher denn auch wohl mit p lat. pinguis, so 
sehr dies wegen des vorderen i (doch vgl, pignus von pango) 
auf beziebung zu nicov rathen liesse. Auch n^x^^ = s. &äAf«. 
Allein daneben ßgaxvg, lat., mit Unterdrückung von A, brev^is, 
und brachium, dessen ch fast nach entlehnung aus gr. ßqaxiiav 
schmeckt. — Tei/x«, WTvxara*, ion., als hätten alle drei conss. 
einander homogen bleiben sollen, istvxbIv (ohne hauch, wie 
Siuofkat), bereiten, zeugt tevxoQi wozu mhd. schw. ^iuge 1. ver- 
fertige, schaffe; 2. zeuge, bezeuge. Letzteres gls. schaffe, er- 
zeuge, mit die einsieht in den wahren thatbestand. Vgl. testis 
nebst dem »zeugenden« testimltis, die ich, vgl. s. tas/itar Werk- 
meister, Zimmermann, nebst tsxsTv auf s. taJcsh, behauen, wie 
tixtavj allein auch verfertigen und machen im allg., zurück- 
führe. S. Wwb. III, s. 893 und vgl. hebr. ben, söhn, von 
banah, bauen, s. Gesenius, Hdwb. Aufl. 8. Mhd. z. b. werk- 
giue, und sonst von allerhand geräth, allein desgl. ritterlich 
gmitge, was zur kleidung (also zeug) und bewaffnung des rit- 
ters gehört. Man riethe gern auf beziehung zu s. tvaksh, einer 
schwesterform zu taJcsh, deren sinn: schaffen, wirken, tvakshas, 
wirkaamkeit, thatkraft, lüstigkeit, sich gar wohl zu t€vx^ schickte. 



184 A- P- Pott. 

Wenn aber auch die vocalo {va etwa in u umgesetzt, und dies 
dann zu sv verstärkt) keine sciiwierigkeit machten, wie steht 
es mit den andern herrn? Ungewöhnlich wäre Xi das doch 
kaum in dem k von tvaish steckt, obschon A vor s allerdings 
hsh giebl. Noch unfügsamer wäre z in den deutschen Wörtern, 
da es nach dem kürzeren goth. taujan, thun, taui, werk, that, 
teva, Ordnung, reihe, nihd. gezoutcc, geräth, Werkzeug, neben 
eiuwe, ziehen, vgl. auch eoa-m, zäum, wie zügel, in denen 
Grimm, unter bezug auf gielien und zeugen, Wegfall eines gutt. 
vermuthet. Sonst, befrachtet man nevxto und ziitge ohne rück- 
sicht auf tvaksk: da ginge die Vereinigung glatt genug ab, Ver- 
härtung von ursprünglichem d dort in der uns bekannten weise, 
dem X O'^O zu liebe, vorausgesetzt. — Grimm erinnert bei er- 
wähnten deutschen Wörtern an goth. tiwhan, das als eieJien, eog, 
sug natürlich lateinischem ducerc sich beigesellt. Man müsste 
dann ifvzu und giuge als ein hervorbringen, producere, fassen 
dürfen. Das ist ja eig. »hervorziehen«, wie educere, ausbrüten, 
gebären. Hiedurch geriethen wir dann aufs neue in eine 
andere bahn. Nämlich in die von s. diiJi Wwb. nr. 1428, 
melken, welches ein spccialisirtes ziehen sein könnte. D. h. 
i^ra dt(cerc (frz. trairc aus lat. traJiere) und herausziehen 
der milch (wohl gar tüj«, säugen, durch synkope des w?) wie 
cduccrc, austrinken in einem zuge. Dtüi indess auch vom er- 
giessen des männlichen samens, was dann wieder eine ver- 
mittelung mit dem erzeugen hergäbe. Hiebei aber brächte 
dann das c in duco und sein regelrechter stellvertretÄ h in 
tiuhan uns in Verlegenheit. Denn vcho und tralio setzen ihr A 
erst vor s und t in die tenuis um, wie Ifctus doch wohl wegen 
lixo?. Vielleicht indess kommt dessenungeachtet alles ins gleiche 
durch den umstand, dass die aspiration in der wz. düli viel- 
fachem Wechsel unterliegt. Oder sind duco, goth, tiulian neben- 
fonncn, wie ttrvxtJv ohen? Z.h. also dtiglid, milchkuh. Dugha 
am ende von compp.: milchend, gewährend. Dagegen -d^ 
ebenso gesetzt, im nom. s^, zu -dhnk wird, weil der zusatz des 
wieder abgefalleneu nominativ- Zeichens (s) h sl. h verlangte, 
und nun doch die aspiration, wenn schon umgesetzt, unverloren 
bleiben sollte. Also aus einer art gerechtigkeitsgefühl, wie beim 
ersatz von unterdrückter position durch naturlänge. Ebenso im 
fut. dltdhshyaii; aber das ful. döglidJiä (vgl. ductor, aber «rmf^, 
. vcrfertieerl mit QbertrairunB der asnir, auf das suff. -far. 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 185 

dessen t unter einfluss des tönenden gutt, sei es nun h oder 
gh, auch zugleich tönend geworden. Dem gemäss dann auch 
dögdhar, melker, neben duhitar, tochter, was man als melkerin 
fasst, obschon das nicht ausgemacht ist. S. meinen ausführ- 
lichen art. duh (vielleicht gekürzt aus tfd-vah) Wwb. nr. 1428. 
Der Widerspruch zwischen sucht und tochter (nicht 0) und 
schon goth. tiuhan und dauhtar weist unbestritten auf eine, 
schon frühe hauchübertragung nach vorn, wie desgl. in ^ryar^yg. 
Mit reinen erfindungen, wie das portentum dhv^h, ist es nicht 
gethan. Wer von metathese des hauches überhaupt nichts 
wissen will, der kann seinen unberechtigten Unglauben nicht 
aufrecht erhalten gegen die menge von belegen aus mundartcn 
Indiens bei Hoernle, Gaud. lang. § 132. Z. b. nibhääi oder 
nibdhäi (He accomplishes) aus s. nirvälmyatL Sogar phM, 
Vaters Schwester, s. pitr-shvasd, h st. 5. — Ich weiss nicht 
ob xsvd-dd zu s. guh. — Mkysd^oq^ ion. (jtiyad^og^ wenn aus 
mahat im s., wie ßagog^ svqoc, vxjjoq, fi^xog, hätte diesmal 
den hauch auf den letzten cons. gerettet. Kaum doch zusatz 
wie in fA^pvd-co, d. i. klein machen (mit ^^) und fiixv&og. 
MixQog, fAixxog (st. xt;, vgl. nilsxxov?)^ aber auch (SfiiXQog 
(vielleicht lat. mica; hingegen mit a ahd. smdh, klein, wie lat. 
macer, mager; smal, schmal). Mit dem scheine symbolischen 
gegfensatzes der vocale gegen fiaxQog ist es demnach wohl nichts. 
Heterogene mutä gleichen sich, wie bekannt, im griech. 
und lat., wo sie unmittelbar zusammentrefTen, dadurch aus, 
dass sie homogen werden, was auch von dem harten, aus 
dentalen mutä entstandenen or, z. b. lat. es-t st. cdit, s. at-ti;. 
ntc-TÖg (nsid-ca), sowie desgl. tp und J, gilt. Diese art attraction 
zeigt sich nun auch bei den aspirirten gruppen x^^, y^ (^x, 
VXi ^9f Vf wohl ohne beisp.), während homorgane dieser 
art, ganzliche gleichheit zu rauh findend, den ersten laut bloss 
als harte tenuis t^, xx, tt^/ verlangen. Wir unserseits bean- 
standen dagegen Widersprüche, wie W, gt oder vollends ft, 
eU, durchaus nicht, wie ja auch pers. heft = kmd^ aber 
itpd^fMqog^ oder ^dßdog nach ausstoss des » von ^anig^ idog, 
liid. rap (fustis). — Hingegen die Wiederkehr von aspiraten 
in syllabar auseinandergehaltener Stellung empfand man als 
misslaut, dem zu entgehen man in dissimilation ein mittel 
herausfühlte und demgemäss gern anwandte. Das geschah 
ausnahmsweise freilich zuweilen nicht, zum theil um nicht dem 



186 A- F- Pott. 

sinne cintrag zu tliun, auf kosten der östhetik. So in tiiftv&ty 
weil schon einmal t in der redupl. gesetzt war. S^iaü-at, 
iis%ii>^v, ffxeittt (it aas wz. ^if?), wozu ax^Ögög, axsitQÖs, aber 
auch öxsitQÖg' TXy/ttov s. u. Ts&QÖifH-ai, sogar i&c^tf^*'! >iQ 
untersch. von ttTgätfi^at, izQitpif^v von tdinio. Aus ähnlichem 
gründe hat lat. pando, uni nicht dem pefnäo ins gehege zu 
kommen, im pcrf. pandi und ej^andi ohne redupl. und den 
von ihr bei a geforderten uralaut (vgl. escendi), weil von letz- 
terem pepaidi und, des sonstigen wachstiiums wegen, bloss 
expettdi! Namentlich in conipp., wie iifv^aivm. rt>oaifotp6gosy 
»tttft^ifÜQOi , Xo(foif-6qoq , ffwg^ÖQog, äa%0(föqog. IloX^oqtäx^, 
B^axvxQÖviOi, Ttaxvx^fiog (zweimal x*')> Tax''*e*Z''C w'^ naxv- 
*e«$, ßaihiitQi^. '03Qt^ wie »Cf J. Man schreibt rc-T^i^ (vorn 
mit g. vöi) und ßöatQvlg durch ineinanderschieben von ßör^vg 
und tff t'J (gis. traubenhaar) im nora. ohne aspiration. — Dann 
die bekannten beisp. TQix<'>> ^Qi^o/tat, etwa goth. thrt^an 
Kirste s. 72; zQiffto, -lä^ipog, ijqöftßog; ^qiipia nicht anders, wie 
das skr. vor s vertahrt. &qdaiJüi aus taqäaaa, vagax^- — "^x« = 
sah, ertragen, wie man annimmt, so dass sich äxi^o/tat mit & 
als Zusatz kaum davon trennen lässt. S. jedoch Wwb. nr. 1464. 
Wenn dig. in /tx^« Bezz. Btr. V, 331 als pamphylisch, und 
die conj. ßöxaya von Ahrens II, 55 grund hat, müsste man bei 
diesen auf s. vah (vehere) rathen. Aber auch j:ifSxvv • iaxvp 
schiene sich des dig. wegen einer erklärung aus T-ax" zu ent- 
ziehen, dessen i sich sonst treffend aus redupl-, wie l-er^fu = 
si-sio, erklärte. 'laxvg, stärke, kraft, und dazu ictxvQÖg, neben 
ixvQÖg und oxvQÖg, hätten sonst in dem, allerdings nicht redupl. 
s. salias, gcwalt, macht, sieg ein begriffliches Vorbild. Ja auch 
iffX'Of, höftgelenk, licssc sich zur noth als »halt« vorstellen. 
Ist dig. in ftaxvi begründet, da wüsste ich, um bezichung zu 
s. sah aufrecht zu erhalten, nur zwei wege. Entweder müsste 
man comp, mit der im gr. nicht üblichen präp. vi anerkennen, 
s. viaJtalmtc, überwältigen, oder es wäre darin nicht sowohl Ic 
wegen dessen v, als vielmehr lat. vis mit axsiv zu suchen. In 
SffX'"'> synk. wie Snsgivov, scheint x wurzelhaft. Sonst müsste 
man darin, wie in Sx^^f'^p, das jedoch impcrf. ist, nicht aor^ 
ausfall von x "^^^ '^t allein Übertragung seines hauches hinüber 
über den zischer auf x, anerkennen. Aber auch htsnön^ (von 
s. sac, lat. seqwr, wohl nicht zu sap) enthält redupl. mit synJc, 



Latein u. griech. in einigen ihrer wiehtigsten lautunterschiede. 187 

wennschon nur als asper, wieder in sein recht ein. Ohne 
ersatz um des x willen bleibt es in ixsxs^Qlcc^ gls. stillhalten 
der bände. 2vxv6g ist stark zusammengezogenes part. pass. 
von cw^x», wie nvxvog^ on&dvog u. s. w. — ^xi'fhog etwa 
hinten wie ixixXii und ohne beziehung zu tXtjvat und otXog. 
Aber oxsrXov. Die befremdliche Wiederholung des priv. a in 
ädax^Tog^ ädancTog (vgl. infandus) sieht wie nachdrucksvollere 
Verneinung aus. Sx^f^a^ aber ^x/*«j ^XH'^* — ^l(^x^og^ dürr, 
trocken, mager, muss ebenfalls als part., wie desgl. iaxdleog^ 
i(fxcigj von einer redupl. form, natürlich indess andern Ursprungs 
ausgehen. Die einfache form ist oaxvög, das freilich den diphth. 
in <savx6g, davx^og, wie avxfj^dgj (favifagog vermissen lasst. 
Das X in slavischen verwandten wie poln. suchy, woher suchar, 
Zwieback, russ. »brode, welche durch Verdunstung ausgetrocknet 
ihre nährfähigkeit auf unbegrenzte zeit bewahren«. Verne, Courier 
des Czar II, 130, vertritt den cerebralen zischer sh im skr. 
Ksl. 80UX* (siccas) Mikl. Lex. p. 905, aber soushiti (siccare). 
Vielleicht ein unübersteigliches hinderniss, um aaxpog u. s. w. 
nach analogie von s. gtish-ka, trocken (aus gt^sh, das wahrscheinlich 
mit verstümmelter redupl. aus ush, brennen, vgl. atm, ent- 
springt), qdmhkdsya (trockenheit des mundes, äsya, lat. ös), 
^sha, das austrocknen, an die letztern anknüpfen zu können. — 
B&-fS%w verdankt sein x der hauch-übertragung von na^ an das 
inchoativ-suff. er««, wie lAiayoa (dem lat. misceo und s. migr, aber 
auch miksh, zum trotz) cy dem gemilderten y in fiiYWfAt. Sonst 
iUfdfSnm trotz x in di3a%fi> Die aspir. scheint nicht ursprünglich 
bei vergleich mit id&fiv^ doceo, das sich als caus. zu dem gewaltig 
verkürzten disco, auch mit redupl. st. di(dcJsco, verhält, wie 
moneo, mahnen, zu memini. Torreo. Vgl. yiyvcocrxa) und tixtoa 
aas ti(T€)itt(B. — Adanm mit einbusse von x, vgl. Xaxetv^ vor 
<rtr. — 7tfjf«, ^(Txco, gleich machen, entschieden nicht aus laog^ 
s. vitihu. Letzteres, s. v. a. »nach beiden seiten«, entspringt etwa 
dnem alten plur. lok. zu dm, zwei, wie i>ar, gleich und paar. 
Viskwoa, tüfUAeqia^ aeqtiinoctium. Vgl. bei Hes. mit doppeltem 
dig. ft^fov laov. Vielmehr wie das vorige wegen txsXog^ «?- 
ircioc, wo nicht aus stdofiai, videri, aussehen wie. Vgl. sinsfSxsr. 
Auch sixs nebst sotxsj was auf dig. hinweist, pass. wie vide- 
htdur. J konnte vor x, sei es nun präs. (dXixw) oder perf. 
(nittHUa, tannxa) weichen. Der sinn, wie in videbatur, visum 
esk — JNiEiMciseor macht, nur befremdete das a, und nicht i, bei- 



188 A. P. Pott, 

nahe den eindruck eines reduplicirten präsens. Es verträgt sich 
nacUts recht wohl als wohingelangen mit Ictt. »ahkt, kommen. 
Wwb. nr. 9G3, vgl. s. anc nr. 887 und Stokes Kbtr. VII, 10. 
Näher liegt s- »wf mit seiner erweiterung durch zischer naksh, 
erreichen. Dost in inaksh als dcsid. mag rest einer redupl. »i 
(mit i) sein, was um des zweiten nasais willen das « einbüsste. 
Uebrigens of ; aksh wie nag : naksh. Sonst ist mir wohl bei 
wesentlicher einerleiheit von i-äyf} und laneea eingefallen, ob 
sich nicht mit nancisci. unter dissimilirendem eintausch von l 
st, », Aaj'xßVw berühre. Jedoch- haben hierauf mhd. linge, lanc, 
gehe vorwärts, gelinge, vielleicht selbst erlange gis. »durch äch 
lang (wo nicht dies zu «Jö-ltxos) machen* erreichen, e. to Umg, 
verlangen, ein näher anrecht. Jiaxo^ zu dtxsXy muthm. mit 
suff. -taxoq. yii<sx^, ein ort, viell. nicht sowohl zum sprechen, 
Uystv, als zur Versammlung oder lagerung {% wie in U^o^, -tox*?)' 
Daher jedoch ivyo(i,oXi<}%^i und ädoi.ia%^q. — S. vksh aus vakt^ 
golh. vahsjan, falls etwa lat. atigeo (s. früher) auf ursprüngliches 
Ä, oder gk, hinweist, gäbe, bei etwaiger Umdrehung wie in 
S(fxato( aus t|, aufschluss über äa^oi, öaxog und <Sitxi, öex^- 
Wohl gar auch /toV^oc (/* st, w) und ö^oi nach weise von 
ifvCa (aus (fvy mit -m), oder (läCa, dor. (täaSa, nddöa, zu 
[tayii, fiäyfict. Dagegen fial^ös, futodöq, futaSög mit anklang 
an it^cit^ai, und (laaiög, als sei es participial, muss vermöge 
ahd. maneon (ubera) urspr. S zur grußdlage haben. Maüxäl^ 
als träger zu vo/» (vehere) Wwb. nr. 1459. KnÖs, dig. Hom. 
p. 144'. Auch VTTÖ ftältig höchst wahrsch, mit ausfall eines gutt, 
vor X (vgl. ftöyiq, /iöitg gls. /iox^oig). Anscheinend also, des 
hebens und tragens wegen, gletclistämmig mit /^oxJlä; tmd selbst 
vcciis? Mit letzterem hängt, für mich unzweifelhaft, avx^v s. 
a. a. o. zusammen. 'Afuf^v und avif^v, welche Joh. Schmidt, 
Gesch. des Indog. Voc. I, s. 182 zu begründung einer andern 
ansieht ins feld führt, können mich der meinigen kaum abwendig 
machen. Sie verdienen, wie aus Hesych. ed. M. Schmidt 1, 157 
genugsam erhellet, so gut wie gar keinen glauben, und können 
überdies mit ahd. andia, goth. hals-agga (vgl. d^xäv) nichts zu 
thun haben. Auch t^'x^^o;, tials, nacken, wohl als träger, 
sei es nun vom köpf, oder sonst. 

Im lat. und gr. muss sich die aspirale beim zusammenstoss 
namentlich mit t und <s verwischen, in folge wovon wir mehr«« 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 189 

wohin kennen lernten. Eine ähnliche Umstellung vollzog aber 
das latein, wo inneres dh sich zu hauchlosem d abschwächte 
in folge einwirkung von vocal rechts und links. — Man über- 
lege sich nun aber einmal, ob nicht eine spräche, in der sich, 
zumal inlautend, nur ein winziges häuf lein einfacher spiranten 
(von verben meines erinnerns nur veho und traho, keines auf jf, 
und ebensowenig in suffixen), verbundener wie ft ((pi^)^ ht (x^^) 
gar nicht, vorfindet, — und so verhält es sich doch mit dem 
latein, — in gedachter hinsieht auf äusseren und inneren sinn 
einen wesentlich anderen eindruck machen müsse, als das hel- 
lenische schwester-idiom, worin es von hauchlauten und ihren 
Verbindungen, die bloss vom wortende fern gehalten, fast im 
Übermasse wimmelt. In einer, übrigens wohl nicht stets und 
immer zu äusserer Verschönerung dienenden mannigfaltigkeit. 
Da giebt es also selbst gruppen wie a(p, ax, (f^; fi(p, yXf ^^; 
yv, x^ (sogar oyx^v)'» V^y ^f'y XH'f ^ber st. (p(A nur fi-fA, wovon — 
im lat. keine spur ! Man ist ihnen hier überall aus dem wege ge- 
gangen. So wurde anlautendem cry (schon zuweilen an da- 
neben) zu erleichterung verholfen dadurch, dass der sibilus 
abgestreift wurde, und blosses f zurückblieb. Man nehme 
üffidfi, fides. S^öyyog^ att. st. (fnoyyog, fungus. 2(p€vdavfi, 
aber funda, s. nr. 1800, vgl. I 778. Fallo, wenn anders diese, 
von Ascoli Stud. s. 13S viel zu leicht genommene gleichung 
mit ifqHiUM nr. 496 seine richtigkeit hat. Man hat auch s. hvar 
(von der richtung abbiegen) und hval, straucheln, herangezogen 
wegen des gleichwerthigen dhvar nicht ganz ohne bedenken. 
Auch figo zufolge Kirste s. 74 zu Cifiyyw. Die Cif^xsq doch 
nicht etwa (mit suflf. fjn?) von ihrem eingeschnürten leibe? 
Noch misslicher bliebe gleichstellung damit von vespa, ahd. 
wrfsa, lith. wapsa, da nicht nur die buchstaben sehr willkür- 
lich wären durch einander geworfen, sondern auch zwischen 
k und p hätte müssen ein Wechsel stattgefunden haben. — In 
^üyarov aus a^dtTto, a^ay^ hat Umstellung des a und gewiss 
auch milderung desselben vor y stattgefunden. — Goth. smdkka, 
feige, crvjeov, aber theban. wxor, erhielt sein m durch etwaigen 
anklang an sckmecken. Wurde etwa mundartlich in dem worte 
ein digamma gehört, sodass sich auf diese weise lat. ficus da- 
mit vereinigen liesse? Vgl. Ascoli, Stud. s. 323. — Verhär- 
tungen von Vau zu tf, unter einfluss von (S, ein cr^iV, (Stpog^ 
c^, kommen im lat. se, sut^s, vos nicht zur geltung. Auch 



190 A. F. Potl. 

vi^w neben goth. stiatvs. Der Lateiner wandelte dessen v, wel- 
ches sich in nives erhielt, in nix und beim verbum nrngit in g 
mit iiasai um. Demnach, im fall nicht zd. ^ieh, schneien, ksl. 
Si^cg' Mikl. Lex. SG7, einspruch thiui, älinlich, wie in romani- 
schen sprachen v vielfach zu gu (also lab. mit gutt. beimischung) 
und g geworden. Aber auch, wie proximus, hier freilich zu 
Vermeidung von ps nach voraufgegangenem p und folgendem m, 
mit gutl. cintausch: conniveo, -nij,-i; vivo, vixi, vidtis, aber vita 
von viDus, wie juventa; fluo, conftuges (aber g in seges, vgl. 
goth. saian, und strages wohl an stelle von j) trotz fimrius, 
ftvxi. Desgl. struo, stnixi. Mithin wie fruges, fructus, aber 
ohne g (vgl. s. bhuj) fruor. Struve, Conj. s. 317. — 2xii^ 
und oxiiio besitzen ax wohl vermöge der asp. im s. ehätadmi, 
während sctTtdo, axirSälanog den hauch fallen liessen. 

Auch das gr. neigt sich gelegentlicher lautmilderuny 
von conss. zwischen vocalen, oder sonst im wortinnem, zu. So 
Ovößoc, atofitfog. 'Egeßog aus i^iifa, öqq-v^. StQi^a und da- 
zu (St^f.ßXög, GtqäßaXog, aiQoßelög, tstQaßög, atQoißog mit über- 
getretenem t hinter ß weg davor. Auch giQÜ/tßog, wie ^o/i/foc 
aus TQiqw. Ucberhaupt gern /i,ß: ^lEußto, im kreise herum be- 
wegen, herumdrehen. Dagegen (fi/nf-og, ion. st. ^ä/tgiog, der 
krumme schnabel der vögel. 'Pö/ißog, att. ^vfißog, jeder kreis- 
förmige körper. 'Patßög mit metahatischem i. Etwa selbst 
vrbis, oder dies zu wirbel, welches freilich den gutt. von goth. 
hvairban, ne^iTcatsiv dahin gegeben hat? Vgl. xi'ffßtig, da sie 
gedreht wurden. — Oä/ißa^ von ■ia(piav, il^^na und selbst, 
ohne scheu vor aspiranten-häufung, zütäifs [le. — K^ig)tee, 
*Qvßä^o>. Labh = älterem rabh, rambh im s., fassen, erhalten; 
lamhlia, das finden, wiederfinden und crlangung. Ohne zweifei 
damit eins Xaßety, iUtftßäva. Kaum Xä^vgov, beute, das nach 
einer seitc an Xsia (zu dnoXaveo) und andererseits an tpoip, ßtr 
erinnern könnte. Wohl aber passte, wo niclit mit entstellter 
präp., durch mctatb. äkq-aiva. Ad^onat aus ß -\- t, ähnlich 
wie frz. rage aus rahies, rottge (rubcus) dgl. — Möglicher weise 
lat. rahei-e, räbies mit anschluss an s. rabltas, ungestüm, gewalL 

Weiter, mit zwiefacher hcrabsenkung, fßde/tog st. septwnns. 
'Oydoog mit ausfall von dig. = oddvus aus dem duaJ-älinlichen 
vxctü, s. ashMu. Ausserdem im lat, bei zahlen nicht wenige 
herabscnkungen. 1. Bei quatiior (etwa unter einfluss von «, v, 
s. catväri\ zu auaära. ouadraaitita. MUulriHaenti. letzteres als 



Latein u. ^iech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 191 

zusammengesetzt mit quaterni. Ascoli will Stud. s. 100 den 
Zehnern ein nichtssagendes qtiantus aufzwängen, obgleich nicht 
der leiseste grund zur abweichung von der bisherigen erklärung 
vorhanden. Viginti bis nonaginta nämlich haben den ihnen 
von geköpftem decem^ skr. daga(n)^ her gebührenden nasal, 
welchen auch das gr. als xovTa (trotz dixa, und zwar aus 
verliebe des nasals für voraufgehendes o) nicht verschmähte, 
bewahrt. G jedoch Hessen sie wie in negligo^ negotium sich zu 
g mildem. Eixoarog, nevTfixoaxri dgl. haben t, wo nicht ohne 
ersatz w, in dem Superlativ - suflE. untergehen lassen. Dieses 
mag nun s. -{ha, wie Tivagzog aus caturtha, sein oder ^nfzog, 
wie unser zwanzigste u. s. w. Vgl. noatog^ gehe es nun von 
noisoq aus, oder sei es, in welchem falle es lat. quot, s. kaü 
enthielte, mit s. kaHtha gleich, nevtaxoatoatog dgl. könnten 
den Zehnern nachgebildet sein, ohne dass -ato mit &(fto eins zu 
sein braucht. In den gleichfalls superlativisch gebildeten ordi- 
nalien vicensimus (allerth. noch mit n aus viginti -f- timtis, vgl. 
zd. v^ä^4ema, s. vmQati4amay dem aber der nasal vor t ab- 
geht), weshalb ^ im gewöhnlichen vicSsimus oder vigesimus^ 
sowie tricesimtis, auch mitflf; und ferner in vicies, vigies; tricies 
fiiit der nebenform iricesies (vgl. rgtaxopra^ weshalb c und 8 
st. fU vor i) hat sich das alte c erhalten, welches sonst dem 
jängeren g weichen musste, wie in quadragies, quadrageni u. s. w. 
b deürlei distr. auf -ini könnte man allenfalls t der primitiva 
(vgl. htni, sS-ni, qutrni) vor n unterdrückt glauben. Bei den 
nmltipl. "rndes, quadragies u. s. w. ist das unglaubhaft, und 
kann man die fortlassung des blossen suftixes 4%, -ta sammt 
nasal davor nur nach dem muster von s. vinga (der zwanzigste; 
n. ein zwanzig) dgl. beurtheilen. Centum ist, als verzelmfachung 
der zehn, selbst von [dejcem entstanden. Seine compp., mit 
ausnähme von ducenti, trecenti^ sexcenti (% 3, 6 hunderte ent- 
haltend), entlehnen ihren vorderen theil den distributiven der 
einer: quadrin^genti (qtuxtemi), quin-genti (quini), septin-^enH 
(eher aus septeni als aus Septem)^ octin-genti (dem vorigen nach- 
gebfldet trotz odoni)^ non-genti (noni und kaum novem). In 
emU-ies u. s. w. geht nirgends das nt verloren. 

Ganz besonders verdient noch erwähnung der bei den 
Makedoniem gepflogene brauch, an stelle der gr. aspiraten 
iddit etwa die entsprechenden tenues zu setzen, sondern media. 



192 A. P. Polt, 

selbst im anlaute, Bsgsvixti, äUmnof, äßgovieg sL iy^s, 
dävoi st, itävavoi u. dgl. m. Sturz, Dial. Maced. p. 31. 

Anderseits wieder im gr. zeigen sich aspirate auch in Suf- 
fixen, was doch im* lal. nicht der fall ist. Also die indische 
präp. aiki in vav-ipt dgl. (lat. in seltenem einverständnis mir^i 
st. s. mahy-am mit h st. bh; d., abl. -6ms), nä/tift, aber mit Xt 
das doch wohl andern Ursprungs, «aj-x»! sonst viell. durch ver- 
mengung mit naxv, s. compar. batibhjam, ndfxv gleich, und 
^X*- Letzteres etwa wie im skr. hi, denn, ja, nämlich. Hinter 
relat. z. b. yö Jd. Auch vaixi und wx», wie s. mit neg. na hi. 
Sodann von Zahlwörtern (Utvaxöi, navtax^, äiictxov, ötJaxov, 
SXtfaxov, Uo/UaxiSg u. s. w, ; aber nolläxig. M^a und tQixa. 
Ja «Jtxi^a und %qix9ä. Diese doch wohl nicht mit bloss stützen- 
der, aber begrifflich müssiger denl., wie in x^wi', nt&ktq^ son- 
dern nach weise z. b. von s. tr%-äh&, in dreifacher weise, v<hi 
^ä, legen. Und solchem muster folgend auch viell. ^h9a^ 
wenn zu ähg mit w^lassung des hauches um & willen. JtjS'tit 
wie di^v, und daher S^ftvvi». Aber mit a vor x ■ciiQaxa, rsiQaxS^d, 
nivtaxa, Staaaxn^ oxiax<Sg. — Ferner, ich weiss niclit ob mit 
symboliscJicni gegensatze des hellen t gegen a im vorigen der Ver- 
kleinerung zu gefallen -tx^i it^ demm., wie nv^Qtxog (burrus), 
dQ%aitxsvg, aaT^(>ixo( aus ctoT^Q, »dddixof, und in egn. j^fwy- 
ttX"^/ ^iQti%txos u. s. w. Auch TioXixv^i Onv^ixvtov. UäiaxvtP 
neben Ttaiävi] etwa zu ^w/eo, der breite w^en. Oder nario- 
l*at? Viell. ^avxoi aus ^a-xai, s. us, sitzen; kaum aber hinten 
mit scJiweigca, ai/äv. Ausserdem demm., wie zupa^xov, ogvv- 
tfMv. — Adjj., die viell. aus »xo, »x» ißit neuem suff. gebildet, 
ntvtXQÖq, (uBXQoe neben to itiaxog, ta%(i6q. Allein auch mit y, 
7.. b. avtj'^o;, atavvYQOi. Und mit ip: axBlttfQÖg, axXtffpQÖQf 
UxolvtpQÖg, — 'OqvIx*? "nd ÖQVlSsg von ÖQvig. Letzteres etwa 
Wie Yvdi^og in vergleich mit ^^vwg. — Wurzeln durch x erweitert 
sind vi^xa, Ofi^x^'i '^|uü]c<tf, i/'t^Z"') V^Z'^i aäx'^i äiaatäx»- 
Delitzsch, Stud. s. 99. Maat^x"'^ ^^ (utardSa aus mandere 
mit ff aus vd. Dagegen fmadös u. s. w. s. 188. 

Absehend von fiöx^og (vgl. /töyog, mühe), Üx^og (zu s. 
sah) und öxitog, ÖQoxOot (von zweifelhafter herkunft, da ab- 
leitung, sei es aus e^w oder veho, das aufwärts vermissen 
Hesse), öqnai^6g (reihe, wohl vergleichbar mit öqimq und ^, 
legen), gedenke ich zuletzt einiger Wörter mit -Ü^qov. Da diese 
gleich denen auf -tqov = s. tra-m, lat. iru-m Werkzeuge oder 



Latein n* griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterscUede. 19^ 

mittel zu bezeichnen pflegen, ist es verführerisch genug, sie 
letzteren gleichzustellen. Man könnte ja auch auf den gedanken 
verfallen, ^^ habe sich unter aspirirender kraft von g, wie im 
zd., eingefunden, wie z. b. in d-qdtTco^ Ti&qmnov^ dessen d' 
wegen asper in Innog keinen ausreichenden beweis giebt, 
&Q$vaxiiij von trini? Auch (pQoifuoVy (pQOVQog wie iniovqoq^ 
qgovdogj wie zd. fra, nqo. Etwa auch KQovog zu s. Jcaratia, 
machend; als schaffende zeit, XQ^^^Q^ ^^^ letzteres mit % st. x, 
oder = s. harana, wegnehmend, raubend? OtXelv erklärlich 
aus zd. frt, s. prt Wie aber käme es doch, dass die Wörter 
auf "iQOP als weitaus die mehrzahl, anscheinend ohne grund, 
sich jener Umwandlung entzogen hätten? Dies bestimmt mich, 
bei "^Qop lieber auf comp, mittelst s. dhara, haltend, tragend, 
erhaltend (vgl. lat. fir-mus) zu rathen. Oder sollte, gleichwie, 
sahen wir oben, ^ häufig vor /l» zu einer gewohnheitsmässigeu 
stutze, trotz urspr. bedeutsamen Ursprungs aus wz. (kf^, gewor- 
den, auch hier dasselbe sich dem, im gründe eigentlich ge- 
meinten suff. QO zugesellt haben? Vgl. ava&sQog; tpaO^aqdg und 
tpa&vQogj beide auch mit d. Es hätte sich aber letzterenfalls 
das vereinigte -d^Qov auch rücksichtlich der betonung an -tqov 
angeschmiegt. In meinen äugen ist daher die endung von 
xiy^&Qop mit anschluss an xivi^^fsog grundverschieden von der 
in xiv^Qop, 'Elxii&Qov und lAx^^^o^. Desgl. fiiat^d-ijov, allein 
auch giiai^tQov (ggs. q)iXTQov) mittel, hass zu erwecken, "^q&qov 
wie dg^fiog? ^HXaiy>QOv. KXeX^qov^ xX^id^qov. Lat. daus-trum 
von claudoy aber dies erst, s. vorhin, aus clavis, etwa mit dem 
schluss von indo, thue hinein? ßad^Qov (vgl. ßa^fjog; ßißda&cnVf 
etwa aus i^-ax?), dnoßäd-Qa und diaßd^qa f. — Kvxfjd^qa* 
vaqaxiji aber xvxii^qov^ rührkelle. — ßid-qov etwa grübe, wie 
ßox^Qog^ oder wirklich zsgz. aus ßSQcO-Qov, ion. st. ßaQad-Qor? 
Kaum doch umgekehrt diese, nebst seltsamem ^ im maked. 
tiqed^Qov, Verlängerungen aus ßi&qoy mit einsalz von q. Ztti- 
d^qov. 'Pisd-qovy qeix^qov. Av&qov ^ wie i.V(Aa^ liUum. Dag. 
Xvtqov, lösegeld. Das m. Xv^qog^ wie olsO-qog. Auch oq&qogj 
meine ich, des sol oriens wegen, wo nicht vom aufstehen, vgl. 
Ä»5 ix Xsxiiov (SqvvTO. Eigenthümlich von einer person: 
ftvXmd'qög (molitor), wie iaiqog. — Kqsfidd-qa und xqcfidöTqa, 
KvX$vd^-9'qa wie oqx^(frqaj dessen sigma wohl in dem x^ von 
iqXV^f^og, aber att. oqxfitSfiog seine erklärung findet. "AX^vd^- 

. ZoltMdmft fOr veigl. Sprachf. N. F. VI. 9. 13 




194 A. F. Polt, 

i>Qa, volutahruni, sonst xoriarga, JIzoXuOqov. TfQÜ^Qoy^ das 
üusserslc, nebst tf^/i« zu s. far, übcrsclircilen. 

Die mögliclikeit, jedoch auch nur diese, lat. -h'um, -hra 
deckten sich, von dem lautweclisel abgesehen, mit -x^qop, -O^qu, 
gebe ich zu. Allein der von mir zu llumb. P s. 434 If. be- 
folgten erklarung, dass sie, wie unser -har, dem vorbum ferre 
entstammen, hält sie meines dafürhaltcns nicht das gegcngewicht. 
Ascoli fasst in seinen Stud. ?. 123 — 148 unter der Überschrift: 
»Die lat. formen des ursprünglichen inslrumental-suffixes 'tra€ 
den gegenständ ausführlich ins äuge. Mich haben jedoch die 
argumcntationen des italienischen gelehrten nicht davon zu 
überzeugen vermocht, eine so bunte Vielheit von suffixen älm- 
lichen sinnes (ob darin nun fr, tq, ^^, hr oder nun gar «•, 
und wieder diese mit l an stelle von r, enthalten), sei lediglich 
aus s. 'tra abgezweigt, und gleichsam nur ein fürwahr doch 
über die maassen ungewöhnliches farbenspiel ohne genetische 
und demnach auch ursprüngliche sinnes-verschiedenheit. Wo- 
her ferner hat Ascoli s. 128, 138 qjQeO^QOv und xifiBx>Xov? 
Wenigstens Passow erwähnt sie nicht, und erregen sie auch 
der zwiefachen aspir. wegen bei mir bedenken. Gqo scheint 
fast ausnahmlos auf vocalisch oder mit liq. schlicssende wur- 
zeln beschränkt. Zu zeugen seines entstehens aus -t(;o ruft 
Ascoli s. 133 zd. ga-thra, dü-thra, pti-tlira auf. Er selbst hat 
vag-tra, rag-tra, pis4ra daneben gestellt. Ist ihm denn aber 
nicht eingefallen, dass deren t nur darum der behauchung ent- 
ging, weil es unter dem schütze eines zischers stand? Ferner 
aber, einen augenblick entstehen von ^&qov aus fi*üherem -rgov 
zugestanden, was bewiese dies für das latein? Und in welches 
irrsal von Schwierigkeiten verstrickte man sich durch solcherlei 
annähme? Einmal müsste doch das latein, da es sich bei 
Wörtern auf -bnim keineswegs um lehnwörter handelt, unab- 
hängig vom griechischen und aus eigenem antriebe zuerst -trum 
in ein thrum (sicherlich docli eine gewaltsame forderung, denn 
datJiri schreibt man nur der entlehnung aus xI^Oqov wegen!), 
dann dieses in ein -frtim umgewandelt haben, um endlich an 
vierter stelle bei -hrum anzulangen. Ausserdem hülfe borufung 
auf sQsvi^w einerseits mit t, z. b. rutilus, und dann doch wie- 
der mit f, h, s. oben, als labialen zu nichts. Der fall liegt ja 
von grund aus anders, indem bei -trum unaspirirtes t das ur- 



Latein n. griech. In einigon iliror wicliligslen lautunterschiecle. 195 

willkürliche durcheinandermengen von adjj. auf -Ulis und -hilis, 
wovon früher die rede gewiesen. 



II. Vocale. 

Wenn nun aber der lateinische vocalismus dem der 
griechischen spräche vergleichend gegenübergestellt wird: da 
stösst man nicht minder in diesem betracht auf tief einschneidende 
unterschiede zwischen beiden. Wir haben denn also 

1. Die verschiedene behandlung des accentes hier und 
dort, wie z. b. dass die Römer als ßaQvvxixoi bei mehrsilbigen 
Wörtern den ton nicht auf die endsilbe legen, wogegen unter 
den griechischen dialekten nur allein die Aeoler sich diese stelle 
auch von betonung frei halten. Femer, dass im latein auf die 
quantltät der letzten silbe nicht, wie im griechischen, in betreff 
der tonstelle rücksicht genommen wird, dagegen auf die der 
vorletzten, um welche nun seinerseits wieder das griechische 
sich nicht in dem maasse kümmert, dass, wenn lang, dieselbe 
nothwendig betont werden müsste. Also z. b. ^641% aber nodog, 
wie s. auch padds, Tsqiiöwv^ ovog^ teredo, inis. Hdmines, aber 
nlsviAovoiv gegen nXevfjLovog^ lat. pulmönis, pulnwnes, obschon 
äv&Qionoq^ allein ävi>Qoinov, 

2. begegnet uns im latein, wenn man die unächten, zu- 
nächst aus den kürzen e und o entstandenen t, ä, welche in 
jüngerer zeit wuchernd darin überhand nehmen, und von denen 
in lehrbüchern nicht uneben die minderzahl der ursprüng- 
iicheil i, u durch den druck unterschieden würde, ausser acht 
lässt, ein mächtiger drang nach abschwächung der vocali- 
schen elemente. Gewissermassen das gegenstück zu der hauch- 
entziehenden richtung im gebiete der consonanten. Und zwar 
zeigt sich dieser einmal 

a) in dem allmählichen absterben der diphthonge, 
solcherweise, dass sich diese meist zu langen, also nur ein- 
farbigen vocalen verflachen. S. Corssen, Ausspr. schon I \ 155 ff. 
und 231. Von allen, in älterer zeit noch nachweisbaren diph- 
thoDgen aUf ou^ ai, oi, ei hat sich einzig au, und auch dies 
nicht überall, behauptet. Man müsste denn lauten, wie ae, oe 
diphtliongischen rang zuerkennen. Durch derartige Verwischungen 
entstehen aber zuweilen selbst Vermischungen solcher art, wie 
im dot pl. U sowohl = atg I als o$g II. Oder im gen. sg. II 

13* 



1Ö6 A. P. Polt, 

i = oto, s. a-sya (mit ausfall von s auch im lat.vor j, wie 
z. b. di-judico) und im n. pl. ^ = oi, lat. früher oi, oe, ei. Das- 
selbe i steht aber auch z. b. im dat. patrci, pcUre, zuletzt pcUrt 
= s. pitre. Corssen s. 215. Also ganz verschieden vom sog. 
dat. im gr. narSQ&, navQl = s. loc. pitar-lf. — Ferner als 
Steigerung (guna) von kurzem i z. b. in dtcere, noch deicet s. 228, 
vgl deixyvfi^j zu s. dig. In gleicher weise steht ou an stelle 
von (V als guna von kurzem u in abdoucet, indoucere. Vgl. den 
ablaut in siXt^Xovd-a^ dMovO^og^ zusammen des wegs ziehend, 
aus xilsv^og^ und fiafjLnäxovx^og. Sonach mag denn auch die 
im perf. übliche Steigerung, z. b. reliqui, liXotna, wie vidi, 
olda, s. veda; vicus, olxog, s. vega, oder fügt, nifferya (vgl. 
etwa s. hhdga, Windung^ einer schlänge) mit nichten von vorn 
herein auf blosse vocal-verdoppelung hinauslaufen. 

Dann b) in kürzung der im älteren latein oft noch als 
längen nachweisbaren endsilbe, was wohl damit zusammen- 
hängt, dass sie, bei mehrsilbern selber tonlos, auch überdies 
ohne einfluss auf die beton ung bleibt. Findet doch sogar ver- 
rückung des tones statt, z. b. dnimäl, dessen zweites a, vgl. 
animälia, nach ab fall der neutral -endung e gekürzt worden. 
C, Ausspr. I ^ s. 328 ff. — Man wird diesen Vorgang um so 
bemerkenswerther erachten, wenn man namentlich den nom. 
sg. ins äuge fasst. Denn, während das gr. bei sexualen Wör- 
tern den Wegfall des nominativ-zeichens s durch vocal-länge zu 
ersetzen pflegt, zeigt der Römer bei mangel eben jenes s für 
gewöhnlich in entgegengesetzter richtung kürze, selbst dann, 
wo dem thema die auch sonst bewahrte länge zusteht. So 
durchweg, im unterschiede vom ä des abl., ä im nom. I, auch 
bei dem gr. entnommenen Wörtern, wie Geta, Mida, Sosia 
u. s. w., poeta, nauta, die man der acht römischen weise, scriboj 
conviva, collega, durch fortlassen von s anpasste (Bentley, Opus- 
cula p. 517 sq.). Das skr. ä lehrt, dass in der I im nom. f. 
allein länge berechtigung hätte, und hat das gr. deshalb auch 
insgemein 5, oder dafür 7, und viel seltener, namentlich bei 
movirendem -ia = s. i (wohl aus yd\ kürze. Das auch vor- 
kommende -a, -TOT, z. b. si^Qvona, Innoxa^ vsfpsX^ysQiTa, st. täg^ 
tfjg, ist nur noch eine weitere concession an das fem., mit wel- 
chem das äusserlichc zusammenfallen in den meisten casus 
lediglich durch contr. aus ao-g nach II sich einschlich. Daher 
ja auch im allen latein paricidas, hosticapas, i. e. hosHum cap- 



Latein u. in*iecli. in einigen ihrer wichtigsten iautunterschicde. 197 

tor. — Das suflf. -tor, pl. -tdr-es. S. ddtä (ohne r), daiaras^ dcittaQj 
toqeg; indess auch mit anderem acc. dot^Q, -t^Qsg^ lat. ddt6r,'tdres. 
Von dem kurzlautigen -tar, toq durch synkope : voratrina, sutrina, 
pistrina, latrina wie piscina, culina; auch doctrina wie disci- 
plina. Fem. tric. Und so auch pdtgr nom. voc. gegen nat^Q, 
aber mit symbolisch für den vocativ als gls. nominaler interj. 
geeigneten kürze und tonzurückziehung nd%BQ, Vgl. ebenso bei 
der verbalen interj., d. h. dem imper., in 2. sg., nicht nur apok. 
fer, die, duc, fac (diese früher noch mit e\ sondern auch kürzung, 
z. b. ca/oe, videsis, sowie mangel eines personalz. im lat. immer, 
während z. b. im gr. einzeln -^#, wie skr. dhi (hi). — Weiter 
S mf. mit einbusse des thematischen n = s. ä (st. aw-s), aber 
gr- wv, z. b. Plato st. niäztov. Auch o in 1. sg. ind. = gr. 
10, s. Ormi, während auch im conj. ä^, ä-t, gr. « (auch S-xw-ji**), 
^, z. b. legat st. Xiyy, s. ä-ti. — Erwähnt wurde schon der jähe 
abfall von äl (vermöge dissim. är) an stelle von die (dre). — 
Hiezu kommen auch noch die nominative auf ör st. des älteren 
-^s (z. b. honos; decor^ welchem ein neutr. dec-us, oris gegen- 
über steht) und im compar. iör (gr. -köv, s. tyän) mit neutr. 
ius = $ovy s. iyas, deren Ö, u in den anderen casus länge gegen- 
über steht. — Auf er besitzt das latein eine menge durch 
apokope von us oder is entstandene formen, die aber dann im 
nom. (auch im superl. ptdcher-rimus , acer-rimus durch assim. 
wie fadHimtiS, suflf. timus) vor r ein e einschoben, das also 
nicht, wie man sich gewöhnlich einbildet, in den andern casus 
geschwunden. Sie besassen es in den wenigsten fallen, es sei 
denn in Wörtern, wie tniser, miseri, welche des zischers wegen 
e nicht gern entbehrten. Oder dextera, tra. Auf die be- 
dingungen, unter welchen diese art apokope unterbleibt, will 
ich hier nicht weiter eingehen. Nur ein paar hingeworfene 
bemerkungen. Länge in der vorletzten silbe hindert den ab- 
fall z. b. in avcuruSj severus, decorus. Der verbleib in humerm, 
numerus rechtfertigt sich, weil mr nach einem mhr verlangt 
hätte« Also ager (verm. durch *agrtis = äyQog^ *agr'S, goth. 
akrs, und zuletzt abfall des einen der durch assim. entstande- 
nen rr). Alexander aus IdXi^aväQog. Acer aus acris, wie ter 
= tgig, aeol. tiQTog (s. trtij/a mit r-voc.) st. TQitog, Ahrens, 
Aeol. p. 79. Vir, s. vtras, lett. mhrs, allein lith. noch wyra-s. 
Aber auch schon goth. vair. — Satur. 



198 A. F. Polt, 

Beider, nicht wenig in den charukter der spräche ein- 
greifender lautveränderungen, dieser und der vorigen, macht 
sich das griechische nur selten schuldig. Doch will ich nicht 
ein paar falle unerwähnt lassen, die ich in verdacht nehme, 
beispiele einer küi'zung zu sein, wie z. b. das adv. modo neben 
dem lang verbliebenen abl. des subst. viodö, ovo st. dvw. Ich 
spreche von dem ax-»g, ^) allein auch «x* bei multiplicativen, oder 
ähnlichen Wörtern, wie 6<sdxiq^ dijd^dx$g^ kxaxeqdx^q, ^afidx$g^ 
noXldxtg, ^Oxrdxig mit a wie kntdx&g u. s. w. Auch sixoffdxtg^ ja 
stxoiSdni^Xvg st. eixoainiixvg, nev%Bxauixo(SdiSfiiAog, *Exaxoviaxtg 
nach weise von iBfsaaqaxovxdx^g u. s. w. Die form auf ax» er- 
weckt den schein, als sei sie dat. sg. von einem suflf. ax, das viell. 
nur irrthümlich an advv., wie fiovvd^^ Tiigi^^ erinnert, in denen 
ich, gleichwie in img^i^ dgl, verkürzte dat. von subst. auf -Ji-c 
(vgl. inifAilStg) suche. Formen aber, wie zBtQdxig, sind doch 
unstreitig pluralisch gedacht s. v. a. zu vier malen. Vgl. lat. 
(ütemis (sc. mcibm). Ist nun nicht aber z. b. das späte TsvQaxi 
eine blosse kürzung daraus mit einbusse von g? Was jedoch 
das axtg anbetrifft, da wusste ich, falls man nicht gar darin 
einen mit noXt^a* gleichen ausgang voraussetzt, nur auf ein oig 
von einem thema axo nach II zu rathen, das seinen diphthong 
entfärbt hätte, wie im lat. das freilich lang gebliebene -is? 
Nicht ganz unwahrscheinlich unter hinschielen nach dig = s. 
dvis (lat. bis), tQlg^ s. tris (lat. ter nach weise von acer, s. kurz 
vorher) und s. catur(s) = lat. qtuUer. Die beiden zuletzt ge- 
nannten multiplicativ-formen aber neigen sich den plural-loca- 
tiven der cardd. tri-shu, catur-shu im s. so auffallend zu, dass 
man jene für blosse kürzungen aus letzteren zu halten geneigt 
wird. Allein auch dlg gegenüber dem plural-dat. dv-tfi wider- 
strebte nicht zu sehr. Hat doch auch das skr. vishu, obschon 
in Widerspruch mit semer herkunft aus der dualen zweizahl, 
den nämlichen ausgang, im sinne von >zu beiden seltene, wo- 
mit von uns früher iicog, iVo^, lak. ßiaoQ, tatog^ in Verbindung 
gebracht worden. Auch wohl aus einem solchen adverbial ge- 
brauchten loc. abgeleitet zd. thrishva, ein drittel, gls. von einem 



^) Uydgaxasy viritimf wie mit dem sufT. -^as im skr.? Allein das « in 
cxxK lässt kaum einen vergleich damit zu, obschon letzteres häufige abll. 
von Zahlwörtern bildet, z. b. gatagas^ hundertweise. Vielmehr muss mau 
an "ka im skr. denken, wie catushka, aus 4 bestehend, pdncaA;a, qataka 
u. s. w. 



Latein u. griech. in einigen ilirer wichtigsten lautuntersdiiede. 199 

dreigetheilten ganzen ein theil. Abfall von u hinler zischer 
hatte eine analogie wenigstens in lat. mox^ mit dessen erklärung 
aus nioveo und ocius es nichts ist. Es deckt sich vollkommen 
mit s. maJcshUy nmnkshu, bald, das gleichen Ursprungs ist mit 
zd. makhsti, Schnelligkeit, in compp. 

Ferner z. b. dfAoißadig (adj. dfiotßdd^og)^ auch -jydi'e, und 
dfAOißadoy, was mithin nur acc. nculr. nach II sein kann. Auch 
aJUt;d»$ älXogj a^vdig (aeol. mit v st. o?). Ob eine beziehung 
zu dem localen suff. -J«, wie es bei x^(^^^^9 st. x^f^^C^ und 
otxadtg wegen der formen xafxdde-g und oX^aöa-g neben oXxa-de 
Greg. Cor. p. 230 starken anschein hat, bedünkt mich trotzdem 
nicht allzu gewiss. OXxade-g hat mit suffix-häufung noch ein- 
mal das, dem oixo-cs u. s. w. abgeborgte -cxfi, jedoch in kürzerer 
gestalt sich angeeignet. Damit ist aber ol'xadtg noch keines- 
wegs erklärt. Plural-endung wäre auch hiefüi- und für xai.iddig 
nicht gerade ausgeschlossen. Scheinen sich doch x^l^^C^i 
hQai^s nach d^vqa^s, ""AO^/jpa^s gerichtet zu haben, in wel- 
chen der plur. acc. auf ag mit -de seine gute berechtigung hat. 
— Sollte nun nicht -dig in obigen Wörtern auch dat. plur. 
sein, wie eine menge singular- casus anscheinend verwandter 
art in adv. gebrauch sind? ^Ava(favd6v^ -da acc. n. pl. ggs. 
xQvßday xQvßötjP^ letzteres feminal. ^xeiov^ axeöitjv^ (fx^- 
d^v. Miyda^ fiiydriv^ fjtlya und fAiyddfjv, ^EuKSiadov, Mo- 
yadöy, fiopadt^v, Koofii^dov wie vicatim; ari/^dor. K^ov^dov. 
Jlavtfvdei, 

Nicht aber auch fioytg st. (loyoig^ mit vieler mühe (ahd. 
dat. muJn, glossirt fatigatmie)^ ä pciyie, lat. aegrc, krank, gegen 
sane? Unser kaum, mhd. küme, mit mühe und noth, küni 
schwach, krank, elend. Selbst fioyog-toKog^ den schwer ge- 
bärenden helfend, mit seltsamer verirrung, indem man sich zu- 
gleich nach zwei selten hinziehen Hess. Die ächte comp, hätte 
sich mit dem thema (^oyo- begnügt. Nun wollte man aber auch 
dem casuellen verhältniss ((loyoK) einen ausdruck geben, was 
aber denn bloss andeutungsweise mittelst g geschah. MoXtg 
mit ausfall eines gutt. vor X (vgl. vno fidX^g), wie ficoXogy lat. 
mölcs, mölior wahrsch. machen. — Will man nicht /w^k als 
loc. von XfaQidig fassen, dem end-^ abgebissen: da bleibt auch 
wohl nichts übrig als ein dat. auf -o«$ (vgl. x^^^oc, mit anderem 
acc.). D. w. hienach gls. suis locis^ in getrennten räumen für 
sich. Xäqog selbst geht doch wohl als klaffender, leerer raura 



200 A. F. Polt. 

auf die wz. von xa»V« zurück. — "AXig räthselhafl, vgl. auch 
Ahrens, Dor. p. 53. /«A» (fort. faX^g) ixavöv. 

Ausserdem habe ich von meinem alten glauben (be- 
reits EF. I^ s. XXXVIII f. und 136, sowie Wwb. I 2 s. 996), 
^eotg sei in mehreren compp. zu d^sg- zusammengezogen, mich 
zu einem andern zu bekehren noch keine Ursache gefunden. 
Ueber ältere deutungen von &s6g, worauf es bei der frage mit 
ankäme, s. Creuzers Symb. I s. 5 und § 54. Auch Charles Ploix 
m Mem. de la Soc. de Ling. T. I p. 213: Les dieux, qui pro- 
viennent de la racine div. Bergmann, Curiosites ling. II: An- 
Ihropos et theos. Oigxslog^ als egn. Ov. M. V. 182, bei Aristoph. 
^eixeXog, gottgleich. Vgl. dvÖQsixslog. Aber instr. d-igipaxogj 
von göttem gesprochen, vgl. fatum. Gleichen sinnes ^eania^og, 
so scheint es, falls nicht >von göttern begleitete, vgl. cnetyj 
intoy sequor. Wenn jenes, zu eineXv, €<fn€t6, dessen <;, wegen 
j:inog, vox nicht mit insece vergleichbar, nach dem muster von 
Snsaov gebildet und durch metath. vor n gekommen scheint 
Ob viell. casuelles sigma vor verbalem ausgefallen, ist nicht 
recht klar. Im ausgange verm. wie EvqiiSiog, l^qiitftog, Idxi- 
fSiog^ ysviiSiog^ ^avfAäa$og dgl. Also wohl nicht, wie ^dvenig^ 
vom neutr. enog. Dessen a hätte sich schwerlich zwischen 
vocalen gerettet. Auch ^iifntg^ z. b. dotd^ und do$d6g; ^s- 
annadog. Ausserdem, gleichwie divino (Diony^) afflatu be- 
geistert mit prophetischem namen, der so geheissene Urheber 
des gr. dramas. Wie sich 2dlantg, tdog mit anscheinend gleichem 
ausgange dazu verhalte, weiss ich nicht. >Gesunde reden füh- 
rende giebt wenigstens keinen so überzeugenden sinn, wie etwa 
S(o(pQ(ov. Doch nicht etwa analog dem Kreter ^aifiapng s. v. a. 
Qovfiavxhg? — In d-sitnienijg sodann (gls. gottgesprochenes wort 
redend) steckte demnach ein zwiefaches derivat von elnetv. Nicht 
auffallig, sobald der Ursprung des Wortes ^i(fn$g im sprach- 
bewusstsein sich verdunkelt hatte. OSantog und Giffneta t 
des Asopus (aber Idaconig t. des Thespis) als eponym mit 
Oeamai erklären sich von selbst. Aber woher ein solcher 
öfters vorkommender ortsname? Die berühmteste so geheissene 
Stadt lag in Boötien am Helikon," einem Apollo nind den da- 
nach 'EXiX(avta& nag&ivoi benannten Musen heiligen gebirge, 
weshalb uns auch die Thespiades Musae nicht wunder nehmen 
können. Eben so wenig aber Thespiades, als zufolge Val. Flaccus 
Argus, erbauer der Argo, indem dadurch wohl nur angedeutet 






Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautnnterschiede, 201 

werden soll, er stamme aus einem orte mit erfinderischen köpfen, 
welche >unter göttlicher eingebung« wunderbares zu stände 
brächten. Befanden sich in Thespiä weihen oder ein orakel, und 
erhielt davon der ort seinen namen, oder wollte man durch 
diQ wähl desselben nur überhaupt seine bewohner unter gött- 
lichen schütz gestellt wissen? — Man denke daran, was Strabo 
sagt: ^ Jvnddivi^ x6 fihv naXawv vno OeanQtötotg ^i/, und es 
kann wohl kaum einem zweifei unterliegen, die Thesproter so- 
wohl als Lykaons söhn OsanQooTog bedeutet s. v. a. ^solg 
nengwfiivog, den göttern gewidmet, wo nicht: von ihnen ge- 
schenkt, dargebracht. — Im gegensatz hiemit O^sogsxiyqia von 
&eoJg (kaum doch gen. ^>bo%o noch mit dem g, wie in s. cfevo- 
sya) ix^ifog, den göttern feind, oder pass. ihnen verhasst, wie 
ix&QodaiiAcav possessiv: zu feinden die götter habend. 0€O$- 
öatidijg (auch viell. mit f st. ad) von Gsogöotog, möglicher 
weise irrthümlich in die analogie von J$6gdotog, vom Zeus, 
iu J$6g^ aber auch als achtes comp. Jtodotog^ gegeben, hinein- 
geglitten. Indess auch ^eogdtoQog^ von gott geschenkt; oder 
beschenkt. Vgl. ^vxSg-ovga nach Kwog-orga, aber AvxovQia^ 
Kvvovqia. Auch mit gen. vscogoixot, GedäcoQog, als geschenk, 
öwQov, von den göttern den altern dargebracht, oder (als 
poss.-comp.) : von jenen gaben empfangend? — 'EQfAOx^satog ist 
unstreitig der vom Hermes erflehete, nach weise von noXvO^ea- 
rag. Ggs. dno&asxog. Desgl. wohl Sitstri^ OiatvXlog (Desir 
derius, HoXvevxtog, als von den altern ersehnt), QidtvXig. 
Auch etwa Oiattog, Ob ^iaaaad^at mit dem indischen desid. 
didhishatij geben — , verschaffen wollen, im med. sich ver- 
schaffen wollen, zu gewinnen suchen, von dliä (li^^fn) sich in 
vergleich bringen lasse, wage ich nicht mit Sicherheit zu be- 
haupten. Noch weniger eine beziehung zu ^eog, wie beii^sog- 
xwBlv (nQoax.^ ocquinisco, conquinisco^ ähnlich wie inquüinus: 
incda), obschon zur noth das auch in nQotaaofiat enthaltene s. 
ish, erwünschen, sich dahin wenden Hesse. Bedeutet dieses doch 
mit dem acc. der sache und loc. der person (eig. in jmd. etwas 
suchen) jemand um etwas angehen. Das s. bietet uns freilich 
ein diih-ishti, nach Grassmann urspr. himmelswunsch, daher 
andacht, gebet, opferfest. Ist aber auch GSavcnQ activ als an- 
betender und die götter befragender gemeint, wie sein vater 
*ldfMv (vgl, auch IloXvidog, Creuzer IV 105) als kundiger seher, 
und der 9«<rro^6«o^ fuiyttg KdX%ag^ avtog (zu xakxaivw, in 



202 A. F. Polt, 

liefen gedanken sein) ihr geschäft durch den bedeutsamen namen 
verralhen? 

Es liat aber Ascoli, Studien s. 293 — 309 dem »©fo^und 
O^aa- in iyßaqaiog etc.« eine besondere aufmerksamkeit gewid- 
met. Ohne weiteres gebe ich iiini zu, ^satfuvog und die ahn- 
lich gebildeten compp. begründen mit nichten zu der von Curlius 
aufgebrachten und auch noch Grundz. 5. aufl. s. 520 festgehaltenen 
erklärung des gr. gottesnamens, als Hesse sich aus O'ea(fatog 
u. s. w. ein "^^tao- der angeflehete (während x^iatracxtat doch 
wohl nur erflehen) als urform von ^aog erschliessen , irgend 
welches recht, und auch Windischmanns und R. Rödigers her- 
leitung aus ^fj, als gls. schöpfer (dhä-tar), ist unzulässig, und 
längst von Roth, Dmz. I 66, verworfen. Mit dem besten willen 
aber kann ich mich seiner eigenen deutung auch nicht mit 
freudiger Zuversicht überlassen. Divydj auch divid^) in den 
Veden, himmlisch, Grassmann s. 606 ergiebt wenn auch anders 
accentuirtes diog nach ausstoss von v {div, himmel), «. Wwb. 1 2 
s. 982. Daran zweifelt niemand, und dasselbe würde mit devya, 
devia 1. götllich, d. h. die eigenschaften eines gottes (devd) 
habend, 2. den göttern zugehörig, und mit gr. O^sXog^ selbst 
x^astog, unfehlbar auch der fall sein, machte nicht die ab- 
weichung durch & am letzteren orte stutzig. Qsog hat mit s. 
devd die gleiche tonstellung, während natürlich das latein ver- 
möge seines accentuationssystemes nur dms sagen konnte. 
Sehen wir nun einen augenblick vom ^ in ^sog ab, da wäre 
Wegfall von dig., wie von v im lat., ganz in der Ordnung, und 
nicht minder weiter die kürzung des diphth. nach aufgeben des 
i-elemenles. So entspricht -cw5, z. b. in aureus, ligneus u. s. w., 
dem gr. -co$, das seinerseits auf älteres -etog zurückgeht, wie 
z. b. xy^^^^og^ '^ogj und mit Wechsel der tonstellung im alt. 

^) Der einfall von M. Möller, Stratif. p. 31, als enthalte dies das loca- 
tivische i von div-iy im Iiimmel, und olxtTog den locativ ofxo», ist wohl 
nicht allzu ernstlich gemeint. Letzteres widerlegt sich einfach schon durch 
die ion. form oJxpiJog. Was würde denn wohl unter Voraussetzung, es 
verhalte sich damit so, aus ivxftogy oUiog und oUog und vielen aa.? Diese 
weil mit einem suff. fMg = lat. ^us gebildet, gebe ich willig, als nicht 
dazu gehörend, preis. Olxttog aber befolgt unstreitig die analogie von ßa- 
ailiiog, ion. -ii«off, welches seinerseits das dig. von ßaüUi-tog oder ^-og vor 
dem suff. lo-ff fallen lässt. D. h. also, es geht aus von olxfvg, und nicht 
von olxog. So verdankt auch dculog sein f demjenigen in äüre-o^y wel- 
ches als rest der gunirung €v von v zu betrachten. 



Latein u. griecb. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiedc. 203 

contrahirt xp^'^^oiT^. &IB02 angeblich für v>sdg auf kretischen 
münzen (Curtius a. a. o., Ascoli s. 302) mag nicht genügend 
verbürgt sein, würde sonst aber zur entscheidung grosses ge- 
wicht haben. Dasselbe gölte yon osßsmoXu^ wenn Bezz. beitr. 
V p. 326 für diesen auf einer pamphylischen inschrift von Syllion . 
vorn nicht unwahrscheinlich st. O vermuthet. Es müssto das 
adj. x^istog, nur noch mit dig., darin stecken. Auf Kypros 
scheint dem gottesnamen das doch sonst hier übliche digamma 
abzugehen. S. M. Schmidt, Inschr. von Idalion z. b. s. 99 den 
dat. rot 0'€oT. Man darf aber wohl mit grund annehmen, 
mundartliches &i6g und mit (f (etwa weil ^, wie heule, nach 
englischer weise^wie hartes th gelispelt wurde?) dafür awg be- 
wahren noch eine erinnerung an einstiges et = e m s. devd^ 
und dor. d-svg bei Kallimachus, ^ev/AOQog, von gott zugelheilt, 
vielleicht gar an einstiges digamma. Man vgl. böot. egn. wie 
GtSdiOQog^ &i6fiva<frog u. s. w. Dann ferner spartanische mit 
<;«!- st. d^so-j ^ov' und i^ev- anderwärts (s. Pape), z. b. J««- 
dixrag, SstfA^dtig, ^sinofinog^ ^sittfAog, und den seiner list 
wegen, xiQdtaiog II. 6, 153 vgl. Schol. Soph. Aj. 190, be- 
rühmten 2iav(f'0g ($ lg.), was also wahrscheinlicher r^eocoipogy 
als, wie Curtius, Grundz. s. 512 5. aufl., meint, blosse redupl., 
was in dem Hesych. ai-av^pog' navovQYog auch nicht allzu ge- 
wiss sein möchte. S. in den Oesterr. Sitz. bd. XGII s. 528, 
ausser lakonischen egn. linofinogj JStxX^g, ^$x^QV^^ ^^^ ^^^" 
manische fftstd^g st. ^soeiö^g. Auch viell. ungeachtet des kurzen 
« SißvXXa (A-*a, wie äXXog^ dem scheine nach dem.) eher: 
der götter rathschlusse verkündend, vgl. GsoßovXog^ von den 
göttem wohl berathen, EvßovXia^ als nach Jwg ßovXrj Gerh. 
M. I* 147 benannt, indem <r auch kaum aus 2ötvg erzielt 
würde. Gründe genug, für i^sog sowie dem (vgl. auch dil = 
9Boi^ diis &solg^ wie n, iis, denen aber j abhanden gekommen) 
einstigen diphth. b^ zu vermuthen, wie daxiov sich nur aus 
einer erweiterung mittelst si als gunirung des # (vgl. lat. osscus) 
in s. asthi erklärt. — Jetzt kommt freilich der stein des an- 
stosses, das ^ in ^sSg. Nur um dieser Schwierigkeit zu ent- 
gehen, sind so viele, und eben ihrer menge wegen bis etwa 
auf die schwer erkennbare eine richtige, versteht sich, fehlge- 
schlagene versuche gemacht. Ascoli lässt den Zusammenhang 
zwischen ^sog, deus und devä unangetastet, wenn er auch die 
grumoatiscbe identität läugnet. Da wird denn zu s. divya-s als 




204 A. F. Polt, 

auskunftsmittel gegriffen, indem dies, obschon unbestritten mit 
diog sich deckend, anderseits auch wieder durch ein natürlich 
fingirtes dfwg (in welchem also i hinter d weggefallen wäre), 
von diesem zu einem, auch nicht allzu leicht hinzunehmenden 
(JjTfioc, hierauf ^j^eog, und zuletzt zu i^eog sich soll hindurch- 
gearbeitet haben. Und was helfen uns alle diese schönen 
sacheichen? Höchstens doch dies, dass wir zu behauchung 
von d durch v einen mit O^vga u. s. w., zd. dvara parallelen 
anlass gewännen. Man wird vielleicht sagen, damit eben sei 
ja alles gewonnen. Doch wohl kaum so ganz, auch wenn man 
davon absieht, dass die angewendeten beweismittel äusserst 
künstliche und gezwungene sind. Denn, nicht zu reden davon, 
dass deus kein f aufweist, wie fores, sehen wir doch auch in 
dig trotz gleichheit mit s. dvis, oder sonst bei Jf, kein d- sich 
einstellen. Um aber jenes vermeintlichen vortheiles nicht wie- 
der verlustig zu gehen, sieht Ascoli sich genöthigt, in den zahl- 
reichen indischen compp. mit divas, z. b. divas-pati {himmelS' 
herr), statt dies in natürlicher weise für gen. s. von div, him- 
mel, also = Jtogj wie sonst jedermann glaubt, zu halten, ein 
aus divasa, tag, und einigen parallelen dazu abstrahirtes neu- 
trum auf -as zu suchen. Das könnte jedoch als solches un- 
möglich >gott als person«, sondern höchstens >himmel€, statt 
>gottheit, nunien divinum^ bezeichnen. Auch leistet der italische 
Diespiter nur einen zweifelhaften beistand, da er recht eig. als 
der das tageslicht heraufbringende gott verehrt wurde. Preller 
Rom. M. s. 166, 168, 218, 577, So bei Gell. V, 12, 6 itemque 
Jovis Diespiter appellatus, i, e. diei et lucis pater, weshalb 
denn auch >dieser gott des lichten tages das neugebome kind 
mit dem alles belebenden und beseelenden lichte empfangtc. 
Wir dürfen demnach mit ziemlicher gewissheit annehmen, das 
Vorderglied des namens entspricht nicht dem skr. divas in 
compp., sei vielmehr erst, wie der gott selbst, auf italischem 
boden gewachsen. S. ausführlich wie über Mars Wwb. I 2 942 IBf. 
Es scheint aber ein gen. von dies, in ähnlicher weise wie -os 
in pcUer familias, oder auch ein verknöcherter nominativ, wie 
Marspiter, freilich auch Maspiter, g. Maspiteris oder -pitris^^ 

*) Jioi\Ph j:(Q60Qtt ravQoii erklärt Mommsen, Unterit. D. s. 191 als 
dem Z(vs iQonaiog (vgl. aversor pecuniae) entsprechend. Das lässt mich 
glauben, in Mavors^ und daraus contrahirt Mars, sei auch vartere zu 



Latein u. griech. in einigen ihrer wictitigsien lauiunterscliiede. 205 

Preller s. 296. Aber auch mit dem vermeintlichen eintausch von 
€ ffir » in d-iog liegt die sache so einfach nicht. Ich muss mich 
freilich schuldig bekennen, EF. P 114 selber ziemlich unbefangen 
itcog mit s. satya und xsvsog mit s. gunya (dies jedoch auch 
nur unter der misslichen annähme, dessen u setze ein va vor- 
aus, wie das andere gmiya im sinne von xvvsog aus xvpsiog) zu- 
sammengehalten zu haben. So ohne weiteres darf man indess, 
wie auch Wwb. II s. 244 willig von mir anerkannt worden, 
auf solchen Wechsel in der üblichen spräche nicht pochen. Ein 
B im hiatus beruht nachweislich oft auf wegfall des consonan- 
tischen elementes vom guna «« (s. ay) oder «f (s. av) von sv, 
z. b. noXs'tog, ßaifiliag. Desgl. z. b. (ftsXsov = arsiXsioVj ahd. 
Stil. — Für d^ig-ffavog u. s. w. schafft sich Ascoli aber damit 
rath, dass er ein ^ätFeg-tfarog erfindet. Also ein comp, mit 
einem neutr., wie aaxeg-yiÖQog, jedoch nicht, wie hier, im sinne 
des acc, sondern instr. gedacht. Auch darin soll sich nach 
erfolgter synkope öf in d^ verwandelt haben. Sa-dj-as, dieses 



doch in etwas, dass mores feindliche männer sein mussten. Viel selt- 
samer käme das jedoch nicht heraus, als wenn mlat. hostis f. heer sich 
in den romanischen sprachen festsetzte. Diez, Ewb. s. 229 ausg. 4. Dürfte 
man hingegen in dem t des namens ein suff. für nomm. ag., wie in fiay- 
rK» annehmen, da gewänne man etwa, wie Nestor ovQog 'Ax^dSy hiess, um- 
gekehrt einen mores tuens, wahrend (s. var) die männer (der eignen par- 
thei). 8 von mos wäre vor v gerade so geschwunden und durch länge 
ersetzt, wie in divortium. Weitere verschluckung von r vor dem s in 
Magpiier aber, falls dies nicht etwa vater oder Schützer (s. pätar) der 
männer (mit beibehalten des s von mos, wie mas-culus), fände Vorbilder 
nicht nur z. b. in ios-tus^ sondern auch selbst in susum, sursum, die ja 
ans verto gleichfalls hervorgingen. Anlangend aber das oskische Mdmers 
nnd den vokativ Marmar im Arval-liede dächte ich lieber an einen durch 
eintausch von m für v herbeigeführten schein von reduplication (r hinten 
st rr s= rs?) als, mit etwaigem bczug auf mors^ an den »männermörder 
oder mannhaften mörder? c^i^cf^cft^oi^n^^c — Nicht aber sei hier noch ein 
anderer einfall unterdrückt. Wie doch, wenn in Mavors u. s. w. nicht 
mos steckte, sondern mcUurn? Dann bekämen wir daraus eine art averruncus 
(vgl. bene averruncare) , wie er ja auch im Arval-liede angefleht wird, 
allerlei unheil zu verhüten. Freilich wäre verlust von l nicht so leicht zu 
verschmerzen, wie der von g in mä'VÖlo, mälo aus mage. Vis scheint aller- 
dings aus dem conj. velis gekürzt, wie e. suchy uohich = solch, welch, und 
ßi ans ob. Auch noti sieht aus wie ein zwitter, der als scheinbarer imper. 
nach IV. doch verm. von noHs seinen ausgang nahm. Vin tu? Wie steht 
es mit imiUus? Es streift nahe genug an velle an, wenn nur nicht die 
faraüielie Schwierigkeit wäre. Zu s. vt? 



20ß A. P. Pott, 

Lages, mit ausfall von v, oder pare-dyus (aus "^divasi^ im loc., 
mit u st. va durch samprasarana?) und pare-dt/avi mit loc. 
von di/u^ anderen tages, morgen, dgl. können dabei nicht in 
betracht kommen. »Von einem tage gesprochene wäre sinnlos, 
und die bedeutung von divas als gottheit beruht auf lediglich 
geheischter Voraussetzung. 

Um meine eigene ansieht über die vorhegende frage inter- 
pellirt entzöge ich mich gern mit einer cmifessio ignorantiae 
dem ansinnen. Ich glaube übrigens zu den übrigen compp. 
Mq-ifatog, ^ig-xsXog (O^sotg ixsJiog, kaum »gottgefällig, wie 
€«x£, es dünkte gut«, und a gewiss nicht das von staxon), vgl. 
&€0€lx6log, ia6i>sog (hier das abhängige glied hinten, wie in 
■d^iotVQc) u. s. w. der beispicle von kaum minder wunderlicher 
zusammenfügung mit unregelmässigen casus-gebilden genug bei- 
gebracht zu haben, als dass ich deren von mir vertheidigte 
erklärung gegen blosse willkürlichkeitcn hinzugeben brauchte. 
Dergleichen abirrungen von der gewohnten bahn sind indess 
kaum je ausgeburten eigenwilliger laune. So wollte man z. b. 
in d-iaipatog unstreitig, so gut wie in (loyog-roxog , wenigstens 
eine andeutung vom plural-dativ durch das g geben. Bei 
ersteren sogar mit Unterdrückung von dig. vor 5, nach über- 
springen des diphth. o$; und der plur. »götterc etwa, um 
keinem einzelnen vor den köpf zu stossen. Um aber dieser 
etwas harten zumuthung mehr erleichterten herzens nachzugeben, 
sehe man sich einmal die gar bunte mannichfaltigkeit an von 
compp. mit dem neutrum oQog. Also einmal mit dem dat. pl. 
oQS(S<sißiogj oQsaißiog. Das kürzere oQig-ß&og II. 5, 707 und 
ogsg-xülog lassen möglicher weise eine doppelte deutung zu. 
Entweder ging ihnen das obige end-* verloren, wie ifsgig-ßioq^ 
was seinerseits jedoch mit slxBai-ntnlog dgl. (d. h. vorn mit 
nomm. act. auf -er*) in analogie steht, denselben vocal einbüsste. 
Oder es ist darin oqog selbst als thema enthalten, nur mit b, 
wie "^Ogia-rai doch auch ein bergvolk (montani, \gL Montenegro) 
bezeichnen wird. Sonst dafür dQshijg, d. h. wohl mit ausfall 
von a vor », vgl. x^Q'^^^^^ noXiti^g, Hingegen mit «* als den 
Singular -dativ anzeigend oQsißdTtigj wofür poet. mit pl. oQBCt- 
ßatijg. Dann aber auch an stelle von oqsixvnog mit o* ; oqoi' 
xvnog. Kann man zweifeln, letzteres in einer gewissen nacli- 
ahiiiung von xoQoi'Tvnog^ obschon es nicht, wie dieses durch 
seine bildung als lok. nach II, gerechtfertigt ist. Auch ist der 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lantonterschiede. 207 

wohl nur sagenhafte name des alten, gls. altfränkischen dieh- 
ters "^OqoißdvTiog Ael. V. H. 11, 2 kaum anders zu verstehen, 
als: noch der zeit der rohen gebirgswandeler angehörig. Auch 
in oQOTvnoq ist, wie in manchen andern compp. mit neutren 
auf -0^, das Vorderglied so behandelt, als sei es neutr. nach IL 
Vgl. tat. vulgivagtis, wie schon im gen. vtdgi II trotz vulgus n. 
III; foedi-fragus, vulnifer u. aa. Hingegen oQioxvnoq \Qvm, aus 
dem subst oQoq mit dem üblichen zwischenvocal o in coinpp., 
also st. OQS^'O, vgl. corparicida. So auch ovQsocfoixog neben 
QVQ6(Slif)o$Tog. Gekürztes adj. ogsiog, wie etwa in oQBoaf?.&rov 
gegen dqsmtsX^a mit lok., kann es in den beiden genannten 
compp. nicht füglich sein. Dies aber entschieden z. b. in oqbiO' 
röfiog (montana pascua frequenfatis) , allein oQsn'ofjogj Ölsaat- 
vöfiog dem strengen wortverstande nach m moiite, in montihus 
pascens. — Seltsam zum theil nehmen sich auch mehrere compp. 
mit noXig aus. JloliaQxog, auch mit einschub von o noXio^fv- 
Xaxim sind in der Ordnung. Auch no?.tovxoc, woneben doch 
auch schon noXii^o%oc^ dor. noXivioxog, trotz no^af^Ttjg ciniger- 
maassen befremdet. Aber, was soll der zischer in noXiaov%og^ 
auch mit (S<s^ und noktaaorofiog? Vgl. Roediger, Compos. p. 43. 
91- Wegen noXixvrj an eine ableitung wie vsoaaog^ oder wohl 
gar an eine solche motion, wie ßatsihcaa dabei zu denken wage 
ich nicht. Allein auch annähme eines darin versteckten gen. 
noXtog oder wohl gar acc. pl. noXsig empföhle sich nicht allzu 
sehr. Sollte nicht aber, da nohatsoog vorhanden, das in ihm 
enthaltene <r<u^, >die stadt gesund und unbeschädigt erhaltend«, 
auch in nohcov%og zu suchen sein? 

üebertragung wenigstens eines asper nach vorn, freilich 
nur bei verquickung zweier Wörter durch krasis, ist nichts 
ungewöhnliches. Selbst, wo der vocal des ersten Wortes über- 
sprungen werden musste, wie in ^otfidttov f. to ifiduoy; 
■9-aifiätia. Odtsgov mit äisgov der Dorier, und xoixsqog contr. 
aus 9tal o tvsQog. Auch vielleicht der asper in tv«, weil es, 
vgL uro, s. dshdmi, ein <;, zunächst w^ohl in asper verwandelt, 
einbüsste. Wie könnte man ferner läugnen, iffiäXti^g habe 
den, wegen äXXofiat, salire, berechtigten asper selbst über den 
endvocal von ini hinweg auf die präp. verlegt, um ihm eine 
firelstätte zu gewähren, entgegen dem hom. imäXfisvog, selbst 
indi^vog an stelle des üblichen tifik/j^iiui? Auch i^ftoQxelv 
Ahrens 11, 83. — Mir auch nicht schlechthin unglaubhaft, eine 



208 A. P. Pott, 

gewisse abergläubige dcisidümonie habe, bereits früh, wo nicht 
allein, doch unter etwaigem eindrucke von Volksetymologie, 
deren schon im alterthume mehrere von dem worte umliefen, 
sich einmischend, die allzu grosse nahe zwischen O-sog^ im fall 
einst auch mit d anlautend, und to diog auslöschen wollen. 
Bei staunen, botheuerung, fluche enthaltenden ausrufen giebt 
es ja im täglichen leben bei uns genug beispiele, welche mit 
einer gewissen scheu vor missbrauch von heiligem sich nicht 
ohne absieht müssen abenteuerliche Verdrehungen gefallen lassen. 
Z. b. sapperment, potz (gottes?) tausend, herrje (Jesus), frz. 
pärhleu, morhicu, morbleu st. nwri de dieu. — Sonderbar ist ja 
auch lat. levir, s. devara-s, aus dem bei Nonius ein laevus 
herausgedeutet wird trotz unläugbarer gleichheit mit da^^q^ voc. 
däsQ^ sl. djever Mikl. Lex. p. 185. Lith. deveris, s. devdr. Im 
anlaut wiche aber das lat. so gut von deus, wie ^«17^ von 
d^eog ab. Wenn aber das griech. wort überdem ä (ags. tdcar 
mit c aus g für v) st. des ursprünglichen e (ahd. eeiMiur) zeigt, 
so geschah es wohl, um der Wiederholung von e in den meisten 
casus zu entgehen, wie ja auch deshalb, mit Vermeidung des 
regelrechten voc. st. s. deva, Osog, deus diesen casus vertreten 
mussten. 

Zuletzt aber, das ^ in ^sog anbelangend, mögen doch zu 
einer gewissen entschuldigung noch einige beispiele von d- für 
d dienen. An stelle erwähnter media sind, wxnn auch erst in 
späterer zeit und unter einfluss eines unmittelbar folgenden 
asper ov&Big, (n^O^sig, obschon doch keinesAveges ovzs «?^ Ahrens 
II, 84, sowie nach deren analogie, obwohl unter durchaus nicht 
mehr zutreffenden Verhältnissen, odd^cftia, fiiid^sfiia gebildet. 
Sollte ovTidapög dies beiläufig zu bemerken, noch den dent. der 
pronn. im neutr., also Ti(d), wie quid, in sich enthalten, wie 
^fisdanog den abl. asniat? Auch entstand äv&qcanog (d unter 
aspirirendem einflusse von q) aus ävdqeg, gls. mannsbild, vgl- 
aväqonQoacdnog, Das mysteriöse dqoip und ägtSneg^ angeblich 
äv^q(ano$, welche Bentley, Opp. p. 493 aus Porphyrius ver- 
zeichnet, sollen in räthselhafter weise, scheint es, zugleich nach 
[AfQoneg ävdqeg hinspielen. 

Die ächten i und u des skr. behaupten sich im griechischen. 
Nur hat sich das u zu dem mittellaute ü, wie im franz. und 
holl., verdünnt. Vgl. auch im lat. einen medius quidam inter 
i et u sontis. C, Ausspr. l\ 143. Jedoch hat der aeoliscbe 



tiatein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten tautanterschiede. J20$ 

dialekt, welchem hierin, wie in manchem andern, das latein 
noch näher steht, sich auch ein u, kurzes und langes, gerettet, 
das, in ermangelung eines besonderen lautzeichens dafür, mit 
dem übrigens auch der ausspräche nach diphthongischen ov, 
z. b. xovyeg, d. i. xvvsg, s. gunas, wiedergegeben wird. Vgl, 
beim Ulfllas au für gr. o und at f. « in lehn Wörtern, wie 
praufetus (also S, und nicht itakistisch!), nQO(p^Ttigj praish 
bytaireis, ngeaßvrs^og. Ohne zweifei, indem er damit falscher 
ausspräche als langes 6 oder S vorbeugen wollte. Bloss ver- 
einzelt dagegen liegen unächte, d. h. nicht ursprüngliche, #, v, 
tnnog^ vtJj, avüpvfAog, navfjyvQtg^ in dem a-kreise (a, «, o). Nun 
bedenke man aber, welche fluth unächter % und u (zum theil 
vielleicht letzteres als zwitterlaut m), d. h. solche, denen zeitlich 
die kürzen c (als mittelton zwischen a und i) und o (mit hin- 
neigung von a nach u) vorausgingen, über das latein herein- 
gebrochen, in einem maasse, dass sich die unverfälschten da- 
gegen ausnehmen, wie rari nantes in gurgite vasto. Und so 
maassen sich denn dabei eindringlinge aus dem a-reiche eine 
rolle an, welche ihnen von vorn herein nicht gebührt. Sonst 
bleiben ja, wie aus dem skr. ersichtlich, die i und u, trotz 
ihrer charaktervolleren bedeutsamkeit, und zwar jenes vermöge 
seiner raschheit und höhe (discant), aber letzteres damit im 
gegensatz wegen seiner langsamkeit und tiefe (bass), — viel- 
leicht gerade deshalb, — angesichts a, welches gleichsam als 
urvocal zwischen beiden die mitte hält, ganz ausserordentlich 
in der minderheit. In ihrer massenhaftigkeit maassen sich i und 
u im latein eine rolle an, welche an sich ihnen so wenig ge- 
gebührt, als etwa dem im deutschen wuchernden e. 

a) Im griech. zeigt sich an stelle des skr. a- lautes als 
bindevocal zwischen wurzel, oder stamm, und personal- 
endung, — abgesehen von perf. und sigmatischem aor., welche 
als charakteristicum « haben, — ein €, jedoch vor nasalen 
meist ein o-laut, der sich hienach mehr zu diesen hingezogen 
fühlt Vgl Usyov 1. sg., 3. pl., ilirofiev, aber Uey^g, €, ste. 
Ein solches imperf., wie desgl. sog. aor. 2., geht dem lat. ab. 
Allein lego = iUy» (s. d-ww), hingegen im conj. unter anschluss 
an die anderen personen legam, legämus, legänt gegen Xiyta 
(anch noch unverstümmelt im conj. Ixco/ii), XiyoifiBv^ «ex* und 
Ugwiü «a dor. Uyovxty gew. ovtSi vertragen sich recht gut. 
Auch etwa inquam nicht zu s. khyämi, sondern als bescheidener 

BriiMkcift mr t«^ Spnchf. N. F. VI. 2. 1^ 




210 A. P. Polt, 

conj., vgl. insecr, wie die 1. sg. im ful. auf a^n? Mit bezug auf 
letzlere sei der parallele in den östlichen sprachen Indiens ge- 
dacht. Iloernle, Gaudian lang. p. 331. 333: The pres. conj. is 
occasionally used in the fut. indic. Freilich eig. the old pres. 
indic. Das «, lal. o, der 1. pers. sg. erklärt sich demnach als 
verbliebene einwirkung des nasals auch nach dessen abfall. 
Man vgl. dasselbe co im gen. pl. wv, z. b. noötav^ pcdum, skr. 
pad-dm. Ferner im du. -tov st. tarn, allein -rjyv st. -iäm, wo- 
gegen im imper. -tcdv unter anschluss an -tw = s. tat. Sonst 
legitis und Uysve. Nun haben wir in legimus, legunt ein », a 
an stelle des griech. o, sowie auch sum, siimus, snnt und quae- 
sumus. Namentlich vor dem m als lippen- nasal stellten sich 
ja vermöge einer gewissen attraction die homorganen vocale 
und u ein. Auch steht u überdies oft vor labialen conso- 
nanten G. Ausspr. P, 143 ff. mit theihveise zwischen u und t 
schwankender lautfärbung. Die dortigen beispiele indess haben 
nur zum kleinsten theile, z. b. artuhus, mmiubus gegen abge- 
schwächtes i in fructibus, cornihus u. s. w., luhido, IcLcrimae 
(ddx()Vfia) wirkliches u zur Voraussetzung. Viel öfter einen in 
die a-reihe fallenden vocal, z. b. im superl. optumus, ma^icumtis, 
deren suff. = s. tama. Kürzer gr. tßäofjiog, scptimus; decuma. 
Das ältere o hat sich übrigens noch vor nt erhalten C. s. 260 
in trcnwnti, exfociont. Da aber selbst in der III., d. h. starken 
conj., in der älteren zeit sich länge in 2. 3. sg. ts, U vorfindet, 
rechtfertigt sich freilich der von ihm s. 353 hieraus gezogene 
schluss, es müsse ihnen eine, dem gr. f#g, €1(1) entsprechende 
länge zum gründe liegen, die sich nachmals verkürzte. Also 
läge der fall anders als in legMs dgl. Merkwürdiger weise hat 
das part. präs. z. b. Icgentes mit e trotz in liyovrsgj und 
zwar in abweichung von legunt. Nur in eimtis, iowog gegen 
icns, ifiv (s. Ihema yant) bricht \vieder u durch. Wie desgl. 
in einzelnen gerundiven, z. b. repetundarum mit u neben e. 
Im passiv-particip cUumnus, Vertumnus (wechsel der Jahreszeiten). 
Trotzdem als 2. pers. pl. legmini u. s. w., wohl in folge von 
assimilation, zweimaliges kurzes t. 

Ausserdem neigen und u sich ganz besonders, nicht bloss 
labialen (so auch einem voraufgehenden v, z. b. vox, voster, valgus), 
nein ferner, was weniger einleuchtend, einem nachfolgenden l 
zu, ganz besonders in geschlossener silbe. Nur scheinen sich 
die Gegensätze i und u vor l nicht zu vertragen, weshalb dann 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautonterschiede. 211 

-ioltis, a, wie z. b. sciolus, fdiolus; viola. Man nehme volo, vuU, 
Dag., wo i oder e dem l folgen, vermöge einer art vocalischer 
anziehiingskraft mit e: velim, velle^ vellem nach dem muster 
von sim, esse, essem. Aber futural gebraucht volam conj., 
voUs u. s. w. opt. , der form nach wie feram, (p^Qco^ feres, 
(f^QOic. Noch mehr mit v voraus: vtiUtis, wenn, was nicht un- 
wahrscheinlich, mit l st. r, zu o^ofco, gewahren, wdlimehmcn, 
und vfdiur zu vorare, und sogar das suff., wie toq mit kurzem 
vocal? Vulnus zu vcllo? s. früher. Vulgus, s. varga, und j^rö- 
mulgare mit tn st. m-v, aus in vulgiis. Btilga, lederner ranzen, 
s. Ben. Mhd. Wb. unter büge^ schwelle auf. Vulpes, lupus und 
d. tcdf zu s. lu^)^ woher vihipya^ zerstörbar, vilumpaka rauber, 
dieb. Bulbus, ßoXßog; puls, ttoItoc, Fulgeo, fulgur mit zwei- 
maligem M, yUyco, (fA.6^^ wie mulgeo, cifialyo}^ d. melken. — 
Auch ohne voraufgehenden labial: stolidus^ stultus, wie ollus, 
ultra. Columen, ctdmen. Culmus, calamus, unser halm. Culter^ 
wohl nicht zu colere, cuUus, sondern zu s. hart, schneiden, mit 
l wegen r. Adultus^ sepultus; calim, caligo, oceulere; pepuli, 
pulsiis; perculi, perculsus; inculcare. Insidtare zu insilio, salio; 
aber i^isidsus umlautend aus salsus. Facultas, simultas auch 
im sinne verschieden von facultas, similiias. Simvlare etwa 
nicht zu similiSy sondern von einer form auf tdus, vgl. öfiaXog? 
Simulj proctd (zu procello?) apok. — Entlehnt: Ilercides, Aescu- 
lapius, auf der sardinischen trilinguis: Aescolapius, Rödiger, Berl. 
Ak, 1870 s. 268, mit einschub von u. Letzteres, als gehörte es 
zu aesadus. Aplustre aus äqlaarov, als wäre es analog mit 
palustris. Cafapulta, xatanüaTjg. — Ausserdem öfters u vor 
dem sufif. laüus, auch wenn dies in dem grundworte nicht vor- 
handen. Turbxdcntus trotz herkunft aus turba; Itdtdentus aus 
IL und hienach carpidentus, wie virulentus von dem heterokl. 
virus, i n. Luctdentus, apide^Uus. Violentus wegen i mit o, wie 
in sciolus dgl. EF. P 64, und selbst, obschon noch ein n da- 
zwischen steht, vinölentus gegen temtdenius, und sanguinolenius 
mit der nebenform sangudentiis, vgl. acc. sanguem, Macdcntus 
wegen niacies. Gracilenius neben gracdis und dem doch wohl 
participialen cracentcs. Dag. trueulentus von irux. Durch an- 
ähnlichung von lippenconsonanten : bubus, wie umgekehrt soboles, 
aucupes, recupero, vitupero, contubernium. — Wenn jpiXka nicht 
wäre, brächte man ohne grosses zagen pidex, ahd. floh, mhd. 
vl6h zu vliuhe, fliehe, seiner flüchtigkeit wegen. Freilich müsste 



212 A. F. Poll, 

dabei vorausgesetzt werden, im lat. sei die wz. zu einer zwa- 
silbigen auseinander gezerrt, v in vlöh aber, wie z. b. in vlög, 
fluss, zu verstehen. — Ausserdem hat das « in den demra. mit 
-adus assimiiirend auf den vocal in den primitiven auf o» ein- 
gewirkt. So homun-culus, Urwn-cuius, orafiun-eula, wie ja aach 
arbuscula, minusöulus, opusctdum u. s. w. 

EntgegengeseUt dem ist die beachtenswerthe abneigung, 
welche gegen ein i vor sich das r zur schau trägt. In analogen 
lallen nämlich, wo anderwärts i steht, gesellt es sich an dessen 
statt e bei. So denn legere, legcrem, erim, eram, ero, während 
doch legissem, legisse, vgl. essem, esse. Auch z. b. moreris gegen 
rnorUur. Nirgends ferner findet sich, woran bereits EF. U^ 67 
erinnert worden, vor r ein sonst doch so häufiger umlaut zu t. 
Verba mit er lassen in compp., wie a/fero, aggero, desero, keinen 
umlaut zu. Solche mit ar höchstens den minder schwachen mit 
c, 2. b. pauper, vipera a.\ispario, iniperare. Iners. Dann /öederis 
dgl. {nom. us), cineris, ptilveris (nom, änis, pulvis) g^enüber 
dem i in fluniinis u. s. f. — Auch schiebt sich, s. oben, vor r 
nach erfolgter apokope: ager st. äy^of, celeher st. -bris ein e ein, 
wie ter aus tgli geworden, und temi sich zu trini, cemo zu 
discrimen, xQtvca verhält. Auch sacerdos und uterculits, jedoch 
von vierus, neben «tricultts. So denn femer cdeher-rimus, aber 
facüAiwus, indem t vom suff. ~timus durch progressive asä- 
milation nur noch virtuell verblieb. — Uebrigens ist i nicht 
gänzlich vor r ausgeschlossen. So in dir-imo, wo für cU$, ir-r 
st. »rt-r. Firmus von s. dhar, halten. 

Wir haben bereits oben bei gelegenheit der i- und ti-decl. 
erwogen, dass sich diese vocale, wo ursprünglich, mehrfach 
standhafter behaupten, als mit ä und genossen S, ö der fall zu 
sein pflegt. Einzeln freilich sind sie dem Wechsel unterlegen. 
Da haben wir also z. b. in fructibus, aniada dgl. umspringen 
von u aus seiner tiefe in das hellere i vor uns, welcher Sprung 
jedoch durch einen übergangslaut von der art des gr. v ver- 
mittelt sein mag. Allein auch nicht jedes ursprüngliche » ist 
von dem Schicksale des wandeis verschont geblieben, w^ 
doch z. b. acc. wie ignem, s. agnim, und abl. auf c. Wir 
werden sehen , dem lat. kurzen end-i ging es seinem alten 
adelsbriefe zum trotz nicht allzu gut, indem es an dieser stelle 
weitaus im übermass zu charakterloserem e entartete. Auch' 

Tfirlnr sich niiliint(>r rtna i. 7^ h. vnn illuittris. trigtü. in nhll. 



Latein u. c^iech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterscbiede. 213 

wie ülustrare, contristare, nicht anders wie der thematische 
vocal von albus z. b. in albare, albere, oder der von serws in 
servire. Dagegen z. b. aestuare, manticUis, frtictuosus, fruduarim, 
übrigens auch igni-arius. 

b) Das gr. pflegt im ersten gliede der composition den 
thematischen ausgang o (seltener ä, ly), i, v aufrecht zu halten. 
Auch hierin mit ihm uneins das latein, welches über alle diese, 
an sich wohlberechtigten anspräche auf auseinanderhalten gleich- 
gültig hinwegsehend die unterschiede erbarmungslos in dem 
einen t, als deren allgemeinem Stellvertreter, verschwimmen lässt. 
Taeäifer st. öqöo(p6Qog; niuüiscitis, armiger; fractifer (frudi- 
ficare) neben ignifer; frugifer, Ardpotens, arci- (auch arqui-) 
ienens von arcus, arqwus, trotz arx. — Auch in den ab- 
leitungen zeigt sich häufig ein«, sei es als abschwächung des 
thematischen auslautes oder als hilfsvocal zwischen primitiv 
und suffix. Man nehme beispielsweise: justüia wie tristi-tia, 
Patrimonium wie testi-monium; veritas: civi-tas; beatüudo: farU- 
iudo; monüor, monitus und daher monitare. 

In der lat. flexi.on des nom. hat i den bescheideneren theil 
für sich behalten, den grösseren dem o und später dafür u über- 
lassen. Die ganze IL decl. im gr. und lat. setzte durchweg o 
an stelle der unzweifelhaft primitiven a-laute, und selbst das i 
st. Oio oder o$ und is = o$g (s. früher) sind blosse schein- 
ausnahmen. Jedoch liegt dem e des vocativs, z. b. o bone, 
d gfiXe^ gegenüber dem auch unbekleideten vocativ mit a, z. b. 
deva (lat. und gr. misslauts wegen durch den nom. ersetzt) im 
s., wohl inslinctiv der trieb zum gründe, den, so zu sagen, interj. 
ruffall durch eigenthümliche, gerade in den laut verlegte Sym- 
bolik (vgl. im skr. nach entgegengesetzter seile durch kürzung 
oder längung des thematischen vocals) zu kennzeichnen. — 
Erst verhältnissmässig später traten u-s, u-m an stelle von <h8, 
(HH, welche noch zum gr. o-c, o-v. stimmen. Dies us ist dem- 
nach grundverschieden von dem gleichlautenden der IV., weil 
in letzterer das u ein ursprüngliches ist. Der dat. « = s. äya 
hat im lat 6 jede erinnerung an einstigen i-laut in der endung 
eingebfisst, während diese sich in ae (alt d-i, wie ret) = q, ^ 
lebendig erhielt. Meine DMZ. XXXIII s. 39 ausgesprochene 
vermutbung aber, die ein richtungsverhältniss wohin ausdrücken- 
den advv. idiro citroque; adeo, quo, eo (abll. beim compar. wie 
imclto), huc (st. huic loco?) möchten dative sein, erhält eine ge- 



214 A. F. Polt, 

wisse bestätigung durch den gebrauch des dat. bei verben des 
gehens im s., z. b. vanäya gacha, im sinne des Zieles. Gaedicke, 
Accus, s. 141, vgl. s. 133. Ac aber haftete vielleicht deshalb 
fesler, weil sich der entsprechende dat. f. im s., wie auch sonst 
gern feminalformen, zu dyäi gesteigert zeigt. Die übliche daliv- 
endung s. e (lat. t; aber gr. -i in III. = s. ^ ist loc.) scheint 
mir aus abhi mit auskernung zu ahi, und dann e, contrahirt. 
Vgl. frz. y, it. ivi, lat. ibi, dessen schluss ja auch gerade auf 
s. ahhi, zd. aihi, aiwi, zurückgeht. Von rückführung der aspiratä 
überhaupt zu blossem hauche enthält das buch von Hoernle, 
Gaudian lang. § IIG — 120 eine menge belege, und so denn 
auch von bh zu h. Ein mit dem lat. ihm gemeinsames und 
deshalb besonders interessantes beispiel kennt auch schon das 
skr. Nämlich ma/iy-am, d. i. mi-ki, während tubliy-am = lat. 
tibi {b ohne hauch) und im pl. bhy-as (lat. -6ws), instr. bhis, 
und zumal äis s. weiterhin. In devdiya, ^fw, deo aber, und 
ihres gleichen, gilt mir der schluss als gedoppeltes i oder äi, 
wenn man will, wie ja z. b. devas-as der Veden auch eine 
Wiederholung der plural-endung enthält. Das ay-a(y) hätte dem- 
nach den Schlussbuchstaben eingebüsst, wie z. b. der loc. t;at»c 
vor vocalen zu va^ia (st. ay) äsU wird, selbst ohne scheu vor 
hiatus. Ferner halte ich advv., wie ycUra kidracit (wo es auch 
sei), gleichfalls für gekürzte locc. (vgl. dagegen lat. postri'die)^ 
deren ^ des i-momentes gerade so verlustig ging, \vie die 
endung ta, gr. %o an stelle des volleren t(}, tat. Im dat sg. 
fem. üM^dydi für äi -f- di mit auch sonst üblicher, charakteristisch 
für die motion bedeutsamer vocalsteigerung hat sich jene 
endung mit dem feminalen ä des thema verquickt. — Auch 
im d. und abl. pl. -bus, alt z. b. fiavebos, wird das indische a 
in bhyas (mit überhörung von jot) durch o, später « vertreten. 
Möglicher weise unter einwirkung des lab. b. Indess gehen 
auch die advv. intus, subtus, radicitiis u. s. f., sowie die gr. auf 
"XÖg: ivTog, ixrog auf s. -tcLS zurück. Von neutr. auf -us als- 
bald. In widerstreit mit dem gr. jedoch hat das lat. z. b. 
voc-is, orrog^ s. väc-as, und voc-cm st. 07r-a, vdc-am, obwohl 
vocibus, s. vägbhyas. Allein vereinzelt mit u z. b. nominus an 
stelle des späteren nominis, s. ^lämnas. 

Das u im pass. und reflexiv-verbum (dep.), z, b. legitttrr, 
legimiii-r, legimu-r bedarf noch einer besonderen erklärung. 
B aus sc bat sich in lego-r schwerlich früher als nach Verlust 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 215 

von -im hinter -lego eingefunden. In legimur giebt sich noch 
legimm mit seinem u (dagegen gr. XiyofAeg, s. -mos, ved. -tnasi) 
zu erkennen. Allein legimus -|- se hätte wohl ein s-s, aber 
sicherlich kein einfaches r erbracht, assim. rr. Man musste 
also darin vielleicht eine asigmatische form, wie im skr. ge- 
l^entlich -ma st. -mas, und gr. (as-v {v bloss ephelkystisch) in 
Verbindung mit se voraussetzen, welches so sein s zwischen 
vocalen konnte rhotakistisch werden lassen. Sonst bliebe etwa 
noch als andere möglichkeit : es stecke in jenem -mur noch ein 
volles gegenbild zu der ved. endung -wo-si (ich und du). Dessen 
8 konnte dann nach anheflung von se zu r werden, woraus 
leicht r-s (st. ri-s)^ durch assimilation aber rr wurde, wovon 
im auslaut nur eines hörbar blieb. Vgl. schon oft von uns 
angezogenes lat quater st. s. catur(s) (desgl. pitus, lat. patris\ 
wie ter == tris. — In le^erirs hat sich das s von se behauptet, 
während hier das s der 2. pers. seinerseits zu r wurde, und 
diesem zu lieb auch e hat und nicht das i von legis. S. früher. 
Woher nun aber das i in legeri-s? Ich kann nicht anders 
glauben, als wir haben darin noch die ganze ungekürzte endung 
2. pers. = s. si vor uns, welche der Grieche einzig in ia-ai 
== s. a-si rettete. In legitiHr, leguntu^ scheint das i der vollen 
endungen (gr. noch ti, vt», lat. übrig in tremonti) vor r ver- 
dampft. 

Femer zeigen in nicht sehr gewöhnlicher weise (doch z. b. 
pignus aus pango; prolixus aus laxus) statt des in der positions- 
klemme üblicheren e die zahlen viginti, triginta bis nonaginia 
aufwärts ein i, während centum und mit ihm ducenti — nongenU, 
gerade wie in der ersten silbe von deceni die additiv-zahlen 
undecim u. s. f. das e bewahren. Dagegen haben wir nach 
griechischer gewohnheit, welche o st. a, s vor nasal liebt, nicht 
nur tQtdxovva bis ivpsp^xoviaj sondern auch in den adjeetiv- 
bildungen der hunderte diaxociot u. s. w. OiTenbar im letzteren 
falle als nachwirkung des ohne vocalische ersatz-längung unter- 
gegangenen r. Das (T aber erzeugte sich unter assibilirendem 
einfluss des nachfolgenden i aus r, wie in Bixoai = viginti, ob- 
sehon der dial. von Eiis in j:lxari'= s. vingati, die tabb. Heracl. 
dutxdT$oi^ TQiaxärioi Daniel, de dial. Eliaca. Hai. S. 1880 
p. 14, sowie das gr. insgemein in s-xarov (mit tv) = s. gatam 
das ursprüngliche a bewahrten. Vgl. noaog^ %6a-aog^ im fall ver- 
gleichbar mit quantus, tantus unter etwaigem ausfall von *des 




216 A. F. Polt, 

suff. io. Vgl. z. b. 2sXivovmog und dafür auch SeX$vov<f$og 
von 2sXivovg, reich an eppich, wie süvosa = vXfjsaaa. Sonst 
steht i in quinque gr. « gegenüber in nitzs^ ni/insy obwohl 
s. panca mit a vor nasal. Es würde zu weit führen, hier auf 
die von Äscoli, Studien s. 85 ff. gewagte entscheidung einzu- 
gehen, wonach nicht dem n, z. b. in goth. sibun, niun, taihun, 
sondern dem m, wie im lat. Septem u. s. w., die Priorität zu- 
erkannt wird. Nur sei kurz erinnert: die goth. Wörter sind für 
seine theorie untauglich. Ihr n ist schwerlich aus m entstan- 
den ; denn das s. cmh im neutr. und im acc. sg. werden regelrecht 
gekappt. Auch bin ich weit davon entfernt, ein m für das 
dualische du (ved. ä) in ashtäu wie dväti einzuräumen, wie 
uns schon das v in oääv-tis lehrt. Für den uns vorliegenden 
fall genügt: der nasal in viginti, tQuixopta u. s. f. rührt von 
der geköpften zehnzahl her (auch das bestreitet Ascoli ver- 
gebens), sei er nun m gewesen, wie in decem {septuaginta vieU. 
mit ausfall von m, wegen eßöo/A^xovta ^ und nicht aus dem 
Card.?), oder, wie die analogie-gerechte Voraussetzung daQa(n) 
für das skr. verlangt, n. Das skr. Hess den nasal der zehner 
fallen. Viell. nach vorausgegangenem rhinismus, wie im slavi- 
schen, meinetwegen eines n sonans, womit man ja jetzt glaubt 
Wunderdinge hervorzuzaubern. Zur noth also zwar wie gorta 
von gam, falls wirklich daga(m) die Urform wäre. Natur- 
gemäss aber doch vingati, wie ta^td part. von tan, vavogj und 
ixaToVf d. i. einhundert, und gaiam (mit Wegfall von da, vgl. 
dagati, prägnant für 100, obschon gew. dekade) als aus mul- 
tiplication von 10 mit sich selbst gewonnene summe. Das m 
in dccent u. s. w. halte ich meinerseits für secundär. Wie 
quinque (nivxs^ allein in compp. nsvta-) mochten decem u. s. w. 
urspr. in e enden. Allein vielleicht heftete man ihnen erst später 
m an. Und zwar nach dem nmster von neutren auf u-m, wie 
auch centihm. Jedoch ohne den vocal mit umzuwandeln, so- 
dass ihr ausgang, äusserlich zum a in dixa^) stimmend, dem 



^) Den Ursprung dieses Zahlwortes anlangend sei mir ein wagniss ver- 
ziehen. Der duale ausgang von s. dshtäUt oxro), goth. tihtau, habe ich 
stets gemeint, müsse seinen grund haben in der Zählung. Wegen er- 
klärung von o^, als coacervare, rieth ich sonst auf »2 häufen zu je 4c, 
mithin == 8. Nun geht aber von ag, anlangen bei, das subst. ashfi, er- 
reichung, aus, und ud-agt an die spitze kommen, bis an etwas reichen, 

ArrAirhAn Wii» H»_ wpnn wir nicht, hlnsn R. snndpm Aiinh 10 nanh Her 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 217 

von den acc. pedevn: noda ähnlich sieht. In betreff des e in 
em, also decem f. dixa, daga, darf noch in betracht gezogen 
werden: die neulra auf n verlieren im s. und zd. in nom. 
und acc. sg. das schluss-n, wie z. b. s. ndma (nomen), zd. däma, 
(töhava. Das gr. behält den nasal, z. b. in ä^Qijv, £v, zd. 
arsha(n), bei. Also wie das lat. nomen. Nicht unglaubhaft 
jedoch, es habe sich beim neutr. der bei o (st. on) in m. und 
f. weggelassene nasal in den lat. neutren auf n in den beiden 
gleichlautenden singular-casus aus den obliquen (vgl. die conj. 
nani gekürzt aus s. näma[nj) erst wieder hergestellt. Wenn 
nun decem mit genossen einst wie quinque ausgingen, später 
aber ein m sich zulegten, mit beibehaltung von e: so will mir 
scheinen, es sei geschehen mit halbem blick nach neutren auf 
-um und anderseits mit halbem nach der analogie von nomen, 
als ursprünglichem ausgangspunkte = s. daQa(n) wie ndma. 
Das neutr. %. als collectiv gedacht. Uebrigens steht lat. schluss- 
em nicht bloss im acc. der III. decl., sondern auch in item = 
8. %t4ham ind. am gegenüber. Man wird aber unter berück- 
sichtigung des instrumentalen it-thd (lat. gekürzt itä) wohl 
kaum fehlgehen, sucht man in iUtham neutralen acc. des suff. 
iha der Ordinalzahlen. Sind doch das wie und grad analog der 
zablenordnung. Gr. dixa sammt Bnxä und ivvia aber lassen 
dch, obschon sie der Qexion entbehren, dem äussern nach fast 
wie plural-neutra an nach weise von tQia, tixxaqa, Mussten 
doch ohnedies die zehner auf -ginta, ^xovxa dem obre wie plur. 
neutra (und das sind sie meines bedünkens wirklich, nicht fem. 
sg.) klingen. Das i in -ginta vergliche sich wie früher bemerkt, 
einigermassen demjenigen in undecim u. s. w., das sich als um- 
laut zur erleichterung der compp. bildete. 

c) Ein kurzes end-c, was sich an stelle von i setzte, sei 
jetzt unsere sorge. Das gr. weist nicht allzu viele s am wort- 
Schlüsse auf. In subst. und adj. fast nur im voc. der IL, z. b. 
Savs^ ci fiiXs, ^U, yXsij in einklang mit dem imper. Xiye, lege; 
f^Q$, gekappt /er wie opaer. In beiden fallen s. a. Im du. 6a<f€ (s) 
u. s. w. üivTs s. vorhin wie quinqtie, mit ihrem abweichenden e 

erreichung eines bestimmten endpunktes benannt fassen? Die Zählung 
bei verschiedenen ungebildeten Völkern geht vom kleinen finger aufwärts. 
So erhftlt man, vor dem daumen halt machend, eine tetrade, und die 
gleiche an der andern band hinzugenommen, noch eine dazu, mithin zu- 
8. AlBoashfäu s. v. a. »die zwei erreichtenc, und d-aga »spitze«? 




218 A. F. Pott, 

gls. die mitte der dekade abschneidend als eine art ruhepunkt, 
wie im skr. von GO shashti (gls. versechsfachung, nämlich der 10) 
eine andere bildung der zehner anhebt. Daher denn auch wohl 
im gr. flexion nur bei 1 — 4. Im ksl. (Dobr. Inst, p, 598, 
vgl. 589) werden die eben genannten Zahlwörter nach weise 
von adjj. mit subst. construirt, während pjaf, sJwsf u. s. w., 
sfo 100 u. s. w. wie sing.-subst. das verbum im sg. erfordern. 
Vgl. auch Fleury, Un peuple retrouve p. 67. — Dann im pron. 
die acc. ifiS^ ci, I, dem anschein nach gekürzt aus lat. tnS, 
U, sc, im s. mä, fvd (rell. fehlt), und ihnen in singularer col- 
lectivform nachgebildet äpfis, vfifis, DMZ. XXXIII 23. Oder 
zieht man vor, mit Curtius (s. auch Oesterr. Sitzungsber. XCII) 
darin die, nach indischem brauch auch thematisch verwendeten 
ablative fnät, tvät (lat. mit länge med, tSd, wie s.yasmcU), asmat, 
ytishmat (vgl. ^fisö-ancg, vfisö-anög, ablativ vor cktto), wieder- 
zufinden? ^fAid^sv, ü€&€v, tO^€v enthalten natürlich, trotzdem 
dass nccQotO^s unzweifelhaft eine locativform, wie otxot, ein- 
schliesst, wie xaiiald^sv aus xafxai, neben xafid^BVy ja x^f^o&^y, 
keinen acc, und weichen im voc. ab von no&ev^ avro^svn 
äfAO^Bv, ofiod^svj olxo^sv, /nijxöi^sv, selbst äXo&sv. Vgl. auch 
das € vor t in ^iiixsQoq u, s. w. Auf früheres a wird dies 
B doch wohl hinauslaufen, man müsste denn darin ein ver- 
kümmertes st als Steigerung von i' erblicken , vgl. z. b. ^i^bH 
mit TQBtq = tray-as. In dem Schlüsse -d-s oder, v wohl nur 
ephelkystisch, -d-sy erblicke ich den in unde u. s. w. als post- 
ponirtes dS (von wo her), s. bereits früher. "Ords dofK^viB, 
olxovds und wie von einem cons. thema olxaÖB, vgl. äXads 
u. s. w., wie zd. vae^ntefi-da, zum hause. OXxodB wie notss 
u. s. w., was gekürzt in nQoq, sig aus ip. Etwa verwandt mit 
dem plur. -er* im dat.? — Im verbum, ausser imper. Xi/Sj 
Xiysrs = legite, auch die 2. plur. XiysTB = legitis u. m. dgl. 
Ferner nach kappung des end-^ in präterital- formen IXb/b; 
sowie in aor. und perf. zur Unterscheidung von a in 1. sg. das 
für die unbestimmte weite der 3. sg. schicklicher gehaltene 
matte s in iXe^s, Yiyqaq.B. — Zuletzt partikeln, wie -w, -gue, 
s. 'Ca. IlotB, äXXoTB, aeol. äXXova, dor. äXXoxa^ vimta^ wie 
inBixa? AvTB. Js^ ys. Ki, xivj s. kam? Christ, Pari. TE 
Münch. Sitz. Febr. 1880 s. GO unterscheidet ein dreifaches ts. 
1. kopulatives = s. ca, 2. indef., was mit s. cana und kam 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 219 

Zufolge s. 65 wäre der schluss in ote, nota, oxa gleichen Ur- 
sprungs, was doch nicht so ganz unbedenklich. 

Das latein entwickelt bei dürftigkeit an kurzem end-t 
gegenüber dem griech. reichthum an solchen, seinerseits da- 
gegen eine fülle von kurzen end-6. Nicht zum geringsten theil 
durch trübung aus i. Den vocativen auf #, den dat. auf -cXi, 
fSifia^^ ^sotai; den pronn. cy*', /*, t«, wie auch den verbal- 
endungen n, ai und vti, ov(S$ u. s. w. hat es keine gleich aus- 
gehende form entgegenzusetzen. IlSnsQi, aus Indien hergeholtes 
pippali f. (Piper Jongum), hat in xvper das i aufgegeben, wie 
mper, vni(ß vgl. mit s. upari, Quattiar hingegen würde man 
verm. mit unrecht als abstumpfung ansehen von indischem 
catvär-i, indem doch eher die form um neutrales -a (gr. t^t- 
TOQa) gebracht worden. — Auch die Partikeln auf ^ haben im 
lat. dies in den seltensten fallen bewahrt, wegen elnbusse durch 
apokope oder durch Umwandlung in c. Ersteres z. b. in et st. 
fr», s. aii, und ad st. s. adhi, dem sich, als damit componirt, 
ndx^i dgl. anreihen, welcher bildung aber, das lehrt d von ad, 
lat. ubi u. s. w. nicht zufallen, wie man geglaubt hat. Also» 
Verstümmelungen analog denen, welche auch ab, ä = änö'^ 
s. apa; süb = vnö (doch wohl zu upa, auf, mit räthselhaftem s) 
ex, S neben ij» ^*; 5^- und re- hinten mit d erfuhren. Dor. 
natij zd, paiH im sinne von ngotl, s.prati, allein eher aus (u)pa 
mit (a)ii gebildet, mag in pos-sideo, nqoq-i^fa^ liegen. Oder will 
man par-rigo, porricio, poUuo lieber aus umgestelltem kret. nogtl^ 
wo nicht aus i>ro, wie frz. potir deuten? — Oh ist wohl eher 
& abhi, unser bei, als upa, da letzteres bereits (unser auf etwa 
»von untenc, vno mit gen., wie in surgo, sursum?) ver- 
treten ist in S'Ui mit s, wie in super = vtt^q, — ein schibo- 
leth, wodurch sich die beiden classischen sprachen in seltsamster 
und mir unerklärlicher weise von allen ihren Schwestern unter- 
scheiden. Der Gothe z. b. hat uf (unter), ufar, doch wohl 
apok. aus s. updri, zd. upairi mit ai durch assimilation, wie 
insiQj das end-« in sich hineinnahm. Aehnlich in 2. und 3. 
sg. €tg und c*, während im skr. a-si, a-ti. Vgl. für letzteres, 
ebenso mit einbusse von t, welches doch dem lat. (sogar altlat. 
% z.b.p(mU, mit länge C. Ausspr. P, 353) und germ. verblieb: 
Eastem Hmdi caldi st. s. cakUi, er geht. Ja selbst kardiü = 
prakr. karanti, sie machen. Hoernle, Gaud. lang. p. 51. f}büer 
schwerlich mit iter, zu welchem glauben dg iv naQoötf und öbviam 



220 A. F. Potl, 

verleiten könnten, sondern wie hreviter, drcUer, praeter, propter. 
Mithin ähnlich, wie s. abhitas herzu , nahebei. Einzig aber hat 
sich das kurze i von s. abhi als sufTix, wie im gr. -ipt, geboi^a 
in tibi, miki, contr. nti, sihi; und lokal ibi, ubi (mit Verlust von 
c vom, Tgl. alicu-ii, früher aliquo-bi, umbr. pufe mit p st. q), 
altbi (wohl aus alis, weil sonst i zu envarten, wie in tibicen), 
sidi-U, ubi-vis, aber ubique. C. Ausspr. I S 339 f. setzt schlank- 
weg voraus, diese formen seien aus dem s. bhy-am derart ge- 
kürzt, dass tibi, umbr. noch mit der asp. t^e, sich geradehin 
mit ttihhy-am deckte. Bedeutet aber die alterthümliche Schrei- 
bung mihei, ttbei, ibei, ubei in der that länge und nicht etwa 
bloss einen mittelton zwischen iund c (ib. s. 219): dann müsste 
allerdings ein im älteren lat. nicht allzu fest sitzendes end-m 
gewichen und eine, der von ßti aus ie, inf. pass. r» aus älterem 
rter und sim aus siem analoge contr. erfolgt sein. Das griech. 
hat -y« und -qtv, z. b. avtö^t, hi^iupt (wo nicht ^ mit jota 
subscr.), und, über das pron. hinausgreifend, »gaTte^ift ßi^ift. 
Auch /(/)• verm., falls digammirt, vi, und zu »s nur dann, wenn 
das V in ivcc zusaU wie in rivef. Eigenthümlich aus dem, gl3. 
adv. gebrauchten ly» das adj. tifiog, was nicht s. Vbhya sein 
kann, weil dies von Lassen, Ind. Alterth. I, 313 herangezogene 
wort nur schwer damit vereinbare bedd. hat. NaStf* (vgl. s. 
nätAhyas, lat. nambus, im pl.), deofiy (altlat. diibus, s. ä^vi- 
hhtfcts) /t^attifi dTälavTOi, Öjccff^* st. SxfU* u. s. w. In dies^ 
spräche würde das gleiche höchstens dann zur Wahrheit, wenn 
man das v hier ausnahmsweise für mehr als ephelkystiscfaen 
Zusatz hielte, und -tpt umgekehrt desselben verlustig gegangen. 
Doch nicht allzu gewiss, vollends wenn man überlegt, das em- 
phatische -am (zugehörig dem pron. amu, jener, und wohl zu 
blosser Verstärkung mittelst hinzeigens »da« dienend DMZ. 
XXXIQ, s. 78) erstrecke sich im skr,, erklärlich geni^, nicht über 
das pron. hinaus. Man müsste denn, was nicht unm^lich 
wäre, in dem m (hinter conss. am) des acc. sg. als wohin-casus 
ein, auf das object gls. mit dem fmger weisendes dorthin 
ßnden woUen. Eine übersieht der verschiedenen meinungen 
über die entstehungsweise des instr. findet man bei Wenzel, 
Instrum. im Rigveda zu anfange. Der drei casus (d. abl. u. 
mstr. des du.) vertretenden form, wie z. b. dv^>hj/äm stellt 
sich im zd. dvaUbya und vaSibya, d. h. n'ohl mit au^ben des 



Latein n. griech. in einigen ihrer wichtigsten kutunterschiede. j^^l 

vaÜbt/ö (6 st. as) entsprechenden Verlängerung gegenüber. Der 
Grieche hat im gen. und dat. ävoXif^ bei Her. auch dv^^v und 
bloss fär gen. dvsXv. Z. b. Soph. Änt. 13 dvoXv ädshf'Otv (masc.) 
iatsQ^^fisv ovo (fem. !). Nach Bopp's meinung ist in den gr. 
formen das 9) au^estossen, und ((p)tv zusammengeschrumpfles 
-bhffäm. Der länge des zweiten a wegen hätte man eher tt^v 
erwartet Allein z. b. dotfisv st. doifjiuv verhalten sich wenig 
anders. Und nXsXv steht ja auch neben nXsXov^ nUov (mit 
w^all von »), und äktv st. diov. Auch nq-iv als compar. von 
niiQ (vgl. pr-ius) hat das suflf. -iov zusammengezogen. In der 
that ist kein zwingender grund vorhanden, diese erklärung zu 
verwerfen. Schliesst sie sich doch dem skr. (vom instr. auf 
äis auch ohne hh sogleich) nahe genug an. Eine andere frage 
ist, ob auch, wie Schleicher, Comp. 2. Ausg. § 259, meint, 
tfitv^ %iv^ ifiiv^ ^fiXy^ äfi/nv den skr. dat. auf bhyam, wie tu- 
ihyam, asmabhyam entsprechen. Mir will |ast scheinen, als sei 
das -*y in ihnen die noch ungekürzte lokativ-endung, wie in 
tarsw^4n (d. h. die in europäischen sprachen blühende präp. in), 
welche gekürzt in mayi (fioi) und tvayi (aoi) als i enthalten. 

Den instr. pl. auf äis von themen auf -a anlangend, pflichte 
ich noch heute der ansieht von Bopp (s. z. b. Kl. Gramm. § 148) 
bei, agväis sei von agvebhis derVeden, auch advv. wie uccäis, 
hoch, wesentlich nicht verschieden, wie skeptisch sich auch 
Wenzel a. a. o. s. 7 dazu verhalte. Man stösst sich an dem 
rf»*), und nicht i; vergisst aber, dass der, wohl seines be- 
schränkteren gebrauchs wegen formarme dual, unbeirrt vom 
geschlechte, {ivdbhyäm das ä nicht bloss im fem. hat, sondern 
auch im m. und n., sowie selbst der gen. pl. z. b. (ivänäm, 
worin ich intermediäres pron. ana suche, das geschlecht, wohl 
in folge von contr., ununterschieden lässt. Dies in abweichung 
vom pronominalen Sshwn mn., ä-säm f., worin dem sonstigen 
casussuflf. dm (gr. tap^ lat. um) auch noch ein, meines be- 
dünkens pronominaler einschub vorausgeht. Vgl. lat. r-um mit 
r st. zischer. Wären nun aber der instr. und d. abl. pl. nach 
analogie derer im dual gebildet : da hätten sich in diesen casus 

») Bollengen in Benfey's Or. u. Occ. II, 467 nimmt auch wegfall von 
(b)h bei äis an. Nadyäis (nicht bei Grassm.) neben nadthhis ginge noch 
auf nncontr. yä st % (vgl. kanyä mädchen, lat. av-ia) zurück. Den dat. 
•g. My zu hfilfe^ zufolge Grassm. auch instr. st. -ta erklärt er aus üii mit 
(kii eontnhirt lyam, einsilbig Im ib. 461 = Xw aCr^ DMZ. XXXIII, s. 63« 



222 A. F. Polt, 

die gL'äcIilL'ciitsimtorscliiL'do aucli verwischt. Bei asm/lhhis (nobis) 
war keine gefatir der Verwechselung vorhanden, wesshalb 4 
(wahrKcheinlich aus dem zusanimenstoss vom fhema asma mit 
dem a der präp, abhl \orniüge coiitr. geiängl) sich hier be- 
hauptete. Wenn nun aber ^ivi'fis sich des ihm von rechts 
wegen zukommenden bk begab: da geschah es eben, um dem 
fem. t^ivähhis auszuweichen. Wer aber die vorhin erwähnte 
contr. läuguet, der muss doch das zugeständniss machen, auch 
das augment verlange mit dem vocatisohen anlaut des vcrbums, 
worauf Bopp a. a, o. § 287 nicht uneben hinweist, die höchste 
Steigerung, z. b. äiaham aus a -f- iccJuiin, allein trotzdem nicht 
eccham. Man sielit überdies: in der a-declination kam man 
auch sonst mit einhaltung des geschlechts-unterschicdes, welcher 
thematisch nur in der ungleichen quanfität besteht, einiger- 
massen in Verlegenheit. Daher denn allerhand auswege in der 
flexion. So ?.. b. niy dem m. und n. zuständiges S vor casus- 
suffixen, welches Fich namentlich im pron. hervordrängt. Wäh- 
rend also z. b. f!ü«s im nom, pl. und ^Ivdnäm im g. des glei- 
chen numerus äussertich unterschiedslos zusammenfallen, sind 
z. b. anj/S (äXloi) und ant/üs (aiiae, äU.aiJ, anyi-shäm (aliörimi, 
äiXtav), aber anj/tlsäm (äXiämv, äl'Aiüv, aliärum) sorglich ge- 
trennt, wie desgl. instr. atiffShhis in den ved. , gewöhnlich 
anyäis, vom f. anyühhis; d. ab], ant/ebh/as mn. , anydbhyäs f., 
und im lok. anySshu (etwa die längere form -oitr» und otq, lat. 
IS, im fall nicht daraus gekijrzi, st. instr. dw?), aber i.anyasH. 
Da solch inteimediäres e jedoch, wenn man vom räthsetbaften 
instr. sg. auf ena absieht, nur in mehrheitlichen casus sich 
findet, will mir nicht die vermuthung aus dem köpfe, ob ge- 
dachte vocalsteigerung, deren zweck sichtbar im auseinander 
halten der geschlechler besteht, nicht nebenbei auch der mehi^ 
heit gelte. In betreff der instrumental-endung ena möchte ich 
fast glauben, sie sei im wesentlichen mit dem instrum. Hä, auf 
diese weise, so, identisch, und zwar, indem ich letzteres nicht, 
wie man nach der üblichen erklfirung muss, vom pronominalst. 
n leite, sondern es dem mit eta parallelen Sna, er, sie, es, über- 
weise. Das insti'umentale element von ^lä suche ich demnach 
bloss in dem, mehrfach allein die function des instr. ausübenden 
d. Der nasal aber hat dann meines erachtens hier, wie der 
anderwärts casusendungen vorgeschobene, keinen andern Cha- 
rakter, als den eines pronominalstammes, welcher als Häget 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautanterschiede. 223 

der eigentlichen flexions-endungen dient. Nicht anders, wie 
im verbum das schon mit personal -endungen versehene Sub- 
stantiv -verbum in mehreren tempora hinten mit der concreten 
Verbalwurzel verschmilzt und so deren abwandlung bewerk- 
stelligen hilft.- Einen anderen sinn, als die gen. vasv-as, vasös 
(durch gunirung aus av-as, aus?), hat dann auch wohl vasu- 
-11-08 Grassmann Wb. s. 1236 nicht; verhindert aber durch 
seine (urspr. pronominale) dazwlschenkunft zusammenfliessen 
von thematischem ausgang mit der casus-endung. — Das plu- 
rale S dagegen fasse ich, indem es schon Im nom. m. ye = ot 
(DMZ. XXXin, s. 18) bei pronn. vorkommt, als ein, behufs 
pltiral-bezeichnung hinzugefugtes i, welchem auch im lat. i-s 
fortlebenden pronominal-stamme, gleichsam die addition »dieser 
4" jener in unbestimmter menge« obliegt. Gerade so, wie im 
pl. z. b. deväs [deva gott -{- as, jene anderen) dem von mir 
mit reduplicirtem dsäu zusammengehaltenen -as. Nämlich um 
der lästigen Wiederholung des jedesmaligen concreten Wortes, 
etwa »gott gottc, zu entgehen, musste in dessen Vertretung 
als allgemeines wort ein pron. die zweite stelle einnehmen. Vgl. 
z. b. bei einander die dreierlei nomm. pl. aus RV. 5, 23, 3 
bei Gaedicke, Accus, s. 62 vigve (alle, wie pron.) hi tva sajö^ 
gkaso (gleichgesinnte, von sajöshas; mit o st. as)jdnaso (doppelter 
pl., nämlich Janas mit Wiederholung des plur.-sutT. -as). 

Zwischen instr. pl. und auf der andern seite dat. und abl. 
pl., welche drei casus sogar im dual nur durch ein und die- 
selbe form bezeichnet werden, besteht anscheinend nur ein 
geringer unterschied, indem jener in &Ai-s, diese in hhy-as 
ausgeben. Das eig. casus-suffix ist in beiden die präp. ahßd, 
unser hei, welches instrumental gewendet, eig. wohl der be- 
theiligung von etwas wobei wegen, z. b. im engl, by vorkommt. 
Bei dem schluss-^ in beiden kann es, z. b. wenn man etwa 
vobi-8 mit ti-bi in vergleich bringt, doch nur auf den numerus 
abgesehen sein. Bleibt also zum unterschiede zwischen bhis 
und bhyas lediglich das a in letzterem. Es nimmt aber Schlei- 
cher zu dessen erklärung an, es sei bhyas aus dem sing, bliy-am 
unter hinzufügen von s entstanden. Was wiedereinschwinden 
des nasals als anusvara vor zischer anbelangt, nicht unmöglich. 
Man nehme nur dasselbe verhältniss im acc. pl. auf a-s, von 
wdchem der in devän = lat. deos seinerseits verbliebene nasal 
auligegeben wurde. Es ist aber klar, z. b. padas hat das m 



224 A. F. Polt, 

des acc. sg. vor dem pluralcn s gerade so fallen lassen, wie 
das gricch. in 7tö6a-g, welches, im g^ensatz zu n6d-s%, am 
a von TzöSa = s, paäam, lat. pedcm, festhielt. Ja, wenn dies 
accMsative am mit dem in hhy-am, wie weiter zurück vermuthet 
worden, in Wahrheit sich berührt, wäre die Übereinstimmung 
noch schlagender. Die begrifflich verschiedene gebraucbsweise 
von iiÄi-s und hlty-as sieht freilich eher nachmab'ger feststellung 
eines etwas Avillkürlichen usus ähnlich, als einem mit strenge 
etymologisch begründeten unterschiede. So übernimmt ja im 
lat. pl. die zwar syntaktisch nach dem muster des sg. als dat. 
und abl, unterschiedene, etymologisch jedoch — wunderbar 
genug wegen einer gewissen begrifflichen widerspänstigkeit — 
einheitliche form auf -hm (in I, II is) auch als gis. ursach- 
liches woher, gleich dem instrum. abl. des sg., die rolle des 
in dieser spräche durch keine eigene form ausgeprägten instr. 
mit. Also z. b. manihus pcdibusgue. Weil alM als dabei nälie 
anzeigt, kann der dativ, mit de.ssen hülfe erzeugt, als ann&he- 
rung, mithin ein jedoch nicht so sehr, wie im acc, ausge- 
sprochenes wohin, nicht befremden. Auch nicht allzu sehr 
ein ruhendes dabei, oder wo, wie in manibus. Allein doch 
einigermassen ein aufgegebenes dabei, als Standort vor be- 
w^iung und deren ausgangspunkt , wie e manibus, wenigstens 
sobald das woher nicht aus Zusätzen, wie eaiorguere numäms 
(wegen ex), in die äugen springt. — Der nasal in der von 
Schleicher aufgestellten urform *hhy-<im-s wird im gründe ledig- 
lich aus dem preuss. -mans, lith. bloss ms, gefolgert, welches 
freilich auch möglicher weise in dem n eine blosse wieder^ 
holung des m = s. hh'-) enthielte. Allzu sicher erachte ich 
demnach jene erklärung nicht, theils weil ja dergleichen Wieder- 
holungen des nämlichen suff. (z. b. s. deväs-<is) auch sonst vor- 
kommen, und as in bky-as vielleicht (wie das -as des nom., 
z. b. pad-as) keine andere aufgäbe zu erfüllen hat, als, gleich 
dem s in bhis, den plur. zu bezeichnen, freilich mit einer 



>) Trotz Sonderbarkeit lässt sicli ein solcher wecfasel fOr den gegeberen 
fall nicht filglLch in abrede stellen. Vgl. Hiklos. Formenl. III, g 5S dat. 
trem', s. tribhyaa, lal, tribui, aber instr. tr''»ti = s. tribhis. Und 8 75 
im d. und loc. tebje, also wohl ^ s. UAkyam (tibi), wie »ebje (sibi). 
Dagegen na-m' und pa-m' im pl d., aber instr. tm-ini, va-mi (nobia, vobisj. 
Das b hat sieb indess auch in den gen. s. ttbe und den instr. s. tobejtM 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 225 

casuellen farbung. Indess dem sei, wie ihm wolle. Wenn aber 
Gorssen l\ s. 288 sowohl -6ms, als hts, beis in nobis, vobis 
dem s. bhyas, und letztere nicht dem instr. bhi-s (also mit 
kurzem i) gleichstellt: ist die frage erlaubt, woher die in bis 
auf *bhyams, wie Unbi, -bei auf bhyam, zurückgeführte länge, 
und doch mit übergehung des i-lautes -biis? Die pronominal- 
formen ndbis, vobis schlössen sich aller Wahrscheinlichkeit nach 
enger an die analogie der ihnen entsprechenden singularformen 
(jedoch quibus trotz übi) an. Ein grund, welcher für duobus, 
dmbus u. s. w. wegfiel. Das umgekehrte verfahren, das ältere 
in vöster in e zu verwandeln, und durch solche verunähn- 
lichung dem noster zu entfremden, hat wohl in dem streben 
nach schärferer entgegensetzung beider seinen grund. Uebrigens 
machte, richtigkeit der Corssen'schen erklärung für den sg. -6et, 
}n als = bhyam, nicht blosses -bhi, zugestanden, dieser fall, 
als erst vermöge contraction eingetreten, keine ausnähme von 
der regel im latein, dass sich ursprünglich kurzes end-i unter 
beimischung der von a entlehnten färbe zu e verdunkelt. Auch 
♦ in quctöi und nisi ist, weil aus st verkürzt, dem Wechsel ent- 
gangen. Soll man indess den partikeln w-^ci, utei-que C, Ausspr. 
n*, s. 395, wegen dieser Schreibung neben uti, idinam, uPique 
gleichfalls einstigen zusatz von -am andichten ? Das wäre doch 
etwas abenteuerlich gegenüber der indischen zu u-ti (aus st. quo) 
stimmenden form. Nämlich irti (so, eo modo), verblieben im 
lat. iK-dem und iden-tidem (dasselbe auf dieselbe weise), ü-t 
gekürzt, wie qtwt, s. kati; tot (s. tuti), totirdem. Lokati v-endung 
«^ %, wie in heircei C. P, 338, heirc, M-c, vgl. dornt, und wenn 
schon mit modaler fassung in sl^ (pronom. acc. sum, sam) 
mit- demonstrativem -ce, s. sp., kann man trotz SKyuti doch 
kaum in iäi suchen. 

Anderseits hat das latein (vgl. auch etwa im abl. c mit 
Verlust von d, marid, neben t) für auslautendes ^ Verdunkelung 
zu e gefordert, während jener vocal im wortinnem an seinem 
rechte festhält. Das verhältniss nähert sich also dem von index, 
ieis, indica/re; pedes, itis (wz. i gehen) und ähnlichen. — Ante 
(vom) als gegenüber dvrL Vgl. goth. andeis (s. aw-to, von ana, 
jemer) als dvriog (der zwei enden wegen), woher vielleicht als 
contr. abl. antid-ea, Antistes, aber in anderen compp., weil 
mehr als lose angeschobenes adv. angesehen, antcstare (dies 
jedoch auch mit t), antecedere. — Prope s. meine präpp. s. 508, 

ZsitMliilfl fllr Tergl. Spnchf. N. F. VI. 2. 1^ 




226 A. F. Pott, 

zusammengeschmiedet aus altem ape, inl^ s. apiy mit pro (vgl. 
vor-bei mit s. ahlii). Auch vielleicht sacpc aus ape mit so- (zu- 
sammen), oder etwa von sepeSy wie rahd. dicke 1, dicht, dick, 
2. oft? Nicht aber wohl gar saepirc zu wz. ap, vgl. coaptare, 
coepi? 

Bei C. Ausspr. II 2, s. 846 ff. finden sich mehrere, ich meine 
jedoch, nichtige einwendungen gegen meine erklärung von i-pse 
aus s. patp-s, n6<fig (gemahl, eig. herr, gls. hochmögender, wie 
Isit. potis, vgl. compos, impos), Vdh. pafs, herr, und, wie die 
römischen sklaven mit ipse ihren herrn meinten, umgekehrt f. 
selbst, jis paVs, er selbst. DMZ. XXXIII, 45. Die singular- 
nominative ipse, iste, üU haben, und so auch qui neben qui-s, 
und hi^, wie üli-c u. s. w. , ihr nominativzeichen, nämlich 8, 
abgelegt, während dies sich in i-s erhielt, weil dies durch 
gleichen Vorgang zu unkenntlich geworden wäre. Es fragt sich 
nur, will man obige nominative als Verstümmelungen der alten 
formen ipsu-s, istu-s (zu ille nur ein ollus) ansehen, wozu ja 
mehrere, auf das gleiche thcma zurückgehende andere casus 
sich gesellen. Oder: schreiben sie sich, was ich des e wegen, 
dem man doch wohl nicht ursprünglichen vokativ- Charakter 
nachsagen kann, für allein naturgemäss halte, nebst gen. und 
d. ipstuSy ipsi, von einem i-thema her? Gorssens erklärung 
hierüber a. a. 0. s. 672 fallt nicht selu: befriedigend aus, 
S. DMZ. XXXIII, s. 19 und schon präpp. s. 866. Auf t weist 
ja auch das lat. adj. potis hin, z. b. potis est, n. pote est z=z 
potest, und potiri, refl. sich zum herrn machen wovon, üeber 
das s in -pse nachher. Man wird aber doch wohl so gütig 
sein, mir nicht in dem vaiTonischen: viget veget, utpote (so sehr 
wie möglich) oder bei Appulejus: aufugiamus hinc quam pote 
longissmie (vgl. long-inquus aus longe hinc) das unverkürzte 
neutrum von potis abzustreiten. Bloss daraus synkopiertes pte, 
und zwar vorzüglich nach populärer Sprechweise, hängt das 
latein pronominen zur Verstärkung an. Namentlich auch ad- 
jectivischen, und zwar im ablativ sg., was glauben lässt, es sei 
damit pte in gleichem casus gedacht. Meopte^ oder tuopte, m- 
genio; nostraptc (gls. ipsa nostra) culpa. Allein auch im acc. 
suufnpte amicum, und -mepte, mihipte. Nicht genug damit, wurde 
dann mittelst progressiver assimilation auch -ppe gesprochen. 
So beim Festus ij)si^pe, erklärt ipsi neque alii. Also mit noch- 
maliger Steigerung des schon einmal hervorgehobenen ipsi, wie 



Latein a. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 227 

ja sogar ein superl. ipsissitwus, auch avtotatog. Doch halt ! Es 
belehrt mich nämlich Corssen, -ppe (auch in qui-ppe wie mit 
der modalpartikel qu% pote? und utpote)^ sodann mit, bei der 
ausspräche nothwendigem wegfall des zweiten p hinter conso- 
nanten -pe in ttem^ (aus nam mit angleichung des vocals), 
gms-picm, us-p^am (mit jcm, wie et4am, quon-iam, n wegen 
j, wie in quicunque^ wer immer, mit einer bildung quum aus 
^pMque)^ — nun, was kann dieses -ppe mit genossen nicht? 
Glaubt man seiner Versicherung, »dann kann es nicht aus 
pte, pate entstanden sem, da pt im lat. sich sonst niemals zu 
pp assimiliert«. Gewiss ein an sich schon nicht schwer wie* 
gender einwurf. Und äberdem ist ja die möglichkeit, welche 
Yon Zeyss KZ. XIX, s. 182 selbst gar nicht als Wirklichkeit 
angezweifelt wird, nahe gelegt, vappa, d. i. vapidum vinum, sei 
aus p-^, P't hindurch zu pp aus gedachtem adj. entstanden. 
Man darf aber, meine ich, das fem. vapida zum gründe legen, 
d. h. unter tadelnder ergänzung von aqua, nach bekannter 
analogie von calida oder calda. Mit etwas besserem gründe 
wird mir meine abermalige gleichstellung von -pse mit pte in 
eo-pse, ea^se^ reapse; etmipse und eampse abgestritten. Sie sei 
»unhaltbar, weil für den Übergang eines auslautenden t einer 
yorbalwurzel vor folgendem vocal in 8 sich sonst kein beispiel 
findete. Ich muss bekennen, der satz ist mir nicht ganz klar. 
Wahrscheinlich wird gemeint, s. paii-s entstamme, wie die 
indischen grammatiker wollen, der von ihnen aufgestellten wz. 
pat, mächtig sein. Offenbar indess gehört pchti zu s. pd (tueri) 
mit kurzung des a, wie deren viele bei da (dare) im lat. und 
gr. vorkommen. Und da gedachtes verbum als mediales pat^ 
fote erscheint, ist es klärlich denominativ, nicht anders als 
potior im lat. Ob 3 in capsa (aus capere, in sich aufnehmen, 
woher auch capis und capedo, vgl. intercapedo) ursprüngliches 
oder aus t gewordenes s besitze, vermag ich nicht mit Sicher- 
heit zu sagen. Möglich, dass auch in fltucus trotz, oder wohl 
gar wegen, fluctus; lua^us (Ivyoto); sexus; noxa; ßxus im 
unterschiede von fkttis; laxus, vgl. langueo; convexus (zu s. 
väkdh, wachsen; kaum zu veho) der zischer ursprünglich ge- 
wesen, was mich bei pexus, nexus, flexus des et im präs. halber 
minder wahrscheinlich bedünkt. EF. I \ 29 ist von mir selbst 
lofMis von läbi als ein zwar sehr vereinsamter fall beigebracht, 
angesidits von nuptus, scriptus oder habüu^, die auch b zum 

15* 



228 A. F. Pott, 

endlaut haben. Und sollte s-s in jus-si, jussus als ausgleichung 
von b-s auf blossem schein beruhen? Corssen erklärt Ausspr. 
II *, 1027 jübeo trotz der bedenkliclien kürze aus jus mit um- 
gelauteten -hibeo. Nicht aber besser aus s. yu, binden, direkt, 
mit b aus v, wie in dubius s. früher, alscaus.: verbindlich, 
fest machen, obligare? legem, zu einem gesetze diejenigen ver- 
binden, welche es angeht? Oder jusai, jussus wohl gar unter 
einfluss von jtts, woher als denominatives pari, jus-tus? Doch 
auch aus prenio, abweichend von d&npsi, dempius, ein pres-si, 
pres-sus. Etwa wie vian-si, und, freilich von pando, pas-3us? 
Obgleich aber im it. capsa, sowie im mhd. kefse, kafsc, reliquien- 
capsel, das lat. wort, als gelehrter, sich minder entstellt erhielt, 
Qndet sich daneben mit ss =^ cassa, kästen und kasse, welche 
beide daher, frz. caisse, und für den brust-kasten otöso aus lat. 
copsus. Mhd. koste, kästen , in betreff des Schlusses verm. an- 
gelehnt an das auch erst aus der fremde geholte kiste. So 
findet sich nun auf grabmälern ebenfalls mit ss als kosewort 
issa (st, ipso) Jiave und im dem. issulo (dem jüngelchen) fece- 
runt. Auch gegen derlei Umwandlungen erhöbe Corssen ib. 630 
vermuthlich einspruch. Vergebens. Das ist mir nicht gleich- 
gültig. Die genannten formen nämlich spielen schon den ital. 
esso (er, ipsus) und nessuno (ne ipse unus — quidem) vor. lieber 
ipsullices (menschenähnliche figürchen) und subsilles (aus sapsa 
res mit s., sä, ^ oder siia?) s. Bugge in Fleckeisen Jhb. 1873. 
s, 99, — Und welchen ersatz bietet nun für die von ihm ver- 
worfene erklärung Corssen seinerseits? Eine in ihrem ersten 
theile mehr als zweifelhafte, geradezu hinfällige. Einmal hat 
er sich durch die gewiss nicht glückliche theilung von prati-pa, 
sami-pa bei Bopp, Vgl. Gr. § 992 anm. täuschen lassen. Es 
unterliegt nämlich keinem zweifei : jene beiden Wörter (s. PWb. 
unter pratipa, widrig, gls. adverso fiumine; an^a, am wasser 
gelten; dvipa, zweiwasserig st. insel) gehen von ap, wasser, 
aus, und haben ihr y-a (etwa eig. ä, wie im pl. äpas?) zu t 
umgestaltet. Auch in samipa ist eben so ein samt- zu suchen, 
wie in samy-anc, fem. satmct. Der ihm geliehene sinn >nahe€ 
hat sich unstreitig herausgebildet aus dem von gemeinschafl 
eines wassers, etwa brunnens, für nachbarsleute , wie im lat. 
rivcdes solche sind, die, um bewässerung ihrer benachbarten 
felder willen aus emem und demselben bache, leicht in streit 
geralhen. — Eher Hesse es sich mit dem zweiten hinweis nach 



Latein u. gn*iech. in einigen ihrer wichtigHtcn laiitiintonicliiucl(t. JJH) 

näpi (d. L na -{- api) versuchen. Denn api, uIh prfip. h. v. ii. 
ini, entwickelt bei adv. gebrauche aus dem Uayivittti von 
»hinzuc den eines »auch«, und damit eines .steigernden Musr- 
Schusses »selbst, sogar« PWb. I, 305 nr. 4, in welchem fiille im 
dem dadurch hervorgehobenen worie in der reg(;l unmittelbar 
folgt. Z. b. halo'pi, selbst wenn er ein knabe ist. A/lj/äj/i 
sogar jetzt, schon jetzt. Tathapi, dennoch, de.sHenuriKeurliti;f. 
Yadyapiy selbst wenn. Es ist dies api schon oben mit lufm^, 
Vixxt prope und saepe besprochen. Einen grund, der für lusnifm, 
quüpiam, angesichts vom doppel-p in ^/ui^ßfßfs, iphirffjH:, vmt 
meiner wohlbegründeten meinun(r abzugehen n'/thigte, ktitm 
ich darin nicht erkennen. OfTonbar .s':hicken mcIi -fß^jk, pUi, 
ppe, pe und pse, wie bunt sie auch auHVrhen. verv/;jndt:i/:han- 
lich aufs beste zu einander. Da.s s in ipfte uns/ durch eirj d/;m 
begriffe nach nicht unberechtigte?: hin.y:hielen untAi tUnti refl/rxjv- 
proD. mit herbeigeführt sein. 

Xun aber noch einmal auf -/>^ J'' *V''*^ vMrCuMvjikfftuui^ui, 
Corssen erblickt in dem au.-gar.ge von V;y;irMiü, d;ii: Mjn ^■:. ihn 
auch Beitr. s. 516; d:e "ä'.^.otzu *^^r 7>v; ^ur/j /r^niUi. uirM vieJ- 
mehr ipSHft itis v:-.':. ^'.df::;: er e- i.'i iry^^^wi yjiüiH/;kf. Uiftl/Hf 
den Tereicze*: Tor£^Äi;ic.e::derj a- te.'j [^ßiifitiüui.i^JuSiUi ^p (^, mf^ 
et. Dadurch -srOrde «loO Vj: ij^ui wj >':r <sL'j/;h 'U^* jr^rA^r^/^/sri^ 
Sicbaüch ein etwas ü>«xC:-v.Jch^r^c {jr^y^^r^, '•^'^.j'.rjU. tf^n.u 
man noch da« -«ißf fcirjzr^riXMr.*- Z, ':,, .;.: f'Mf'//f^:m *a^, 
pairiam mfEifi$<ptam n^^imti \p^o>. Vi'^a r. ^:. "iJ^^-^-rrj,. i\^i:jiic., 
wie anch «rf*t* ■i:>i ^«Vi k^,:jfifj':tT\: y^ ;.v^>>: :;j«-'. j.*«; «•.v'/t-j»:!*;'^* 
als nada ää.. D. ii i. :.>';r. J ?^-'..v:.*c <:^i>x::jf^. h:.^U^*^ 

vkidü JxiMsr, uamä^ifA . vj*r;v:g*r- Cr: :/<•'.'. ^'r, 'li^ÄÄ?.-. «> 
z. b. y ri fa rt . ijimi :jr:0^ yw^-t -/j': /.--t ^"Atrj«'- ?'v.-. y+rj';«/«;. 
aber die zr.*:jj.'.AC.:^h ypbi. ««>, w, -i*:^,'.-?'. x^. *!»* //.iC c. * *•> 
verlässig dec; i-*r-t:v i::ir: <.•:. i> lejr .: i%?*l.' i/.**^* ;;'.«*::m*: i<Jä 
der adbnrer ■Luirsu^v.»w>y'i:i'. :-»vvv.«- ^%»? ' 'Si*". 'ov.'.v. ai^r ^^^,^ 
iUi-^^ fe^ «-t. Z- :-! 'j^y «'--• 'vr • 'f v-*. Vj* *^-« «•/.«: -<f'ii<, 

bm^ fcflä»: "U t. V . ifcfj y.ik'.u'jK'' i.*: ffVi»r. >rr:./, /;/.« iisi »•#*, 



230 A. F. Pott, 

tend, einigerma3sen stutzig machen. Auch hioä-ne, üliett-nef 
zeigen wieder ungetrübt das -t st. e in hicce, ecce. Dieser enkli- 
tika liegt schwerlich zum gründe das lokativische iutt, sondern 
eis mit cüeri&r, citra. S. DMZ. XXXIII, 49. Das 3 wie in ul-8 
aus olliis; abs, sui)-s<us, dftffit neben dftffi (oder wie ^ts?) dgl.? 
Zu diesem eis verhielte sich aber -ee nach w^fall von s in 
ähnlicher weise, wie z, b. närare aus mirari-s; fortasse : for- 
Uasis (hinten mit an, sia = si vis?) u. s. f. Dam endlich die 
gänzliche abstumpfung in hü-c (st. d-ce wie qtiod mit dem 
stamme nach II. gegen quid, wie id, und mit verdunkelui^ 
istud, ilUtc). Mögen aber vielleicht, dem iste, iUe voraus, istus, 
oUhs ursprünglicher sein, d. h. mehr adjectiv-bildungen: dann 
wurde ipse, dem vermöge lith. pat's ursprüngliches i (s. paHs) 
gebührte, in deren strudel mit hineingezogen. Derart, dass in 
früherer zeit selbst ipsud nicht beliebt wurde, sondern adjec- 
tivischcs ipsum nach weise von solum, alterum trotz gen. ius, 
d. i. — I-s bewahrte seiner grossen kürze wegen das s, und 
wurde von ihm als nachwirkung des ausfalls in udem länge 
hinterlassen, wie z. b. in dt-do (auch dis-do geschrieben), di- 
dvco. Dagegen verlor das neutr. i-dem unersetzt das d von «^ 
wie auch guidem, equidei^ indefinites quid (gls. etwas schon, in 
gewisser hinsieht schon) zu enthalten scheinen. — Wie steht 
es aber mit dem nom. hUc, der doch wohl dem qi» parallel 
geht ? S dürfte ihm nicht abhanden gekommen sein, da solches 
sich vor c (vgl. dw-oedo) wen^ens in Äis-ce, im nom. pl. ques- 
ctm^ue behauptete. Anders natürlich ist die aus hei-e um- 
geänderte ortspartikel hi-c zu verstehen, die, wo nicht wie 
ixsT u. s. w., dann wie dornt, hmm lokaüv ist s. v. a. hoc loeo. 
Ruri, rare esse versch. vom abl. mre, vom lande. Vgl. pri-die, 
verm. vom pos. zu prior, wie anscheinend ablativisches prod; 
dafcrn dessen d nicht wie in deinde dgl. zu verstehen ist 
Mithin solchenfalls nicht compar. wie in pris-tinus, pri-dem. 
Als zeitliche lok. für »wann« sind ja nicht minder posiri~die 
und die crastini zu betrachten. Ferner heri und here mit r aus 
s (vgl. hes-temus, unser gestern) und mit gleicher, an s. Ayas, 
X9tt getretener endung. Ob dem hfc aber das modale St-c, nach 
Corssen (s. vorhin) aus dem demonstrativ- stamme so, gleich- 
komme, darüber liesse sich streiten. Könnte es sich doch zu 
sS, alt aei (osk. smi) ähnlich verhalten, wie unser so zu wmm, 



Latein u. griech. i^ einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 231 

fem. des sg. quae, alt quai, haec^ istaec, sondern in den gleich- 
lautenden pluralfornien des neutnuns muss auf den ersten blick, 
gegenüber sonstigem ä, höchlich befremden. Liesse man in 
letzteren, indess doch nur gar missliche, berufung auf i in ein- 
zehien neutren des plur. im skr. zu : so versagte solche hülfe beim 
fem. gänzlich. Niemand wird doch wagen, in jenem ae die zwei- 
fache feminal-endung ä und i im s. (letzteres selbst aus yä contr.) 
vereinigt zu denken. Durch nae, fasst man vai als v^ mit Zu- 
satz-?, wie in vw-i^ od-i u. s. w. dabei ins äuge, wird uns eine 
andere deutung näher gelegt. Obige formen nämlich verdanken, 
meine ich mit G. Ausspr. IP, 672, i, e einem zusatze, wie 
der nom. s. qui = umbr. poei. Auch im goth. stellt sich bei 
pronn. ei ein (s. DMZ. XXXUI, 67), schafft sie aber zu relativen 
um. Leicht erklärt dann ist, warum bei indefinitem gebrauch 
äliqua, si qua die emphatische Verstärkung nicht platz griff. 
Man geht eben gleichgültiger über unbestimmtes hinweg. Quü 
im Singular- nom. hat sein casuelles s vermuthlich schon früh 
vor dem zusatze verloren. Also etwa wie ipse u. s. w. ohne 
einen solchen. Hingegen verblieb s dem fragenden und enkli- 
tischen qui-s, das sich zu quid verhält wie i-s : id. Verm. 
schon deshalb, um nicht mit der part. que := s. ca (wie nS-fas 
aus s. na) zusammenzufallen. Allein qiuhd, sowie mit adj.- 
bildung quo-m, qtMHn nach weise von tum (s. tcU, to), gehören 
dem st quo '=» s. ka nach II. an. Im s. geht neben diesem 
üblichen ha ja auch ein M (nom. mä-kis = nS-quis) her. — 
Noch sei zuletzt erwähnt, dass die alte, noch im umbr. und 
Qsk. beibehaltene plural-bildung des nom. vom fem. in I. auf 
-00, welche mit dem skr. im einverständniss bleibt, von Griechen 
und Lateinern verlassen worden. Sie bilden ja, gegenüber z. b. 
dem osk. pas (quae), s. käs, alt ai, später ae, gr. a», z. b. hai-ce, 
literai. G. II, L 146, der ihr wesen jedoch misskennt. Sie sind 
der pron.-flexion z. b. skr. kS = qui, yS = ot im m. nachgebildet. 
Weiter haben wir bereits früher erfahren, das e im nom. 
neutr. wie breve, hrevira, mare, ira; acre neben acer, acris sei 
aus kurzem i getrübt. Eine grosse menge aber der Wörter 
auf die, äre, nach dem muster von quäle, ira, hat nebst apo- 
kope kürzung des vocals, also äl, är, erfahren. Ambe nach 
Varro ist dfi^i^ dessen i sich in cmbidens, ambifariam erhielt. 
Hinneigung zu schluss-e zeigt sich spätlat. auch selbst bei übe, 
sehe, inibe, übe^ quase, nisß. G., Ausspr. IP, 245. 



232 A. F. Pott, 

Einigen e hinten jedoch, wofür sich inlautend der hellere 
laut zeigt, liegt entweder nachweislich ein anderer vocal als i 
zum gründe, oder es ist ursprünglichkeit von i wenigstens 
zweifelhaft. Z. b. dem e in lege u, aa. imp, der starken conj. 
b^egnet legite, während der Grieche beide male e hat, und 
das skr. a. Indi-dem aus inde, undigue, vgl. dof. äUo9a st 
äXXoi^ep. Donee : dontmm C, Ausspr. II', 55. Benivoltis, 
benSvolus II *, 320. Beni-gntts '■) (wohlgeboren, im sinne von 
>gutgeartet* , mit guter natur, geutts), mali-gnus aus heng, tmtS. 
Es ist von diesen schwer zu sagen, ob nach weise der adw. 
aus dect. II /acüamed dgl. mit kürzung von e entstanden, oder 
wie das adv., doch wohl eig. accusalive fädle. Vgl, pronis, e 
neben jwontw, und daher auch wohl infcniS, supemS. Desgl. 
f^ne, nicht aus dem abi. sS, dem d fehlt, sondern wohl aus 
dem reflexiv-stamme s. svi, 0^4, und demnach: für sich (ge- 
trennt wovon). Pone (aus post, pos) und auch paene wahr- 
scheinlich neutr. Fere, fertne. Mane (archaist. mani, wie Utd, 
vesperi), doch vielleicht lokativisch, wie here s. oben. Sonst 
wird es ja mit abl. construirt, wie man freilich auch matutino 
tempore (fei. sagt. Wölölin, Münch. Sitzungsber. 1880. s. 395. 

Da end-s im älteren lateln, wie m, ziemlich lose sass, C, 
Ausspr. I', s. 118, dürfen hieher auch unstreitig formen mit 
e neben M gezählt werden. So nun die 2, pers. sg, pass. rS 
aus ris, wodurch sie im ind. präs. äusserlich dem imper. (-re 
st. se?) gleich wird, z. b. logttere, conare, videA(a-e u. s. w. 
Der inf. auf -rS entspricht wohl dem skr. auf -asi, selten si 
Whitney g 973, z. b. jivase, dem vtvSre, falls hinten gekürzt, 
gleich käme. Diese formen scheinen aber eig. dative vom 
neutrum auf -as, gr. og, lat. us. 

Es stände daher z. b. gignere, abgesehen von der redupli- 
cation, dem lat. abl. genere nicht allzufem, sowie auch nicht 

') Frivignus, von dem einzelnen (privits) eines ehepaares erzeugt. 
Vitiginus, -eua, aber auch bloss viteui und mit anderem sufT. davor viN- 
tuus. Aprngnut, aprugtHeu» etwa Tom abl. apro'f Oltaginva mit -güuit, 
oder g aus c, vgl. oleaceus? Die von Priacian bezeugte lauge in abilgmu 
rQfart doch wohl von wegfall des t her vor g, oder stände gn fQr d-n? 
In betrelT von ilignia, iligneu», neben iliteiu, sowie ialignug, -gneu» bin 
ich in zweifei, ial ihr g bloss durch erweichung von C vor eiaem sufT., wie 
I. b, ki^ivos. faecitMs; faginus, fagin-eus, fageut, entstanclen , oder viel- 
mehr (tipH n vnr -nintia raim iiinnr.rf-\ aemphpnf 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 333 

dem indischen dat. janas-4 = lat. generA. Unter dem schütze 
von 8 hat sich -S6 mit s gerettet in esse, pos-se, während es 
in vel-le, fer-re vorwirkende assim. erfuhr. Wie man aber 
den alten inf. auf r^er, in III der kürze von e in legere wegen 
mit nur einem r : ier, durch aufgeben des zweiten r und contr. 
von ie zu i (wie voc. mi fili), erkläre: möglich scheint, das * in 
ihnen entspreche dem e des act. Rührt das end-r vom refl. 
8i auch in dieser form her: da müsste sein vocal etwa durch 
metath. vor r gerückt sein. Lange hilft sich mit einem seiner 
meinung nach geeigneten zusatze von fiere (so !). — Die kürzere 
endung in 3. pl., z. b. ded^re st. dederunt, möchte man fast in 
verdacht nehmen, nicht einfach Verstümmelung der längeren 
person zu sein. Dies jedoch angenommen, etwa wie man im frz. 
Ü8 aiment dgl. für gewöhnlich den schluss verschluckt. Könnte es 
aber nicht — e st. e[r] — rest sein von dem -us der 3. pl. im skr. 
gerade auch im perf. des Substantiv -verbums äs-tis (fuerunt)? 
Das lautliche verhältniss wäre ungefähr dasselbe, wie bei dem 
öfters schon von uns herangezogenen quater, das dem s. caUir(s) 
begegnet, in welchem letzteren jedoch w beibehalten worden. 
Noch sei beiläufig daran erinnert, das lat. perf. hat in mehreren 
Personen dem Substantiv- verbum skr. 1. äsa 2. äsitha u. s. w. 
die entsprechenden formen abgeborgt, so dass in perfif. auf si, 
s-isii, s-erunt dasselbe sogar zweimal vorkommt. Eine andere 
abweichung vom griech. besteht darin, dass sich dort vom a 
des letzteren, mit zu schärferer absonderung vom plqpf., keinerlei 
spur zeigt. Also z. b. dedSnmt, gr. äa^ st. avn, 

Aehnlich verhält es sich mit Verkürzung von magis zu 
möge (selbst mä-völo), die sich vielleicht nach dem vorgange 
von tenuis : tenue dgl. vollzog. Allerdings irrthümlich, indem 
das verhältniss keineswegs das gleiche ist. Denn mag-i^, woher 
iL mai, ma; goth. mais, mhd. m$rey mSr und mS mehr, ist ja 
hinten zusammengeschrumpfter comparativ, wie unstreitig auch 
satl^s, pris-cus. Vgl. dagegen das adj. mä-jus, wie im gegen- 
satze damit molltis-ca und min-or, its (goth. mins), minnsciiliAS 
das i einbüssten. Noch weiter wurde satis aus sativs zu sat 
herabgebracht. Es vergleicht sich aber mit unserm satt, lat. 
satur; wie affatim, bis zur zerlechzung (also übervoll). Dies ad 
mit acc. von einem subst. auf -ti, und /' verm. aus % in x«*v«, 
hiare. Unstreitig liegt aber in ersterem ein derivat vor, gleich- 
stänmiig mit craooi, woher auch sanus, d. i. ganz, heil, und 




234 A. F. Pott, 

dem s. sa, a- collectiven sinnes; vgl. d^Qoog^ gls. campletM, 
Nimis dagegen aus s. na mit md, messen (das i vorn durch 
asslm., wie nX-si neben nefas u. s. w.), also immodice, fugte 
sich als compar. nicht allzu gut. Kaum aus abl. nimits. 

3. Hat das latein massenweis den an und für sich be- 
deutungslosen , oder, wenn man will, rein mechanischen 
lautwechsel von vocalen, d. h. u miaut, über sich ergehen 
lassen. Eün Vorgang, nicht zu verwechseln mit dem ablaute, 
welcher seinerseits, als dynamischer art, recht eigentlich 
auf begriffliche modificationen abzielt. Der umlaut dient 
im latein dem natürlichen zwecke, Wörter, welche in folge von 
Zusammensetzung oder vermöge hinten antretenden, derivativen 
oder flexiven, Zuwachses sich verlängern, durch abschwächen 
des vocals wieder anderweit eine gewisse er leicht er ung zu 
verschaffen. Diese art lautwandels aber geht dem Griechen, 
etwa einige assimilationen, wie ta^&, sei, oder allenüalls an- 
näher ungen, wie das € in «r» st. s. ati, in abzug gebracht, so 
gut wie ganz ab. Hingegen blüht bei ihm der a blaut. Auch 
der, im skr. unvorhandene qualitative, welcher sich in dem 
kreise von kürzen ce, c, o, goth. a, i, u bewegt, alleid, im griech. 
so häufig, im lat. nur spärlich gefunden wird. S. EF. I ^, s. 1 1 f. 
das kap. »ablaut und umlaut«. C, Ausspr. I\ 231 S. Im 
deutschen begegnet uns bei sprechen ein den regenbogen-farben 
an zahl gleicher vocal Wechsel , der jedoch nur zum theil auf 
rechnung des ablautes kommt, weil anderntheils umlaut ist. 
Sprich, sprach, spräche, gespräch, gesprochen, sprtMk, Sprüche. 
Ein beispiel, das durch brechen, wenn man hröMem von 
hrocken hinzunimmt, noch um eine nummer überboten wird. 
Lat. also doch z. b. toga, ttytirium mit assim. von tego. Femer 
in emigen causativen zur Unterscheidung von den grundformen : 
moneo (mens) mahne , daceo {dafjva$^ dtdax^ ; disco aus d$ddcxM 
verschrumpft), sowie mit länge sedo, söpio = s. sväpayämi^). 

^) Mit recht misstFröhde (Bezzenb. Beitr. V. S68) der lautverst&rkang 
in indischen causativen, wie er es nennt, »fünctionelle bedeatungc bei. 
Wenn die indischen längen, wie man jetzt versucht, das prius sein sollen, 
aus dem die kürzen sich erst erzeugt hätten, so ist das eben so widersinnig 
und sinnlos, als Hesse man etwa mn. auf a aus den femm. auf d, oder den 
ind. mit a aus dem conj. mit d, entstehen. Eis beweist nur, dass man von der 
lautsymbolik keinen begriff hat. Zu näherer Verdeutlichung nur em paar 
flüchtige winke. Zuerst aus dem chinesischen. ^Bisweilen wirdc sind find- 



Latein u, griecb. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. S35 

Allein trotzdem auch intrans. pendeo, jaceo, sedeo in gegensatz 
zu pemb, jacio, ja con^ido. — Was die reduplication anbetrifft 
(vgl. Corssen, Beitr. s. 441 f.), da hat diese im gr. und lat., 
seltener im skr. (doch s. Fröhde a. a. o. s. 269, z. b. ti- 
skthäfni, vgl. tiftf^f$$, sisto; pibänd, lat. bibo; auch wohl 
Mdmi, xa^iido st. sis[a]d)y sich i als vocal für die redupli- 
cations-silbe des präsens erkoren. Kaum ohne, instinctiv 
das richtige trefiFende wah], um in dem hellen, gleichsam die 
unmittelbare gegenwart, das jetzt versinnlichenden vocale einen 
symbolischen unterschied zu gewinnen von der schon ent- 
schwundenen und ins dunkel zurückgetretenen Vergangenheit, 
dem fernen einst Z. b. dldwfjn : didcoxa gegen skr. dadami : 
dadäu. Auch mit « trotz verdunkelter doppelung, oder an deren 
statt: fkifkim^ rixtia, nnvia) (ni-nrw), nixviiin (nsrdvvvfjti), 
xiQvdm^ xiövafiM^ nlXvafjta^. In gewissem einklang hiemit auch, 
während s. bandh den a-laul ohne Wechsel lässt, binde, spreche 
mit i, e im präs. gegen das dunklere, weil tiefere, a und so 
auch u, in band, sprach; gebunden, gesprochen. 

Auch der quantitative ablaut verblasste im latein, davon 
haben wir uns früher überzeugt, wegen herabsinkens der diph- 
thonge zu farbloser gemination. Z. b. dicere st. deicere. Das 
ersieht man denn auch an dem ersatz für die reduplication des 
perfects, welche sich gegen griech. und skr. gar stark im er- 
löschen, jedoch dies um vieles weniger als im gothischen, er- 
weist. Im einverständniss mit gedachten sprachen sollten im 
latein, also unter begreiflichem ausschluss der auxiliar-bildungen 
auf 'Si und -w, ui, sämmtliche perfecta von starken, d. h. un- 
abgeleiteten verben in III. und von verba mixta, wie jüvi, vidi, 
vinij reduplicu*t sein. Das ist ja aber nur noch mit weitaus 

licher^B Worte Gramm. 8. 293, »das intrans. durch den blossen tonwechsel 
zom trans. Z. b. lat, kommen, im p'ing (gleichem ton) ; lai, einfflhren, ein- 
laden, kommen machen, im k'iu*. Letzteres, der sog. fortschreitende ton, 
beginnt gleich, sinkt aber zuletzt um vier noten. Das mittel ist zwar nicht 
dasselbe, aber ein analoges, und zu gleichem zwecke die länge z. b. in 
dem ind. caus. sädayoH setzen, sich setzen lassen, hinbringen in, von sad 
sitzen; wie gamayati, jedoch ohne vocalsteigerung von gam, kommen. 
Mit ähnlicher Symbolik goth. aitanj sitzen; der vocal voller in sat-jan 
setzen. Femer Yitat, je nach verschiedenem accent, kaufen (her) und ver- 
kaufen (hin) Endlicher s. 282; 296. — Dann im Namaqua causs. durch 
doppelung Wallmann s. 16, ^kä kennen, aber ^kä'ka lehren; aa trftnken, 
Indew auch si schicken, von si kommen. 



236 A. F. Polt, 

der mindcrzahl der fall. Sic haben meist, zum thcil der dissi- 
milation wegen und anderntheils im interesse der wortkürzung, 
die an sich ja nichts weniger als bedeutungslosem schmucke 
dienende reduplication aufgegeben. An deren stelle Hessen sie 
es sich, ausserhalb position, an blosser Verlängerung des 
Wurzel- vocals (mithin auch ja eine, nur in das innere verlegte 
doppelung) genügen. Für a nur als einziges beispiel scdbi. 
Sonst i: egi, feci, fregi u. s. w. Wohl nicht, wie in UXtjd^a 
(wz. la^) bloss mundartlich ij st. d. Wahrscheinlicher, wie 
desgl. im s. ^, z. b. tenitha st. i<itantha von wz. tan (vgl. alt- 
lat. tetinerim). Oder sSdimtis, goth. setum (jetzt: wir sassen) 
wie s. sedinia; aber an stelle von sSdi, goth. sat, sass, s. sasdda. 
Weiter für e: enii, Ugi. Fodi, ddi zu födio, ödium. Vtd. End- 
lich fügi, füdi. Mit redupl. ; allein nicht ohne umlauten des 
wurzelvocals , falls dieses nicht nach anderen rücksichten, so 
wie bei e in position oder vor r, unterbleibt. Alsoz. h.pe^pigi, 
mit compigi, aber peperi. Pependi (in comp, bloss expendi ohne 
redupl., und expmidi auch ohne umlaut trotz descendi). Memini, 
aber meniento der position zu liebe. Sciscidi mit ursprüng- 
lichem i, was sich von didici trotz disco, vgl. ö$da%fi^ s. ob., in 
strenge nicht sagen lässt. Von einem a in der reduplications- 
silBe (scandi ohne redupl.) kein beispiel. Ce(yidi von cado, aber 
cectdi von caedo. Ciaudo, indüdi; plaudi, explödi. Ausserdem 
vor l, jedoch fefelli, die bemerkenswerthe Umwandlung von e 
oder in das dumpfe u: peptUi, percuii von pdlo, percello, so- 
wie tetuli, sustuli zu tollo, tolerare, xXäv. — Von diesem allen 
im griech. keine spur; kann doch der häufige ablaut o vor l 
kaum damit in vergleich kommen. 

Man beachte aber weiter, das im skr. beobachtete ver- 
fahren besteht darin : der aus der wurzel in die reduplications- 
silbe, sei es gls. in eigner person oder durch geordnete Ver- 
tretung, herausgestellte cons. bekommt als begleiter den der 
wurzel innewohnenden vocal selbst, oder doch einen ihm 
nächst verwandten, mit. Hiedurch wird die redupL um 
desswillen kräftiger, weil so gls. tiefer in den busen der wurzel 
hineingegriffen wird. Etwa, wie bei der attischen redupl., z. b. 
äy-ayetv, nur in anderer weise, der fall ist. Der Grieche hat 
jenes princip aufgegeben, indem er, ausser präsensstamm (jedoch 
auch hier z. b. tstQSfAaivw) den reduplications- vocal überall 
zu mattherzigem und einförmigem a herabdrfickte, wodurch 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 237 

dann eine art anschluss an das augm. «, jedoch vereinzelt a, 
z. b. äd€$Q6y = s. a, zuwege kam. Z. b. Titayf^at, riraxa mit 
tsrapog^ rivaXf^ai (a ursprünglicher als c in %ill(a)^ xstdqnsxo; 
%€TiiQyf*iv<ag ; rszit^fMai, Tsn/j^iyog; xsxoxvXa; xirgafAfMat, xixQijxa^ 
%sxqiYB$^ xixQoq)a; xixvYfAa&^ xsxevxccxo. Solchergestalt wird s 
gleichsam zum allgemeinen und eben deshalb charakterloseren 
Vertreter des jedesmal in der Wurzelsilbe des perf. oder auch 
redupl. aor. enthaltenen besonderen vocales, und tritt damit 
gegen das vorklingen der bedeutsam wiederholten consonan- 
ten in selbstloser bescheidenheit zurück. Während wir aber 
lat. und griech. in betrefif * der reduplicationssilbe im präs., 
dafern sie dort nicht, wie z. b. In do, gnosco, ganz eingebüsst 
worden, in gutem einvernehmen finden (gigno, sisto, hibo), gehen 
sie im perfect, auch wo dem lat. die redupl. verblieb, aus- 
einander, und selbst mehr, als es auf den ersten blick den an- 
schein hat. Eigentlich sollte für das lal. auch wohl die skr. 
grundregel, d. h. Wiederholung auch des wurzel-vocals, gelten. 
So sciscidi, später, dem misslaute zu entgehen, sctdi wie 
ftdi, scandi; sterti, stridi, psalU. TtUüdi zwar nicht wie im 
Sg. mit 6 s. ttdoda, aber tutadimtis, wie s. tutudinia. Desgl. 
cueurri. Peptigero neben pupugi ist eine Seltenheit und in pe- 
puli, tetuli hat u doch nur secundäre berechtigung. Totondi, 
popasci. Spopondi (mit ausfall von s an zweiter stelle, wie in 
steti, gr. S-<rri7)ca, asper st. a) auch spepondi. Das e hat aber 
breiteren räum gewonnen, indem es das ganze a-geblet, e und 
(te mit eingeschlossen, für sich beansprucht, habe nun der 
wurzel-vocal umlaut, oder keinen, erfahren. Fefelli (fallo), pe- 
perci, cecini; tetendi (tendo), pepuli; ceddi, aber collisi; dedi, 
steü. PepSdi. M(Mnordi, alt vorn e, s. ma-marda. 

Nach mir, jedoch ohne seinen Vorgänger zu nennen, hat 
J. Lattmann Das Gesetz der Perfect- und Supin-Bildung im Lat. 
in Jacobs und Rühle Ztschr. Neue Folge. 2. Jhg. S. 94—105 
besprochen. Er führt aus Prise. X, 3, 17 die stelle an, welche 
besagt, verba mit naturlänge vor -co bildeten sigmalisches perf., 
und 4, 22, wonach bei verben auf -do mit länge davor das 
gleiche geschieht. Das hat ja auch einen natürlichen grund. 
War schon im präs. langer vocal da, woher im perf. bei weg- 
bleiben von redupl. innere Unterscheidung nehmen, wenn dem 
lat. eine etwa dem kSkoma (reliqui) gegen Xslnco = rclifiquo 
(mit nasal wie hfjtndvoo) analoge form versagt war? Desshalb- 




238 A. F. Polt, 

ja wurde dem zur aushülfe nach dem perf. -si (st. *isi, s. äsa, 
wie Mi = s. äda) gegriflfen, weil das zweite auxiliare -w, -w 
st. fui, alt fuvi weitaus zum grössten theil den schwachen 
Verben vorbehalten blieb. Also hinter den stammvocalen d, i 
(jedoch in IL meist ui) und t Der überblick über die perff. 
auf -si, etwa bei Ramshorn § 59, jedoch kann jeden belehren, 
das 'Si heftet sich nicht ausschliesslich an wurzeln mit lange 
vor d, c, sondern greift weiter bei natur- oder auch {)ositions- 
länge. Ohne einschränkung auf die von Priscian allein er- 
wähnten consonanten. So haben, d^ ausgenommen, sanmit- 
liche verba mit perf. psi im präs. länge. Kurzvocalige wurzeln 
mit 'Si bilden gewissermassen nur die ausnähme, für welche 
sich mitunter auch ein grund einsehen lässt Mehrfach compp. 
als spätere nachkömmlinge und mit stark vom simplex ab- 
weichender bedeutung: sumsi, demsi, promsi neben imi, aber 
auch u. aa. adSmi. Di-, neg-, intei-lexi, aber legi, coUSgL 
Amixi neben j&d. ÄU, ü-, pdlexi gegen dicui. In compp. 
-punxi wie -spexi. Texi aus tego unterscheidet sich so von 
tetigi. Inzwischen sind ja auch rexi und coxi da, und vexi^ 
traxi. Ausser dSpi ist auch ein depsi vorhanden. Sollte dies 
sich wegen ydimao an formen mit zusätzUchem, zum theil kaum 
wurzelhaßen t im präs. anlehnen? Fledo nur flexi, aber pedo, 
plecto, necto nicht nur xi, sondern auch, seltsam genug, mit 
zweifacher perfect - bildung -xui (also o^ und t4»!), wie auch 
fnessui. Möglich, dass t im part. prät. pass., und nicht un- 
glaublicher weise erst von hier aus auch im perf., seine band 
mit im spiele hatte. Vgl. die alleinigen bildungen dieser art 
von Verben auf dentalis: miüo, mis-ms (das ss durch assim.), 
misL Msi. Divido, divism, divisi; worin die länge, welche 
z. b. in conftdi, confisus wegen fido (dag. fis-sus)^ oder vidi, 
in der Ordnung ist, etwas befremdlich aussieht. QucUio : guaa- 
9US (ss aus st). QeS'Si, ges-tus wz. gea, wie queshis. So auch 
us-si. 

Von dem im latcin beobachteten umlaute will ich nicht 
das schon £F. I ^, s. 64 ff. beigebrachte hier wiederholen. Er 
iallt übrigens nicht mit dem im germanischen üblichen zusam- 
men, welcher, z. b. ahd. gast, pl. wegen i gesti, gaste, sich als 
eine art zurückwirkende assimilation erweist. Dem principe 
des ersteren nach ist es — etwa mit ausnähme von u vor l — 
.auf abschwächung eines vocales abgesehen. Hiebei erregt 



Latdn u. ipriech. in einigen ihrer wichtigsten lautunterschiede. 239 

aber besonderes Interesse der umstand, dass die umlautung von 
a, e zu, i vor einfachen consonanten in einer der mitt- 
leren Silben einzutreten pflegt. Anderseits, dass hingegen in 
Position oder in der schluss-silbe, welclie mit ihr auf 
gleichem fusse behandelt wird, der um laut, falls er nicht, hie- 
durch verhindert, ganz unterbleibt, eine gewisse hemmung er- 
fährt Das zeigt sich darin: ungewöhnliche ausnahmen, wie c<m- 
imgo, effringo, viginU, undedm nicht in anschlag gebracht, kommt 
unter genannten Verhältnissen nicht dies vom urlaut sich am 
weitesten entfernende i zur geltung, sondern nur die mindere 
abschwächung, d. h. zwischen a und i in der mitte liegendes e. 
Also z. b. acUgo, aber adadus; contiguus : contactus. Incipio : 
ineq^tua; contmeo : contentus. Ohne umlaut z. b. inseco, insectus, 
wie assequor, aber insicia. 

Nur sei noch des end-umlautes in kürze gedacht. Da 
haben wir also z. b. remex, haruspex, simplex, artifex, forfex, 
forceps, princeps und anc&ps. Sie alle zeigen bei erweiterung 
in den anderen casus i (auceps jedoch u) an stelle von e im 
nom.| und beide gehen auf a oder e im primitiv zurück. Ja 
selbst in den compp. mit i-t (gehend), wie pedes, eques, sowie in 
judex, index ^ vindex hat sich das ächte i der wurzel zu e ge- 
trübt, während andere male, z. b. in appendix, der helle laut, 
ich weiss nicht, um welcher laune willen, sich behauptete. — 
Der fall betrifft den singular-nominativ. Da nun dieser 
casus auch andere male ausser der composition eines dunkleren 
vocales sich erfreut, seinen brüdern gegenüber: so liegt hierin 
wohl ehae art bevorzugung vor diesen. Geräth er doch ver- 
möge des, so zu sagen, gewichtvolleren vocales mit den anderen 
casus in einen gewissen widerstreit, und stellt sich diesen wie 
ihr obmann gegenüber. Unter solchem gesichtspunkte auf- 
gefasst, wäre der Vorgang kein schlechthin mechanischer. 

• 

Denn ihm wohnte ja allerdings eine gewisse symbolische kraft 
und bedeutsamkeit ein. In folge des gegensatzcs, hier der 
casus, wie bei der composition zwischen dem primilivum, als 
den generellen gattungs- begriff (z. b. scando, steigen über- 
haupt, und so rapiö) vertretend, und auf der anderen seite 
dessen besonderungen {ascendo, descendo hinauf, hinab ; insc., 
esc. hinein, heraus; desgl. eripio, corripio u. s. w.). 

Da haben wir nun also, von vocal-verstärkungen des 
nom« sg. im griech. zum ersatz des nominativcn zischers, und 



240 A. F. Pott, 

dagegen von der oftmaligen energischen kürze des gleichen 
casus im lat. absehen genommen, derartige auf o, gen. inis, 
homo, ordo, indago, fidigo {gleichen Ursprungs mi\.fwtMs) u, s. w. — 
Ferner im neutr. fttimen, inis, aber Flumcntana porta; turnten- 
daior; regimen, -mentum. Ganz besonders aber gehört hieher 
das grösstentheils neutrale sufGx -ris, ur, -im compar. ius gegen 
sexuales iör, deren u auf älterem o fusst. So opos st. opus auf 
einer inschr., s. dpas; gr. -05, s. -as n. Comp, «oc, s- ii/a(n)8. 
C. Ausspr. I^, 239 ff. RQcksichtlich des einen punktes, dass 
dem -ag im n. und a. sg. sich in den übrigen casus, also 
pl. rivsa (mit ausfall von ff) = lat. gener-a aus getms, 
ein f (was im s. wegen fehlens nicht vorkommen kann) 
gegenüberstellt, gehen beide classische sprachen einträchtig zu- 
sammen. Zur noth auch, wenn man will, noch darin, dass 
sich in den compp. hier z, b. degener wie tvytv^'i, i( zeigt. 
Allein nichts dem bicorpor ähnliches, so wenig als dem corpora 
mit ihrem 0. Im lal. spaltet sich bekanntlich das suff. -us in 
den übrigen casus so, dass bald or, bald er an dessen statt 
erscheinen. Ftilgur, uris müsste, was indess funus, munus 
nicht thaten, um des u in der wurzel-silbc wegen dieses auch 
in den endungen vorgezt^en haben. Entweder wie die freilich 
anders gearteten vtiitur {l wegen diss. und gis. vorator, mit 
kürze im suff.?), »wwrwmr, furfur (zu friare?), oder, weil ihm 
indisches neutral-suff. -hs, und nicht -as, zum gründe lag. 
Jedoch mit r die göttin Ftdgora, der aber, falls darin o lang, 
ffdgor, vgl. Flora, zum gründe liegen müsste. "Firfus, erts als 
annosus, TioArtr^c von dig. ho?, s. vaisa m,, sowie Venus, d. i. 
die wonnrglicho, liebliche (von s. van, gern haben, vgl. das n. 
vanas) sind als adjj. zu betrachten. Also, wie im s. ajwis, 
wcrkthätig, durch Verlegung des Ions vom wurzel - begriff , als 
gelhanes werk, auf das thätige subject, aus dpas (t^pus) ent- 
springt, und caif^i;, ig, was vielleicht gar nicht einmal comp, 
ist. 'PEvä^g. Nicht zwecklose lautwechsel, die demgemäss auch 
keineswegs gänzlich einer gewissen absichtlichkeit entbehren, so 
wenig, als der o-laut z. b. in tvnärmQ, an stelle des e im simplex. 
EvdvaQ, evtpqav und damit zusammengezogen Evifqävtof^, so- 
fern nicht gls. BVipQaiytav ävdqag. Marmor (ftaßnaiga), auch 
carcer, xa^xce^ov, sind redupl.; und Wörter wie piper, »ter in 
den formen iteris, Üere konnten des r wegen nicht umlauten. 
Nicht gleicher art können mit thematischem is Im nom., sonst 



Latein u. griech. in einigen ihrer wichtigsten kutunterschiede. 241 

dafür er, sein : cinis,puhis {später pülver, woher frz. poudre)^pubis, 
auch puber. Ist Ceres etwa pflugerin von s. krsh, ziehen, zd. karesh 
ziehen, schleppen, furchen ziehen, bebauen ? Unter nicht unglaub- 
hafter annähme, v in verro stehe für qu, vgl. mvus = s.jiva, fügte 
sich auch dies, da rr ohne zweifei aus assim. hervorging, wie 
in iarreo, terreo. Möglich aber, robus, oris bedeute als bäum 
urspr. den »starken«, welches dann aber selbst im geschlechte 
{Ygi.jecur, oris) gleich mit robur starke (aus Qcoryvfjn mit b st. v, 
vermuthe ich, wie mö-tt^ sich vor vocal zu moveo verbreitert). 
Nun ist aber bemerkenswerth , es behauptet sich in der ab- 
leitung -HS vor conss., während vor voc. s dem r und der 
dunkle voc. dem hellen seine stelle einräumen muss. Selbst, trotz- 
dem altes 08 (wie alter acc. arbosem) st. or im nom. verblieben: 
arbus-tum, arbiAS-cula {s durch die harten conss., als ihnen an 
härte ebenbürtig, geschützt) zur seite von arboretum, arbo- 
reus XX. s. w. Corroboro, robustus, aber fulguro. Crepusculum 
neben crq^erum. Corpus, corporevs, corpusctdum, wie minuscuiuSf 
worin aber nicht gerade minus als n. zu suchen. Ebenso 
wenig pluscidus aus plus, vielmehr aus dem thema zu plures^ 
alt ple-ores. Melius-culus zu melioseni, d. i. meliorem, bei Festus, 
und als falsche analogie-bildung bor^us-ctUa pl., vgl. auch das 
andersgeartete donmncula. Majuscuius, aber daneben majestas, 
wie, vester st. voster ausser acht zu lassen, hones-tus trotz honos, 
hondro, majorinus. Vetustus^ inveterare; onustus, onerare^ wie 
operari, generare. Veneror, veniam peto, im gebete an einen 
gott, allem vermuthen nach s. v. a. ich erbitte mir dessen wohl- 
gewogenheit, im einzelfall: seine gunst. Mithin gleichstämmig 
mit Venus aus s. van, s. kurz vorher. Auch moderor, modestus 
setzen ein n. auf -us voraus, wie tempero, intempestus, tempestas auf 
tempus, eig. bestimmter abschnitt, zurückgehen. Man müsste denn 
etwa an recupero, toUro, deren r vielleicht ursprünglich, sich wen- 
den, und modestus (gls. im maasse stehen bleibend), wie coelestis, 
an Stare anknüpfen. — Mich beschleicht aber ferner der ver- 
dacht, ausserdem gehe von sidus aus sideratus, it. assiderare, 
vgl. Tschischwitz , Nachkl. s. 13. Bereits früher, s. 139, haben 
whr conteniplor als zunächst von der Vogelschau innerhalb des 
gezogenen templum (vgl. aber auch coeli templa) kennen lernen. 
Kann man hienach beanstanden, wenn ich considerare auf jede 
sorgfaltige betrachtung übertragen erkläre, als urspr. ausgehend 
vom (etwa astrologischen) beschauen des gestirnten himmels 

ZeiiBchrilt fOr voikI. Sprachf. X. F. VI. 3. 16 



342 A. P. Pott, Latein n. griecb. etc. 

(amsiderare lucentia sidera Gell. 2, 21, 2)? Und wäre dann 
desiderare mitsammt dem destderium als sehnsuchtsvolles ver- 
langen nach vermisstem, als herabwünschen von einem faustum 
sidtts so unpassend ? — Sollten nicht aber auch dem suff. -tur- 
nus nomm. ag. auf -tor zum gründe liegen ? Taciittmus. Man- 
iuma, die eb^ttin, welche man um beständigkeit der ehe 
anrief (vgl. maniare und mansurvs). Auch wohl die quell- 
nymphe Jütuma, vgl. a^&tor. Nodumus, diumus dagegen zu 
nodu, diu, und wie hodie-mus aus Jiodie, dem nachgebildet 
modernus aus modo, jetzt eben. Aetemus wie hestemus, fUiemi, 
aus dem comparativ-suffix. 

Zum schluss dieser umschau sei mit bezug auf vocalismus 
noch einmal als hauptergebniss wiederholt : der vocal- best and 
des latein in seiner uns erreichbaren ältesten form 
steht noch, was sich übrigens auch nicht anders erwarten 
Hess, auf einer, dem griechischen viel näher gerück- 
ten stufe. Indem aber im verlaufe der zeit dort die diph- 
thonge sich verwischen und die kürzen e und o massenweis 
mit den volltönen » und « vertauscht werden, tritt von seilen 
des latein eine grössere entfremdung ein im gebiete der vocale. 
Der Grieche macht ja, auf dem älteren Standpunkt verharrend, 
beiderlei wandlmigen nicht mit. Den erst viel jüngeren ifakis- 
mus lasse ich selbstverständlich ausser frage, wie nicht minder 
die behauptung, als reiche der griechische vocalismus ia 
die uraeit hinein, selbst hinaus ül>er sanskrit und golhiscfa. Ob, 
und was etwa, an dem letzten, jüngst beliebten satz wahr sein 
m^e, zu prüfen: dazu bedürfte es einer weitschichUgen untei^ 
suchuog, deren entscheid für meinen gegenwärtigen zweck 
nicht nothwendig war. 

Halle aß., März 1881. 

A. F. Polt. 



C. V. Paucker, Materialien zur lai. wMerbildangsgeschichte. 243 

Materialien zur lateinischen wörterbildunga«* 

geschichte. 

III. 

Die uerba frequentatiua. 

Verba , qnae a pxopria nerbi sigiiifi- 
catione deriuantor, ot indicatiao modo 
temporis praesentis . . non sco literis, 
sed aliis quibuslibot dofiniontor, haeo 
ft^quentatiua aerba esse pronuntiaatar. 

Probus. 

1. Unsere lateinische grammatik versteht unter uerba fre- 
quentatiua gemeiniglich gewisse auf -are (t-are, wie captare, 
s-are, wie cursare) oder -itare (wie emptitare, haesitare) aus- 
gehende Verben, welche von anderen verben abgeleitet die in 
diesen enthaltene bethätigung als eine sich wiederholende aus- 
drücken (wie scriptitare oft schreiben) oder derselben doch 
einen verstärkten, intensiven ausdruck geben (wie clamitare 
heftig, laut schreien). Die bezeichnung dieser als uerba fre- 
quentativa ist eine aus der antiken grammatik überlieferte. Was 
uns diese über dieselben sagt^), ist im wesentlichen folgendes. 

Die forma frequentatiua ist eine der formae oder quali- 
tates oder species uerbi, deren meist vier aufgeführt werden, 
bei einem mit der bemerkung, dass einige diese formas nicht 
gelten liessen, weil sie sich auf den sinn, nicht die form der 
uerba bezögen, ein begründeter einwand, wenn nicht hier eben 
die differenten formen wirklich vorhanden wären. Diese vier 
formae sind 1) die perfecta oder absoluta (bezeichnend, was 
einer »einmal thut«), wie lego, 2) die meditatiua, wie lecturio, 
3) die inchoatiua^ 4) die frequentatiua, wie lectito, welche be- 
zeichne, dass etwas öfter gethan werde, actus frequentiam, wie 
Prise, sagt. Diomedes hat dafür den ausdruck assiduam in 
agendo uim, scheinbar eine mehr in sich fassende definition, 
wenn er sie nicht sofort durch »öftere Wiederholung einer 
handlung« umschriebe. Deutlich aber ist der begriff des inten- 
siven mit aufgenommen in den Worten eines der commentatoren 
des Donat: frequentatiua et plus nescio quid significantia, 

*) Gell. II, 6. IX, 6, Prob. inst, art p. 158 Keil, Donat. II, 12, Sem. ad 
Don. p. 413, [Serg.] ad eund. p. 548, Gbaris. III, 5, Diom. I, p. 344 sq. K.» 
PriBC. inst VIII, 74 sq., partit. p. 466 H., Gaper p. 105 K. 

16* 




244 G. V. t'auckel*, 

zusammengehallen mit dem was Gelllus von uerbis wie uexare, 
taxare, iactare, quassare sagt, dass sie im vergleich zu ihren 
grundwörtern bedeuten etwas pressius crebriusque, fusius largi- 
usque, grauius uiolentiusque. Er braucht an dieser stelle die 
bezeichnung frequentatiua nicht, in der anderen, wo er aus- 
drücklich von den uerbis frequentatiuis handelt, sind die zahl- 
reichen beispiele, die er anführt, lauter auf -itare (t-itare, 
s-itare) ausgehende. Es scheint demnach, dass schon im alter- 
thum einige die kürzeren formen als mehr intensiver, meist 
nicht eigentlich iterativer bedeutung von den formen auf -itare^ 
bei denen in der that die iterative bedeutung im gebrauch 
mehr hervortritt, unterschieden, und nur die letzteren als eigent- 
liche frequentatiua betrachteten. Einen schritt weiter thut 
Probus, wenn er den namen beibehaltend, aber von dessen 
bedeutung absehend als genus frequentatiuum alle nicht in- 
choativisch, sondern irgendwie anders ausgehenden uerba zu- 
sammenfasst, welche von verben abgeleitet den begrifif des 
grundwortes nicht aufgeben, sondern enthalten (a propria uerbi 
significatione deriuantur). Aber die vorherrschende ansieht, 
welche auch gewichtigere stimmen, wie Charisius, Diomedes, 
Donatus, Priscianus, vertreten, bezeichnete und betrachtete 
alle hier in betracht gezogenen derivative als uerba frequen- 
tatiua ohne Unterscheidung, wie das auch die von ihnen 
beigebrachten beispiele zeigen, als merso id est saepius mergo 
Diom. 

Was form und ableitung betrifft, so beschränken sich die 
meisten darauf zu sagen, dass die frequentatiua derivative von 
verben seien, und dass sie der 1. conjug. folgen, also auf -are 
ausgehen (mit ausnähme, heisst es wohl, von uisere, oder von 
facessere, lacessere und derartigen). Aber schon Gellius bringt 
die frequentatiua in Zusammenhang mit dem part. perf., die 
Übereinstimmung in der quantität hervorhebend, sagt auch 
deutlich genug, dass er sie als abgeleitet von dem part an- 
sieht: actito . . ex eo fit, quod est ago et actus . • Schon 
Cato muss dies als regel vorgeschwebt haben, wenn er zu ferre 
ein freq. latare bildete. Ganz ausdrücklich sagt PrisciaUi der 
auch hier das ausführlichste hat, dass die frequentatiua in der 
regel und meistens vom part. perf. abgeleitet seien, nur dass 
er an der anderen stelle dafür das sog. supinum substituirt, 

\Drip naoh ihm Hia nPiiArpn . ^xrnQ ^vpnicrpr rir.htiff iet . nhAr in 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 24g 

der Sache dasselbe : so sei aus dictus (dictu) geworden dict-are, 
so curs-are, domit-are u. s. w. Auch das findet sich schon bei 
ihm als regel aufgestellt, dass aus participien auf -atus mit 
Umwandlung des & in i uerba freq. auf -it-are (statt -at-are) 
gebildet werden, wie imperit-are, rogitare. Als eine ausnähme 
von der regelmässigen ableitungsweise stellt er diejenigen fre- 
quentatiua hin, welche vom präsens abgeleitet sind, wie agitare, 
fiigitare, nur mit irrthümlicher einschränkung dieser bildung auf 
solche primitiua, welche im perf. -gi haben (vgl. fluitare, fun- 
ditare, latitare von latere u. a.). 

Endlich machen auch die Unterscheidung von frequentativen 
1. grades auf -are, wie cursare, und 2. grades (doppelfrequen- 
tativa Zumpt), wie das aus jenem weitergebildete cursitare, 
schon alte grammatiker, wie Donatus, bemerkend, dass nicht 
in allen fallen beide grade zum ausdruck kommen, und Dio- 
medes, der solche, wie cursitare, als iteratorum iteratiua be- 
zeichnet, mithin die zweiten als aus den ersteren, nicht direct 
vom primitiuum, abgeleitet zu betrachten scheint 

Fast alles dies ist in unsere schulgrammatiken über- 
gegangen, auch die Unterscheidung zwischen uerba intensiua 
vom supinum auf -are (t-are, s-are) und eigentlichen frequen- 
tatiua auf -itare, welche einige machen, jedoch nicht streng 
durchfuhren können, hat, wie wir sahen, einen Vorgang in der 
theorie der alten. In den abweichungen einiger von den Pri- 
scianischen regeln vermögen wir Verbesserungen nicht zu finden. 
Wie wenig massgebend theorien alter grammatiker im all- 
gemeinen für uns sind, so muss doch dasjenige was Lateiner 
über eine derivativformation aussagen, die sich noch in ihrer 
zeit weiter productiv bethätigte, wohl einiges gewicht für uns 
haben, insoweit es durch die producte selbst bestätigt und nicht 
etwa widerlegt wird, und, wenn eine regel zur erklärung aller 
falle ausreicht, sind wir nicht genöthigt nach einer anderen 
hypothese auszuschauen. 

Aber damit, dass wir die endung und die art ihrer an- 
fügung kennen, ist das wesen der bildungsform noch nicht er- 
kannt. Hierüber finden wir bei den alten keine genügende 
belehrung (wenn nicht halbwegs bei Probus), wir müssen die 
spräche selbst befragen und versuchen, ob sich aus ihren ge- 
bilden etwas ersehen lässt. 



246 C. V. Paucker, 

Darin können wir der Überlieferung folgen und an ihr 
festhalten, dass alles dasjenige, was sie als uerba frequentaliua, 
abgeleitet von verben, ausgehend auf t-are, s-are, -itare zu- 
sammenfasst, was man noch jetzt gemeiniglich so nennt, eine 
gleichartige bildungsform ist. Zwar findet die beobachlung 
noch andere von verben abgeleitete verba jenen gleichartig, in 
welchen theils 1) die endung -are mit einer anderen epenthese, 
als -it-, behaftet ist, z. b. sträng -ul- are, fo-cul-are (focilare), 
missiculare gl. nsiAnd^siv^ pos(c)-tul-are, consid-er-are und 
desiderare, uenerari, fod-ic-are, mordicare und morsicare, 
mand-uc-are, car-in-are (carere), lancinare, destinare und 
obstinare (stare) u. a. , anderentheils 2) an den präsensstamm 
nicht das epenthetisch erweiterte -are, sondern einfaches -are 
herantritt, als z. b. anticip-are, occupare (capere), pacifer-are, 
belliger-are , proflig-are, appell-are und compellare, aspern-ari, 
conspic-ari, suspicari, assent-ari, constern-are u. a. Doch wir 
meinen diese verben, die zwar keinesweges selten, jedoch viel 
weniger zahlreich sind als jene gemeiniglich als frequentaliua 
bezeichneten, hier bei seile lassen zu dürfen, ohne sie aus dem 
gesiebt zu verlieren. Ist die Sphäre auch eine weitere, so wird 
dadurch die einheit und gleichartigkeit der auf t-are, s-are, 
-itare ausgehenden uerba frequentatiua nicht alterirt. 

Dass aber der name frequentatiua oder iteratiua den inhalt 
dieser bildungsform nicht erschöpft, also nicht richtig angiebt, 
hat die beobachtung des Sprachgebrauchs längst gelehrt. Denn 
dass uerba dieser art öfters iterative bedeutung haben, nämlich 
etwas besagen, was wiederholt, öfters, immer geschieht, zu ge- 
schehen pflegt (was andere, einfache uerba auch können), ge- 
nügt noch nicht zum beweise, dass sie frequentatiua im smne 
des Worts sind, vielmehr zum beweis des gegentheils, wenn 
manche, namentlich gebräuchlichere, von denen viele beispiele 
vorliegen, diese bedeutung nicht immer haben. Es ist über- 
haupt zu bezweifeln, ob irgend eine spräche unseres Stammes 
eine besondere form von verben für den ausdruck der mehr- 
maligen handlung ausgeprägt habe, denn dies ist keine form 
der thätigkeit selbst, wie dauer und geschlossenheit, wie auch 
beginn und werden eines thuns allerdings formen der thätigkeit 
sind. Die frequentative bedeutung ist eben nur eine der be- 
deutungen, welche die hier besprochene forma uerbi au&u- 
nehmen geeignet, ja wohl auch vermöge ihrer specifischea 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschichte. 247 

function mehr geeignet ist, als es andere uerba auch sind, und 
mag demzufolge auch wohl von gewissen einzelnen verben 
dieser form diese frequentatIVische bedeutung usuell aus- 
schliesslich oder doch vorwiegend übernommen worden sein. 
Die theorie hatte sich frühzeitig für diese bedeutung als haupt- 
bedeulung entschieden, was wohl nicht ohne einwirkung auf 
den gebrauch gewesen ist, wenn es auch im ganzen den sprach- 
sinn nicht trüben konnte. Immerhin mögen gewisse vereinzelt 
vorkommende verben, wie z. b. accessitare, feritare, natitare, 
subrectitare u. a., nur für den iterativen gebrauch gebildet 
worden sein. Was aber der eigentliche Inhalt der form und 
das wesen ihrer function ist, das ist in dem namen uerba 
frequentatiua uns nicht gegeben, sondern ist aus dem Sprach- 
gebrauch im ganzen zu abstrahiren und zu definiren. Gleich- 
wohl können wir den namen als solchen gleichsam synek- 
dochisch gelten lassen, mit eben so gutem, wenn nicht besserem 
recht als andere namen, wie genitiv, accusativ u. dgl., auch. 

Es stellen sich uns etwa folgende fragen. Was macht 
diese bildungsform zu dem, was sie ist? Welcher laut best and- 
theil an dem uerbum, welches frequentatiuum genannt wird, 
ist sitz und ausdruck derjenigen specifischen function, welche 
dem uerbum dieser form als solchem eigen ist und mit der 
bedeutung des stammlauts die grundbedeutung des Wortes aus- 
macht ? Ist es die endung, das suffix allein ? Und wie ist es mit 
der endung? Wir müssen das -it- in- itare zum theil wohl als 
zur endung selbst gehörig, und mithin neben -are als besondere 
endung auch -itare anerkennen. Da fragt sich denn, ob beide 
endungen auch zweierlei sind, oder wenigstens functionell einerlei, 
wie sie es an denominativen verben meist und wohl gewöhn- 
lich sind, wie z. b. pur(i)gare und purgitare einerlei sind, gleich- 
wie deutsch end-en und end-igen. Wenn sich aber doch eine 
diff^enz herausstellt, fragen wir weiter, worauf diese differenz 
sich gründet, und ob diese differenz hier immer stattfindet und 
mithin eine wesentliche ist, oder ob sie nur eine partielle, 
gleichsam facultative und zum theil usuelle ist, wie ja öfters 
in den sprachen das, was wesentlich und ursprünglich einerlei 
ist, einer usuellen differenzirung unterliegt. 

Es folgt nun zuvörderst ein verzeichniss auf t-are, s-are, 
-itare ausgehender von primitiven verben abgeleiteter uerba 
frequentatiuai das wohl zahlreich genug ist, um einen überblick 



248 C. V. Paucker, 

und ein möglichst sicheres urtheil über die bildungsform za 
gewinnen, dessen Vollständigkeit wir jedoch nicht verbürgen. 
Darnach wollen wir kurz zusaihmenfassen, was sich aus den 
gesammelten beispielen uns zu ergeben oder zu bewähren 
scheint 1) über bildung und ableitung der uerba &equentatiua 
auf -are und -itare, 2) über wesen und significabilität dieser 
bildungsform. 

2. In dem nachstehenden verzeichniss sind geflissentlich 
manche uerba, die man hier zu finden erwarten dürfte, über* 
gangen, namentlich die nicht eben zahbreichen, welche, wenn 
man sie als frequentatiua betrachtet, von verben herzuleiten 
sind, die nicht primitiua sind, sondern denominativa, wie z. b. 
coenitare, auf die wir in dem folgenden aufsatz kommen, — 
femer solche, die ihrer form nach frequentativische sind, über 
deren herleitung aber wir uns keine rechenschaft geben können, 
wie cunctari, optare, oder solche, die uns nicht in die reihe 
der hier behandelten hineinzugeboren schienen, wie mussare, 
das sich zu muttire, mussire vielleicht so verhält, wie asper- 
nari zu spernere. Auch einige von part. perf. abzuleitende, 
wie z. b. subitare, haben wir, von unserem princip, dass die 
form, nicht die bedeutung für grammatische classificinmg mass- 
gebend ist, eine ausnähme machend, zu den denominatiuis ge- 
zogen. Eingereiht und gezählt sind in dem verzeichniss nicht 
nur die frequentativformen einfacher uerba, wie z. b. nutare 
von nuere, sondern auch die welche von mit Präpositionen 
zusammengesetzten gebildet sind, wie abnutare von abnuere. 
Als solche, als deriuatiua, nicht composita, lassen wir in der 
regel alle diejenigen gelten, welchen eine präpositionirte form 
des grundwortes mit auch entsprechender bedeutung gegenüber- 
steht, also z. b. auch excitare neben exciere, während wir z. b. 
recitare, suscitare als Zusammensetzungen des fireq. citare mit 
Präpositionen betrachten. Weil jedoch solche Unterscheidung 
in manchen fallen sache des meinens ist, fügen wir, schon um 
dem leser controle und kritik zu erleichtem, jedem firequenta- 
tiuum seine Zusammensetzungen mit präpositionen vollständig 
bei. Um die zahl der vom präsensstamm auf -itare gebildeten, 
wie ag-itare, leichter zu übersehen, sind sie etwas eingerückt 

Die weiteren Vorbemerkungen gelten zugleich für das ver- 
zeichniss in dem folgenden aufsatz. Wenngleich für die frage, 
ob ein wort ein echtlateinisches ist, es am meisten darauf an- 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 249 

kommt, ob es sprachrichtig gebildet ist und sprachgebräuchlich 
war, so ist doch auch auf bestimmung und Unterscheidung der 
zeit, in welche es gehört, gewicht zu legen. Wir lassen uns 
daher dies angelegen sein, und suchen den unterschied der zeit 
zur erleichterung der Übersicht möglichst augenfällig zu machen. 
Freilich vermögen wir meist nur die zeit anzugeben, aus welcher 
ein wort uns bekannt wird, die nicht immer diejenige ist, in 
welcher es entstand, und selbst unter den Wörtern, welche wir 
erst durch spätlateinische Schriften kennen lernen, befinden 
sich alte, ja, vollends in glossarien, veraltete. Wir machen 
also zu chronologischer Unterscheidung, soweit sie eben möglich 
ist, durch minuskelschrift kenntlich die Wörter, welche der ältesten 
sog. vorclassischen latinität allein angehören oder doch nachher 
nur vereinzelt vorkommen oder häufiger erst wieder bei späten 
(et recc), —durch cursivschrift die erst bei nachhadrianischen 
Schriftstellern (recc.) vorkommenden, während von allen nicht 
durch abweichende schriftform ausgehobenen anzunehmen ist, 
dass sie sich schon in Schriftwerken der classischen literatur 
von Cicero bis zu Tacitus und dessen Zeitgenossen incl. (uett.) 
vorfinden. Wenn bei mehren der letzteren Wörter sich ein 
(meist nur ein) autor angegeben findet, so ist dies in der regel 
nicht der einzige zeuge, auf welchen es zurückgeführt wird 
(was mitunter s. hervorhebt), sondern der zeitlich erste oder 
in prosa erste, hauptsächlich aber soll mit solchen beifügungen 
(die keineswegs eine ausreichende belehrung zu geben beab- 
sichtigen) nur negativ besagt werden, dass sich das betreffende 
wort bei Cicero oder Cäsar nicht zu finden scheint, und das- 
selbe besagt mitunter, bei sonst gebräuchlicheren Wörtern, ein n. 
Ausserdem wenden wir zuweilen auch hier folgende sigia an: 
pr = älteste vorciceronianische schriftsteiler, p = dichter, be- 
sonders der augustischen zeit, pÄ = autoren der sog. silbernen 
latinität von Augustus bis Hadrian. 
abnutare. 5 accubüare. aditare. 

acceptare Plaut., pA. actitare. ^^ adiutare. 

acceptitare «). adauctare. aduectare Tac. 

accessitare. adiedare, aduentare. 

«) Ebenso auf t-itare (s-itare) a) neben t-are (s-are): 28, 32, 34, 36, 
42, 65, 88, 92, 103, 106, 118, 144, 159, 167, 180, 198, 206, 216, 226, 231. 
248, 258, 277, 282, 297, 302, 304, 315, 326, 332, 370, 374, 376, dazu 4 
(vgl. 37), 6 (vgl. 48), 125 (vgl. 303), 266 (vgl. 279 u. 331), 360 (vgl. 100), — 




250 



C. V. Paucker, 



aduersare *). 

aduolitare Plin. 
" affeclare. 
afflictare. 
agitare, ex-, ob- 

(acetare), cf. 49, 
259, 328, 344 *). 

allectare , cf. 93, 
123, 168, 239, 
287, 345. 

alsitare (alsus). 

«oamplexari, ex- Ad 
Her., -re et Petr. 
annutare. 
apertare, cf. ^250. 

appellitare Tac. 
apprensare Grat. 
«» aspectare. 
assultare Plin, 

auctare, cf. 7, 

auctitare Tac. 

auersari. 

»0 calefactare Plaut, 
(cf. ad 143). 

cantare, ad- Stat., 
con-y de-, ex- pr, 
p, in- pr, p, recc., 
o6-, prae- Petr., 
re- p, sülh, -cen- 
tare, ob-, prae-. 



cantitare. 

captare, -ceptare, 
dis-, cf. 2, 3, 60, 
132, 174, 244, 
277, 299, 

capiitare. 
sscassare (casare), 

cassitare. 

cessare, con- et recc, 
cf. 4. 

circumcursare 
Plaut. 

circumplexari, cf. 
20, 56. 

*o circumspectare. 

circumuectare Verg., 
Liu., 

circumuectitari. 

circumuersari Lucr. 

circumuolitare p, 
pA. 

*« circumuolutare 
Plin. s. 

citare, ad-^ de-, re-, 
suJhre-, sus-, ex- 
sus-, re-sus- 
Ouid., con^esus-, 
cf. 61, 133, 175. 

clamitare, cf. 62, 90, 
134,176,245,300. 



coactare Lucr., 

cogitare, ex-, in- 
Hor., prae- Liu., 
re-^). 

»0 coeptare. 

comme(i)tare (meare), 

commentari, -re. 
CQinmorsitare. 
cotnmotare. 
51 compensare, re-. 

camplexari, 
comprebensare. 
compressare. 
compulsare, cf. 95, 
139, 289, 311. 
•^ conceptare. 

concitare. 

conclamitare. 

concrepiUire, 

concursare, 
•» concursitare, 

conflictare, -ri. 

cangestare. 

coniectare, '^. 

conquassare. 
To consa^tare. 
consectari. 

conspectare. 



b) ohne nachweisliches t-are (s-are): 19, 81, 129, 162, 212, 222, 224 (nebst 
53, 94), 273, 280, 298, 321, 336, 347, 352, 378, 380, 386. 

») So von s-us auf s-are: 20, 24, 29, 35, 37, 38, 39, 43, 55—59, 64^ 69, 
79, 87, 91, 95, 97, 100, 102, 110, 112, 130, 135, 137, 139, 148, 151, 160, 173, 
179, 191, 192, 215, 233, 247, 249, 257, 260, 262, 269, 281, 283, 284, 289, 
291, 294, 301, 308, 309, 311, 314, 320, 339, 346, 351, 356, 364, 366, 371, 
375, — auf s-itare 4, 19, 36, 53, 65, 88, 92, 94, 103, 129, 162, 180, 212, 216, 
222, 224, 248, 258, 273, 280, 282, 298, 302, 315, 321, 336, 360, 376, 386. 

*) Ausser diesen fünf sind vom präsensstamm gebildet: 71, 82, 107, 
108, 145, 146, 150, 154, 155, 156?, 169, 181, 184, 202, 207, 209, 213, 214^ 
217, 221, 235, 255, 256, 263, 292, 293, 295, 312, 327, 330, 333, 367, 377, 
379, 381. 

») Vgl. 6 actitare und 17 agitare, 105 f. u. 181?, 168 u. 169, 203 iL 
145, 205 u. 207, 212 u. 213, 215 f. u. 217, 325 u. 327, 329 u. 330, 380 u. 38L 



Haierialien zur lateinischen Wörterbildungsgeschichte. 251 



consputare. 
consultare, -ri. 
Ti contentare (conten- '"'* detonsare. 
dere), cf. 142, deuectare. 



detentare {delinere)^ i^eiiersare. 
cf. 318, 355. euolitare Gol. 



190, 251. 
canterritare. 
conuectare Verg. 
conuentare. 
conuersare. 
•0 conuolutari Sen. 
codiiare, 

coquitare. 

correptare. 

credUare. 

•» crepitare Plaut., p, 
Plin., cf. 63, 109, 
177. 

cubltare, cf. 5, 178, 
334. 

cursare, cf. 38, 64, 



deuersari, 
detiersitare Gell, 
deuotare. 
losdictare, cf. 119, 
dictitare. 
difpunditare. 



exceptare. 
excitare, co-. 
exclamitare. 
i»»excursare Stat. 
exercitare, co-Qtl. 
expensare. 
expramptare. 



expulsare MarL 

,. ..' t' ' exsultare, CO-, stiper-. 

discrepitare Lucr. s. . , , «« 

,. ^ i-. . 1 extentare Lucr. 

10 discursare Qumt. ^^^^^^^^ ^^ ^^ _ 30, 

disiectare Lucr. s. 152, 153, 199, 211, 

dispensare. factitare. 

dissertare et Tac, cf. i*» ferüa/re (ferro). 

120, 140, 185. flagitare, ef-, re- 

dissultare p, Plin. CatuU. 

191* 247* 260* dormitare, ob-. flexare. 

' ' -■ ' ducfare pr. Sali, flidare, cf. 16, 66. 

cf. 237, 261, 305, »« fluitare, ^flutare 

ductitare. Lucr.,-riVarr. 

edictare. (cf. 383). 

110 edissertare et Liu. fossare. 

defensarePU.,SalL, ^^^^'\^- f?gSSe. 

cf. 249, eiuhtare«). fueitare 

j , .. electare (lactare). luguare. 

depulsare. 288, 138. cf^ giyb*). 

despectare p. ereptare. futare,'con'- (cf. fu- 

desponsare Suet., erogitare. turus). 

recc. eructare (erugere). gestare,circuin-,cf. 

demltare. esitare. 67, 285, 



284. 

cursitare , cf. 65, 
180, 248. 

datare, cf. 342. 

•0 declamitare. 



•) Ebenso sind von -are gebildet auf -Itare anstatt ätare: 23, 47, 51, 
163, 164, 170, 204, 219, 228, 229, 232, 241, 252, 253, 254, 275, 322, 382, 
383, und 14, 44, 62, 90, 127, 131, 134, 171, 176, 194, 242, 245, 265, 270. 
300, 353, 365. 



25S 



C. V. Paucker, 



gestilare et recc. " 
" grassari n., de- Stat. 
babitare, co-, in- Ou. 
haesitare. 
haliUre. 
hletara. 
nJiiimUare gl. " 

iactare, j>f oe-, super- 
Val. Max., cf 8, 
68,111,121,182, 
238, 286, 306, 
3*3, 
iactiiare Liu.,prae-. 
iUedare, 
iUieUare. 
'«imttari, -re. 
imperitare Plaut. " 
implieiUo'e. 
impressare. 
inceplare. 
't jncitare. 
inclamitare. 
increpitare , sub- , 

super-, „ 

incubitare Plaut, 
incursare, 
>» incursitare Sen. 

indigitare ( iodici- 
tare?). 
iniectare Stat. 
initare. » 

insectari. 
" insertare Verg., red-, 
inspectare, 
insputare. 
itttir^Uare. 
insultare, super-. 
*' intentare. " 

intercursare Liu. 
ioteruersare Plin. 
introspectare. 
muolitare Hör. 



irreptare Stat. 
itare, cf. 9, 183, 

labefactare , con - 

Ouid. 
•iBrtare (zu 18). 
lamhUfxre. 

lälitare. 
lätiu» (cT. 145). 
lauiUre (?). 
leäare, cf. 124, 
lectltare, 

Xegiiare, 
lidtari, cf. 974. 

loqnitari et App. 
lu[i]tar& 
madefadare. 
niansitare Plin., 

man[i]tare, om-men-." 

meditari (mede- 

ri?), con- Ad 

Her., e-, prae-. 

mersare, p, pA, 

cf. 346, •' 

tnersitare, 
mergitare, *'iner- 
[gilUre. 
meritare. 
minitari, -re. i, 



näsciiatus Grom. 

(cf. 202, 213, 

214, 256). 
missitare U.a. " 

tnmiiare. 

morsitare, cf. 53, 94. 
motare Verg., cf. 54, 
motüare Gell, 
munitare Gic. s. 
mnisitai« et recc. 0&-. 
mutitara Gell. ** 



natare, ab- Stat., 
ad- B. AI., de- 
p, e-, super-e- 
Luc, in-, prae- 
p,pA,pro-Hyg., 
re-, sah- Sil., 
8tä>ter-, super- 
Sen., 

natitare. 

negitare. 

Dexare. 

iii<lare, ad-, -ri. 
\ Qoscitare Plaut., 
Liu. 

nutare, cf. 1, 21, 
307. 

obduetare. 

obiectare. 

oblectare, üi-. 
lobreptara et PlÜL 

obson itare. 

obuolitare Pore. 
Lalr. decl. 

obuolvtM-e. 

occeptare. 
1 oeclamitare. 

occultare. 

occursare, 

occwsitare. 

offeusare Lucr., pA. 
, opertare. 



palitari. 
palpitare. 
paritare, cf. 171. 

pascitare Varr. ■. 

pauitare Ter., p. 
pensare p, pA, cfL 

55,112,137,262, 

308, 
pensitare. 

peragitare. 
percursaie pA. 



Itaioialien zur lateinischen wörterbildungsgeschiclite. 25ä 



quassare, cf. 69, 
— 351. 

»•» queritari Tac , 
-re, uel ^ qui- 
rilare, -ri Vaf r. 

raptare, ^rapsare 
B. Afr., Gell., 

raptitare Gell, 
rasitare Suet. 
receptare Ter. 
»00 reclamitareCic. (?). 
recursare Plaut., 
recursüare. 



perdactare. 

perpensare Grat. 

perqutritare. 
perreptare. 
it5 perrogitare. 

perscriptitare. 

perspectare pr, p A. 

perterrikire. 

peruersare. 

iTt peruolitare p, Vitr. 

peruolutare. 

placitare. 
plausüare. 

poDidtari et Sali. redemptare Tac 

...popuiaare Dig. (?). redemptitare. 

potare, e-, per-, ^oireduäare. 
^^*^' reiectare Lucr. 

poütare. renutaie Lucr. 

praeceptare (rest. 

saepe praecipere). repensare Vell. 
praescriptare. reprehensare Liu. s. 

.•0 pransitare Plaut., *'• ^^PJ^f^F^^"*- ' ^f- 
*^ Vitr 83,126,196,240, 

prehensareuelpren- ^^' 
sare, cf. 24, 57, repulsare Lucr. 

309, requiritare. 

prensUare. respectare. 

pressare p, cf. 58, responsare Plaut., p, 

173. »" responsitare. 

procursare Liu. restitare et Liu., Fun, 

tM^progestare. resultare Plin. 

proiectare Enn., Amm. retentare (cf. 99). 
«•• *prolalare (cf . 203) . reuectare. 

proiectare. «i« reuersare. 



promptare, cf. 138. 

propulsare. 
tw prospectare. 
pulsare (zu 59), 

l> poltare (pul[si]- 
tare?). 

quaeritare, cf. 263, 
312. 

guaesUare Prise. 
Vm, 74 



risitare. 

rogitare, cf. 127, 
265. 

ructare, in-, o6-,-ri, 
cf. 128. 

saeptaius, cf. 70. 

SS6 saltare,circww-, de- 
Suet., sub-, -sul- 
tare, per- Lucr., 



Liu. , prae- et 
trans-Liu.,cf.26, 
98,114,141,189, 
317, 348, 

saltitare QuinL, 

salitare Varr. s. 
satagitare. 

scitari Verg., 
»»** sciscitari, -re. 
Scriptare, cf. 279, 
scriptitare, cf. 266. 
sectari ( *sequi- 
tari), ad-, per- 
Lucr., cf. 71, 
184 (vgl. 209). 

secubitare. 
•»» sepuUare. 
sessitare. 
solüare Gell. 

spectare,an<i-Gell., 
ex-^per-ex-yprae- 
ca;-,cf.25,40,72, 
96,186,193,267, 
290, 313, 354. 

Sponsore, cf. 97,314. 

«4osputare, cf. 73, 187. 

strepitare Verg,, o6-, 
cf. 188. 

subditareLucr.?, gl. 

subiectare p (sub- 
iactare Varr.). 

subigitare et recc. 
•48 subiectare. 

submersare. 

subrectitare. 

subsultare Plaut. 

subuectare Plaut., 
p, pA. 

SSO subuentare. 
succussare. 

sumptitare Plin. s, 

superuolitare Verg. 

suspectare pr, pA, 
prae^. 



S54 



C. V. Paucker, 



13, 29, 43, 7d, 
102, 130, 192, 

269, 320, 364, 

uersitare, gl, cf. 
103. 

uescitari. 
uictitare et recc. 

uisitare (uisere), 
i»-, re- Plin. s. 

•«• unctitare, 
unguitare. 
uocitare. 

uolitare, cf. 14, 44, 
131, 194, 242, 

270, 353, 365. 

uolutare, cf. 45, 80, 
195, 243, 271. 

uomitare Sen. 

usitatus pass., 



»" sustenlare (cf. 99). transuectan lul. 

taxare ( längere ), ^^^* ^ 

con-, re- Suet. transuersare Verg. 
(cf. 371, 296^). Mor. 

tentare, ad-, ex-, '" ^^'^'^^"^"^^^^ L"^^- 

per-, ppae-, Ouid., ^"^^are Calull. 

pA, pro-, re- tuditare. 

Ouid., Sen., vgl. tutari, -re. 

zu 75. uectare p, Liu., cf. 

territare, cf. 76, 11, 41, 77, 101, 

268. 319, 349, 363, 

tinnitare. »to tieditare, cf. 42, 

Motonsitare (cf. ICD). uexare,con-etrecc., 

tortare. di-, prae-. 

tractare (-trectare), uenditare. 

ad-, con-, prae- uentare,cf.l2,78,350, 

con- Ouid., de-, uentitare. 

ob-, per-, jp^'oe-, »'»uersare, in-, -ri, 

re-. con- pA, ob-, cf. 

3. Es sind hier im ganzen, wenn man alle composita imd 
ein paar nebenforraen (b) mitzählt, 500 verba frequentatiuischer 
form aufgeführt, von denen durch Cicero oder Cäsar saDctio- 
nirt sind 146. Als pr sind bezeichnet 104, doch durften noch 
einige hinzuzuziehen und so etwa 130 (mehr als V«) als ganz 
oder vorwiegend dem älteren • Sprachgebrauch angehörig zu 
betrachten sein. Eine gewisse Vorliebe der älteren latinilät fär 
diese formation tritt noch mehr hervor, wenn wir nur die 
Stammverben, ohne ihre Zusammensetzungen, welche frequen- 
tativform angenommen haben, zählen (z. b. citare nur als 1, 
nicht als 12), wo dann der antheil der pr 0,3 ausmacht Aus 
der ganzen masse der spätlateinischen Schriften, gegen die doch 
quantitativ der nachlass der classischen literatur weit zurück- 
steht, sind nur 122 (weniger als V*) hinzugekommen, von den 
einfachen formen sind ihnen gar nur 0,14 anzurechnen. Wenn 
man nun nicht vergisst, dass sich unter den uns erst durch spätere 
überlieferten Wörtern auch viele alte bergen, ^andrerseits auch 
daran denkt, wie überaus gross in anderen bildungsformen die 
fülle des neueren Zuwachses ist, wie z. b. von den Wörtern auf 
-tio oder -sio 0,55 aller der tausende den recc. angehört, so 
scheint jenes ergebniss die meinung, dass in der späteren 
spräche die hiimeigung zu den freauentativformen im zunehmen 



Itaterialien znr lateinischen wörterbildungsgesctiictite. $gg 

war, nicht gerade zu bestätigen. Indess haben allerdings auch 
wir frequentativformen bei recc, häufig angewendet gefunden, 
und in gewissem mass wollen wir auch abschleifung der be- 
deutung dieser formen im spätlatein nicht abläugnen. Ein 
beispiel, das nicht gerade viel beweist, über das wir aber ge- 
naues sagen können, bieten die scrr. bist. Aug. Es finden sich 
bei ihnen mehr als sechzig uerba frequentatiua , fast halb so 
viel als in allen den vielen ciceronischen Schriften, darunter 
fünf prisca recocta, neu nur ein einziges, während sie in anderen 
wörlerarten meist recht viele neue haben. 

Von den aufgereihten uerba frequentatiua weisen vor der 
endung den Charakter des part. per f. auf nicht weniger als 
309, die überwiegende mehrzahl, fast 0,8 aller. Wir haben 
allerdings alle gezählt, in denen nur immer das, was vor der 
endung steht, der Charakter einer supinform, welche das primi- 
tiuum wirklich hat, sein kann, zumal auch ohne die wenigen 
für einige vielleicht zweifelhaften fälle (wie ob, mit uns, lambit- 
are, oder lamb-itare zu theilen sei) den sicher vom part. perf. 
abzuleitenden doch die überwiegende mehrheit bliebe. Das a 
in grassari, das doppelte s in cassare kann nicht beirren, und 
für die formen rapsare, taxare, uexare werden wir wohl ent- 
sprechende nebenformen des supinstammes vermuthen dürfen 
(vgl. rapsit, taxim, uexillum). Wenn sich noch immer zuweilen 
eine neigung zeigt als eigentliches frequentativsuffix -tare an- 
ssusehen, -sare nur als mitunter vorkommende ausnähme oder 
als aus -tare erst geworden (z. b. Gossrau Gramm. § 217), so 
hört das eben auf denkbar zu sein angesichts der n. 3 zu- 
sammengestellten 63 falle (ohne comp.), in welchen s-are, 29, 
in welchen s-itare die endung ist (0,3 aller), eben weil das 
part. perf. des primitiuum auf s ausgeht. Dass das part. perf. 
der bewusste bildungstamm war, bestätigt auch z. b. latare 
zu ferre, die quantität von citare, die von dormitare (die wur 
daher, ohne Überlieferung, auch für 165, 359 annehmen), der 
ablaut z. b. in iniectare, insultare, die homonymie in tentare, 
weil tendere und teuere beide part. tentus haben. Unter den 
Verben, welche die primitiua dieser frequentativformen sind, 
habep in der supinform c. 0,6 vor der endung (-tus, -sus) 
einen consonanten, wie cap-tus, pul-sus, c. 0,22 einen stamm- 
vocal, z. b. a (in 3), wie fla-tus, i der 4 coiy. (in 4), wie 




256 G. V. Pauckei^, 

muni-tus (in 6 verben endete der stamm auf einen dentalen 
consonanten, wie plau-sus von plaud-ere), c. 0,18 ein kurzes i, 
wie domit-us, habit-us, uendit-us. Sonst kommt dai*auf, welcher 
conjugation die primitiua angehören, kaum etwas an. 

So hat sich denn also die regel des Geilius und Priscian 
bewährt, und auch der ausnahmsregel bei Priscian, dass von 
part. auf -atus mittelst abschwächung des ä in i frequenlatiua 
auf it-are, statt at-are, gebildet werden, und so aus clamare 
werde clamit-are, glauben zu schenken hindert uns nichts, mit 
der näheren bestimmung, dass einsilbige a-stämme, wie nare, 
das a festhalten: nat-are (zu 147). Gewiss sind z. b. natare, 
saltare, cursare, uolitare unter einander gleichartig, und das, 
was in ihnen mitten zwischen sinnlaut und endlaut sich vor- 
findet, in allen dasselbe, nämlich Charakter der form des part. 
perf., ob ohne oder mit ablaut. In hietare von hiare ist nach 
dem i des Stammes für a statt i eingetreten §, in commetare 
das i für a mit dem vorausgehenden 6 in e verschmolzen, wie 
in lutare das ui in ü. Wir zälilen also unbedenklich die von 
verben 1 conjug. abgeleiteten frequentativformen auf it-are, 
deren wir in unserem verzeichniss 37 aufgeführt haben (n. 6), 
den von der form des part perf. gebildeten zu, die mit ihnen 
89^/s % aller frequentatiua ausmachen. 

Man könnte nach analogie der eben betrachteten frequen- 
tatiua von verben auf are versucht sein, das it der endung 
(-itare) auch aus den sog. doppelfrequentativen, wie dicti- 
tare, zu eliminiren. Wenn ihnen die frequentatiua ersten grades 
auf are ebenso zu gründe liegen, wie den frequentatiua ersten 
grades ihre primitiua, so wäre auch in ihnen, wie clamit-are 
aus clamat-are, so dictit-are aus dictat-are, eben it-are aus 
at-are geworden, und suffix auch in ihnen einfaches -are. Da- 
gegen aber spricht, nämlich gegen herleitung der längeren aus 
den kürzeren frequentativen statt unmittelbar aus dem primi- 
tiuum, oder mindestens nicht dafür spricht etwa folgendes. 
Wenn auch in den meisten fallen die kürzere form auf -are die 
gebräuchlichere und auch wohl, wie es scheint, die ältere form 
ist, wie gestare häufiger vorkommt als gestitare, iactare und 
natare gebräuchlicher und auch älter sind als iactitare, nati- 
tare, so verhält es sich doch in einigen fallen umgekehrt, wie 
z. b. lectitare und scriptitare gebräuchlicher und früher bezeugt 

sind nis Winrp. «u^riiiffAro. iinH «» Hia l5ncr»rA frirm IKaiIq ont. 



ttaterialien zur lateinischen wÖrtiBirbildungsgeschichte. ^7 

weder gebräuchlicher oder älter, theils beides zugleich ist in 
den paaren 6 und 48, 91 f., 125 (304) und 303, 143 f;) 257 f., 
314 f., 373 f., — und, noch mehr, nicht gerade selten neben 
dem frequentatiuum 2. grades die kürzere form gar nicht vor- 
handen, für unsere kenntnis wenigstens, wie wir z. b. wohl 
morsitare finden, aber dazu kein morsare (n. 2, b). Dass diese 
verba, in welchen wir hinter dem Charakter des part. perf. 
des primitiuum ilare haben, gesteigerte frequentatiua sind, ge- 
steigert auch in ihrer bedeutung, ist nicht zu verkennen. Da 
kommt denn wenig darauf an, ob das increment it, in welchem 
die differenz gegen das freq. 1. grades liegt, das also der laut- 
liche träger der Steigerung ist, dem stammende anhaftet, oder 
zum suffix gehört. Aufgeführt sind in unserem Verzeichnis 
36 paare von frequentativen ersten und zweiten grades, welche 
abgeleitet sind von 29 verben oder deren Zusammensetzungen 
mit Präpositionen, wie factare, factitare von facere, responsare, 
responsitare von re-spondere (n. 2). Einige dieser paare sind 
aus einem einfachen und einem präpositionirten frequentatiuum 
zusammengebracht, wie detonsare, tonsitare. 

Die übrigen uerba frequentatiua, kaum mehr als Vio aller, 
sind nicht vom part. perf., sondern vom präsensstamm ab- 
geleitet, wie quaer-itare, noscitare, uisitare (der bedeutung nach 
zu uisere gehörend), und die anderen n. 4 zusammengestellten. 
Die meisten (0,85) sind von verben der 3. conj., vom ein- 
fachen stamm, wie tuditare, aber auch vom verstärkten, wie 
funditare, discitare, gebildet, doch einige auch von verben der 
2. conj. wie latitare (zu 221), eines, wie es scheint, von 
einem verbum, das im präs. nach der vierten geht (327). 
Einige haben parallelformen regulärer ableitung, wie sich acti- 
tare neben agitare, illectare neben illicitare findet. Als endung 
dieser frequentatiua vom präsensstamm können wir nicht umhin 
itare anzuerkennen. Denn wollten wir, um it aus ihr zu eli- 
miniren, auch diese formen als doppelfrequentative auffassen, 
wofür deren bedeutung kaum spricht, so existiren eben die 
zugehörigen einfachen nicht, und, könnten wir auch zu agitare 
ein agare aus ind-agare entnehmen, zu den meisten müssten 
wir die kürzeren aus den längeren erst erschliessen, worauf 
man sich ernstlich nicht einlassen kann. Es dürfte sich aber 
die epenthese des it vor der endung -are hier dadurch er- 
klären lassen, dass zur herstellung der intensiven form, d. h. 

Zeitschrift für vergl. SpracUf. N. F. VI. 3. 17 



^8 d V. Paucker, 

der frequenlativform, das am wortstamm mangelnde increment 
am suffix ersetzt wm*de. 

Die frage nach dem gründe der thatsache, dass es in der 
regel die form des part. perf. ist, was den bildungsstamm der 
uerba frequentatiua abgibt, seheint uns durch den feinen ge- 
danken: »ihr sinn ist also etwas schon geschehenes zur er- 
scheinung bringen, d. i. eben die Wiederholung und verstärkungc 
doch schwerlich sich lösen zu lassen. Wir lassen uns daran 
genügen, dass es zurückzuführen ist auf die analogie aller bil- 
dung neuer Wörter aus verben. Es werden ja auch nomina 
uerbalia, wie sämmtliche auf -tor (-sor), weit vorwiegend die 
auf -io, -US, -ura, -iuus . . vom stamm des part, perf. abge- 
leitet, wie act-io, pens-io, actus, sensus, natura, usura, captiuus, 
possessiuus, — actor, suasor. Und auch dort, wie hier, finden 
wir daneben einige, aber, wie hier, unverhältnismässig wenige, 
welche vom präsensstamm ausgehen, wie religio, gradus, figura, 
nociuus. Es wird eben zum bildungssgtamm in der regel der 
verbalstamm in ehier form, in welcher er einen Zuwachs, eine 
Verstärkung angenommen hat. 

4. Statt auf diesem wege der betrachtung gleich weiter 
vorzugehen, um zu einer definition des wesens dieser bildungs- 
form zu gelangen, wollen wir zuvor nochmals den blick auf 
die bedeutungen lenken, welche die uerba frequentatiua in 
lateinischer rede aufweisen. Eine Statistik auch der bedeutungen 
ist nicht aufzustellen, weder ist sie ausführbar, noch würde, 
wenn auch noch mehr beispiele iterativer bedeutung, als sich 
aufgezeichnet finden, beigebracht würden, dadurch bewiesen 
werden können, dass die iterative bedeutung die grundbedeutung 
der form selbst sei. Allerdings ist ja die bedeutung nicht selten 
eine iterative. So sind z. b. wesentlich iterativisch uisitare, 
uolutare, — conuentare, datare, demorsitare, sumptitare . ., 
auch quassare lässt sich als wiederholtes quatere fassen, habi- 
tare ist entweder ein wiederholtes oder ein immerwährendes 
habere, auf eine iterative grundbedeutung lässt sich zurück- 
führen der gebrauch von uolitare hin und her fliegen, flattern, 
cursare, ductare befehligen, dictare, auch bei cessare die be- 
deutung säumen auf »immer wieder zurückweichenc (die auf 
das intensive »ganz und gar zurückweichenc zurückgehende 
bedeutung aufhören ist später) u. s. w. Andererseits ist noch 
viel öfter von iterativer bedeutung wenig oder m'chts zu finden, 



Materialien zur lateinischen wörterbilctungfigeschichte. 25d 

wie u. a. in blatnitare laut oder heftig schreien, eiulitarei flagi- 
tare, minitari, imitari u. s. w., andere uerba, die sie öfters 
haben, haben sie mitunter wiederum nicht, wie z. b. poUicitari 
in >se Pyrrhum occisurum, si sibi quidquam pollicitareturc 
nichts iteratives hat, wie bei esitare, pransitare es sich in 
manchen beispielen um einmaliges handelt u. s. w. Es genügt 
aber der jedem des lateinischen kundigen bekannte umstandi 
dass die iterative bedeutung bei uerbis frequentatiuis nicht immer 
stattfindet, um zu beweisen, dass sie, wie oft auch immer sie 
vorkommen möge, nicht die grundbedeutung der form, sondern 
nur eine abgeleitete sein kann. Denn mag auch aus einer 
iterativen bedeutung ein neuer wortbegrifif hervorgehen, der 
dann als solcher zusammengefasst selbst nicht weiter iterativ 
gedacht zu werden braucht, wie aus tractare in der iterativen 
fassung : hin und her ziehen, zerren der begriff: sich mit etwas 
abgeben, etwas oder einen behandeln, so kann doch nimmer- 
mehr der nur iterativ zu denkende begrifif eines thuns eben 
dasselbe thun auch als einmal eintretendes oder auch durch 
einen Zeitabschnitt sich erstreckendes ausdrücken: unmöglich 
kann der ausdruck »er pflegt wiederzugrüssenc auch auf einen, 
der jetzt eben einen gruss erwidert oder es früher einmal that, 
so übertragen werden, dass er eben nur die eine handlung 
ausdrückte, und zwar kann durative gestalt eines thatbegriffs 
(wie jedes praet. imperf.) auch iterative bedeutung aufnehmen, 
indem nämlich das immer wieder thun als ein fortlaufendes, 
mit übersehen der pausen, gefasst wird, aber nicht umgekehrt 
die wesentlich iterative auch die durative. £s haben nun 
einige in betracht, dass nicht alle sog. uerba frequentatiua 
immer, aber doch manche und zwar vornehmlich auf -itare 
ausgehende häufig frequentativisch gebraucht sind, als zweierlei, 
wie schon erwähnt^ unterscheiden wollen uerba intensiua auf 
-are und frequentatiua auf -itare. Es ist wahres in der Sub- 
stitution des begriffs intensiua für den unhaltbaren begriff fre- 
quentatiua, es ist auch etwas wahres darin, dass, wie wir be- 
reits zugaben, in verben auf -itare die iterative bedeutung 
zum theil mehr hervortritt. Allein es ist weder richtig, dass 
ausschliesslich nur die uerba auf -itare frequentativische be- 
deutung aufzeigen, noch dass diese sie immer oder alle ge- 
bräuchlicheren derselben sie auch nur als vorherrschende haben. 
Wie dies schon einige hier angeführte beispiele andeuten, so 

17 ♦ 



260 C. V. Paucker, 

wird man es bei eingehender prüfung in weitcrem umfang 
bestätigt finden. 

Wir fanden im uerbum frequentatiuum den stamm des 
grundworts in der regel in der sog. supinform, an diese heran- 
tretend die endung -are, in einigen erweitert oder verstärkt zu 
-itare (um von anderen epenthesen abzusehen). Die endung 
-are ist nichts anderes als was sie auch in einfachen verben 
verschiedentlicher bedeutung ist, wie amare, clamare, stare, 
und was sie und neben ihr -itare als derivationssufßx auch 
im uerbum denominatiuura ist, auch dort weiter nichts bedeu- 
tend, als dass sie trägerin des allgemeinen verbalbegriflfs einer 
bethätigung ist. Ebenso kann die supinform des Stammes hier 
wie in pens-are, nichts anderes sein oder bedeuten, als im 
nomen uerbale, wie pens-io. Mit recht also nahm, wie wir 
auf grund des principium identitatis erkennen, Probus die 
significative Indifferenz der forma frequentatiua an. Der begriff 
derjenigen thätigkeit, welchen das primitiuum ausdrückt, wird 
dadurch, dass es in die forma frequentatiua eingeht, nicht ver- 
ändert, aber verändert wird es doch, eben durch Zuwachs und 
Verstärkung als solche. Zuwachs findet hier immer statt, be- 
sonders sinnfällig, wenn zu dem verstärkten stamm in der 
endung der vollere a-laut, wie doch in der niehrzahl der falle, 
für ursprüngliches e (oder auch e, i) eintritt, noch mehr dann, 
wenn die endung auch noch epenthetisch verstärkt ist, zu -itare. 
Der Zuwachs bedeutet nichts für sich, verändert, wie gesagt, 
nicht den begriff, aber er wirkt immorativ, intendirend, fest- 
haltend bei der Vorstellung von demselben, sie betonend, ver^ 
stärkend, steigernd. Das uerbum, welches frequentatiuum heisst, 
ist ein intensiuum, gleichsam ein potenzirtes. Die alten gramma- 
tiker sprechen auch eigentlich nicht sowohl, wie wir es oben 
ausdrückten, von zwei frequentativgraden, sondern von drei 
graden, deren ersten das primitiuum bildet, so dass dictare ein 
gesteigertes dicere wäre, dictitare dann gleichsam den Superlativ 
darstellete. Und so kann denn durch die frequentativform 
vermöge ihrer specifischen function 1) die thätigkeit sich als 
eine verstäi'kte darstellen, hervorgehoben werden als mit kraft 
oder eifer ausgeübte: domitare völlig bezwingen, raptare hastig 
fortreissen, spectare sich etwas angelegentlich, genau ansehen, 
queritari heftig klagen, ebenso intensiv territare, propulsare 
und viele andere, oder 2) die Vorstellung bei ihr festgehalten 



Materialien zur lateinischen Wörterbildungsgeschichte. 261 

werden als bei einer sich zu verwirklichen strebenden, im co- 
natus begriflfenen, wie captare zu ergreifen suchen, haschen, 
schnappen, cassare fallen wollen, taumeln, so dormitare, zum 
theil noscitare, sciscitari u. a., oder 3) als bei einer beharren- 
den, andauernden, fortgesetzten, wie haesitare haften bleiben, 
latitare sich dauernd verborgen halten, so restitare, sustentare, 
lutari, sepultare u. a., endlich dann auch, da das immorative 
sich, wie im fortsetzen, ebenso im wiederaufnehmen eines 
thuns zeigt, auch Vervielfachung eine art der Verstärkung und 
intension ist, kann 4) die thätigkeit erscheinen als eine sich 
wiederholende, immer wieder aufs neue hervortretende, welche 
bedeutung aufzunehmen wohl mit besonders disponirt sein 
dürfte die intensivform solcher uerba, .welche mehr oder 
weniger ein einmaliges momentanes thun zu bezeichnen pflegen, 
also z. b. dictltare oft sagen, uocitare, emptitare, factitare (aber 
ebenso das seltene factare), datare. Alle diese sinnesphasen, 
die intensive (im engeren verstände), die conative, die durative 
und die iterative oder frequentative, lässt zu, nimmt auf die 
von uns erkannte function der uerba intensiua, sie bilden die 
«phäre ihrer significabilität. Welche dieser bedeutungen die 
einzelnen verben haben, das ist bedingt durch den gegebenen 
thätigkeitsbegriflf, und bestimmt durch gebrauch und geschichte. 
Die frequentative bedeutung ist eben nur als die eminenteste 
Steigerung der Vorstellung von einem thun, als die xar* i^ox^v 
intensive bedeutung der intensivform der theorie besonders auf- 
gefallen und von ihr als hauptbedeutung der form aufgefasst, 
darnach und zum theil wohl in folge davon auch vom usus 
in gewissem masse bevorzugt worden, dem sich denn auch für 
diese stärkste bedeutung die am meisten verstärkte form, die 
auf -itare, besonders empfehlen mochte. 



IV. 

Die uerba denominatiua auf -are. 

. . erit intor oxompla. 

Die lateinischen uerba denominatiua gehen in weit über- 
wiegender mehrzahl auf -are aus. Die zahl der übrigen, der 
auf -Ire endenden, wie custod-ire, stabilire, esurire, der auf 
-ere, wieflau-ere, senere, und der denominativischen inchoa- 



262 ' C. V. Paucker, 

tive, wie z. b. arborescere, ditescere, maturescere , notescere, 
kommt zusammengenommen nicht einmal dem fünften theil 
jener gleich. Hier wird zunächst von der hauptform auf -are 
gehandelt, mit berücksichtigung, wo es für das wesen der 
ganzen art erforderlich schien, auch der übrigen. 

In dem nachfolgenden Verzeichnis der uerba denomina- 
tiua auf -are (I), bei dem es auf Vollständigkeit wenigstens 
abgesehen ist, wird man neben den nach form und bedeutung 
unzweifelhaften auch einige uerba finden, von denen es streitig 
sein kann, ob sie abgeleitet sind oder beziehungsweise primäre. 
Es sind eben als denominativisch manche darum betrachtet 
worden, weil sie sich auf ein nomen zurückführen lassen und 
nicht ebensogut umgekehrt das nomen auf das verbum, und 
so ist z. b. zwar dennoch nicht uocare auf uox, wohl aber 
coenare auf coena, curare auf cura zurückgeführt worden, ohne 
dass damit behauptet wird, es sei einmal cura dagewesen und 
curare noch nicht. Von einigen aber ist die hingehörigkeit 
auch uns selber zweifelhaft, wie z. b. ingare, das auch inten- 
siuum von lungere sein kann, lacerare u. a. Mit aufgeführt 
sind auch 19 uerba, die gar nicht als denominativisch be- 
trachtet sein wollen, sondern von adverbien, meist localen, 
abgeleitet sind, wie intrare (n. 34). 

In dem Verzeichnis ist der stoff zu einer abhandlung über 
die lateinischen denominatiua gegeben, zum theil auch bereits 
digerirt in den noten, die das in einem oder dem anderen 
betracht gleichartige zusammenfassen, während manches wei- 
terer betrachtung übrig gelassen bleibt. Nicht alles aus dem 
Verzeichnis ersichtliche, ja auch nicht alles in den noten an- 
geregte gestattet der räum in dem zweiten theil dieses auf- 
satzes auszuführen. Es soll in demselben nur 1) kurz zusammen- 
gefasst werden das hauptsächliche über form und ableitung 
der uerba denominatiua auf -are (II), 2) versucht werden ein 
semasiologisches princip für das uerbum denominatiuum abzu- 
leiten und zu begründen (III). Auf die modificationen aber 
der grundbedeutung durch Zusammensetzung mit präpositionen 
gehen wir hier nicht ein, obschon wir in dem Verzeichnis 
sorgfaltig bei jedem' uerbum seine Zusammensetzungen ange- 
geben und dadurch mehrfach unser in De latinit. Hieronymi • . 
p. 98 — 134 gegebenes Verzeichnis der lateinischen mit präpo- 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschichte. 263 



sitionen zusammengesetzten verben ergänzt oder auch berichtigt 
haben. 

Die zum Verständnis des nachfolgenden Verzeichnisses er- 
forderlichen Vorbemerkungen findet man in dem vorhergehenden 
aufsatz. 



abortare Varr., recc. 
(abortum, i), cf. 
abortire (abortus, 
us)^). 

äbsentare, ^ absent-i- 
are ^). 

absidcUi4S. 

absinthiatus Sen. 
rh., absentcUas, 

»accipitrare Laeu. 
ocedfian. 
aceratus, ob- -re. 

acerbare p, ex-, de- 
ex-, ifh- gloss., ob- 
(P. Diac.) epit. 
Fest. 

acerrare gl. i. sacri- 
ficare. 

loaceruare Liu.^ co-, 



I. 

36, 247, 299, 338, 
352,404,639,652, 
1593. 

acetare (perf. App. 
herb. 3,8). 

-acinare, de-, ex-. 

'Oeisclare, ex-, 

aculeatus. 

16 acuminatusPlin.,-re, 
ex^. 

acutatus. 
adipatus. 
adminiculare, n-*). 

adolescentiari Varr. 
s. (cf. 2«'^ 1184, 
1196, 723, 724, 
— 304, 590, 1094, 
1277, — recc. 5). 



ex-, super-, cf.34, *^ adolescentulare. 



aduersari, cf. 347, 
348. 

adulterare, intr. et 

-ri. 
aedituari et -re, ex- 

(sed cf. Loewe 

Prodr. corp. gloss. 

lat. p. 277), « aedi- 
tumari. 

aegrotare, co- (cf. 
aegrere Lucr.)*). 

" aemulari *), ob-, sub-, 
-re. 

Oreneatfis. 

aequare, ad-, co-, 
ex-, in- Caes. s., 
pra>e-, red-, ^ -ae- 
qu'it-are% ad-. 

aeratus, ob-, sub- 
Pers., -re, ad-^ in-. 



*) Cf. ad 116 (artare, artire), 136, 180, 188, 249*, 290, 427, 50% 578, 603, 
782, 790, 939, 947, 1058. 1096, 1121, 1195, 1276, 1284, 1330, 1336, 1406, 1413, 
1677, cf. et ad 362 et 975. 

») Cf. 19 adolescent-i-ari, 64 b, 172, 278, 353, 387, 587 b, 691b, 724, 809 b, 
842b, 956, 1091b, 1144b, 1268, 1432, 1482, 1512, 1660 (20, recc. 11), -e-are 
574, 786, 885c. 

») Cf. 62, 75, 228, 229, 310, 314, 354, 393, 404, 438, 493, 504, 544, 558, 
634, 694, 762, 765, 797, 828, 875, 1050, 1067, 1101, 1104, 1127, 1129, 1145, 
1227, 1279, 1281, 1294, 1355, 1441, 1452, 1463, 1465, 1469, 1483, 1509, 1520, 
1549, 1552, 1557, 1568, 1585, 1587, 1618, 1653, et n. 5. 

*) .Cf. ad 42 (albicare, albere), 303, 428, 468, 574, 594, 777, 795, 806, 
848, 937, 993, 1151. 

•) Cf. 148, 268, 443, 512, 549, 626, 668, 1084, 1265, 1437, 1566, 1603, 
1649, 1668, — cl. n. 3 ab -ulus, -bulus, -culus, -tulus . . finitis uerbalibus 
65, recc. 20. 

•) Cf. 66 amuss-it-atus, 78, 136b, 163a, 174, 187b, 188, 200, 256b, 287b, 
294, 315b, 388, 399b, 406b, 416, 424, 428b, 435, 461, 488?, 489, 508b, 526, 



264 



C. V. Paucker, 



cienigtnare. 

ao aeruscare^) Fest, epit., 

Gell., ^ aesculari 
(*aesculura). 

aesliuare Varr., . . 

aestuare, ab-, ad- 
Stat. s. , ex- p, pA, 
in- p, inter-, 

aeternare Varr. 

aggerare, p, pA, ad- 
pr, pA, circum- 
Col., co-CoL, ex-, 
in-, super- Col. 

»^aginari (agina Fest.) 
gl. tricari, in paruo 
morari. 

agniinari. 

-agrare, per-. 

agricolari. 

alapari, -re gl., ex-, 
cf. 321, 695, 1163, 
1626, 1686. 

4oalatus p. 

albatus, -re, de-, sub- 
de- Varr. s., ex-, 
in- Enn.? (al. al- 
bere) ®). 



albicare Hör., sub- 
Varr. (cf. albica- 
scere)»)» cf. et al- 

albidare. [pere. 

-alburnatus, ex- 
Plin. 

"alienare, ab-. 

alliatus. 

alludiare (cf. 701, 1191). 

alogiari. 

altarß, ex- Sen., 5m- 
per-ex-, in-, super-, 

Bo alterare, in-, 

alter-c-ari, co-, -re 
et recc. 

alternare p. 

alueatus. 

aluminatus Plin., ex- 
Plin. s. 

*' alumnari{-tusp3iss.). 

amarare, ^ amar-ic- 
are^% ex-, in-, 

ambulare, ab-, ad-, 
eircum-, co-, de- 
pr, Suel., pro-de-, 
ex-, in-, ob-, per-, 
prae-, red-, super-. 



anientatus; -reppA, 
cf. 637% 694, 783, 
1333, 560, 618, 
1626. 

amethystinatus 
Mart. s. 

•oamicare ^^) Stat., 
^-ri. 

amictuare gl. , eir- 
cum- it. 

amiculatus. 

amoenare. 

amplare, ^ -iare, ad-, 
ex-, re-, 

"ampullari Hör. 

-aniurcare, ea>. 

amussitatus , cf. 813, 
925, 942, 945, 
1003, 1014, 1129, 
1177, 1225, 1281, 
1519, 1580. 

amylare, ^amylicare. 

amUhemare. 

Toancillari") et recc, 
ex-^ -re. 

ancaratus, ex- -re. 



528b, 529,590b, 664,676,680,691c, 698,710b, 726, 737b, 777 b„ 837b, 841b, 
844, 852b, 864b, 941b, 959, 973b, 999, 1002b, 1107b, 1127b, 1151b, 1234, 
1250b, 1251b, 1330, 1607b, 1613b, 1615b, 1626b, 1651, 1677b (recc. 30). 

^) i. aera coUigere, cf. 919 mellare 1. mel colligere h. e. demere ex 
alueis, 1043, 1269, fort, et 1041b, 1161, et porro 284, 594 b frondare q. pro 
defrondare, 765, 827b, 832 al., 1082b, 1116, 1152 trans., 1238, 1279, 1288, 
1392, 1459 al. (horum 10 recc). 

») a. ad 207, 209, 296, 511, 564, 956, 998, 1309, 1341, 1361, 1503, 1616. 

•) Cf. ad 120 asperare, -asperascere, 142, 222, 364, 438, 533, 562, 624 
630, 633, 646, 650, 673, 746, 757, 911, 1091, 1107, 1234, 1239, 1252, 1301, 
1396, 1412, 1523, 1582, 1638, 1640. 

»«) Cf. 42 alh-ic-are, 51 alter-c-ari, 68b, 129b, 165b, 183, 234, 293, 297, 
301b, 303, 331, 383 b, 503, 526 (-ic-it-), 574b, 594 c 620, 697, 706, 888, 889, 
993, 1066b, 1098 b, 1291, 1309, 1422b, 1429, 1485, 1523, 1550, 1661b (recc. 21). 

") Cf. ab -Icus uerb. 84, 95, 711, 736, 923, 1022, 1232, omnia uett 

") Cf. 19, 21, 22 b, 23a, c, 25, 38, 60b, 72 b, 78, 86, 95, 101, 103, 110a, 
127 b, 128 a, 132 b, 137 b, 140a, 146 a, 158, 174 a, 255, ^7, 267b, 313, BU. 



Materialien zur lateinischen Wörterbildungsgeschichte. 



265 



anculare (anclare), CO-, 
-ri. 

anethatus. 

angariare. [jare. 
„ angulalus, ex-, angu- 

angustare Catull.^ 

CO-. 

angustiare ^^), co- -ri 
S. S. 

anü-it-ari. 

animare, ex-, in-, 
redr. 

anisatus. 

annare, per- Suef. s. 

annonari ^*). 

ansatus pr, Col. 

antiquare. 

,, anulatus. 
anxiari. 
aphratum, 
apiatus Plin. 
apicatus Ou. s. 

apinari, cf. 253, 504, 
506,755,756,855, 
1011, 1198, 1294, 
1398 sq., 1569. 



apocJiare, 

aporiari, ex-. 

apostatare. 

apothecare. 

tsapricari, -re. 

aptare, ad- Suel., 
CO-, ex-, prae-, 

aquari, ad-, ^ aqua- 
tus Sen., ad- -re 
Plin., in-, 

aquilattis (aquilus). 

araneans^^). 

100 aratrare ( artrare ) 
Plin., cf. 1684. 

arbitrari, -re. 

arbustare Plin. s. 

architectari , archi- 
tedonari 

arcuare ^®) Mela, cf. 
105,211,212,584, 
1415. 

105 arculatus Fest. 

arenalus Cat., ex- 
-re Plin. s. 

argentatus pr, Liu., 
argentare, de- et 
recc, in- Plin. 



argestare gl. 

argumenlari, de-, 
prae-, super-. 

iioargutari, -re Prop., 
Petr. 

arietare pr, pA. 

aristatus. 

armare, ad-, co-, de- 
Liu., ex- Sen., in-, 
ob- p, recc, per- 
Curt, red-, 

armillatus Prop. 

116-arrare, oh-, sub-, 

aitare pr, pA, co-, 

in- (artire). 

articulare Lucr., 
recc, CO-, ex-, 

arttiare, de-, ex- (?). 

asciare Vitr., de-, ex-. 

"0 asperare Varr., ex- 
Ou., Sen. rh., in- 
(cf.c;r-, in-aspcra- 
scere gl.). 

ossäre, in- PI. s., 
sub-, cf. 474. 

-dsserare, in-. 



327a, 347, 348, 351, 360, 448, 456. 503 a, 512a, 522, 523, 612, 620, 644, 648, 
668, 672, 685, 704, 724, 730, 736 b, 745, 749 a, 763 b, 770, 780, 799, 805 a, 
860b, 882b, 914a. 921b, 923b, 930, 946, 980b, 984. 988, 1007, 1019a, 1029b, 
1052a, 1084, 1092, lia3. 1120, 1125. 1142, 1160, 1174, 1184a, 1187a, 1199, 
1200, 1207, 1212a, 1234, 1235, 1240, 1265, 1276, 1277, 1291b, 1322, 1371, 
1377, 1429, 1437, 1507, 1534, 1544a, 1574, 1601, 1607, 1611b, 1614, 1619, 
1628, 1629, 1645, 1652 b, 1658, 1668, 1682, 1687 (CXIV). 

") Cf. 6 acediari, 48, 92, 506, 547, 649, 719, 814, 1481, omnia recc, -^ 
191 caerimoniari, 74, 210, 349, 426, 615, 699, 731, 739, 743, 867 b, 1018, 1198, 
1206, 1391, 1499, 1647 (uett. 6, recc. 11), —870 maceriatus, 425, 909 (recc. 1). 

") i. annona se instruere, cf. 30b, 97a, 279b, 352, 597, 817, i 1041b, 
1067, i 1161, 1448, 1470. 

") Cf. 326a comans, et sim. 361b, 537, 630, 673b, 784, 1009, 1252b, 
1392a, 1458b (recc. 6), et mtr. ab adi.217c candidans, 192,993,1248,1311a, 
1661b . . Cf. et n. 28. 

") Cf. 61 araictu-are, 118, 565, 665, 695, 747, 896, 897, 1069,1111,1415, 
1417, 1495, 1555, 1588, 1688 (recc. 12, — a nom. uerb. 9, recc. 7). 



'. Paucker, 



'). 

-assulare, ex-, 
" atratus, ob- Plin. s., 
auclionari. [alrare. 
auctorare Hor.,Liu., 

ex- Liu., -ri. 
aucupari, -re. 
auerua-e, aiien{i)care. 
— auerruncarc. 
aagrnentare, eo-^^). 
augurare, ex- pr, 

Liu., in-, -ri. 
auguiäare. 
auratus, -re.de-, in-, 

ob-, sub- Petr., 

super-. 
" aurcatus. 
-auriculare, ex- (au- 

ritus, in- -re), al. 

auscu1(i)tare. 
aurigare Plin., -ri 

Varr. s. 
aurorare Varr. s. 
aurugittare^*). 
'• auspicari, et -re, co-, 

ex-, red-, 
aastrare gl. 



autuninare Plin. (cf. i 

aidumHo-scere). 
auxiliari, co-, -re. 
-axare, co- Vitr. s. 
" bacatus p. 
bacchari, de- Ter., 

Hör., per-, -re. 
baeticalus Marl. s. ' 
baiulare pr, Qulnt., 

con-, re-, sub-. 
balanatus Pers. 
» -ballistare, ex-. 
balneatus, al. ^h(d- 

neare. 
baiteare. Vbire). 

barbalus (al. bar- '' 
basiare Calull, per- 

Pelr. s., cf. 1063, 

1477. 
1. bellare, de- Verg., 

re- Hirl., -ri p, 

cf. 269, 463, 1213, 

123G. 
heluatuB. 

beneßciare, -/ms*"). 
henigtuai, cf. 882. 
bidentare^\.\.XoAeTG. 



' bifidare. 

bigatusLiu.,cf.l259. 
bimare gl. 

-binare, con-, cf. 52, 
1263, 1530. [f^ 
bitumisatus *^) Plin^ 
bombitare, bombicture 
' (-zare), cf. bom- 

bire SueU 
botiAycmare gl. Isid. 
purpuram facere. 
houinari Fest. ep. (an 

a boare?). 
bracatus. 
brachialus Col. 
> -brachiolare, de-, 
bracteatus Sen., «i- 

-re. 
breuiare Quint., ad-. 
-bromare, ex-. 
bubulc-it-ari Plaut., 
■roVarr-fbubulcireJ, 
1 bttb-ul-are{b\iho)'*), 

cf. 805 »- . 
buecdlatus, de-. 
bucinare Varr., de-, 
(ff-, cf. 1581. 



■') er. ab -UU8 uerb. S3a?, 387, 34*, «9, 522, 523, 597, 887, 973, 1131, 
1382, 1471, 1598, 1648 (recc. 4), — 934. 

") Cf. 109 arRument-arl, 58, 190, 309, 377, 432, 454, 473, 494, 5^ 548, 
575, 597, 602, 706, 781, 840, 879, 1044, 1106, 1149, 1384, 1386, 1470, 1488, 
1500 (recc. 15). 

'•) er. 29 aerugin-are, S05b, 221, 537, 60*. 703, 784, 814, 1300, 1537, 
1636 (recc. 9, _ a -do 2), — 233 cardio-are, 647, 903, 1060 (omnia uetL). 

'*) Cf. ab -ium ahstr. 47, 143, 320, 328, 339, 333, 3H, 338, 343, 350, 439, 
446, 496, 5igb, 56t, 701, 709, 733, 738, 987, 1027, 1035, 1039, 1065, 1113, 
1164h, 1188, 1191, 1193, 1205, 1308, 1313, 1218, 1383, 1286,1428,1434,1164, 
1477, 14S0, 1510, 1515, 1536, 1573, 1666 (recc. 17). 

") Cf. 15 acumin-atus, 36, 54, 185, 336, 337, 369, 316, 382, 398, 445, 
492, 53S, 577, 605, 633, 645, 833, 830, 857, 1002, 1015, 1193, 1317, 1887, 1457, 
1489, 1493, 1513 (recc. 8, — ab abstr. 16, recc. 4). 

") -ul-are uel -il-are 570a et b, 648b, 9^ 1199, 1239b, 14tl (-ic-ul-), 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 267 



-bulhitare, in- (ßoXßnoy), 

hülifnare. 

»• bullare Cat. (cf. bul- 
lire), al. ^ bullatus 
Varr. 

bustare gl. 

buxans. 

cäballicare (chevaur 
eher). 

cachinnare, de-, cf. 
1349. 

18« cacuminare Ou., de- 
Col. s. 

caduceatus. 

caecare, ex-, per- 
ex-, ob-, prae-, 
casdtare Arn. VI, 
22 cod. 

caecul(i)tare (caecu- 
tire). 

caelare. 

ito caementcUiAS, 

caerimoniari ( cf. 
1536). 

caerulans. 

caeruleatusVell.s.^*) 

caesariatus et recc«, 

cf. 222, 285, 290, 
326. 

itf calabricare. 

calamistratus ^*). 



-calauticare,de-Lucil.s. *!• calumniari, -re S. S. 
calcare,circum-Col., uet., re-. 



inter- Col. s., re- 
Col, super- Col., 
-culcare, con-, de- 
Plin., ex-, in-, ob- 
elLiu.,i>rae-,pro- 
Ou., pA. 
calceare, dis- Suet., *" cancellare Col. 



caraerare Plin., con- 
Vitr. 

caminare Plin. s. 

eampestrari. 

canaliculatus Plin. s. 



ex-Sen.,-riVarr.s. 

«00 calc-il-(e)r-are^^), 
re- Hör. 

calcülare. 

cäl(i)dare, ex-. 

calicatus Fest. ep. p. 
47 et 59 M., de- 
ib. p. 75 (calce 
litus). 

calicare gl. (decali- 



cancerare. 

candidatus, ^-re,fti:-, 
in-, et ®intr. candi- 
dans. 

eanieuUUus, cf. 226, 
323, 1404, 1422. 

cantheriatus Col. s., 

cf. 18, 602, 614, 

1114% 1172,1457, 
1544b. 



cator xazanoT^g). "« canusinatus Mart. 
soscaligare (cf. 582 et -capedinare , dis-, 



fort. 1639), cali- 
ginare. 

caligatus Suet. (ca- 
liga). 

-callare, in-, -tus, 
ob- Sen. s. (al. 
caliere). 

ccUorattiS *•). 

caluare Cat. ap. 
Plin., de- fal. cal- 
uere Plin.). 



inter-, 

capillatus, -ri Plin.?, 
-re, de- auct. de S. 
nelM,ex-(deehe- 
veler, echevele), cf. 
capülascere gl. 

capistrare Ou., Col., 
in-. 

capitatus Varr., -ca- 
pitare, de- gl., in- 
it., prae- ^''). 



**) Gf. ab -eus, -ea, -eum finitis, sed substantiuis aut substantiuorum 
uicem obtinentibus 14, 26, 99, 135, 171, 1S6, 199, 239, 251, 305, 312, 318, 
405, 516, 787, 826, 829, 883, 891, 899, 982, 1009, 1031, 1064, 1076, 1086, 
1119, 1155, 1375, 1537b, 1548, 1564. 

") Cf. (a -ber, bra, brum, -cer . ., -ter . . finitis subst) 100, 223, 266, 
381, 401, 455, 543, 700, 795, 813, 851, 855, 863, 878, 935, 951, 1080, 1169, 
1211, 1305, 1337, 1364, 1476, 1523, 1527, 1635 (recc. 10), — ab adi. 213, 259, 
376, 635, 702, 746, 852, 1361, 1394 . . 

») Cf. -er-are 243, 942, 1123, 1438, -ig-er- 562 c, 1627, 16.32. 

") Cf. ab -or, oris 322. 465, 525, 683, 692, 772, 990, 1036, 1233, 1296, 
1310. 1351, 1430, 1475, 1487. 1526, 1547, 1559, 1608, 1650 (uett 7). 

") Cf. 364, 238, 118, 136 a, 271, 282, 369. 429, 436, 827, 897 b, 975,989, 
1034b, 1063, 1088, et ad 194, 318, 665. 



268 



C. V. Paucker. 



"» capilulatus Gels, 
(-rcgl.), re-el-ri 

caprificare Plin. 

captiuare, re-, 

capulare (capula) 
Plin. s. 

capulare (capulum) 
Mela, Gol. (aliud 
est, fort, non de- 
nom. , capulare 
uelcapellare,unde 
chapeler.., Spicil. 
Add. Lex. p. 17). 

"• carbunculare Plin. 
s."). 

carcerare, in-, 

cardinatus Vitr. s., 
inter- it., cardina- 
re, in-, 

carians^^). 

car(r)icare i. carro 
imponere uel ue- 
here onus, one- 
rare (ital. cari- 
care, gaW.charger), 
dis-, ex-, 

***carinare et ^ -tus 
Plin. (carina). 

carminare Varr. 
(Carmen acarere). 

carminare (carmen 
a canere), -ri. 

carnattiSj -camare, 
con-, de-, ex-, in-. 

caseattis, in-. 



i^^cassare (cassus). »wcelerare p, Tac.» 
cast-ig-are, con-, re-. ad-, cm-, prae- 



castaritmtus. 

cast(e)rare, ex- Gell., 
al.ex- (acastrum) 
Scrib. 

ca^plasniare. 

"» catarrhatus, 

catenare Gel., con-, 



Slat. s. 

centesimare (cf. 418). 

cenfratus. 

centuplicatus Plin. 
(-ato), -rc»i). 

centuriare, con-, 
prae-, sub- et recc. 



in- (enchainer). *"ceratU3, -re Gol. s., 

-cateruattis, con-. '^" ^^'^' 

catillare. -cercbrare, ex-. 

cauare p, pA, con- cernuare Varr., -r». 
Ou., de-, ex-, in- cernulare Sen. s. 
Gol. s., sub-, süb- certaminare gl. 

^"* "« certiorare **). 

"•*cati(?afus gl. (cf. ceruicatus, de-. 

,. ^ ^ cerussatus Marl, 

-caudicare, ex- uet. .. i /-x i 

Uv on Frnntm ces?)ttorc gl. (ital. ow- 

picare i. inciampa- 
275 cetratus. L^^h 

characatus GoL s. 



SBO 



lex ap. Frontin., 
caudicatus gl. 

caueatusPlin. s.,-rc. 

cauemare, , , , . 

.„ . . chlamydatus. 

cauillan, tn-, -re. , . "^ ... 

,. , . chnsmare^^). 

caiUiCulcUus, h ' i 

«.* cauponari Enn., recc'o). CiiymiatUS. 

causari n., -cusare, "« ^^^^^^ G^'-' ^^'> -^• 

ad-, co-ad-, in-ad-, cicatricar%. 



sub-ad-, ex-, st4b- 
ex-, in-, re-, -cu- 
sitare, ad-. 

causidicari. 

cauteriare. 



cicurare. 

ciliatus gl. 

-cilfcicUus, con-. 

cimicare gl. noqil^B^v^ 
cf. 1116, 1238, et 



celebrare, con-, per-. «•» cincinnatus. L*^' '• 



») Cf. 139 auruginare (i. e. cum . . esse), 233, 526, 1360, 1508, 1633 
uerminare, 581, 1548. Cf. n. 15. 

") Cf. (a -es 5 decl.) 194, 472, 872, 1348, 1357, 1360, 1435, 1438 (recc. 6). 

»«) Cf. 313, 888 (on-ic-are), 1187, cf. ad 799, — 818, 957, 1128, 1^0, 
1399 (et 1398), 1551. 

") Cf. 417, 467, 960, 1033, 1261, 1267, 1393, 1410. 1572 (recc. 2). Cf. n. 44. 

") Cf, 431, 881, 918, 936, 1118, omnia recc. Cf. n. 47. 

**) Cf. 69 anathemare, ab anathema, aus, 244^ 434, 625, 1168» 1173. 
1334, 1372, 1460. 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschichte. 



269 



'Cinerare, con- Teil., sos clipeatus p, Liu., -re. colostrafus Plin. s. 
de-, in-. cloacare Fest. ep. columbari Maecen. s. 

drcare^^), circum-, dysteriare. t^a columnatus et recc. 

coaetaneare Tert(?), comans p, comalus 
cf. 500 (et 1521). 

coagmentare,ef.310, 
538, 641. 



circitare Sen. 

circinare Ou., de- Ma- 
nn. s.,ef. 1058,638. 

circulari, ->'C. 



fwcirratus Pers. (cf. siocoagulare Plin. 

cirntusap. Macr.). coccinatus Mart. ««). 
citratus (citrus). cochleatus, 

cUratus (citra). codonan. 

duicare gl. (einem coenaculatus. 

agere). »iscoenare, con-, in- 

ciuttare gl. Isid. et- ^^^^ s., re-, sub- 



uem facere. 

fhdanculare gl. 

ciarare p (et Cic.p.), 
ad- Liu. s., de-, 
prae-de-, ex- Vitr. 
(al. elarerc). 

daricare App. 
mund. s. 

clarigare (Plin.) ^5). 

-dassare, con- gl. 

soociatrare Plaut, (cf. 
215). 



ap. Quint., coeni- 
tare; cf. 487, 929. 

cognominare Varr. 
(cf. 1193). 

colare Col., de-, ex-, 



n., comare. 

comitari, con-, -re 
p, -ri pass. et pA, 
-tus pass., con-. 

comiliare, in-, -Tt, 

comnierdari. 

»so commodare, ad-, su- 
per- ad- Geis, s., 
prae-, 

communicare, dis-, 
ex-, in-, -ri Liu. s. 

compendiare. 

comperendinare, cf. 
375, 452. 

compluuiatus Varr. 



per- p, re- Scrib. sas conchatus Plin. s. 
s., trans-, condmlatm. 

coleatus (cf . 926, 972, 



1 6 1 2, catidi^, pe- 
nitus). 

-collare, de- pr, pA, 
sub- Varr. 



conchyliatus. 

conciliare, de-, in- et 
recc, re-, 

concinnare, prae-, 
re-, -ri. 



clauatus pr, Plin., ««cöKegfia^ws, cf. 264, ^^„ J n^* , . 
^. .7ww.,c .q9.ft..q:^ft A07A51 "»concordare (et 



-re, dauiceUus. 
-clauatus (clauis), con- 
Fest. ep. 

claudicare (cf. clau- 

dere). 

dientare gl. 



328,338,407,421. 

-colopare , per- 
Petr. s. 

colorare, con-, de- 
Ad Her., dis- gl., 
prae-, sub-. 



trans.\ cf. 444. 
canfoedustare gl.^'). 
coniedurare^^). 
consiliari. 
continuare. 



»*) Cf. ab adu. 292. 346, 501, 521?, 578, 599, 753, 754, 7.59, 889, 1074^ 
1123, 1199?, 1221, 1496, 1518, 1554?, 1672 (recc. 8). 

»») Cf. 562b flamm-ig-are, 607, 618b, 768, 809c 810b, 810c (-ig-in-), 
834, 938, 974b, 981, 1251, 1284?, 1316b, 1610b (i-eg-are), 1622 (recc. 7). 

**) Cf. ab adiectiuis substantiuorum uicem obtinentibus 26, 31, 41a, 53, 
59, 135, 147, 195, 213, 217 a, 220, 242, 311, 386, 413, 516, 621, 677, 826,829, 
890, 914, 924, 992, 1086, 1115, 1119, 1138, 1155, 1201,1202,1241, 1248, 1344, 
1397, 1401, 1504, 1537 b, 1643. 

»') Cf ab adi. -tus finitis 76, 101, 133, 505, 611, 682, 689, 734, 877, 892, 
943, 950, 1047, 1613, 1617, 1623, 1641 (recc, 7). 

»•) Cf. ab -ura 402, 542, 550, 693, 835, 925, 940, 977, 1148, 1376, 1556, 
1575 (recc. 11). 



270 



G. V. t^aucker, 



>*» conlionari ^^). 

-contrare, re- (ren- 
contrer). 

ccntrariari, 

conlrouersan Gic. »'« 

fr.*«). 
contumdiare, -ri, cf. 

210,350,382,739. 

»»« conuiciari Varr., -re. 

conuiuari, -re. 

copiari. ,,5 

-i^apriare, in-. 

copulare, dis- (de- 
coupler), -ri. 

•^^ coraodfHire^^). 

corcinari (corcus). 

cordatus (et SeD.,,^^ 
recc.),ea:--rc, ^re- 
-ri. 

coriandratus. 

-coriare, de-, dis-, ex-, 

ttocornicari Pers. 

camictdatus, -^ins. 

cornuatus (cf. cor- 

nutus). 

coronare. 

corporare (-tus et 
Gic.)*^), orf-, con- »" 
Plin., in-, re- ü^, 
re- , trans- ( cf. 
carporascere). 

«« corpulentare *'). 

corticatus Gol., -cor- 
ticare,de-Plin.,fti;-. 



coruscare. 

corymhiatus. 

costatus ( Costa) 
Varr. s. 

costatus (costum). 

cothurnatus Ouid. 

-coxare, in-. 

crapulaius, -ri. 

crassare , con- , in- 
(engraisser). 

crastinare gl., pro- 
re- Gol. 

crebratus Plin.,|)er-, 

crementare, in-. 

crepidatus. 

cretatus, In- -re Petr, 

cribellare, ex-, 

cribrare Scrib., am-, 
in- Plin. s., per- 
Scrib. 

criminari, con-, -re 
et recc, ♦»- gl. 
(incriminer). 

crispare p, pA, con- 
Vitr., in-, crispi- 
care Gell. s. 

cristatus Verg. 

crocatus Plin., -re. 

crocinare (croci- 
num). 

cruciare, con- Lucr. 

s., de-, dis-, ex-, 

per-, fe-' 
cruditare. 



cruentare. 

»•0 cruminare. 

crustare Plin«, con-, 
de-, in- Varr. 

crustulcUus. 

cubiculatus San. s. 

cuculare Suet. fr. 

*•> cuculkUus. 

cucurbitare, cf. 195, 
244,258,277,307, 
460,475,477,478, 
575, 1143, 1327, 
1363. 

"CulcUus, de- gl. 

culminare. 

culpare n., de-, ti^> 

culpitare. 

400 cultellatus Plin., ex-. 

cultratus Plin., s., 
^sulh -re. 

cuUtirare gl. Pap. 
cuminatus. 

cumulare, ad-, cir- 
cum- Stat. s., eon-. 

40f cuneare Liu. (-tus), 
Sen., dis- Plin. s., 
ex-, sub- Vitr. s. 

curare, ad-, con-, ex-, 
per- Liu., proe-, 
pro- , re- Gtll., 
Plin., super-, euri- 
tare. 

curiatus , ^ ex- -re 
Varr. s. 



>•) Cf. ab -io uerb. 126, 1 185, 1224, 1262, 1275 (o-d-nan), 1383, 1562 (uett 4). 

'®) Cf. a part perf. uicem nominis obtinente 16, 21, 49, 96, 110, 116, 
121, 181, 240, 423, 474, 509, 520, 541, 893, 903, 1021, 1028, 1132,1247, 134% 
1401. 1427, 1478 (recc 14). 

") Cf. 356 corc-in-ari, 167?, 415, 810c (-ig-in-), 860b, 1100b, 128% 
1338? 1374b (recc. 6), -ic-in- 894, 1614. 

") Sic or-are ab -us. oris 419, 592b, 1110, 1459. 1521, 1522, 1528(1301), 
recc. 3, sed er-are 531 fener-ari, 592 a, 1150, 1519 (omnia uett); cf. n. 57. 

«*) er. 389, 854, 865, 1054, 1592, 566, 1175, 1680 (recc. 6). 



Materialien zur lateinischen wdrterbildnngsgeschlchte« 



271 



curtare p, de-. 

curuare p, pA, con- 
Laber. s., de-^ 
in- , super- in-, 
pro- Stat. s., re- 
Cels- 

4iocuspidare Plin. s. 

cycladatus Suet. s. 

cylindratus Plin. s. 

dälfnaticattis. 

damnare, de-, per-, 
prae- Liu. , re-, 
-demnare, con-. 

4if dapinare. 

debilitare (cf. 435, 
664). 

decemplicatus 
Varr. s. 

decimare Fest. , 
Suet., ad-, c-. 

decorare, con- n., 
de- n. 

Ato decuplatus^^). 
decuriare. 
decussare. 
dcfrutare Cat. 
deäare. 

Atk deliciatus. 
ddiciari. 

dementare (etiam i. 
demenlire). 

densare p, pA, ad- 
Liu., circum-, con- 
Varr., itUer- gl., 
densitare (cf. den- 
sere). 



dentalus , -denlare, 
e-, in- (al. den- 
tire)"). 

«so denticulatus Col. 

deteriorare. 

detrimentarL 

dextratus, cf. 1414. 

diadematus Plin. 

436 diffictd(i)tare. 

digitatus Plin. s., 
-re gl."). 

dignari p, pA, de- 
it., -re, de-. 

dilucfdat Gell. (cf. 
düuctdascere). 

diluuiare Lucr. s. 

440 dimidiatus , -re, cf. 
1388. 

diphtJwngare. 

disdpUnatus, cf.452, 
833. 

discipulari. 

discordare. 

446 discriminare. 

displuuiatus Vilr. s., 
cf. 334, 709. 

dltare n., diuitare, cf. 
839, 1054, 1107. 

ditmtus gl. 

diuiduare gl. 

"odiuinare, od-, prae-, 
pr, Plin. (cf. 741, 
1125, 1498, 1645, 
1687,-442,462, 
915, 1180, 1245, 
1676, 1683). 



diurnare. 

ditdinare gl. 

doctrincUus. 

documentare. 

*»» dolabrare. 

dominari, con-, c-, 
per-, -ri pass. pr, 
recc. 

donare, con-, dis-, 
re- Hör. 

-dorsuare (-dorsare), 
ex-, in- (endosser). 

4S0 dotare. 

dropacare, cf. 1229. 

dubitare (duo), ad-, 
in- p, sub-. 

ducare gl. 

diAdlare gl. 

didcare, ad-, con-, e- 
4S8 ap. Gell., in-, öb-^ 

diücorarCy e-, in-, 

duplare. 

duplicare, con-, re-. 

durare, con- Lucr. 
s., e- pA, ex-e-, 
in- Ou., pA, ob-, 
per- n., prae- Gol. 
(ad durare intr. 
cf. durere). 

ebriare Lab., recc, 
de-, in- Sen., cf. 

47 eburatus. [1418. 

echinatus Plin. s. 

effigiare, cf. 550, 580, 
703, 1168. 

-elementoUus, co-. 



**) Cf. 466, 1260, 1409, 1571, omnia recc. Cf. n. 31. 

") Cf. ad 153, 540, 673. 697, 720, 788, 919, 1114, 1289. 

*•) Cf. 15, 25, 28, 58, 71, 106, 107, 134, 164, 171, 207, 222,224,225, 232, 
263, 301, 326, 366, 379, 440, 507, 515, 516, 536, 558, 568, 572, 573. 584, 595, 
632, 643, 646, 669, 7a5, 712, 718. 732, 744, 789, 801, 827, 883, 8a5, 103f 
1077, 1079, 1124, 1140, 1155, 1158, 1170, 1224, 1305, 1353, 1405, 1431, 1440, 
1458, 1509, 1526, 1532, 1589, 1606, 1643, 1653, 1676, 1680, 1681. 



m 



C. V. Pauckef, 



elixare, per- (gl. et 
47» lixare, -ere). 

dleborare, 

elogiare. 

embrocare. 

emplastrare Col. 
(implasirare), 

480 encaeniare. 

endromitcUus, 

-enterare , ex- pr, 
pA {inüratus gl.). 

enthealus Marl. 

epbippiatus. 

epüogare gl., cf. 476, 
«, 486, 1218. 

episcopare inscr. 

epitomare. 

epulari, cc-, -re. 

equitare, ab- Liu, 
s., ad-, circum- 
Liu. s., in-, inter- 
Liu.,ob-Liu.,per-, 
praeter-Liu.s.,5t*- 
per- (equ-it-are?). 

eremitare (i. uacu- 
4»o are). 

escare, ad-, in- n, 

eunuchare Varr. s. 

examinare. 

exemplare. 
«•8 expertjnentare. 

exsequiari Varr. s. 

exsiliatus. 

exsulare. 

extemarep (cf.Beitr. 
z. lat. Lexicogr. I 
s- u.). [cor. 5. 

extimare *'') Tert. 



800 extraneare, 

extrare. 

fabalus Varr. 

fabricari, con- Gell, 
-re n., ad-, per-, 
re- (cf. fdbrire), 

fabulari pr, pA, con- 
et recc, fdbellari 
gl. (favellare). 

^^^facetare. 

facetiari. 
faecatas,-faecare,con-, 

de- et recc, ex-, 

in-. 

falcatus Verg. , Liu., 
falcüare gl. 

fcUsare (it. falsare, 
gall. f ausser) j in-. 

"* famatvs , -famare, 
de-, dif- Ouid. 

fanielicare^^) trans. 
(al. famyre), 

famulari, con-, -re, 

fanare Varr. s., de-, 
pro- et recc. , al. 
-ri Maec. s. 

farinatiis, de-, 

»1» farratus Pers., luu., 
con-. 

farreatus, -farreare, 
con- Tac. 

fasciare Mart. , /o- 
sciolare. 

fascinare p, recc, 
ef- Plin., prae-, 

fasligare ( contr. e 
fastu-ig-are ?), fa- 
sligiare Plin. 

^tofataias, cf. 1093. 



fatigare, de-, dis- 
N.T. (fati-ig-are, 
an : fati-igare ab 
agere ?)• 

fatuari Sen., -re, In- 
(et Cic). 

fatuari. 

fauülare gl, 

»2» fauorare. 

febricitare Gels. 

februare, ex- gl. 

fecundare ppA, ef-, 
fecunditare. 

felicitare (feliciter). 

5»o fetninare intr. , ef- 
trans. 

fenerari, -ren., de-. 

fenestrare Varr. 

-ferare, ef- {cteffe- 
rascere). 

feriari Varr. 

»" fermentare Varn, 
con-^ in-, suh-. 

ferratus n. , prae- 
Plt,, -re. 

ferruginans. 

ferruminare PIL, 
con- Plin. s. 

festiuare (cf. 31, 
etiam 790, ab 
-iuus uerb. 227). 

»4ofetare (fetus, us) 
Col.**), super- 
Plin. s. (al. fetm- 
tus). 

fetare (fetus, i), ef-. 

feturatus. 

fibratus Priap. 



*T) Cf. a superl. 728, 752, 1135, 1183, 1288, 1494, 1671, omnia recc 
(praeter con-summare). 

«») Cf. ab adi. in -icus 847, 944» 970, 1231, 1248, 1322, 1611 (recc 6). 
«•; Gf. -are pro u-are 1, 643, 660, 867 a, 1390, 1413. 



Materialien zur lateinischen wArterbilclani^escliichie. 27$ 



fibulare CoL, con-, 
dif- Stat., ex-, in- 
pr, Geis., ob-, re- 
Mart. s. 

fidicinare, cf. 1544, 
1583. 

fiduciare, in-, ob-, 

figmentaius et -re gl. 

figula/re. 

6»ofigurare, ad-, con- 
CoL, d6-,prae-, re-, 
trans- Sen. 

filare, ex-. 

'ßicUtiS, ad-^% 

filicatus. 

fimbriatus pr, Plin. 

sfts firmare,ad-,circum- 
Col. s., con.^per- 
con-, re-con-, in-, 
of- et recc, re-, 

fiscare, con- Suet., 
in-, 

fistucare Cat. 

fistulatus Suet., -re 
et -ri. 

fläbdlare, con-^ in-. 



5eoflagellare Ou., pA. 

flagüiare Isid. 

flammare (Cic. p), 
con-, de-j ef-, in-, 
pir(u>- gl., pro-, re-, 
sub-, flammigare 
Gell., flamm-ig-er- 
are, cf. 1627, 1632 
(cf. flammoscere). 

-floccare, de-. 

-florare, de-j prae- 
Liu. (al. florere). 

"» fluctuare, con-, per- 
Lucr. s., re-j -ri 
Liu. 

fluentare. 

fluidare ^^). 

fluuiatus Plin. s., 
-re gl., trans-, 

-focare, ef- Sen., of-, 
prae-Ou.Ib.,recc., 
suf-, ex-suf-, 

»To foc- il - are ( focus ) 
Sen., re-, -ri Varr. 
fr. s. , foculare 
Non., gl. 

foedare, con-, de-, ef-, 
inter-, re-, super-. 



foederatus , foede- 
rare, con-, 

foliatus Plin., -foli- 
are, de-, ex-, 

folleatvs , fcilicare 
(cf. follere). 

^f^ fomentare, prae^, 

fomitare gl., de-. 

foraminattis, 

forare Plt., circum- 
Plin. s., ef- GoL 
s., in-, per-, super- 
Scrib. s. , trans- 
Sen. (cf. forire), 

forficare gl.*^. 

68oformare, con-, de-, 
in-, per-, prae- 
Quint., re- Qu., 
trans- Verg. 

formicare Plin. s. 

formidare, ad-, prae- 
Quint, re-. 

formosare, cf. 1628. 

fornicatus, con — re 
Vitr. s., al. fomi- 
care et -ri, ex- 
eccl. 



") Cf. 12 -acinare, de-, 13, 27 b, 37, 41, 44, 66, 115, 122, 124, 136, 150, 
163, 170, 173, 178, 197, 207, 221, 247, 250, 266, 283, 286, 299, 302, 319,321, 
346, 353, 359, 372, 397, 458, 473, 481, 510, 563, 564, 569, 585, 591, 596, 613, 
637, 645, 649, 656, 673, 675, 692, 771, 773, 823, 848, 856, 862, 910, 917, 922, 
956, 969, 975, 994, 1000, 1012, 1053, 1059, 1063, 1074, 1075, 1085, 1102, 1110, 
1115, 1136, 1157, 1164 a, 1165, 1172, 1178, 1190, 1203,1211,1232,1242, 1263, 
1336, 1362, 1369, 1373, 1385, 1395, 1424, 1442, 1451, 1483, 1484, 1521, 1522, 
1530, 1545, 1546, 1578, 1602, 1603, 1656, 1664, 1665, 1675. 

") Cf. 43 albid-are, 202, 217b, 593, 608, 628, 651, 674, 690, 825, 831, 
836, 850, 861, 876, 900, 955, 996, 1105, 1162, 1268 (id-iare), 1272, 1295, 1304, 
1426, 1431, 1444, 1474, 1486, 1525, 1546, 1561, 1567, 1586, 1591, 1604, 1616, 
1669 (recc. 32). 

»*) Cf. 9, 13, 100, 119, 150, 159, 189, 196, 201, 236, 246, 258, 288, 
302, 317, 354, 380, 381, 401b, 455, 508b. 544, 557, 559, 589, 667 b, 818, 821, 
883, 948a, 979, 981, 1061, 1075, 1099, 1104, 1109 a, 1129, 1136, 1246, 1284, 
1285, 1319, 1326, 1344, 1355, 1363, 1369, 1370, 1395, 1400, 1447, 1483, 1527, 
1557, 1558, 1568, 1585, 1653b, ad 58, 177, 219, 396, n. 56. 
Zeitschiift für veryl. Sprachf. N. F. VI. 8. 18 



274 



C. V. Pancker, 



fortunare, -tus. 

fraterculare , fralriare 
(cf. 1432), uel 
Äratrare Fest. 

fraudare, de-, tw-, re-, 

frenare, de- p, ef-, 
in-, of-, re-. 

»t« frequentare , con^, 
per-, frequenÜtare 
Gell. 

-fretare, ex-, per-, 
trans- Suet. 

frigerare p , per- 
Scrib. s., re-, fri- 
gora/re. 

frigidare. 

frondcbre gl. qpvJUo- 
ffvsXVf de-**), al. 
-H gl. (purgari, 
cf. frondator q>vX' 
XotöfAog^ q. de- 
frondator), fron- 
dicare (= fron- 
dere?). 

M» frontatus Vitr. s., 
re- -re. 

-fhigare, de- ap. 
Plin. 

frumentari. 

fn48tare, de-, 

frustrari, -re n., con-, 

•M fimticari , -re CoL, 
ef-, super-. 

fucare, in-, per-. 
fideimetUare. 

fulgurare, de-, dif-, 
ef-, per- Stat. s., 
prae- Val. Fl. (cf. 
ftilgurire). 

füliginatus. 



•0« fulminare Verg., dif- 
Sil. s., al. -tus, cf. 
603, 647, 1555, 
138, 438. 

fumare , ef- auct. 
Aetn. s., in- Plin., 
re-, suf-, trans- 
Stat., 

fumigare Varr., dis-, 
ef-, suf- Varr. 

fumidare. 

fundare, ex-, per-, 
sub- Varr. s., sub- 
ter-. 

«lofunerare pA (al. 
Hör.), con-, -ri, 
cf. 495. 

funestare. 

fiirari, sub-. 

-fureare, in- (en- 

fowrcher), 
furcillare, adr (?) gl. 

eisfuriare p, ef-. 

fwmaiiis. 

fuscare Ou. , in-, 
inter-, of- (it. offu- 
scare, gall. offus- 
qf*er)j re-. 

fustare excc. de 
impp. 82 , de-, 
fustigare. 

gaesoitus. 

620 gcdaticari. 

galbinatus Mart. s. 

galeatus, -re. 

gallans Varr. fr. s. 

gaUfdare gl. ^ßäv 
(cf. gallolascere). 

6si gammatus , -gam- 
mans, re-. 

garrtdare. 



gausapatus Sen. 

-gelidare, e-. 

geminare, con- Fit., 
Verg., in- p. 

"0 gemmatus Liu., *-re 
intr., pro- Col. s. 
(gemmans pass. 
p); cf. gemma- 
scere. 

geniatus, -geniare, 
de-, 

geniculatus, -grau- 
clare, con-, genicu- 
ctdare, -ri, ad-, 
in- Vitr. ( -re 
Hyg.), pro- gl. 

germinare Hör., 
Plin., con-, e- Col. 
s., in-, prae- Plin. 
s., pro- Col. s., re- 
Plin. (cf. germi- 
fUiscere). 

gesticulari Petr. 

«»» glabrare Col. s., de-. 

glaciare Col., con-, 
cf. «47. 

-gladiari, di-, glor 
dicUus. 

globare Plin., cir- 
cum- id. s., con-. 

glomerare, ad-p, con- 
et Cels., in- Stat 

siogloriari, eon-. 

glutinare Cels., ad-. 
con-, de- PUn. s., 
dis-, re- GUL, 
recc, sidh. 

gnarurture gl. (gna* 
ruris). 

gradatus Plin.,- gra- 
dare, de-, re- (al* 
prae-, retro-). 



") Cf. 630b gemmare knospen treiben, 600, 633, 673b, 1239, 1271, 1107, 
1461, 366. 



Materialien zur lateinisehen wdrterbildungsgeschichte. 27S 

graecari Hör., recc, gyralus Plin., gyror humanare, in' (et 

per-, con- -re. re, circum-, con^, 1682). 

•^i-^ramificUus, e-; in- de-, re-. humare, dreun^, 

-re gl. habiliture N. Tir. in- Plin. s., 06-. 

granatus Scrib., ß-;«,8ÄatiYMaW, cf. 357, humectare Verg. 

in- -re gl., cf. 665,733,954,977, ..oA^midarc, co-. 

Sfrano^cer. 1390,1435,1688. j^urnüa^e, hvmüia^. 

grandinare Pacuu., Jiaedulare gl. nai- humüitare. 

de- Ou. s. rctv t 

gratari p, Liu. gra- hamatus, -re Naeu., i^aurari. 

tulari,con.etrecc., in-. tuopururi.. 

swper". u • 1 • laculari, e- Ou., -re 

-/f./,/^w -r/, /Wi *^a"oiari. Lucan.(-tuspass.) 

•^^^'^r^' rß. rnn- h^status, sw6- -re. et recc., od-, e-. 

der). "° hebetare p, pA. ess ic^ware gl. 

•so grauare, ad- n., con-, hederatus. ieiunare. 

de- n., in- p, pA, helluari ^^). ignicare (al. ignire). 

prae- it., re- N. -herbare, ex- GoL igndbilitare, cf. 999, 

Tir., supror- (cf. s., herbans App. 941 ' 

gri>mscere gl.). s (cf. A«r6asccre, i^^^^^^i^re Gell. 

grauidare, t«-. al Ä^fti^. .^^lecebrare. 

gregare Stat., recc, /«^»^rc. i^^^^iia,« Gell, 

ab-, ad-, con-,ats-, «is-heredare, ex-, ... 

se-, con-se-. hereditäre, ex-, in-. |""strare. 

flfit«i»iore gl, de-, ex-, hibernare, cf. 31, 81, ™Sn c?HilS' 
fltyltore. 142, 678, 1634, . ^«|^eii.,co-Hiiar. 

' , iqo QA.a 1AQÖ imoectttan. 

^ummo^tts (x6i»fu). hilarare, ex-. imbrimre (imber) 

gurgtlare, e-, m-. Jj^jf'e^J^'"''"^" .^^^, et recc.. cf. 

...gustare de-, «n-, hiuicare CÜl. 1146. 

prae-Sen.rh.,re-. h^nestare, co-, de- impluuiatus. 
guttatus Marl. , -re ,..improbare(cf.l210), 

gl. (dSgouUer), cf. ""• improbitare Gell. 

1462, 1302, 1449, Honorare, co-, rte-, f , .«„„ 

180, 565 sq., 1678, ex-, prae-, -n. mpudicatus, cf. 1232. 

776, 777, 1249, hordeari (xq,9,ccp). '°'P"*j!^' "*'^' "* 

1339, 1347, 1348, ... hospitari Sen., co- . ^f"' . »nn 
ad 1089 (cf. «?«<. (.ns),(fe-,-reAug., '"«'^'•^ ^^„f Pf* 
«re). ^/ inceslare Plaut., p. 

gypsare, prae-, hostiatus. ii*incolare. 

M) er. 17& 805b, 860, 984. 

18» 



276 



C V. Paucker, 



incommodare ( cf. 
330). 

indignari, su&- (cf. 
437). 

mdusiatus, -fß- 
industriare gL 

«•ineptorß gl. i. infatu- 
are (al. ineplire). 

inermare Fest. epit. 

infamare. 

infantare, 

-infantiari, co-. 
'«» infellcare. 
infelicitare. 

infestare B. Alex. 

infimare. 

infirmare (cf. 555). 

Ttoin/Sriwari, co-. 

infitiari. 

infulatus Suet., -re, 

ex- Fest. epit. 
ingeniatus et recc. 

inhonestare Ou., 
recc. (cf. 682). 

'«» inhonorare. 

inimicare p, -W. 

iniquare Laber., al. 
iniquitare S. S. 
(cf. 27»>). 

initiare. 

iniuriare et recc, -ri. 

T40 inquietare Sen. rh., 
cf. 1266. 

inquiUnare gl. (cf. 
715). 

insiciaius (isuy). 

Insidiari, drcufn-, -rc. 

insidcUus, -re gl. 
(isoler). 

li^insulsari gl. 

integrare, de-, red- 

(cf. integrascere). 

intelleduare. 



interpolare, 
interpretari et -re, 

7S0 ifUeruaUäre. 

intertdatus gl. (ca- 
misia indutus). 

infimare. 

intrare, per-^ süb-, 
super-. 

intrinsecari S. S. (it. 
intrinsicarsi). 

7»» iocari, od-. 

ioculans Liu. s., -rc 

gl. 

iratus, ob- Liu., per-, 
sub- (irasci). 

irritare. 

iterare, re-. 

i«o üinerari,-re, cf. 1642. 

iubatus pr, pA. 

iubilare et recc, ad^, 
in-, iubilüare gl. 

iticundare, -ri S. S. 
uet., cöw- (cf. 528, 
1308,1381, 1629, 
— 1595). 

iugare, ab-, ad- Pa- 
cuu., Col., con-, 
de-, dl-, su6-. 

7e«iugulare (cf. 594^ 
827 \ 832 al, 
1152,1279, 1288, 
1392 al., 1502% 
1459 al. et germ. 
köpfen i. ent- 
haupten. 

iugumentare Vitr. s. 

iurare, ab-, ad-, con-, 
(fc-, e-, in-, ob-, 
per-, ex- per-^prae- 
gl., -ierare, de-, 
pe(r)-, -ri (cf. in- 
iurare inscr.), cf. 
803, 1600, 1655. 



iurigare, iurgare,al>- 
Hyg, f. s., ob-. 

iusceUatus. 

"• iüuenari Hör. s., cf. 
19, 20, 530, 1234, 
1240, 1658. 

-labellare, con- La- 
ber, s. 

laborare, ad- Hör., 
con-, de-, e-, in-, 
prciC". 

-labrare, sub-, lahra- 
tus. 

lacerare, con- Tac. 
s., di-. 

"»lacematus. Vell. 

lacrimare , ad- p, 
con-, de- Col. s., 
in-, sub-, super- 
Col. s., -ri Hyg. 
et recc., in-. 

lactare p (recc. et pro 
lactere i. lac sugere), 

cib-, ad-, iactitare 

Mart. s. 

IdcuJcUus. 

lacunare Ou., Plin. 

78olaetari, con-, -re et 
recc. 

lamentari, con- gl., 
de- Ou. s., -re. 

lanatus Liu. (cf.2afii- 
tus gl,), al. -re gl. 

lanceare. 

lanuginans. 



7t5 lapidare Liu., Petr., 
de- 9 di- et recc, 
e- Plin. s. 

laqueare(lacus), ad- 
Cat. , ob- Col., 
sub-. 

laquearc (laqueus) 
Col.circum-6rat.y 
e-, in-, oft-. 



Materialien zur lateinischen wörterbildun^sgeschiclite. 



277 



largatus (?), al. lar- 

giri. 
laruatus, -re. 

''^^ lasduare (cf. lasci- 
uire). 

laseratus. 

laserpiciatus Cat. 

lassare Tib. , de- 
Plt., prae-de- p, 
prae- Frontin, 

latare gl., di-, e-, 
pro- Lucr,, pA. 

''^^ latebrare gl. ifAqfio- 

X€V€$p^ in-. 

laierare Prise, ad- 
gl. Plac., con-. 

latibulari-, -reVarr. 
ap. Non. 

laünare. 

latro-ci-nari (cf. 805, 
1103,1275,1398). 

•••laudare, ad-, con-, 
di-,e-,re-,cf. 1188. 

laureatus, -re. 

laxare, con- Lucr., 
di-,per-,i>rae-, re-. 

legare (lex), ab-, ad-, 
de-, e-Petr.,prae- 
Val. Max. , re-, 
cühre'. 

lemniscatus. 

••» lenocinari, lenare. 

lentare p (al. len- 
tere). 

lewHcidatus. 
letare p., cf. 985. 

ISuare, ab-, ad-, ciV- 
cum-, e-, super- 
e-, prae-, pro-, re-. 



sub-, leuiare, ad-, 
leuigare, -leuitare, 
ad' gl. 

"oleuare, ad- Col. s., 
con- Sen., de- Col. 
s., leuigare Varr., 
leu-ig-in-are , cf . 
894, 860^ 1614. 

liberare, de- (däi- 
vrer), e- (?). 

libidinari Petr. 

librare (libra), con-, 
de- (-librare uel 
-liberare), per- 
Vitr. ; al. -libratus 
(über), de-. 

licentiare (licencier). 
•16 lidaitis, 

liciniare. 

lignari. 

ligonatus. 

ligidatus gl. 

•"limare (limus), in- 
Col., ob-. 

limare (lima), de- 
Plin. s., e-, per- 
Vilr. s. 

limbatfis. 

-liminare, e- pr et 
Hör. 

limitare Varr., con- 
(et -ri), de-. 

titlimpidare^, e-. 

lineare Plaut, con-, 
de- Plin., prae-, 

linguatas Tert^ ^-re 
gl. YlcotsaotofABJv, 
e- et recc. 

lingulatus Vitr. 



linteatus Liu. 

s*o liquaminaius. 

liquidare gl. 

lirare Varr. (al. Aus. 
ep. 10,9), de-, cf. 
1181, 1473, 1491, 
1472, 214. 

literatus, -re, ob-. 

litigare, de- Hör. s., 

8S5 litvA'are. [^. 

liuidare. 

locare **), ab- Suet. 
s., con-, re-c(m-, 
de-, dis-, ob-, prae-, 
re-, locitare; cf. 
1417. 

loculatus Varr., al« 
Potam. 

locupletare, con- 
Ter., Ad Her. 

•^^lomentare gl. 

longaeuare, longae- 
uitare. 

longare, e-, prae- 
Plin. s., pro-, lon- 
giare, al. long-in^ 
a(tio) gl. 

longinquare, e-, et 
1222. 

loquadtare gl. 

•"loratus p. 

lorlcare Varr., di-. 

lübricare, de-, in-. 

-lucare, ante-, con- 
et Col. , inter- 
Plin., sub- (cf. lu- 
cere). 

lucematus. 

"0 lucidare, di-, e-, in-. 



»•) Cf. q. = in (loco, re) esse, uersari, facere, in (locum, rem) incidere, 
immittere 6, 26, 77, 94, 151b, 231, 234, 262, 273, 306, 320, 328, 387, 426, 
433, 556, 568, 584b, 659, 688?, 795, 796, 832, 863b, 912, 1073, 1080, 1102, 
1169, 1320, 1414, 1452, 1540, - 928 mercari, 895, 987, 1297, 1374, i 248. 



278 



C. V. Paucker, 



lucrari, con-, super-, macerare, can-, e- 
-re. Sen., per- Vitr. s., 

luctarl, adr, con- prae- Scrib. s, 

Sen. rh. , de-, e- sto maceriatus. 

Verg., pA, in- machinari, con- gl. 

Stat.s.,ob.Verg., Radare, e- Gol. s. 
re- Hör., -re, lu- _ , 

ditaHet-reWisc '^^re gl 

lucubrare, e- (et -ri). «^»ctare. 

7 7 * 1 876 maculare, con-, e- 

luculentare gl, nr L 



madidare, in-. 



S55 ludicrari, 

-lumbare, de- (de- 
lumbis), prae- (i- 
prae-e-). 

laminare, con-, e-, 
in-, re- in-, per-, 
prae-, re-, 

lunalus Verg., pA.,„„^^ 

lupatus Verg. ; al* 
-ri, cf. 930, 1120, 
1371, 22, 946. 



gratia attrectare 
Fest.) et App. 

marduatus (mantüs, 

u) gl- 
manuatus Laber. 
(manu agitans**) 
i. furans), al. (L 
manibus praedi- 
tus) M. Gap. 

manubriatus. 

raanuleatus Plaut, 
cf. 890 sq. 



maestare Laber. s. ,,, marddare. 
magisterare Fest. 

epit., magistrare, 

cf. 935. 
magmentatus Fest. 

epit. 



„olurcare, -ri, lurch-in- 
abundus. 

luridains. 

'luscare, e-. 

lustrare , circum- 
Lucr., con-, de-, 
ob-, per-; al. lu- 

strari , cf. 584^ 
1180. 

lutare Gat., con-, de-, 



maiorare gl. 

malignare, -ri. 

malleatus Gel., con- 
-re Frontin. 

malthare Plin. 

885 mammatus Plin., 

^-re, mammeatus, 



fnargari4€UiAS, 

marginare Liu., ean -, 
e- Plin. s. 

maritare Varr., cf. 
1689. 

marmorare Varr. 

•08 masculare Mar.Vict., 
con-, 6-, re*. 

massare, con-, in-, 
mastichaius. 
mastrucatus. 
materiare, al. -ri. 



-mancare,e- Labien. »^^ -matricare, (fo-. 



ap. Sen. rh. 

mancipare n.,e-,re-. 

mangonicare Plin. 
XXXn, 47, 135. 

manicare (mane). 
lutilare, lutülare, s,omanicatus, per- et 
con- Plaui ap. ^«ti«, j/w 

Non., gl. 



^^^lutfdentdre gl., con-. 

hixare (luxus = 
lo^ög) Gat., pA. 

luxari (luxUS , Us), 

hixuriari, e- Gel., 
-re. 



suJh gl. 

manidecUtiS. 

manifestare Ou., 
con-. 

mansfietare. 

mant-ic-in-ari, cf. 



1614. 

8«5 maniiculari (i. man- 
lymphare Hör., Liu. ticulas furandi 



maturare, ad-» de-, 
e- (ctmaiurascere, 
per- Hyg. f.). 

inaxülare gl. at^iAO- 

xonsXv. 
mediare. 

medicari Plt., -re 
p , Gol. , prae- 
Ou. 

115 medicinare^ cf. 1283. 

medulläre, e- Plin. 
rpart.), S. S. ap. 
Cypr. et Rofin. 
inNum. 17,6eme- 
duUabit. 



>•) Gf. 198 caleare i. calce facere, 136 b, 200, 372, 633, 656, 771, 1034a» 
lOaö, 1062, 1079, 1080, 1114b, 1316. 



Materialien zur lateiniscben wörterbildungsgeschichte. 



279 



-meletare , con- 
Hyg. f. 

fneliorare. 

fnellare Pallad. VIII, 
7, 1 (unde mel- 
latlo Col., Plin. i. 
aluei exemptio), 
al. mellitus. 

**^membrare, con-, de-, 
di - (smembrar), 
-ri. 

meraorare, ad- Gran. 
Licin., con-, re-, 
-ri, con-, re-con-, 
re-. 

-mendare-, e-, co- 
e-, in-. 

mendicare Fit., Sen. 

rh., e-Sen., -ri. 
menstmans, -ata. 

•*^ mensurare, con-, de-, 
per-, re-. 

mentulatus Priap. 

meratus. 

mercari , con- pr, 
Sali., e- Tac, 

prae-. 

merendare. 

•»• meretricari. 

meridiari Gels., -re 
Soet. 

metari Sali, (-tus 
pass. Hirt.), de-, 
di- (-re Liu.), 
prae-. 

militare, aw-, con- 
tror, per-. 

miniare. 

ministrare , ad-, 
jproe-, sub-. 

minarare, der. 

mlserari, con-, -re, 
con- (cf. miserere, 

-ri). 



DÜtigare, con-, de-,e-. 

mitralus Sen. rh. 
(cf. mitellitus). 

»*o mixParcd/us. 

mobilitare p. 

mod-er-ari (ad 200), 
ad-, e- Ou. s., 
prae-, -re et ICti, 
con- Cod. Theod. 

modestare gl. 

modicare gl, 

mmodulari, ad-, e- 
Ou. s. , prae- 
Quint.s.,-tuspass. 
pA, -re (modul- 
ari, an mod-ul- 
ari? cf. n. 22). 

nioechari Ctll. 

moeniare gl. ( cf. 
moenire, munire). 

molare, al. in-. 

molendare (cf. mo- 
lendinum,et929). 

»M molestare Scrib. , 
con-. 

monstrare, con-, de-, 
per- de-, prae-de-, 
per-, prae-, prae- 
ter-. 

mörari, con-, de-, 
e-, in- Gels., per-, 
re-, -re. 

mörari Plaut, 
moratus (mos). 
965 morbidare. 

-mudwre, ex- (mu- 
cus), al. mucere. 

mucronatus Plin. s., 
cf. 818. 

mulierare Varr. s., 
cf. 530 (ef-), 1656, 
424,491,552,675, 
687, 



multare, multitare. 
»•• muUiplicare, cön-, 

mundare Verg,, dr^ 
cumr, con- CoL, 
e- Sen.,^)er-, jproe-, 
re-. 

munerari (-re), de- 
(et -re), re- (et -re 
Petr.), 

mwrare, cf. 947, 
1605, 870. 

muricatus Plin., al. 
Fulg. 

965 murmurare , ad-, 
con- Plin. , de- 
p, in-p, ob-Oa, 
re- p, sub-, -ri et 
recc, ad-^ con-, 
cf. 1402, 1505, 

murmurillare. [165. 

murratus pr, recc. 

murtatus (myrt-) 
Varr. 

-muscare (muscus), 
e- Gol. s., museor 

•'f^mmicare. [^ ?L 

mutilare, ad-, de- 
Col. s. 

mutoniatus Mart. 
mutuari , -re pr, 
pA, in- gl., mu- 

tuitflDS. 

narrare (gnarare), 

de- pr. Hör., e-, 

sub-e^, per-, jarae-, 

l^e- p, gnarigare 
(gnarire). 

9TS -nasare, de- (cf. nasu- 

nasitematus. [tus). 
naiuratus, con-. 

nauare {nauire, Bat- 

in-ari). 

nauculari Mart. s. 
naviculari. 



280 



C. V. Paucker, 



»•0 naufragare Petr., 
recc, -n. 

nauigare, ad- Plin., 
circum- Vell. s., 
e-, in- Mela, per- 
Plin., prae- Sen., 
praeter- Suet.,re-, 
suJh, 5i*pcr-,trans- 
Mela. 

nauseare. 

nebulare (nebula), 
cf. 205, 1008, 



nominare, adr, con- nutricari, -re Plt. 

(?), de- Ad Her., lo^oobelare. 

prae^^pro-, super^, obesare Col. s. 

Irans- Suet., no- ... _. 

minitare Lucr. (cf. obliquare Verg. 

316, 1193). olmoxiare. 

normare (Col. (-tus), dbryzatus. 

Diom., de- Hör., ^^^nibscoenare gl. 

^^■' obscurare. 

notare, ad- pA, dr- obsidiari Col. , cf. 
cwm-, de-, e- Plin., 743^ 



«n-, per-, prae-, 
sub- Sen. 



1523. 
nebutari gl. (nebulo). ioo»nouare, in-, re- 
is» necare,e-,inter., per-, nouellare Suet., re- .„^^^Ug^j^g y^^^.^ 

KaOU 



cbsoletare, 

obstetricare, -n (cf. 
1019, 930). 



noiiercart. 

nubilare Gat., ad- 
Stat. s., e-, in-, 
ob-, per-, 

nucleare Scrib. 
(-tus), e-, nude- 
ans intr. 



ocreatus Hör, 

octansVitr.,cf.l539. 

octuplicatus Liu. s. 

oculatus depon. 
Plaut, (testis), 
pass. recc, -re, 
ex-, in- Col. 



necessare. 

negotiari. 

nepotari , cf. 644, 
672, 860, 984. 

ner%Mrey e-, sw6-. 

•••nidorare N. Tir. 

nidulari Plin., Gell. 

nigellatus. loz^iatus, per- K Tir. 

Tiim-nrp Staf dp- ioi<»iiuaare, de-, e-, re-. ' r. .o^ 

mgrare btat. , de- ^^^^^.^ ^ ^^ odorari, sub^ (?), ^e. 

-wtiZtore, ad-. ^^^T^^ (odorus) 

„ ' Ou.,cii;-,m-Col.s. 

numerare,ab.Nigid. ^«^«^^- ^ 
s., ad-, con-, 5^6- ö^A^^, -^c gl. 
cow-, de-, di-, e-, >o4oofoflrfu8. P-ri. 

per- Plt., i>ro-, re-, olerare, de- et ex- gl., 
s/wper-y trans- Ad 
Her. s. 

loisnummatus. 

nundinari, -re Tert., 
de-, e-. 

nuntiare, ad- Plin., io45ominari(.re),ab-Liu. 

inier-ad-y con-, \^^ "^w- 

de-, e-, inter- Liu. onerare *'') , ocl- N. 

s., ob-, prae-, pro-, T., co-, de-, ex- 

re-, a6-re-, o&-re-. n., re-, stub- N. T. 

nvptians. onustare, co-. 



Varr., in-, inter- 
Stat. intr., it. ni- 
grans Varr., p (cf. 
nigrere), nigricare 
Plin. 

'Whüare, ad-, 
•f t nimbatus. 

nitidare pr, . Col., 
sub-. 

nitratus Col. 

niuatus Sen. (niui- 
taregl.,3i\.niuere). 

nobilitare. 

looo-noctare , ab- Sen., 
per-. 

nodare p, Plin., ab- 
Cols., od- gl. ,con-, 
e-, in-, re- p. 



oletare Frontin. 

oliuare Plin. s. (q. 
oliuas decerpere, col- 
ligere). 

omentcUus. 



»^) Gf. ab -US, eris 572, 610, 639, 1049, 1177, 1313, 1366, 1401^ 1664^ 
1670, 1686, omnia uett, cf. n. 42. 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschichie. 



281 



opacare, in- Gol. s. 

operari p, pA, recc, 
ad-, c(h, ex-, in-, 
super^, qperare, 
ex-, in-, 

io»»operculare Gol. s. 

opimare Gol. 

opitulari (opitulus), 
-re. 

'Oppidatus, in-. 

opulentare Hör. 

io6»orare, ad- n., co-ad-, 
CO-, de-, ex-, per-, 
prae-, super-. 

-orare (ora), in-. 

orbare, de-, ex-. 

orbiculatus (cf. or- 
bitus). 

-orbitare-, de-, ex-. 

loeoordinare , ad-, co- 
gl., inter-, Vitr. 
s., prae-, super-. 

oscillare, -ri. 
osculari, ad-, de- 

Plt., ex- Sen,, -re 

et recc. 

-ossäre, ex- Ter. 

ostreatus. 

loesotiarL 

ouatus Plin. s., al. 
ouicare. 

pabulari. 

pacare, con-, per- 
Liu. 

pactuari. 
lOTopaedagogare. 

paenulatus. 

paginare, con-, re- 
con-, re-. 

palaestrare. 

-polare, de-, pro-, 

loirpälare, de-. 

paleatus Gol. 



palliatus, ex-, -re Ps. 
Eucher., ad- gl., 
ob-, sub-. 

palliolatus Mart. 

palmatus Liu., al. 
Quint. decl., -re 
Gol., al. Qt. decL, 
ex-. 

lOBopalpebrare. 

paludatus. 

pampinatus Plin., 
al. ^pampinare 
Varr. 

pandare Gol., intr. 
Vitr. s. 

pandiculari. 

loitrpannare, de- gl. 

pannuceatus. 

papaueratus Plin. s. 

papillatus, ex-. 

papulare^ cf. 1254, 
1255, 1360, 1637, 
216, 1582, 1670. 

io9oparag<mdatus. 

parare (par), con-, 
dis- (cf. dispara- 
scere), se-, circum- 
se-, dis-se-, sub-, 
pariare. 

parasitari, sub-. 

parcatus gl. 

parentare (i. parenti- 

bus facere, cf. 51, 
1685, i 913). 

io»5parmatus Liu. 

particulattis (cf. par- 
tire, -ri). 

pastare. 

pastillatus, pastilli- 
care Plin. s. 

pastinare Gol., re-n. 
(-tio Gic.) 
iiooPatagiatus , patagi- 
nare. 



patibulatus. 

-patriare, ex- gl., re-. 

patrocinari n. (pa- 
trocinium et Gic), 
ctpatro i. patro- 
nus gl., Alcuin. 

pauiculare gl. 

iioipauidare. 

pauimentare Plin. 

pauperare Plt., ex- 
gl., pauper(i)tare 
(cf. pauperascere). 

pausare, ex-, re- 
(reposer). 

pectinare Plin. , 
recc. , al. pecti- 
natus Vitr. 

iiio-pectorare, ad-, de-, 

pecuatus. t®^'* 

-pecülari (*peculis^, 
de- , peculan 
simpl. Flor. 

peculiare, ex-. 

pedare Gol., in- Gol. 
s., al. re- (cf. 
quadrupedans) ; 
al.pedire,ex-,im-, 
sed et indur, pro- 
pedare gl. 

nih-pedicare, in-. 

pediculare gl. y*«*- 

peditare (pedes) gl., 
'tus Hyg. castr. 
cohors (cf. 327, 
488?, 933, 1619J, 
^-peditare (pes), 

peiorare, [sub-. 

pelleaius. 

^^*^Uicari gl., -re. 

pelliculare Gol, de- 
gl. (et -ri)j -pdla- 
re, de-, cf. pellitus. 

peltatus Mart. 



ggg ^' ^'' Paucker, 

penetrare (penit-er- Petr., ob-, prae- nsopopimri. 

are), per-. B. Afr., pro-, -porcare, in- CoL s. 

, pennatus p, •^. pilalus (pilum) p. posterare, prae-. 

ii2»peregrinari. ii»»pileatus GUI., -re. postumare. 

perennare Ou. (cf. pincerrums. potentari, -re. 

81). 'pingttare, in-^ cf. nsspotionare Suet, 

periculari, periciitari. 1051. praecipitare. 

peronalus Pers. s., pinnatus, de- Varr. nraecmari -re. 

cf.818 ap.Fulg -regl. ^^^i,^. 

perpendicuMt^. piperatus Gels. praedari, de-, -re. 

u*,perperare S. S. uet. u,opiratican. u.o^aegnare, in- (m- 

perpetuare. piscari, ex-. pregner). 

perplexari. plaädare. praeludiare. 

persoUaUi Plin. s. ^lagare. praemiari Suet. s., 

personatus, ^lägare, in-; plagi- ^e. 

^"•pessimare. mc. praenominareVarr., 

-pessulare, ob-Petr. luj-p^Maye, iw-. cf. 1002. 

petasatus. planare, con-, de-, praeputiatus,i»-,-re, 

pexatus Marl. s. dis- Varr. fr. s., m^aesagare (cf. sa- 

phaecasiatus Sen. e^-» *"^- _ , gire, praesagire). 

iwophaleralus Ter., -re. plantare Plin. , cir- praesentare, de-, re-. 

phantasmari,cUOd, v™"' l°"rnl !' praesidiari, cl 143, 

1428. Yf "•' f'- ^äb 1*21, 1480, 1499. 

1 • ***"> ^^'> SUD-, ^- • • ^^ 

philosophan. ^ans-, praesUgiarh, -re. 

pfOebatomare. plasmare, cm-, re-. praestolari. 

phoenicatus, -iatus, pUmstrari. nooproestitor». 

ii46piaculare. ,,,oplumatus, -re Gell., praetextatus. 

piare, ex-. ^. prasinatus Petr. s. 

picare Cat., in- Gol., pjunibare Gat. (-lus -prauare, de-, tn-. 

.^^'' . .. Val. Max.), ad- precari, äd- Hor„ 

picluratus Verg. g^lb.^ circum-, in- con- PIL, de-, am- 

pigmentattMs. Vitr. s., re- Sen, de-, in- Verg., Sen. 

iijopignerare Liu. ob-, ^odiare, ad- (appth itQtpräiare, aar (appre- 

prae-, re-, -ri, yer), suih. ckr)^ de-, 

pigrare intr. et -ri podismare, -ri. primitiari, Cf. 467, 

(cf. pigrere), re- p^etari, -re. 459, 9&2, 

Irans., pig^*<^^ ,,,,polentatus. pHncipari. 

et -re, re- gl. p^pare, de-, erc-. prinäpiare, cf. 738, 

pila^ (p^lus) con- ^^^^^^^^^ ^_^ ^^ 1218, 1191. 

Lucil.,, ex«; sub.. Petr., prae-, re-, priuare, cte-. 

pilare (pila-) Host. -pontare,de.Varr.s. »loprobare, ad-, con-, 

ap. Sem., con- pontificans. ^* 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 



283 



-probrare, ex-, ob- 
et recc, et inde 
corr. -properare, 
in- Petr., recc. 

procariy -re (procus). 

proeliari, de- Hör, 
s., -re. 

profanare (profa- 
nus) Ou., Liu. 

laisprolixare Col. s. 

pronare, <idr. 

pronvibare. 

prooemiari Plin. ep. 

^^^^*prop(xgin(Mre. 

properare, ad-, con-, 
AQ'V\t^eX',prae-, 

^ti^ophetare, 

propiare, ad-. 

propinquare p, Tac, 
ad-, cow- et de- 
N. Tir. 

propitiare PH., tfe-, 
ex-, re-, -ri. 

prqportionatus Firm, 
math., -re Beda. 
issipropriare, ad*. 

prosperare Plt. 

prostihtdatttö gl. 

proodmare^ ad-. 

psüothrare. 
liifpuberare gl. 

publicare, de* gl. 

-pudicare, de»- La- 
ber, s. 

pudorattis, ex- Petr. s. 

puellitari Laber. (cf. 
puellascere Varr. 

iiiipugüari. [s.)- 

pugnare, ad- Tac. 
s., con-, de-, ex-, 
in -, ob-, pro-, re-. 

puleiatus, 

ptdicare gl. 



pullare Calp. s., pul- 
lulare Verg., Col., 
ex-, re- Sen. (cf. 
pullulascere Co!.). 

^i*f>pidlari gl. ntaXi^SiV, 

pullatus Quint. 

-pulpare, de-, ex-, 

pulpitare (pulpitum). 

puluerare Plt., Col., 

de-, dis-, 

i248puluinatus Vitr. 

pumicare Lucil., ex-, 

punctare, ad- 4u8 
(a punctum, — an 
freq. a pungere? ex- 
stat et punctitare, 
pungitare Thom. 
thes. nou.). 

punicans, ~re gl. 
ptmicauit, erübuit 

purare (pus) , de-, 
sub- Cat., ex-sub'. 

lasopurare (purus), de-, 
purüare gl., 

purgare (pur-ig- 

are), circum- 

Cels., con- Plin. 

s., de- Plt, ex-, 

in- gl, inter-, per-, 

prae-, pro-, re- 

Ou., Liu., purgi^ 
tare. 

pnrpuratus, circtmir, 
in-, -re Für. Ant. 
magisque recc. (et 
intr.) , cf. pur- 
purascere. 

purpurissatus. 
pustidare, -ri. 

pyxkJalas PKn. s. 

quadrangulattis. 

quadratus , -re (et 
intr.), con- Varr., 
recc, per- Vitr. 
s. (-tos). 



quadrigatus Liu. 
ntftqtiadruplare, con- (ah 

-ri?). 

quadruplicare Plt- 

quaestionare, 

-qaatemare, con-, 

querelari, -re (qm- 
reller). 

nesqtierulari gl. 

quietare, -ri, 

quinquiplicare Tac. 

rabidiare, 

racemari Varr., -re, 
al. -tus Plin. s. 

uToradiare, in- Stat., 
ob-, prae- Ou., 
sub-, -ri Ou.; cL 
562 (606 sq.), 138, 
848, 1367. 

radicari Col., -re^ e-, 

randdare. 

rapulatus. 

ra/rare, dis- Col. 

ii7»ratiocinari, -re. 

raVfCari, -re gl, ö6- 
"tus (cf. raucire). 

recentari. 

reciprocare. 

redimiculat gl. Phi- 
lox. dvaXvsi di" 

iisoregrnare (reg-in-are: 
cL456), con-*,prae-. 

reguiari, -re. 

reliqtuire, -ri. 

remediare Scrib., -n. 

remigare, ad- Flor., 
e- Plin., «üb- Verg. 
(cf. remitua). 

t28^eniuleare , remütcu* 
lare gl. 

repudiare. 

resinatus Cets. 



284 



C. V. Paucker, 



retare ap. Gell 

retiaitis (retia), al. 
-retire, in-. 

»•oreticulatus Varr. 

rhetor-ic-are, -ri (cf. 
503, 620, 888, 
1160, 1429). 

rhonchare (underow- 

riciniatus. [^^^)« 

ridicülari. 

"»»rigidare Sen, s. 

rigorare Plin. s. 

rimari, -re et recc. 

riuare, con- Sen., 
de-, inter-, 

rixari, con-, -re Varr. 

itoorobiginare, 

roborare, con-, in- 
Varr. ap. Non., 
prae- (robor ascere) . 

rorare, ad-, circum-, 
in- Ou,, prae-, 

roscUm, rosansp(in 
Catal). 

roscidare. 

iioirostratus, -re Plin. 
(-ns), gl. 
rosülatus. 

rotare p, orf-, cir- 
cum-Caes.Germ., 
in-, sub- Vitr. s. 

rotundare, drcunh, 
con- Sen., e-. 

mbicare (al. rubere). 

itii/niboratus. [^t<5. 

rubrans intr., rubrch 

rubricatus Petr. 

ruderatus Plin. s., 
e- -re Varr. 

rufare Plin. s., in-. 

iiisTugare Plt. , con- 
Hor., e- Plin., in- 
Stat. 



rumare, in- Ctll., sub- 
Fest., rumigare, 

ruminare Col. , -ri 
Varr. 

runatus. 

runcinare Varr. 

uaorurare, -ri Varr. s. 

russalus Plin. 

ruslicari. 

rutatus Plin. 

rulilare p (Irans. 
pA), in-, sub-, su- 
per-. 

isissaburrare Plt., cf. 
1046, 1353. 

saccare Lucr. , cf. 
317. 

saccdlare. 

sacrare, de- Plin., 
-secrare, con-, in-, 
ob-, ex-ob-, pro-, 
re-, -ri, ex- (-re). 

sacrilegare gl. 

liiosaeuitare (cf. sae- 
uire). 

sagatus. 

saginare. 

sagittare Gurt. 

Dagmare gl., cf. 483. 

issssagulatus Suet. 

-salare, ex-, in- (cf. 
salire). 

salehraius. 

salinare gl. (gall. 
uet. saliner). 

saliuare Plin. 

luosälsare gl. 

saluare Plin., recc. 
(sauver), re- (al, 
saluere). 

salutare, ad- N. T., 
con-, de- N. T., 
ob-, per-, re-. 



sambticatt^. 

samiare. 

n*»sanare, con- Col. s., 
per- Sen., prae- 
Plin., re-. 

sandaracatus Plin. s. 

sanguinare Tac. , 
recc. , de-, ex- 
Vitr. s. 

saniare, ex- Gels. 

sannare, de-, sub-, 
-ri. 

liiosaponatus. 

saporare, in- (cf. 
savourer.). 

sapphiratus. 

sarcinatus, -re gl., 
sub- Paul. Nol. 
ep. 29, 2, Faust. 

ep. 8 s. f. (al., non 
denom., subsarcinare 
Vict. Tunon. poen. 
29, consarcinare, a 
sarcire). 

sarcophagare. 
liiiSarculare. 

sardonychatus Mart. 

s. 
satiare (saties), ex- 

Liu. 

saturare, ex-, ob-, sa- 
tullare, ob-. 

sauciare, con- Ad 
Her., prae-, 

it9oscdbiare intr. 

scabratus Gol. s. (al. 

scabrere). 
-scaeuare, ob-. 

sccdpellare. 

scalpratus Col. s., 
cf. 401. 
lubscamnalus. 

sceleratus , -re p, 
con- (-tus Gic). 

scintillare Plaut. 



Materialien zur lateinischen wOrterbildiingsgeschichte. 



285 



scirpare Varr. s. 
-scobinare, de- Varr. 
iiiosccpare. 

scortari et reCC. 

scotomare, cf. 205, 
1523. 

-scrobare, de-, 

scrutari, in-, per-, 
prae^, -re (-tus 
pass. pA), ex-, S. 
S. uet., scrtUinare. 

i»"sculponeatus Varr. s. 

sctUpturatus (ars). 

scurrari Hör. s. 

scutalus. 

scutulatus Plin. 
»»«osebare Col. s. 

secundare p, ob-, 

SÜlh. 

securiclatus Vitr., al. 
Plin. 

seditiofiari, 

segnientatus luu. 

i»«»-seZfari (-re), ad-. 

sementare Plin. s. 

Seminare, con-, dis-, 
in- Vitr., inter-, 
prae-, pro-, re- 
Ou. s., super-, 

semissare. 

semitare Plin. s. 

ii9osensatus (in-), cf. 
sense (inseme). 

sententiare, 
sentinare et recc, qui 
et al. 

septemplicare. 

seqtiestrare. 

iifj-serare, de-, dis-, ob- 
n., re-. 

screnare, dis- Plin. 
(cf. disserena- 
scere). 



sericatus Suet., holo-, 
ob-. 

sermocinari, -re, 

semumari Gell., con-, 
-re. 

liooserratus Petr., -re. 

sertatas, 

sibilare, ad- Stal., 
ex-, in- p, ob-, 
re-, 

siccare , ad- Sen., 
de- et recc, ex-, 
per-ex-, per^prcte-, 

siderari Plin. [su6-. 

i*«»sigillatus, -re, dis-. 

signare, ad-, co-ad-, 
re-ad-, circum- 
Col., con-, re-con-, 
de-, prcie-de-, ex- 
Plt., in-, ob-, per- 
Liu., prae- Plin., 
re-, sub-, cf. 1004 
(insignire,s^tVc). 

siliquarl Plin. s. 

simare Lucil. 

simplare. 

liiosimplicare, re-, 

simulare (simil-), 
ad-, con-, dis-, 
ftr-, in-. 

sincerare (cf. since- 
rascere). 

sihgullare Verg. (cf. 
singullire). 

sinistrattis, 

i4i»sinuare p, pA, ex-, 
in-. 

sistratus Mart. s. 

süuattis (situe). 

sobriare^ ex-, 

soccatus Sen. 

usosociare, ad- Stat, 
con-, (fo-, dis-, re-. 



solaciari (soulager).. 

solatus (sol) Plin. s., 
-solare, in- Co!., 
soUcare {sölicatio 
Coel. Aur.) u. 
soliclare (solicu- 
lare) gl. 

solare (solus) ppA, 
de- Verg. 

-solare (solum), ad-. 

i4"soleatus. 

solidare Verg., ad-, 
con- Vitr. , ex-, 
ob- Vitr. s., per- 
Stat., re-, 

sollicitare. 

somniare, con-, ex-, 
-ri Petr. 

sophisticari, 

i4»osoporare p (-tus), 
Gels. 

sordidatus, -re. 

sororiare (et Plin.). 

sospitare Plt. 

spatiari , circum^, 
con- Petr. s., ex- 
Ou., -re. 

ii^ispeciatus. 

specillafm. 

specularl ( *specu- 
lus), per- Suet., 
prae-, pro- B. Afr. 

sperare, de-, prae-, 
sphingcUus. [super-. 

i««ospicatus Vitr., -re 
Grat., Plin., de-, 
in- Verg. 

spiculare Plin. 

-spirare (spira), con-. 

spissare Ou., Gels«, 
con- Gol., in-, 

splendidare. 

i44ispleniatus Mart, s. 



S86 



C. V. Paucker, 



spoliare (cf. 1189), 
con-y de-, di-, ex-, 

-ri. 

$pongia/re. 

sportulari. 

spumare , circuni-, 
de- Verg. , ex- 
Cels. s., in-, 

i4»ospurcare, con-Lucr., 
in- Sen, s. 

-squamare, de- Plt., 
squamati4S. 

stabulare et -ri Varr. 

stadiatus Vitr. s. 

stagnare Sali., ceV- 
cum-, con-, in-N. 
T., re-, super- 
Tac. s. 

i4s>staminatus Petr. s. 

stannare. 

statuminare Vitr., 
super-. 

stellatus, -re Plin., 
con- (stellans intr. 
et Cic). 

stercorare , ex- 
(simpl. q. pro 
comp. Vlp.). 

u$ostigtnare. 

stilare Gol. s. 

stillare, de- p, Gels., 
super-de-, ex- et 
Col., in-, suthin-, 
super-in-, per-, re-, 
super-. 

stimulare, de-, di-, 
ex- Ou., in- p, 
per- Tac, 6. 

slipendiari Plin, 

litt^tipulari, ad- Liiu, 
in-, re-, -re, -tus 
pass. 

-slirpare, ex-. 

stolatus Vitr. 



stomachari, de-,SM&-. 
stragulatus, -re. 
»«ostramentari Hyg, f. 

strenuare (?). 

striare Plt., Vitr. 

strigare Sen., Plin., 
al. 'tus. 

stupidare. 

i*iiSiuporatus. 

stuprare, con-, 06-. 

suauiari, dis-, -re, 
con-. 

suhitare^ de-. 
sublimare et recc. 

*"<*subsidiari Hirt. 

-substanHatus, con-, 
in-. 

sübtiliare. 

-subulare, de- Varr. 
s., in-. 

-sucare, ex- Vitr., 
in- GoL 

usisucicare. 

sucidare. 

sudorare gl. 

suffitnentare. 

sufflaminare Sen. 

i4»osuffragari, -re (suf- 
fragium?cf.205). 

sulcare Varr. , p, 
Plin., (fe-, dis-, tn-, 
per-, prae^, re-, 

sulfuratus Vitr. 
suminatus. 

sunmare, ad-, con- 
Ou., Liu., sub-. 

iftsumptuatus, ex- -re 
gl. (i. pauperare). 

superare, ex-, in-. 

superstitare. 

supinare Verg., re- 
n., cwrre^f suppare. 



suppetiari. 

1 MosupplemerUare. 

supplicare. 

surculare Gol, al. 
Apic. 

surdare gl., ex- Hör., 
pA, ob- (al. sur- 
dere gl.). 

susinatus, 

iBossusurrare p, con-, in-. 

swfefaregl. (cf. 1264, 

sycophantari. [1596). 

syncopare, -tus. 

tabulatus, -re, con-. 

^^^^taediare, -ri, ex-. 

taiiare (talea) Crom., 
inter- (taiUer). 

taiiare (talis), re-. 

laminare, ad-, COn-, 
in-, 

tardare, in-, prae- 
Pind. Theb., re-, 
ta/rditare intr. gl. 

ibitünuröboliari. 

-technari, con-, cf. 87 1 . 
teguUxtus, in-. 

temerare,Verg., con- 
Ou., in-. 

temperare, ad- Vitr., 
con-, dis-, ex-, ob-, 
re-, sub-. 

iMo-templari, con-. 

-temporäre, con-. 

-temporäre^ de- Pe- 
lag. uet. 

tenebrare, con-, cir- 
cum- con-, in-, ob-, 
tenebricare, con-, 
in-, -ri (cf. tene- 
brascere, con-). 

tenuare p, ad-, ex-, 
subter- (?) Lucr. 

""tepidare Plin. s. 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 



m 



teporatus Plin. s., -re. 

terebrare Plt, con-, 
, €X-, per-. 

tergorare Plin. s. 

terminare, ab-, ad-, 
eireum-, con-, de-, 
prae-^e-^ dis- ex-, 
pro- (cf. 824, — 
finire). 

tertiäre Col., ad-. 

tessellatus Suet, -rc. 

tesseratm, con- -re. 

testari , an- , ad- 
Fest. ep., Sen., 
co-ad-, con-, de-, 
ob-, prae-, pro-, 
re- (-tus pass.). 

issstestilari, testiculari, al. 
testicülätus. 

testimoniatiAS. 

testudinatus Fest,, 
testudineatus Col. 

tetraplare. [ß^ 

tetrare. 

^^Hhecatus Sid. {enthe- 
catus Fulg. M.). 

thoracatus Plin. s. 

thymatus, 

tiaratus. 

tibidnari, -rc(et al.). 

iB4B-tignare, con-. 

4imidare, in- (in- 
timider). 

Umoratus, in-, 

tineare^ cf. 1633. 

tintinnabtdcUus, 

liiotironicare gl.. Uro- 
cinare it. 

tüianare gl. 

tüvlare, ad-, in- 
prae-, pro. 

togatus, con-. 



tolutari (tolutim?). tubicinare. 

iMtonitruare. tubulatus Plin. 
tonsurare. "«»tudiculare Varr. 

torcfdare. tumidare. 

tornare, de- Plin., lumulare p, ad- 
ex-, inter-, re- (re- Plin., con- Ou. 

toumer). tumultuari, -re. 

torporare et Lact. tunicatus, -reVarr. s. 



ueotorquatus. 

torridare. 

tortionare. 

toxicaius. 

trabeatus n. 

i«««tranquillare. 

tremulare (gl. trem- 
bler). 

trepidare, ad-, in-, 
prae- Ctll. 

tribulare et recc., 

ad-, con-. 

tricari, ex-, -re, ex-, 
in- (intriguer),r€-. 

liidirigeminare. 

triplare. 

triplicare Plin. 

tripudiare. 

tristari, -re gl., con- 
(et ap. Cic). 

^^^Hriturare, re-. 
triuraphare, de-. 
tropa,eatus. 
-trqpare, ad-. 

truncare Ou., Liu., 
con-, de-Ou.,Liu., 
dis-, ob- (et ap. 
Cic), prae-. 

i58otrutinari Pers. , -re, 
cf. 813, 1177. 

tübare, 

tuberare ^ ex- Sen., 



iMoturbare, ad-, con-, 
de-, dis-, ex, inter- 
et recc, ob-, per-, 
sub-per-Sen.,pro-. 

turbidare. 

turbtdentare. 

"turmare, con-. 

turpare (et Cic. fr.), 
de- Plin., eay. 

is94urundare. 

tiäelattzs, -re. 
tutulatus. 

uacuare Varr. fr., 
pA , e- Plin. , per- 
e-. 

uadare^ trans-. 

leoouadari, con-. 

uagari, circum-Vitr., 
de-, di- (divaguer), 
e-, per-, super- 
Col. s. 

-uaginare, e- Hyg. f. 

-uagulare, ob-. 

ualidarej con-. 

leosuallare , circum- 
Vitr., con-, e-, ob-, 
prae- B. Alex. s. 

ualuatus Varr., e- 

-re. 
uanari, uanitare. 

uaporare p, pA, e-, 
pra>e-. 

uarare, ob-. 



pro-, al. tuberattis mouariare, con-, e-, 
(cf, tuberascere). uariegare. 



288 



C. V. Paucker, 



uaricare Varr., di-, 
prcie-, trans-, -ua- 
ricari, prae-. 

uasatus, al. -uasare, 

con-, 

uastare , de- Liu., 
di-, e- Liu., per- 
Liu., uastitare. 

uaticinaii, -re. 

isisuberare intr. Col., 
od-, ex- n., in-, 
Irans, recc, ex- 
Col., ubertare PI. 
min. 

uda/re, in- (al. uuens). 

uegetare Sen., con-. 

uelare, ad- p, cir- 
cum-p, cöw-,de-p, 
o6-,2>ra^-, re-Ou., 
Tac, pstt., sub-. 

uelitari et recc, -re. 

iMouenenare. 

uentilare,eii-,e- Col., 

re-, 

uentrigare (i. uen- 
trem facere). 

uenustare (Naeu.?), 
con-, de-, e-, 

uerare. 

Ktsuerbenatus Suet. s. 

uerberare, ad-Stat. 
s., con- Sen., de-, 
di- p, e- Ou., pA, 
06-, re- Sen., 

Irans- , uerberitare 
'Cato frequenta- 
tiue ab eo q. e. 
uerbero dixit' 
Fest. epit. 

uerbigerare. 
uerhosari. 
uerecundari. 
leaouerieulatus Col. s. 
uermiculatus Lucil., 
al. -ri Plin. 



uermigcratiAS. 

uerminari (-re) pr, 
Sen. 

uernare p, Plin., 
prae- Plin. 

lassuertebratus Plin. s. 

tiertiginare, -ri. 

uesicare. 

uesperat, ad- (fort. 

et Plin.), -ri (die 
iam uesperato Solin.), 

cf. uesperascere. 

uestigare (cf. 519), 
e- Ou., in-, ad-in-, 
per-. 

i«4oueterare Scrib. (-tor 
Cic.), in- (cf. ue- 
terascere). 

uetustare. 

uiare, ante-, de-, in-, 
06-, per-, prae-, 

uiaticatus, "rt gl. 

uibrare (uiere : 
uibr - ) , con- et 
recc, inter-, re-, 

itiiUicinari, con-. 
uictimare. 
uictoriatus. 
uiduare p, pA. 

uigilare, ad-, e-, in-, 
inter-, ob-, per-, 
prae-. 

itiouigorare, e-. 

uilitare, in- gl. 

uillicare, -ri. 
uinculatus Varr., -re. 

uindemiare Col., 
per-, 

lessuiolare (uis), con-, 
ob'. 

uirare gl. (-tus S. S.), 
e- etil., Varr, 

uirgatus p, Sen. 



uirginari, de-, -re. 
uirgulatus Plin. s. 

mouiriatns Lucil. (?), gl. 
xQaTatog. 

uiridare Ou., intr. 
-ans Verg. et -re, 
uiridicare (et Cic. 
ep.). 

uiscare luu., in-, 

uiscellatus. 

-uiscerare, con-^ e-, 
in-. 

i««5-uitare (uita), e-. 

uitiare, con-, e-, 
prae- p. 

uittatus Ou. 
uitulari (Vitula). 
uiuidare. 

i«7oulcerare, od-, ex-, 
if^^prde-, re-, sub-. 

idtimare. 

tUtrcUus. 

umbilicatus Plin. s. 

umbrare Varr., ad-, 
in- n., ob- n., 
super- ob-, prae*- 
Tac, suih. 

liiiimcatus C. Aur., -rc 
gl., ad- Fest, ep., 
in- Lucil., Col., 06-. 

uncinatus, -re. 

unare, ad-, co-ad-, 
sub-ad-, CO-, ex-, 
in-, sub-, unUare 
(cf. unire Sen., 
recc). 

undare p, ab-, ex- 
ab-, super-ab-, ad-, 
ex- pA, in-, per- 
in-, super-in-, in- 
ter-, red-, super-. 

undulatus Varr. 

Ksounguentatus CtU., 
-re. 



ttateriatlen zur lateinischen wörierbildungsgesdiichte. ^80 

ungulatus, ex- -re. ""uulgare, di-, e- Liu., mltuatus. 
urbanari gl ***** P^r-, pro-. uxorabus. 

urinarl, -re Varr., uulnerare, con- B. i„ojereZare,/>rae-,-ri,(Ml-. 

in- Gol. Afr., pA. 

uruare. uulpinari Varr. 

II. 

Von den 1777 (1758) hier aufgeführten formen sind recc. 
727 (719), c. 41%. Als pr bezeichnet sind gegen 130, bei 
Cicero oder doch Cäsar finden sich 401, nur etwa 22V2%. 
Gezählt sind hierbei nur die simplicia, wenn nicht vorhanden, 
durch ihre praepositiua vertreten, nicht daneben auch alle Zu- 
sammensetzungen mit Präpositionen besonders, so dass z. b. 
cordatus ungeachtet re-cordari den pr zugezählt ist. Immerhin 
zeigt sich auch bei dieser berechnung, wieviel an lateinischen 
ausdrucksmitteln diejenigen verscherzen, welche sich mit dem, 
was in Cicero's erhaltenen schriften zu lesen ist, behelfen zu 
müssen vermeinen. 

In 112 nummern (n. 50) fehlt ganz oder so gut als ganz 
das Simplex, wie z. b. uiscerare nur in e-uiscerare und ein paar 
neueren compositis erhalten ist, wenn es überhaupt für sich 
existirte. Denn in manchen präpositiven denominativen ist nicht 
die Präposition mit einem simplex zusammengesetzt, sondern eine 
construction der präposition mit dem nomen verbalisirt, wie per 
agrum zu peragrare, ante lucem zu antelucare, und einige solcher, 
wie z. b. postergare, subpernatus, sind auch gar nicht in das 
Verzeichnis aufgenommen worden. Die Untersuchung über die 
bedeutung der denominatiua wird sich nur auf diejenigen, 
welche auch ohne Zusammensetzung vorhanden sind, zu stützen 
haben. 

Die endung -are tritt an die stelle der casusendung des 
nomen, also ordin-are von ordin-is, fluctu-are von fiuctu-us, 
corpor-are, und darum fallt auch ein etwa zum wortstamm 
gehörendes i in derselben bei der bildung des denominatiuum 
weg, wie z. b. in tenu-are von tenu-is, test-ari. Durch synkope 
scheint mitunter ein stammlaut ausgefallen zu sein, wie u in 
singultare u. a. (n. 49), i vielleicht in fastigare, uestigare, in- 
in caligare von caligo, inis neben caliginare recc, in formidare. 

Die endung are erscheint öfters epenthetisch verstärkt durch 
-i-, -it-, -ic- (-ci-, -ic^it-) oder -ig- (-ig-it-), -il- oder -ul- 

ZelUchrlft für vcrgl. Spraclif. N. F. VI. 3. 19 



290 C. V. Paucker, 

(-ic-ul-), -in- (-ic-in-, -ig-in-), -er- (-it-er-, -ig-er-), epenthesen 
gleicher art wie diejenigen, welche auch im nomen uerbale 
das suffix -US (-is), -ul-us (-il-us, -il-is) annimmt, wie in pu-er- 
um, ti-t-ulus, fer-t-ilis, ora-c-ulum, sta-b-ulum, sta-b-ilis u. s.w. 
Diese epenthesen können den wortsinn wohl intendiren, aber 
nicht abändern, wie auch im deutschen -ig-en, -s-en oft einerlei 
ist mit -en, z. b. in endigen für enden, bettigen landschaftlich 
für betten, beeidigen, beschönigen, benamsen, piepsen. So tritt 
anstatt -are ein auch 

1) -i-are, wie ampl-i-are, humil-i-are neben humilare, in 
20 fällen, recc. 11 (n. 2), vielleicht e für i in laqueare für 
lacu-i-are (vgl. 574, 885); — 

2) -it-are (-t-are), wie nobil-it-are, über tare neben uber- 
are, in nicht weniger als 63 fallen, recc. 33 (n. 6), in mehr 
als der hälfle der falle als nebenform eines auf einfaches -are 
ausgehenden uerbum, wie circitare neben circare, densitare 
neben densare, und in einigen dieser neben einem gangbareren 
und kaum als denominativisch bewussten verbum wohl als 
frequentatiuum oder intensiuum in gebrauch gewesen, so coeni- 
tare, culpitare, curitare und, nach Festus, uerberitare, vielleicht 
auch improbitare, .nominitare (mit -itare vielleicht zu vergl. 
-ütire : balbutire, caecutire) ; — 

3) -ic-are, wie claud-ic-are, communicare, fabr-ic-ari, 
alter-c-ari, in 34 fallen, recc. 21 (n. 10), in den meisten, ca. ^/s, 
intransitiv, in einigen eine gleichsam inchoative, wie Priscian 
VIII, 30 es bezeichnet, oder similative bedeutung annehmend, 
als albicare sich weissen, weisslich sein, nigricare, vielleicht so 
noch uiridicare, ignicare; — o-ci-n-ari für on-ari von -o, onis, 
wie latro-ci-nari , sermocinari neben sermonari (zu 799), alle 
fünf beispiele uett.; — 

4) -ig-are, wie mit-ig-are, litigare, pur-(i)g-are (und 
pur-g-it-are), in 16 oder 17 fallen, recc. 6 oder 7, wenn nicht 
noch 3, in denen i lang ist, fastigare, wie wir glauben, casti- 
gare, fatigare, hinzuzuziehen sind. Eutych. ars p. 462 K. stellt 
dahin , ob die uerba auf -igare denominative seien , oder com- 
posita mit agere (siue inest eis uerbi quod est agere quaedam 
compositio). Die letztere ansieht, die auch neuere hegen, wird 
durch die n. 35 zusammengestellten beispiele insgesammt be- 
trachtet widerlegt, sie passt nur etwa auf nauigare, remigare, 
uentrigare (allenfalls auch 768, 834); — 



Materialien zur lateinischen wörterbildongsgeschictife. ^1 

5) -ul-are oder -il-are, wie grat-ul-ari, uent-il-are (-ic- 
ul-are : solic[u]lare), in 11 fällen, recc. 2 (n. 22); — 

6) -in-are, wie dap-in-are, oder -ic-in-are, wie mant- 
ic-in-ari, -ig-in-are : leu-ig-in-are, in 12 fallen, recc. 6 
(n. 41) ; - 

7) -er-are, -r-are, wie mod-er-ari, sperare, -it-er-are : 
calc-it-(e)r-are, -ig-er-are, wie uerbigerare schwatzen, s. n. 25, 
wo 8 beispiele. 

Ablaut in der composition , bei einfachen verben recht 
häufig eintretend, finden wir bei 5 denominativen , die alter 
und verbreiteter gebrauch wohl den einfachen gleichstellte, näm- 
lich damnare : con-demnare, iurare : de-ierare . ., sacrare : 
con-secrare . ., — calcare : con-culcare . ., causari : ad-cusare . . 

Was das Verhältnis der denominative auf -ere und -ire zu 
denen auf -are betrifft, so macht es schon das numerische un- 
gleichmass jener diesen gegenüber bedenklich hier einen sema- 
siologischen gegensatz, wie intransitiv und transitiv, zu präsu- 
miren. In versuchen jeder dieser endungen eine specifische 
bedeutung zuzuweisen bewährt sich, dass aus einigen fallen 
etwas induciren und aus allen einen schluss ziehen nicht auf 
dasselbe herauskommt. Wenn in einer grammatik gesagt wird, 
die auf -ire hätten »meistens eine transitive, doch auch häufig 
eine intransitive bedeutung«, so ist, wenn damit etwas gesagt 
ist, dies doch nicht einmal wahr. Richtiger ist, was eine andere 
sagt, dass »die denominative auf -ire die bedeutung derer auf 
-are haben«, nur nicht so wie es gemeint ist, nämlich die be- 
deutung sei beiderseits vorzugsweise und ursprünglich immer 
eine »factitive«. Vielmehr in dem sinne ist es richtig, dass 
ebensowohl das denominativ auf -ire, wie das auf -are, alle 
bedeutungen aufnehmen kann, welche, wie weiter unten ent- 
wickelt werden wird, das uerbum denominatiuum als solches 
haben kann, und dass die wesentlichen dieser bedeutungen auch 
in beiden formen vorkommen. In 26 in n. 1 zusammengestellten 
fallen ist die bedeutung der von demselben nomen abgeleiteten 
formen auf -are und auf -ire, wie buUare und buUire blasen 
werfen, d. h. machen, ebenso gleichartig, wie es auch die 
mehrer lautlich differenten, als z. b. terminare, limitare und 
andererseits finire, mitigare imd lenire, mollire u. a., ist. Da- 
gegen haben wir nur 10 beispiele ungleichartiger bedeutung 
gleicbstammiger auf -are und auf -ire, wie barbatus mit einem 

19* 



292 C. V. Paticker, 

bart versehen und barbire einen bart bekommen d. h. machen, 
hervorbringen, aufgefunden (n. 45). Die dem uerbum auf -ere 
zugeschriebene prädisposition zu intransitiver bedeutung, wie 
sie sich im gegensatz von iacere zu iacSre u. dgl. kundgibt, 
stellen wir nicht in abrede. Allein einen gegensatz der deno- 
minativform auf -ere zu der gleichsam universalen auf -are 
können wir darum doch nicht zugestehen. Die zahl der deri- 
vative von demselben nomen auf -are und -ere mit gleich- 
artiger bedeutung, 14, wie densare und densere dicht machen 
(n. 4), ist mit nichten kleiner als die zahl derjenigen mit un- 
gleichartiger bedeutung, 13, wie caluare kahl machen, caluere 
kahl sein (n. 8). Denominative inchoative auf -scere, deren 
zahl die der von reinen uerbis abgeleiteten beträchtlich über- 
trifft (c. 4 : 3), sind allerdings wesentlich intransitiver bedeutung. 
Formell entsprechen den denominativen auf -are die auf -a-scere 
ausgehenden. Von diesen sind in unserem Verzeichnis 29 bei 
den gleichstammigen, wie ueterascere bei ueterare, aufgeführt 
(n. 9), d. h. fast alle, die überhaupt uns bekannt sind*®). 

Es ist auch die frage zu erörtern, ob uerba denominatiua 
auf -are von nominibus jeder art abgeleitet worden sind, oder 
ob irgend welche unterschiede, und welche namentlich sich 
dabei herauserkennen lassen. Aus unserer Sammlung ergibt 
sich im allgemeinen, dass uerba auf -are von aller art von 
adjectiven primärer bildung und Substantiven concreter bedeu- 
tung gebildet sind ohne andere als etwa euphonische rücksicht 
auf die form des nomen. Etwas anders gestaltet es sich, wenn 
wir die nomina deriuatiua im engeren sinn, msbesondere die 
mehr abstracten begrilBfs, ins äuge fassen, solche derivate, welche 
mehr mit bewusstsein gemacht oder declinirt sind, declinirt 
nach dem bedarf der rede, wie vom nomen seine casus, aus 
den Wörtern, primären oder secundären, welche der Sprach- 
schatz darbietet. Hier finden wir, besonders wenn wir vorzugs- 
weise die sicher der älteren sprachzeit vor dem edictum Anto- 
nini (uett.) angehörigen denominativen formen in betracht ziehen, 
dass nicht von allen gleichmässig , sondern von gewissen arten 
häufiger, von anderen seltener, von einigen gar nicht oder fast 
gar nicht uerba denominatiua gebildet sind. Was aber in dem 
älteren nationalen latein nicht oder selten vorkommt, unterliegt 



**) Ausserdem crepusctdaacere, puerascere Suet, re-, tenerascere Lucr. 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschichte. 293 

der präsumption der sprachregel nicht entsprechend, also nicht 
gut lateinisch zu sein. So finden wir überhaupt keine uerba 
denominatiua von Substantiven auf -tas, -tudo (von -tus, tis, 
die nicht zahlreich sind, nur das eine salutare, von -tor, die 
sehr zahlreich sind, nur das eine auctorare), — keine von ad- 
jectiven auf -arius, -alis oder -aris (wohl wegen kakophonie, 
vgl. von gleichartigen gnarur-are, anilitari). Sehr wenige oder 
nur vereinzelte, unter den uett. aber gar keine finden wir von 
Substantiven auf -ela (zu 1506), von adjectiven auf -ax (844), 
-osus (zu 583), -anus (zu 687), -aneus (zu 308), -iuus uerb. 
(zu 539), — von adjectivischem -eus wohl nur ein beispiel, 
caeruleatus VelL, von substantivirtem allerdings nicht eben 
wenige (n. 23), z. b. caueatus, wie überhaupt viele von sub- 
stantivirten adjectiven (concretes bezeichnend), wie canusinatus 
= in wollenstolBf aus Canusium gekleidet (mehr beispiele, nicht 
alle, n. 36). Ferner finden sich nur bei recc. uerba, welche 
abgeleitet sind von denominativen eigenschaftswörtem auf -ia 
(n. 13), wie licentiare, angustiare, von adi. proportionalia auf 
-plus (n. 44), wie duplare, von comparativen (n. 32), wie 
meliorare, Superlativen (n. 47), wie ultimare (nur con-summare 
schon früher). Gleich wenig zahlreich bei uett. und recc. sind 
bildungen von -io uerb. (n. 39), wie auctionari, von part. praes., 
wie praesentare, oder adi. auf -ns, wie frequentare (zu 19), 
während ebenfalls selten sind, jedoch entweder ganz oder in 
mehrzahl den uett. gehören, die von -go, -do masc., wie ordi- 
näre, marginare (n. 19), -bilis (zu 698), wie mobilitare, 3, uett. 
2, -iuus denom. (zu 539), wie aestiuare. Selten ferner bei 
uett., bei recc. zum theil etwas häufiger sind derivate von 
subst. uerb. auf -tus (-sus), wie fluctuare (n. 16), -ura (n. 38), 
wie figurare, auch bei recc. selten von -rtrix (zu 1029), wo nur 
nutricari, -ilis uerb. (zu 416), wo nur debilitare den uett. ge 
hört. Auch die schon mehr gebräuchlichen bildungen von 
subst. abstr. uerb. auf -or, wie laborare, honorare (n. 26), 
von -ia von uerb. oder subst. (n. 13), wie calumniari, uicto- 
riatus, von -mentum, wie argumentari, coagmentare (n. 18), 
von adi. auf -idus (n. 51), wie trepidare, 39, uett. nur 7, von 
nominalisirtera pari perf. (n. 40), wie aduersari, defrutare, sind 
in grösserer anzahl bei recc. als bei uett. vertreten, ferner 
die von -go, -do fem., wie imaginari, libidinari (n. 19), von 
-ies 5 decl. (n. 29), wie meridiari, von adi. auf -icus (n. 48), 



3594 C. V. Paucker, 

wie publicare, -entus (n. 43), wie cruentare. Dagegen ver- 
hältnismässig häufig auch bei uett. und bei ihnen an zahl 
auch überwiegend sind derivate von nom. uerb. auf -ulus, 
-culus, -bulus, a, um . ., -brum, -crum, -trum u. dgl. (n. 3, 5, 24), 
wie hariolari, iaculari, fabulari, operculare, librare, lucrari, 
capistrare, zusammen 92, uett. 62, von -men (n. 21), wie exa- 
minare, nominare, 30, uett. 22, -ium abstr. (n. 20), wie auxi- 
liari, negotiari, 46, uett. 29, von adi. denom. auf -tus (n. 37), 
wie honestare, 18, uett. 8, multiplic. auf -plex (n. 31), wie 
duplicare, 10, uett. 8, adi. uerb. auf -uus (n. 17), wie con- 
tinuare, 15, uett. 11, -icus uerb. (n. 11), wie amicare, 8, alle 
uett., und so auch mehr uett. von -Inus adi., wie supinare (zu 
450), 6, uett. 4 (von subst. dieser endung, wie puluinatus von 
puluinus, 7 — 8, zur hälfte uett.). Es sei noch bemerkt, dass 
die von -us, eris und -us, oris, aber auch von letzteren meist 
auf -erare gebildeten fast alle den uett. angehören (n. 42 u. 57), 
wie ponderare, fenerari (fenus, oris), nämlich mit ausnähme 
von nur 4 auf -orare ausgehenden, wie frigorare neben uett. 
frigerare. Uebrigens machen alle von den genannten arten 
von derivativen abgeleiteten uerba zusammen kaum ^/lo aller 
denominatiua auf -are aus. Von griechischen Wörtern (unge- 
rechnet corrumpirte, wie architectus, wovon architectari) sind 
123 uerba gebildet, von denen die meisten, fast ^/s, recc. sind. 



m. 

Die erörterung der semasiologischen frage muss sich hier 
auf deduction des princips und blosse skizze einer abhandlung 
beschränken. 

Jedes nomen ist consummat zweier elemente, vorau3gesetzter 
pronominaler substantia und prädicirter qualitas, durch die aus 
dem pro-nomen ein nomen wird, Verbindung einer allgemeinen 
pronominalen basis, die an sich nur substantialitat überhaupt 
ausdrückt und lautlich existent ist in dem, was an dem nomen 
nominalform ist, mit einem qualificirenden adnominalen element, 
dessen träger dasjenige ist^ was an dem nomen bedeutungslaut ist 
Ebenso ist jedes uerbum consummat zweier elemente, des actus 
generalis und einer species actus, 1) eines proverbalen elements, 
jdas nur bethätigung eines subjects im allgemeinen und noch 



Materialien zur lateinischen wörierbildungsgeschichte. 296 

indifferent ausdruckt und deren allgemeine accidentien oder 
relationen (tempus, modus, pronominale Personalität) zum aus- 
druck bringen kann, dessen träger das ist, was an dem uerbum 
verbalform ist, und 2) eines von jenem aufgenommenen speci- 
ficirenden, adverbialen elements, dessen träger das ist, was an 
dem uerbum bedeutungslaut, stammlaut ist. Und so besteht 
zunächst das einfache oder reine, primäre, nicht derivative 
uerbum aus dem uerbum generale als basis und einem in diese 
eingegangenen aduerbium, wie wir es nennen müssen. Durch 
beispiele ist dieser Vorgang nicht zu belegen. Nicht ist für sich 
vorhanden das nomen generale, nicht in seiner ursprünglichkeit 
das uerbum generale, nicht mehr sind es die adverbialen ur- 
stammlaute. Nicht lässt sich die prähistorische genesis der 
Verbalstämme beobachten und nachweisen an beispielen aus 
historischen sprachen, die immer aus einer schon fertigen 
spräche hervorgegangen sind, und aus ihr ihre verbalstämme 
empfangen haben als etwas vorausgesetztes, gegebenes, das sich 
weiter nur lautgeschichtlich abwandelte und entwickelte, kaum 
Zuwachs erhielt durch zuschaffung, nur mitunter durch derivation 
aus vorhandenen adverbien, wie circare von circa = sich um 
. . bethätigen, sich herum- oder umher-bew^en. Wohl aber 
lässt sich die analyse vollziehen an dem abgeleiteten uerbum 
denominatiuum. Hier ist das, was zu dem uerbum generale 
aduerbialiter hinzugetreten und in die verbalform eingegangen 
ist, ein nomen, der an sich indifferente begriff allgemeiner 
bethätigung ist mit einem nominalbegriff versetzt. Wir fragen, 
in welcher weise kann im denominatiuum das nomen zu dem 
proverbalbegriff construirt sein und demnach in welchen sinn- 
beziehungen zu ihm stehen. Wenn wir das beantworten können, 
so haben wir damit erkannt, welche arten der bedeutung ein 
uerbum denominatiuum haben kann, und können die grund- 
bedeutung eines jeden einzelnen bestimmen, auf welche von 
demselben aufgenommene bedeutungen zurückzuführen, und 
mit bezug auf welche sie im lexicon zu disponiren sind. 

Ein satz besteht aus subject und prädicat, von denen jedes 
weitere bestimmungen annimmt, also aus zwei theilen oder 
satzstellen, locus subiecti und locus praedicati. Ein uerbum 
fmitum stellt schon für sich allein einen satz dar, denn es ist 
prädicat, und das subject enthält es zwar nicht als nomen, 
setzt es aber als pronomen in seiner personalform. In dem 



296 C. V. Paucker, 

uerbum denominatiuum nun kommt in diesen einfachsten satz 
noch ein nomen hinzu, ein nomen ad praedicatum, in praedi- 
cato, ein nomen also in loco praedicati, nicht in loco subiecti. 
Hieraus folgt, als was, in welchem satzverhältnis das nomen 
im denominatiuum sich darstellen und fungiren kann, sowohl 
was es in ihm sein kann, als auch in der hauptsache schon, 
was es nicht sein kann. Nicht sein kann es subject, denn das 
subject ist zwar, wie gesagt, durch das uerbum schon vertreten, 
nämlich projicirt, in ihm aber ist es nicht, kann bestandtheil 
des prädicats nicht sein, und so kann z. b. nubilat nicht ex- 
ponirt werden: wölken sind da, sondern nur: es (subj.) macht 
wölken, wie »es regnet« = es gibt (ergibt, macht) regen. 
Und ebenso wenig kann es etwas von dem sein, was in locum 
subiecti hineingehört, was zum subject oder zu einem subject- 
wort d. h. nomen, dasselbe bestimmend, construirt wird, d. h, 
nicht attribut, nicht appositiuum, nicht casus adnominalis, d. h. 
genitiv. Dagegen kann es sein, was ein nomen construirt ad 
praedicatum sein kann, nämlich a) nominalprädicat in 
casu recto, bezeichnend, als was oder in welcher eigenschaft 
das subject sich bethätigt, wie militat er bethätigt sich als 
miles, thut kriegsdienst, — b) object in casu obiectiuo, wie 
liberat = facit liberum, bellat = facit, gerit bellum, — c) ad- 
verbiale prädicatbestimmung in casu aduerbiali, d. h. zumeist 
im sog. ablativ, hauptsächlich dasjenige bezeichnend, womit 
einer sich bethätigt, womit er einen oder etwas bethut, inficirt 
oder afficirt, wie calcare = facere calce d. i. treten, cibare = 
cibo afficere, speisen, uenenare = ueneno inficere. Hiermit ist 
das gesuchte semasiologische princip gefunden, und es bedarf 
nur noch näherer bestimmungen, namentlich ad b und c. 

Das object im denominatium ist entweder (immer, 
wenn dieses innere object ein adjectivisches ist) das, wozu die 
bethätigung des subjects ihr äusseres object macht, das prädicat, 
welches sie an diesem erwirkt oder setzt, z. b. liberare einen 
frei machen, tranquillare, dignari für würdig halten, wärdigen, 
effeminare einen gleichsam zum weibe machen (zu 958), — 
oder es ist (wie meistens, wenn dieses innere object substan- 
tivisch, vollends wenn es zugleich abstracten begriffes ist) das 
effectivobject der bethätigung, dasjenige was sie hervorbringt 
oder zu stände bringt, fumare rauch machen, rauchen, lacri- 
mare thränen machen d. i. von sich geben, weinen (zu 661), / 



Materialien zur lateinischen wörterbildungsgeschicbte. 297 

ulcerare geschwüre entstehen machen (zu 1089), germinare 
(n. 53), murmurare (zu 965), radiäre (zu 1270), nubilare (zu 
983), aceruare (zu 10), auch gleichartig articulare i. diuidere 
in articulos (cf. membrare gl. Labb., 598, 1096), aestiuare (zu 
677), — fabulari gespräch machen, sich unterhalten (zu 90), 
infitiari, precari, rixari, curare, conciliare, uindemiare, auxiliari 
(zu 1197), insidiari . . • Indem es für grammatische con- 
struction (prädicat-, appositiv-, object- Verhältnis) einerlei ist, ob 
etwas als wirklich gesetzt wird oder nur gleichsam, gleichnis- 
weise, findet auch die bedeutung statt: gleichsam zu etwas 
machen, einem ähnlich machen, wie alueatus einem alueus 
ähnlich gemacht, muldenförmig, cuneare auch: keilförmig 
machen pA, echinatus igelähnlich, stachelig, vgl. 251, 335, 401, 
1066 a, 1245, 1364, 1631 u. a. (bes. bei Plin. öfters). 

Der grund aber davon, dass das object im denominatiuum 
regelmässig ein eflfectives object ist, und nicht ein affectives oder, 
wie man es zu nennen pflegt, transitives, ist folgendes. Das 
nomen im denominatiuum determinirt die bethätigung, speciali- 
sirt die an sich ganz allgemeine, gibt der an sich inhaltlosen 
einen inhalt, das aber kann es als object nur dann, wenn es 
ein für die thätigkeit wesentliches, zu ihr gehöriges, in sie 
fallendes, aus ihr hervorgehendes ist, nicht aber, wenn es ein 
zufalliges und äusserliches ist, ein nur afficirtes und nicht auch 
selbst afficirendes ist. Hieran anknüpfend können wir vielleicht 
mittelst folgender betrachtung für einige doch vorkommende 
ausnahmen von der regel eine gewisse nicht sowohl logische 
als etwa psychologische begründung finden. Es ist nach obigem 
unstatthaft in einem verbum, wie z. b., um das erste beste zu 
nehmen, feminare, das darin enthaltene feminam als transitives 
object zu fassen, unstatthaft und sogar undenkbar, es dann zu 
deuten == feminam inuenire, oder uidere, caedere, interficere . ., 
unstatthaft auch, aber nicht ebenso undenkbar es zu deuten =3 
feminam quaerere, cupere, amare. Nämlich unstatthaft ist 
alles dies, weil eine bethätigung, die feminam zum gegenständ 
hat, nicht nothwendig eine von jenen sein muss, ein wort aber 
das, was es nicht, an sich oder nach umständen, bedeuten 
muss, auch nicht bedeuten kann. Undenkbar aber nennen 
wir, was wir so nannten, darum, weil jene thätigkeiten , wie 
finden, schlagen, dadurch dass sie feminam zum object haben, 
gar nicht alterirt werden, also dadurch auch nicht specialisirt, 



298 G. V. Paucker, 

darnach nicht benannt werden können, während amare femi- 
nam eine andere species amandi ist als z. b. amare filium, und 
es daher, wenn dieser sinn in das wort gelegt wäre, unter 
umständen und in gewissem Zusammenhang wohl möglich wäre 
ihn als gemeint zu errathen. So kann denn durch gewisse 
arten von affectiven objecten unter umständen auch der all- 
gemeine thatbegrifif genugsam determinirt erscheinen, um einen 
wirklich gemeinten speciellen thatbegrifif im uerbum zu errathen, 
wie z. b., wenn als gegenstände menschlicher (oder etwa gar 
noch enger landwirthschaftlicher) thätigkeit vorliegen fruchte 
des baums oder anderes was wächst, das product der bienen- 
zucht, krebse, fische oder dgl, man leicht darauf verfallt, dass 
unter jener thätigkeit ein wegnehmen, einsammeln, abernten 
gemeint sei. So nun und weiter auf ähnliche art erklären sich, 
wie uns scheint, deutsche Wörter, wie fischen, krebsen, herbsten 
(oncoQi^siv) , grasen, häuten, pellen (peler), lausen, haaren 
(haare verlieren), federn, köpfen u. a., und die zum theil ent- 
sprechenden lateinischen, wie frondare i. defrondare, surculare, 
pampinare, oliuare, racemari, olerari, mellare, vielleicht piscari 
(das auch eine andere, mehr rationelle erklärung zulässt = 
sich mit fischen versorgen, nach c, n. 14), retare, sentinare 
grundwasser ausschöpfen , stercorare ausmisten , pediculare 
(<p&stQiis$v) und ähnliches, pilare enthaaren, iugulare, auch 
linguare der zunge berauben, aeruscare geld in kleiner kupfer- 
münze einsammeln, denen sich noch anschliessen lirare für de- 
lirare, redimiculare , vielleicht catillare (vielleicht auch anders 
nach n. 55 ex. zu erklären). Jedenfalls war wohl wenig davon 
aligemeiner und auch in der gebildeten rede gebräuchlich. 

Sind schon die uerba dieser zweiten art sehr zahlreich, so 
sind noch zahlreicher die der dritten, die das nomen in casu 
aduerbiali involviren. Die bedeutungen, welche diese uerba 
haben, sind meistentheils, wie schon gesagt, solche, welche sieh 
mittelst der präposition »mite ausdrücken lassen, wie z. b. die 
deutschen kleiden, schürzen, dachen (bedachen), dolchen (er- 
dolchen), drücken i. mit druck, drängender kraft einwirken 
(dififerenziirt , mehr causal, drucken i. durch druck hervor- 
bringen). Eine der hauptarten des adverbialen satzverhältnisses 
ist das Sinnverhältnis des mit der bethätigung des subjects 
coefficienlisch verbundenen, miterwirkenden, das instrumentale, 
und dieses ist hier durch viele uerba vertreten, die wir instru- 



Materialien zur lateinischen Wörterbildungsgeschichte. 299 

mentalia nennen können, z. b. orare i. ore facere, mit dem 
munde sich bethätigen, oculatus (testis) i. qui oculis fecit 1. e. 
uidit (n. 56), caballicare i. caballo facere, reiten, terebrare 
1. terebro facere, bohren, colare i. colo facere, seihen (n. 52), 
f urciliare i. furcilla facere i. e. sustentare, stützen (zu 219), 
Stimulare, sagittare mit pfeilen schiessen (zu 58), emplastrare 
mit einem pflaster, cucurbitare mit schröpf köpfen behandeln 
und so andere anwenden von heilmitteln oder heilwerkzeugen 
ausdrückende uerba (zu 396), tubare trompeten u. s. w. Vor* 
züglich zahlreich sind die uerba, welche bedeuten, womit der 
gegenständ der bethätigung bethan wird, d. h. entweder an- 
gethan, versehen, begabt, oder womit belastet, womit oder 
wovon betroffen, z. b. armare, calceare, coronare, capillatus, 
ingeniatus, decorare, fucare, picare, frumentari i. frumento se 
instruere, aquari (n. 14), piperatus, rosatus, dotare, limitare, 
nominare . . (uestire, cratire, turritus, fellitus), onerare, damnare, 
multare, necare, uerberare, alapari. Hierher gehören grössten- 
theils die vielen meist niu* in der form des part, per f. ge- 
bräuchlichen, wie togatus, scutatus, die aber doch immer jedes 
ein uerbum vertreten und uerba sind, wie denn zu nicht 
wenigen, wenn auch seltener oder erst später, andere formen 
sich finden, wie zu ferratus doch auch ferro (71 beispiele in 
n. 46), öfters wenigstens mit präp. zusammengesetzte, wie zu 
auratus schon uett. inaurare. Es sei bemerkt, dass hierher 
auch decimare nach seiner grundbedeutung »mit zehntensteuer 
belegen« gehört. Die bedeutung des mit der bethätigung ver- 
bundenen erstreckt sich auch auf die uerba, welche bedeuten: 
sich mit . . zu thun machen, beschäftigen, wie mercari, scru- 
tari u. a., und auf die, in welchen der inliegende casus ad- 
uerbialis das bezeichnet, worin (in quo) sich das subject be- 
thätigt, ist, oder wohinein (in quod) etwas geräth oder gethan, 
versetzt wird, wie deutsch z. b. betten, schultern (n. 55). Bei- 
spiele dieser mehr locativischen bedeutungsart sind rurare, po- 
pinari, cruciare, maxillare (in maxilla afficere, i. e. ictu afficere), 
fiiuuiatus i. in fiiuuium immissus, aeneatus = in aenea tabula 
scriptus, etwa auch dergleichen, wie soporare, angustiare. Selten 
sind sichere beispiele davon, dass die adverbialform des nomen 
im uerbum das sinnverhältnis des »woher« oder ein causales 
vertritt, wie fatatus, parcatus, siderari u. a., wohl auch libi- 
dinari L libidine agi, vielleicht materiare aus holz machen, 



300 C. V. Paucker, 

farratus, peditatus aus pedites bestehend (cohors). Zum ad- 
verbialen Satzverhältnis gehört auch, mit dem locativischen in 
Zusammenhang stehend, das dativische, und so lässt sich 
zwar nicht oft, aber doch zuweilen das nomen in uerbo dali- 
visch fassen, wie in uulgare i. uulgo tradere, parentare, alter- 
cari (dat. incomm.), vgl. deutsch munden = für den mund 
sein, geeignet sein. Von weiterer ausführung abstehend, be- 
merken wir nur noch, dass mitunter, besonders bei p und recc., 
uerba in activer form, gewöhnlich als part. praes., vorkommen, 
welche die bedeutung »mit . . sein, mit . . behaftet sein« auf- 
weisen, wie comans, stellans (n. 15), wo vielleicht das part. 
praes., wie zuweilen (Spicil. p. 187 sq., 297), passivisch zu 
nehmen ist. Andere, welche ebenso activisch den sinn: mit 
emem leibesübel behaftet sein ausdrücken (n. 28), wie uerrai- 
nare, carbunculare , lassen sich wohl besser objectivisch, wie 
purare (pus) . ., erklären, also carbunculare, scabiare i. carbun- 
culum, scabiem progignere. 

Die uerba der zweiten art würden wir, wenn der scho- 
lastische ausdruck nicht so gar unlateinisch wäre, factitiua 
nennen, wollen sie als effectiua bezeichnen, die der dritten als 
alBfectiua. Die der ersten art (a) können wu: habitiua nennen. 
Diese bedeuten nach dem obigen: sich als etwas bethätigen, 
etwas sein, z. b. philosophari , famulari, interpretari, furari, 
ciuicare i. ciuem agere, — exsulare, aegrotare, propinquare, 
rutilare, uiridans, acetare sauer sein oder werden, oder auch: 
sich wie etwas bethätigen, dem ähnlich sein, wie bacchariwie 
bacchantinnen rasen, graecari, adolescentiari, arietare wie ein 
bock stossen, aurorare wie morgenroth strahlen, albicare ins 
weisse spielen, buxans buchsbaumartig. Vornehmlich treten in 
dieser classe hervor die, welche bethätigung eines persönlichen 
subjects bezeichnen, und von diesen wenigstens lässt sich hin- 
neigung zu medialer form behaupten (115 beispiele in n. 12). 
Zwar haben auch recht viele die active, doch auch dann öfters 
eine nebenform auf -ri, wie z. b. aurigare, mendicare, eine 
vielleicht ältere uillicare, zu anderen findet sich eine solche 
wenigstens bei späteren, wie naufragari, praeuaricari. Uebrigens 
siiid die habitiua keineswegs ausschliesslich intransitiv, sie transi- 
tiviren sich, wenn die bethätigung des subjects eme richtung 
auf äussere gegenstände hat oder anninunt, und mehre werden 
daher oft oder immer mit emem accusativ construirt, wie z. b. 



Materialien zur lateinischen wOrterbildungsgeschichte. 301 

augurare, nuntiare, memorare, nauare, infestare, auch mediale, 
wie architectari , fabricari, comitari, furari. üeberhaupt sind 
transitiv und intransitiv keine für das denominatiuum als solches 
weisentliche kategorien. 

Es ist nicht nothwendig, dass ein jedes denominatiuum 
ausschliesslich nur eine dieser bedeutungsarten habe, nur in 
einer bedeutung angewendet werde. Viele sind sowohl a 
als b, wie aequare gleich sein, gleich kommen und gleich 
machen bedeutet, ebenso alternare, concordare, quadrare, ube- 
rare u. a., viele sind sowohl b als c, wie donare sowohl donum 
facere (alicui) als dono afficere (aliquem), ebenso bullare blasen 
machen und mit einer bulla versehen (bullatus), so cuneare, 
lapidare, sanguinare u. a. Es kann eben, was prädicat ist, 
auch object sein, und oft umgekehrt, nicht so leicht aber ein 
praedicabile in adverbialem satzverhältnis fungiren, und darum 
sind auch von adjectiven abgeleitet nur a und b, keine c. 
Somit ist auch eine genaue vertheilung der denominatiua unter 
die drei arten und auszählung nicht zu machen. Nach einem 
ungefähren Überschlag aber verhalten sich die, welche aus- 
schliesslich oder vorwiegend habitiua, eflfectiua, affectiua sind, 
also a, b, c zu einander wie 13, 40, 47. 

Reval, ende Juli 1881. 

Paucker. 



Urspr. dfl tfl Cfl im lateinischen. 

Dass die lateinische form fundus dem skr. hudhndh genau 
entspricht, und dass unda aus udn-, dem schwachen stamme 
des indogermanischen wortes für wasser weitergebildet, also 
aus *udnä entstanden ist, wird wohl allgemein anerkannt; aber 
die consequenzen für das lateinische finde ich nirgends daraus 
gezogen. Jene beiden Wörter stehen so vereinzelt da, dass es 
wenig Wahrscheinlichkeit hat, dass sie irgend einer analogie- 
bildung angehören; sondern allem anscheine nach stellen sie 
die lautgesetzliche entwickelung der vorauszusetzenden formen 
*fii^os und *udnä dar. Also ist hier urspr. dn und dhn 
zwischen vocalen zu nd umgestellt worden. 

Aehnliches finden wir auch bei andern consonanten. So 
steht den griechischen praesentien nstdvpviu nirvfifAt das latei« 



30^ R. Thurnöysetl, 

nische pando gegenüber, zu welchem sich das intransitive pcUSre 
stellt. Dieses pandd ist deutlich aus *patn6 entstanden, dessen 
vocalismus wir hier auf sich beruhen lassen wollen ^). Ganz wie 
mit pandö steht es mit pango cf. gr. n^yw/it. Der alte aorist 
pacit pacunt und eine fülle anderer formen wie skr. pägäh, lat. 
päx pdciscor etc. erweisen, dass der zweite consonant ursprüng- 
lich eine tenuis war. In diesen zwei verben ist also aus urspr. 
tn und cn zwischen vocalen nd und ng geworden, d. h. 
Schwächung (assimilation) und metathese zugleich eingetreten. — 
In meiner dissertation über die lat. verba auf -io (Leipzig 
1879) habe ich zu zeigen gesucht, dass im lateinischen eine 
ganze reihe ursprünglicher aoristformen sich völlig im praesens- 
system eingebürgert hat. Mir scheint auch tendd zu dieser 
gruppe zu gehören. Dass dasselbe mit tenSre eng verwandt 
ist, bezweifelt niemand; das hinhalten, hinstrecken steht als 
entsprechende momentane handlung neben dem festhalten. 
Auch zeigt das participium tenftis, dass das d nur dem praesens- 
stamme angehört, also nicht etwa eine sog. Wurzelerweiterung ist; 
die form repräsentiert zugleich das participium von tenSre und 
erweist dadurch beide verba als theile des selben verbalsystems. 
Im Rgveda findet sich von eben diesem verbum ein praeteritum 
tatdnat tatanan tatananta. Ob dieses als aorist oder als plus- 
quamperfect angesehen wird, seine bildung ist unregelmässig; 
man erwartet ^tatnat *fatnanta. Und das sind auch unzweifel- 
haft die älteren formen; sie entsprechen genau griechischen 
aoristen wie insipvov ststikov cf. dpaptat dvocat. Diese bil- 
dung hat sich im sanskrit bei wurzeln mit schliessender liquida 
nicht rein erhalten; ob tatanat eine lautgesetzliche oder eine 
durch analogie hervorgerufene Umbildung von *tcUnat ist, kommt 
für uns nicht in betracht. Es springt in die äugen, dass tendo 
dieser selbe aorist ist, der sich kraft seiner modificierten be- 
deutung neben dem älteren tened unter den praesentien einen 
platz errungen hat; jfnan vergleiche cSdo und cadd. Also tendo 
aus *tetnd. Das perfect tendi kann direct dem altindischen 
tatan^ entsprechen ; die nebenform tetendi ist eine pleonastische 
bildung in der art von skr. cäcäkki und begreift sich leicht 
wegen des gleichklangs von tendö und tenäi. Es ist nicht 
meine absieht alle falle zu durchgehen, in welchen Vorgänge 

^) Vgl. osk. patenBtna mit dem ähnlich gebildeten lat. panderent; der 
Inf. lautete *patunum. 



Ürspr. dn in cn im lateinischen. 303 

dieser art können stattgefunden haben; es würde dies weit- 
läufige etymologische Untersuchungen erfordern. Ich werde 
mich darauf beschränken, auf einige ganze gruppen von Wör- 
tern hinzuweisen, welche in unser capitel einschlagende er- 
scheinungen darbieten. Hier möchte ich nur noch auf zwei 
verba aufmerksam machen, auf mungo = skr. muncdti und auf 
pingo = skr. pimgdti, da sie für die frage betreffs des alters 
der verschiedenen präsensbildungen mit nasalen von bedeutung 
sein können. 

Vor allem müssen wir nun den lautlichen Vorgang selbst 
ins äuge fassen. Es Hesse sich denken, dass der wandel von 
*udna zu unda ohne weitere mittelstufe stattgefunden hätte 
durch einfachen platzwechsel von d und n, wie z. b. air. belre 
wohl direct in berle neuir. beurla übergegangen ist. Auf andere 
wege weist uns das altspanische. Im Poema del Cid geht das 
enclitische pronomen nos mit einem vorhergehenden imperativ eine 
so enge Verbindung ein, dass es mit ihm völlig zu einem worte 
verschmilzt. Nun findet man daselbst nicht nur die form dad- 
nos, sondern daneben auch dandos und ebenso tenendos = 
tened-nos, cortandos = cortad-nos. Dieses dandos aus dadnos 
entspricht vollständig unserm unda aus *udnä. Eine mittelform 
zwischen diesen beiden bildungen hat Cornu (Romania IX, 
p. 95 f.) aus demselben gedichte nachgewiesen, nämlich dandnos 
(v. 273). Dies ist so zu verstehen, dass das w der zweiten 
silbe, wohl indem es die vorausgehende media nasal explo- 
dieren machte, in der derselben vorangehenden silbe einen 
nasal hervorrief, und dass dann später der eine der beiden 
nasale durch eine art von dissimilation wegfiel, und zwar in 
diesem falle der zweite. Wir werden also von vom herein 
genügt sein, die selbe entwickelung für die betreffenden latei- 
nischen Wörter anzunehmen; denn gleiche Vorgänge erklärt 
man gern auf gleiche weise, wenn nicht triftige gründe es 
widerrathen. Also *tidnä - *undnä - unda, "^fudnos oder *fudnos 
-^fundnoS'fundus, "^paino - *pantnd - *pandn6 - pandd , "^pacnd- 
Spanend - *pangn6 -pango ^). 

Für diese reihenfolge scheint mir eine klasse von formen 
zu sprechen, über deren erklärung man viel gestritten hat; ich 
meine das gerundium und die gerundiva. Dass dieselben zum 



') Siehe J. Schmidt Voc. I, 32. 



304 R. Thürneysen, 

part. praes. gehören, hat schon Bopp erkannt (Vgl. Gramm. III*, 
184 ff.). Darauf weisen auch die parallelformen wie fadundus 
und fadendus, welche beide schon in den ältesten denkmälem 
gleichberechtigt neben einander stehen (Neue: Lat. Formenlehre 
IP, 453); die entstehung von -endus aus -undus kann durch 
nichts wahrscheinlich gemacht werden. Der selbe Wechsel zwi- 
schen -on- und -en- zeigt sich in einigen wenigen participien 
wie iens euntis; gemäss dem Zeugnisse der verwandten sprachen 
muss er einst bei allen verben der III. und IV. conj. regel ge- 
wesen sein, die wurzelverba vielleicht ausgenommen. Corssen, 
der die betreffenden formen als Weiterbildungen von n-stämmen 
wie edon- geron- auffasst (Krit. Beitr. 120 ff.), scheint mir die 
gerundiva der ersten und zweiten conjugation wie amandas 
monendus zu wenig zu berücksichtigen und ausserdem das suffix 
-do eine function verrichten zu lassen, die ihm sonst im latei- 
nischen fremd ist. Curtius hat seine frühere erklärung (aus 
-anjor) jetzt selbst zurückgezogen (Grundz. d. gr. Etym.* 664). 
Freilich um eine einfache Weiterbildung mit a-sufßx, wie Bopp 
sie annimmt, kann es sich nicht handeln; nt zwischen vocalen 
bleibt im lateinischen unverändert (Corssen a. o.). Der einzige 
weg zur erklärung der formen amandtis gerundus gerendus 
scheint mir die annähme einer Weiterbildung des participiums 
mit einem n-suffix zu sein, also urspr. *ainant'^u)s *geront-nos 
*gerent-noSy genau entsprechend dem obigen '^pantnd *tefdfid, 
der ersten mittelstufe zwischen *patn6 *tetn6 und pandö tendo. 
Die Schwierigkeit besteht in der erklärung des suffixes. 
Ein secundärsuffix -no besteht im lateinischen wohl zur bildung 
von adjectiven aus Substantiven, z. b. fiinas zu aes, latmnus 
zu laurus, vielleicht auch in ovinus zu ovis, tribünus zu tribiis etc. 
Allein zur ableitung von gerundien aus participien, d. h. von 
abstracten Substantiven aus adjectiven, und zur Weiterbildung 
von adjectiven wird dasselbe sonst nicht verwendet. Am 
ehesten lassen sich infemus von infer, extemus von exter, 
altemus von alter und ähnliche vergleichen, die aber selbst 
vereinzelt dastehen und vielleicht besser mit den von Zahl- 
adverbien abgeleiteten distributivzahlen Mni von bis, trint term 
von *tris ter, quatemi von quaier zusammengestellt werden. — 
Ich glaube, es wird einiges licht auf jene räthselhaften bil- 
dungen fallen, wenn wir erst noch einige andere hierhergehörige 
Wörtergruppen vor uns werden haben vorübergehen lassen. 



Ürspr. dn tn cn im lateinischen. 905 

Es giebt eine beträchtliche anzahl von Substantiven, welche 
anscheinend mit den suffixen -ägd und -ügo gebildet sind. Nun 
ist aber ein jf-suffix nirgends mit Sicherheit nachgewiesen. 
Auch verrathen sie ihre abkunft deutlich; sie stammen von 
den mannigfachen adjectiven und Substantiven auf -äx -äcus 
-äca und -6x -ücus -üca her, wie aus einigen beispielen klar 
ersichtlich ist. So ist vordgö, der Schlund zweifellos Individuali- 
sierung von vordx^ und ferulägo ist eine art der ferulay wozu 
ein adjectivum/miWcews existiert; so steht aeriigd neben a&nka, 
albügo neben albücus. In manchen fallen ist das grundwort 
verschwunden; virdgö ist sicherlich aus einem adj. Hnräx fem. 
"^viräca »mannhafte weitergebildet. Natürlich werden secundär 
die Suffixe -ägö und -^6 auch selbständig verwendet. — Er- 
weichung einer ursprünglichen muta zwischen vocalen ist für 
das lateinische so spärlich bezeugt, dass man derselben stets 
mit misstrauen gegenübertreten muss. Es ist also gerathen, 
eine andere erklär ung für das aus c entstandene g zu suchen; 
und sie lässt auch nicht auf sich warten. Aus der Stammform 
der obliquen casus osk. medicatin- umbr. naiin- air. airitin- 
deicsin- ist geschlossen worden, dass die Wörter auf -46 in der 
flexion den suffixvocal auch im lateinischen ursprünglich aus- 
stiessen(Osthofif: Zur Gesch. d. deutsch, schw. Adj. 94 flf.); unsere 
Wörter zeigen uns, dass dies überhaupt bei den Wörtern auf 
'6 der fall war, d. h. dass das secundärsuffix -an genau so 
flectiert wurde wie das primäre. Das i in -inis entspricht also 
nicht einem ursprünglichen e, sondern ist einschubsvocal. Wir 
müssen uns als urspr. flexion nom. *vard€d gen. *varäcnis 
denken; das letztere musste sich, wenn unsere theorie richtig 
ist, in *vorancnis *varangnis verwandeln. Daraus hätte nun, 
nach dem muster von pangd aus *pangnd, *vorangis werden 
sollen. Doch scheint in dieser periode ein ausgleich zwischen 
dem nominativ und den obliquen casus stattgefunden zu haben; 
*voräcö vertauschte seine muta mit der media, bewirkte aber 
andrerseits, dass, als die lautgruppe ngn nicht mehr mund- 
gerecht war, nicht das zweite, sondern das erste n fallen gelassen 
wurde; und so entstand vordgö gen. *vorägnis, später vordginis. 

Ganz wie mit den Wörtern auf -ägö und -iigd verhält es 
sich mit testüdö; es bezeichnet das schalentragende thier und 
stammt von "^testütus, welches zu testu testum testa gebildet ist 
wie veriUus zu veru, ndsütus zu näsus. Ebenso wird hirüdS 

Zeitschrift für vergl. Sprachf. N. F. VL %.. 20 



306 H. Thurneysen, 

durch *hirüUis mit hira zusammenhangen; der »darmbegabte« 
scheint mir kein unpassender name für den sich dick saugenden 
blutegel; ein blick auf eine darstellung seiner darmverhältnisse 
wird die benennung leicht begreiflich machen. Also ursp. 
*testütd gen. *testütnis *testuntnis *tesfundms, daraus durch aus- 
gleichung: *testüdd *testüdnis testüdinis. Ob der gegenseitige 
einfluss der verschiedenen formen gleichzeitig stattgefunden hat, 
lässt sich nicht bestimmen; es ist möglich, dass schon *testütd 
seinen einfluss auf "^testtmdnis geltend gemacht hat, dass also 
eine zeit lang Hestüto neben testüd(i)nis bestand. 

Hieher gehören auch die abstracta auf -tüdö. Wie im 
Sanskrit neben dem secundären abstractsuffix -fä eine neben- 
form -tvor besteht, so finden wir im lateinischen neben dem 
erweiterten -tat- ein -tut-. Letzteres hat sich jedoch nur in 
wenigen Wörtern rein erhalten wie in Juventus virtüs senedüs 
servifüs und in dem alterthümlichen tempestüs neben tempestäs 
(Varro L. L. 7, 51). Im übrigen hat es, ohne wesentliche 
modification der bedeutung, dieselbe erweit erung erfahren, die 
wir so oft beim primärsuffix -ti- antreffen cf. ventiro iti-o 
naii-o etc.; so steht servüMö neben servitüs, und so ist die 
ganze menge der feminina auf -tüdö entstanden wie därüüdö 
castitüdo etc. etc. Zu den Wirkungen der dissimilation in con- 
su^tüdo hehetüdo u. ähnl. vergl. Fick in dieser zeitschr. XXII, 101. 
Auch aritüdö wird aus *aridüüdd durch dissimilation verkürzt 
sein, ebenso wohl valStüdd zu validus gehören; das $ wird so- 
gleich zur spräche kommen. 

AuflFallend ist die länge des vocals in den Wörtern auf 4g6; 
dort steht vertigo neben Vertex verttcis, scatürtgo neben sccUfM- 
eis, elaudtgö neben clatUltcäre. Die endung -igd muss als aus- 
gangspunkt das suffix -ic- Acch gehabt haben, obschon dies 
durch kein sicheres beispiel bezeugt ist (die quantität des ♦ in 
ap'pendix neben pendtgd, in impetix neben Impetigo ist un- 
unbestimmbar); sie hat, wohl unter der mitwirkung von -ägo 
und -%ö, das daneben stehende *-^jfö vollständig verdrängt. 

Noch merkwürdiger sind die suffixe -Sdö und -tdö. Das 
erstere steht mit den Wörtern auf -^tum wie oUvUum fruticStum 
offenbar in keinem zusammenhange; nur facitus Hesse sich 
etwa zur vergleichung heranziehen. Häufig stehen ihm adjectiva 
auf -tdm zur seite: frigidtis frigidd, nibidus rubedo, albidtis 
albedd, mikidiiS müddo, torpidus torpSdo, putrides ptUridö u. a. 



ürspr. dn tn cn iok lateinischen. 307 

Zu diesen gehören meist verba auf -ere -Sscere cf. frigSre rubSre 
albere mücSre torpere ptdrSre, und so finden wir nun auch «i- 
grMd neben nigrire, pinguedo neben pinguSscere ohne ein ad- 
jectivum *nigridm *jpinguidm. Wie ist nun zwischen den 
endungen -^dus und -edö zu vermitteln. Wir müssen eben zu 
derselben hypothese greifen, die wir beim suffixe -igd als wahr- 
scheinlich glaubten aufstellen zu dürfen ; es hat eine tiefgreifende 
uniformierung der suffixe stattgefunden und zwar, wie mir 
scheint, nicht nur unter den Wörtern, die jetzt auf -idd aus- 
lauten, sondern auch unter den adjectiven auf -Mils. Auf eine 
Umbildung der ersteren weist capedd, das wohl zweifellos mit 
capis capidis verwandt ist, besonders aber das wort ordß, das 
einem adjectivum *ordus *oridus (dem grundworte von ordiar) 
entsprungen, der Umwandlung, welche die übrigen Wörter auf 
urspr. -^dö (-Mo) traf, entgieng, weil das kurze i (e) hinter dem 
r schon vor der betreffenden epoche geschwunden war. Ob 
ordo sein grammatisches geschlecht gewechselt oder die ganze 
klasse auf -^do, vermag ich nicht zu entscheiden. Jenes -edd 
aber, das nach unserer annähme unter mithilfe der Wörter auf 
-ödö ein neben ihm stehendes -^dö (-SddJ vollständig verdrängt 
hat, muss selbst eine existenzberechtigung gehabt haben. Dies 
führt uns zu den adjectiven auf -Xdus. -do- ist kein indo- 
germanisches primärsuffix ; es ist also erst im lateinischen dazu 
geworden. Die veranlassung waren wohl bildungen wie lüddus 
mücidas^ die ursprünglich composita der stamme lüci- müce- 
mit der wurzel &S oder d6 (cf. lüci'fer)^ allmählich, nachdem 
die bedeutung sich verallgemeinert, als zu lücSre mücire gehörig 
gefühlt wurden; nach ihrem muster entstand dann eine grosse 
menge von adjectiven auf -^di^s, welche auf andere, ältere 
formationen auf -do- sammt deren analogiebildungen einen 
assimilirenden einfluss ausübten. Wie sehr das latein solche 
ausgleichungen liebt, zeigt das klassische calidus neben dem 
archaistischen und vulgären caMus, validus neben valdi, avidttö 
neben aadeö. So muss das adjectivum zu frigtis urspr. "/ngfc^ 
dos, dann "^rigSdos gelautet haben cf. tdem aus is-dem^ und 
dieses ist sehr wahrscheinlich das grundwort zu frigSdo; der 
erste bestandtheil von frigirdm enthält einen dem lateinischen 
sonst unbekannten stamm, frigidus wird also wohl die Um- 
bildung von ^rig^us sein (vgl. Corssen: Krit. Beitr. 98 ff.; 

Ausspr. Voc. etc. * 302 ff.). 

20» 



308 ^' Thurneysed, 

So weisen vielleicht auch ruhor und rubedö, torpor und 
torpSdö etc. darauf hin, dass rübidus torpidus älteres *rubMtis 
HorpHus ersetzt haben. Das suffix edo (ed), aus der adjectiv- 
bildung radical verdrängt, hat nur wenige spuren hinterlassen. 
Ein sicheres beispiel ist cuppes (Plaut. Trin. 239) , weiter- 
gebildet in cuppSdium cuppHia; dazu gehört nun ganz regel- 
recht das substantivum cupp^do, ein glaubwürdiger zeuge für 
die ableitung von -^dd aus -ä?o-. Das oben erwähnte vaUtMd 
ist wohl aus *valSditüdd entstanden und weist also auf ein 
adj. *vaUdos cf. valor-, vgl. auch monSdtda, her^, nierced-. 
In drei Wörtern erscheint Add, in formidS, cupidd und libtdd, 
Dass das erste von einem stamme fonmdo- weitergebildet ist, 
zeigt das verbum formidäre. Ob cupidtis oder cupidd alter- 
thümlicher ist, ist schwer zu sagen; mit cuppis und cuppSdo 
sind sie der quantität der ersten silbe wegen nicht zu identi- 
ficiren ; cupidd könnte unter dem einflusse von cupUus cupitor etc. 
stehen und selbst wieder das sinnverwandte libidd zu libSre her- 
vorgerufen haben. — Die entwicklung der flexion war auch 
hier: urspr. frtgedö *frtgendnis, daraus unter dem drucke des 
nominativs 'Y^tgMnis frigSdinis. 

Zu den Substantiven auf -ägö -tgö -ügo können adjectiva 
durch blosses o-suffix gebildet werden, z. b. ferrüginus (neben 
ferrügineus) zu ferrügo. Und diese bildung hat weitergewuchert; 
so entstand fabäginus öleäginus von faba olea; auch abiegntis 
wird als eine etwas weiter abliegende analogiebildung zu fassen 
sein, vgl. auch ilignus salignas. Fabäginus hiess also nicht 
ursprunglich »bohnengezeugt« (cf. Gorssen: Krit. Nachtr. 123), 
wiewohl es lautlich den formen wie indigena TrSjugena prt- 
vignus nahe steht und von dichtem wohl auch als compositum 
gefasst worden ist; so nennt Lucrez den wein liqtwr vUigenus, 
vUigent latic^s^). 

Wir kehren nun zu den gerundiven zurück. Es lässt sich 
nach dem eben besprochenen zu ihrer erklärung folgende hypo- 

^) Das eintreten und ausbleiben des einschubsvocals ist nicht dem 
Zufall überlassen. Vielmehr scheint mir als allerdings durch die mannig- 
faltigsten einflusse gekreuzte regel zu gelten, dass derselbe sich zeigt, wenn 
die silbe vor dem suffixe lang ist, dass er dagegen nach kurzer silbe fehlt, 
cf. imäginisy pülchritüdinis , ferrüginus , ordinia etc. und camis^ ilignus 
von iUXj salignus von saUx, larigneus von lafix; femer lihert und Uhfi^ 
dUerius und Utrtus, femina terminus lämina (poetisch auch lämnä) und 
eöiamna alümnus autümnus u. a. m. 



ürspr. dn tn cn im lateinischen. 309 

Ihese aufstellen. Wie zu cupidiLS ctiptdd, das »begierig-sein«, 
die begierde gebildet ist, zu torpidus torpSdo, die gefühllosigkeit, 
so konnte von jedem participium ein abstractes substantivum 
auf '6 abgeleitet werden z. b. "^faciento *facientnis von factent-, 
^adunto von fadunt-y vgl. provident-ia abundant-ia patient^a. 
Dieses nomen bezeichnete das »machend -sein«, das machen, 
stand also betreffs der bedeutung einem verbalnomen ausser- 
ordentlich nahe und deckt sich darin vollständig mit dem spä- 
tem gerundium. Vom verbalnomen wird in den verwandten 
sprachen das participium necessitatis abgeleitet: skr. -fevyo- 
air. -ti von -^w-; ganz ähnlich wurde im lateinischen, wie ferrü- 
ginus von ferrügd, so von "^fadcmio ^fadontnos, von "^adewtd 
^facientnos gebildet, aus dem sich regelrecht durch ^aciondnos 
^fadendnos hindurch das gerundivum faciundus faciendt4S ent- 
wickelte. Ebenso wurde aus dem genitiv des Substantivs *fa- 
dendnis *fadendis, da hier die gestaltung des nominativs (*f(a- 
dentö) das regelmässige aufgeben des zweiten n nicht hinderte; 
und es entstand so die flexion '^fadentd C^fadendo) *fadendis, 
die im lateinischen durchaus ohne gleichen dastand. Dies mag 
die Ursache sein, weshalb diese bildungen gänzlich aufgegeben 
und durch das neutrum des zu ihnen gehörigen adjectivums 
ersetzt wurden ; so lautet das gerundium fadendi fadendö for 
dendum. — Ich bin mir wohl bewusst, dass dies alles auf 
reiner hypothese beruht; doch scheinen mir bildung und be- 
deutung der formen dadurch genügend erklärt, und zu jedem 
abschnitte der entwicklung lassen sich parallelen anführen. 

Noch eine gruppe von Wörtern möchte ich hier besprechen, 
nämlich die zehner der Zahlwörter. Sie alle enthalten ein bis- 
her unerklärtes g, welches einem ursprünglichen c entspricht, 
und das, wie mir scheint, nur durch einfluss eines nasals ver- 
ursacht sein kann. Freilich in der gestalt, in welcher sie uns 
überliefert sind, steht von vtginü bis nSnägintä das g nirgends 
in unmittelbarer berührung mit einem nasal. Auch wenn wir 
weiter hinaufgehen und den zweiten bestandtheil von m-ginti 
quadrä-^esimus auf früheres "^-cnti *-cnU(h zurückführen, erklärt 
sich die erweichung des c nicht; denn dass ein anlautendes 
oder auf einen vocal folgendes c auch vor nasalis sonans er- 
halten bleibt, zeigt centum aus *knt6m und vicSsimtis tricesimus. 
Wir müssen also die ursprüngliche bildung der zehner etwas 
näher in augenschein nehmen* 



310 R- Thumeysen, 

Durch die mannigfachen arbeiten, die sich in der letzten 
zeit mit den indogermanischen numeralien beschäftigt haben, 
ist es möglich, sich ein ungefähres bild von der ursprachlichen 
Zahlenbildung zu machen. Die zehner wurden damals, wenig- 
stens in den grundsprachen des indischen und iranischen, des 
armenischen, des griechischen, des italischen und des keltischen, 
mittelst des neutralen nomens *k(mt *k^ gebildet, welches flec- 
tiert wird wie z. b. skr. ttidant- du. neutr. tudcUi plur. tudanti 
= urspr. Hudntl *tudonta^). Eine art der Zählung ist die, 
dass die einer multiplicierend vor dasselbe treten und selb- 
ständig flectiert werden. Wir wollen nun versuchen, an der 
band der verwandten sprachen die formen aufzustellen, welche 
im lateinischen eigentlich zu erwarten wären. 

20. Urspr. veU-k'^ti oder vv-knti^) dor. ßsUat$ böot. j:ixaT& 
(att. Jon. isixodi sXxoaifv) und ixavtiv Hes. sind beide von 
'xopxa beeinflusst) akymr. uceint: lat. *incintt. Zum vocalismus 
vgl. arm. khsan gegenüber jeresun kharasun hisun etc., air. 
fiche gen. flehet gegenüber tricha cethorchat etc. Skr. vimgati- 
hat verschiedene Umbildungen erfahren; in der endung hat es 
sich an sasti- saptati- etc. angeschlossen. 

30. Urspr. tria konta gr. TQtäxovra: lat. *triconta. 

40. Urspr. qetvöra konta vergl. skr. catvärirhgat; europ. mit 
verschiedener Stammform cf. gr. tsxtaQdxovta zsacsQäxovra 



^) £s liegt nahe dieses *kont mit dem deutschen stamme handu- in 
Verbindung zu bringen, so dass es eigentlich eine handvoll, einen griff 
(cf. got. hinpan) bedeutete. So würde sich begreifen, warum die indo- 
germanischen sprachen, die sonst in der benennung der giiedmassen 
viele Übereinstimmung zeigen, beim begriffe »bände so weit auseinander 
gehen; *kont war eben zum zahlworte geworden. An die zahl der finger 
darf man kaum denken, da die band deren nur fünf besitzt, der dual 
*kntt aber zwanzig d. i. 4x5 bezeichnet. Urspr. *kntöm ist eine collectiv- 
bildung dazu und bezeichnet eine anzahl von *k<mt; da dasselbe lit. mm- 
tas lautet, wäre vielleicht richtiger urspr. *komt *kmt anzusetzen; doch ist 
einfluss von deszimtia möglich. 

*) Welches die ursprungliche form ist, ist schwer auszumachen. Immer- 
hin ist beachtenswerth, dass der diphthong gerade in deijenigen spräche 
erscheint, in welcher auslautendes -ia nicht contrahiert wird, in der also 
die dem 20 so nahe folgende dreissigzahl nicht mit tri- anlautet. Geht 
auch kymr. iiceint auf *V€ican(t zurück, etwa durch *oicanti wie un von 
*ain08? Zu vergleichen ist ucher = air. feseor gr. (f)i<fnt^oi, welches 
eher auf ^vecanti aus *tacamH (air. fiche) hinweist. 



Urspr. dn tn cn im lateinischen. 311 

TstQcixoyta air. gen. cethorchat (d. i. cetura-) : lat. ersetzt durch 
*quadrä'Conta. 

50. Ursp. penqea konta, contrahiert zu penqekonfa oder 
penqäkonta; das erstere ist wahrscheinlicher, da im lateinischen 
die pluralendung der neutra der o-declination eingewirkt haben 
kann. Gr. nsvt^xovva cf. skr. pancägat: lat. *quinquäconta. 
Diese zahl hat mit ihrem langen vocal im griechischen und 
lateinischen auf die folgenden einen assimilierenden einfluss 
ausgeübt. Die Übereinstimmung mit den arischen sprachen 
hört von nun an auf; diese gebrauchen für 60 — 90 in ellip- 
tischer ausdrucksweise von den einem gebildete numeral- 
subslantive, ohne die zehner zu bezeichnen, so skr. Sastifi sap- 
iatih a^tih navatih, »eine sechszahl (von zehnern)« etc. cf. ksl. 
SesU devqPi. Haben sie ältere bildungen aufgegeben oder war 
die feste Zahlenbildung in der Ursprache noch nicht weiter 
fortgeschritten? Auf letzteres dürfte der umstand hinweisen, 
dass in verschiedenen andern sprachen die zahl 60 einen ge- 
wissen abschnitt bildet. Der lateinische gebrauch von sexä- 
gintd (und sescentt) als unbestimmter grosser zahl ist bekannt. 
Das gotische, das althochdeutsche und das angelsächsische 
bilden die zehner über 60 auf andere weise als die sechs ersten. 
Andrerseits besitzt schon die Ursprache ein wort für zehn 
zehner. 

60. Gr. 8^^xov%a: lat. *sexäconta. 

70. Gr. *s^tmmSkonta (cf. de Saussure: Syst. prim. d. 
voy. 275) sßäe/jn^xovra sßdofAijxoyta , vgl. air. sechtmogat^i lat. 
''^s^tumaconta, ersetzt durch ^septuaconta nach "^ocUAäccnbi 
(Wackernagel in dieser zeitschr. XXV, 281) ^). 



^) Diese erklärung ist gewiss derjenigen Mahlow*s (die langen vocale 
A E 79 f.) vorzuziehn, welche dem zahlworte 7 einen ursprachlichen 
nasal ganz abspricht. Diesen bezeugen skr. saptam-äh lat. septum-us zu 
deutlich; besonders das letztere hat die alten Ordinalzahlen von 3 — 10 
treu bewahrt. Die daselbst angenommene entstehung von lat. auslauten- 
dem -u aus urspr. -a ist sehr zweifelhaft. Altir. seeht neuir. seacht be- 
weist nichts gegen ein urspr. *8eptm, woraus *8eptem *aechten; denn die 
lautgruppe cht ist der palatalen ausspräche durchaus abhold, man vergleiche 
air. cumachtae, endung *-actiom, gen. cumachti mittelir. cumhMhda (statt 
*'aichde) und beachte die altirischen Schreibungen sercaidechtae forcit- 
laidechtae deacMae bendachtae coimdenmachtae (gen. fem.), auch esariae 
aus *'arcHo9, 



312 R- Thurneysen, 

80. Gr. dydo^xovta: lat. *octoväconta ^octuaconta, 

90. Lat. *neundconta *ndnäconta. 

Das schliessende -a ist im altlateinischen lang, wohl unter 
einfluss der ursprünglichen endung der neutralen o- stamme. 
Ferner hat die endung von *t?t-cinß zunächst wohl Siuf *tricontä, 
sodann auf alle übrigen zehner eingewirkt, so dass sie ihr 
"Contä, das durch die Übereinstimmung des armenischen, des 
griechischen und des irischen als ursprünglich bezeugt ist, in 
-dntd verwandelten. Aber eine Ursache des herabsinkens des 
c zu g ist in keiner dieser formen zu finden. 

Dies war eben nicht die einzige weise, auf welche die 
einer mit *k(mt in Verbindung traten. Sobald die zahlen weiter- 
gebildet wurden, mussten die beiden demente sich zur com- 
position vereinigen; und das erste wie das zweite zeigte sich 
dann nicht mehr als flexionsform, sondern als reiner stamm. 
Dies muss immer der fall gewesen sein bei der bildung der 
ordinalia, ob dieselben nun mit blossem o-suffix abgeleitet 
werden wie z. xhisata- (hieher gehört wohl auch das verkürzte 
skr. vifhQdr trirngd- etc.) oder mit einem ^suffix wie skr. trim- 
gaUamor z. vtsästema- und wie stets im griech. und lat. Ob 
der selbständige gebrauch des compositums, der in den arischen 
und den irischen formen sich abspiegelt, ein alter ist, kann ich 
nicht entscheiden. In allen sprachen haben die offenen formen 
stark auf die componierten eingewirkt; doch finden sich noch 
spuren dieser letztem. Dahin gehört z. b. das kurze i in z. 
&risäs y^risaia und ir. tridia (und fiche) bret. tregont. Air. sesca 
neuir. seasga weist auf *se(c)8'C(mt^. Das m in skr. vimQcdi 
trifhgat und ccUvärimgat könnte unter einfiuss der formen 
*saptä-gat *navä-gcU entstanden sein {ä bezeichnet den zwischen 
ursp. n (m) und reinem a stehenden nasalvocal), wenn wir 
berechtigt sind solche bildungen anzusetzen (s. oben). Ist auch 
der Wechsel von vei- und vi- in der zwanzigzahl hieherzuziehn? 

Im lateinischen haben die stamme der Ordinalzahlen einst 
gelautet: vicntto- tricntto- gMadrM-(resp. quedrvr')^)cntto- quen- 
queci^tto- (oder durch dissimilation quencntto- cf. quingentt) sex- 
cntto- septncnUo- odducntto- nevncntto-. Und nun wird der 
Ursprung des lateinischen g auf einmal klar. Die hunderter 
septingentt nöngenti aus septm cntä nevn cntä (s. Mahlow a. o. 99) 



^) s, Wackernagel i, d. zeitschr. XXV, 283 ff. 



Urspr. dn tn cn im J^teinischen. 313 

nebst ihren analogiebildungen quadringentt odingentt^ verglichen 
mit dticenti trecentt sescenti, zeigen, dass c zwischen zwei nasalen 
sonanten dem gleichen Schicksal verfallt wie zwischen zwei con- 
sonantischen nasalen, d. h. dass es zu g wird. So entwickelte 
sich aus ^septncntto- : "^septngntto- *septingensumus , aus "^nevn- 
cntto- : *nevngntt(h "^nöngensumus. Unter dem einflusse von 
*n6näcintä ward dann etwa aus dem letzteren nonägensumus 
vgl. gr. tQiäxoatoq e^t^xocrtog — , und dieses wirkte zurück auf 
die cardinalzahl, indem es dieselbe zu nondgintä umgestaltete. 
— Von diesen zahlen aus, welche vielleicht ein "^quingensumus 
unterstützte, verbreitete sich das g durch das ganze system; 
nur vic^simus und trtcisimus hat es nie ganz bezwingen können. 
Wie, vom g abgesehen, die cardinalia ihren einfluss geltend 
gemacht haben in tricisimus quinquag^simus sexägesimus septuä- 
g^simus nonägSsimus, so hat umgekehrt octögesimus eine neben- 
form odöginta zu octuägintä hervorgerufen; ^qtmdrugisimus ge- 
staltete die ursprüngliche form für 40 zu quadrägintd um und 
entlehnte diesem dann selber den vocal ä. Der gleichklang der 
endung bei allen ordinalien mag mit zur ausgleichung von 
-dntt und -contä beigetragen haben. 

Ich glaube nicht zu weit ausgeholt zu haben, um ein einzelnes 
lateinisches g zu erklären ; denn diesem g verdanken wir einen 
tiefen einbiick in die Zahlenbildung besonders des lateinischen. 
Dagegen muss ich mich wegen der vielen »Urformen« ent- 
schuldigen, die ich behufs grösserer deutlichkeit aufgestellt habe; 
ich möchte die reale existenz keiner derselben vertheidigen und 
habe bei ihrer ansetzung meist nur auf die gestaltung der- 
jenigen laute rücksicht genommen, welche gerade in frage 
kamen. 

Oben haben wir der einfachheit der darstellung zu liebe 
kurzweg angenommen, die entwicklung von ng aus cn ncn 
zwischen vocalen sei regelmässig, wie dies für nd aus ndn und 
ntn durch unda fundus und durch die gerundiva bezeugt ist; 
allein sicher ist es nicht. Zwar lüna beweist nichts dagegen, 
da es C. I. L. 55 : losna d. i. lousnä lautet (Jordan : Krit. Beitr. 
z. G. d. 1. Spr. 34 f.) und zu z. r€U>x?na- preuss. lauxnos 
stimmt (Bugge ztschr. XX, 13); eher spricht decSre : dignus 
dagegen, auch pignus, wenn es zu pangö gehört ; vgl. auch üex 
üignus, larix larigneus, Salix salignus. Fango aus *pacnd könnte 
leicht unter fremdem einflU3se stehn, Eine entscheidung läs^t 



314 H. Thurneysen, Urspr. du in en im lateinischen. 

sich nur auf grund einer vollständigen Sammlung der ein- 
schlägigen beispiele treflfen; die Schwierigkeit besteht darin, zu 
wissen, welche Wörter wirklich hieher gehören und welche 
nicht; erst nach aufhellung des lateinischen vocalismus wird 
eine sichere antwort erfolgen können. Für die obigen auf- 
stellungen ist es natürlich ohne belang, ob imäginis vertiginis 
ferrüginis rein lautgesetzlich oder unter einfluss des nominativs 
entstanden sind. 

Der regel, die für die dentale gilt, scheinen zwei Wörter 
zu widersprechen, nämlich mercennäriiis cf. mercid- und penna 
von der wurzel pet Das letztere geht auf *petsnä zurück, wie 
altlat. pesnä (Fest. 205, 209) zeigt; mercennärius dürfte aus mer- 
cemo- entstanden sein und mit mercSd- (^merces-d-) Mercur-im auf 
ein substantivum *merco8 zurückzuführen sein. Die distributiva 
als viceni tricSnt etc. st. *vicendt Hrtcendt sind, wie auch du- 
cini ducentent und septent dini etc., analogiebildungen , wie es 
scheint, nach sent. Immerhin ist zu bemerken, dass die Um- 
stellung von dn und^nzuwd nur nach kurzen vocalen sicher 
bezeugt ist. 

Zum Schlüsse verweise ich noch auf den stamm singtdo- 
aus *sincl(h, in welchem ncl zu ngl geworden ist. Er ist darum 
interessant, weil wir daraus ersehen, wie das g aus ursp. c in 
Wörtern wie gldria zu verstehen ist. Man sprach offenbar alt- 
lateinisch tovä doujsid, aber acc. tovän-glouisiäm. 

Basel, Dezember 1880. 

Rudolf Thurneysen. 



Noch einmal das präkritische quantitätsgesetz. 

Nach meiner eingehenden begründung des quantitätsgesetzes 
in den präkritsprachen in dieser Zeitschrift XXV, 292 flf. hätte 
ich selbst auf Goldschmidt's Zustimmung hoffen dürfen. Der- 
selbe glaubt aber bei seiner früheren aufstellung, dass doppel- 
consonanz nur ein graphischer ausdruck für die länge des 
vorhergehenden vocals sei, und dass e o stets lang seien, 
beharren zu dürfen. Denn: »So lange es feststeht, dass ein 
dichter, der sonst der reinheit des reims die äussersten und 



- ^ 



H. Jacobi, Noch einmal das präkritische quantitätsgesetz. 315 

sprachwidrigsten opfer bringt, inna mit im etc. reimt, kann 
man es nicht vvegdisputieren , dass consonanten verdoppelang, 
hier wie im französischen, ein zeichen der vocallänge ist.« 
KZ XXV 616 anm. Da uns jetzt der sorgfältig edierte text 
des Setubandha vorliegt, wollen wir einmal jene zwei reime — 
denn so viele sind es, auf die Goldschmidt seine kühne hypo- 
these stützt — genauer betrachten. Der erste vers III 34 lautet : 

bäläavam va entam 

dhua'ambälda''Vainsu--nivahacchdam \ 

kai-sennam raaniard 

• • • • 

iama-raa-niara wa pecchium pi aoggä \\ 

Dieser vers ist in dem gewöhnlichen metrum Skandhaka abgefasst. 

Die Skandhakaverse pflegen im Setubandha nicht gereimt zu 

sein, und die unserm verse vorausgehenden und folgenden verse 

zeigen keine spur von reim. Bei gereimten versen ist der reim 

entweder auf beide halbverse vertheilt, oder jeder halbvers hat 

reime ; da nun unser vers in der ersten hälfte keinen reim hat, 

so dürfen wir auch keinen für die zweite hälfte annehmen, 

zumal da reime nicht mitten im verse zu stehen pflegen. Wir 

haben also keinen eigentlichen reim, sondern höchstens ein 

yamaka, das wir auf raania beschränken könnten. Ich will 

aber einräumen, dass raaniard das yamaka bildet, so ist damit 

über die quantität von raaniara (vva) noch nichts gesagt. Die 

Schlusssilben von yamakas wurden nicht streng gleich gefordert 

cf. Kävyädarga III 15 

vishamam visham anveti ^) madanam mcidanandanah \\ 

und ib. 18: 

ramant ramaniyä me pätaiäpdtalämguJcä. 

Wenn also ein dichter in versen, welche er als muster für 
dergleichen kunststücke gedichtet hat, sich solche Unregelmässig- 
keiten erlaubte, um wieviel mehr werden wir sie einem dichter 
verzeihen, dem sich ein solches kunststück zufällig und unge- 
zwungen ergab. Ist er doch in folgendem verse XI 50 noch 
freier verfahren, als in dem vorgeblichen reime: 

samtihdloana - vidiam 
vidia-'i^müla-pia' damsanüsuahiaatn \ 
üsuahiaummillam 
ummillosaria-pai-muha-kilimmanti^ \\ 

^) Der moderne eommentator sucht durch eine unhaltbare conjectur 
(viahamain kshnauti) die völlige gleichheit herzustellen. 



316 H. Jacobi, . 

Also Goldschmidt's erste stütze ist hinfällig; seine zweite ist 
nicht viel besser. Es ist VIII 65: 

dtsai maa^ulehi ttaht nalo anehim 
samaam sela-padana-bhaa-unna-loanehim \ 
jam hhaliam aii sälilam naina üraifi 
tarn tiddhäi pavaa-kcUadla-viinna-ürafn \\ 

Hier haben wir wirklich reime, aber was für welche! 
Einem dichterling, der in demselben verse aneJiitj^ für janehim, 
üram für düram^) zu setzen wagte, aus reiner reimnoth, dem 
geben wir gerne ein vitna^) für viinna mit in den kauf. 
Uebrigens brauchten wir gar nicht einmal inaürarn als reim 
anzusehen, naüram genügte zur noth. Doch will ich den reim- 
Schmied nicht weiss waschen: wenn er den anlautenden con- 
sonant eines selbständigen Wortes unterdrückte, was sonst nur 
in compositis zulässig ist, so wird er sich auch bei der analogie 
von väsa vassa, tsaro issaro etc. beruhigt haben für die Schaffung 
eines vüna für viima: eine lebendige kenntnis der spräche 
wird er nicht mehr gehabt haben. Die beiden (?) reime in 
Setubandha beweisen also nichts. Auf solches »reim dich 
oder ich fress' dich« irgend welche sprachliche Schlüsse zu 
bauen, ist durchaus unzulässig. 

Was nun die von Goldschmidt so sehr urgirte analogie 
des präkrit mit dem französischen betrifft, so ist sie zum theil 
schon längst anerkannt, wie ich auch schon bezüglich des ein- 
tretens von natürlicher vocallänge für positionslänge in meinem 
ersten artikel auf die südromanischen sprachen hingewiesen 
habe, theils aber dehnt Goldschmidt sie zu weit aus. So wenn 
er die reihe lat. cowpUta, franz. XVI. jhd. complette, jetzige 
Schreibweise complete mit der indischen reihe sanskrit priman 
präkrit p^mma, hindi pSma vergleicht. Die Schreibweise conP- 
plette, ebenso wie muette mit zwei t bezweckt nicht die länge 
oder kürze des vocals zum ausdruck zu bringen, sondern seinen 
klang als e ouvert. Oder wenn man im französischen zu- 
weilen noch die etymologisch berechtigte doppelconsonanz 
schreibt wie in flamme, wo man einfachen consonant mit 



^) Goldschmidt hat selbst im index auf die Ungeheuerlichkeit dieser 
formen hingewiesen. 

*) So nämlich hätte Goldschmidt in den text setzen müssen, da in 
reimen die gleicbheit der silb^ auch in der schrift zum ausdruck kommen 
musSf 



Noch einmal das präkritische quantitätsgesetz. 317 

langem vocal spricht, während man sich in andern fällen des 
circonflexe mit einfachem consonanten bediente, so zeigt das 
nur das inconsequente festhalten an historischer Orthographie 
im ersteren falle. Im präkrit aber kann man nicht von histo- 
rischer Orthographie gegenüber einer phonetischen sprechen, da 
in allen indischen sprachen nur von der letztern die rede sein 
kann, insofern die alte schrift schon zeichen für alle laute der 
spräche besitzt. Abzusehen ist natürlich von sanskritischen 
lehnworten in den modernen sprachen; diese werden so viel 
wie möglich in der alten Orthographie gegeben, mag auch die 
traditionelle ausspräche sich geändert haben. Nur für kurzes 
e haben die nordindischen alphabete keine zeichen, daher 
bei bezeichnung dieser laute schwanken. 

Goldschmidt's behauptung, dass doppelconsonanz im prä- 
krit nur ein zeichen der vocallänge ist, lässt sich übrigens auch 
direkt widerlegen. Denn bei dieser annähme wäre puttassa 
(putrasya) gesprochen worden: pütdsa. Die präkritinschriften 
nun schreiben bekanntlich doppelten consonanten nicht, sie 
müssten also pütäsa bieten ; statt dessen bieten sie putasa, Ist 
hier der kurze vocal etwa auch historisch, d. h. nach sans- 
kritischem vorbilde ? Nun, warum findet sich denn puve (i. e. 
puwe) = pürvdh. Einfach, weil der vocal in beiden fallen kurz 
war; der kurze vocal in puve, in hhatinä (bhrätrd), in Tamia- 
pamni (Tämraparni) etc. erklärt sich nur als \virkung der Po- 
sition, welche auf den Inschriften nicht einmal ausdruck in der 
schrift finden konnte, zu deren kenntnis wir auf die buchschrift 
angewiesen sind. 

Die leugnung des quantitätsgesetzes verwickelt noch in 
andere Schwierigkeiten. Wie ist es zu erklären, dass aus 
tüshntka tunhikJca, aus sükshma sümha, aus ttkshna ttnha, aus 
hrdhmana bämhana, aus madhyähna majjhänha, aus krdnta 
känta etc. geworden ist? Da in diesen Worten die doppel- 
consonanz lautlich bestand, konnte sie nicht rein graphischen 
werth als ausdruck der vocallänge haben. Oder will Gold- 
schmidt behaupten, dass doppelconsonanz nicht nur sich mit 
langem vocal vertrug sondern auch kurzen vocal zum langen 
machte? Letzteres müsste er als eine consequenz seiner an- 
sieht vom Wesen der präkritschrift annehmen; und er thut es 
auch wirklich, wie ich aus seiner behauptung entnehme, »dass 
e überall, und speciell vor doppelconsonanz, lang waren«. 



318 H. Jacobi, 

Denn dsi t ü vor doppelconsonanz häufig zu e o wurden, Hern. 
I 85, 116, diese aber nach Goldschmidt lang waren, so folgt, 
dass die doppelconsonanz verlängernden einfluss auf vorher- 
gehenden vocal gehabt haben müsse. Eine solche annähme 
läuft aber allen sprachlichen analogien zuwider. Das gegen- 
theil, die ersatzdehnung, findet sich dagegen überall. 

Es Hessen sich leicht noch viele Ungereimtheiten aus der 
Goldschmidtschen ansieht deduciren; z. b. warum schrieb man 
Jcusuma-ppayaro, was nach Goldschmidt ktASumä-payaro ge- 
sprochen wäre, dagegen kt^uma-paräo? Da nach Goldschmidt 
der lautliche werth von p in payaro und paräo vollständig 
gleich war, wie käme es, dass vor dem einen der auslautende 
vocal des vorausgehenden Wortes verlängert worden wäre, vor 
dem andern nicht? Jedoch, ich will mich darauf beschränken, 
den nachweis zu liefern , dass in worten wie pcMa (= patra) 
weder das t ein einfaches t, noch das a ein langes ä war. 
Wäre päli patta päta gesprochen worden, so hätte es wie 
päli pata (= päta) im gewöhnlichen präkrit zu päa, in der 
^auraseni zu päda werden müssen. Da dies nicht eintrat, so 
folgt, dass in den älteren präkrits das t kein einfaches, also 
seine doppelschreibung nicht rein graphisch war. Wollte sich 
nun Goldschmidt durch die weitere annähme helfen, dass ein 
durch Vereinfachung einer ursprünglichen doppelconsonanz im 
präkrit hervorgegangener einfacher consonant eine besondere, 
sagen wir energischere ausspräche gehabt habe, welche ihn 
vor weiteren Zerstörungen schützte, gleichzeitig aber seinen ver- 
längernden einfluss auf vorangehenden vocal nicht hinderte, dass 
also patta etwa päTa gesprochen worden sei, so lässt sich auch 
die hinfalligkeit dieser ausflucht leicht darthun. Denn darnach 
wäre auch pätti zu pätt geworden,, was im gewöhnlichen prä- 
krit pdti, zu schreiben patti, hätte geben müssen. Nun finden 
wir aber pdi, ferner gäa maa süa etc. für gatra mätra sütra etc., 
nicht aber pda für patra, m\a für mitra etc. Da nach obiger 
annähme das product der consonantengruppe ein gleiches sein 
musste, so erklärt sich die Verschiedenheit des resultats nur 
aus der Verschiedenheit des vorhergehenden vocals. Also haben 
wir erwiesen, dass wenigstens in den altern stufen des präkrits 
patta mitta etc. weder mit einem gewöhnlichen langen vocale, 
noch mit gewöhnlichen einfachen consonanten gesprochen wur- 
den. Da nun aber die Orthographie in. den altern und jungem 



Noch einmal das präkritisehe quantitätsgesets. 319 

präkrits dieselbe geblieben ist, so ist auch anzunehmen, dass 
die ausspräche dieselbe geblieben, es müsste denn Goldschmidt 
gelingen, für das gegentheil haltbare gründe vorzubringen. 
Goldschmidt's hypothese hat sich also als unbegründet und in 
ihren consequenzen zu den schlimmsten Widersprüchen führend 
erwiesen. Diese Widersprüche treten nicht ein, wenn wir von 
der alten ansieht über das quantitätsgesetz ausgehen, deren 
haltbarkeit die erfolglosen angriffe erhärtet haben. 

Goldschmidt sucht nun an stelle des quantitätsgesetzes auf 
grundlage der position ein unbestimmt gelassenes gesetz vom 
»wortrhythmus — in bezug auf den des präkrit sehr conser- 
vativ istc zu setzen. Er scheint anzunehmen, dass die summe 
der moren in einem präkritwort und seinem sanskritprototyp 
gleich sein müsse. Daher suhuma wegen des Zuwachses einer 
kurzen silbe die Währung des »wortrhythmus« von sükshma 
durch kürzung des ersten vocals erreichte. Dass dies nicht der 
grund ist, habe ich schon KZ XXIII 597 durch hinweis auf 
formen wie giläna sinäna sineha, wo trotz des silbenzuwachses 
keine Verkürzung des langen vocals eingetreten ist, dargethan. 
Der grund der Verkürzung liegt in der dem ursprünglich langen 
vocal folgenden, nur durch svarabhakti, welche samyogam na 
vihanti a. a. o. XXV, 605, gesprengten doppelconsonanz. Ging 
letztere voraus, so war der vocaleinschub ganz ohne einfluss 
auf den folgenden vocal. Dies habe ich alles bereits in dem 
aufsatz »üeber vocaleinschub und vocalisierung des y im päli 
und präkrit« klar gelegt, wo Goldschmidt auch hätte finden 
können, dass formen wie vtriya neben vtriya nicht meiner für 
suhuma etc. gegebenen erklärung widersprechen. Denn bei 
viriya haben wir nicht vocaleinschub, sondern vocalisierung 
des y. vvria ist ja schon im sanskint nebenform von virya; 
auf erstere geht mriya im präkrit zurück, auf virya, *v^rya 
dagegen viriya. So erklären sich auch bei andern, ähnlichen 
Worten die vielen präkritischen fortsetzer z. b. 

( bhdriä pr. hhäriyd 
hhwria l ( pr. hhajjä 

I hhärya *ihär'yä | 

f päli bhäriyä 

die formen vtriyd bhäriyä etc. sind also ganz anders entstanden 
als suhuma etc. Mit letztern formen würde ich jetzt geneigt 
sein hhariyd viriyd etc. auf eine linie zu stellen. 



320 H. Jacobi, Noch einmal das präkritische quantitätsgesetz. 

Steht somit das quantitätsgesetz auf grundlage der position 
als fundamentalgesetz aller präkritsprachen fest, so ergiebt sich 
die kürze von e o vor doppelter consonanz als nothwendige 
consequenz. Auch habe ich dem über diesen punkt in meinem 
ersten aufsatz gesagten nichts hinzuzufügen. Hätte Goldschmidt 
meine dortigen auselnandersetzungen besser erwogen, so würde 
er mir jetzt nicht die frage entgegen halten: »soll es denn 
Zufall sein, dass dieses scheinbare ^ o sich nur da findet, wo 
die grammatik nebenformen auf i u lehrt, und dass kein 
anderes e o jemals kurz ist ?« Das ist kein zufall, sondern sehr 
natürlich; denn wie hätten die grammatiker anders die kürze 
von e und o bezeichnen sollen, wenn es darauf ankam die 
quantität hervorzuheben, als durch i resp. a und u? 

Endlich sei noch erwähnt, dass in den gäthäs selbst der 
ältesten heil, Schriften der Jainas schliessendes e und o anceps 
sind. Meine demnächst erscheinende ausgäbe des Äcäränga 
Sütra wird belege dafür in menge liefern. Hier haben wir 
also in einer viel älteren sprachperiode als der im Setubandha, 
Häla etc. vorliegenden unzweifelhaft kurz gemessenes e und o. 
An einfluss von Apabhram<ja ist da noch nicht zu denken. 

Ich glaube im vorhergehenden die unhaltbarkeit der Gold- 
schmidtschen hypothese zur genüge dargethan zu haben. Wenn 
dieselbe nicht einen cardlnalpunkt der präkritgrammatik beträfe 
und nicht von einem sonst so gründlichen kenner des präkrit 
aufgestellt worden wäre, würde ich derselben keine so ein- 
gehende und ernsthafte Widerlegung zu theil haben werden lassen. 

Münster i. W., 13. Mai 1881. 

H. Jacobi. 



Entgegnung. 

Hr. J. F. Kräuter hat in dem Mai-Juni-heft der Zeit- 
schrift f. Orthographie s. 201 f. meiner in dieser zs. XXV, 419 fif. 
veröffentlichten abhandlung: »lenuis und media« eine be- 
sprechung gewidmet, deren anfang lautet: »Herr J. Hoflfory 
hat sich bereits vor einigen jähren in derselben Zeitschrift be- 
kannt gemacht durch seine versuche in verschiedenen sprachen, 



i. Hoffbry, äntgegnutig. g^i 

namentlich im dänischen, flüsterlaute nachzuweisen. Leider 
sah er sich hinterher (s. Scherer, zur geschichte der deutschen 
spräche, 2. aufläge, anhang) zu dem eingeständnisse genöthigt, 
einmal, dass er nicht wusste was flüsterlaute sind, zweitens 
dass es im dänischen keine b, d, g, J (d. h. geflüsterte b, d, g, I) 
giebt. Wenn ein philologe einen angeblich diplomatisch ge- 
treuen abdruck einer von ihm entdeckten Horaz- oder Nibe- 
lungenhandschrift veröffentlichte und hernach zugeben müsste, 
dass er keine alten manuscripte zu lesen versteht und um sich 
aus der Verlegenheit zu helfen, kritiklos den Brücke'schen, 
wollte sagen Haupt'schen oder Zamcke'schen text nachgebetet 
hat, so würde sich jeder herausgeber einer fachzeitschrift hüten, 
von diesem manne weitere beitrage anzunehmen. Aber in der 
lautwissenschaft herrscht vor der band unbegrenzte gemüthlich- 
keit. So erhält denn herr Hoffory abermals das wort« etc. 

Ich erwidere darauf folgendes: 

Es ist eine nackte Unwahrheit, dass meine erstlings- 
arbeit den zweck verfolge »in verschiedenen sprachen, nament- 
lich im dänischen, flüsterlaute nachzuweisen«. Der betreffende 
aufsatz (»phonetische Streitfragen«, zs, f. vergl. Sprachforschung, 
XXIII, 525 — 58) behandelt in sechs capiteln resp. die mouil- 
lirten laute, die r-laute, die Waute, die nasale, die halbvocale, 
und die vocale, enthält aber durchaus keine Untersuchungen 
über die »flüsterlaute«. Es kömmt dieser ausdruck überhaupt 
nur ein einziges mal in der abhandlung vor, nämlich s. 536, 
wo ich ganz beiläufig in einer anmerkung erwähnte, dass 
die b-, d-y gr- laute im dänischen nicht wie in den meisten 
anderen sprachen wirklich tönend, sondern, wie man damals 
nach Brückes Vorgang allgemein sagte, geflüstert sind. Eine 
Untersuchung über die physiologische beschaffenheit der flüster- 
laute und über ihr vorkommen in den verschiedenen sprachen 
war aber durchaus nicht von mir beabsichtigt, noch hatte ich 
dazu nach der ganzen anläge meiner abhandlung die geringste 
veranlassung. Später jedoch, nach dem erscheinen meines auf- 
satzes, erkundigte sich prof. Scherer bei mir über die natur 
und das vorkommen der dänischen 6-, d-, ^-laute. üeber den 
letzteren punkt, der mir schon längst klar war, konnte ich so- 
gleich die erwünschten aufschlüsse geben; über die physio- 
logische beschaffenheit der betreffenden laute sprach ich mich 

ZeiUchrift flir vergl. Sprachf. N. F. VI. 3. 21 



340 l Schmidt, 

sg. und du. gebildet werden; als beispiele werden angeführt 
pl. mamsi, instr. mamsa, du. manbhyam. Der acc. sg. aber 
lautet mds RV. IV, 33, 4. V, 29, 8. Dass diese nasallose form 
älter als die Sprachtrennung ist, beweist lit. mesä. Dies kann 
nicht aus dem im preuss. vorliegenden mensa = abulg. m^o, 
got. mime entstanden sein, denn ens wird Bs, nicht es. Aus 
*mensa ist es ebensowenig herzuleiten, denn e = indog. ^ hätte 
nach' dem beim acc. pl. bemerkten vor ns verkürzt werden 
und dann ebenfalls *mesa, nicht mesä entstehen müssen, mesh 
ist also von dem indog. nom. m^s beeinflusst wie skr. mdmsdh 
von den casus obliqui des primitlvum, während preuss. mensa, 
got. mimZy abulg. m^o die dem oxytonierten secundärstarame 
von rechtswegen gebührende gestalt bewahrt haben (s. ztschr. 
XXVI, 16, wo m^Snsa verdruckt ist statt m^sä), 

3) Indog. mens- monat ergiebt sich aus lesb. ikijwoq^ (j^v- 
v«<r<r#, lat. gen. pl. m^nsum (Neue P 259 f.), mit apex MENS 
L R. N. 6546 (d. i. mBnsibiiS, W. Schmitz beitr. z. lat. sprach- 
und literaturkunde 8. 33). Lit. menü, mSnesio und got. m^na, 
mSnöps, welche die länge des vocals weiter bezeugen, werden 
demnächst zur spräche kommen. Das entsprechende skr. maths 
nehmen Grassmann wtb. und de Saussure (mömolre p. 120 note) 
in ved. mamgcatü- an (anders BR.). Der nom. lautet skr. mds 
= abaktr. maog-ca, mao, und von hier aus hat sich die nasal- 
lose form, welche in den cas. obl. nicht entstanden sein kann, 
auf alle casus, acc. mdsam = abaktr. mdonhem usw. und auf 
die ableitung mdsa-s = abaktr. maonhö, apers. gen. mahyä 
erstreckt. Auch abulg. mSs^ kann für indog. mes zeugen, 
muss es aber nicht (vgl. pSsUküj skr. päthsü-s u. a. voc. I, 85 f.). 

4) Der plural zu skr. gdm, abaktr. gäm, hom. argiv. ßcSv 
lautet übereinstimmend skr. gds, abaktr. gao, dor. ßcSg (ztschr. 
XXV, 19). 

5) Der altbaktrische nom. acc. pl. ntr. der os-stämme, z. b. 
vacao verhält sich zu skr. väcamsi genau wie skr. ndmä pl. zu 
ndmän-i, d. h. vacoo ist aus *v<icans entstanden. Im indischen 
ist die i-lose bildung ebenfalls erhalten, nur nicht mehr in 
pluralischer function. Wie der ursprüngliche plural ndma vedisch 
auch als nom. acc. sg. fungiert, so ist die arische pluralbildung 
auf 'OS singularisch gebraucht und nur in dieser Verwendung 
erhalten. Belegt wird sie durch die von Lanman Joum. Amer. 
Or. Soc. X, 560 verzeichneten nom. acc. sg. ntr. devävyacäs usw. 



Das sniAx des imrticipiiua perfecü actirl. 341 

Dem Verhältnisse von arisch vdcas zu plur. *vacäs entspricht 
das von q)aog : (powq, ^tyog : rigor- (griech. ^^tycog folgt aus 
^tycSpy welches nur aus ^Qtymsv, nicht "^^^yosv contrahiert sein 
kann; von ^tyoq ist hom. ^iyi^as abgeleitet wie von äXyoq «A- 
y^aag)^ lat. adör- : adör-, decus : decör-, skr. bhdrgas^ fulgur: 
ftUgör-, skr. dmhas : angör-, sQsvd-og : rübör-, rstxog, got. gadigis : 
figüra (weitergebildet wie auröra), got. sigis : ags. sigor u. a., 
wie ich hier nicht näher begründen kann; es sei auf das ver- 
wiesen, was Mahlow s. 74 nach meinen andeutungen ausge- 
führt hat. Also auch hier ist der nasal nachweislich schon in 
der Ursprache geschwunden. 

6) Skr. J(fe nachkommenschaft kann nur aus *jans entstanden 
sein. Dass der nasal nicht erst im skr. oder arischen ge- 
schwunden ist wie in jatd-, abaktr. zäta-, lehren dsa-novi^g, 
abulg. gos-podi = jds-pcUis. Eine nasallose >wurzel« hat nie 
bestanden, s. ztschr. XXV, 15 f. Weitere nominative auf -äs 
aus -ans oder -ams wird ein am Schlüsse dieser abhandlung 
folgender excurs nachweisen. 

Diese beispiele genügen wohl für den nachweis, dass nicht 
erst im arischen, sondern bereits in der Ursprache jeder nasal 
zwischen langem vocale und auslautendem s geschwunden ist. 
In diesem lautgesetze haben wir den schlüssel zur deciination 
der participia perfecti activi und der comparative. sidcig und 
abaktr. vfdhväo stammen, wie Brugman richtig gesehen hat, 
von einer schon in der Ursprache nasallosen form. Diese ist 
jedoch aus einer nasalierten entstanden und der acc. skr. 
vidvdmsam nicht im mindesten unursprünglicher als der nom. 
abaktr. vidhvao. 

Aber verbieten nicht skr. vidvdn und lit. padarens, den 
nom. schon für die Ursprache als vidvds anzusetzen? Durchaus 
nicht. Nehmen wir an, das skr. habe aus der Ursprache über- 
nommen nom. *vidvds, acc. vidvdmsam, dann die starken casus 
unter einander ausgeglichen, so dass der allein abweichende 
nom. sg. das volle suffix der übrigen wieder erhielt zu einer 
zeit, als das gesetz, welches indogermanisches -ans in -äs ge- 
wandelt hatte, längst ausser kraft war. Dann fiel dieser nom. 
vidvdfks unter das im sanskrit für auslautendes -^n$ geltende 
gesetz. Andere Zeiten, andere lautgesetze. Es giebt im sanskrit 
einige auslautende -ans, welche in der Ursprache sicher nicht 
so vorhanden waren, nämlich erstens solche, die in der ur- 



342 l Schmidt, 

spräche noch kurzen vocal vor ns hatten, und zweitens solche, 
die in der Ursprache zwar langen vocal aber noch einen con- 
sonanten hinter sich hatten, der erst durch das indische aus- 
lautsgesetz getilgt wurde. Beide sind völlig gleich und anders 
behandelt als die Ursprache auslautendes ns hinter langem 
vocale behandelt hatte: 1) d^^fhs tdtra, dgvamg ca^ äfvan dtra, 
df^an (speciellere nachweise bei Lanman on noun-inflection in 
the Veda, Journ. Americ. Orient. See. X, 346); 2) die durch 
die vrddhi des wurzelvocals als 3. sg. des sigmatischen , nicht 
des sogenannten einfachen aorists erwiesenen cUan (tan), ayan 
(yam) RV., denen Whitney gr. § 890 noch khan (khan), anän 
(nam) zufügt; vor vocalen steht ayän RV. VI, 71, 5; X, 139, 1; 
U, 38, 3, worin die nachwirkung des s noch klar ersichtlich ist 
(s. Whitney zu Ath. prat. II, 27). Genau so ist der im sanskrit 
neu gebildete nom. vidvdms behandelt: vidvdms tdtra, vidvdmg 
cUcüvdn, vor vocalen vidvän, im absoluten auslaut vidvdn (nach- 
weise bei Lanman 512). 

Im litauischen wären die indog. nom. -vOSj acc. "Vänsjn ^) 
lautgesetzlich zu ves (vgl. mes-ä), acc. -vens-im und mit der 
vor n -f- consonant gesetzmässigen Verkürzung -vens-im geworden, 
also nach schwund des v (s. 333) z. b. *sukes, *sukensim. Eine 
ähnliche dififerenz zwischen nom. und acc. bestand einst bei 
den part. praesentis. Bezzenberger (beitr. z. gesch. d. lit. spr. 
80. 157) führt aus Bretken einen zwar vereinzelten aber durch 
die Übereinstimmung mit den lettischen participialadverbien 
sedu sitzend usw. (Bielenstein K, 176. 277), abulg. s^y, griech. 
(piQwv legitimierten nom. sedu sitzend {u s= nasaliertem u) 
an ^). Dieser alte nom. auf -w ist durch einen aus dem acc, 
neu gebildeten auf ^-ants, heute -qs verdrängt worden. Gerade 
ebenso ist im part. perf. der alte nom. *-es durch den aus dem 
acc. neu gebildeten -*ens-s = heutigem -^ ersetzt. Über die 
weiteren Schicksale des accusativs wird später zu handein sein. 

Also skr. vidvdn und lit. suk^ widersprechen dem ansatze 
eines indog. nom. vidvds nicht. Ob dieser seinen nasal schon 
verloren hatte, ehe der accent die vocalisation der Ursprache 



^) Es sei gestattet das suffix vor der hand noch in seiner arische 
vocalisation aufzuführen. Wenn das consonantengerippe klar gestellt sein 
wird, sollen die vocale nach möglichkeit zu ihrem rechte kommen. 

*) Bezzenbergers herleitung des -u aus -ants verstösst gegen die laut- 
geselze. 



Das sufBx des iMurtieipliim perfeeti acÜTi. 34S 

durchgreifend omgestaltete, oder erst nach dieser periode, wird 
kaum zu entscheiden sein. Nehmen wir ersteres an, dann 
lagen, als der accent vorhergehende lange vocale zu kürzen 
begann, schon zwei Stammvariationen -vas und -väns- vor. 
Nach dem ztschr. XXV, 30 f. dargelegten accentgesetze konnten 
sich zu jeder von beiden zwei schwache formen entwickeln, je 
nachdem der accent die unmittelbar folgende oder die zweit- 
folgende silbe traf: 1) vds : vas -^ : ws - ^ , 2 j väns : vans ^ : uns - \ 
Die schwachen formen der ersteren vom nominativ ausge- 
gangenen reihe siegten dann schon in der Ursprache über die 
der letzteren. Nehmen wir dagegen an, der nominativ habe 
semen nasal erst nach fixierung des ablautes verloren, dann 
sind die zur herrschaft gelangten schwachen vas und us erst 
nach falscher analogie zu dem nasallos gewordenen nominative 
neu gebildet an stelle des früheren vans und uns. Dass ein 
lautgesetzlich aus ^ns oder öns entstandener nom. auf es oder 
üs schon in der Ursprache nasallose casus obliqui mit -es- her- 
vorrufen konnte, beweist die Übereinstimmung von ved. su-pra- 
jdsas mit äatf-notiigj abulg. gos-pocK von dem stamme indog. 
yö»s-, nom. yös = skr. jds (ztschr. XXV, 15 f. 145). Ein ent- 
sprechender indischer fall ist candrd-mas, welches schon vedisch 
alle casus obliqui mit -mos bildet, gen. candrd-^nasas usw. 
(Lanman a. a. o. 547. 555). Unursprüngliches eindringen von 
n in (A^pa, m^nsis wird wohl niemand annehmen wollen. 

An stelle des mittleren Stammes -vos- hat das skr. -vat-: 
vidvdtsu, vidvddbhis, welches seit Bopp mit griech. -or- : eiäovog, 
€id6(ft verbunden wird. Sichere anzeichen fähren darauf, dass 
auch im altbaktrischen dies -vat- einst vorhanden war (s.u.). Nach 
Brugman >muss« das t durch falsche analogie übertragen sein 
(ztschr. XXIV, 73. 79). Auch hier wie bei den ns enthaltenden 
formen verfahrt er nach dem grundsatze >divide et imperac Die 
indischen formen mit V€U erklärt er als »analogiebildungen nach 
den entsprechenden casus der van^-stämmec, vidvddbhis vidvdtsu 
nach padvddbhis padvdtsu (s. 72). Erinnern wir uns, dass 
auch vidvdmsam »auf einer association an die t;an^-stämme 
beruht« laut s. 90. Also dieselben van^-stämme , welche nach 
Brugman ursprünglich keinen einzigen casus hatten, der auf 
den entsprechenden der participia reimte, denen mithin jeder 
angriffspunkt fehlte, von dem aus sie die declination der parti- 
cipia beeinflussen konnten, sollen trotzdem diese nicht nur be- 



342 '. Schmidt» 

spräche noch kurzen vocal vor ns hatten, und zweitens solche, 
die in der Ursprache zwar langen vocal aber noch einen con- 
sonanten hinter sich hatten, der erst durch das indische aus- 
lautsgesetz getilgt wurde. Beide sind völlig gleich und anders 
behandelt als die Ursprache auslautendes ns hinter langem 
Tocale behandelt hatte: 1) dgvOfhs UUra, äevamgcay dgvan äira, 
df^an (speciellere nachweise bei Laninan on noun-inflection in 
the Veda, Journ. Americ. Orient. See. X, 346); 2) die durch 
die vrddhi des wurzelvocals als 3. sg. des sigmatischen , nicht 
des sogenannten einfachen aorists erwiesenen cUan (tan), ayan 
(yam) RV., denen Whitney gr. § 890 noch khan (khan), anan 
(nam) zufügt; vor vocalen steht ayän RV. VI, 71, 5; X, 139, 1; 
II, 38, 3, worin die nach Wirkung des s noch klar ersichtlich ist 
(s. Whitney zu Ath. prät. II, 27). Genau so ist der im sanskrit 
neu gebildete nom. mdvdms behandelt: vidväms tdhra, vidvdmg 
eiküvdn, vor vocalen vidvdn, im absoluten auslaut vidvdn (nach- 
weise bei Lanman 512). 

Im litauischen wären die indog. nom. -vOs, acc. -väns^ ^) 
lautgesetzlich zu ves (vgl. mes-d), acc. -vens-im und mit der 
vor n -f- consonant gesetzmässigen Verkürzung -vens-im geworden, 
also nach schwund des v (s. 333) z. b. *sukes, ^stdcensim. Eine 
ähnliche dififerenz zwischen nom. und acc. bestand einst bei 
den part. praesentis. Bezzenberger (beitr. z. gesch. d. lit. spr. 
80. 157) fuhrt aus Bretken einen zwar vereinzelten aber durch 
die Übereinstimmung mit den lettischen participialadverl)ien 
sedu sitzend usw. (Bielenstein K, 176. 277), abulg. s§dy, griech. 
(piQwv legitimierten nom. sedu sitzend {u ^= nasaliertem u) 
an ^). Dieser alte nom. auf -w ist durch einen aus dem acc. 
neu gebildeten auf ^-ants, heute -qs verdrängt worden. Gerade 
ebenso ist im part. perf. der alte nom. *-es durch den aus dem 
acc. neu gebildeten -*ens-s = heutigem -^ ersetzt. Über die 
weiteren Schicksale des accusativs wird später zu handeln sein. 

Also skr. vidvdn und lit. sük^ widersprechen dem ansatze 
eines indog. nom. vidvds nicht. Ob dieser seinen nasal schon 
verloren hatte, ehe der accent die vocalisation der Ursprache 



^) Es sei gestattet das suffix vor der hand noch in seiner ansehe 
vocalisation aufzuführen. Wenn das consonantengerippe klar gestellt sein 
wird, sollen die vocale nach möglichkeit zu ihrem rechte kommen. 

*) Bezzenbergers herleitung des -u aus -anta verstösst gegen die laut- 
gesetze. 



i)as sufBx des iMurtieipliim perfectt acUvi. 34S 

durchgreifend umgestaltete, oder erst nach dieser periode, wird 
kaum zu entscheiden sein. Nehmen wir ersteres an, dana 
lagen, als der accent vorhergehende lange vocale zu kürzen 
begann, schon zwei Stammvariationen -vOs und -väns- vor. 
Nach dem ztschr. XXV, 30 f, dargelegten accentgesetze konnten 
sich zu jeder von beiden zwei schwache formen entwickeln, je 
nachdem der accent die unmittelbar folgende oder die zweit- 
folgende silbe traf: 1) väs :vas^\ m5 - ^ , 2 j väns : vans ^ : uns - \ 
Die schwachen formen der ersleren vom nominativ ausge- 
gangenen reihe siegten dann schon in der Ursprache über die 
der letzteren. Nehmen wir dagegen an, der nominativ habe 
seinen nasal erst nach fixierung des ablautes verloren, dann 
sind die zur herrschaft gelangten schwachen vcis und as erst 
nach falscher analogie zu dem nasallos gewordenen nominative 
neu gebildet an stelle des früheren vans und uns, Dass ein 
lautgesetzlich aus ^ns oder öns entstandener nom. auf es oder 
öS schon in der Ursprache nasallose casus obliqui mit -es- her- 
vorrufen konnte, beweist die Übereinstimmung von ved. su-pra- 
jäsas mit daü-notiigj abulg. gos-pocK von dem stamme indog. 
yöns-y nom. yös = skr. jds (ztschr. XXV, 15 f. 145). Ein ent- 
sprechender indischer fall ist candrd-mas, welches schon vedisch 
alle casus obliqui mit -mos bildet, gen. candrd-^nasas usw. 
(Lanman a. a. o. 547. 555). Unursprüngliches eindringen von 
n in f^fva, mensis wird wohl niemand annehmen wollen. 

An stelle des mittleren Stammes -vas- hat das skr. -vat-: 
vidvdtsu, vidvddbhis, welches seit Bopp mit griech. -or- : eiöotog, 
Bid6(ft verbunden wird. Sichere anzeichen führen darauf, dass 
auch im altbaktrischen dies -vat- einst vorhanden war (s.u.). Nach 
Brugman >muss€ das t durch falsche analogie übertragen sein 
(ztschr. XXIV, 73. 79). Auch hier wie bei den ns enthaltenden 
formen verfahrt er nach dem grundsatze »divide et imperac Die 
indischen formen mit vat erklärt er als »analogiebildungen nach 
den entsprechenden casus der t;an^-stämme«, vidvddbhis vidvdtsu 
nach padvddbhis padvdtsu (s. 72). Erinnern wir uns, dass 
auch vidvdmsam >auf einer association an die t;an^-stämme 
beruht« laut s. 90. Also dieselben van^stämme, welche nach 
Brugman ursprünglich keinen einzigen casus hatten, der auf 
den entsprechenden der participia reimte, denen mithin jeder 
angriffspunkt fehlte, von dem aus sie die declination der parti- 
cipia beeinflussen kennten, sollen trotzdem diese nicht nur be- 



344 l Schmidt, 

einflusst sondern noch dazu auf drei verschiedene casus der 
angeblichen vos- stamme in drei verschiedenen weisen gewirkt 
haben, padväntam soll seinen nasal auf vidvdrhsam übertragen, 
das s aber unberührt gelassen, dagegen padvdtsu sein t an 
stelle des s in *vidvctssu gedrängt, endlich padvdtt auf vidüshl 
überhaupt nicht gewirkt haben. Ich übertreibe die skepsis 
wohl nicht, wenn ich dies für unglaublich erkläre. Im verfolg 
wird sich zeigen, dass in den hier erwähnten formen überhaupt 
keine einwirkung der van^-stämme stattgefunden hat, in anderen 
vielmehr die vöm-stämme auf die vatt^-stämme, nicht diese auf 
jene gewirkt haben. Nicht besser steht es mit der erklärung 
des griech. -or-. Wenn das griechische die von Brugman als 
ursprünglich geforderten formen *j:€tdj:6<sa usw. bewalirt und 
lautgesetzlich zu *«/deö, gen. att. *ei6ovgj dat. *£i6ot weiter ent- 
wickelt hätte, wäre eine »calamitätc eingetreten (s. 78), Wer 
sich erinnert^ dass a/dcJ, aidovg, aidoZ, ^c5 u. s. w. und die 
gleichlautenden casus der w- stamme ohne jegliche beschwerde 
ertragen sind, wird das Vorhandensein der >calamität« über- 
haupt nicht anerkennen. Um sie zu beseitigen, habe man das 
T von q>kQovx' übertragen. >Aber warum schuf die spräche 
nicht *€#d6vf:-, wie ja sonst nach der vollen analogie des prä- 
sens z. b. xexlfjyovTBg, nsipQintovxBq geschaffen wurde? Grund 
sind wohl die nominative tidtaq und sidog, indem sich zu diesen 
eine nasallose flexion besser schickte als eine nasalierte. Man 
vergleiche auch die Wörter wie %Qfig xgiOTog, yHrng yiXcoTog, 
von denen s. 29 die rede war: hier hat die flexion mit t eben- 
falls einen unbequemen hiatus beseitigt und die nominativform 
auf -mg erzeugte in den andern casus nur ein -r, kein -vr.c 
Die flexion yiXcdg yiXcoTog ist bekanntlich erst nachhomerisch 
an stelle der homerischen dat. yiX(p (yiXo$ t), acc. yiXfa (var. 
yik(av)y yikov getreten. Von der flexion xgdg xgcovog finden 
sich nur drei spuren bei Homer x^a)T6^ K 575, acc. xgcot" 
a Yl^, 179 gegenüber 19 x^ooc, 41 xQ^h 34 xßoa, also drei xp«v- 
gegenüber vierundneunzig laut Brugman »unbequemenc ;cpo-. 
Hiemach ist die flexion x^wto^, wenn überhaupt homerisch, 
jedesfalls erst in der spätesten zeit der epischen dichtung ein- 
getreten. Bei Homer giebt es kein einziges wort der flexion 
nom. -«$, gen. -oxog, nach dessen muster die participia, welche 
auch bei ihm nie anders als -mgy -ozog (mzog) flectieren, neu 
gebildet sein könnten. Wenn also überhaupt eine beziehung 



Das suffix des t)ari]dpiaili perfecti acüvi. 346 

zwischen der flexion xgcotög und stdotoq besteht, dann kann 
augenscheinlich nur erstere nach letzterer (xQfaq^ %Qm%6g nach 
fji€(Aacüg, (A€(Aa(STog) gebildet sein, nicht umgekehrt. Zu den 
von Brugman nicht erklärten indischen und griechischen formen 
kommt endlich eine von ihm übersehene gotische. Den ur- 
sprünglich consonantischen stamm veüvöd- zeuge hat Bühler 
or. u. occ. n, 341 f. als altes part, perf. erkannt. Der nom. 
pl. galiuga-veUvöds I Cor. 15, 15 entspricht fast laut für laut 
dem griech. jsidovsg. 

Wer die Übereinstimmung des skr. -vat-, griech. -ot- und 
got. 'Vöd' vorurtheilsfrei ansieht, wird auch hier zu dem 
Schlüsse gedrängt, dass das t schon in irgend einer form der 
Ursprache vorhanden gewesen ist. Ob das verhältniss dieses t 
zu dem s anderer casus erklärt werden kann, ist eine davon 
ganz unabhängige frage, deren eventuelle Verneinung an seinem 
thatsächlichen bestehen nichts ändert. Überdies steht es 
keineswegs vereinzelt. Schon Bopp (vgl. gr. IIP, 158 f.) hat 
mit recht ved. mOdhhls und mhddbhis als analoga zu vidvddbhis 
angeführt. Auch deren t oder d ist nicht auf das indische be- 
schränkt, fjtshdd'bhis steht, abgesehen von der ztschr. XXV, 23 
erklärten differenz der Wurzelsilben, zu eond-'-ivog (aus *^o-d^'tvog) 
in genau dem selben Verhältnisse wie mahäd-bhis zu (Aiya&'og, 
Als dritter bürge für das alter des t oder d treten wieder die 
germanischen sprachen ein: ags. edst im Osten, an. aust-, ahd. 
öst' in comp., an. aastan, ags. edstan, ahd. östana von osten. 
Skr. mds bedeutet mond und monat, im griech. hat /i^v nur 
die letztere bedeutung behalten, erstere wird durch fi^vii ver- 
treten, ebenso hat das germanische zwei worte got mSna, an. 
mani, ags. möna, ahd. mano mond und got. mSnöps, an. matMdr, 
ags. mönaä, ahd. mänoth, manod monat. Im gotischen sind 
folgende casus belegt: nom. menöps, dat. menöp, pl. dat. 
menöpum, acc. mdndps. Aus dieser deutlich consonantischen 
flexion, deren spuren sich auch im nordischen gen. sg. manaär, 
nom. acc. plur. mäfiaär erhalten haben, ergiebt sich, dass 
der nom. sg. inenöps ebenso wenig ursprünglich sein kann 
wie galitya-veitvöds, frijönds, bairands. Denn stamme auf 
t haben im germanischen ursprünglich kein nominativ-s in 
vielleicht nicht zufalliger Übereinstimmung mit dem skr., an. 
nefi, ahd. nefo = skr. ndpat, got. taihun = skr. dofdt (accent 
im germanischen wie in lit. disginU, russ. disjafi)^ ahd. ean =» 

Zeitschrift Ar TOigl. Sprachf. N. F. VI. 4. 23 



344 J. Schmidt, 

einflusst sondern noch dazu auf drei verschiedene casus der 
angeblichen vos- stamme in drei verschiedenen weisen gewirkt 
haben, padvdntam soll seinen nasal auf vidvdmsam übertragen, 
das s aber unberührt gelassen, dagegen padvdtsu sein t an 
stelle des s in *vidvctssu gedrängt, endlich padvät% auf vidüshl 
überhaupt nicht gewirkt haben. Ich übertreibe die skepsis 
wohl nicht, wenn ich dies für unglaublich erkläre. Im verfolg 
wird sich zeigen, dass in den hier erwähnten formen überhaupt 
keine einwirkung der i;an^-stämme stattgefunden hat, in anderen 
vielmehr die vöm-stämme auf die vatt^-stämme, nicht diese auf 
jene gewirkt haben. Nicht besser steht es mit der erklärung 
des griech. -or-. Wenn das griechische die von Brugman als 
ursprünglich geforderten formen */«*^/o<ra usw. bewahrt und 
lautgesetzlich zu *«#deö, gen. att. *€#dof^, dat. *si6oX weiter ent- 
wickelt hätte, wäre eine »calamitätc eingetreten (s. 78). Wer 
sich erinnert^ dass a/doJ, aidovg, aidoT^ ^(5 u. s. w. und die 
gleichlautenden casus der w- stamme ohne jegliche beschwerde 
ertragen sind, wird das Vorhandensein der >calamität« über- 
haupt nicht anerkennen. Um sie zu beseitigen, habe man das 
T von g)iQovt- übertragen. »Aber warum schuf die spräche 
nicht *6id6vT'j wie ja sonst nach der vollen analogie des prä- 
sens z. b. xexkijyoPTsg, nsffQixovteg geschaffen wurde? Grund 
sind wohl die nominative eidoig und sidog, indem sich zu diesen 
eine nasallose flexion besser schickte als eine nasalierte. Man 
vergleiche auch die Wörter wie x^aJc %Q(a%6g, yiXfag yikwtog, 
von denen s. 29 die rede war: hier hat die flexion mit t eben- 
falls einen unbequemen hiatus beseitigt und die nominativform 
auf -mg erzeugte in den andern casus nur ein -r, kein -vr.c 
Die flexion yiX(og yiXwrog ist bekanntlich erst nachhomerisch 
an stelle der homerischen dal. yiX(a (yilot t), acc. yiX(a (var. 
y6Xwv\ yikov getreten. Von der flexion XQ^^ XQ^^og finden 
sich nur drei spuren bei Homer x^^^^g K 575, acc. x^wv* 
tf 172. 179 gegenüber 19 x^odc, 41 xQot, 34 xßoa, also drei x^wt- 
gegenüber vierundneunzig laut Brugman »unbequemenc x?o-. 
Hiernach ist die flexion xQwtog, wenn überhaupt homerisch, 
jedesfalls erst in der spätesten zeit der epischen dichtung ein- 
getreten. Bei Homer giebt es kein einziges wort der flexion 
nom. -mg, gen. -ovog, nach dessen muster die participia, welche 
auch bei ihm nie anders als -cog, -ovog (mzog) flectieren, neu 
gebildet sein könnten. Wenn also überhaupt eine beziehung 



Das suffix des pariidpiam perfecti activi. 346 

zwischen der flexion XQ^^^^ ^^^ stdotog besteht, dann kann 
augenscheinlich nur erstere nach letzterer (xQf^Q^ XQ^^^^ ^^^h 
ficfiacig, (AefAacoTog) gebildet sein, nicht umgekehrt. Zu den 
von Brugman nicht erklärten indischen und griechischen formen 
kommt endlich eine von ihm übersehene gotische. Den ur- 
sprünglich consonantischen stamm veüvöd- zeuge hat Bühler 
or. u. occ. II, 341 f. als altes part. perf. erkannt. Der nom. 
pl. galinga-veüvöds I Cor. 15, 15 entspricht fast laut für laut 
dem griech. jstdoTsg. 

Wer die Übereinstimmung des skr. -vai-, griech. -or- und 
got. 'Vöd' vorurtheilsfrei ansieht, wird auch hier zu dem 
Schlüsse gedrängt, dass das t schon in irgend einer form der 
Ursprache vorhanden gewesen ist. Ob das verhältniss dieses t 
zu dem s anderer casus erklärt werden kann, ist eine davon 
ganz unabhängige frage, deren eventuelle Verneinung an seinem 
thatsächlichen bestehen nichts ändert. Überdies steht es 
keineswegs vereinzelt. Schon Bopp (vgl. gr. IIP, 158 f.) hat 
mit recht ved. mOdbhis und mhddbhis als analoga zu vidvddbhis 
angeführt. Auch deren t oder d ist nicht auf das indische be- 
schränkt, ushdd'bhis steht, abgesehen von der ztschr. XXV, 23 
erklärten differenz der Wurzelsilben, zu eon-^-ivog (aus *^o-d^'tvog) 
in genau dem selben Verhältnisse wie mahäd-bhis zu (Aiyad-'og. 
Als dritter bürge für das alter des t oder d treten wieder die 
germanischen sprachen ein: ags. edst im osten, an. aust-, ahd. 
öst- in comp., an. atistan, ags. edstan, ahd. östana von osten. 
Skr. mäs bedeutet mond und monat, im griech. hat fi^v nur 
die letztere bedeutung behalten, erstere wird durch fji^vii ver- 
treten, ebenso hat das germanische zwei worte goL mSna, an. 
mäni, ags. möna, ahd. mano mond und got. mSnöps, an. manaär, 
ags. mönaä, ahd. manoth, manod monat. Im gotischen sind 
folgende casus belegt: nom. menöps, dat. menöp, pl. dat. 
menöpum, acc. mSndps. Aus dieser deutlich consonantischen 
flexion, deren spuren sich auch im nordischen gen. sg. manaär, 
nom. acc. plur. manaär erhalten haben, ergiebt sich, dass 
der nom. sg. menöps ebenso wenig ursprünglich sein kann 
wie gaUuga-veitvöds, frijönds, bairands. Denn stamme auf 
t haben im germanischen ursprünglich kein nominaliv-s in 
vielleicht nicht zufalliger Übereinstimmung mit dem skr., an. 
nefi, ahd. nefo = skr. ndpat, got. taihun = skr. dagdt (accent 
im germanischen wie in lit. disgimt, russ. desjaPC^ ahd. ean =» 

Zeitschrift Ar veigl. Sprachf. N. F. VI. 4. 23 



346 ^' Schmidt, 

skr. ddn (zand ist urspr. acc. = ddntam), s. Mahlow 97. 158. 
Wie skr. nä;p(it, lat. nepds lautgeselzlich zu an. tJ6/i, ahd. nefo 
geworden und wegen des Zusammentreffens mit dem nom. der 
n-stämme in deren analogie übergetreten ist, so ist der alte 
nominativ "^nienöt zu got. mena, an. mOni, ahd. mano geworden 
und hat dann n-casus entwickelt. Der eine stamm menöp-, 
welcher wie skr. mos mond und monat bedeutete, bat sich so 
in zwei stamme gespalten, von denen jeder nur eine der beiden 
bedeutungen erhielt. Eine haltbarere erklärung des Stammes 
menan- ist mir nicht bekannt, denn die herleitung aus 
*fnenS'an verstösst gegen die lautgesetze, und eine von allem 
anfange an s-lose grundform aufzustellen verbietet die in allen 
übrigen sprachen auf s auslautende bezeichnung des mondes 
und monats. Im litauischen musste der alte nom. *menöt zu 
menu werden, welches noch beide bedeutungen mond und 
monat hat. Für die bisherige annähme, dass menu aus *menun 
entstanden sei, beweist das dialektische minung (Eurschat gr. 
§ 731) ebenso wenig wie sesung des selben dialekts jemand be- 
wegen wird sesu nicht aus *sesur herzuleiten. Gegen sie fallt 
ins gewicht, dass das preussische zwar ioundan, cUidan, semen = 
liL vandu, semü hat, aber kein *menen oder '^menan, sondern 
das noch nicht erklärte menig monat, dessen emendation in 
wenius (Nesselmann) ebenso wenig wie die Paulische in meni£f 
= minesis (beitr. VII, 205 f. lit. e suffixaler silben wird nicht 
», s. beitr. VI, 433) befriedigt Nur bei unserer erklärung ist 
ferner die fiexion menu, gen. m'Snesio einigermassen begreiflich. 
Den Zusammenhang von menes- mit dem mens- des lat. griech., 
welches im arischen vom nom. aus die nasallose form in alle 
casus verschleppt hat, wird wohl niemand bezweifeln. Wie 
meneS" zu skr. mds verhält sich germ. lit. "^menöt- zu skr. med-. 
Die zweisilbigen nordeuropäischen formen können darauf führen, 
dass die älteste indog. zeit einen doppelt ablautenden stamm 
menös : menes : m^ns = *aij:wa-a (aiü) ; *atfs(S-i (ahi) : äffus 
(ztschr. XXV, 24. 30 f.) besass. Jedesfalls aber gab es daneben 
schon in der Ursprache einen nom. mes aus mens, wie d^ nur 
so erklärbare vertust des nasals in arisch mos beweist Die 
processe, deren Wirkungen wir hier vor uns sehen, haben sich 
in Zeiten vollzogen, welche an der grenze unserer erkenntniss 
liegen. Durch spätere ausgleichungen sind ihre Wirkungen 
einerseits da, wo sie bestanden, verwischt, andererseits dahin 



Das suflix des participium perfecti activi. 347 

verschleppt, wo sie ursprünglich nicht berechtigt waren ; hand- 
greifliche Sicherheit über ihre entwickelung im einzelnen ist 
also, jetzt wenigstens, nicht zu erlangen. Zweifellos aber ergiebt 
sich aus der Übereinstimmung von vidvdtsu, sidoTog, veüvöds, 
von ushädhhis, ecoü^ivog, aust- und von madbhis, menöfi-, lit. 
menü(t), dass in der Ursprache s unter irgend welchen be- 
dingungen zu t oder d geworden ist. Dass nicht mehr spuren 
dieses lautwandels erhalten sind^), spricht nicht im mindesten 
gegen seine existenz. Wenn zusammengehörige formen durch 
Wirkung irgend eines lautgesetzes verschiedene gestalten ge- 
wonnen haben, dann gleichen sich diese nur zu oft nach ab- 
lauf des gesetzes wieder aus. Dies ist ein grundzug aller 
Sprachgeschichte, der gar keines beleges bedarf. Ich erinnere 
nur an die zahlreichen Verwischungen der alten ablautsverhält- 
nisse, an nhd. war, waren aus was, wären, an die entgegen- 
gesetzten ausgleichungen von arisch pakämi, pacasi einerseits 
zu skr. pdeami, pdcasi (ztschr. XXV, 104), andererseits zu zigeun. 
pekdv, pekes (Miklosich anzeiger der Wiener akad. 1879 
s. 90) u. s. w. Im skr. wird auslautendes as je nach dem an- 
laute des folgenden Wortes verschieden behandelt, im päll 
aber ist eine dieser Wandlungen (q) überall durchgeführt. So 
wird in der Ursprache stammauslautendes s vor verschieden 
anlautenden casussufflxen theils bewahrt, theils in t über- 
gegangen, im skr. aber die ^Wandlung bis auf die genannten 
und noch zu nennenden reste wieder verwischt, s hergestellt 
und dies dann nach neuen gesetzen umgestaltet sein. Aus 
dem Widerspruche zwischen vidvdtsu, vidvddbhis, ashddbhis, 
mädbhis und mänassu, mdnöbhis, ydvlyohhis folgt keineswegs, 
wie Brugman s. 70 meint, dass erstere nicht auf lautgesetz- 
lichem Wege aus ^vidvassu u. s. w, entstanden sein können, 
sondern nur, dass sie einem anderen gesetze als mdnassu, 
*mdnashhis unterworfen gewesen sind. Und da eine und die 
selbe lautgruppe in verschiedenen sprachperioden nach ver- 
schiedenen gesetzen umgestaltet wird, so ist nur zu schliessen, 
entweder dass vidvdtsu zu einer anderen zeit aus "^vidva^su ent- 
standen ist als mdnassu, mdnahsu aus manas -f su, oder dass 



^) Eine weitere spur desselben ist wohl in dem Verhältnisse von 
nviT^iOf nvria zu skr. ptyushü'f ahd. biost nachweisbar, auf dessen erörte- 
rung als zu weit abseits führend ich hier verzichten muss. 

23* 



348 3' äcbmidt, 

« 

in ersterem ss unter irgend einer bedingung stand, welche letz- 
terem fehlte, und dass diese bedingung an der verschiedenen 
behandlung beider schuld ist. vidvdtsu kann ein indogerma- 
nisches gesetz, mdnassu ein indisches repräsentieren. Wenn 
jemand aus dem erhaltenen tt von ahd. qucMa, anord. veiUa 
schliessen wollte, wie Begemann (das schwache Präteritum s. 56) 
gethan hat, dass das st von toista nicht aus zwei dentalen 
verschlusslauten entstanden sei, oder aus dem erhaltenen rs in 
lat. vorsi^, dass das rr von tarreo nicht aus rs entstanden sei, 
so würde heute jeder den historischen irrthum als solchen 
erkennen. Principiell auf der selben stufe steht Brugmans 
schluss. 

Suchen wir nun zu ermitteln, vor welchen suffixen der 
Übergang des s in den verschlusslaut stattgefunden hat. Das 
griechische mit seinem durch alle casus verschleppten t kann 
uns den weg nicht weisen. Nach dem thatsachlichen bestände 
des skr., den wir nicht ohne grund verlassen dürfen, kommen 
in frage die mit bh und s anlautenden sufßxe des plurals und 
duals und der nom. acc. sg. ntr. Letzterer scheidet aber so- 
fort aus, wenn man erwägt, dass auslautendes 8 hinter vocalen 
sonst stäts bewahrt ist, daher auch der andere suffixlose 
casus, der voc. sg. m,, im RV. noch -vas lautet und dem ent- 
sprechend das neutrum im griechischen -og, dass also das in- 
dische ntr. 'Vat sein t erst durch unursprüngliche Vorgänge er- 
halten hat. Ausser vidvddbhis, vidvdtsu, ushddbhis, mädbhis 
zeigen den lautwandel madbhyds AV. III, 10, 10. XIX, 27, 2 
(dagegen mossu Paiicav. Br. IV, 4, 1, mOsü TS. VII, 6, 2, 2, 
Lanman p. 497), ferner zwei formen, welche sich demnächst 
als unursprüngliche analogiebildungen herausstellen werden, 
svdtavadbhyas VS. XXIV, 16; Käth. XXXVI, 1 ; gänkh. HI, 13, 9. 
Käty. V, 1, 16 (dagegen svdUavöhhyas ^atap. II, 5, 1, 14, 
A, Weber beitr. IE, 388 , Lanman p. 566 f.), svdvadbhis nach 
angäbe der grammatiker (s. Böhtlingk zu Pän. VTI, 4, 48), 
endlich werden die als nominalstämme gebrauchten wurzeln srams 
und dhvams im wortauslaute und vor den mit Vh und s anlau- 
tenden Casussuffixen zu srat, dhvat. Ausserhalb der declination 
zeigen den fraglichen lautwandel die composita ducchüna (dus 
-}- fwno- AV. prät. II, 61), PdrucchBpch (pdrus -f- {^pa-) und die 
verbalformen vatsydmi, dvatsam (vas) , jighatsati (des. von 
ghas), vgl. A. Kuhn ztschr. I, 273; A. Weber beitr, m, 387 f. 



Das Suffix des participium peifecti activl. 349 

Eventuell kommt noch in frage anad-vdh- aus dnas = lat. onus, 
dessen d aus d entstanden sein kann wie in padbhis, pddvlQc^ 
pädbiga-. Lassen wir es wegen des unaufgeklärten linguallautes, 
der es auf jeden fall von den einen dental enthaltenden Worten 
trennt, beiseite, so findet sich ein dentaler verschlusslaut an 
stelle von s ausserhalb der declination nur vor s und g. Dazu 
stimmen zwei sandhi-erscheinungen auf das beste. AV. prät. 
II, 9 lehrt, dass hinter auslautendem n vor folgendem s ein t 
eingeschoben wird. Whitney zu der stelle und gramm. § 207 
betrachtet dies t als einen zwischen n und s physiologisch ent- 
wickelten übergangslaut ähnlich dem d in ävÖQog. Dies steht 
aber im Widerspruche mit den sonst zwischen n und s wal- 
tenden beziehungen. Wenn statt asmdn vor folgendem t die 
ältere form asmdths erscheint, so beweist dies, dass n und s 
keiner vermittelung bedurften, dass also in fällen wie asmdnt 
samaryt pavamäna cödaya RV. IX, 85, 2, tdnt satydujäh AV. 
IV, 36, 1 das t nicht zur vermittelung von n und s entwickelt 
Ist. Auslautendes n ist entweder ursprüngliches n (in den vo- 
cativen und locativen der n-stämme), oder ursprüngliches ns (in 
den acc. pl, und nom. sg.) oder ursprüngliches nt (in der 3. 
pl. oder sg. von verbalformen). Der letzte fall ist unmittelbar 
klar, in dgant saman^ RV, X, 10, 7, agant sumaür X, 40, 12, 
ahant sdhasa I, 80, 10 ist das t der personalendung unter dem 
schütze des folgenden s erhalten. In der zweiten kategorie 
asmdnt samaryt ist das alte ns ebenfalls unter dem schütze 
des folgenden s vor der reduction auf n bewahrt, das s aber 
vor dem folgenden s ixx t geworden wie in vatsydmi. Die erste 
kategorie endlich hat, als der grund des in den beiden anderen 
scheinbar eingeschobenen t vergessen war, es von diesen über- 
nommen, rdjant söma RV. I, 91, 4, gerade so wie sie das vor 
folgendem t scheinbar eingeschobene s (rajams tatra) aus den 
Verbindungen, in welchen es berechtigt war (agvams tatra), 
übernommen hat. Ferner ergiebt sich aus AV. prät. II, 10 
und 17, dass -n g- za -ä cä- wird. Whitney hat diese er- 
scheinung mit recht als der eben besprochenen analog erklärt, 
an einschub eines lautes ist aber auch hier aus den selben 
gründen wie vorher nicht zu denken: asmdü chatrüyattm äbM 
AV. m, 1, 3 ist zunächst aus tismdnt g- und dies aus asmdns 
Q- entstanden genau wie ducchüna aus dus 4- guna-. Also im 
sandhi wie im innem der worte haben wir den Übergang von 



348 1' Schmidt, 

in ersterem ss unter irgend einer bedingung stand, welche letz- 
terem fehlte, und dass diese bedingung an der verschiedenen 
behandlung beider schuld ist. vidvdtsu kann ein indogerma- 
nisches gesetz, mdnassu ein indisches repräsentieren. Wenn 
jemand aus dem erhaltenen tt von ahd. quatta^ anord. veitta 
schliessen wollte, wie Begemann (das schwache Präteritum s. 56) 
gethan hat, dass das st von wista nicht aus zwei dentalen 
verschlusslauten entstanden sei, oder aus dem erhaltenen rs in 
lat. vorms, dass das rr von torreo nicht aus r$ entstanden sei, 
so würde heute jeder den historischen irrthum als solchen 
erkennen. Principiell auf der selben stufe steht Brugmans 
schluss. 

Suchen wir nun zu ermitteln, vor welchen suffixen der 
Übergang des s in den verschlusslaut stattgefunden hat. Das 
griechische mit seinem durch alle casus verschleppten x kann 
uns den weg nicht weisen. Nach dem thatsächlichen bestände 
des skr., den wir nicht ohne grund verlassen dürfen, kommen 
in frage die mit hh und 8 anlautenden suffixe des plurals und 
duals und der nom. acc. sg. ntr. Letzterer scheidet aber so- 
fort aus, wenn man erwägt, dass auslautendes s hinter vocalen 
sonst stäts bewahrt ist, daher auch der andere suffixlose 
casus, der voc. sg. m., im RV. noch -vas lautet und dem ent- 
sprechend das neutrum im griechischen -oq, dass also das in- 
dische ntr. "Vat sein t erst durch unursprüngliche Vorgänge er- 
halten hat. Ausser vidvddbhis, vidvdtsu, ushddbhis, madbhis 
zeigen den lautwandel madbhyds AV. III, 10, 10. XIX, 27, 2 
(dagegen mossu Paiicav. Br. IV, 4, 1, mOsü TS. VII, 6, 2, 2, 
Lanman p. 497), ferner zwei formen, welche sich demnächst 
als unursprüngliche analogiebildungen herausstellen werden, 
svdtavadbhyas VS. XXIV, 16; Käth. XXXVI, 1 ; gänkh. III, 13, 9. 
Katy. V, 1, 16 (dagegen svätavöbhyas Qatap. II, 5, 1, 14, 
A. Weber beitr. IE, 388 , Lanman p. 566 f.), svdvadbhis nach 
angäbe der grammatiker (s. Böhilingk zu Pän. VII, 4, 48), 
Bndlich werden die als nominalstämme gebrauchten wurzeln srams 
und cOivams im wortauslaute und vor den mit bh und 8 anlau- 
tenden Casussuffixen zu srcU, dhvat. Ausserhalb der declination 
zeigen den fraglichen lautwandel die composita ducchunä (du8 
-}- fwno- AV. prät. H, 61), PdnMch^pa- (pdrus -f- fepa-) und die 
verbalformen vatsydmi, dvatsam (vas) , jighatsati (des. von 
ghas), vgl. A. Kuhn ztschr. I, 273; A. Weber beitr. m, 387 f. 



Das Suffix des participium peifecti activl. 349 

Eventuell kommt noch in frage anad-väh- aus dnas = lat. (ynm, 
dessen d aus d entstanden sein kann wie in padbhis, pädvlgch- 
pddblga-. Lassen wir es wegen des unaufgeklärten linguallautes, 
der es auf jeden fall von den einen dental enthaltenden Worten 
trennt, beiseite, so findet sich ein dentaler verschlusslaut an 
stelle von s ausserhalb der declination nur vor s und g. Dazu 
stimmen zwei sandhi-erscheinungen auf das beste. AV. prät. 
II, 9 lehrt, dass hinter auslautendem n vor folgendem s ein t 
eingeschoben wird. Whitney zu der stelle und gramm. § 207 
betrachtet dies t als einen zwischen n und s physiologisch ent- 
wickelten übergangslaut ähnlich dem d in dvÖQog. Dies steht 
aber im Widerspruche mit den sonst zwischen n und s wal- 
tenden beziehungen. Wenn statt asmän vor folgendem t die 
ältere form asmdms erscheint, so beweist dies, dass n und s 
keiner vermittelung bedurften, dass also in fällen wie asmänt 
samaryt pavamäna cödaya RV. IX, 85, 2, tdnt scUyäujäh ÄV. 
IV, 36, 1 das t nicht zur vermittelung von n und s entwickelt 
Ist. Auslautendes n ist entweder ursprüngliches n (in den vo- 
cativen und locativen der n-stämme), oder ursprüngliches ns (in 
den acc. pl. und nom. sg.) oder ursprüngliches nt (in der 3. 
pl. oder sg. von verbalformen). Der letzte fall ist unmittelbar 
klar, in dgant samant RV. X, 10, 7, agant sumaür X, 40, 12, 
dhant sdhasa I, 80, 10 ist das t der personalendung unter dem 
schütze des folgenden s erhalten. In der zweiten kategorie 
asmänt samaryt ist das alte ns ebenfalls unter dem schütze 
des folgenden s vor der reduction auf n bewahrt, das s aber 
vor dem folgenden s tm t geworden wie in vatsyämi. Die erste 
kategorie endlich hat, als der grund des in den beiden anderen 
scheinbar eingeschobenen t vergessen war, es von diesen über- 
nommen, rdjant söma RV. I, 91, 4, gerade so wie sie das vor 
folgendem t scheinbar eingeschobene s (rajams tatra) aus den 
Verbindungen, in welchen es berechtigt war (oQväms teUra), 
übernommen hat. Femer ergiebt sich aus AV. prät. II, 10 
und 17, dass -n g- za -fi ch- wird. Whitney hat diese er- 
scheinung mit recht als der eben besprochenen analog erklärt, 
an einschub eines lautes ist aber auch hier aus den selben 
gründen wie vorher nicht zu denken: asmdü chairüyattm abhl 
AV. ni, 1, 3 ist zunächst aus tismdnt g- und dies aus asmdns 
c- entstanden genau wie duccMna aus dus 4- ^>}^* Also im 
sandhi wie im innern der worte haben wir den Übergang von 



350 J- Schmidt, 

5 in einen dentalen verschlusslaut ausserhalb der declination 
nur vor s und g. Wäre vidvat-, vidvad- aus vidvas- im sonder- 
leben des indischen entstanden, so könnte demnach die Wand- 
lung lautgesetzlich nur im loc. pl. eingetreten und der ver- 
schlusslaut von da in den instr. dat. abl. pl. du. übertragen 
sein wie der guttural von diksM u. a. auf dighhis übertragen 
ist (ztschr. XXV, 119), Der lautwandel ist nun zwar indo- 
germanisch, da jedoch auch die stamme «»doir-, veUv^, m&nöp-, 
s(o&' nur von einem casus ausgegangen sein können, in welchem 
t, nicht d, durch das casussuffix bedingt war, der einzige über- 
lieferte casus der art aber der loc. pl. ist — aust- widerspricht 
wenigstens nicht — , so werden wir das resultat, zu welchem die 
indische lautlehre führt, auch für die Ursprache annehmen dürfen. 
Man wird dagegen einwenden, dass zu nshäcß^his, madbhis 
keine locative *tishatsu, *mat8u überliefert sind und dass die 
grammatiker bei svdvtis, svdtavas den wandel nur für die mit 
bh anlautenden casussuffixe angeben. Dies kann jedoch auf 
reinem zufall beruhen. Die locative aller dieser stamme sind 
naturgemäss seltener gebraucht als die übrigen pluralcasus, 
zufallig kamen sie in den texten, aus welchen die grammatiker 
ihre angaben zogen, überhaupt nicht vor. Wäre das part. perf. 
act. im nachvedischen sanskrit wie im lateinischen oder ger- 
manischen ausser gebrauch gekommen, dann würden uns die 
grammatiker gerade so, wie sie nur ushddbhis, madbhis über- 
liefern, auch nur berichten, dass diese participia im instr. pl. 
-vad- gehabt haben, denn das im RV. dreimal belegte jägr- 
vddbhis ist die einzige vedische form, welche diesen wandel 
zeigt (Lanman 514), der dat. abl. pl., loc. pL, dat. abl. du. 
sind zufallig von keinem dieser participia in den Veden bel^. 
Wird daraus jemand den schluss ziehen, das diese casus ve- 
disch anders gelautet haben als später ? Aber selbst wenn die 
grammatische tradition nicht auf zufall beruht, wenn die loca- 
tive in ältester zeit nicht nur nicht belegt wären, sondern 
positiv ushdssu u. s. w. gelautet hätten, würde ein daraus gegen 
die obige erklärung entnommener einwand nicht schwer wiegen. 
Schon die lehren der präti^äkhyen und der von ihnen citierten 
autoritäten über die oben herbeigezogene sandhi-erscheinung, 
welche Whitney zu AV. pr. II, 9 und 17 zusammengestellt hat, 
stimmen nicht überein, indem die einra den »einschubc vor- 
schreiben die anderen nicht, und PSmni Vm, 3, 30. 31 erklärt 



Das Suffix des participium perfecti activi. 351 

ihn nur fär facultativ, nicht für obligatorisch. Daraus folgt, 
dass die dissimilation von ss, sg zwischen zwei Worten zu ts, 
*tc, cch in der zeit, aus welcher unsere ältesten traditionen 
stammen, schon im schwinden begriffen war, wir also auch nicht 
erwarten dürfen sie im wortinnern überall da, wo sie einst 
bestanden hat, erhalten zu sehen. Diese spätere zeit stellte ss 
nach massgabe der anderen casus wieder her (mässu, mäsü 
statt *matsu), unterliess die restitution aber vor bh (mädbhis). 
Consequenz darf man bei solchen rückläufigen entwickelungen 
nie erwarten. Der grund der inconsequenz ist uns ebenso un- 
erreichbar wie der, welcher vidvdtsu, vatsydmi, jighatsaU 
in alter form erhielt. Ebenso wenig ist noch zu ermitteln, 
unter welchen bedingungen ss zu ts ward, denn dass jedes ss 
einst diese Wandlung erfahren habe, wird man angesichts der 
wenigen erhaltenen beispiele nicht behaupten können. Die 
declinationsbeispiele lassen auf mitwirkung eines vorhergehenden 
nasals schliessen im einklange mit dem alten sandhigesetze. 
Aber wxtsydmi, jlghatsaii, dttcchüna, Fdrucchepa-? Ersichtlich 
sind die Schöpfungen des alten gesetzes durch anders gerichtete 
tendenzen späterer perioden so umgestaltet, dass wir auf erlangung 
voller klarheit kaum hoffen dürfen. Aber genug können wir 
noch sehen, um mit aller entschiedenheit zu behaupten, dass 
hier ein altes indogermanisches gesetz zu gründe liegt. 

Nun zu den vocalen. siädg und veüvöds führen auf ö in 
den starken casus (got. ö = urspr. ö wie in fötus, fidvdr, menöp-, 
bairös, ahd. chtio). Dazu stimmt das preussische, welches die 
endung hinter vocalen als Hvuns, häufiger -uns, hinter conso- 
nanten als -ons, seltener -uns oder -ans hat: klantttouns kUm- 
tzuns, lavpinnons laipinnans, llsans llsuns (s. Nessehnann s. 65 f.). 
Das selbe schwanken zwischen o, u, a findet sich auch in an- 
deren endungen an stelle von altem ö: gen. pl. crixtianiskun, 
smntan, grikan {grecon, grekun I), steison, steisan, tenneisan, 
tenneisan {tenneison auch zur Übersetzung des gen. sg. gebraucht, 
tmneiscm nur so, der form nach natürlich gen. pl.), dat. sg. 
stesniu, steismo, stesma = skr. tdsmai, lit. tdmui, urspr. -di. 
Dagegen hat das litauische sükqs, ntr. sükq, nom. pl. m. sük^. 
Zur erklärung dieser differenz zwischen dem litauischen und 
den übrigen sprachen bieten sich zwei wege. 

Da sich alsbald ergeben wird, dass das suffix in den 
formen, welche die ihm folgende silbe betonten, -ves- lautete, 



350 ^' Schmidt, 

s in einen dentalen verschlusslaut ausserhalb der deelination 
nur vor s und g. Wäre vidvat-, vidvad- aus vidvas- im sonder- 
leben des indischen entstanden, so könnte demnach die Wand- 
lung lautgesetzlich nur im loc. pl. eingetreten und der ver- 
schlusslaut von da in den instr. dat. abl. pl. du. übertragen 
sein wie der guttural von dikshü u. a. auf digbhis übertragen 
ist (ztschr. XXV, 119). Der lautwandel ist nun zwar indo- 
germanisch, da jedoch auch die stamme «»doir-, veUv^, m&nöp-, 
§(o&' nur von einem casus ausgegangen sein können, in welchem 
t, nicht d, durch das casussuffix bedingt war, der einzige über- 
lieferte casus der art aber der loc. pl. ist — ausU widerspricht 
wenigstens nicht — , so werden wir das resultat, zu welchem die 
indische lautlehre führt, auch für die Ursprache annehmen dürfen. 
Man wird dagegen einwenden, dass zu nshädbhis, madbhis 
keine locative *tishatsu, ^matsu überliefert sind und dass die 
grammatiker bei svdvus, svdtavas den wandel nur für die mit 
bh anlautenden casussuffixe angeben. Dies kann jedoch auf 
reinem zufall beruhen. Die locative aller dieser stamme sind 
naturgemäss seltener gebraucht als die übrigen pluralcasus, 
zufallig kamen sie in den texten, aus welchen die grammatiker 
ihre angaben zogen, überhaupt nicht vor. Wäre das part. perf. 
act. im nachvedischen sanskrit wie im lateinischen oder ger- 
manischen ausser gebrauch gekommen, dann würden uns die 
grammatiker gerade so, wie sie nur ushddbhis, madbhis über- 
liefern, auch nur berichten, dass diese participia im instr. pl. 
-vad- gehabt haben, denn das im RV. dreimal belegte jägr- 
vddbhis ist die einzige vedische form, welche diesen wandel 
zeigt (Lanman 514), der dat. abl. pl., loc. pL, dat. abl. du. 
sind zufällig von keinem dieser participia in den Veden bel^. 
Wird daraus jemand den schluss ziehen, das diese casus ve- 
disch anders gelautet haben als später ? Aber selbst wenn die 
grammatische tradition nicht auf zufall beruht, wenn die loca- 
tive in ältester zeit nicht nur nicht belegt wären, sondern 
positiv ushdssu u. s. w. gelautet hätten, würde ein daraus gegen 
die obige erklärung entnommener emwand nicht schwer wiegen. 
Schon die lehren der präti^äkhyen und der von ihnen citierten 
autoritäten über die oben herbeigezogene sandhi-erscheinung, 
welche Whitney zu AV. pr. II, 9 und 17 zusammengestellt hat, 
stimmen nicht überein, indem die einen den »einschubc vor- 
schreiben die anderen nicht, und PSnini Vm, 3, 30. 31 erklärt 



Das Suffix des participium perfecti activi. 351 

ihn nur fär facultativ, nicht für obligatorisch. Daraus folgt, 
dass die dissimilation von ss, sg zwischen zwei Worten zu ts, 
*tg, cch in der zeit, aus welcher unsere ältesten traditionen 
stammen, schon im schwinden begriffen war, wir also auch nicht 
erwarten dürfen sie im wortinnern überall da, wo sie einst 
bestanden hat, erhalten zu sehen. Diese spätere zeit stellte ss 
nach massgabe der anderen casus wieder her (mässu, mäsü 
statt *matsu), unterliess die restitution aber vor bh (madbhis). 
Consequenz darf man bei solchen rückläufigen entwickelungen 
nie erwarten. Der grund der incönsequenz ist uns ebenso un- 
erreichbar wie der, welcher vidvdtsu, vatsyämi, jighaisati 
in alter form erhielt. Ebenso wenig ist noch zu ermitteln, 
unter welchen bedingungen ss zu ts ward, denn dass jedes ss 
einst diese Wandlung erfahren habe, wird man angesichts der 
wenigen erhaltenen beispiele nicht behaupten können. Die 
declinationsbeispiele lassen auf mitwirkung eines vorhergehenden 
nasals schliessen im einklange mit dem alten sandhigesetze. 
Aber vcUsydtni, jighatscUi, dacchüna, Fdrticchepa-? Ersichtlich 
sind die Schöpfungen des alten gesetzes durch anders gerichtete 
tendenzen späterer perioden so umgestaltet, dass wir auf erlangung 
voller klarheit kaum hoffen dürfen. Aber genug können wir 
noch sehen, um mit aller entschiedenheit zu behaupten, dass 
hier ein altes indogermanisches gesetz zu gründe liegt. 

Nun zu den vocalen. eiäwg und veUvöds führen auf ö in 
den starken casus (got. ö = urspr. ö wie in fötas, fidvör, m^nöp-, 
bairös, ahd. chtio). Dazu stimmt das preussische, welches die 
endung hinter vocalen als Hvuns, häufiger -uns, hinter conso- 
nanten als -ons, seltener -uns oder -ans hat: Mantttouns kUm- 
tzuns, laipinnons laipinnans, llsons llsuns (s. Nessehnann s. 65 f.). 
Das selbe schwanken zwischen o, u, a findet sich auch in an- 
deren endungen an stelle von altem ö: gen. pl. crixtianiskun, 
sunntan, grikan {grecon, grekun I), steison, steisan, tenneisan, 
tenneisan {tenneisan auch zur Übersetzung des gen. sg. gebraucht, 
tenneisan nur so, der form nach natürlich gen. pl.), dat. sg. 
stesniu, steismo, stesma =» skr. tdsmai, lit. tdmui, urspr. -(H*. 
Dagegen hat das litauische sük^, ntr. sükq, nom. pl. m. sük^. 
Zur erklärung dieser differenz zwischen dem litauischen und 
den übrigen sprachen bieten sich zwei wege. 

Da sich alsbald ergeben wird, dass das suffix in den 
formen, welche die ihm folgende silbe betonten, -ves- lautete, 



352 J- Schmidt, 

SO könnte man annehmen, dass von hier aus das c im litau- 
ischen auch in den nominativ gedrungen, -vös, -vöns- : -ves- zu 
-vens- : -ves- ausgeglichen seien. Dies halte ich aber für unwahr- 
scheinlich, denn sesu sesers, aJcmü dkmens, menü menesio haben 
die differenz zwischen dem starken ü und dem schwachen e 
bewahrt. Ausserdem ist -ves-, die mittlere form, schon sehr 
früh — dafür zeugt die Übereinstimmung mit dem preussischen 
und slawischen — durch die schwächste -us- verdrängt. 

Es bleibt also nur der andere weg zur erklärung offen, 
d. h. -vens war die ursprüngliche gestalt des suffixes in den 
starken casus , welche, abgesehen von der durch ns bedingten 
kürzung des e (s. 338), im litauischen bewahrt ist. Dann ist 
t; im htauischen geschwunden ohne das e zu trüben (vgl. sesu, 
sergu, szeszuras, szeszi, szdmu, sunilis s. 333), während es in den 
übrigen sprachen S, e in ö, o wandelte. Hierfür liegen im 
griechischen und germanischen mehrfache analoga vor. Griech. 
0, (lo ist aus ve, vE auf zwei verschiedenen wegen entstanden. 
Theils ist /« zu /o geworden mit bewahrtem /, theils ist es zu 
o geworden, indem beide laute verschmolzen, ersteres in j:otxog 
= lat. vicus, jioXvog = vlnum, letzteres sicher in den drei ersten 
der folgenden beispiele: hom. wvog (vocalisch anlautend Enös 
146, L. Meyer ztschr. XXIII, 56) = laL v^um, abulg, väno; 
hom. oxog (vocalisch anlautend a. a. o.) aus *j^ixog, vgl. ix^a^iv' 
aQlkaa^v Hesych. , pamphyl. äyed-Xa j:Bxi%(o inschr. v. Sillyon 
Hirschfeld monatsber. der Berl. akad. 1874, s. 726, z. 24; döfk^, 
oddÖBk bei Hom. überall vocalisch anlautend 8 415, 6 406. 
442. 446, s 59. 60, » 210 übereinstimmend mit odor, lit. udzv,^ 
doch mhd. wazen, abulg. sU^adeft riecht (von Miklosich gr. I ^, 
71 angeführt), vonja aus *vodnja^) erweisen urspr. ved, dessen 
spur vielleicht in dem hiatus von äoäfwg erhalten ist ; oQyavov aus 
*j:iQyavov, wie yiQyava' Igyalsla Hesych. beweist; Sgcoi' xäv 
äqvtüv oi 6(rxaTo# ysvofisvot Hesych., welches Lobeck rhem. 283 
not. und Nauck Aristoph. Byz. 105 f. mit hom. i^ca^ verbunden 
haben, lit. verszis kalb erweist für letzteres/, dessen spur allerdings 
Od. $ 222 x^Q^^ ^^ ^^^^ iQCa& durch Verwandlung von av in av^* 
verwischt ist {iQ(ffi thau ist höchstens wurzelverwandt) ; dotoi = 

^) Bei der üblichen auch von Bfiklosich a. a. o. fest gehaltenen her- 
leitung aus skr. an ist das v unerklärlich, da anlautendem o nirgend ge- 
meinslawisch V vorgeschlagen ist Das v von 11t tootka, woikas specerei 
(Bezz. 340) kann unursprünglicher Vorschlag sein. 



bas snfßx des pariidphim perfecti activi. 353 

lit. dveji. Bei den part. perf. lässt sich nicht bestimmen, ob 
ve, ve direct zu co, o oder zunächst zu /eo, /o geworden sind« 
Eine form mit j: ist weder auf inschriften noch sonst wo er- 
halten und das elische j:€iC(i9 A. Eirchhoff arch. ztg. 1880 
s. 66 no. 362 (älter als 580 v. Chr.) spricht durch den gegen- 
satz des anlautend erhaltenen j: für die erstere der beiden mög- 
lichkeiten. Aus dem germanischen ist mir kein beispiel von 
vö aus v^ bekannt, dagegen mehrere den selben zweck erfüllende, 
in welchen ve zu vo und bei der Wandlung von altem o in 
germ. a weiter zu va geworden ist : got. tvaddje = äo$<3r = lit. 
dvejü; vdcstij Isitvestis; vahsja : di^w; ahd.tvarm, äbvlg. vrödU; 
wafsa = vespa; tcachal == vigü. Dem Verhältnisse von etdaig : 
veitvöds : lit. -qs entspricht genau das von SokSv : tvaddje : dvejü. 
Die preussischen dunkelen vocale werden auch unter einwir- 
kung des v entstanden sein. Ein ganz genaues analogon kann 
ich allerdings nicht beibringen, indessen findet sich mehrfach 
trübung von vocalen durch vorhergehendes oder folgendes v: 
mergu, mergümans, mergan : mergwan (I. II), gallü neben galwas* 
ddUks, taws cat., towis voc. = lit. tevcts, so dass der herleitung, 
des durch -wtms, -uns^ -ons, -ans bezeichneten suffixes aus -vens 
schwerlich etwas im wege steht. Ein weiteres beispiel von 
consonant -{- ve in suffixen kommt in den katechismen nicht vor, 
und is-quendau, stwen, po-qudbton begründen keinen einwand, 
da sie die lautgruppe in der Wurzelsilbe, nicht in suffixaler silbe 
enthalten. Auf das einmalige polfkins assei hast verliehen 
(pölycki er bescheert), welches zu lit. -gs, lett. -is zu stimmen 
scheint, darf man sich gegenüber den mehr als hundert belegen 
mit dunkelen vocalen nicht verlassen. 

Nebenbei sei noch erwähnt, dass der auf die historisch 
überlieferten formen gegründete ansatz von indog. vidvh, vidr 
vtnS'onn zu der von Mahlow 161 gemachten beobachtung stimmt, 
dass ein langer vocal von stammbildungssuffixen mehrfach als 
e erscheint, wenn er den hochton trägt, dagegen als ö, wenn 
eine vorhergehende silbe betont ist: äv^q aber ay^viAQ^ q)Q^v 
aber svfpQcoy, nat^q aber tp^atm^ u. a. ^) 

^) Darauf hat Fick in den Göttinger gelehrten anzeigen v. 7. april 1880 
s. 4SI f. eine theorie über das verhältniss von e, ^ z\x Oy ö gegründet. 
Auch Möllers vom 8. April 1880 datierte abhandlung in Paul und Braunes 
beitr. VII, 492 f. beruht auf dem selben grundgedanken. Beiden scheint 
Mahlows Vorgang unbekannt zu sein. . . 



354 i' Schmidt, 

Dem hochbetonien -v^s entsprach in der dem hochtone 
unmittelbar vorhergehenden silbe -ves- oder -vet- je nach den fol- 
genden lauten. Die qualität des vocals ist, wenn wir von den 
zweifelhaften lat. cada-ver, papOrver absehen, bewahrt nur in 
den dorischen und attischen fem. wie theräisch innBXBlsxBta, 
savaxsta, iSvvaYttYo%%la C. I. A. 2448 I, 26. 28, heracl. ^^^17- 
Ysiaq siebenmal G. I. 6. 6744 z. 18—42, YsywBiaq C. I. A. 
II 455, 16. 467, 92. 593, 7. r^yo^Btav 471, 27. r^roveia^ 68 
(Kühner l\ 410, G. Meyer Bezz. beitr. V, 241). Hier hat wohl 
das folgende i die Wirkung des vorhergehenden v, durch 
welches -^et- zu griech. -ot- geworden ist, paralysiert, vgl. lat. 
inquüinus : incöla, velim : volo. Die schwächste gestalt des 
stufflxes -itö- ist nach den ermittelungen ztschr. XXV, 29 f. in 
den formen entstanden, welche die zweite auf das suffix fol- 
gende silbe betont hatten. Für das fem. ergiebt sich hiemach 
als ursprängliche flexion nom. vidves-ia =^ ^tdsta, gen. vidus-ids 
= tdvM^ (betont wie /uia, iMa^Y Im griechischen wurde y^" 
Y^vsta, gen. */£)^oyt;#ac sowohl zu }^«/ov€»a^ j^cj^ovc/a^ als zu 
YBYovi}Xa, Y^tovviaq ausgeglichen, gerade wie svvijt€§Qa, *€vv^ 
%qiaq sowohl zu 6vvfi%€$qa, eivf^tsi^aq als zu svv^Qta, svvftQiai 
ausgeglichen ist (ztschr. XXV, 36 und G. Meyer a. a. o.). Im 
skr. ward *'^asi, '^-ushiäs zu -üshl, -üshyOs ausgeglichen gerade 
wie *'4art, -trids zu 4H, -tryäs.^) 



^) Eine weitere parallele zu dem Verhältnisse von ycyoyoic : yiy»yi7« : 
yiyoyvta zeigt sich in dem von ahd. affo : affin : an. apyf^'a, d. h. urspr. 
-(m oder -in : fem. -en-ia : gen. an-jäs. Das schwanken zwischen ahd. wirtin 
und wirtun Otfr. I, 6, 3 sowie die differenz von ahd. -in, -tima (Henning 
Sanctgallische Sprachdenkmäler 91 f.) und an. -y^ja (Grimm gr. II, 319) 
führt auf eine noch urgermanische flexion nom. -int (got Saurim fem. 
zu ßaur JvQos), gen. '■u^jös. Das griechische hat wie bei den part perf. 
die schwächste form auch in den nom. übertragen, -^nva. Nur in dem 
verhältniss von ayxa>y : imjyxiyidfs Hom., auf welches mich GoUitz auf- 
merksam gemacht hat, ist etwas dem ahd. affo : affin entsprechendes be- 
wahrt. Es seien noch einige ablautende feminina auf urspr. -ta angeführt. 
Lit iukstanHSj abulg. tysqita, ags. ßüsend weisen auf nordeurop. ta$<mf%, 
dagegen preuss. tüsimUms, got. Jmsundi, an. ßiistmd, ahd. düt m U haben 
in der zweiten silbe urspr. totf daraus ergiebt sich eine alte den nord- 
«iropftischen sprachen gemeinsame flexion tüBOnH, gen. tüSeßu^äi. Griech. 
dia kann wegen der kürze seines « nicht fem. zu cflo; sein, sondern ist 
fem. zu skr. d^vä- und kann mit skr. divi auf ur^rüngliches ^deMa, gen. 
dix(jä9 führen, falls das i von diri nicht aus divd- wieder eingedrungen 
ist« Die benennung der erde lautete urgriecfa. nom. ^yvia, gen, yihS$, 



Das suffix des participium perfecti activi. 866 

Als ursprünglich ist mithin folgende flexion anzusetzen: 
nom. vidves, acc. vidv^ns-am, voc. vidves, loc. vidves-i u. s. W, 
mit ves vor allen vocalisch anlautenden suffixen, pl. instr. vidve&- 
bhis, dat. abl. vidm-bhiöms (ztschr, XXV, 38), loc. vidvet-sü; 
fem. vidves-ia, gen. vidtts-ids u. s. w.; comparativ vidus-terö-s. 
Keine der überlieferten sprachen hat die fünf gestalten des 
Suffixes alle und ohne ausgleichungen zwischen den verschie- 
denen casus bewahrt. Konnte schon ein dreigestaltiges suffix 
wie skr. tär, tar, tr, tr seine alten Verhältnisse nicht aufrecht 
erhalten, wie viel weniger ein fünfgestaltiges. Die Schicksale 
unseres participiums werden am zweckmässigsten so erörtert, 
dass wir es zunächst durch die sprachen hindurch verfolgen, 
welche es noch zu historischer zeit in lebendigem gebrauche 
bewahren, und zum Schlüsse die spuren untersuchen, welche 
es in den germanischen und italischen sprachen hinterlassen hat. 

1) Im sanskrit glichen sich die starken casus unter ein- 
ander aus, der allein abweichende nom. sg. auf *'va3 erhielt 
das suffix der übrigen -vams wieder zu einer zeit, als das indo- 
germanische gesetz, welches -ans in -a$ gewandelt hatte, längst 
ausser kraft war. Die seit dieser zeit neu auftauchenden -ans 
behielten ihren nasal, verloren aber später durch das auslaute 
gesetz ihr s, falls es nicht am folgenden anlaute schütz fand: 
vidväms tdtra, vidvän wie dgvams tätra, dfvan (s. 341). Dieser 
neue nom. und der aus indog. -vetsü entstandene loc. pl. -vdtsu 
glichen äusserlich den entsprechenden casus der i;an^- stamme. 
In folge dessen wurden alle casus, welche wie der nom. ^. m. 
kein suffix oder wie der loc. pl. ein consonantisch anlautendes 
hatten, allmählich nach analogie der vant-s^mme umgestaltet, 
am spätesten der vocativ sg. und diä gradationsformen. Ersterer 
lautet im RV. noch stäts -^vas, dkitvas, UHrvas, didivfis, m%dhvM, 
im äV. schon -mn, cikitvan (Lanman 513) und später stäts so. 
Letztere haben im RV. noch -wsä-, vidüsh-taror, mldhüsh-t^ima' 
übereinstimmend mit abaktr. jagerebus4arö , jaghtnüs-temö, 
ydetuS'temem , gagakus-tenta, hanhaniis4efnem, und von rechts- 
wegen, denn die regelmässige betonung der comparative und 

letzteres in hom. yaifis erhalten und darnach nom. yata gebildet; urgr. 
*y«f^ ward ion. *yfita, *yn^i dann regelrecht verkürzt zu yia Gauer de- 
lectus 133 c, 10, att. contrahiert y9 (yt^'fiitQiig, dyti-yiuff aus *yn^'), meine 
auffas^ng ztschr. XXV, 146 f. ist falsch, da urgriech. m oder aj nie zu 
ion. tij, n geworden ist. 



356 J« Schmidt, 

Superlative auf der silbe, welche im positiv den ton trägt, ist, 
obwohl sie sich, soweit es die griechische beschränkung des 
accentes auf die drei letzten silben erlaubt, mit der griechischen 
betonung deckt, nicht ursprunglich, sondern erst durch einwirkung 
des positivs zu stände gekommen. Gradationsformen, welche 
durch begrififliche entwickelung soweit aus der reihe getreten 
waren, dass sie nicht mehr als gradationen empfunden wurden, 
und sich dadurch der einwirkung des positivs entzogen, haben die 
ältere betonung bewahrt: die pronominalen hatardr (= Wi.haträs), 
hatamd-^ yatard-, yatamd-, ikatardry Ekatamd-y die ordinalien qa- 
teUamd-, saJicisratamd' u. s. w. und die substantivischen acvatard- 
maulesel, ukshatard-, rshahhcUard- kleiner stier, vatsakird- junges 
thier, kästUart kurzer speer, g^itart sackchen, griech. ds^itsQog, 
oQkaxsQog; vedisch sogar noch das superlativisch gebliebene 
fogvattamd'. Diese betonung reducierte das in der zweiten silbe 
vor dem hochtone stehende vas nach dem gesetze ztschr. XXV, 
30 f. zu US. Nachvedisch dringt aber auch hier vat ein, vid- 
vdüara-, vidvdttama-. Hiemach sind wir zu der annähme be- 
rechtigt, dass der nom. acc. ntr. sein "vat {tatanvät, samvavrtvdt 
RV.) an stelle des dem griech. -oc entsprechenden --vctö durch 
die selbe analogie erhalten habe wie der voc. sein -van, nur 
früher. Die pluralflexion *vidv(ishhis, *vidusbhidms (du. *t;wfeis- 
bhidin\ vidvatsü ward zu vidvddbhis, vidvddbhyctö (-bhyam), 
vidvdtsu uniformiert; dass vät auch an stelle eines älteren us 
dringen konnte, lehren die gradationsformen. 

Anders vor vocalisch anlautenden suffixen« Die stamme 
auf "tar und -an haben in dieser läge ausser dem loc. sg. die 
mittlere form des stammsuffixes -tar, -an durch die schwächste 
-4r, -n ersetzt (ztschr. XXV, 39), das selbe ist bei den part. perf. 
in allen den casus geschehen, welche früher vas vor vocalisch 
anlautendem suffixe hatten, den loc. inbegriffen^): vidüshas, 

^) Sollte man einwenden wollen, dass ich mich auf die Verhältnisse 
der tär- und Sn-stämme nicht berufen dürfe, da im plural (ausser dem 
acc.) die part. perf. den mittleren stamm haben, während die id^ und änr 
Stämme den schwächsten zeigen (-vaUu gegen -tfshu, -asu), so übersehe 
man nicht, dass im plural der participia die Verhältnisse ganz anders lagern 
vaa konnte durch us, ush verdrängt werden, wo aber das ßzai geworden 
war, hemmte nicht nur die grössere Verschiedenheit zwischen vat und im, 
ush sondern auch der dem vat aus der neu eingreifenden analogie der 
vant-stämme erwachsende schütz die Übertragung des us, vidvdtsu blieb, 
während *vidvesia, *vidviui% = gr. -ua durch vidüshl ersetzt ward. 



Das Suffix des participium perfecti activi. 357 

vidtishi u. s. w., fem. vidüsM (urspr. -i?6sfa = -sta). Da vedisch, 
zufolge Lanmans Sammlungen, der loc. sg. überhaupt nicht be- 
legt ist, bleibt die allerdings sehr schwache möglichkeit, dass 
er noch *'V(m gelautet habe, wie bei den aw-stämmen vedisches 
-awi, -an späterem -ni gegenübersteht. 

Die mittlere form des Stammes mit s ist allein bewahrt im 
voc. sg., der im RV. noch stäts -vas lautet. Ehe er dem durch 
die van^analogie unterstützten nominativ erliegend zu -van ward, 
hat er vielmehr den vocativ der vaw^- stamme umgestaltet. 
vOfkS' und vant- stamme sind im RV. völlig gleich flectiert 
im nom. -van, ntr. -vcU, pl. -vad-hhis, •vad-bhyas, -vat-su, du. 
-vad-bhyam. In folge dieser gleichheit (namentlich der beiden 
erstgenannten casus) wurde der vocativ der vöws -stamme auf 
die vaw^stämme und durch diese vermittelt der ausgang -as an 
stelle von -an auf die man^-stämme übertragen, -vas ist die 
im RV. fast überall, -mos die allein gebräuchliche form des 
Vocativs der vant- und mantslämme, rshlvas, hhanumas u. s. w. 
(Lanman 519 f.), nachvedisch bhös und bhagös. Vereinzelt 
scheint sich diese analogie auch auf andere casus erstreckt zu 
haben, so ökivdmsä RV., welches seines wurzelvocals wegen 
schwerlich als part. von uc (dessen dat €U>ushö belegt ist), son- 
dern als dual eines nicht mehr nachweisbaren *ökivänt- auf- 
zufassen sein wird; auch m^hvdn, mldhüshas u. s. w. ist wohl 
ursprünglich denominativ (vgl. mTdhd-, ^fcr^o^); über bhaJctp- 
vdmsas AV. sieh BR. s. v. bhakshivdms-. Sobald im part. der 
vocativ -vas durch -van ersetzt war, gelangte bei den vant- 
stämmen der lautlich allein berechtigte vocativ auf -van wieder 
zur geltung. Der AV. hat im part. dküvan und dem ent- 
sprechend harivan u. s. w. (Lanman 513. 520), was die regel 
für die nachvedische spräche ist. Andererseits reimte der alte 
vocativ vidvas mit den vocaüven derjenigen abstamme, welche 
vor dem as ein zur wurzel gehöriges v haben. In folge dessen 
stellten sich bei einigen der letzteren neubildungen nach analogie 
der vOms-stsimme ein: nom. sg. svdv-an, svdtav-än, tuvlrdv-an 
(Lanman 559), dat. svdtavadbhyas, instr. svdvadbhis (s. o. s. 348). 
Auch den alten aus *-vah-s entstandenen nom. ^anad-vos (vgl. 
gvetorvos) ergriff diese analogie und gestaltete ihn zu anadvdn, 
anadvdmg ca (Lanman 499) um. Endlich wurden auch die 
mn-stämme in den Strudel gerissen. Von diesen berühren sich 
mehrere mit den t^n^ämmen in folge der Zweideutigkeit des 



356 J* Schmidt, 

Superlative auf der silbe, welche im positiv den ton trägt, ist, 
obwohl sie sich, soweit es die griechische beschränkung des 
accentes auf die drei letzten silben erlaubt, mit der griechischen 
betonung deckt, nicht ursprünglich, sondern erst durch einwirkung 
des positivs zu stände gekommen. Gradationsformen, welche 
durch begriffliche entwickelung soweit aus der reihe getreten 
waren, dass sie nicht mehr als gradationcn empfunden wurden, 
und sich dadurch der einwirkung des positivs entzogen, haben die 
ältere betonung bewahrt: die pronominalen hatardr- (= WLhairäs), 
katamd-^ yata/rär, yoUamä-, Skatard-, Shatamdr, die ordinalien Qa- 
tatamd-, sahasratamd- u. s. w. und die substantivischen agvcUard- 
maulesel, ukshatard-, rshahhcUard- kleiner stier, vafscUard- junges 
thier, käsiUart kurzer speer, göntiart säckchen, griech. öe^ttsgog, 
oQhiSTBQog; vedisch sogar noch das superlativisch gebliebene 
fo^ücMamd'. Diese betonung reducierte das in der zweiten silbe 
vor dem hochtone stehende vas nach dem gesetze ztschr. XXV, 
30 f. zu US. Nachvedisch dringt aber auch hier val ein, vid- 
vdüaror, vidvdUama-. Hiemach sind wir zu der annähme be- 
rechtigt, dass der nom. acc. ntr. sein "Vat (tcUanvdt, samvavrtvdt 
RV.) an stelle des dem griech. -oc entsprechenden -vas durch 
die selbe analogie erhalten habe wie der voc. sein -van, nur 
früher. Die pluralflexion ^vidvashhis, *vidusbhidfns (du. *vidu$'' 
bhidm\ vidvatsü ward zu vidvddbhis, vidvddbhyas (-Ihyain), 
vidvdtsu uniformiert; dass vät auch an stelle eines älteren us 
dringen konnte, lehren die gradationsformen. 

Anders vor vocalisch anlautenden sufBxen. Die stamme 
auf 'tar und -an haben in dieser läge ausser dem loc. sg. die 
mittlere form des stammsuffixes -iar, -an durch die schwächste 
*tr, -n ersetzt (ztschr. XXV, 39), das selbe ist bei den part. perf. 
in allen den casus geschehen, welche früher va$ yqt vocalisch 
anlautendem suffixe hatten, den loc. inbegriffen^): vidüshas, 

^) Sollte man einwenden wollen, dass ich mich auf die Verhältnisse 
der tär- und än-siSmme nicht berufen dürfe, da im plural (ausser dem 
acc.) die part. perf. den mittleren stamm haben, während die täf' und änr 
stamme den schwächsten zeigen (-vatsu gegen -tr^u, -aiu)^ so übersehe 
man nicht, dass im plural der participia die Verhältnisse ganz anders lagern 
V€i8 konnte durch us, ush verdrängt werden, wo aber das ßzat geworden 
war, hemmte nicht nur die grössere Verschiedenheit zwischen vai und m», 
ush sondern auch der dem v(U aus der neu eingreifenden analogie der 
vaiU-stämme erwachsende schütz die Übertragung des us. fMvdtsu blieb, 
während *vidvesia, *vidwU% = gr. -f lo durch vidüsh^ ersetzt ward. 



Das Suffix des participium perfecii activi. 357 

vidüshi u. s. w., fem. vidüsM (urspr. -vesia = -«r«). Da vedisch, 
zufolge Lanmans Sammlungen, der loc. sg. überhaupt nicht be- 
legt ist, bleibt die allerdings sehr schwache möglichkeit, dass 
er noch *'Va$i gelautet habe, wie bei den an-stämmen vedisches 
-a»>, -an späterem -ni gegenübersteht. 

Die mittlere form des Stammes mit s ist allein bewahrt im 
voc. sg., der im RV. noch stäts -vas lautet. Ehe er dem durch 
die van^analogie unterstützten nominativ erliegend zu -van ward, 
hat er vielmehr den vocativ der vaw^- stamme umgestaltet. 
vämS' und van^- stamme sind im RV. völlig gleich flectiert 
im nom. -van, ntr. -vcU, pl. -vad-bhis, -vad-bhyas , -vat-su, du. 
-^ad-bhyiim. In folge dieser gleichheit (namentlich der beiden 
erstgenannten casus) wurde der vocativ der väws -stamme auf 
die van^stämme und durch diese vermittelt der ausgang -as an 
stelle von -an auf die man^-stämme übertragen, -vas ist die 
im RV. fast überall, -mos die allein gebräuchliche form des 
Vocativs der vant- und wan^stämme, rsMvas, hhanumas u. s. w. 
(Lanman 519 f.), nachvedisch hhös und bhagös. Vereinzelt 
scheint sich diese analogie auch auf andere casus erstreckt zu 
haben, so ökivdmsä RV., welches seines wurzelvocals wegen 
schwerlich als part. von uc (dessen dat iicushö belegt ist), son- 
dern als dual eines nicht mehr nachweisbaren *ökivdnt- auf- 
zufassen sein wird; auch nMhvdn, mldhüshas u. s. w. ist wohl 
ursprünglich denominativ (vgl. tnlähd-, fAKfd-og); über bhakH- 
vdfksas AV. sieh BR. s. v. bhakshivdms-. Sobald im part. der 
vocativ -vas durch -va» ersetzt war, gelangte bei den vant- 
stammen der lautlich allein berechtigte vocativ auf -van wieder 
zur geltung. Der AV. hat im part. dküvan und dem ent- 
sprechend harivan u. s. w. (Lanman 513. 520), was die regel 
für die nachvedische spräche ist. Andererseits reimte der alte 
vocativ vidvas mit den vocativen derjenigen o^-stämme, welche 
vor dem as ein zur wurzel gehöriges v haben. In folge dessen 
stellten sich bei einigen der letzteren neubildungen nach analogie 
der vOms-stämme ein: nom. sg. svdv-an, svdtav-an, tuvlrdv-an 
(Lanman 559), dat. svdiavadbhyas, instr. svdvadbhis (s. o. s. 348). 
Auch den alten aus *-väh-s entstandenen nom. *anad-vas (vgl. 
gveta-vas) ergriff diese analogie und gestaltete ihn zu anadvdn, 
anadvdmg ca (Lanman 499) um. Endlich wurden auch die 
vanslämne in den Strudel gerissen. Von diesen berühren sich 
mehrere mit den t^n^stämmen in folge der Zweideutigkeit des 



358 i' Schmidt, 

vocativs auf -van : maghavä, niaghonaä neben maghdvan, mäghd- 
vadbhyas u. s. w.; drvä, arvänam neben drvan, drvantam, är- 
vatas u. s. w. ; sahdva neben sahävan; fkvatä instr. zu rkvan-; 
yuvaÜ'S, yuvat zu yüvan-; hhüridävaUarar comparativ zu lihürir 
davan- (A. Kuhn ztschr. I, 373; Benfey d. indog. thema des 
Zahlwortes zwei s. 19; Lanman p. 516. 523). Die vocative 
ftavas, evayävas, prätarüvas, motarigvas (Lanman 536), viel- 
leicht auch der nom. mbhvan von t;an-stan)men sind also durch 
vermittelung der von^-analogie von den i;esm$- stammen über- 
tragen. Volle Verwirrung zwischen den van-, vant-, vams- und 
t?-as-analogien zeigen endlich die flexionen von nom. rbhva, 
fhhvan RV. VI, 34, 2, acc. rbhwisam, gen. fbhvasas und von 
instr. glkväbhis, pl. nom. gikvasas, dat. sg. (ikvase. So erklären 
sich ohne Verletzung der lautgesetze diese formen, welche man 
benutzt hat um lautgesetzlich unvereinbare suffize aus einander 
herzuleiten. Die ausgangspunkte der ganzen Verwirrung sind 
die Übertragungen des vocativs der participia -vas auf die vant^ 
stamme und des nominativs der participia -van, instr. -vcul-hhis 
auf die -v-o^-stämme. Beide sind mir nur unter der Voraus- 
setzung verstandlich, dass eine flexion nom. -van, voc. -vas, loc.pl. 
--vatsu bei den part. perf. bestand, ehe die Übertragungen begannen. 
Diese Übertragungen halte ich also nicht nur für unfähig die 
herkunft des t in vidvdtsu von den t;an^ - stammen darzulhun, 
was Brugman s. 71 f. von ihnen erwartet, sondern zähle sie zu 
den beweisen für die hohe alterthümlichkeit des t von vidvdtsu. 

2) Von den starken casus des altbaktrischen ddähvoon- 
hem, taräiväonhem, vldhvaonhö ist nicht zu entscheiden, ob sie 
aus "VäfhS' oder -vas- entstanden sind. Ausser diesen parti- 
cipien und den noch ebenso streitigen comparativen liegt im 
altbaktrischen kein wort vor, welches im skr. die lautgruppe 
am enthält. Da nun in Qanhetn = skr. gdmsam, Nairyöganhö == 
^drOgdfhsas, hizvö-daiihanha = ddthsasä und den aoristformen 
jmhefUu {gam, jam gehen), nianhanö (man) skr. ams vor nicht- 
i-laut^i gerade so behandelt ist wie as ^), so können auch ams 
und äs vor den selben lauten gleich behandelt sein. Sollte aber 
tüdhvaonhö zunächst aus "^vidvasas, nicht aus vidvdriisas entstan- 
den sein, dann wäre die nasallose form des nom. sg. auf die übrigen 



^) Brugmans eweifel daran (s. 80 anm.) sind durch Vermischung der 
g&ihH-formen mit den zendformen her})eigeführt. 



Das sufBx des paiiidpiam perfecti aciivi. 359 

starken casus übertragen wie in skr. mäsas, welches wahr- 
scheinlich machen kann, dass auch abaktr. maanhö zunächst 
aus einer nasaUosen form entstanden sei. Ein argumeid gegen 
den ansatz von indog. -i;^^- wäre daraus also ebenso wenig 
zu entnehmen als aus mdsas, mdonhö gegen mens. Aller übrigen 
casus hat sich die schwächste form ush bemächtigt (Spiegel § 145, 
Justi § 554). Dass indes auch vat in einigen casus früher be- 
standen hat, ist mit Sicherheit aus den nom. sg. der vanU 
und mant^lkmme auf -äo, -aog-ca, z. b. Vtvanhäo gegen skr. 
Vivdsvän zu erschliessen. Diese können nur von den part. perf. 
act. übertragen sein, die Übertragung war aber möglich, nur 
wenn wenigstens ein casus beider stammclassen den gleichen 
fitammausgang hatte, d. h. nur wenn wenigstens ein casus der 
participia vat enthielt. Von den van^stämmen hat sich dann 
"äo auch einerseits über die mant- imd aw<-stämme verbreitet, 
andererseits wie im skr. über die van 'Stkmme: verethrcwäo 
neben verethrava, myazdavOo acc. myazdavanem, taurvao fem. 
vlopa-tat/^rvairi. 

3) Im griechischen ist der mittlere stamm auf -or- = 
'Vet-, der nur in etdöfft = vidvdtm berechtigt war, auf alle 
casus des m. ntr. ausser dem nom. eldcSg, eidog übertragen. 
Die homerischen ßeßaiSva, nsxfnitSu u. s. w. (Gurtius verb. P, 
251) haben das co aus dem nom. übernommen. Brugmans 
frühere erklärung, die er jetzt noch (s. 80) neben der eben 
gegebenen auch von ihm bevorzugten für möglich hält, dass j: 
den folgenden vocal gedehnt habe, halte ich ebenso wie alle 
übrigen von Brugman stud. IV, 170 f. für diesen Vorgang bei- 
gebrachten beispiele für irrig. Im femininum ist die alte flexion 
YsyovBla, gen. *Y^Yorv$ag sowohl zu y^tovsta, ycforeiag als zu 
yeyowTa, ysyarviag ausgeglichen (s. o. s. 354). 

4) Das litauische hat die stärkste und die schwächste form 
des Suffixes bewahrt: -vens- verlor sein v (s. 333), verkürzte das 
e vor n -j- consonant und drang in dieser gestalt an stelle des 
indog. nom. ves (s. 342). Das bei Bretken noch erhaltene -cns, 
padarens, suniaischens (Bezzenberger 160) musste im sogenannten 
hochlitauischen zu -f« werden, daher veiqs. Nach dem muster 
von vezqs : ntr. vezq, pUxtüs : pUxlü, geras : gera bildete sich zu 
vez^s das ntr. vezl^, welches wie das ntr. der part. praes. auch 
als nom. pl. m. fungiert. Es auf lautlichem wege aus *vezen$ 
oder ^vezes herzuleiten ist nicht möglich. Wie bei den adjecti- 



360 J« Schmidt, 

vischen w-stämmen vom fem. platt = skr. prthvt aus die^a-flexiön 
auf die meisten casus der masc. übertragen ist, so auch bei 
den participien: zu fem. viiusios bildete sich m. veeusio u. s. w. 
Indes haben sich mehrere casus consonantischer flexion erhalten, 
welche bisher noch nicht richtig erkannt worden sind. Bei 
den tt-stämmen bleibt der alte acc. plMt^ = prihüm, ebenso 
ist der acc. veeusi ein consonantischer acc, gebildet wie ved. 
edkrüshcnn, vgl. äkmeni, m6ter\ =s äxfAova, fji,^iQa, veianti =s 
vdhantam; deren -{(m) entspricht der sogenannten unbetonten 
nasalis sonans wie in sAmtas = geUdm, disjsimHs = dagcM-, 
is0miniis = maH-s, bingüs = bähth-s u. s. w. Dass dieser acc. 
nicht, wie man annimmt, ein ja -casus ist, lehren sonnenklar 
die part. praes., denn zu fem. veianceq müsste der acc. m. auch 
'^veia/ncgq lauten , nicht veiant\ ^). Femer sind consonantisch 
die von Schleicher (gramm. 211) um Pilkallen und Ragnit 
häufig gefundenen nom. du. auf e, isjsgSruse (leseb. 215, 10), 
iejuse (leseb. 138, 28), cU'ejase druck v. j. 1612 (Bezzenberger 
161, dessen herleitung des e aus -m lautgesetzwidrig ist). Bei 
der hohen alterthümlichkeit aller litauischen nom. du. (cisem = 
dgve, am = dvi, sünü = sünü, vilkü = vfka) ist die bewahrung 
der alten dualendung consonantischer stamme -e = griech. -s 
nicht verwunderlich ^). Aus einem gesangbuche v. j. 1589 ver- 
zeichnet Bezzenberger s. 71 einen gen. sg. mirrus emogaus, der 
iö verloren haben soll. Ist die form richtig überliefert und 
richtig construiert, dann kann mirrus nur ein consonantischer 
genetiv sein, -us = -us-s = skr. -usJ^as wie aJcmens = äffmanas. 
Der consonantisch flectierte dativ lebt noch heute als gerundium. 
Dass die gerundien dative sind, lehren die in diesem casus 
stehenden zugehörigen nomina und prönomina, man ^us, vSjui 
pücjsent, und sichere aufklärung über ihre entstehung giebt das 
gerundium des part. praes. Mit erhaltener casusendung liegt 
dies vor in enti gehend (Schleicher gr. 253), ne czisas kdrfq 
Idkint, enti mediöt (leseb. 86, 24), idant iamuy aienti ir tuskiär 



^) Die accusative sg. auf -t, plor. auf -fs = ursp. -dW, -o^ww, welche mit 
den gleichen casus der t-stämme zusammen fielen, haben den übertritt 
fast aller casus aller consonäntischen stamme in die analogie der t-stämme 
veranlasst. 

<) Der du. part praes. negoMncse (leseb. 215, 15) hat es aus den üb- 
rigen casus Übertragen, da weder aus -ft«, -ttu noch aas -tie lautgesetzlich 
<ee werden konnte (s. o. s. 881 f.). 



Das Suffix des partidpium perfecti activi. 361 

nant tuoiam iamuy atdaritu (Bezz. 227 anm.). Bei anderen 
Verben ist das i nur unter dem schütze des angefügten reflexiv- 
pronomens erhalten, leiäzantis (Schleicher gr. 234. 341), tienius 
daiktamus pradeduntis (Szyrwid punktai sakimu p. 1), Jcaip- 
-norinte-s in Andrjewo (Geitler 60), übrigens geschwunden. In 
Merecz (poln. süd-lit.) lautet das gerund, praes. auf 4s aus, 
man he kalbants (Kurschat gr. § 11G3). In dieser mundart ist 
jedes t vor / zu ts geworden, das i selbst kann dann ge- 
schwunden sein, z. b. inf. praszyts (Kurschat § 118). Wie letz- 
teres aus praszyti, so ist halhants aus *Jcalbanti entstanden, und 
dies ist der alte dativ auf urspr. -ntai. Urspr. ai und oi im 
auslaute mehrsilbiger worte sind im heutigen hoch-lit. stäts zu 
i geworden: nom. pl. geri = griech. -o#, nom. du. f. rankt = 
abulg. rqcö, skr. -e, loc. toll = tijXot, dat. der w-st. stinui, vgl. 
ved. krdtve; inf. -ti aus -tiji, -teji (wie 2. sg. sravt, kentl aus 
*sraviji, *kentiji, *sraveji, *kenteji ztschr. XXI, 285) = ved. 
-tdye. Das gesetz, welchem das i der gerundia zum opfer ge- 
fallen ist, darzulegen, würde uns hier zu weit führen, es genügt 
dass wir für die reihe -nti (-nti-s), -nts, -nt die völlig analoge 
des Infinitivs -ti (-tis), -ts, -t haben ^). Ausser vezant = vä- 
hate und veziis = ühüshe ist mir nur noch ein consonantischer 
dativ bekannt, szün (Schleicher gr. 192) = skr. güne. Die 
litauische construction eines nomen im dativ mit dem gerun- 
dium entspricht also genau den sogenannten absoluten dativen 



^) Ein gerundium mit noch langer endsilbe ist vielleicht preuss. gitoäntei 
enchirid. 64: kawida adder en labbaiquoitisnan giwa^ sta ast gitoäntei 
aulause (welche aber in Wollüsten lebt, die ist lebendig todt). Die setzung 
des gerundiums, wo wir einen nom. des part. erwarten, findet sich auch im 
litauischen, z. b. barzduti vyrai pre kräszto Uidantj ( därzq köpant rtUäs 
numyne (Schleicher leseb. s. 5) ; bevdlgant zvirblyti, beträszkinant Iszmauke 
älüko dvl püsbaczki (ebenda s. 17). Auch an der Verbindung des ur- 
sprünglich masculinen und neutralen dativs mit einem femininen nomen 
oder pronomen wäre kein anstoss zu nehmen, vgl. lit. dShai aüsztant u. 
dergl. (Schleicher gramm. s. 321). Lautlich kann also gitoäntei consonan- 
tischer dativ = skr. ytt?a<e, abulg. zivqsti (s.u.) sein. Indessen ist bei dem 
schwanken der Schreibung unserer preussischen texte auch möglich, dass 
ei wie öfter nur ein langes t vertritt (z. b. geiwans neben glwans vivos 
u. a. voc. I, 75), und gitoäntei nom. sg. fem. ist. Allerdings fällt dann 
die Verschiedenheit der endungen in den unmittelbar aufeinander folgenden 
gitoäntei und alause auf, doch ein ausschlag gebendes moment wage ich 
in dieser dififerenz bei dem bekannten zustande des textes nicht zu er- 
blicken. Non liquet. 

Zeitschrift für vergl. Sprachf. N. P. VI. 4. 24 



362 J. Schmidt, 

der germanischen sprachen, z. b. got. nauhpannh imma rodjandin 
qemun fram pamma synagogafada qifiandans Mc. 5, 35 = lit. 
jdm taip dar bekalhant at'Sjo keü smm^nos vyridusio sziüiUs 
sak^dami; über die germanischen dat. absol. s. Grimm gr. IV, 
896 f., Behaghel Germania XXXIII, 242 f. 

Endlich kommen wir an den nom. pl. m. Auch hier gehen 
part. praes. und part. praet. band in band. Wäre die jor 
flexion eingedrungen, dann würden entstanden sein praes. "^vezanti 
(vgl. tuszü von tüszczas\ praet. *vezusi. Diese wären mit dem 
nom. sg. fem. zusammengefallen, kamen daher nicht in gebrauch. 
In der bestimmten declination trat dieser zusammenfall nicht 
ein, deshalb wurden die Ja-formen hier gebildet: vizanteji, veßuseji 
gegen nom. sg. fem. vezanczoß, vezusioji^). Für die unbe- 
stimmten participia ist dialektisch der nom. pl. nach der i-decli- 
nation gebildet : memelisch praes. hijantis, praet. perejusis (Klein 
bei Bezz. 7), zahlreiche belege für -ntis aus Bretken bei Bezz. 
158, heute memel. sargontis aegrotantes (Kurschat § 1163), in 
Retowo (zemait.) -antys (Geitler 59). Veranlasst ist diese 
bildung wie jede i-flexion ursprünglich consonantischer stamme 
durch missverstand des acc. sg., indem dessen zur casusendung 
gehöriges i ({ ist ursprüngliches am) zum stamme gezogen ward. 
Im hochlitauischen lauten die nom. plur. unbestimmter decli- 
nation praes. vezq, perf. veze. Die identificierung von vezq mit 
skr. vähantas (Schleicher comp.* 519, Brückner archiv III, 292) 
verstösst gegen die lautgesetze, noch mehr die herleitung von -q 
aus -antys (Bezzenberger 158). Nach den auslautsgesetzen des lit. 
kann vezq nur aus *vezant entstanden sein, wie die 3. pl. veza aus 
der gleichlautenden grundform. Hätte hinter dem t einst noch 
ein vocal oder vocal -|- consonant gestanden, dann wäre es nicht 
gesch\vunden, vgl. te-vezÜ' = skr. vdhet gegen dti, eit = skr. eti. 
Der nom. pl. part. perf. vezq kann, wie die gleichlautende form 
des nom. acc. sg. ntr., nur durch die analogie von vezq hervor- 
gerufen sein, da inlautendes und auslautendes s sonst bewahrt 
bleibt. Also über den nackten participialstamm kommen wir 
nicht hinaus. Dieser erschien ursprünglich in zwei casus, im 
vocativ sg. m. und nom. acc. sg. neutr. Dass der vocativ sing, 
eines participiums durch Verschiebungen dahin kommen könnte, 



») Aelter vermuthlich fem. sg. *vezanty-ji, ^vezusy-ji, vgl. gras^-ji 
neben graziö-ji (Schleicher s. 208, Kurschat § 965). 



Das Suffix des participiam perfecti activi. 363 

an stelle des nom. p1. zu treten, wird wohl niemand annehmen 
wollen. Es bleibt also nur der nom. acc. sg. ntr. übrig, und 
in der that sind ve^q, vezq sowohl nom. pl. m. als nom. acc. 
sg. ntr. Vielleicht lässt sich auch der weg finden, auf welchem 
das ntr. sg. zur function des nom. pl. m. gelangt ist. Gonso- 
nan tische neutralstämme haben in der Ursprache den nom. acc. 
pl. ohne anfugung eines suffixes gebildet, so dass mehrfach 
die selbe form als nom. acc. sg. und als nom. acc. pl. erscheint, 
ich erinnere nur an ahd. miga^ lierza, skr. ndnia, ndma, welche 
sowohl nom. sg. als pl. sind, und an das, was Mahlow 72 f. auf 
grundlage meiner Vorlesungen ausgeführt hat, indem ich be- 
merke, dass ich nicht mit allem dort gesagten übereinstimme 
und meine ansieht demnächst ausführlich darlegen werde. So 
kann lit. *vezant einst sowohl ntr. sg. als ntr. pl. gewesen sein. 
Später verlor das litauische das genus neutrum bei den Sub- 
stantiven ganz und gar, bei den adjectiven und participien 
aber behielt es den nom. acc. sg. ntr., doch nur wo er als 
prädicat eines subjectlosen satzes steht, d. h. subject und prä- 
dicat in sich vereinigt (szenden Ujq heute hat es geregnet), oder 
eines satzes, dessen subject eins der neutralen pronomina tai, 
käs, viskos, neks ist (to^wwsiddvg das ist geschehen). Die meisten 
neutralen substantiva werden wegen der von je bestehenden 
gleichheit aller casus ausser den nom. acc. der drei zahlen mit 
denen der masculina auch in den drei ursprünglich abweichen- 
den casus den masculina gleich gestaltet. Im nom. sg. du. er- 
hielten sie die form der masculina, z. b. lünkas hast, preuss. 
lunkan, slav. lyko; ezeras teich, preuss. assaran, abulg. jezero; 
jüngas joch, abulg. igo, skr. yugdm u. s. w. Dagegen im nom. 
pl. übernahmen umgekehrt die masculinen o-stämme die endung 
-ai von den neulra, wie Mahlow 81 erkannt hat^). Hiernach 
sind z. b. in uzszdUq ezerai (zufrierende teiche), ezeral uzszdlq 
(die teiche sind zugefroren) beide worte regelrecht gebildete 
neutrale nom. acc. pl. Im nom. sg. war die masculine form 
ezeras an stelle des nach dem preuss. zu erwartenden *ezerq 
getreten, in folge dessen hatte sich auch die masculine form 



^) Das slawische hat die alten nom. pl. ntr. auf -ä-i (lat. quae) in den 
comparativformen gorXsi Zogr. Luc. 11, 26, boljtsi Supr. 17, 7, an deren 
erkiftrung Scholvin (archiv II, 555) verzweifelt, erhalten. Wie der dat. 
bo^lH dem skr. hdfüyasyäi entspricht, so ist ntr. pl. holjlH der durch urspr. 
% vermehrte gewöhnliche plural bolfiSa. 

24* 



364 J. Schmidt, 

des part. eingestellt, uzs^dlqs ezeras, ezeras uzszdlqs. So sind 
die neutralen uzszdlq, uzszdlq zum plural des masculinen uzsmlqs, 
uzszdl^ geworden. 

Man wird vielleicht fragen, weshalb durch die Substantiven 
neutra pl. nicht auch bei den adjectivischen o-stämmen die 
neutrale pluralform auf die masculina übertragen wurde, warum 
es maz\ ezerai (kleine teiche), nicht *mazai ezerai heisst. Darauf 
ist zu sagen, dass einerseits ein grund erkennbar ist, welcher 
die Übertragung bei den adjectivischen a-stämmen hinderte, 
andererseits ein grund, der sie bei den participien begünstigte. 
Das neutr. pl. der adjectivischen o-stämme war als adverb 
überall in lebendigem gebrauche, mazai wenig, ausserdem be- 
stand eine gleichlautende, nur anders betonte form, mdzai als 
dat. sg. fem. Die spräche hatte also gar kein interesse noch 
ein mazai als lebendigen casus zu erhalten, Hess ihn daher von 
dem nom. pl. masc. mazl verdrängen. Diese Verdrängung 
wurde dadurch begünstigt, dass die pronomina, zu denen die 
adjectivischen a-stämme in der engsten beziehung stehen, die 
alte pluralform des ntr. entweder als ntr. sing, (tal) oder als 
adv. (kai, jai, jel) verwandten und für den pl. ntr. wie m. nur 
die masculinform behielten; durch ^^ ward mazeji, mazl gestützt. 
Dagegen war die Verwendbarkeit von ^vezant, vezq als ntr. sg. 
auf ein miniraum beschränkt, das ntr. sg. setzte also der bei- 
behaltung des ntr. pl. *vezant, vezq geringeren widerstand ent- 
gegen als die viel gebrauchten adverbia und pron. tai, kai u. s. w. 
der bewahrung des ntr. pl. auf -ai. Überdies mochte die be- 
wahrung des alten »organischenc nom. pl. m. unbequem werden, 
indem *vezants = abulg. vezqäte, skr. vdhantas dem neu ge- 
bildeten nom. sg. m. *vezants (jetzt vezqs) in der ausspräche 
nahe kam, *vezenss = urspr. -vens-es mit dem nom. sg. m. 
vezens zusammenfiel. 

Im preussischen scheint der dem nom. sg. gleich gewordene 
nom. pl. m. part. perf. in voller alterthümlichkeit an folgenden 
stellen erhalten zu sein, denen ich die zur beurtheilung noth- 
wendigen entsprechenden worte des deutschen, im enchiridion 
v.J. 1561 mitgedruckten Originals in klammem beifüge*): beggi 



^) Sie sind mir zugänglich durch eine voUständige abschrift aller kate- 
chismen, welche Leskien für sich gemacht und mir mit grosser liebens- 
würdigkeit geschenkt bat. 



Das Suffix des participium perfecti activi. 3g5 

mes asmai sUison neainessa wertei kan mes madlimai, asmai 
stan dygi ni perschlüsiuns (denn wir sind der keines werth das 
wir bitten, habens auch nicht verdienet) enchirid. 24; katvydsa 
duckti ious postäuns asti, ikai ioics Idbban seggßti bhe ni tyt bürai 
asti (welcher töchter ihr geworden seid, so ihr woithut und 
nicht so schüchtern seid) 59; bhe stai tvfrst boüuns ains ^nensas 
(und sie werden sein ein fleisch) 68 ; astai poquoitluns (begehrt 
habt) 88; katvydan ious . . . ains anter smu taukinnons astai (die 
ihr . . . einander gelobt habt) 75 ; kai tms esse Adam mssawidei 
en grlkans pogautei bhe gemnions postanimai (dass wir von Adam 
her allesammt in sünden empfangen und geboren werden) 80; 
stenkysman ioüs toans, is Crixtianiskan mylin bhe ginniskan, 
Schisses niaubüUntis N. enimmans blie stalleti perdin (dieweil 
ihr euch aus christlicher liebe und freundschaft dieses noch 
unmündigen N. habet angenommen und vertretet ihn) 89. Doch 
ist auf die preussischen formen kein sicherer verlass, denn da im 
deutschen das part. die selbe form bei pluralischem wie bei singu- 
larischem subjecte hat (ich bin geworden, wir sind geworden), 
so ist dem Übersetzer, welcher sogar »tochterc und »töchterc 
gleichmässig durch dtickti übersetzte, wohl zuzutrauen, dass er 
darnach auch im preussischen einem pluralischen subjecte das 
particip im nom. sing, geben konnte. Fälle wie mes . . . pogautei 
bhe gemmons postanimai, in welchen das erste particip im nom. 
pl. steht, beschwichtigen allerdings den argwöhn etwas. Doch 
wird er aufs neue erregt, wenn wir, wo kein deutsches particip 
irre leiten konnte, d. h. namentlich zur Übersetzung des futurums, 
einen nom. pl. auf -tisis finden, der sich mit Kleins lit. perejtms 
genau deckt: madliti tytwtrstai ious im^nusis, laukyti tyttvlrstai 
ious aupallusis, klumstinaitai tyt wirst ioumus etwiriuns (bittet, 
so werdet ihr nehmen, suchet, so werdet ihr finden, klopfet 
an, so wird euch aufgethan) 84; en kawydsei debykun nautin 
bhe wargan stai gwrynai malnykiku embaddusisi (in was grosser 
noth und gefahr die armen kindlein stecken). Deshalb wird 
man, vor der band wenigstens, den pluralnominativen auf -ns, 
obwohl sie durch die Sprachwissenschaft als sehr alterthümliche 
bildungen gerechtfertigt werden können, kein volles vertrauen 
schenken dürfen. 

5) Im slawischen lautet das suffix hinter vocalen -vö, 
hinter consonanten -U, da-vü, nes-ü. Miklosich (vgl. gr. P, 
187; IP, 328) und Brückner (archiv III, 269) halten das v für 



366 J* Schmidt, 

einen rein phonetischen, hiatusfüllenden einschub, so dass -vü 
und 'U beide die schwächste form des suffixes, urspr. -us-, 
repräsentieren. Das urslawische war aber hier so wenig wie 
sonst wo in der läge hiate zu beseitigen, weil bereits in der 
Ursprache alle beseitigt waren. Im gegentheil sehen wir durch 
Schwund von consonanten neue hiate entstehen. Diese werden 
später nicht durch consonantenentwickelung sondern durch con- 
traction der zusammenstossenden vocale gehoben: dobrajego 
dobraago dobrago, byvajeSi hyvatm byvaSi, *plet^^hU *plet^€Lchü 
plet^hü plet6chü (s. u.) u. s. w. Im allgemeinen hat das altbulga- 
rische noch den hiatuslosen zustand bewahrt, welchen alle älteren 
phasen des indogermanischen zeigen oder, wie das griechische, 
voraussetzen. Einem vor consonanten erscheinenden wurzelhaften 
i = urspr. ^ entspricht vor vocalen ^j, bi-ti: btj-enü (vgl. skr. 
hht'S : bhiy-ds, ari-5 • »XJ)'oq Einem vor consonanten erscheinen- 
den y = urspr. ü entspricht vor vocalen üv, m-by4i : zchbüv-enü 
= skr. bhü4i'S : bhüv-anam, lit. biUi : büv-aü; svekry : svekrüv^; 
brüV'^ = skr. bhruv-am, vgl. o(pqv(ß)-oq; jsütHxH, vgl. skr. huv-e 
u. s. w. Einem vor consonanten erscheinenden u = indog. eu, ou, 
au entspricht vor vocalen ov, pVurti : plov-q, is-tni-ti, is-trov-enU 
u« s. w., die analoga aus den übrigen sprachen sind allbekannt. 
Allerdings dringt bei verben bisweilen der vor consonanten 
stehende vocal an die stelle des ersten elementes der auflösung, 
bijenü, ismyvenü, öbuvenü statt btjenüf izmüvenü, *öbovenü, 
doch sind die durch die indogermanische regel und die slawi- 
schen nominalbildungen geforderten formen noch bei weitem 
häufiger belegt, wie man aus Miklosich vgl. gr. III *, 108 ersehen 
kann. Hätte nun das slawische vom part. perf. act. nur die 
schwächste gestalt des suffixes überkommen, dann hätten die 
formen von wurzelverben, welche vor consonanten i, y, u haben, 
zu lauten z. b. *bl^j'ü (woraus *btjX *biji, *bij geworden wäre), 
*büV'U, *ploV'U. Deren völliger verlust gegenüber der bewah- 
rung der regelrechten part. praet. pass. b^enü, mbÜvenU, istro- 
venu wäre unbegreiflich. Das ausschliessliche vorkommen von 
formen wie bivü, byvU, pluvü beweist also, dass das v der alte 
anlaut des suffixes ist. Namentlich bivü fällt ins gewicht, da 
der hiatus überall durch auslaufen des ersten der beiden zu- 
sanunenstossenden laute in die ihm entsprechende spirans be- 
seitigt ist, zwischen i und ü also nur ein j, nicht ein v ent- 
stehen konnte. Bei den auf a und ö auslautenden wurzelformen 



Das Suffix des participium perfecti activi. 3g7 

dorvU, d6-vü ist vollends nicht an hiatusfüllendes v zu denken. 
Ihre schwächsten formen hatten in der Ursprache gar keinen 
hiatus, z. b. die dat. sg. fem. daviisi, döniiSi sind an stelle von 
urspr. *dnsidi, *dhusiäi getreten (ztschr. XXV, 31. 35), setzen 
also voraus, dass zur zeit ihrer entstehung entweder in irgend 
einem oder mehreren casus der zugehörigen masculina oder in 
den femininen der participia anderer verba die suffixform -vUs-, 
durch deren anfügung an die ausserpräsentischen verbalstämme 
sie entstanden, bereits vorlag. Die annähme, dass etwa *düsi 
durch eindringen des a aus dachii, dati u. s. w. zu ^da-USi 
geworden und dies auf rein phonetischem wege zu dorv-üsi 
entwickelt sei, ist unerweislich. Da es keine beispiele giebt, in 
denen a-ü, ö-ü {= urspr. e -j- urspr. u) im sonderleben des 
slawischen zusammen getroffen wären, ist ein directer gegen- 
beweis allerdings nicht zu führen, einen indirecten führt aber 
die oben berührte behandlung der unursprünglich auftauchen- 
den hiate in dobra-ago u. s. w. Abgeleitete verba haben in 
der Ursprache überhaupt kein perfect gebildet, wie die Unver- 
einbarkeit ihrer in historischer zeit erscheinenden perfectbildungen 
beweist. So kommt auch im RV. von keinem einzigen abge- 
leiteten verbum ein part. perf. act. vor. Abulg. däavU, umivü, 
chvalivu sind also erst nach dem muster primärer formen wie 
davü, dövü, bivü geschaffen. 

Nur von einer classe vocalisch auslautender verbalstämme, 
den abgeleiteten auf -iti ist bisher die bildung mit suff. -Us 
bekannt: chvaljt neben chvati-vU. Ersteres ist durch *chvaljü 
hindurch aus *chvaVlju entstanden (vgl. chvaljq aus *chvaKjq)j 
also in chvalivu das v sicher nicht zur beseitigung des hiatus 
entwickelt. Miklosich (sitzungsber. der Wiener akad. LXXXI, 
81 f.; gramm. IIP, 117) hält chvalß für die ältere, chvalivU für 
die jüngere bildung. Aus seinen Sammlungen geht allerdings 
hervor, dass im laufe der zeit erstere durch letztere verdrängt 
wird, aber nicht dass letztere überhaupt später entstanden ist 
als erstere. Bereits aus dem Zographos-evang., unbestritten 
einer der ältesten quellen, führt Miklosich an ilagoslovivU, 
väarivuj, pustivUsi, pristqpivu, rastodivU^), welchen allerdings 

^) Ich habe die formen gegeben wie sie a. a. o. der Sitzungsberichte 
stehen, in der grammatik haben zwei derselben andere endungen, udarivu, 
puativüy was ich erwähne, da auf die casus vieUeicht auch gewicht zu 
legen ist. 



368 J. Schmidt, 

56 fomien des anderen typus gegenüber stehen. Vielleicht 
lässt sich auch von anderen abgeleiteten verben die bildung 
mit -w (nicht -vU) nachweisen: Glag. CIoz. I, 40 oubozavai 
6 TiTiaxsvaag kann, wenn es richtig überliefert ist, nichts anderes 
als die dem typus chvalfi entsprechende participialbildung zu 
oubozati sein. 

Man kann nun daran denken, dass -vt2 und -ü die selbe 
stufe des suffixes repräsentieren, so dass hinter vocalisch aus- 
lautenden stammen aus den starken und mittleren casus das v 
auch vor die schwächste gestalt des suffixes verschleppt, das so 
entstandene -vus^ dann auf alle casus ausgedehnt sei. Die 
Verschleppung des v könnte durch das streben nach gleich- 
massiger Wurzelgestalt und gleichmässiger erkennbarkeit des 
suffixes in allen casus herbei geführt sein. Bei den conso- 
nantisch auslautenden stammen war dies desiderat schon ohne 
weiteres erfüllt, daher erklärte sich bei ihnen das unterbleiben 
der Verschleppung. 

Indessen kann -vü auch ohne einwirkung falscher analogie 
dem griech. -«$, preuss. -urnns entsprechen und sich den von 
Mahlow s. 88 zusammengestellten Verkürzungen auslautender 
Silben anreihen. Auch im slawischen ist bisweilen e hinter v 
zu getrübt: dvqji = lit. dvej\; volja : got. vüja; völje, vole: 
got. vaila; su-vodePt, vonja :mhd. wäzm (s. 352); vosa, lit. vapsä 
= lat. vespa; sokü, lit. sakai, lett. sweM harz. So kann der 
alte nom. -ves zu -vös geworden und dann zu -vü verkürzt sein, 
so dass sich -vU zu -lag verhielte wie bratü, makü, vlükU zu 
ipqdxonQ^ fA^xiav, Xvxiav. Desgleichen kann der stamm der 
übrigen starken casus -vens- mit der auch im slawischen vor 
n -{- consonant nothwendigen Verkürzung (s. 338) zu -vens-, 
-vonS' geworden, dann wie im preussischen und litauischen auf 
den nom. übertragen und hier im auslaute zu -vU geworden 
sein. Dann verhielte sich -vü zu preuss. -urnns wie dat. pl. 
-mü zu preuss. -nians. Auch im inlaute konnte -vons- wohl zu 
'VUS' werden, vgl. v-utorU = lit. äntras, got. anpar. Die 
vocaldilDFerenz zwischen -vU und lit. -(vjens findet ein analogen 
in dvcji = lit. dveß. War dies der hergang, dann wechselten 
in der flexion der vocalisch auslautenden verbalstämme ur- 
sprünglich nom. -vU und cas. obl. -tfe- mit einander: chvalivü, 
gen. chvaljXsa, welche ausgeglichen wurden entweder zu chvalivü, 
chvaiivüSa oder zu chvi^^ß, chvaljtsa, und es wird kein zufall 



Das sufiix des participium perfecti activi. 369 

sein, dass von den oben erwähnten ältesten fünf beispielen für 
-vU hinter i-stämmen aus dem Zogr. vier im nominativ stehen. 

Gonsonantisch auslautende verbalstämme haben nur -it, 
'US' kein -vu, "VUs-. Letzteres kann durch ausgleichung ver- 
drängt, aber auch, wenigstens hinter gewissen wurzelauslauten, 
auf lautlichem wege zu ü geworden sein. Hinter b schwindet 
V regelmässig: ohiti aus o&w-wYi u. s. w, Miklosich P, 234, ver- 
muthlich auch hinter p (beispiele fehlen), mehrfach hinter s : 
sestra, lit. sesu, preuss. swestro; sesti, dor.j:^?, abaktr. khshvas; 
soku, lit. sakal, lett. sweki harz ; os^Jcii, ahd. sweiga (Fick) ; strögq, 
lit. sergu hüte, ahd. sworga; vM, v^sii, lit. visas, skr. vigvas; 
hinter 0: vUzUpiti aus vUeüvüpiti; hinter n : nitnij, got. minniza 
aus ^minvim. Also nominative wie grehU, nesii, vezu können 
auf lautlichem wege aus *grebvU, *nesvu, *vezvu entstanden sein ; 
dass sie es müssen, lässt sich natürlich nicht erweisen. 
Jüngere formen wie mklqvu, prostrUvU, minqvU (Miklosich IIP, 
105. 106. 111) kommen hier selbstverständlich nicht in betracht. 

Hinsichtlich der flexion ist zu bemerken, dass vom fem. 
"üsi aus sich wie im litauischen die flexion nach analogie der 
./a-stämme über fast alle casus des masc. und neutr. erstreckt 
hat. Die consonantische flexion hat sich erhalten nur im nom. 
sg. m. -vU, -U, dem gleichlautenden nom. ntr. (der acc. ntr. 
lautet schon -Use, Scholvin archiv II, 545) und dem nom. pl. 
m. auf "vUS-e, -Us-e. An eine grundform *'usjes ist hier nicht 
zu denken. Entweder ist *-wses durch ^^-üche hindurch zu -iise 
geworden oder das s ist von den ^a-casus übertragen wie in 
vezqste = vähantas, fem. vezq^ti = vdhantT, lit. vezanti das gar 
nicht anders erklärbare st. 

Der consonantische dativ hat sich wie im litauischen als 
gerundium erhalten. Abulg. pozdö hyvUsi pride clovikU logatü 
Supr. 341, 20 = pozdö Se byvüSu pr. 61. 342, 1; pozd^ ze byvüäi 
sqtU Glag. Gloz. I, 921 = pozdö byvvtsju pride clovökü iogcUü 
935. 948; pozdö lyvusi Zogr. Mc. 1, 32 = pozd6 byvUsju Zogr. 
Matth. 8, 16; 27, 57; Mc. 15, 42, Assem. p. 49, 19, 141, 9; 
i vueruiu da mi ie nazem zuete betisi iti se na on zttet mon. 
Frising. 1, 8 (kslaw. i vörujq da mi jesft na sern^ sväö byvusi 
iti ze na onU sväu). Das entsprechende präsentische pozdc 
sqsti führt Miklosich gr. IV, 615 aus ev. Assem. an = pozde ze 
sqStju casu Zogr. Marc. 11, 11. Aus der vollkommen gleichen 
Verwendung von bt/vüsi, sqsti und byvüSju, sqStju in den selben 



370 J- Schmidt, 

quellen ergeben sich erstere zweifellos als dat. sg. m. oder 
ntr., und so fasst sie auch Miklosich IV, 141. 615 (in der Formen- 
lehre IIP, 20. 24 sind sie nicht verzeichnet) unter vergleichung 
der litauischen gerundia und der sogenannten dativi absoluti 
in den germanischen sprachen. Die in den übrigen slawischen 
sprachen entsprechenden gerundia oder indeclinabelen participial- 
formen erklärt aber Miklosich IV, 616. 825 und überall in der 
Formenlehre (IIP, 157. 162. 228. 314. 316. 376. 446. 449. 488. 
489) nicht aus abulg. -cisti, -^ti, -vüSi sondern aus dem nom« 
pl. -qßte, -qSte, -vUse, obwohl die lautgesetze Schwierigkeit machen 
und die russischen und kleinrussischen formen sich durch ihre 
construction als dative ergeben. Nslov. Mvsi ist = abulg. lyvüsi, 
aslov. leusi, und lodöc ist aus hqdqsti entstanden wie lödes 
aus Iqdesi (bqdqMe würde e bewahrt haben wie Jx^dete = nsl. 
bödete, löste). Serb. buduci, bivSi, klruss. buducy, buvSy, russ. badtuli, 
byvSi, osorb. diicy (idqSti), biwäi ergeben sich ohne weiteres als 
urslaw. bqdqsti, byvüSi, desgleichen poln. bywsßy, das praes. b§dqc 
hat i verloren wie 2. sg. imperat. bi^djs (bqdi), inf. byc (byti), 2. sg. 
ind. b^eiesz (bqdeSi), Miklosich selbst belegt die alterthüm- 
lieberen formen jadqcy, müujqcy, will sie aber trotzdem aus 
abulg. -qßtey -qSte herleiten (III ^, 449) ; e wäre nicht geschwunden 
(vgl. bqdziede = bqdete). Das cechische hat vom part. perf. die 
auf i auslautende form nicht bewahrt, wohl aber vom part. 
praes., es sind die gerundia wie pocnüc, bei welchen Miklosich 
IIP, 376 Verlust eines e annimmt, obwohl die nominative pl. 
der partlcipia, sowohl als gerundia erstarrt wie als lebendige 
casus, das e bewahren, Sddajice, chodjece (a. a. o. und IIP, 350) 
in Übereinstimmung mit der 2. pl. chodUe. Vielmehr haben 
die gerundia auf c ein i verloren, welches Miklosich selbst aus 
mährischen Volksliedern belegt, z. b. chodaci; das i ist abge- 
fallen wie in der 2. sg. ind. pleM = abulg. pletesi, im imperat, 
plef = abulg. pleti und im inf. tvorit, tvofiP (III \ 373). Dass 
nun alle diese formen, welche ersichtlich auf urslaw. -i zurück- 
weisen, dative sind, beweist ihre im russischen und kleinrussi- 
scben erscheinende Verbindung mit dem dat. sg. imd plur. des 
zugehörigen nomens (Miklosich IV, 616. 827. 837), z. b. klr. 
buducy hospodarju koroPu jeho mylosty v Krdkovi, posylal Jeho 
mylosf popysyvaty vsych Moskvyö. nam buduSy u Perekqpi, 
posylal jesmy. pryjichavsy vcjevod'i naSamu, pervoho d/Aa jemu 
hrest cilavaly. ptySedSy nam v genHy üverskyje, tyje jesmo 



Das Suffix des parücipiura peifecii activi. 371 

zaniky inocno vidly. In dem oben aus dem mon. Frising. ange- 
führten Satze ist zweifelhaft ob der dat. mi mit heusi oder mit 
ie iti oder mit beiden zu construieren ist. Die Verbindung des 
singularen dativs des participiums mit dem pluralen des nomens 
findet sich gerade so beim litauischen gerundium: täs vaikins 
hüvo jenis vakarenq bevdlgant ozhq pavögqs, Schleicher leseb. 
s. 129, 6. Desgleichen die von Miklosich IV, 825 f. 835 f. be- 
legte Verbindung der gerundia mit dem nom. sg. pl. ^): nesa- 
hykit nieldm t'evui käd bernytis skendo, hent sakykit m'eldm t'evui 
kad zirgyczvs glrdant, Schi, leseb. s. 34 v. 4. bevdlgant zvirb^V^, 
betrdszkinant iszniaukö (pl.) cUüko dvl püsbaczki, ebenda s. 17. 
Wenn die formen auf -5i, -i^i im abulg. seltener vorkommen 
als in den übrigen slawischen sprachen, so hat dies seinen 
grund darin, dass im abulg. die nominale flexion der participia 
noch lebendiger war als in fast allen übrigen sprachen, die 
absoluten dative also in ihrer dativischen function noch klar 
empfunden wurden und daher meist die in den übrigen casus 
herrschende Jo-flexion erhielten, byvüsju neben byvüsi. Diese 
gemeinslawischen byvüsi, sq^ti entsprechen lautlich und syntak- 
tisch genau den lit. büviis(i), esant(i), können also nur conso- 
nantische dative sein. Nach synom = skr. swmve, nebesi = 
ndbhasB, kameni = dgmane hätten den skr. babhüvushe, sait 
lautgesetzlich zu entsprechen *byvUsi, *sqti; die vorliegenden 
byvüSi, sqSti haben wie die nom. sg. fem. ihr S, St aus den üb- 
rigen der ^a-flexion folgenden casus übertragen. 

6) Aus den germanischen sprachen sind nur wenige 
trümmer des part. perf. act. erhalten: got. veitvöds, beru^ös 
masc. eitern, ags. Bgesa, egsa, as. ecso eigenthümer = got. *aigt4sja 
(H. Möller ztschr. XXIV, 447), gerade genug um erkennen zu 
lassen, dass wie im slawischen und litauischen vom fem. nom. 
*-e*s*, gen. "^-mjös aus der Jo-stamm auch in die schwachen casus 
des masc. übertragen ist. Wir haben dafür ein völliges ana- 
logon in der von Sievers beitr. II, 124 unrichtig erklärten de- 
clination der adjectivischen t*-stämme. Diese können im skr. 
ihr fem. auf drei verschiedene weisen bilden, welche zum theile 
alle drei bei einem und dem selben stamme üblich sind: tanüs, 
tanüs, tanvt; im griech. sind davon zwei erhalten ^dvg amgA^ 



^) Dadurch wird nicht ausgeschlossen , dass auch der erstarrte nom. 
sg. bestimmter flexion sein contingent zu diesen redewendungen gestellt hat. 



372 J. Schmidt, 

fA 369 und ^dsta. Nehmen wir an, das germanische habe vor 
dem wirken der auslautsgesetze ebenfalls alle drei bildungen 
gehabt : hardüs, hardäs, hardvt = lit. kartt, so mussten durch 
das auslautsgesetz die beiden ersten zusammenfallen, da -üs 
zu 'US verkürzt wurde (vgl. qairnm = abulg. zriny). Die dritte 
^hardvt ward zu *hardi, acc. hardja mit Verlust des v wie 
gdhardjan, htiggrjan (hührus). Der nom. auf i ist nur in dem 
substantivischen mavi (:magus) und in vöfn angenehm, dat. 
vopjai erhalten, welches wir, obwohl keine weitere form belegt 
ist, mit Sicherheit als alten M-stamm erschliessen können. Aus 
den beiden alten femininbildungen hardtis und *hardi ist die 
historisch überlieferte femininflexion in der weise entstanden, 
dass der nom. *hardi im got. durch hardtis verdrängt ward, 
alle übrigen casus aber nur von *hardi gebildet wurden : hardja 
= lit. härczq, paursja = skr. trshvtm, Jcaurja = gurvtm. Dem 
entsprechend wurden dann auch alle casus des masc. und 
neutr. ausser dem nom. hardus, hardu vom stamme *hardja' 
gebildet, der in allen aussergotischen sprachen in alle casus 
aller geschlechter gedrungen ist. Der selbe process hat sich bei 
den part. perf. act. vollzogen, wie das männliche geschlecht 
von Mrmjös und ags. egesa lehrt, der selbe auch bei den part. 
praes. act. im westgermanischen, was hier nicht weiter aus- 
geführt werden kann, berusjös aus fem. *herusi ist genau 
analog dem griech. idvlo& aus idvta. 

7) Italische sprachen. Lat. cadäver und papaver wird 
man nicht eher mit Curtius (verb. II ^ 250) als part. perf. be- 
trachten dürfen, als ein verbalstamm cada- »fallen« nachge- 
wiesen ist. Das suff. 'ver in dem neutr. cadäver könnte urspr. 
-ves = gr. 'Og sein , in papäver (altlat. masc. Neue 1 2, 625) 
müsste es aus den cas. obl. in den nom. übertragen sein. Eine 
sicherere spur des participiums glaube ich anderswo zu finden. 
Das auf der oskischen tabula Bantina zweimal vorkommende 
sipm identificiert man seit Grotefend mit dem lat sibus callidus 
sive acutus (Paul. exe. Fest.) und übersetzt die durch A. Kirch- 
hoflf (stadtr. v. Bantia 24) richtig gestellte formel sipt4S perum 
dolom mallom durch »sciens sine dolo malo« als gegensatz des 
römischen sciens dolo malo. Man hält es für den nom. sg. eines 
Stammes sipo- ohne sich durch die dann gesetzwidrige bewah- 
rung des stamm vocals im nom. stören zu lassen (Gorssen n^, 
115; Enderis formenl. XLVII). Gvgtajevü (sbomikü s. 99 f.) 



Das Suffix des participium perfecti activi. 373 

will die nominative sipm, facus, praefums der TB. auf römi- 
schen einfluss zurück führen, allein cevs Bantins der selben in- 
schrift widerlegt ihn^). Ausserdem ist die übliche identificie- 
rung von fcictis, praefums mit lat. factus, praefectus auch hin- 
sichtlich der consonanten lautgesetzwidrig, wie Uhtavis, 
saahtüm, ehtrad lehren. Das richtige über fdciLS, praefucus 
hat längst Bugge gesagt ohne beachtung gefunden zu haben. 
Er erklärt sie als facu(o)s, praefucu(o)s, gebildet wie individims, 
perspicuits (ztschr. II, 383, altital. Studien 21). So begreift sich 
auch das u der Wurzelsilbe von praefticus als assimilation an 
das folgende u (vgl. pertumum : pertetnest, pertemust), da an 
Schwächung allein wegen der Stellung im zweiten gliede der 
composition zu denken Anter-stata! und di-asiis (bes, 
Corssen eph. ep. II p. 170) verbieten. Entsprechend will Bugge 
auch sipus aus *sipuos von einer wz. sip = got. saiJwan her- 
leiten. Auf keinen fall kann es von einem stamme sipo- 
kommen. Die deutungen der volskischen Inschrift von Velletri 
sind viel zu unsicher, als dass die annähme, ihr s^u sei ab- 
lativ des oskischen sipus (Mommsen UD. 325, Corssen de Vols- 
corum lingua p. 25) gegenüber dem klaren auslautsgesetze des 
oskischen in die wagschale fallen könnte. Höchstens als meta- 
plasmus wäre dies sepu zu begreifen. Den ausschlag für die 
beurtheilung des oskischen sipus giebt der vocal der ersten 
silbe. Diesen als »Schwächung« des a von lat. sapio zu be- 
trachten (Corssen II 2, 19. 27, Bruppacher lautl. 28) wird jetzt 
niemand mehr über sich gewinnen, da sapio, (faif^g, mhd. ent- 
sehen ursprüngliches a erweisen, sipus verhält sich zu lat. 
sapio wie die ebenfalls nur auf der TB. vorkommenden hipid, 
pruhipid, hipust, pruhipust zu lat. hdbeo, osk. haftest TB. Bugge 
suchte in haftest : hipid einen »unregelmässigen ablaut ähnlich 
dem in lat. gradior : gressus, fatiscor : fessus<ii (ztschr. III, 419). 
Dem widerspricht erstens das oskische i, zweitens der ganze 
Zusammenhang des vocalismus, der hier nicht welter erörtert 
werden kann {gressm stimmt zu got. grids, abulg. grqdq, wäh- 



^) Der nom. Herenniu Cv5t. no. 1 einer im Aequerlande gefundenen 
auch sonst besondere eigenthümlichkeiten zeigenden inschrift kommt für 
den dialekt des lucanischen Bantia nicht in betracht. Ebenso wenig der 
bruttische ziegelstempel üBFKEJfOS Cv5t. no. 143; dass dieser die 
griechische, nicht die oskische form des nom. enthält, lehrt Perkens 
Cv$t. no. 53. 



374 J* Schmidt, 

rend gradw abweichende farbung hat; umgekehrt stimmt das 
a von haftest zu got. hahan, während das i von hipid ab- 
weicht). Ebenso wenig überzeugt mich Bugges neuere herleitung 
von hipid aus *hafifid (ztschr. XXII, 451 f.). Gorssen (ztschr. 
XI, 371, ausspr. P, 429) nimmt an, ein perfectstamm *hehap 
sei zu *hehip geworden, dann habe sich das e der redupli- 
cationssilbe zu i gewandelt, wie in didest dabit, endlich *hihip 
zu Mp (ebenso Bruppacher lautl. 28, Enderis formenl. XXXIX). 
Aber es ist weder erweislich, dass *hehapid zu *hehipid werden 
konnte, denn fefacid, fefacust sind unverändert, noch dass in die 
reduplicationssilbe des perf. i dringen konnte, denn neben didest 
steht perf. deded mit e, ausserdem ist das i von didest nicht 
im oskischen aus e entstanden, sondern stammt wie das von 
did(o(A& aus der Ursprache (ztschr. XXV, 74). Die TB. zeigt 
jedes ursprünglich lange lat. e zu i gewandelt: ligtid lege, ligis 
legibus, lidtud liceto, sicolom dieculam, nm* das durch folgenden 
nasal unursprünglich gedehnte e von keenzstur Gv. 20 er- 
scheint auch auf ihr als e, censtur u. s. w. Also ist hipid eine 
perfectbildung wie lat. egi, cepi, ßd, fregi, j&ci, merkwürdig 
übereinstimmend mit italien. ehhi, ei, canter-ei = lat. *h^hi. 
Sein p gegenüber dem f von haftest weiss ich ebenso wenig zu 
erklären wie ip gegenüber puf (umbr. ife, pufe, lat. ibi, w6i), 
es scheint irgendwie durch die perfectbildung bedingt zu sein. 
Man wende nicht ein, dass ja dem lat. ßd oskische frfadd, 
-ust gegenüberstehen. In der Ursprache hatten S nur die 
schwachen formen solcher perfecta, deren wurzelvocal in den 
starken formen o lauTtete (e-wurzeln), die Übertragung des 5 auf 
wurzeln der a-reihe ist etwas specifisch italisches. Nach dem, 
was ztschr. XXV, 8 über die wurzelvocale und ebenda 30 f. 
Über den verlust der reduplicationssilbe ermittelt ist, haben die 
italischen sprachen vor dem beginne ihrer sonderentwickelung 
die perfecta der a-wurzeln flectiert *fefaci, *fäcimi4S (vgl, tehUi, 
tülimus; auf die gestalt der der wurzel folgenden silben ist hier 
gar kein gewicht gelegt). Im irischen ist dieser ablaut a : a 
noch erhalten, s. Scherer GDS.^ 257. Daraus entwickelten 
sich, wenn es gestattet ist der kürze halber alle Veränderungen 
an einem verbum vorzuführen, 1) ^ef(Ui^ *fef&cmus, später 
^fefäciy "^fefäcimuSj ^fefid, ^feßdfims (belegt in pepigi, pepi- 
gimtAs), 2) *f^> *fädmus, (wie air. ro gdd sa rogavi : 1. pL 
ro-gadammar, täich confugit : ro tachatar fugerunt) später VJüci 



Das Suffix des participiam perfecti activi. 375 

*facimiis (belegt in scäbi, scäbimus = got. sJcöf, 3kölmm\ 3) mit 
Übertragung des e aus formen wie sedimits = got. s^um, skr. 
sedimd zunächst vielleicht in die schwachen formen *fefaci, 
fedmus, später feoi, fednms^). Da pSghrms neben pepigimus 
lehrt, dass in einem und dem selben verbum sogar innerhalb 
der selben spräche mehrere dieser Umgestaltungen eintreten 
konnten, befremdet es nicht in fed, osk. fefaciist, umbr. fakust 
deren sogar drei auf verschiedene dlalekte vertheilt zu finden; 
welche drei, das lässt sich leider wegen mangelnder quantitäts- 
bezeichnung im oskischen und umbrischen nicht bestimmen. 
So widerspricht auch osk. fefacust der oben von hipid, hipust 
gegebenen erklärung nicht, beide bildungen waren neben einander 
möglich \vie pepigi neben fr^i. Umbr. hdbus verhält sich zu 
osk. hiptcst wie umbr. fakust zu fecerit^). Der parallelismus 

*) Wie diese ausschliesslich italische Übertragung des e zu stände ge- 
kommen ist, weiss ich nicht. Wäre sie nur lateinisch, dann könnte man 
denken, sie sei eingetreten, als die typen *pepägi und *memoni (/Lti/nöya) 
durch die ausschliesslich lateinische vocalschwächung gleiche vocalisation 
erhalten hatten: pepigi, memvni, so dass die pluralvocalisation der e-wur- 
zeln auf den plural der a- wurzeln übertragen wurde wegen der gleich heit 
der singularvocalisatioD : pepigi^ pegimus nach *8e8idif sSdimus. Allein dem 
widerspricht das oskische, in welchem, trotzdem der sing. perf. von a- 
und 6-wurzeln lautgesetzlich nicht gleich geworden sind (fefacid)^ das i 
= urspr. e im perf. der a-wurzeln erscheint (hipidj. Auch Corssens an- 
nähme *fefäci sei zu *fefeci geworden wie hälare zu anhElare und dann 
die reduplication geschwunden (krit. beitr. 530 f., ausspr. II*, 578 f. anm.)» 
scheitert am oskischen hipid, Gorssen selbst hatte sie ausspr. I *, 564 auf- 
gegeben und statt ihrer die früher (krit. beitr. 533) von ihm als unge- 
nügend bezeichnete Leo Meyers (vgl. gr. 1, 134) angenommen, nach welcher 
S eine »lautsteigerungsform« des a sei; auch sie ist heute unhaltbar. 

*) Auch das umbrische scheint ein beispiel von * im perfectstamme 
an stelle von g zu bieten, dennprusikurent declaraverint (zu lat. m-^egwe, 
^yyinSf Aufrecht-KirchhofTI, 32) ist wohl kaum anders zu erklären, benu- 
rent venerint, welches sich nur mit e findet, widerspricht dem nur 
scheinbar. Auf der TB., welche jedes ursprünglich lange e zu t gewandelt 
hat, finden wir pert-emust, per-emustj deren e also kurz war. Ausserdem 
ist nur noch ein e-perfectum belegt küm-bened C. Ab. 11, aber auch 
dies hat kurzen vocal, denn lat. e ist auf dem cippus überall durch i ver- 
treten llgatüls 6. 7. 10, llkltud 37, flisnam 32, fisnam 45 (umbr. 
fesnaf-e, fesner-e), nur das unursprünglich lange teer[üm] 12, terüm 
18, terei 19. 46. 49, terels 20 hat nicht 1 ganz entsprechend dem ver- 
hältniss von censtur zu ligis u. s. w. auf der TB. Ausserdem ist zu be- 
rücksichtigen, dass im oskischen perf. zu lat. venio nicht wie in lat. vdni- 
mu8, got qi^mum das B von formen wie aidimus (situm, sedimd) einge- 



376 J. Schmidt, 

von hipust : Jiafiest, lat. haheo = sipus : lat. sapio ergiebt nun, 
dass sipus das part. eines perf. ist, welches lat. *sepi lauten 
würde und in ital. seppi thatsächlich vorliegt in bemerkens- 
werther Übereinstimmung mit hipid : ital. ebbt. 

Wie steht es nun mit lat. sibtis, persüms. Sie sind über- 
liefert in folgenden stellen, Paul. Fest. p. 336 M. sitms callidus 
sive acutus. Varro de 1. 1. VII, 107 M. apud Naevium . . . 
in Demetrio: persibus a perlte, itaque sub hoc glossema callide 
subscribunt (Naev. v. 50 Ribb. com. ^ p. 14). Fest, p, 217 M. 
persibus (persicus hs.) peracutum significare videtur, ut Plautus: 
»Nihil de consiliare sibus nisi qui persibus sapis«. Naevius: 
»Et qui fuerit persicus carpenti adstratio«. Den Plautusvers 
stellt 0. Müller her als: nil deconcilläres ibus nisi quid persibus 
sapis, den Naeviusvers Ribbeck com.^ p. 27 v. 116 als: Ecqui 
fuerit persibus cum argenti adest oratio? Aus der Überlieferung 
folgt also für die quantität des i nichts sicheres. Da nun ein 
ablautsverhältniss von s^bus : sapio beispiellos ist, sehe ich nur 
folgende alternative. Entweder das i war kurz, dann hat ein 
Simplex sibus nie bestanden und ist nur von grammatikern 
aus dem in ihren belegsteilen allein erscheinenden schon ihnen 
nicht mehr klar verständlichen — man beachte Festus' signi- 
ficare videtur — compositum jpersi6«*s gemacht, welches dann 
aus *persäbics entstanden ist. Das sich so ergebende simplex 
*sabus verhielte sich zu osk. sipus wie umbr. Äaftws zu osk, 
hipust; eventuell könnte die composition an dem Verluste der 
reduplication schuld sein. Oder das simplex sibus bestand 
wirklich, dann muss es langes i gehabt haben und aus *sebus 
entstanden sein, vgl. slca : abulg. pchsSku incisio, s^ca caedes 
u. a. voc. II, 358 — 369. Die in lebendigem perfectischem ge- 
brauche gebliebenen feci u. s. w. erleiden zwar nie den wandel 
von e zu J, doch daraus schliessen zu wollen, dass auch eine 
erstarrte aus dem verbalzusammenhange ausgeschiecjene form 
diesen wandel nicht erleiden konnte, halte ich für gewagt. 
Nachdem ^sepi durch sapui aus der Schriftsprache verdrängt 



drungen ist, sondern wie im skr. die alte consonantengruppe unverstQmmelt 
und in folge dessen der reduplicationsvocal unverlängert erbalten ist, wie 
cehnust TB. für ^ge-hn-uat : skr. ja-gm-imä beweist (Osthoff MU. I, 118 
anm.). In kümbened, umbr. benurent u. s. w. haben wir also nicht den 
schwachen perfectstamm des plurals sondern den starken des Singulars mit 
Verlust der reduplication (vgl. got. qam) und des ablautes. 



Das Suffix des participium perfecti activi. 377 

war^), konnte ein altes nun adjectivisch empfundenes *89pus 
leicht vom wege der übrigen perfecta abkommen, ähnlich wie 
im deutschen die participia, deren zugehörige verba verloren 
sind, von dem für die übrigen obligatorischen ge^ frei bleiben: 
eigen. Zwischen den beiden erklärungen eine begründete wähl zu 
trefifen, ist mir bei dem stände der Überlieferung nicht möglich. 
Ebenso wenig lässt sich sicheres über den vocal der zweiten 
silbe ermitteln. Da wir kein ursprünglich auf -ws auslautendes 
wort im oskischen erhalten haben, andererseits urspr. ö auf 
der TB. stäts als u erscheint (impcrat. facttui, actud u. s. w., 
ablat. dolud, mallud, preivatud, (ütrud u. s. w., pru, censtur\ 
lässt sich nicht entscheiden, ob sipus den schwächsten stamm 
auf "US in den nom. übertragen hat wie vielleicht die slaw. parti- 
cipia, oder ob sein -us aus dem mittleren stamme -ves durch 
das oskische auslautsgesetz entstanden ist oder endlich dem 
griech. -m entspricht. Sicher ist nur, dass sipus nicht aus älterem 
*sipos entstanden sein kann, also auch lat. sihus ursprünglich 
nicht der nom. eines o-stammes ist, wodurch natürlich nicht 
ausgeschlossen wird, dass nach dem zusammenfallen von urspr. 
-OS und -US im lateinischen sibus in die analogie der o-stämme 
übergetreten sein kann (vgl. bardus aus ßqaövq). Sollte sibus 
langes u gehabt haben, so v^rürde die endung dem gr. -w^ ent- 
sprechen, sollte es kurzes u gehabt haben, so könnte dies der 
vocal der schwächsten form des sufßxes urspr. us sein oder 
aus dem ve der mittleren form entstanden (vgl. die u von 
gula, concussus^ cujus aus ve ztschr. XXV, 94). Leider kommen 
wir wegen zu dürftiger Überlieferung auch hier nicht weiter 
als zu mehreren möglichkeiten, nicht zu einer nothwendigkeit. 
So viel aber ergiebt sich, dass der deutung, zu welcher der 
erste vocal von osk. sipus zwingt, von allen anderen seiten 
nichts entgegensteht 



Das primäre comparativsuffix. 

Brugman bemüht sich auch hier eine in allen casus nasal- 
lose form für die Ursprache zu erweisen. Der nasal in skr. 
svddlyamsam ist ihm zufolge aus den part. wie vidvdnisam 



*) Die perfecta von sapere und habere zeigen schon im altitalischen 
eine merkwürdige beziehung, osk. sipus wie hipid, lat. sapui wie habüi, 
Zeitschrift fOr vergl. Sprachf. N. F. VL 4. 25 



378 J. Schmidt, 

übertragen (ztschr. XXIV, 97). Eine begriffliche Verwandt- 
schaft der comparative mit den part. perf. hat noch nie- 
mand nachgewiesen, eine formelle auch nicht, denn in den 
mittleren und schwächsten casus waltet nicht die mindeste 
ähnlichkeit (svädtyasas, svddlyöhhis gegen vidüshis, vidvädbhis). 
Brugmans annähme würde also wahrscheinlich sein, nur wenn 
alle den part. perf. in gleichem grade verwandten oder unver- 
wandten wortformen den nasal übernommen hätten, d. h. wenn 
alle nomina, welche ursprünglich in den starken casus den 
Stammauslaut -äs- hatten, diesen durch -aths- ersetzt hätten. 
Das ist bekanntlich nicht geschehen. An usMsam würde 
Brugman scheitern, selbst wenn seine erklärung des part. perf. 
act. richtig wäre. 

Andererseits begegnet der nasal von svddiyamsam wieder 
in ^diova und dem lit. comparativadverb saldzaüä^ superl. saJr 
dedasias, deren -iatis man seit Bopp aus -dans erklärt. Brugman 
s. 60 bestreitet dieser erklärung den »genügenden anhält an 
den litauischen lautgesetzenc. Leider giebt es sehr viele that- 
sacben, die sich noch auf kein [bestimmt zu formulierendes 
gesetz zurück führen lassen', deren anerkennung wir uns aber 
nicht entziehen können. Zu ihnen gehört der Übergang von an 
in lit. au, der bereits voc. 1, 176 durch mehrere beispiele belegt 
ist. Folgende falle werden annähernd sicher sein: dueülas, 
preuss. ausonis eiche, russ. lit. anzülas (Geitler 55. 76), ebenso 
in alten drucken (Bezz. 39 f.) ; uiülas Szyrwid (Ness. wtb. 36), 
lett. üfäls weisen ebenfalls auf *anfüls; grduzti nagen, preuss. 
grensings bissig; daüg viel, älter ciaugi,^daugia (Bezz. 72) ntr« 
sg. zu abulg. dqzX robustus {danksin Bezz. LLD. I, 28, 8 ist 
druckfehler, wie dauksin 29, 10 zeigt) ;\skraudüs brüchig: ahd. 
scrintan scrant bersten); gaudzu gausH tönen : abulg. gi^dq (For- 
tunatov Bezz. beitr. III, 56) ; spraudeu dränge, su-sprausü : lett. 
sa-sprist zusammendrängen, lit. sprendeu umspanne (voc II, 500)9 
spraustis, sprastis sperrruthe der leinweber, knöpf (Ness. 495. 
496), letzteres wohl sprqstis zu schreiben, vgl. Bretkens spranstas 
buckel, knauf (Bezz. 42); spdudeu spdusti drücken, lett. spifchu 
spifl drücken, lit. spenden stelle fallen, spqstasMle = lett. ^9&sts, 
lett. spanda band, welches pflugschar und fernem zusammen 
hält. Im zem. erscheint ou statt an mehrfach vor Zischlauten: 
sklwstys riegel: us-si-sklensU sich verriegeln (Geitler 109. 118), 
sUindas riegel, Bretken hat je ein mal uisklaustuvts und 



Das primäre comparativsuffix. $79 

shlanstiwus (Bezz. 45); ousms, anszas, wanseas haken (Geitler 
99) ; roustas, ranstas balken (Geitler 106, Bezz. 42) ; iotms gans 
(Geitler 123). Ferner leil.plauksta flache band: pluku(:=:pl(mku) 
plakt flach werden, lat. planem; preuss. auctan vocab., atuste 
Grünau: ahd. ancho, lat. unguen, skr. anj. Die folgenden au 
beruhen nur auf dem handschriftlichen wörterbuche im Königs- 
berger geheimen archive, so dass die möglichkeit einer ver- 
schreibung nicht ausgeschlossen ist: augstirai = avikseürai 
engerlinge, finnen (Ness. 6. 14), lett. angsteri, ahd. angari, 
engirinc curculio (Bezz. 45 anm.); präucUis sitte, weise = prandas 
art^ natur, gestalt Bd. Qu. (Ness. 312. 314). So lange das 
gegentheil nicht mit bestimmten gründen nachgewiesen ist, 
glaube ich also, dass die herleitung von saidiads aus *saldian8 
»genügenden anhält an den litauischen lautgesetzenc hat und 
dass durch die Übereinstimmung von lit. -iaus und skr. -lyams für , 
irgend welche casus der Ursprache die existenz des nasals ge- 
sichert ist. 

Endlich das griechische -*«v. Brugman s. 64 postuliert 
eine alte flexion ^fj^Bii^aog, *fA€iSo(if)og, *fA6iCo((Sji, *fji,ei^o(if)a 
u. s. w. Daraus wäre im attischen geworden *fi6i^wg, *fA6iCovg, 
*fji,6iio&, lAsiZdü, Diese flexion sei aber nicht »mundgerecht und 
durchsichtig« gewesen, der »trieb nach deutlichkeitc habe den 
anschluss an die v-declination, iisi^ovog u. s. w. bewirkt. Aber 
aiddg aidovg aidol, Aiftfi AijxoSq Aiftot waren mundgerecht und 
durchsichtig, an ihnen hat kein trieb nach deutlichkeit gerüttelt! 
Also Brugman hat weder die indische noch die Utauische noch 
die griechische form des comparativsuffixes erklärt, welche zu- 
sammen eine nasalierte form für die Ursprache erweisen. Die 
nasallosen formen darneben werden uns nicht mehr beirren. 

Ziemlich verwickelt sind die vocalverhältnisse wegen der 
mehrfachen Variationen, welche die accentbewegung bewiri^t 
Die übereinstimmende betonung von svddtydM ^öiov, got. jühiaa 
(Verner ztschr. XXIII, 127), von skr. bdliyan und russ. bdt^§if 
und die hochtonige stufe des wurzelvocals im arischen und 
griechischen (ztschr. XXV, 156) erweisen für die Ursprache 
Wurzelbetonung der starken casus. Ferner erweisen jtfeshthd-, 
hanishihd-, dhamshthd (bamhishtha- und gravishthä werden als 
oxytona und proparoxytona überliefert) in Verbindung mit 
den ordinalien catt^iM- u. s. w., got. sibunda u. s. w., russ. 
Sestqj, griech. eUoiStog u. s. w. ursprüngliche oxytonierung der 

25* 



380 J. Schmidt, 

zugehörigen Superlative. Diese bewirkte eine reduction des 
wurzelvocals, welche später fast überall der vocalstufe des com- 
parativs wieder gewichen, aber doch in unverkennbaren spuren 
erhalten ist : skr. jyd^änis- :jyeshthd-, d. i. jychisMhd-; xQsitfacov: 
xQariarog; abaktr. fräyäo : fra^tor, d. i. urspr. pre-jöns- oder 
prt-ljönS' (air. lia, lat. pleores) ; pra^stö-, welche in entgegen- 
gesetzten richtungen ausgeglichen sind einerseits zu nXsiwv, 
nXsiazog, andererseits zu anord. fleiri, flestr (ei = urspr. ai), 
in beiden fallen ward die kürze auf den comparativ übertragen 
wie in skr. stheyäms-, sthishtha- gegenüber jydyams-, jyesMhd-. 
Die schwachen casus des comparativs hatten, wie der ablaut 
des Stammbildungssuffixes beweist, ursprünglich jedesfalls einen 
höheren ton auf den casussuffixen als auf dem stammbildungs- 
suffixe. Die frage ist nur, ob er die alleinherrschaft über das 
ganze wort gewonnen hatte, oder ob auch die Wurzelsilbe noch 
einen höheren ton, das ganze wort also zwei vermuthlich nicht 
gleich starke accente hatte wie die vedischen infinitive des typus 
etaväi. Erslere annähme würde, da von der accentwandlung 
selbst keine spur mehr erhalten ist, nur durch ablaute der 
Wurzelsilbe zu beweisen sein. Deren liegen allerdings einige 
vor, aber von nicht genügender Sicherheit. Skr. hhüyas neben 
bhdvlyasa RV., welches man darauf deuten könnte, mag sein 
ü aus dem positiv hhuri übertragen haben. So lässt sich auch 
Ikdaaiov statt ^fjn/tfacov (vgl. fA^xKfTog) als einwirkmig von fAaxQog 
erklären (mehr dergl. ztschr. XXV, 156); für abaktr. magyao 
apers. mcUhista kommt noch die eben nachgewiesene aus- 
gleichung zwischen den comparativen und Superlativen in 
frage ^). Lat. junior verräth sich durch das n als unursprüng- 

^) Auf ausgleichung eines ursprünglichen ablauts avädijöns- : ^svadü-s 
(vgl. adtJy): *8udU'bhi8, *8udi8toibhi8 (vgl. sänu i^snubhiSf snübhiSy ztschr. 
XXV, 51) beruht die differenz von got. suts sutizö und as. suöti suöHertZj 
ahd. suuozssera ^dulcms Isid., ags. svete. Das der betonung widersprechende 
ä von svädüSf äSvg, auäviSf as. suöH ist trotz der Übereinstimmung von 
vier sprachen erst aus dem comparativ übertragen gerade wie der lange 
vocal von tJxvg, arisch äguSf wo lat acu-pedius : öcior das ursprüngliche 
verhältniss bewahrt hat. sud- als doppelt reducierte form von svad- liegt 
vor im inf. sam-sudi RV. VIII, 17, 6. Nach dem Verhältnisse von drgi, 
%fuji zu sam-dfgej samyiije ist ein oxytoniertes simplex *8vadi (vgl. ädiJr 
svddänU aus *8vadämi) zu erschliessen, woraus nach dem ztschr. XXV, 
54 f. entwickelten gesetze ^sdfhaudt^ samsude entstand. Das u von got. 
9ut8 als lang anzusetzen liegt kein grund vor, denn die beiden accentge- 
setze, auf welche ich mich hier in einem fort beziehen muss, bewirken 



Das primäre comparativdufflx. 381 

lieh. Das einzige beispiel wechselnder quantität der Wurzelsilbe, 
welches sich weder aus einwirkung des positivs noch aus der 
des Superlativs erklären lässt, ist neuion. iaacav : ^(faatv, ^xt<ftog 
(vgl. jecur, ydkrt : ^naq, yokare ztschr. XXV, 23), und auf dies 
allein wage ich keinen accentansatz für die Ursprache zu 
machen. Zur erklärung des suffixalen ablautes reicht die an- 
nähme einer betonung der Wurzelsilbe und des casussuffixes — 
also z. b. skr. svädlyasds — hin, wenn man dazu voraussetzt, 
dass die summierte kraft dieser accente, da sie beide in einem 
einheitlichen worte standen, nicht so gross war wie die ztschr. 
XXV, 54 f. nachgewiesene kraft der beiden hochtöne zweier 
zu einem compositum zusammengefügter Wörter. Dann wirkten 
beide zusammen auf die vocale des stammbildungssuffixes nur 
wie ein einfacher hinter dieselben fallender accent. 

Ihrem einflusse unterliegen die beiden in skr. -fyöms-, gr, 
'Jfav erscheinenden vocale. Deren zweiter wird durch die Über- 
einstimmung von '%yaihs, -iwv, lat. -iös, lit. 4aus = urspr. ions 
oder 'iöns für die starken casus als ö erwiesen. In den casus, 
welche den zweiten accent unmittelbar hinter dem stamme 
hatten, wird das (J zu e, vgl. pdd- : ped ^, lit. ahmu : akmens, 
suflf. 'ÖS : -es^, -tor- : 4er ^ , ketvires : ktver^ (ztschr. XXV, 15. 
23 f. 26 f. 43 f.). Diese suffixform hat Mahlow 46 erkannt in 
lat. majeS'tas^ hom. nlieg, nXiaq aus ^nlisag (vgl. dvffxXia aus 
*dv(fxX€ia), *nXilJBiSaq = abaktr. fröyanhü und in xiqt^a u. s. w. 
aus "^xsQfjsa zu xsQsianv (oder x«ß5«v?); Trite^ findet sich auch 
in lesbischer prosa auf der zuletzt von Bechtel Bezz. beitr. V, 
107 f. abgedruckten inschrift Conze taf. VI, 1 z. 9. 10. Ferner 
kann nQiif-ßvg, dor. nQiif-yvg, kret. nQsTyvg Ahrens II, 111, 
böot. ngtaystsg (= att. ngsaßsTg) Meister Bezz. V, 192 no. 33 
z. 6. 7. 18, dessen ersten theil Curtius g.e.* 479 mit lat. prius, 
prls-cm verbindet, aus *nQs(j)6iS''ßvg entstanden sein wie tsniaa^ 
aus anksddiy xi(fx€To aus ^xeeaxsro. Die von Brugman ztschr. 
XXV, 62 anm. adoptierte herleitung von ngiayvg aus ^nQs^tSfvg 
unter bezugnahme auf neuion. ändös^ig aus änods^^&g leidet an 
dem von Brugman selbst eine seite früher gerügten fehler der 



völligen Schwund eines unter dem hochton langen vor unmittelbar fol- 
gendem hochtone verkürzten urspr. a, vgl. die erOrterung von skr. ushäs, 
abaktr. ptar-, dughdhar-, skr. -nii-, -tta-t -shthär- (ztschr. XXV, 23 f. 33 f. 
55 f.) und skr. vis, vtnäm, vibhia gegen lat. avis (alte flexion in indischer 
lautgestalt angesetzt avis, vibhis). 



382 J* Schmidt, 

Übertragung eines specifisch neuionischen Vorganges in andere 
dialekte. Eher wird das * von nQstyvg sich aus dem c ent- 
wickelt haben, vgl. voc. I, 112; Meister Bezz. V, 213; G, Meyer 
gr. s. 108. Leider ist die quantität des & in böot. nQtffystsQ 
nicht zu ermitteln. Die suffixform jes erscheint femer in lat. 
plerttö aus *pl^eS'OS, im litauischen sald-es-nis aus *saW-ies-nis 
(s. 332; Brugmans ^soM^as-nis ztschr. XXV, 60 wäre zu *sal' 
dicisnis geworden), im preussischen muisieson =: skr. mäklyasam 
und wird sich auch im slawischen nachweisen lassen. 

Fiel der zweite accent nicht auf die dem stamme unmittel- 
bar folgende sondern auf eine entferntere silbe, so schwand der 
zweite vocal des stammbildungssuffixes ganz. Diese schwächste 
gestalt des suffixes zeigt anerkanntermassen das arisch-grie- 
chisch-germanische superlativsufOx -isUh^ welches ztschr. XXV, 
30 ff. erklärt ist. 

Aber auch der erste vocal des suffixes hat verschiedene 
quantität; skr. nAotyHmS" und ndvyOahS'' u. s. w. (Whitney gr. 
§ 470). Ersterem entspricht hom. -kov, att. ra>v, letzterem das 
aus ^aacov, olsiimp u. s. w. zu reconstruierende -jaw. Ob die 
länge de& i von 'lyams, -Iwv aus der Ursprache datiert und das 
hom. 'icov den vocal vor folgendem vocale gekürzt hat, lässt 
sich nicht bestimmen, da bekanntlich im sonderteben des skr. 
wie des griech. i vor j dehnung erfahren hat (vgl. lötm und 
skr. m^dmäna-). Stammt die länge aus der Ursprache, dann 
wird ihre Verkürzung durch das selbe accentverhältniss, welches 
das folgende J zu e verkürzte, herbeigeführt sein. Ein vor un- 
mittelbar folgendem hochtone stehendes l, ü scheint nämlich zu 
i, u geworden zu sein, wenn der hochton auf die zweitfolgende 
dlbe fiel, vgl. 

pcm-tram : pürtdr : ptt-nänd-, pu-nl-mda, 

Idvi'tum : lü^nd- : li/hfUi-mds, 

jü-tär : ju-nl-mds {dvvafuu, ztschr. XXV, 149), 

jyd : jl^tor : jir-nl-mdSy 

sä)ak\x. jyä-iti- , C^ (= * C^s§) : jl-vd-, jf-rd- : ji-nti-ffias (belegt 
ji^no-shi, ji-nv-a-H aus ♦ji-nw-a-^i), 

pt/d^a-mäfM', : pi-td-, pü-nd- : pi-nv-änd-, 

si-rndn- : si-nl-mds. 

Ein mathematischer beweis für diese vermuthung ist frei- 
lich nicht zu erbringen, denn es heisst ja auch pundmi, jinänU, 
jinöshi, sindmi, nicht, wie ich als ursprünglich annehme, ^pOndfliv 



Das primäre comparativsuffix. 3g3 

*jfnämi, *fin6shi, *^ndmi. Wer sich aber bei der annähme 
eines regellosen Schwankens zwischen i, u und f, ü nicht be- 
ruhigen kann, wird auf diese erklärung geführt, welche mit 
den ztschr. XXV, 35 nachgewiesenen accentwirkungen in vollem 
einklange steht, und wird die wurzelvocale von pundmi, jindmi, 
jinömi für übertragen aus dem plur., du. und med. halten. 
Belehrend hierfür ist der gegensatz von ved. dhünöti, dhünuthd 
und später üblichem dhunoti, dhuniUM, welche aus zu gründe 
liegendem dhünoH, dhuntUhd nach entgegengesetzten richtungen 
uniformiert sind. Diese erklärung giebt auch den Schlüssel zu 
dem verhältniss von skr. lit. sünüs, abulg. synU : abaktr. hunur, 
got. stmiis; skr. bhütd- : (fvxov, skr. hhüH', abulg. hyti : fpvütq; abd. 
hüt:\eX. cüHs; skr. ßvd-, lit g^tnis, abulg. givü, laL vlvus: got. 
qius, ßiog (im abaktr. apers. ist die quantität zweifelhaft s. ztschr. 
XXV, 66 anm.); skr. v^d-s, lit. v^ras, umbr. veiro : lat. vir, 
air. fer, got. vair; iög, lat. virus : skr. vishd-m; skr. pfyati : got, 
ßjands; skr. sirndn-, as. sumo, Jftdg : tfjtag, ifAdwco (= siniantji). 
D. h. aus flexionen wie sünüs, "^sumibhis = got. sunum sind durch 
ausgleicbungen in entgegengesetzten richtungen die vorliegenden 
formen mit verschiedenen quantitäten entstanden^). Hiermit 
im einklange befände sich eine ursprüngliche flexion skr. nA- 
vHyömsam, gen. ndvyasas, welche aber schon im RV. verwischt 
wäre, da dieser sowohl nd/vyaihsam als ndvlyasas dameben hat. 

Sollte aber das • erst im sonderleben des skr. und griech. 
verlängert worden sein, dann bleiben immer noch zwei formen 
des Suffixes in der Ursprache, eine mit vocalischem i und eine 
mit spirantischem j, beide auch im Avesta metrisch nachge- 
wiesen (Geldner metrik s. 25). Aus verschiedener quantität' 
der Wurzelsilbe sind sie nicht erklärbar, denn wir haben im 
skr. und griech. j sowohl hinter langer, als hinter kurzer 
Wurzelsilbe: jydyams-^ ndvyams-^ oXel^tov^ fAitf»v. Auch in 
diesem falle liegt es also nahe, auf die betonung zu recurrieren, 
d. h. i ursprünglich nur för die starken, J nur für die schwachen 
casus anzunehmen. Beweisbar ist dies nicht. 

Mit aller eben dargelegten reserve hinsichtlich der accen- 
tuation, der von ihr abhängigen gestalt des wurzelvocals sowie 



^) Die letzten zehn beispiele lassen wohl erkennen, weshalb ich de 
Saussiires erklärung der hierhergehOrigen praesensbildungen der IX. dasse 
pundmi u. s. w. (memoire 240 f.) nicht beistimme. 



384 3. Schmidt, 

der quantifüt des ersten suffixalen vocals und indem ich wegen 
der consonantischeii ausgleichungen auf das beim part. perf. 
gesagte (s. 343) verweise, setze ich also die flexion eines com- 
parativs und Superlativs für die periode der Ursprache, in 
welcher die accentwirkungen eben eingetreten und noch keine 
vocalischen ausgleichungen vollzogen waren, folgendermassen 
an: nom. sväd^ös, acc. svädfjönsam, loc, svd^jesi, fem. nom. 
svädjesla {-jesia = abulg. -jiSi s. a.), gen. svddisiäs (vgl. got. 
stUmins), superl. su4}est4s, instr. sudistoibhls (= got. suttslaim). 
In keiner comparativform einer indogermanischen spräche 
hat sich bisher ein dentaler verschlusslaut an stelle des s ge- 
funden. Hat aber das part. perf. act. in irgend einem oder 
mehreren schwachen casus der Ursprache lautgesetzlich s in f 
oder d gewandelt, dann ist das selbe auch für den comparativ, 
dessen suföx dem des participiums in den schwachen casus 
genau enUpricht, selbst dann anzunehmen, wenn das t oder d 
in keiner spräche mehr erhalten sein sollte. Es könnte ja in 
allen sprachen durch ausgleichung wieder beseitigt sein wie 
das / der part, perf. im abaktr. slaw, lit. Dass in der com- 
parativQesion genau die selben ausgleichungen vollzogen sein 
sollten wie in der participialfiexion, wäre eine ganz unbegrün' 
dete erwartung. Vielleicht ist noch eine spur dieses wandeis 
erhalten, nämlich in got, bajöps nom. pl., bajöpttm dat. pl.^) 
Hit diesem deckt sich, abgesehen von der nicht mehr conso- 
nantischen Qexion, an. bääir aus *ba(j)aäir (vgl. sä = got. 
Satan), welches sich zu bajöps verhält wie mdtiadr zu mSnöps, 
ferner ahd. bsde aus *beode (vgl. lercha aus Heorcha, ags. laverce 
u. a. voc. n, 448). Dagegen ahd. beide enthält einen redueierten 
stamm, welcher eine ursprünglich ablautende declination erweist, 
it^Öp- : baip- = fidvSr : fidwr- = veitvöd- : ber-us-j5s = aime, 
ito9-tPÖi : aust- (s. 345). Dieser declinationsablaut und der 
consonantische auslaut des Stammes schliessen die möglichkeit 
aus das d direct oder durch Übertragung aus einem denomina- 
tiven verbum zu erklären und legitimieren es als eine der 
ältesten alterthümlichkeiten. Nehmen wir an, be^sps sei ein 
comparativ, dann ist es begrifflich analog dem griech. ajU^Kfrc^o», 



') hajöp» zeigt, nebenbei bemerkt, wie begrQndet das angebliche laut- 
gesetz ist, nach welchem im germanischen >jedes S nach j lu 8 ge- 



Das primäre comparativsoffix. 385 

formal in der Verschleppung des t den got. veüvöds, menöps, 
und das verhältniss der suffixgestalten ba-jöps: moriz-ei ent- 
spricht dem von veit-vöd-s : ber-us-jos. Selbstverständlich 
gebe ich dies nur als vermuthung. Die bewahrung des stamm- 
auslautenden a in ba-jöps lässt sich wohl begründen. Vor dem 
secundärsuffixe -io- schwand stammauslautendes o mehrsilbiger 
nominalstämme: ved. dgvia-s Inmog, dagegen das o einsilbiger 
pronominalstämme blieb: kdya- notog, dvayä- doioq got. tvaddjS; 
unter deren einwirkung haben die mehrsilbigen pronominal- 
ableitungen übhdya-, dlXotog, ofAolog, hsQotog, navtoXog das a, o 
bewahrt, respective wieder erhalten. Genau wie ubhä-ya^ zu 
ägv-ia- verhält sich nun ba-jöps, falls es ein comparativ ist, zu 
ndv-yämS'. 

Wie ward der nom. acc. sg. ntr. gebildet? Skr. mdMyas, 
lat. fnajus, got. mais, abulg. tntnje haben übereinstimmend die 
mittlere gestalt des suffixes wie auch das neugebildete i^siCov; 
auf sie gestützt könnte man also indog. svädjes oder svddjos 
annehmen. Im germanischen bestehen aber neben den ad- 
verbien des typus got. hauhis, airis, nehvis, vulpris, haldis, 
framis, deren vocal nicht mit Paul und Sievers beitr. V, 111 
als unursprünglich restituiert zu betrachten sondern nach dem 
auslautsgesetz regelrecht aus urspr. jo oder je entstanden ist, 
andere des typus got. mins, vairs, pana-seips (Grimm gr. III, 
589 f. Scherer gesch.^ 188 f.), welche vor dem auslautsgesetze 
*minnis, *versis, *sipis lauteten, den lat. satis, nimis, magis, 
osk. mais, püstiris entsprechen und dadurch accusative sg. 
ntr. auf -is in adverbialer Verwendung wenigstens schon für 
die zeit, in welcher die germanischen und italischen Völker- 
schaften noch ungetrennt waren, erweisen. Vielleicht steckt 
auch in oma-cco, oma-d'sv ein comparativisches *07ng, dessen 
positivstamm 3n- in on-dga, on-aS, aeol. o/r-tf* vorliegt. Somit 
scheinen beide bildungen, sowohl -jos als -is, in proethnische 
zeit hinauf zu reichen. Wenn eine declinabele und eine in- 
declinabel gewordene form neben einander liegen, so hat letztere 
von vornherein das präjudiz der grösseren alterthümlichkeit für 
sich, in unserem falle also das nur adverbielle -is. Der nom. 
msc. m(i(g)jüs hat dann vom nom. ntr. magis genau den selben 
abstand wie d^a, äxficuv von näma, ovo/Aa, und der nom. ntr. 
majos, majus kann unter einwirkung der casus obliqui und des 



386 J- Schmidt, 

masculinum neu gebildet sein ähnlich wie ein nom. neutr. des 
typus €V€&fAov an stelle des alten elf^a. 

Verfolgen wir nun die comparativflexion durch die einzelnen 
sprachen. 

1) Das sanskrit hat den nom. sg. svddiyan neu gebildet 
wie vidvän (s. 341). Er zog den voc. svddtyan an stelle des 
noch vedischen -lyas {ijlyas, jydyas RV.) nach sich. In alle 
übrigen casus und das ganze fem. hat sich der stamm svddlyas 
(urspr. svädjes-) erstreckt. Dass aber der schwächste stamm 
-ts- auch im sonderleben des skr. noch nicht auf den Superlativ 

: beschränkt war, ist vielleicht aus mahish-d- gewaltig, bäffel, 

; fem. mahishf büffelkuh, mdhishl gemahlin eines fürsten zu 

schliessen. mahishi kann sich mit got. maizei decken, so dass 
* es eine alte filexion mdhlyasl, gen. mdhishyds bezeugte (vgl. 

Ysyovetaj fsyarvtag s. 354), aus deren auflösung später zwei 
Stämme erwachsen wären, mdhlyasfl, welches allein die function 
eines fem. zu mdMyams- behalten hätte, und mahisht, zu welchem 
ein neues masc. mahishä- geschaffen wäre^). Vergl. auch pSii 
papissika-, päpiyyasiha- (Oldenberg ztschr. XXV, 319). Doch 
können mahishd-, mahishi auch von mdhas abgeleitet sein, vgl. 
iavishd-, tdvish4 von tavds. 

2) Das altbaktrische hat den indog. nom. bewahrt: 
gpanyOo, ausserdem sind von starken casus belegt acc. sg. 
näidhyäonhem, Qpanyanhem^ var. ^painyäonhem^ nom. du. (J^cmha, 
welche zeigen, dass der schwache stamm schon in die starken 
easus gedrungen ist. Ob -donh- arisches -ans- oder -äs- vertritt, 
lässt sich, wie s. 358 gesagt, nicht entscheiden. 

3) Im griechischen wäre folgende flexion zu erwarten: 
nom. *nX€'iwg^ acc. *nX8''UiiV(S'a^ woraus ^nksionva ward (vj^. 

I i^va, xfiva\ gen. ^uXB^iBts-^qy *nXsieog. Den stamm nXijstt^ 

hat Mahlow in nXisg nliag aus ^nJU^s-sg, ^nle-S'-ag erkannt 
(& 0. s. 381). Und dass der nom. noch im griechischen einst 
*nX€img^ der acc. ^nlsimva, nom. pl. *nXeimvBg^ du. *nJisimvB 
I gelautet haben, folgt zunächst aus den beiden thatsächlich vor- 

i liegenden comparativflexionen, welche nur unter dieser voraus-^ 

Setzung erklärbar sind. '^nXeltag^ "^nUimfa^ ^TtUUog ward- 
nämlich in zwei verschiedenen weisen ausgeglichen. 1) Vl^e 
atddg^ gen. *aidB((S)og (vgl. aids(s9sig) zu aiddg^ gen. ۊi6ot^ 

1) Analoga hierfür aus dem hochdeutschen hat Behaghel Germania 
XXni gesammelt 






Das primäre comparativsoffix. 887 

aidtog, aiiavg ausgeglichen ist (Brugman ztschr. XXIV, 23; 
verf. XXV, 23 f.), so wurde *nX€$wg, '^nX€u(<f)og zu *nXs$mgf 
*nX€$o((i)og ausgeglichen. Der stamm nUtoa- ist erhalten in 
nXsifö^ nXsiovg^ deren herleitung aus ^TvXeioüa, *7vX€io(feg laut 
Ebel ztschr. I, 300 Benarys verdienst ist, ferner im dat. pl. 
homer. nXeloüt^ dqBioa^^ xQsi<sao(f$. Diese können nur aus 
"^nXetoa-at entstanden sein. Dass schon bei Homer das alte 
ac nicht mehr erscheint (in der aeolischen litteratur kommt 
kein dat. pl. vor), verschlägt nichts, haben doch auch die dat. 
pl. der part, bei Homer nur einfaches a: stdoai, fj^sfiawaiv, 
obwohl sie auf jeden fall einst doppeltes er hatten. 2) Eine 
andere ausgleiehung gieng von dem stamme der starken casus, 
nXcttav-, aus. Wie im skr. aus svddlyamsam ein neuer nom. 
svädlyan(s) an stelle des arischen ^svadiyas gebildet ist, im 
attischen aus (Affva der nom. /[»ifv an stelle des hom. neuion. 
altatt. lesb. fisig, dor. fjhiig und gemeingriech. aus %äva der nom. 
xdv, xiqv an stelle des lautgesetzlich zu erwartenden *x«^» *^ 
%%hyif6g der nom. x&iiv an stelle des lautgesetzlichen *x**^^ 
= skr. kshds (s. u.), so entstand aus ^nksiauva der nom. nXsiiav, 
durch welchen das alte ^nXeimg ebenso spurlos verdrängt ist 
wie *xag, *x^(og durch xav, x^^^« Zu nleitav wurde der schon 
bestehende dat. pl. nXsiotu in beziehung [gesetzt, so dass sich 
nach dem muster von daiiMnf, daiikovog^ daif^oai die flexion 
nlsitovy nXsiovog^ nXsioüB entwickelte, vor welcher die alten 
'^nXstava, *nXet»v€gy *7iX€$mvs zurück traten. Die ältere flexion 
*nX€Kag^ *nXst(ovay ^nXetsog wird demnach durch die historischen 
formen des griechischen ebenso nothwendig erfordert wie durch 
die der verwandten sprachen. Sie wird weiter erwiesen durch 
die Wirkung, welche sie auf die flexion anderer stamme 
geübt hat. 

Neben *aij:(S(fa == aiß Aeschyl., ^aifsiSi = aljisi (ztschr. 
XXV,'^25) liegen aimva u. s. w., und der nom. lautet nur aiiiv. 
Zu dem acc. xvxi^cS (xt;x€#io die tradition) A 624. 641, nvnBm 
X 290. 316, dem einzigen bei Hom. vorkommenden casus des 
Wortes, werden die übrigen ^casus später von xvxedv gebildet, 
auch der acc. xvxsäva (Kühner I, 331). Die unursprüngliche 
i/-flexion ist mir begreiflich nur unter der Voraussetzung, dass 
sie nach dem muster von stammen gebildet ist, welche von 
rechts wegen in einigen casus als cr-stämme, in anderen als 
y-stämme erschienen. Solche stamme waren ursprünglich nur 



388 J- Schmidt, 

die part. perf. act. und die comparative. Erstere kommen, da 
^e die iiasalformen im griechischen aufgegeben haben, nicht in 
betracht. Es bleibt also die einzige mögiichkeit , dass nach 
dem muster von *iiA«»we, *Ti3i£ie(a)t, 'nlsiava sich zu *aij:äQ 
aiߣ(a)i der acc. aiiäya neben den alten ^aißtSaa gesellte und 
von den starken casus aus der stamm aiäv allmählich in 
sämmtiiche casus eindrang. Dass aii^v, aiwvoq nicht noch die 
weitere Wandlung zu aitiv, *aiövoi; mit den comparativen 
durchgemacht hat, b^ründet natürlich keinen einwand. Als 
die nom. nXsimv, atäv entstanden waren, hatten sich die 
»^Stämme schon in zwei classen geschieden: fx^nav, (i^xavoc 
und tixftav, rixiovoq; aiiäy kam bei ersteren zur ruhe, nlsitav 
aus dem angegeben gründe erst bei letzteren. Ebenso ist mir 
die Qexion äXa^, äiavos, tatof, toeiSm, Tvtpä^, Tvtftav, Tvqiävt 
(Eähner I, 392), syrecusan. ^ecivsact (Ährens U, 241) nur unter 
der Voraussetzung begreiflich, dass sie nach dem muster von 
*nleuag, »nXeuüva gebildet sei^). Das nebeneinander von 
älterem atm, xvksiü und jüngerem aiäva, xvueiSva bewirkte 
weiter, einerseits dass neben einige aus -oja entstandene accu- 
sative auf -ta der b)'Stämme neubildungen auf -mva traten, 
Bv^töva, fl^xiäva neben ITv&(S, ^Xiix^S, und sich eine neue 
>-flexion entwickelte Ilvi^äv, yXijxföy (s, Ahrens ztschr. III, 105 f.), 
andererseits dass neben jin6Xiava, Iloastdäva die neubildungen 
lAnöXiM, no<sti&m, welche Hom. noch unbekannt sind, ent- 
standen. Alle diese neubildungen sind also indirecte Zeugnisse 
für die alte flexion *7rAEtbi$, *3tXtitava, *nXeieos. 

Endlich, als *nXfiava schon durch nXeiova verdrängt war 
und neben einander lagen nXsiova nXsiat, nXeiovsf nXsiovg, 
entstanden darnach einerseits neben den alten rogyni, MoQftei 
die neubildungen roQyöva, MoQ/töva, andererseits neben dem 
alten d^döva die neubildung d^3ä, und es ergab sich bei 
mehreren stammen ein schwanken zwischen ov- und «-flexion 
(material bei Abrens ztschr. Ili, 106 f.). 

Eine empfmdliche lücke hat unsere kenntniss durch das 
fehlen aeolischer casus obliqui von comparativen. Auf Inschriften 



') Bnigman zlschr. XXIV, 64 glaubt diese vflexion aua dem »triebe 
nach deutlichkeiti erklären zu kSnnen. Merkwürdig, dass nur den S;»- 
1 nQ^'i, bei welchem sich alle übrigen Griechen beruhigten, nicht 



Das primllre compalativBuffix. 389 

findet sich ausser dem s. 381 erwähnten nXiag keine einzige 
comparativform, in den dichterfragmenten nur fiai^tov Sappho 
91 B. 3, (AdUov 78, 4, xdJitov Alcae. 134 B.». Ich glaube nicht, 
dass man aus ihnen einen einwand gegen die oben vermuthete 
entwickelung , welche sich durch erklärung einer reihe sonst 
unbegreiflicher erscheinungen legitimiert, entnehmen kann. 
Mytilen. fi^vvog (C. I. G. 2166, 34 v. j. 324 v. Chr.), fii^pvsaat 
Conze taf. VI, 1, 12 (von Newton transactions of the roy. soc. 
of literature VIII, 550 f. nicht später als Ol. 96 = c. 390 gesetzt) 
lassen allerdings vermuthen, dass der dem skr. -^yams-am ent- 
sprechende accusativ, welchen ich als quelle aller griechischen 
Umgestaltungen betrachte, im lesbischen des IV. jh. noch -icovpa 
gelautet habe. Man könnte nun weiter schliessen: da fi^wog 
im lesbischen keinen nom. (ii^v erzeugte, sondern das alte fisig 
bestehen Hess, dürfe auch nicht angenommen werden, dass aus 
'toovva ein nom. -#(ov an stelle des alten *-#öig entwickelt sei. 
Dieser schluss hat aber keine berechtigung , denn die beiden 
auf va auslautenden substantivstämme sind keineswegs gleich- 
massig behandelt. Während, so viel wir wissen, alle dialekte 
in alter zeit den nom. (isig, dor. fA^g hatten, ist aus keinem ein 
nom. *x^^ oder *xv^ sondern nur xaV, xv^ überliefert, welcher 
aus den cas. obl. (xccva =^ *x^'^^i *Xc«vcra) neu gebildet ist. 
Hätte das sicher in allen dialekten vorkommende wort irgendwo 
einen nom. *x^ o^^r lesb. *%«*? gehabt, so würde er den 
grammatikem wohl bemerkenswerth genug erschienen sein um 
ihn zu verzeichnen. Ebenso konnte zu altem "^-mwa der nom. 
'Kov entstehen. 

4) Von den germanischen comparativformen sind die 
adverbiellen neutra wie got. mais aus *inajos, vairs aus "^versis 
bereits erklärt. Die flectierten formen sind sämmtlich vom fem. 
ausgegangen. Bei den part. perf. act. entwickelte sich aus dem 
alten fem. -tisi, gen. -wsjffs ein neuer masculinstamm -i^/a- : 
herusjös m., ags. egesa = *aigusja (s. 371). Ebenso ist das 
fem. maizei = skr. mcihisM (?) der keimpunkt aller germanischen 
flectierten comparativformen. Die neubildung geschah hier 
anders als bei den part. perf. act. und den w-stämmen, weil 
die comparative ausschliesslich der bestimmten (schwachen) 
declination folgen. Von der alten unbestimmten flexion des 
fem., welche dem abulg. -ßSi, acc. 'ßsq entsprechend vor wurkung 
der auslautsgesetze -40%, acc. -izjam gelautet hat, wurde in die 



■i 



. 1 

I ■ 



• I 



390 J. Schmidt, 

neue w-flexion nur der nom. hinüber genommen: nom. -ielfn), 
acc. -iz%n(om). So verschwand der ^*ö- stamm der alten obli- 
quen casus des fem., die später neugebildeten masculina und 
neutra konnten also nicht zu ja- oder jan-stämmen werden 
wie die part. perf. act. Vielmehr schloss sich maieei an bai- 
randei, frufnd, innumei, auhumei, aftumei, iftumei, Jdeidumei, 
hindumei, und nach dem vorbilde von bairandei, bairanda, 
bairandö erwuchsen aus maizei das masc. maim, ntr. maissö. Im 
westgermanischen wurde dann das l der fem. unter dem drucke 
der neugebildeten masculina und neutra durch die dem got. o 
entsprechende endung ersetzt; wie got. fruma, fmmei, frumö 
zu ags. forma, forme, forme so wurden maisa, maieei, maijsö zu 
ags. mara, fnare, märe, ahd. mero, mera, mera ausgegUchen. 

Für die jüngeren comparativbildungen auf got. -öe-a ist 
nur von Mahlow s. 46 f. eine lautlich haltbare erklänmg auf- 
gestellt worden. Nach dem muster von nehv, comparat. nShvis 
habe sich zu den adverbien auf -ö ein comparativ auf *-^ 
gebildet, letzteres sei zu -ös contrahiert wie opt. *salböitna zu 
sdiboma. Der parallelismus von nehv : nehvis = sniumundö : 
sniumundös ist vollständig, und der entstehung von blindöM 
aus blindö ist völlig analog die von Mahlow angenomm^e der 
slawischen comparative auf -^i aus adverbien auf -4. 

5) Im slawischen ist sofort durchsichtig der ^nom. acc. 
ntr. 6o^'e = skr. bäUyas; ob je altes -jes oder -Jos vertritt, ist 
nicht zu ermitteln. Das fem. bolßSi, slagdtsi scheint von vorn- 
herein zwiefacher deutung zugänglich. Man könnte meinen, 
-Ui wäre = got. -izei und das vorhergehende j oder dessen Wir- 
kung vom nom. sg. masc. ntr. übertragen, so dass *sladisi durch 
slazde zu slazdisi umgestaltet wäre wie ckvcdfiU durch chvor 
livü zu chvalivuSi. Bei den i enthaltenden comparativen müsste 
man dann annehmen, dass döbr^ßSi durch dobr^e aus älterem 
*dobraj'^Si oder *dobroj'^§^ oder "^döbr&i umgestaltet sei, was offen- 
bar bedenklich ist. Wu* bedürfen aber der falschen analogie gar 
nicht, denn -jXsi kann rein lautgesetzlich dem skr. -ya^ urspr. 
-jesla entsprechen, da e vor 6, S, §, c, fr, s, wenn eine der folgenden 
Silben betont ist, zu ? wird : picl, ricl, Ud, Silesi, vicerd (: veierit, 
die accente nach dem russ., s. voc. I 25. II, 82). Dann verhalt 
sich mtnßSi zu got. minnizei wie ktfraxsta zu ifftauvta (s.386). 
Da nichts gegen diese erklärung spricht, ausserdem in preuss, 
muisieson und lit. said^snis aus ^said-ies-nis das suf&z als -ies- 



■ '!l 



Das primäre cotnparatiTsuffix. 391 

erscheint, gebe ich ihr, weil sie nur auf den lautgesetzen be- 
ruht, den Vorzug vor der ersten. Eine dritte mehrfach auf- 
gestellte annähme, dass -ftSi^ aus *-jtÖi entstanden, in ^em ü 
den Vertreter eines alten nasalvocals habe, wird durch die Über- 
einstimmung von mladißStmu mit preuss. maldaisinians, welches 
keinen nasal verloren haben kann, abgewiesen. Wie bei den 
part. praes. und perf, act. hat sich der in den cas. obl. des 
fem. erscheinende ^'ö-stamm auf fast alle casus des masc. ntr. 
als yo-stamm übertragen, gen. holjiSa, slazdtsa u. s. w. (die 
nom. pl. ntr. bolßsi, gorßsi sind s. 363 anm. erklärt). Nur im 
nom. pl. m. hat sich neben der ^o-form böljtsi noch die alte 
consonantische bolf(Se erhalten (Miklosich IIP, 20, Scholvin 
archiv II, 551 f.), vgl. part. perf. -üie. Der nom. sg. m. findet 
sich in den ältesten denkmälern geschrieben boVU, bolei, bolii 
(Miklosich a. a. o., Scholvin 549) , woraus sich -ßß als älteste 
erreichbare suffixgestalt ergiebt, wie allgemein anerkannt ist. 
Schleicher comp.* 466 und Leskien decl. 66 halten dies für 
einen nom. bestimmter, zusammengesetzter flexion, welcher den 
unbestimmten nom. *bölß, "^slaedl verdrängt habe. Zur Unter- 
stützung lässt sich anführen, dass die selbe form zugleich als 
acc. sg. fungiert, was eben nur bei einer zusammengesetzten 
oder vom Sprachgefühle dafür gehaltenen form möglich war. 
Allein für den Ursprung der form beweist dies nichts. Ist 
doch nicht abzusehen, weshalb die bestimmte flexion allein im 
nom. sg. m. zur ausschliesslichen herrschaft gekommen sei, 
nicht in allen casus aller geschlechter wie im germanischen. 
Daher möchte ich einen anderen Vorschlag machen. Oben 
(s. 382) waren wir auf die vermuthung geführt, dass in der 
Ursprache die starken casus ein mit ij oder y, die schwachen 
ein mit j anlautendes suffix hatten. Ist dies richtig, dann 
dürfen wir für den nom. masc. im slawischen ein mit %)* an- 
lautendes suffix erwarten im gegensatz zufallen übrigen casus, 
welche ein mit j anlautendes haben. Wie nun dem skr. dadyds 
abulg. daBdi entspricht, so kann dem alten arischen *bdUyas 
(skr. bdllyan) abulg. "^boVlß, *sladtß entsprochen haben und 
die »erweichungc des der comparativendung vorhergehenden 
consonanten aus den übrigen casus aller geschlechter), wo sie 
berechtigt war (slckide, slcMisi), auch in den nom. m. über- 
tragen sein, wie *t;e;e?qrfi = skr. vdhantl^ *vezqie = skr. vdhantats 
durch vezcptq u. s. w. zu veec^ti, vezqßte umgestaltet sind, und 



392 J. Schmidt, 

dann slazdiji, slazdijt, welches nun ganz das aussehen eines 
nom. zusammengesetzter dccHnation gewonnen hatte, nach 
dessen analogie auch als acc. gebraucht sein. Die zugehörige 
bestimmte form hätte dann ursprünglicli *slactlji-jX gelautet, 
welche wohl auf lautlichem wege zu "sladjlß =^ slaediß, slaS- 
diJJ geworden, d. h. der unbestimmten form gleichgeworden 
sein kann -^ sicheres ist darüber nicht zu sagen. Die be- 
stimmte und die unbestimmte form sind ja thatsächlich gleich. 
Auf jeden fall, mag -ß oder -I?t der ursprüngliche ausgang 
des nom. sg. m. gewesen sein, befremdet es, das masc. urspr. 
-Tjös durch -tß oder -ji, das schwächere neutrum lat. -ios aber 
durch das weniger geschwächte -je vertreten zu sehen. Allein 
einerseits deckt die analogie von dai^ = äadyds, urspr. -ies die 
gleichsetzung von böl^ji mit *l>aliyas ^), andererseits konnte das 
zusammenfallen des neutr. -je mit dem neutrum derjo-stämme 
die Schwächung des masc., weiche auch diesem das aussehen 
eines jo-nominatlvs gab, begünstigen^). Brugman ztschr. XXIV, 
59 f. will das masculine -ß allein durch diese falsche analogie 
erklären. 

Eine Schwierigkeit ist noch zu erwähnen, welche in der 
entsprechung von preuss, -ais und abulg. -^'c liegt. Bekanntlich 
sind in abulg. 4 die alten diphthonge ai, oi und ursprüngliches 
e zusammengefallen. Da nun die gutturalen vor 6 zwei ver- 
schiedene Wandlungen erleiden (cS und da aus *ki), liegt nichts 
näher, als zu vermuthen, wie es Collitz ohne weitere begrün- 
dang ausgesprochen hat (Bezz. III, 203), dass ca aus urspr. ks, 
dagegen cö aus urspr. hat, koi entstanden sei. Und die klar 
erkennbaren fälle bestätigen dies. 

1) ci, eS wo ^ aus ai, oi entstanden ist: loc. sg. der o-st. 
vlUci, boei = griech, -oi, fem. rt^S (griech. x<*^o^0> nom, du. 
fem. rqci = lit. ranhi aus -e (te-dvi), got. dual, fmsun^a 
(Mahlow 98), also urspr. -ai; nom. du. ntr. isi = skr. t/ugt; 
pl. loc. vlüc^chU T= skr. vrkeshu, Sivxotai; dat. pl. pron. tacämH, 
instr. tacömi, vgl. got.^t'm; gen. pl. tacickU, vgl. anord. peira; 
'mperal.p(cSte=gr.-ot-Ts; cilit= got. hails, preuss. kailüsttskun; 



') Auch tiier kann das slaw. -ji zunächst aus -jii entstand«! sein, 
indem -jöi und -jes sich zu -jis und -jea ausgeglichen haben mt^en. 
>) Vergl, die allerdings nicht aus den ältesten denkmälern belegten 



Das primäre comparativsuffix. 393 

c^na = notvijj abaktr. k(zena, lit. kaina Mikuckij; cfytiti purgare : 
lit. skaistas klar, glänzend; ciSta c. gen. wegen, um — willen: 
preuss. qiiaits wille, skr. keta-s verlangen, absieht; cMiti colare : 
lit. skaidrüs klar, hell von der luft, sk'edzii skesH verdünnen; 
is^ü vehemens = lit. gailüs, ahd. geil, 

2) ca, za wo e ursprünglichem e entspricht: cara incan- 
tatio : lit. kerUi bezaubern ; capu fAsXtaaa, vgl. xytp^v (Matzenauer 
cizi slova 136); casii: preuss. kisman acc. zeit, weile (preuss. f 
= lit. e, urspr. e ztschr. XXIII, 345 anm.); Urgasnq = got. 
lis-geisna aus *gendsnö (voc. I, 56. 86); iStazati evanescere, 
sUzagati iterativa zu iSteznq, zegq; zadati begehren: Vit. pasigendü, 
godas; zalo stachel : lit. gelu (Miklosich I ^, 60); po-zarü incendium 
verhält sich zu zeratükü kohlenhaufen, goräti, lit. gdrcts dampf 
wie lit. veze : vezü : pervdzas; codi fumus verhält sich zu kaditi 
suffire wie säsfi, rözati, döjat% Uzq zu sadUf obrazu, blagodatt, 
vu-lazü; der selbe ablaut zwischen serb. ^avka und slov. kavka 
dohle; zaJba und preuss. gdbcmo kröte stehen in dem selben ab- 
lautsverhältnisse wie m^a und lit. matüti. Hiernach wird man 
zdti leid, zaliti trauern, zaliti si schmerz empfinden mit dem 
allerdings verwandten lit. gaileti leid thun (impers.), gailetis be- 
dauern, sich erbarmen nicht so identificieren dürfen, dass man 
den diphthong ai als schon slavolettisch betrachtet. Seine un- 
ursprünglichkeit erhellt aus lit. gela schmerz, gelti schmerzen, 
weh thun, ahd. quelan cruciari, und nichts verbietet für ml^, 
zaliti ursprünglich monophthongisches e anzunehmen, welches 
in ahd. quala, mhd. qmle thatsächlich vorliegt. Dann haben 
die wurzelvocale von zaliti und gaileU ebenso wenig mit einander 
gemein wie die von rdza;ti und lit. rdizyti, wo der ablaut razü 
das 6 als urspr. e = lit. e in rizti erweist (voc. II, 496) , oder 
von zadaii und lit. gaidüs lieb. 

Die regel ist somit unverkennbar. Gegen sie Verstössen 
von formen, deren ö sicher deutbar ist, nur die comparative 
münozaß u. s. w. und die imperfecta. Für erstere ist der Ur- 
sprung des e aus ai durch das preussische maldaisinums = 
abulg. mlädößs^mU ausser frage gestellt. Dennoch lassen sie sich 
unter die regel bringen. Mehrfach ist nämlich Wirkung eines 
vocals auf den der vorhergehenden silbe zu bemerken: mene, 
tele, sehe aber münqjq, tohojq, sobojq. Jagic hat im Zographos- 
evangelium einen vom folgenden vocale abhängigen Wechsel 
zwischen ü und l beobachtet: v^Unü aber vtnö (archiv I, 17), 

Zeitschrift für veigl. Sprachf. N. F. VI. 4. 26 



I 

I 



394 J- Schmidt, 

düva aber dtvS (19), ziUU eXU (22), tnianojq mXn^ (26), tUma 
tXmtno (44), ebenso beruhen auf assimilation an die folgenden 
vocale die schreibangen vüdava, hürati (16), dÜrtUi (20), züde^ 
(21), b^däi (30). Hiernach scheint nicht unmöglich, dass S durch 
das folgende fi eine hellere klangfarbe gewonnen hat, so dass 
es dem aus ursprünglichem e entstandenen gleich wurde und 
wie dieses vorhergehende gutturallaute in ö, i, S wandelte. 
Man erhebe dagegen nicht den einwand, dass die Wandlung 
der gutturalen durch folgendes e, e in palatale schon aus 
der Ursprache datiert (ztschr. XXV, 135. 179), also ein erst 
im sonderleben des slawischen entstandenes e nicht mehr die 
selbe Wandlung bewirkt haben könne. Allerdings waren palatale 
und gutturale schon in der Ursprache von einander verschieden, 
^e Wirksamkeit heller vocale auf vorhergehende gutturale ist 
aber bis tief hinein in das sonderleben des slawischen bestehen 
geblieben. Das beweist der Übergang des erst im slawischen 
aus s entstandenen ch vor hellen lauten in S, das beweisen 
femer fremdwörter wie (fgcto (kind), dr^nja (xeQacog^ cer€töus), 
ilämü (heim), cista uterus {»visxiq oder uv<fx^og, Matzenauer cizi 
slova 139), slov. dagd (kegd), (eher (mhd. hever)^ iantara 
(centaurea), russ. dara schale (an. ker)^ poln. öolgac siq kriechen 
(mhd. Jcelgen hangen, nachschleppen? Matzenauer 140). Somit 
steht nichts im wege comparative wie dobrS-^X, hk^Sorfi mit 
Mahlow 47 aus den adv. dobri, blazS herzuleiten und in den 
adverbien auf ä (Miklosich lY, 162) die quelle des bis dahin 
räthselhaften ^ der comparative zu suchen. In iech. doU^Si 
der untere, hofejsi der obere, nyn^il der jetzige u. a. von dote^ 
hofe, nyni (abulg. doli, gori, nyn€), welche Miklosich H, 341 
von den comparativen trennt, liegt der adverbiale ursprang 
klar zu tage. Der hergang würde dann gewesen sem, dass za 
dem adv. dohri zunächst ein comparativisches adv. äobrijt 
gebildet wäre, welches sich dann zum vollen adjectiv aus- 
gewachsen hätte. Jedesfalls ist diese erklärung der Schleicher- 
schen, dass an den stamm dobro- ein mit ij anlautendes com- 
parativsuffix getreten sei, bei weitem vorzuziehen, da das sla- 
wische in seinem sonderleben keine adjectiv stamme mehr besass, 
Wie die comparative so enthalten auch die bisher nicU 
befriedigend erklärten imperfecta ein ursprünglich diphthonp« 
sches, auf gutturale aber wie urspr. ^ wirkendes 6. Miklosicl 
(das imperf. in den slaw. sprachen, sitzgsber. der Wiener akad 



Das prim&re eomparativsofßz, 396 

LXXVII s. 5ff.; vgl. gr. IIP, 92 f.) hält jetzt formen wiepfcft&ÄÄ 
für älter als pletiacM,, Historisch erwiesen ist dies nicht, denn 
letztere überwiegen selbst in den ältesten denkmälern, so dass 
sie auch Miklosich in den paradigmen beibehalten hat. Aller- 
dings belegt M. schon aus den ältesten quellen auch formen 
auf -öchU, Dass sie älter seien als jene, folgt daraus keineswegs, 
denn die selben denkmäler haben auch imperfecta auf -^chü 
und -dchü von verben auf -äi und ^ati, z. b. södöcM, ht/vachü. 
Wie Miklosich (sitzungsber. 13. 19) letztere mit recht als zu- 
sammengezogen aus -ÄicM, -aachU erklärt, so steht nichts im 
wege auch ein 6d^hU aus MöachU herzuleiten , was M. a. a. o. 
s. 30 selbst zugiebt. Es genügt auf grund der Sammlungen 
Miklosichs (a. a. o. s. 7. 13 f. 19) das material für einige der 
ältesten quellen zusammenzustellen. Zograph. : vüpC^chU, pt^chU, 
aber auch bo^hü sq, stoöchU, sid^hU; Glag. Cloz.: moeachU, 
poichU, aber auch enachU, hyvachU, mhyvachU, prSbyvadiüy pro- 
povMachU, podobdchii, vUmrachü, priimachU, mkalachU, otüsylackU, 
v^dSchU, sto^hU; Athosevang: vitpi^hu, aber auch stoöchü; Savina 
kniga : SivSchü, id^hU, proid^chU, Michü, mo^achü, bijachü, znajachU, 
aber auch sÖmÄcÄiJ, bolöchU, mXn^hU, dostqjachU, stydSchü sq, 
chotSchU, spachU, rydachü; Cod. Suprasl. : jadSchU, bijachU, pijachU, 
aber auch pr^vachU, poklanjachU sq, posluSacM,, prötvar^U. 
Die selben denkmäler haben auch in der bestimmten adjectiv- 
declination zusammengezogene formen des gen. sg. auf -ojfö aus 
-dogo, -ajego, loc. sg. auf -dmi aus -SSmü, -^rni, -^emX, z. b. Glag. 
Cloz. prövöciUnago 32, sqdqStago 37, vSmago 50, sqßtago 51, 
cherumivisc^^ 38; aus Zogr. führt Miklosich (vgl. gr. IIP, 59 f. 
an dmgago, iivago, novago, galüejtscömt, gcdü^fistSm^, drujsSm^, 
nebestscöm^; formen auf -^T aus Sav. kn. und Suprasl. bei 
Miklosich a. a. o., aus ev. Assem. bei Jagi6 uvod XXXIII. Die 
früher auch von Miklosich (vgl. gr. I \ 156) gehegte annähme, 
dass pletöchü aus pletätchü entstanden sei, steht also in vollem 
einklange mit den lautverhältnissen der ältesten denkmäler und 
wird auch dadurch empfohlen, dass von den heutig